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Rolf Eicke, DBA-Netzwerk in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 189 - 190

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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III. Standortfaktoren 189 Eine wichtige Eigenschaft eines Gruppenbesteuerungssystems ist die Möglichkeit einer Zwischengewinneliminierung bei gruppeninternen Transaktionen. Eine solche Möglichkeit wird allerdings nur von wenigen Rechtsordnungen (z.B. Vereinigte Staaten, Niederlande) vorgesehen. Andere erlauben eine teilweise Zwischengewinneliminierung (z.B. Vereinigtes Königreich, Italien, Frankreich). Da eine grenzüberschreitende Verlustverrechnung zwischen Kapitalgesellschaften nur sehr selten möglich ist, stellt sich die Frage, ob der Aufbau einer Holdingstruktur mit Kapitalgesellschaften im Einzelfall die beste Wahl ist. Eine Alternative wäre der Aufbau einer Stammhausstruktur mit einer inländischen Muttergesellschaft und ausländischen Betriebsstätten, welche eine grenzüberschreitende Verlustverrechnung dann ermöglicht, wenn keine Freistellungsmethode eines einschlägigen Doppelbesteuerungsabkommens angewendet wird. G. DBA-Netzwerk Der Nutzen von Doppelbesteuerungsabkommen besteht in der (teilweisen) Vermeidung von Doppelbesteuerungen. Hinsichtlich einer steueroptimalen Holdingstruktur sind zwei Faktoren entscheidend: Zum einen sollte ein günstiges DBA zwischen dem Holdingstandort und den Vereinigten Staaten vorliegen, um eine Reduzierung der Doppelbesteuerung auch für den Fall zu gewährleisten, dass es das unilaterale U.S.amerikanische Anrechnungssystem nicht vermag, eine (teilweise) Vermeidung der Doppelbesteuerung herbeizuführen.776 Zum anderen ist es wichtig, dass der Holdingstandort selber ein weites DBA-Netzwerk besitzt,777 um Treaty-Shopping-Strukturen zu ermöglichen und Quellensteuern zu reduzieren. In Europa bietet sich für U.S.-amerikanische Investoren im Lichte der Mutter-Tochter-Richtlinie und der Zinsund Lizenzrichtlinie die Errichtung einer Euro-Holding an.778 Aber nicht nur ein weites DBA-Netzwerk ist wichtig, sondern auch, ob die anwend- 776 VanderWolk, How to Use Tax Treaties in International Tax Planning, U.S. Taxation of International Operations, 19.4.2000, 5279. Ferner, van Raad, In a world where classical and integration systems coexist, Intertax 1995, 15-21. 777 Über die Entwicklung und die Rolle von Doppelbesteuerungsabkommen, Köhler, Doppelbesteuerungsabkommen gestern, heute, morgen, in: Strunk/Wassermeyer/ Kaminski, Gedächtnisschrift für Dirk Krüger, 2006, S. 3, 8ff.; Harrison/Moetell, United States Anti-Avoidance Rules, in: Spitz/Clarke, Offshore Service, 2006, 1, 13; Postlewaite/Donaldson, International Taxation – Corporate and Individual, 2003, Ch. 5, S. 130, 131. 778 Im Detail, Kessler, Die Euro-Holding, 1996, 296; Dorfmüller, Tax Planning for U.S. MNCs, 2003, 22. 190 Kapitel 7: Holdingstandorte baren Doppelbesteuerungsabkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung die Anrechnungs- oder die Freistellungsmethode vorsehen. Aus Sicht der internationalen Steuerplanung ist die Anrechnungsmethode weniger vorteilhaft als die Freistellungsmethode, da erstere vielerlei Vorzüge des globalen Steuerwettbewerbs eliminiert. Letztlich kommt es auch darauf an, wie die entsprechende DBA-Vorschrift im konkreten Fall ausgelegt wird.779 Da Holdingstrukturen eine Verflechtung verschiedener DBA-Netzwerke nutzen, kann die Kündigung eines Doppelbesteuerungsabkommens, so wie kürzlich beim DBA Deutschland-Brasilien,780 die gesamte Struktur gefährden. Aber auch die Anwendbarkeit einer vorteilhaften DBA-Vorschrift gewährleistet noch keine vollständige Planungssicherheit, denn (andere) inländische Rechtsvorschriften konterkarieren zuweilen bestimmte DBA- Vorschriften (treaty overriding).781 H. CFC-Regeln Die CFC- (Controlled Foreign Corporation) Regeln sind eine der stärksten Gegenmaßnahmen von sog. Hochsteuerländern zur Verhinderung der Erosion ihrer Bemessungsgrundlagen durch Aktivitäten von multinationalen Unternehmen in Tax Havens.782 Zwar sind die CFC-Regeln des Holdingstandortes von manchmal großer Bedeutung, aber für die Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland sind vor allem die U.S.-amerikanischen CFC-Regeln (Subpart F) zu beachten, welche weiter unten näher erläutert werden.783 Das liegt vor 779 van Raad, International coordination of tax treaty interpretation and application, International and comparative taxation: essays in honour of Klaus Vogel 2002, S. 217-230; van Raad, Interpretation and application of tax treaties by Tax Courts, European Taxation 1996, Vol. 36, 3-7. 780 Dagnese, Is Brazil 'developed'? : termination of the Brazil-Germany tax treaty, Intertax 2006, 195-198; Hensel, Die Kündigung des DBA-Brasilien und die Folgen, Internationale Wirtschaftsbriefe 2006, Gruppe 2, Fach 8, 493-496. 781 Vogel, Völkerrechtliche Verträge und innerstaatliche Gesetzgebung, IStR 2005, 29, 30; Vogel, Neue Gesetzgebung zur DBA-Freistellung, IStR 2007, 225-228; Eilers, Override of tax treaties under the domestic legislation of the U.S. and Germany, Tax Management International Journal 1990, Vol. 19, 295-304; Rust/Reimer, Treaty Override im deutschen internationalen Steuerrecht, IStR 2005, 843, 844; Kempf/Bandl, Hat Treaty Override in Deutschland eine Zukunft?, DB 2007, 1377, 1380; von Wuntsch/Bach/Trabold, Wertmanagement und Steuerplanung, 2006, S. 230, 231. 782 Aus deutscher Sicht, Lehner, Germany, in: International Fiscal Association, Tax avoidance / Tax evasion, 1983, S. 193, 202-206. 783 Siehe unten Kapitel 9(I.).

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.