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Rolf Eicke, Jersey in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 262 - 263

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

Bibliographic information
262 Kapitel 7: Holdingstandorte C. Jersey Das Steuersystem1183 sowie die sonstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Insel Jersey haben ein sehr erfolgreiches Umfeld für Finanzierungsgesellschaften und Versicherungen geschaffen. 1184 Als »Kronbesitz« ist Jersey direkt der britischen Krone unterstellt. Jersey ist zwar kein Mitglied der Europäischen Union, liegt aber im Anwendungsbereich von Maßnahmen der EU wie der Zinsrichtlinie oder dem EU-Code of Conduct. 1185 Doppelbesteuerungsabkommen existieren mit dem Vereinigten Königreich und mit Guernsey. Außerdem gibt es Vereinbarungen zum Informationsaustausch mit den Vereinigten Staaten und den Niederlanden. Für Holdinggesellschaften auf Jersey ist die Nähe zur Finanzindustrie sehr attraktiv.1186 Daher fungieren Holdinggesellschaften auf Jersey häufig als Finanzierungsgesellschaften. Am 1. Januar 2009 wird ein zweistufiges Körperschaftsteuersystem eingeführt, was Einfluss auf die Steuerplanung mit sog. Special Purpose Vehicles hat.1187 Das neue Steuersystem ist insbesondere für U.S.-amerikanische Investoren attraktiv, deren Struktur einer Gesellschaft bedarf, die zwar keinen Geschäftssitz im Vereinigten Königreich innehat, aber im Vereinigten Königreich steuerpflichtig ist (z.B. in der Fondsindustrie). 1188 Diese Konstellation wird bislang vor allem durch Cayman Islands Gesellschaften ermöglicht. Grundsätzlich erhebt Jersey keine Ertrag-, Gewinn- oder Quellensteuern. Nachteilig ist allerdings, dass Holdinggesellschaften auf Jersey häufig im Anwendungsbereich ausländischer CFC-Regeln liegen (auch und vor allem der U.K.-CFC-Regeln). 1183 Siehe den Überblick in Sullivan, Offshore Explorations: Jersey, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 532- 543 und die Replik der Regierung von Jersey in Powell, The Jersey Government Responds, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 785- 786. 1184 Sullivan, Offshore Explorations: Jersey, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 532. 1185 Johnson, Tax Haven No More?, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 1089; Bater, Jersey, in: IBFD, Europe – Corporate Taxation, 2007, Ch. 0; Dreßler, Gewinn- und Vermögensverlagerungen in Niedrigsteuerländer und ihre steuerliche Überprüfung, 2007, S. 101-106. 1186 Johnson, Though This Be Madness, Yet There Is Method In't, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 869, 870. 1187 Johnson, Though This Be Madness, Yet There Is Method In't, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 869-871; Johnson, Tax Haven No More?, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 1089-1091; Bater, Jersey, in: IBFD, Europe – Corporate Taxation, 2007, Ch. 1.6 und 6. 1188 Johnson, Though This Be Madness, Yet There Is Method In't, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 869, 870. V. Alternativen 263 D. Guernsey Ein weiterer »Kronbesitz« ist die Kanalinsel Guernsey. Die Versicherungsindustrie ist hinter Bermuda und den Cayman Islands die drittgrößte weltweit. 1189 Es gibt Doppelbesteuerungsabkommen mit Jersey und dem Vereinigten Königreich, die beide einen umfangreichen Informationsaustausch vorsehen. Guernsey erhebt keine Ertrag-, Gewinn- oder Quellensteuern. E. Isle of Man Ähnlich wie Jersey ist die Isle of Man ein wichtiger Standort für Finanzierungsgesellschaften.1190 Als »Kronbesitz« ist die Isle of Man teilunabhängig vom Vereinigten Königreich und kein Mitglied der Europäischen Union. Es gibt ein Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Vereinigten Königreich. Grundsätzlich erhebt die Isle of Man keine Ertrag-, Gewinnoder Quellensteuern. F. Gibraltar Die britische Kronkolonie Gibraltar hat sich in den letzten Jahrzehnten einen Ruf als Finanzzentrum aufgebaut.1191 Gibraltar ist Teil der Europäischen Union (allerdings nicht Teil des Binnenmarktes), so dass alle euro- 1189 Siehe einen Überblick in, Sullivan, Offshore Explorations: Guernsey, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 241-256 und eine Replik auf diesen Artikel in Sherman, Legitimate Reasons to Go Offshore, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 1259, 1260. Ferner, Bater, Guernsey, in: IBFD, Europe – Corporate Taxation, 2007; Dreßler, Gewinn- und Vermögensverlagerungen in Niedrigsteuerländer und ihre steuerliche Überprüfung, 2007, S. 104. 1190 Whipp, Isle of Man: International Financial Centre, Tax Planning International Review 2006, Vol. 33, November, 19-23. Im Detail, Sullivan, Offshore Explorations: Isle of Man, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 729-739; Bater, Isle of Man, in: IBFD, Europe – Corporate Taxation, 2007. Ferner, Langer, Tax Havens Used For Offshore Companies, in: Langer, Langer on International Tax Planning, 2008, § 40:2.2. 1191 Vertiefend, Bater, Gibraltar, in: IBFD, Europe – Corporate Taxation, 2007. Ferner, Langer, Tax Havens Used For Offshore Companies, in: Langer, Langer on International Tax Planning, 2008, § 40:2.3; Langer, Gibraltar, in: Langer, Langer on International Tax Planning, 2008, § 135:1.1; Langer, Tax Havens Used For Offshore Companies, in: Langer, Langer on International Tax Planning, 2008, § 40:2.3.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.