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Rolf Eicke, Nutzen für U.S.-amerikanische Unternehmen in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 126 - 130

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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126 Kapitel 5: Tax Havens Abbildung 19: Tax Haven Muster II. Nutzen von Tax Havens Eine der Haupteigenschaften von Tax Havens ist, dass sie die Möglichkeit bieten, Unternehmensgewinne aus einem Land in andere Länder »durchfließen« zu lassen, ohne die Gewinne dabei signifikant zu besteuern.458 Dabei ermöglichen es Tax Havens multinationalen Unternehmen, ihr Kapital international zu »poolen«, was aufgrund der vorherrschenden Inkongruenz der einzelnen nationalen Steuersysteme zueinander, ansonsten nicht möglich wäre.459 Dieses »Pooling« steht häufig im Zusammenhang mit dem Einsatz von bestimmten Investmentvehikeln (collective investment vehicles), die einerseits die Dividenden einsammeln und andererseits an den Investor ausschütten. Das wichtigste Vehikel hierfür sind Holdinggesellschaften, die die Einbehaltung und Allokation des Kapitels steueroptimal organisieren können. 457 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 79. 458 Abery, The OECD and Harmful Tax Practices, Tax Notes International 2007, Vol. 46, 823, 834. 459 Abery, The OECD and Harmful Tax Practices, Tax Notes International 2007, Vol. 46, 823, 835. U.S. MNCs Anteil am … Bevölkerung BSP Gesamtvermögen Grundbesitz Fabriken, Ausrüstung Gesamt ausländ. Umsätze Netto-Einkommen Zahl der Arbeitnehmer Alle Tax Havens 0,8% 2,3% 15,7% 8,4% 13,4% 30,0% 5,7% T Y P I S C H E S M U S T E R V O N T A X H A V E N S Hongkong 0,136% 0,575% 1,85% 1,61% 2,2% 2,72% 1,26% Irland 0,08% 0,31% 2,25% 1,44% 2,66% 7,57% 1,11% Panama 0,06% 0,06% 1,03% 0,87% 0,22% 2,27% 0,48% Singapur 0,08% 0,34% 1,89% 1,85% 3,67% 2,55% 1,55% Schweiz 0,15% 0,64% 3,11% 0,92% 3,31% 6,77% 0,78% Bermuda 0,001% 0,004% 3,93% 0,98% 0,95% 5,2% 0,09% Luxemburg 0,009% 0,06% 1,34% 0,12% 0,21% 2,39% 0,12% Quelle: Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 76. Er benutzte Daten aus dem Jahr 1999 vom Bureau of Economic Analysis (BEA). II. Nutzen von Tax Havens 127 Bracewell-Mines beschreibt drei Nutzen von Tax Havens:  Stiftung von Interesse für Steuersysteme an sich;  Schaffung von Wohlfahrt durch die Ermöglichung von Transaktionen, die aufgrund fiskalischer Restriktionen sonst nicht durchgeführt worden wären;  »shine a searchlight of economic truth on the high-tax economies of the West«.460 Für die Vereinigten Staaten wird ein Nutzen von Tax Havens vor allem darin gesehen, dass die U.S.-amerikanische Volkswirtschaft nicht zuletzt auch durch Investitionen aus dem karibischen Becken stimuliert wird, deren Mittel aus Steuerersparnissen stammen.461 A. Nutzen für U.S.-amerikanische Unternehmen Jedem Unternehmen steht es frei, sich die Rechtsordnungen von Tax Havens zunutze zu machen.462 Dieses Verhalten ist weit verbreitet.463 Tatsächlich hatten im Jahre 1999 59% der U.S.-amerikanischen Unternehmen mit signifikanten Auslandsgeschäft Tochtergesellschaften in Tax Havens.464 Der Kreis der Tax Havens, die von multinationalen U.S.-amerikanischen Unternehmen häufig als Standort für Tochtergesellschaften genutzt werden, ist relativ übersichtlich. In der Abbildung 20 sind mehrere Datenquellen des Bureau of Economic Research (BEA) zusammengefasst. Sie zeigt die Anzahl von Tochtergesellschaften multinationaler U.S.-amerikanischen Unternehmen in ausgewählten Holdingstandorten. 460 Bracewell-Milnes, Uses of Tax Havens, Intertax 2000, Vol. 28, 406, 407; Abery, The OECD and Harmful Tax Practices, Tax Notes International 2007, Vol. 46, 823, 834. 461 Yilmaz, Tax Havens, Tax Competition, and Economic Performance, Tax Notes International 2006, Vol. 43, 587, 593. 128 Kapitel 5: Tax Havens Abbildung 20: U.S.-Tochtergesellschaften in Holdingstandorten U.S.-amerikanische Unternehmen benutzen Tax Havens insbesondere zur Reallokation von steuerbarem Einkommen und zur Abschirmung ausländischer Einkünfte von der U.S.