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Rolf Eicke, Situation in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 359 - 360

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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V. »Double Dip« mit deutscher Personengesellschaft 359 V. »Double Dip« mit deutscher Personengesellschaft In der internationalen Steuerplanung werden häufig Personengesellschaften eingesetzt. Insbesondere die GmbH & Co. KG und die stille Gesellschaft1545 sind sehr gebräuchlich.1546 Die Komplementär-GmbH kann zudem als umgekehrt hybride1547 Gesellschaft i.S.d. U.S.-amerikanischen Check-the-Box-Regeln ausgestaltet werden. A. Situation Wenn Aufwendungen für steuerliche Zwecke zweifach geltend gemacht werden können, wird von einem »Double Dip« gesprochen. In einem solchen Falle erhöht sich der repatriierbare Betrag. Für multinationale U.S.amerikanische Unternehmen bietet sich der Einsatz einer Personengesellschaft, z.B. einer GmbH & Co. KG, zur Realisierung eines solchen »Double Dips« an. Ein wichtiges Element dieser Strukturen ist das Sonderbetriebsvermögen.1548 Eine Struktur könnte so aussehen, dass die U.S.-amerikanische Gesellschaft als Gesellschafter der Komplementär-GmbH fungiert, welche 0% der Anteile an der KG hält. Gleichzeitig ist die U.S.amerikanische Gesellschaft Kommanditist der GmbH, der 100% der Anteile hält. 1545 Siehe beispielsweise Jacobs, Internationale Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 463; Kessler, Die stille Beteiligung als Instrument der Steuergestaltung nach der Unternehmenssteuerreform, in: Herzig/Günkel/Niemann, Steuerberaterjahrbuch 2002/2003, S. 375-415; Kollruss, Die hybride Kapitalgesellschaft – Gestaltungen zur doppelten Verlustverwertung (Double-Dipping) im Verhältnis Deutschland – USA, IStR 2004, 735, 737. 1546 Über Double-Dip-Strukturen, Kollruss, Die hybride Kapitalgesellschaft – Gestaltungen zur doppelten Verlustverwertung (Double-Dipping) im Verhältnis Deutschland – USA, IStR 2004, 735-741; Kessler, Die stille Beteiligung als Instrument der Steuergestaltung nach der Unternehmenssteuerreform, in: Herzig/Günkel/Niemann, Steuerberaterjahrbuch 2002/2003, S. 375-406; Jänisch/Klein, Inbound Finanzierung von Großbritannien nach Deutschland über eine KG Holding Struktur, BB 2007, 696-700; Kollruss, Die neuen Organschaftsregeln in den Niederlanden und Double-Dip-Strukturen für deutsche Outbound-Investitionen, IStR 2004, 5-10. 1547 Siehe Djanani/Brähler, Internationale Steuerplanung durch Ausnutzung von Qualifikationskonflikten, Steuer und Wirtschaft 2007, 53, 55, 56. Ferner, VanderWolk, How to Use Tax Treaties in International Tax Planning, U.S. Taxation of International Operations, 19.4.2000, 5279, 5292. 1548 Vgl. Müller, Double-Dip-Modelle bei deutschen Personengesellschaften, IStR 2005, 181-187; Endres/Schreiber/Dorfmüller, Holding companies are key international tax planning tool, International Tax Review 2006, December/January, 46, 49. 360 Kapitel 10: Strukturen Bei Personengesellschaften werden Aufwendungen nicht direkt bei den Gesellschaftern berücksichtigt, sondern zunächst auf der Ebene der Personengesellschaft im Sonderbetriebsvermögen.1549 Die Gewinnermittlung erfolgt einheitlich und gesondert für jeden Gesellschafter (§ 179 AO). B. Lösung Die vorgeschlagene Struktur macht sich zwei Charakteristika des deutschen Steuerrechts zunutze. Zum einen die transparente Besteuerung von Personengesellschaften und zum anderen § 8b Abs. 6 KStG, der eine Beteiligungsertragsbefreiung inklusive 5%iger »Schachtelstrafe« (§ 8b Abs. 5 KStG) auch für Personengesellschaften gewährt. Wenn eine U.S.-amerikanische Gesellschaft die unten dargestellte Struktur implementiert, kann sie Zinsaufwendungen zweifach steuerlich geltend machen. Zunächst vergibt die U.S. Corp. I ein Darlehen an die U.S. Corp. II (intra-group loan). Die Zinszahlungen sind bei der U.S. Corp. II abzugsfähig. Wenn die U.S. Corp. II dieses Darlehen dazu nutzt, als Kommanditist in eine deutsche GmbH & Co. KG zu investieren (Sonderbetriebsvermögen II), können die Zinsaufwendungen nochmals im Rahmen des Sonderbetriebsvermögens in Deutschland abgezogen werden. Dadurch mindert sich die Gesamtsteuerbelastung der U.S. Corp. II in ihrer Funktion als Kommanditist der GmbH & Co. KG. 1550 Um diese steuerliche Wirkung zu optimieren, bietet sich die Errichtung einer Organschaft an, wodurch die Verluste der GmbH & Co. KG mit den Gewinnen der Tochtergesellschaften verrechnet werden können [Abbildung 43]. In einem solchen Falle ist es wichtig, dass die GmbH & Co. KG eine wirtschaftliche Tätigkeit ausführt (z.B. Dienstleistungen), um als Organträger fungieren zu können.1551 Ein Nutzen dieser GmbH & Co. KG-Holdingstruktur besteht zum einen darin, dass mangels einer deutschen Branch Profits Tax eine Repatriierung ohne Quellensteuern möglich ist und zum anderen, dass die ausländischen Einkünfte bis zur Repatriierung von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abgeschirmt werden können. Das setzt eine entsprechende Check-the-Box- 1549 Müller, Double-Dip-Modelle bei deutschen Personengesellschaften, IStR 2005, 181, S. 276. Siehe auch Ismer/Kost, Sondervergütungen unter dem DBA-USA, IStR 2007, 120-124. 1550 Vgl. Endres/Schreiber/Dorfmüller, Holding companies are key international tax planning tool, International Tax Review 2006, December/January, 46, 49; Kessler/ Schmidt/Teufel, GmbH & Co. KG als attraktive Rechtsformalternative für eine deutsche Euro-Holding, IStR 2001, 265-274. 1551 Die Struktur funktioniert auch mit Kanada, Frankreich und Schweden, so Endres/ Schreiber/Dorfmüller, Holding companies are key international tax planning tool, International Tax Review 2006, December/January, 46, 49.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.