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Dorit Bölsche, Beispiele für Katastrophen in:

Dorit Bölsche

Internationales Katastrophenmanagement, page 33 - 36

Logistik und Supply Chain Management

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4019-5, ISBN online: 978-3-8452-1310-1 https://doi.org/10.5771/9783845213101

Series: Weltwirtschaft und internationale Zusammenarbeit, vol. 3

Bibliographic information
33 change …”33 „…our focus is solely on the consequences of climate change and global warming in terms of the increase human vulnerability.”34 ? Deutsches Komitee für Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV): Szenarien, „die sich auf Erdbeben mit Epizentren in Los Angeles und Tokio beziehen, beziffern die Anzahl von Toten auf 3.000 bis 8.000 bzw. 30.000 bis 60.000 und die möglichen volkswirtschaftliche Schäden auf 170 -225 Mrd. US-$ (Los Angeles) bzw. auf Billionenhöhe (für Tokio) mit weltweit verhängnisvollen wirtschaftlichen Konsequenzen.“35 2.1.3 Beispiele für Katastrophen Die vorgestellten empirischen Daten geben einen Gesamtüberblick über die weltweite Entwicklung und geografische Verteilung der Katastrophen. Beispiele sind in diesem Zusammenhang angedeutet, nicht aber beschrieben worden. Im Folgenden werden drei Beispiele für Katastrophen herausgegriffen, denen gemeinsam ist, dass ? es sich um Naturkatastrophen (jedoch unterschiedlicher Art) handelt, ? sie in den Jahren 2004 und 2005 aufgetreten sind, sodass diese zeitlich nicht weit zurück liegen, ? die Auswirkungen auf die Anzahl der betroffenen Menschen und finanziellen Folgen relativ hoch sind, ? dass sie aufgrund von Berichten in den Medien einen hohen Bekanntheitsgrad aufweisen, ? dass sie durch das Fritz Institute36 sowohl wissenschaftlich dokumentiert und analysiert als auch in Form von vergleichbaren empirischen Studien mit ihren Auswirkungen erfasst wurden, und weitere Fallstudien bzw. wissenschaftliche Dokumentationen vorliegen. Damit stützt sich dieses Buch – auch im weiteren Verlauf – auf eine wissenschaftliche und gut dokumentierte Datenbasis, und der Leser verfügt i.d.R. über eigene Kenntnisse, sodass eine einleitende ausführliche Beschreibung der Beispiele nicht erforderlich ist: “The storm surge from Hurricane Katrina, which made landfall on August 29, 2005, caused catastrophic damage along the coastlines of Louisiana, Mississippi, and Alabama. Levees separating Lake Pontchartrain from New Orleans were breached, ultimately flooding about 80% of the city. Additionally, major wind damage was reported as far as 200 miles inland. Katrina is now considered the deadliest and costliest hurricane in the U.S. in over 80 years. In 33 IFRC (Hrsg.) (2006), S. 6. 34 IFRC (Hrsg.) (2008), S. 5. 35 DKKV (2002), S. 13. 36 Vgl. www.fritzinstitute.org. 34 all, more than 1,400 people were killed and damages are estimated to have exceeded more than $ 75 billion.”37 “At 8:50 a.m. on October 8, 2005, a 7.6 magnitude earthquake struck northern Pakistan causing serious damage in the North West Frontier (NWFP) an Azad Jammu and Kashmir (AJK) provinces. Over 4000 villages were affected, 73,000 people killed, 79,000 injured and 3.3 million people rendered homeless. […] The timing and geography of the earthquake – which occurred at the onset of the harsh winter and in remote, mountainous terrain – caused serious concern about the vulnerability of the affected populations and their ability to survive.”38 “On the 26th of December, 2004, India and Sri Lanka suffered one of the worst natural calamities. A massive earthquake of magnitude 9.0 struck Indonesia off the West Coast of Northern Sumatra at 6.29 A.M. followed three hours later by another quake 81 km west of Pulo Kunji, Great Nicobar. These earthquakes triggered giant tidal waves, which hit 2260 km of Indian coastline on the Southeast coast more than 1000 km of Sri Lanka along its North, East and Southern coasts, causing colossal damage. The current estimates suggest that more than 31,000 people were killed in Sri Lanka and approximately 11,000 people were killed in India. More than two million people were affected by this disaster in the two countries, with the number displaced hovering at about 1 million.” 