-amerikanischen Besteuerung.465 Es gibt einen empirischen Nachweis dafür, dass, wenn eine U.S.-amerikanische Muttergesellschaft eine Tochtergesellschaft in einem Tax Haven unterhält, sich die Steuerlast einer anderen, nicht in einem Tax Haven unbeschränkt steuerpflichtige Tochtergesellschaft um 20,8% reduziert.466 Desai, Foley und Hines Jr. behaupten, dass die Aktivitäten einer Tochter- 462 Uckmar, General Report, in: International Fiscal Association, Tax avoidance / Tax evasion, Cahiers de Droit Fiscal International, Vol. LXVIIIa, 1983, S. 15, 41. 463 Sullivan, Drug Firms Move Profits To Save Billions, Tax Notes International 2006, Vol. 43, 539 ff. 464 Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 514. 465 Desai/Foley/Hines, Economic Effects of Regional Tax Havens (2004), NBER Working Paper No. 10806, S. 2-3. 466 Siehe Desai/Foley/Hines, Economic Effects of Regional Tax Havens (2004), NBER Working Paper No. 10806, S. 2. Ferner, Yilmaz, Tax Havens, Tax Competition, and Economic Performance, Tax Notes International 2006, Vol. 43, 587, 588, 589, der die Absenkung der Einkommensteuersätze in den großen Industriestaaten darstellt. Anzahl der Tochtergesellschaften von U.S.-amerikanischen Unternehmen in ausgewählten Holdingstandorten 1982 1989 1994 1999 2000 2001 2002 2003 Niederlande 1.178 1.216 1.290 1.355 1.406 Belgien 566 562 565 580 591 Hongkong 323 452 525 526 536 537 531 543 Schweiz 532 521 504 484 492 496 522 540 Singapur 240 333 436 468 483 494 504 514 Irland 216 250 282 407 424 436 459 494 Bermuda 356 302 299 314 316 330 351 371 U.K. Inseln in der Karibik 157 159 118 258 265 298 318 340 Luxemburg 63 53 50 82 100 115 146 176 Bahamas 180 129 48 48 53 57 62 63 Quelle: Bureau of Economic Research (BEA), „Tochtergesellschaften“ umfasst nicht solche im Bankensektor. II. Nutzen von Tax Havens 129 gesellschaft in einem Tax Haven die Geschäftstätigkeit einer anderen Tochtergesellschaft erleichtet, die nicht in einem Tax Haven unbeschränkt steuerpflichtig ist, so dass auch diese Tochtergesellschaft von der Nutzung eines Tax Havens profitiert.467 U.S.-amerikanische Unternehmen haben eine Vielzahl von Möglichkeiten, durch den Einsatz einer Tochtergesellschaft in Tax Havens Einkommen legal zu verlagern. Dies beinhaltet vor allem die Darlehensvergabe, die Bestimmung von Transferpreisen sowie die Verlagerung von immateriellen Wirtschaftsgütern.468 Tax Havens sind für multinationale Unternehmen vor allem aus folgenden Gründen attraktiv:  Die Standortwahl für ausländische Direktinvestitionen hängt stark von den lokalen steuerlichen Rahmenbedingungen ab (Steuersensitivität).469 Es gibt Forschungsergebnisse, die belegen, dass die Steuersensitivität noch höher ist bei multinationalen Unternehmen, die in Ländern unbeschränkt steuerpflichtig sind, welche die Freistellungsmethode anwenden,470 als in Ländern, welche die Anrechnungsmethode anwenden471 (z.B. die Vereinigten Staaten472).  Tax Havens bieten die Möglichkeit, Repatriierungssteuern zu vermeiden oder zumindest zeitlich aufzuschieben.473 Tax Haven Aktivitäten von multinationalen U.S.-amerikanischen Unternehmen können auch anhand der Finanzstruktur erkannt werden, da Tax Havens normalerweise Eigen- und Fremdkapital gleich behandeln.474 Aus diesem Grunde operieren U.S.-amerikanische Tochtergesellschaften in Tax 467 Desai/Foley/Hines, Economic Effects of Regional Tax Havens (2004), NBER Working Paper No. 10806, S. 22-23, die zu Bedenken geben, dass es keine empirischen Belege für die Befürchtung gibt, dass multinationale U.S.-amerikanische Unternehmen ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in Hochsteuerländer mit solchen in Tax Havens substituieren würden. 468 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 68; Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 514. 469 Altshuler/Grubert/Newlon, U.S. Investment Abroad (1998), NBER Working Paper No. 6383, 21; Hines, Tax Policy and the Activities of Multinational Corporations (1996), NBER Working Paper No. 5589, 41-43. 470 Z.B. in Australien, Belgien, Kanada, Frankreich, Detuschland, Italien und den Niederlanden. 471 Bspw. Griechenland, