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Dorit Bölsche, Begriffsdefinition und Kriterien in:

Dorit Bölsche

Internationales Katastrophenmanagement, page 26 - 27

Logistik und Supply Chain Management

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4019-5, ISBN online: 978-3-8452-1310-1 https://doi.org/10.5771/9783845213101

Series: Weltwirtschaft und internationale Zusammenarbeit, vol. 3

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26 2 Katastrophen und internationales Katastrophenmanagement 2.1 Grundlagen zu Katastrophen 2.1.1 Begriffsdefinition und Kriterien Der Begriff der „Katastrophe“ geht auf das antike griechische Drama zurück und beschreibt die „entscheidende Wendung des Geschehens zum endgültig Schlimmen.“11 Aus unterschiedlichen Wissenschaften (z. B. Soziologie, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften) steht heute eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen für den Begriff der Katastrophe zur Verfügung.12 Diese Arbeit legt den Katastrophenbegriff des “Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED)“ zugrunde: „A situation or event, which overwhelms local capacity, necessitating a request to national or international level for external assistance; an unforeseen and often sudden event that causes great damage, destruction and human suffering.”13 Das Centre for Research on the Epidemiology of Disasters, im Folgenden auch kurz als CRED bezeichnet, wurde im Jahr 1973 als Universitätsinstitut in Belgien gegründet und bildet seit 1980 einen Bestandteil des „Global Programme for Emergency Preparedness and Response“ der World Health Organization (WHO). Das Institut arbeitet eng mit Organisationseinheiten der Vereinten Nationen, internationalen, staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen sowie Forschungsinstituten zusammen.14 Seit dem Jahr 1998 wird jährlich detailliertes statistisches Datenmaterial über die Anzahl und Auswirkungen weltweiter Katastrophen – mit Angaben zur Art und geographischen Zuordnung – in Jahresberichten veröffentlicht.15 Entwicklungen im Zeitablauf werden durch Jahresvergleiche mit unterschiedlichen Bezugszeiträumen dargestellt. Weiteres Datenmaterial wird auf einer Datenbank „EM- 11 Treptow, Rainer (2007), S. 9. Vgl. auch Adam, Verena (2006), S. 59. 12 Vgl. hierzu beispielsweise Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen in Adam, Verena (2006), S. 58-68; Tufinkgi, Philippe (2006), S. 11-26. Die angegebenen Quellen enthalten ebenfalls Abgrenzungen zu nahe stehenden Begriffen, wie „Krise“ und „Notfall“. 13 Hoyois, P. u.a. (2007), S. 15. Vergleichbare Definitionen finden sich beispielsweise in Domres, Bernd (2007), S. 116; Kulmhofer, Alexandra (2007), S. 122; Pan American Health Organization / World Health Organization (Hrsg.) (2001), S. 1. 14 Vgl. Hoyois, P. u.a. (2007), S. 11. 15 Die Veröffentlichung erscheint jährlich unter dem Titel „Annual Disaster Statistical Review: Numbers and Trends“, für das Jahr 2006 vgl. Hoyois, P. u.a. (2007). 27 DAT“ (Emergency Events database) zur Verfügung gestellt, die bis in das Jahr 1900 zurückgeht.16 Die Begriffsdefinition des CRED eignet sich für die vorliegende Arbeit, da sie disziplinenübergreifend in Wissenschaft und Praxis des Katastrophenmanagements Anerkennung gefunden hat. Darüber hinaus lässt sich so die Datenbasis des CRED verwenden, ohne dass weitere Anpassungen erforderlich sind. Das Centre for Research on the Epidemiology of Disasters legt Kriterien fest, von denen mindestens eines erfüllt sein muss, damit das Ereignis als Katastrophe in die Datenbasis aufgenommen wird: ? Der Tod von mindestens 10 Personen ist gemeldet oder wird bei vermissten Personen vermutet, ? mindestens 100 Personen sind von dem Ereignis betroffen und benötigen sofortige Unterstützung (auch in Form einer Evakuierung und aufgrund von Obdachlosigkeit), ? das Ereignis wird als Notfall deklariert oder ? internationale Hilfe wird erbeten.17 2.1.2 Entwicklung im Zeitablauf In diesem Abschnitt wird die Entwicklung von Katastrophen, die die oben benannten Kriterien erfüllen, im Zeitablauf dargestellt. Dabei erfolgt zunächst eine Ausrichtung auf Naturkatastrophen (weitere Arten von Katastrophen werden mit der Klassifizierung von Katastrophen in Abschnitt 2.1.4 vorgestellt). Bereits aus dem Jahr 1755 liegt mit dem Erdbeben von Lissabon, dem etwa 30.000 Menschen zum Opfer gefallen sind, eine umfangreiche Dokumentation über eine gravierende Naturkatastrophe mit ihren Auswirkungen vor.18 Seit der Gründung des CRED wird systematisch Datenmaterial über Anzahl und Auswirkungen von Katastrophen erfasst. Auf dieses Datenmaterial stützen sich die folgenden übergreifenden Darstellungen, die bis in das Jahr 1974 zurückgehen. Das nachfolgende Diagramm stellt zunächst den Verlauf der Anzahl weltweiter Naturkatastrophen bis zum Jahr 2006 dar.19 Für Zwecke der Übersichtlichkeit wurden in der Darstellung jeweils Durchschnittswerte über mehrere Jahre gebildet. Die Abbildung verdeutlicht einen Anstieg in der Anzahl aufgetretener Naturkatastrophen von durchschnittlich 99 in den Jahren 1974-1978 auf durchschnittlich 430 in den aktuellen Berichtsjahren 2005 und 2006. Dem Diagramm wurde eine lineare Trendlinie 16 Die Datenbank steht unter www.emdat.be zur Verfügung. Vgl. auch Guha-Sapir, Debarati u.a. (2004); Hoyois, P. u.a. (2007), S. 13; Tschoegl, Liz u.a. (2007). 17 Vgl. Hoyois, P. u.a. (2007), S. 15-16; vgl. auch Henderson, James H. (2007), S. 1-2. 18 Vgl. z. B. Treptow, Rainer (2007), S. 9. 19 Die Daten wurden zusammengestellt aus Guha-Sapir, Debarati u.a. (2004), S. 75-188; Hoyois, P. u.a. (2007), S. 35-37; IFRC (Hrsg.) (2007), S. 185-196; www.emdat.be.

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Zusammenfassung

Im internationalen Katastrophenmanagement werden täglich Entscheidungen mit Logistikbezug getroffen. Die Autorin skizziert die Vielfalt der Entscheidungen durch die folgende Fragestellung: Welche Beschaffungskonzepte, Standorte, Touren, Informationssysteme und Konzepte der Zusammenarbeit sollen im Rahmen der Katastrophenvorsorge und -bewältigung realisiert werden?

Da die Entscheidungen in hohem Maße Qualität und Kosten der Versorgung betroffener Menschen beeinflussen, sollten diese nicht alleine aus dem Erfahrungswissen heraus getroffen, sondern durch logistische Planungsmethoden unterstützt werden.

Anwendungsbezogen und verständlich wird in dem Buch der Einsatz geeigneter Methoden (z. B. Standortplanung, Netzplantechnik) am Beispiel realer Katastrophen vermittelt. Konzepte des SCM und aktuelle Informationssysteme werden mit ihren Potenzialen und Grenzen für das internationale Katastrophenmanagement vorgestellt und unter Einsatz geeigneter Entscheidungskriterien exemplarisch bewertet.