Content

Dorit Bölsche, Markt-, Kunden- und Zielorientierung in:

Dorit Bölsche

Internationales Katastrophenmanagement, page 61 - 63

Logistik und Supply Chain Management

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4019-5, ISBN online: 978-3-8452-1310-1 https://doi.org/10.5771/9783845213101

Series: Weltwirtschaft und internationale Zusammenarbeit, vol. 3

Bibliographic information
61 5. zwischen einem Unternehmen und seinen Lieferanten 6. innerhalb eines Unternehmens sowie 7. zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden.“142 Dieses flussorientierte Begriffsverständnis findet sich sowohl in einer Vielzahl weiterer bedeutender Literaturquellen143 als auch im Logistik-Verständnis führender nationaler und internationaler Unternehmensverbünde, wie der Bundesvereinigung Logistik (BVL)144 und dem Council of Supply Chain Management Professionals (CSCMP).145 Die oben angegebene Logistik-Definition beschreibt umfassend den Aufgabenbereich der Logistik. Nachfolgend werden die einzelnen Bestandteile der Definition aufgriffen und zunächst in allgemeiner Form charakterisiert. Eine Ausrichtung des Logistikbegriffs und der Inhalte auf das internationale Katastrophenmanagement erfolgt in Abschnitt 3.2. 3.1.2 Markt-, Kunden- und Zielorientierung Ein Markt lässt sich als ein System charakterisieren, das Tauschprozesse ermöglicht. Elemente dieses Systems sind Anbieter und Nachfrager, die in Form von Tauschprozessen in Beziehung zueinander treten (können). Anbieter von Logistikleistungen sind Logistikdienstleister oder andere Unternehmen, die logistische Leistungen anbieten. Nachfrager von Logistikleistungen sind sowohl Endverbraucher als auch andere Unternehmen (z. B. Logistikdienstleister, Industrieunternehmen, Handelsunternehmen), soweit sie die zur Realisierung ihrer Wertschöpfung notwendigen Logistikleistungen nicht selbst erstellen.146 Durch die Nachfrageseite des (Logistik-) Marktes bedeutet Marktorientierung gleichzeitig auch Kundenorientierung und damit „die Ausrichtung des Unternehmens an den Bedürfnissen des Kunden.“147 Diese beurteilen das Angebot und das Ergebnis der logistischen Leistungserstellung nach der wahrgenommenen Kosten/Nutzen-Relation, die sich sowohl aus Kosten bzw. Preisen als auch aus dem 142 Schulte, Christof (2005), S. 1. 143 Vgl. z. B. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 22; Christopher, Martin (2005), S. 4; Fleischmann, Bernhard (2008a), S. 3-4; Murphy, Paul R. / Wood, Donald F. (2004), S. 6; Pfohl, Hans-Christian (2004b), S. 4-5; Weber, Jürgen (1998), S. 79, jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten in der flussorientierten Begriffsdefinition. 144 www.bvl.de: Logistik umfasst die „ganzheitliche Planung, Steuerung, Koordination, Durchführung und Kontrolle aller unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden Güterund Informationsflüsse.“ 145 www.cscmp.org: „Logistics management plans, implements, and controls the efficient, effective forward and reverse flow and storage of goods, services and related information between the point of origin and the point of consumption in order to meet customers’ requirements.“ 146 Vgl. Isermann, Heinz (2004), S. D 2-1-D 2.2. 147 Pfohl, Hans-Christian (2004), S. 11. 62 wahrgenommenen Logistikservice zusammensetzt.148 Folglich spricht Schulte in seiner Definition der Logistik indirekt auch eine Zielorientierung und damit die logistischen Zielgrößen ? Logistikkosten und ? Logistikservice (insbesondere Lieferzeit, Lieferzuverlässigkeit, Lieferflexibilität, Lieferqualität, Informationsbereitschaft) an.149 Diese Zielgrößen finden sich auch in der Charakterisierung der logistischen Aufgabenstellung durch die „7r“: ? Das richtige Produkt ist ? in der richtigen Menge, ? der richtigen Qualität, ? am richtigen Ort ? zur richtigen Zeit, ? zu den richtigen Kosten ? für den richtigen Kunden zur Verfügung zu stellen.150 Die Bedeutung des Begriffs „richtig“ ist jeweils abhängig vom individuellen logistischen Zielsystem. Da sich die beiden logistischen Zielgrößen Logistikkosten und Logistikservice in vielen Entscheidungssituationen konfliktär verhalten, lassen sich logistische Entscheidungen weder einseitig am Ziel der Kostenminimierung noch am Ziel der Servicemaximierung ausrichten.151 Realisierbare logistische Zielsysteme lassen sich beispielsweise wie folgt formulieren:152 ? Maximierung des Logistikservice zu gegebenen Logistikkosten ? Minimierung der Logistikkosten bei Erbringung eines geforderten bzw. akzeptablen Logistikservice ? Erfüllung definierter Anspruchsniveaus in Bezug auf Logistikservice und die Bestandteile des Logistikservice Welches Zielsystem ein Unternehmen in Bezug auf die logistische Leistungserstellung verfolgt hängt von den Zielkunden und damit von der strategischen Ausrich- 148 Vgl. Isermann, Heinz (2008), S. 875-876; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 33-34; Pfohl, Hans-Christian (2004b), S. 11. 