Content

Rolf Eicke, Liechtenstein in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 261 - 262

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

Bibliographic information
V. Alternativen 261  keine Abzugsfähigkeit von Finanzierungskosten;  strenge CFC-Regeln;1179  strenge Thin Cap-Regeln. B. Liechtenstein Das Fürstentum Liechtenstein weist eine lange Tradition als Finanzzentrum auf. Mit der »Liechtensteiner Stiftung« (seit 1926) sowie dem Institut der Anstalt und unter dem Schutz eines strengen Bankgeheimnisses ist es Liechtenstein gelungen, viele ausländische Investoren anzulocken. 1180 Die attraktiven steuerlichen Rahmenbedingungen führten jedoch dazu, dass Liechtenstein immer wieder von der EU und der OECD scharf kritisiert wurde. Liechtenstein ist neben Monaco und Andorra eines von drei auf der OECD-Liste der unkooperativen Tax Havens verbliebenen Länder. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte das Steuersystem zuletzt durch den Liechtensteiner Steuerskandal im Jahre 2008.1181 Seit längerem gibt es Bemühungen, das Steuersystem im Einklang mit internationalen Standards zu bringen. Zu diesem Zweck wurde die »FL Tax Roadmap« entwickelt.1182 Dennoch wird Liechtenstein als Standort für Holdinggesellschaften unattraktiv bleiben. Der Reputationsverlust und das daraus resultierende Wahrnehmungsproblem (»perception problem«) bei ausländischen Finanzbehörden und Stakeholdern ist sehr groß. Außerdem hat Liechtenstein nur ein einziges Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen (mit Österreich). 1179 Schönfeld, Hinzurechnungsbesteuerung und Europäisches Gemeinschaftsrecht, 2005, S. 567ff. 1180 Dreßler, Gewinn- und Vermögensverlagerungen in Niedrigsteuerländer und ihre steuerliche Überprüfung, 2007, S. 63. 1181 Kessler/Eicke, Germany's Fruit of Liechtenstein's Poisonous Tree, Tax Notes International 2008, Vol. 49, 871-874. 1182 Wagner, Liechtenstein: Steuerrechtsreform auf dem Weg, IStR 2007, Länderbericht, Heft 9, S. 4. 262 Kapitel 7: Holdingstandorte C. Jersey Das Steuersystem1183 sowie die sonstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Insel Jersey haben ein sehr erfolgreiches Umfeld für Finanzierungsgesellschaften und Versicherungen geschaffen. 1184 Als »Kronbesitz« ist Jersey direkt der britischen Krone unterstellt. Jersey ist zwar kein Mitglied der Europäischen Union, liegt aber im Anwendungsbereich von Maßnahmen der EU wie der Zinsrichtlinie oder dem EU-Code of Conduct. 1185 Doppelbesteuerungsabkommen existieren mit dem Vereinigten Königreich und mit Guernsey. Außerdem gibt es Vereinbarungen zum Informationsaustausch mit den Vereinigten Staaten und den Niederlanden. Für Holdinggesellschaften auf Jersey ist die Nähe zur Finanzindustrie sehr attraktiv.1186 Daher fungieren Holdinggesellschaften auf Jersey häufig als Finanzierungsgesellschaften. Am 1. Januar 2009 wird ein zweistufiges Körperschaftsteuersystem eingeführt, was Einfluss auf die Steuerplanung mit sog. Special Purpose Vehicles hat.1187 Das neue Steuersystem ist insbesondere für U.S.-amerikanische Investoren attraktiv, deren Struktur einer Gesellschaft bedarf, die zwar keinen Geschäftssitz im Vereinigten Königreich innehat, aber im Vereinigten Königreich steuerpflichtig ist (z.B. in der Fondsindustrie). 1188 Diese Konstellation wird bislang vor allem durch Cayman Islands Gesellschaften ermöglicht. Grundsätzlich erhebt Jersey keine Ertrag-, Gewinn- oder Quellensteuern. Nachteilig ist allerdings, dass Holdinggesellschaften auf Jersey häufig im Anwendungsbereich ausländischer CFC-Regeln liegen (auch und vor allem der U.K.-CFC-Regeln). 1183 Siehe den Überblick in Sullivan, Offshore Explorations: Jersey, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 532- 543 und die Replik der Regierung von Jersey in Powell, The Jersey Government Responds, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 785- 786. 1184 Sullivan, Offshore Explorations: Jersey, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 532. 1185 Johnson, Tax Haven No More?, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 1089; Bater, Jersey, in: IBFD, Europe – Corporate Taxation, 2007, Ch. 0; Dreßler, Gewinn- und Vermögensverlagerungen in Niedrigsteuerländer und ihre steuerliche Überprüfung, 2007, S. 101-106. 1186 Johnson, Though This Be Madness, Yet There Is Method In't, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 869, 870. 1187 Johnson, Though This Be Madness, Yet There Is Method In't, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 869-871; Johnson, Tax Haven No More?, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 1089-1091; Bater, Jersey, in: IBFD, Europe – Corporate Taxation, 2007, Ch. 1.6 und 6. 1188 Johnson, Though This Be Madness, Yet There Is Method In't, Tax Notes International 2007, Vol. 45, 869, 870.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.