39 Diese drei Beispiele werden auch in nachfolgenden Abschnitten und Kapiteln des Buches aufgegriffen, um Inhalte des internationalen Katastrophenmanagements sowie der Logistik und des Supply Chain Management im Katastrophenmanagement zu erläutern. Durch die oben angegebenen Gemeinsamkeiten aber auch durch ihre Unterschiede nach der Art (Wirbelsturm, Erdbeben und Tsunami) und geografischen Zuordnung (USA, Pakistan, Indonesien) dienen sie repräsentativ zu Erläuterungszwecken, die sich auf andere Katastrophen übertragen lassen. Ergänzt werden diese Beispiele im praktischen Teil der Arbeit um eine Katastrophe aus dem Jahr 2008. Im Gegensatz zu den ausgewählten Naturkatastrophen handelt es sich hierbei um eine Katastrophe, die ausschließlich durch Menschen verursacht wurde: Mit dem Ende des Jahres 2007 hat sich in Kenia eine Katastrophe durch Unruhen nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen ereignet, die sich mehrere Monate in das Jahr 2008 fortgesetzt hat. Am 27. Dezember 2007 – dem Tag der Wahl – berichtete die Tagesschau von einem zu erwartenden Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Bewerbern um das Amt des Präsidenten Mwai Kibaki und Raila Odinga. Bereits am Wahltag ereignete sich eine Unregelmä- ßigkeit, in der Form, dass der Kandidat Odinga seine Stimme zunächst nicht abgeben konnte und Beschwerde bei der Wahlkommission einlegte. Als zwei Tage nach den Präsidentschaftswahlen noch immer kein Ergebnis vorlag, brachen erste Unruhen im Westen des Landes (in Kisumu) aus. Als Grund für die Verzögerungen wurden von beiden Seiten Vermutungen über 37 Fritz Institute (Hrsg.) (2006), S. 2. 38 Bliss, Desiree / Larsen, Lynnette (2006), S. 2; vgl. auch Treptow, Rainer (2007), S. 10. 39 Thomas, Anisya / Ramalingam, Vimala (2005a), S. 2. Die oben angegebenen Daten beziehen sich ausschließlich auf Indien und Sri Lanka. Angaben zu weiteren Auswirkungen finden sich z. B. in Treptow, Rainer (2007), S. 10: „Rund 225.000 Menschen ließen ihr Leben, etliche mehr wurden verletzt, der materielle Schaden beträgt mehrere hundert Milliarden Euro.“ Vgl. zu den gesamten Folgen auch Thomas, Anisya / Ramalingam, Vimala (2005c), S. 2. Die Auswirkungen eines weiteren Tsunamis in Indonesien aus dem Juli 2006 beschreibt Bliss, Desiree / Campbell, Jennifer (2007). 35 Wahlbetrug geäußert. Am Abend des 29. Dezember wurde von einem „Chaos nach der Wahl“; am Morgen des 30.12.2007 – an dem Tag, an dem Kibaki als neuer Präsident vereidigt worden ist – wurde über heftige Ausschreitungen berichtet. Nach einem sehr knappen Wahlergebnis warf Odinga der Regierung eine Manipulation des Wahlergebnisses vor, auch die Wahlbeobachter der EU äußerten Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Vorgänge.40 … (Der Verlauf der Unruhen soll an dieser Stelle nicht im Detail beschrieben werden.) Die Auswirkungen der Katastrophe lassen sich für Januar und Februar 2008 wie folgt zusammenfassen: Über 1.000 Personen wurden durch die Unruhen getötet, über 160.000 verletzt und mehr als 200.000 Personen sind geflüchtet. Durch Hilfsorganisationen sind 296 Camps errichtet worden, in denen auch weitgehend die medizinische Versorgung der Bevölkerung erfolgt. 3,823 Tsd. Tonnen Nahrungsmittel sind an über 370.000 Menschen verteilt worden.41 Für diese kurz beschriebene Katastrophe stehen aktuelle Daten (z. B. über Lagerbestände, Rahmenbedingungen für Transporte, Verantwortungsbereiche der einzelnen Akteure) zur Verfügung, die kontinuierlich aktualisiert werden. Das Joint Logistics Centre der Vereinten Nationen (UNJLC) stellt mit dem Logistics Cluster eine solche Plattform zur Verfügung,42 die in den Jahren 2005 und 2006 noch nicht bzw. in reduzierter Form zur Verfügung stand. Einen Überblick über weitere Katastrophen geben z. B. die Jahresberichte der Hilfsorganisation, in diesen werden unter Überschriften wie „Vergessene Katastrophen“ auch Beispiele benannt, die in den Medien weniger Verbreitung gefunden haben als die in diesem Abschnitt angegebenen Beispiele. 43 Die wenigen in diesem Abschnitt skizzierten Katastrophen weisen bereits auf die Vielfalt von Katastrophen hin. Eine Klassifizierung dieser Katastrophen nach bestimmten Kriterien erfolgt im nachfolgenden Abschnitt. Die Zuordnung einer Katastrophe zu einer Klasse kann für Einsätze im Katastrophenmanagement – so auch für die Logistik und das SCM – wertvolle Informationen liefern. Dies betrifft sowohl die Gestaltung der Katastropheneinsätze nach dem Eintritt einer Katastrophe als auch die Vorbereitung auf zukünftige Ereignisse in Form vorbereitender Maßnahmen. Diese können darauf abzielen, eine Katastrophe zu vermeiden, die Auswirkungen zu verringern oder die Planungen zukünftiger Ereignisse zu unterstützen. 