149 Vgl. Bowersox, Donald J. / Closs, David J. / Cooper, Bixby M. (2007), S. 23-24; Fleischmann, Bernhard (2008a), S. 7-8; Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 34- 41; Pfohl, Hans- Christian (2004b), S. 11-12; Schulte, Christof (2005), S. 6-8. 150 Vgl. Ehrmann, Harald (2005), S. 25; Isermann, Heinz (1994), S. 22. 151 Vgl. Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 41. 152 Vgl. Pfohl, Hans-Christian (2004a), S. 41; Schulte, Christof (2005), S. 9-12. 63 tung des Unternehmens ab.153 Aufgrund der hohen Bedeutung der Logistikziele für die Analyse, Bewertung und Gestaltung logistischer Systeme wird diesem Thema ein eigener Abschnitt – auch mit Bezug zu Unternehmensstrategien und Unternehmenszielen der Akteure im Katastrophenmanagement – gewidmet.154 3.1.3 Integration und Managementaufgaben Häufig stehen nicht mehr einzelne Unternehmen im Wettbewerb zueinander sondern unternehmensübergreifende Wertschöpfungsketten.155 Demnach geht es bei der Gestaltung von Logistiksystemen nicht nur um die zielorientierte Gestaltung einzelner elementarer logistischer Leistungsprozesse sondern um die integrierte Gestaltung von (unternehmensübergreifenden) Logistik- und Wertschöpfungsketten. Eine Logistikkette stellt die Verknüpfung und damit die Integration elementarer logistischer Leistungsprozesse dar.156 Der Integrationsgedanke wird in der Begriffsbestimmung des Supply Chain Management (SCM) noch stärker in den Vordergrund gestellt und demnach in der Begriffsbestimmung des SCM im folgenden Abschnitt nochmals aufgegriffen. Des Weiteren befasst sich das gesamte Kapitel 5 mit Fragestellungen der unternehmens- übergreifenden Integration des Supply Chain Management.157 Durch die Begriffe „Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle“ wird durch die Definition zum Ausdruck gebracht, dass Logistik eine Managementaufgabe darstellt. Logistikmanagement umfasst sowohl die zielgerichtete Entwicklung und Gestaltung der unternehmensbezogenen und -übergreifenden Wertschöpfungssysteme nach logistischen Prinzipien (strategisches Logistikmanagement) als auch die zielgerichtete Lenkung und Kontrolle der Güter- und Informationsflüsse in diesen Wertschöpfungssystemen (operatives Logistikmanagement).158 153 Vgl. Isermann, Heinz (2008), S. 876. 154 Vgl. Abschnitt 3.2.5. 155 Zum Begriff der Wertschöpfungskette / Supply Chain erfolgen ausführliche Erläuterungen in Kapitel 5. 156 Vgl. Delfmann, Werner (2008), S. 927; Isermann, Heinz (2008), S. 876; Isermann, Heinz / Lieske, Dorit (1998), S. 405-406; Isermann, Heinz (1994), S. 26-28; Klaus, Peter (1998), S. 61-75. 157 Im einleitenden Abschnitt des Kapitels 5 findet sich auch eine Modellierung und Erläuterung zu den Begriffen „elementarer logistischer Leistungsprozesse“ und „Logistikketten“. 158 Vgl. Pfohl, Hans-Christian (2004b), S. 16-18; Weber, Jürgen (1994), S. 45-55.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Im internationalen Katastrophenmanagement werden täglich Entscheidungen mit Logistikbezug getroffen. Die Autorin skizziert die Vielfalt der Entscheidungen durch die folgende Fragestellung: Welche Beschaffungskonzepte, Standorte, Touren, Informationssysteme und Konzepte der Zusammenarbeit sollen im Rahmen der Katastrophenvorsorge und -bewältigung realisiert werden?

Da die Entscheidungen in hohem Maße Qualität und Kosten der Versorgung betroffener Menschen beeinflussen, sollten diese nicht alleine aus dem Erfahrungswissen heraus getroffen, sondern durch logistische Planungsmethoden unterstützt werden.

Anwendungsbezogen und verständlich wird in dem Buch der Einsatz geeigneter Methoden (z. B. Standortplanung, Netzplantechnik) am Beispiel realer Katastrophen vermittelt. Konzepte des SCM und aktuelle Informationssysteme werden mit ihren Potenzialen und Grenzen für das internationale Katastrophenmanagement vorgestellt und unter Einsatz geeigneter Entscheidungskriterien exemplarisch bewertet.