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Rolf Eicke, Nutzen für Tax Havens in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 130 - 132

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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130 Kapitel 5: Tax Havens Havens vermehrt mit Eigenkapital und in Hochsteuerländer eher mit steuerlich abzugsfähigem Fremdkapital.475 Erst kürzlich haben Desai, Foley und Hines nachgewiesen, dass der primäre Nutzen von U.S.-amerikanischen Tochtergesellschaften in großen Tax Havens die Reallokation von Einkünften ist, während der primäre Nutzen in kleinen Tax Havens die Erleichterung der Abschirmung ausländischer Einkünfte ist.476 Dieselbe Studie ergab auch, dass eine Erhöhung der Umsätze und Investitionsausgaben von multinationalen U.S.-amerikanischen Unternehmen in Ländern, die in der Nähe eines Tax Havens liegen mit einer 1,5% bis 2% größeren Wahrscheinlichkeit einhergeht, eine Aktivität in Tax Havens zu begründen.477 Schließlich behauptet Teather, dass Aktivitäten in Tax Havens für multinationale Unternehmen in einer Welt inkongruenter Steuersysteme die einzige Möglichkeit sind, Doppelbesteuerungen zu vermeiden.478 Wichtig ist es aber dennoch festzuhalten, dass Aktivitäten in einem Tax Haven nicht automatisch mit einer niedrigeren Konzernsteuerquote einhergehen. Es kann mehrere Gründe dafür geben, dass multinationale U.S.amerikanische Unternehmen von Aktivitäten in Tax Havens nicht profitieren. Der wichtigste Grund ist das U.S.-amerikanische Steuersystem, welches viele der Anreize eliminiert, um niedrig besteuertes Einkommen zu generieren. Dies gilt umso mehr für Einkünfte, die zur Repatriierung bestimmt sind.479 Ein anderer Grund könnte das Unvermögen des Unternehmens sein, hinreichende Gewinne in einem Tax Haven zu erwirtschaften, was aber eine Grundvoraussetzung dafür ist, von den niedrigen Steuersätzen zu profitieren.480 B. Nutzen für Tax Havens Vielerlei Studien belegen, dass Tax Havens mit ihrem Konzept sehr erfolgreich sind. Die Einwohner von Bermuda, den Cayman Island und Jersey sind im Durchschnitt reicher als solche in Kanada, den Vereinigten Staaten oder Deutschland.481 475 Desai/Foley/Hines, A Multinational Perspective on Capital Structure Choice and Internal Capital Markets, Journal of Finance 2004, Vol. 59, 2457, 2462. 476 Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 514. 477 Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 529. 478 Teather, The Benefits of Tax Competition, S. 31. 479 Siehe Kapitel 9(II.) über das U.S.-amerikanische Foreign Tax Credit System. 480 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 68, 69. 481 The Economist, A Place in the Sun, 24.2.2007, S. 4. II. Nutzen von Tax Havens 131 Zudem hat sich der Anteil der Aktivitäten in Tax Havens zwischen 1982 und 1999 um das Achtfache erhöht.482 Nach einer anderen Studie wuchs das Bruttosozialprodukt in den 17 von multinationalen U.S.-amerikanischen Unternehmen favorisierten Tax Havens durchschnittlich um 3,3% zwischen 1982 und 1999, während es im weltweiten Durchschnitt nur um 1,4% wuchs.483 Der wirtschaftliche Erfolg von Tax Havens ist zudem dauerhaft. Alle 41 Tax Havens, die als solche im Jahre 1982 in der Diamond & Diamond’s Liste aufgenommen wurden, waren auch noch auf der Liste im Jahre 2002. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Tax Havens, die lediglich einfache Steueranreize und von Hochsteuerländern gefürchtete »beggar-thy-neighbor-policies«484 anboten, ihre Wettbewerbsfähigkeit mittel- und langfristig nicht verbessern konnten.485 Um als Tax Haven erfolgreich zu sein, ist mehr erforderlich als einfache Steueranreize. Dies lässt sich gut an dem Beispiel Irland zeigen, wo Steueranreize nur ein Bestandteil einer investorenfreundlichen Rechtsordnung sind. Die Einführung dieser Anreize ging einher mit Bildungsmaßnahmen, Arbeitsmarktreformen und einer Veränderung der makroökonomischen Politik.486 Ein weiterer Nutzen für Tax Havens ist, dass diese effizientere Regierungsapparate haben.487 Dharmapala und Hines fanden heraus, dass die Qualität der Führung eines Staates (governance quality) statistisch einen signifikanten und quantitativ großen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, ein Tax Haven zu sein.488 482 Hines, Corporation Taxation and International Competition, Ross School of Law Business Paper 2005, No. 1026, 1, 20. 483 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 66, 82. 484 Beggar-thy-neighbour-Situationen treten innerhalb der EU im Rahmen eines exzessiven Steuerwettbewerbs auf, in dem Mitgliedsstaaten sich gegenseitig zugunsten multinationaler Unternehmen und zuungunsten der Staatseinnahmen überbieten. Siehe Terra/Wattel, European Tax Law, 2005, Ch. 4.2.1; Cerioni, Harmful Tax Competition Revisited, European Taxation 2005, Vol. 45, 267. Kritisch zur steuerlichen Harmonisierung in Europa, Bracewell-Milnes, The Cost of Harmony, Intertax 2004, Vol. 32, 458; Dagan, National Interest in the International Tax Game, Virginia Tax Review 1998, Vol. 18, Fall, 363, 378. 485 Arnold/McIntyre, International Tax Primer, 2002, S. 5. 486 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 80. 487 Dharmapala/Hines, Which Countries Become Tax Havens?, NBER Working Paper Series 2006, Working Paper No. 12802; http://www.nber.org/papers/ w12802.pdf, S. 21-24; Nadal, OECD's Owens Addresses Economic Effects of Tax Havens, Tax Notes International 2006, Vol. 44, 931, 932. 488 Dharmapala/Hines, Which Countries Become Tax Havens?, NBER Working Paper Series 2006, Working Paper No. 12802; http://www.nber.org/papers/ w12802.pdf, S. 23. 132 Kapitel 5: Tax Havens C. Nutzen für Non-Tax Havens Neuere Studien besagen, dass Non-Tax Havens von in der Nähe liegenden Tax Havens profitieren.489 Das bedeutet, dass Tax Havens wirtschaftliche Aktivitäten in Non-Tax Havens durch einen positiven Spillover-Effekt stimulieren, und damit wirtschaftliches Wachstum fördern. Die Möglichkeit Einkünfte in Tax Havens zu verlagern, könne die Wahrscheinlichkeit einer Investition in Hochsteuerländern erhöhen.490 Desai, Foley und Hines haben herausgefunden, dass eine 1% höhere Wahrscheinlichkeit, eine Tochtergesellschaft in einem Tax Haven zu begründen, mit 0,5% bis 0,7% höheren Investitionen und Umsätzen in geographisch nahegelegenen regionalen Non-Tax Havens verbunden ist. 491 Dennoch kann keine Studie beweisen oder behaupten, dass durch die Aktivitäten von Tax Havens stets ein Gesamtvorteil für Non-Tax Havens entsteht. Oft kann die Erosion der steuerlichen Bemessungsgrundlage nicht durch etwaige positive Effekte kompensiert werden.492 Nichtsdestotrotz profitieren Hochsteuerländer wie Deutschland unter reinen Investitionsgesichtspunkten vom Steuerwettbewerb durch Tax Havens. Die Tatsache, dass ein Investor in Deutschland etwaige Nachteile des deutschen Steuersystems durch die Einschaltung von Holdinggesellschaften in nahegelegene Tax Havens »gestalten« kann, egalisiert den steuerlichen Standortnachteil Deutschlands. Das führt dazu, dass bei Standortentscheidungen, Steuerfragen weniger relevant sind und stattdessen mehr die (mit Steuergeldern finanzierte) Infrastruktur, Ausbildung der Arbeitnehmer sowie die Nähe zu den Absatzmärkten in den Vordergrund treten. D. Nutzen für die Steuergestaltung Die Nutzung von Tax Havens ist ein wichtiges Gestaltungsmittel in der internationalen Steuerplanung. Sowohl der Ansatz als auch ein mögliches damit einhergehendes Risiko hängt von dem gewählten Konzept ab.493 Die 489 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 93. 490 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 92-94. 491 Desai/Foley/Hines, Do tax havens divert economic activity?, Economic Letters 2006, Vol. 90, 219, 223; Desai/Foley/Hines, Economic Effects of Regional Tax Havens (2004), NBER Working Paper No. 10806, 22; Nadal, OECD's Owens Addresses Economic Effects of Tax Havens, Tax Notes International 2006, Vol. 44, 931, 932. 492 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 94. 493 Vgl. Arnold/McIntyre, International Tax Primer, 2002, S. 5, 12.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.