40 Vgl. im Einzelnen Berichte in www.tagesschau.de, abgelegt im Archiv unter Ausland, Stichwort Kenia. Die Zusammenfassung wurde auf der Grundlage von Berichten zwischen dem 27.12.2007 und dem 3.1.2008 erstellt. 41 Vgl. Angaben in www.logcluster.org, Link Kenia, Koordination, Inter-Cluster Progress Report vom 8.2.2008. 42 Siehe www.unjlc.org sowie www.logcluster.org. 43 Vgl. z. B. Ärzte ohne Grenzen (Hrsg.) (2006); CARE (Hrsg.) (2006); Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2007); Diakonie (Hrsg.) (2006); IFRC (Hrsg.) (2006). 36 2.1.4 Klassifizierung von Katastrophen Eine Klassifizierung von Katastrophen kann nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen, so beispielsweise44 ? nach Ursachen für das Auftreten einer Katastrophe (natürliche Ursachen, technische Ursachen, Ursachen in der Verantwortung von Menschen, vermeidbare / nicht vermeidbare Katastrophen oder eine Kombination mehrerer Ursachen);45 ? nach der geografischen Zuordnung einer Katastrophe (z. B. geographische Zuordnung der Ursache der Katastrophe oder der Folgen der Katastrophe);46 ? nach den Folgen einer Katastrophe (Anzahl betroffener Menschen z. B. durch Tod, Krankheit, Obdachlosigkeit, Evakuierung, Hunger und / oder Flucht, finanzielle Schäden).47 Die folgende Klassifizierung von Katastrophen bezieht alle drei Ebenen der Kategorisierung ein. Dabei wird zunächst mit der Art der Katastrophe Bezug auf die Ursache genommen. Die so klassifizierten Katastrophen lassen sich dann sowohl in der geografischen Zuordnung als auch mit den erfassten Folgen weiter systematisieren. Als Arten unterschiedlicher Katastrophen lassen sich die folgenden Unterscheidungen treffen: ? Naturkatastrophen werden durch extreme Naturereignisse ausgelöst, die biologischen, geologischen und meteorologischen Ursprungs sein können.48 Naturkatastrophen können sowohl ausschließlich durch natürliche Extremereignisse verursacht sein (so z. B. durch die Verschiebung von Erdplatten) als auch durch menschliche Ursachen bedingt sein (z. B. durch Flussbegradigungen oder Brandstiftung). In einigen Fällen lässt sich die Ursache nicht eindeutig bestimmen, so beispielsweise bei Stürmen oder sonstigen Wetterereignissen, die sich einem menschlich verursachten Klimawandel bzw. extremen Wettereignissen nicht eindeutig zuordnen lassen.49 Das CRED erfasst in seinen statistischen 44 Eine Unterscheidung nach plötzlich auftretenden und allmählich entstehenden Katastrophen (vgl. hierzu Tufinkgi, Philippe (2006), S. 31-32) wird im Folgenden nicht als Klassifizierungskriterium herangezogen, da diese Unterscheidung i.d.R. mit der Art der Katastrophe verbunden ist. Während Vulkanausbrüche ebenso wie Erdbeben plötzlich auftreten, entwickeln sich Dürren eher allmählich im Zeitablauf. Bei Reaktorunglücken sind beide Formen gemeinsam vorstellbar. 45 Vgl. z. B. Adam, Verena (1996), S. 69-81; DKKV (2002), S. 4-12; Treptow, Rainer (2007), S. 10-17; Tufinkgi, Philippe (2006), S. 28-31. 46 Vgl. z. B. Tufinkgi, Philippe (2006), S. 27-28. 47 Vgl. z. B. Adam, Verena (1996), S. 82-87; Treptow, Rainer (2007), S. 16. 48 Vgl. Adam, Verena (1996), S. 75; DKKV (2002), S. 4-12; Tufinkgi, Philippe (2006), S. 28- 29. 49 Vgl. Adam, Verena (2006), S. 75-81; DKKV (2002), S. 4-12; Tufinkgi, Philippe (2006), S. 30-31.

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Zusammenfassung

Im internationalen Katastrophenmanagement werden täglich Entscheidungen mit Logistikbezug getroffen. Die Autorin skizziert die Vielfalt der Entscheidungen durch die folgende Fragestellung: Welche Beschaffungskonzepte, Standorte, Touren, Informationssysteme und Konzepte der Zusammenarbeit sollen im Rahmen der Katastrophenvorsorge und -bewältigung realisiert werden?

Da die Entscheidungen in hohem Maße Qualität und Kosten der Versorgung betroffener Menschen beeinflussen, sollten diese nicht alleine aus dem Erfahrungswissen heraus getroffen, sondern durch logistische Planungsmethoden unterstützt werden.

Anwendungsbezogen und verständlich wird in dem Buch der Einsatz geeigneter Methoden (z. B. Standortplanung, Netzplantechnik) am Beispiel realer Katastrophen vermittelt. Konzepte des SCM und aktuelle Informationssysteme werden mit ihren Potenzialen und Grenzen für das internationale Katastrophenmanagement vorgestellt und unter Einsatz geeigneter Entscheidungskriterien exemplarisch bewertet.