Content

Rolf Eicke, Gruppenbesteuerung in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 188 - 189

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

Bibliographic information
188 Kapitel 7: Holdingstandorte Aufgrund der Existenz von Thin Cap-Regeln besteht eine sehr wichtige Aufgabe der internationalen Steuerplanung darin, die passende Finanzierungsmethode im konkreten Fall zu wählen.769 F. Gruppenbesteuerung Nach Schätzungen werden 70% des weltweiten grenzüberschreitenden Handels innerhalb eines Konzerns durchgeführt.770 Aufgrund dieses Handelsgeflechts ist es sehr wichtig, dass innerhalb eines Konzerns keinerlei Doppelbesteuerungen auftreten. Manche Rechtsordnungen erlauben es den Steuerpflichtigen, eine Gruppe zu bilden, um Gewinne und Verluste innerhalb der Gruppe miteinander verrechnen zu können (group relief). Die meisten dieser Systeme erlauben jedoch nur eine Gruppenbesteuerung im Inlandsfall. Eine grenzüberschreitende Gruppenbesteuerung ist nur in Österreich und sehr eingeschränkt in Dänemark, Italien sowie Frankreich möglich. Der EuGH hat jüngst in den oben beschriebenen771 Entscheidungen Marks & Spencer und Oy AA Vorgaben für die europarechtskonforme Ausgestaltung von Gruppenbesteuerungssystemen konkretisiert. Ferner fördern der Europäische Rat und die Europäische Kommission eine Koordination von grenzüberschreitenden Verlustverrechnungen zwischen den Mitgliedsstaaten.772 Momentan gibt es zwischen den verschiedenen Systemen große Unterschiede.773 Sollte eine Common Consolidated Corporate Tax Base (CCCTB) innerhalb der Europäischen Union eingeführt werden,774 hätte auch diese Maßnahme große Auswirkungen auf die Gruppenbesteuerungssysteme.775 769 Merks, Categorizing Corporate Cross-Border Tax Planning Techniques, Tax Notes International 2006, Vol. 44, 55, 58, 59. 770 Wehnert, Verrechnungspreise und immaterielle Wirtschaftsgüter, IStR 2007, 558. 771 Siehe Ch. 6(II.)(B.)(b.)(aa.). 772 Council Conclusions on Co-ordinating Member States' direct tax systems in the Internal Market, 2792nd Economic and Financial Affairs Council Meeting v. 27. März 2007. 773 Terra/Wattel, European Tax Law, 2005, Ch. 15; Schmidt/Heinz, Gruppenbesteuerung im internationalen Vergleich – Teil 1, Die Steuerberatung 2006, 60; Schmidt/ Heinz, Gruppenbesteuerung im internationalen Vergleich – Teil 2, Die Steuerberatung 2006, 141; Endres, Internationaler Vergleich von Konsolidierungs- und Organschaftsvorschriften, Wirtschaftsprüfung 2003, Sonderheft, S35, S37; Kessler, Gruppenbesteuerungssysteme im internationalen Vergleich, in: Strunk/Wassermeyer/ Kaminski, Gedächtnisschrift für Dirk Krüger, 2006, S. 235ff.; Witt, Die Konzernbesteuerung, 2006, S. 85-109. 774 Siehe oben Kapitel 6(II.)(B.)(e.). 775 Schön, Group Taxation and the CCCTB, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 1063-1080. III. Standortfaktoren 189 Eine wichtige Eigenschaft eines Gruppenbesteuerungssystems ist die Möglichkeit einer Zwischengewinneliminierung bei gruppeninternen Transaktionen. Eine solche Möglichkeit wird allerdings nur von wenigen Rechtsordnungen (z.B. Vereinigte Staaten, Niederlande) vorgesehen. Andere erlauben eine teilweise Zwischengewinneliminierung (z.B. Vereinigtes Königreich, Italien, Frankreich). Da eine grenzüberschreitende Verlustverrechnung zwischen Kapitalgesellschaften nur sehr selten möglich ist, stellt sich die Frage, ob der Aufbau einer Holdingstruktur mit Kapitalgesellschaften im Einzelfall die beste Wahl ist. Eine Alternative wäre der Aufbau einer Stammhausstruktur mit einer inländischen Muttergesellschaft und ausländischen Betriebsstätten, welche eine grenzüberschreitende Verlustverrechnung dann ermöglicht, wenn keine Freistellungsmethode eines einschlägigen Doppelbesteuerungsabkommens angewendet wird. G. DBA-Netzwerk Der Nutzen von Doppelbesteuerungsabkommen besteht in der (teilweisen) Vermeidung von Doppelbesteuerungen. Hinsichtlich einer steueroptimalen Holdingstruktur sind zwei Faktoren entscheidend: Zum einen sollte ein günstiges DBA zwischen dem Holdingstandort und den Vereinigten Staaten vorliegen, um eine Reduzierung der Doppelbesteuerung auch für den Fall zu gewährleisten, dass es das unilaterale U.S.amerikanische Anrechnungssystem nicht vermag, eine (teilweise) Vermeidung der Doppelbesteuerung herbeizuführen.776 Zum anderen ist es wichtig, dass der Holdingstandort selber ein weites DBA-Netzwerk besitzt,777 um Treaty-Shopping-Strukturen zu ermöglichen und Quellensteuern zu reduzieren. In Europa bietet sich für U.S.-amerikanische Investoren im Lichte der Mutter-Tochter-Richtlinie und der Zinsund Lizenzrichtlinie die Errichtung einer Euro-Holding an.778 Aber nicht nur ein weites DBA-Netzwerk ist wichtig, sondern auch, ob die anwend- 776 VanderWolk, How to Use Tax Treaties in International Tax Planning, U.S. Taxation of International Operations, 19.4.2000, 5279. Ferner, van Raad, In a world where classical and integration systems coexist, Intertax 1995, 15-21. 777 Über die Entwicklung und die Rolle von Doppelbesteuerungsabkommen, Köhler, Doppelbesteuerungsabkommen gestern, heute, morgen, in: Strunk/Wassermeyer/ Kaminski, Gedächtnisschrift für Dirk Krüger, 2006, S. 3, 8ff.; Harrison/Moetell, United States Anti-Avoidance Rules, in: Spitz/Clarke, Offshore Service, 2006, 1, 13; Postlewaite/Donaldson, International Taxation – Corporate and Individual, 2003, Ch. 5, S. 130, 131. 778 Im Detail, Kessler, Die Euro-Holding, 1996, 296; Dorfmüller, Tax Planning for U.S. MNCs, 2003, 22.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.