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Rolf Eicke, Körperschaftsteuersätze, Gesellschaft- bzw. Stempelsteuer in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 194 - 195

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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194 Kapitel 7: Holdingstandorte Aus der Zusammenschau dieser Fälle lassen sich folgende Lehren ableiten. Nationale Anti-Missbrauchsvorschriften sind nur im Einklang mit europarechtlichen Vorgaben, wenn  sie eine Prüfung von Fall zu Fall zulassen;804  sich auf die Bekämpfung rein künstlicher Gestaltungen beschränken und  dem Steuerpflichtigen ein Gegenbeweisrecht einräumen,805 weil ansonsten die Verhältnismäßigkeit der Beschränkung nicht gewahrt ist.806 Darüberhinaus dürfen Anti-Missbrauchsvorschriften nicht die Vorgaben in  Art. 1 Abs. 2 Mutter-Tochter-Richtlinie807 und  Art. 11 Abs. 1a Fusionsrichtlinie808 überschreiten. J. Körperschaftsteuersätze, Gesellschaft- bzw. Stempelsteuer Durch das sog. Tax Rate Shopping 809 wird es dem Steuerpflichtigen ermöglicht, in den Grenzen der CFC-Regeln810 und anderer Anti-Missbrauchsvorschriften, die Vorzüge des globalen Steuerwettbewerbs zu nutzen. Aus Sicht eines multinationalen U.S.-amerikanischen Unternehmens gibt es jedoch das Problem, dass der Vorteil niedrigbesteuerter ausländischer Einkünfte im Zeitpunkt der Repatriierung durch das Anrechnungssystem egalisiert wird. Daher spielen die Körperschaftsteuersätze in den Holdingstandorten im Rahmen der Repatriierung nur dann eine Rolle, wenn diese höher als 35% sind und daher Anrechnungsüberhänge geschaffen werden. Allerdings wendet keiner der vorgestellten Holdingstandorte einen höheren Körperschaftsteuersatz als die Vereinigten Staaten an. Ein weiterer Grund, warum der Körperschaftsteuersatz des Holdingstandortes kein vorrangiges Kriterium bildet, ist die grundsätzlich weitgehende Frei- 804 Vgl. EuGH v. 17. Juli 1997, C-28/95 (Leur-Bloem), Tz. 40-45. 805 EuGH v. 12. September 2006 – C-196/04 (Cadbury Schweppes), Tz. 51; EuGH v. 1. März 2007 – C-524/04 (Test Claimants in the Thin Cap Group Litigation), Tz. 72, 74. Ferner, Aitken, The »Thin Cap« End of the Wedge?, Tax Planning International Review 2006, Vol. 33, August, 12. 806 Im Detail, Zalasinski, Case-Law-Based Anti-Avoidance Measures in Conflict with Proportionality Test, European Taxation 2007, 571-576. 807 Siehe Kapitel 6(II.)(B)(a.)(aa.). 808 Siehe Kapitel 6(II.)(B)(a.)(cc.) und Gille, Missbrauchstypisierungen im neuen Umwandungssteuerrecht, IStR 2007, 194, 195. 809 Kessler, Überlegungen zur Standortwahl einer Euro-Holding aus steuerlicher Sicht, in: Fischer, Grenzüberschreitende Aktivitäten deutscher Unternehmen und EU-Recht, 1997, S. 130, 152. 810 Im deutsch-amerikanischen Kontext vor allem. §§ 951-964 IRC und §§ 7-14 AStG. III. Standortfaktoren 195 stellung typischer Holdingeinkünfte wie Dividenden und Veräußerungsgewinne. Relevanter als der Körperschaftsteuersatz ist daher die Tatsache, ob der jeweilige Holdingstandort eine Gesellschaft- bzw. Stempelsteuer (capital duty/stamp duty) erhebt, d.h. den Erwerb von Gesellschaftsanteilen und die Einlage von Kapital besteuert (z.B. Österreich, Schweiz, Luxemburg). Meist ist es durch bestimmte Strukturen möglich, diese Steuer zu vermeiden811 Allerdings haben diese Maßnahmen Einfluss auf die Gesamtstruktur, so dass Gesellschaftsteuern im Voraus in die Planung der Strukturen einbezogen werden müssen. Die europarechtlichen Rahmenbedingungen bestimmt die Richtlinie 69/335 EEC vom 17. Juli 1969. In Deutschland wurde die Gesellschaftsteuer im Jahre 1992 abgeschafft. K. Besteuerung der Arbeitnehmer sowie Steuerklima Ein untergeordnetes Kriterium für die Wahl eines geeigneten Holdingstandortes ist die Besteuerung der Arbeitnehmer.812 Von besonderer Relevanz ist dieser Faktor nur, wenn die Holdinggesellschaft ihr Personal auch aus hochqualifizierten Expatriates aus dem Ausland rekrutiert.813 Eine zu hohe Steuerlast wirkt für diese entweder abschreckend oder muss durch höhere Gehaltsvereinbarungen kompensiert werden. Eine besondere Attraktivität entfaltet die günstige Besteuerung von Arbeitnehmern in Irland.814 Die Besteuerung von Arbeitnehmern ist nicht der einzige Anreiz für Mitarbeiter. Vielmehr spielen auch die Lebensqualität und das Arbeitsumfeld eine gewichtige Rolle. Diese Faktoren hatten einen Einfluss darauf, dass Kraft Foods und Google ihre Europazentralen jüngst von Wien nach Zürich verlegt haben.815 811 Z.B. in Österreich, Schindler, Austrian Grandparent Contributions and Capital Duty, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 385-386. 812 Siehe Elschner/Overesch, Die steuerliche Standortattraktivität für Investitionen und hochqualifizierte Arbeitskräfte im internationalen Vergleich, DB 2006, 1017ff.; Elschner/Lammersen/Overesch u.a., The Effective Tax Burden of Companies and on Highly Skilled Manpower, 2005, S. 5, 7, 9, 15; 813 Einen umfassenden Überblick gibt die Studie von PriceWaterhouseCoopers/Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, International Taxation of Expatriates, 2005, S. 3 ff. 814 Mutscher/Power, Steuerliche Konsequenzen und Gestaltungsüberlegungen bei der Entsendung von Mitarbeitern nach Irland, IStR 2002, 411-416; Fischer-Zernin/ Medlar, Irland, in: Mennel/Förster, Steuern in Europa, Amerika und Asien, 2003, Rn. 18-53; Alberts, Das Steuerrecht Irlands 2005/2006, Internationale Wirtschaftsbriefe 2006, Gruppe 2, Fach 5, 87; Haccius, Ireland in International Tax Planning, 2004, Ch. 14.; 815 Höller, Der Steuermagnet verliert seine Kraft, Financial Times Deutschland v. 31.1.2007, S. 12. Zur selben Zeit hat IBM seine europäischen Angelegenheiten auf Zürich und Madrid konzentriert.

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References

Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.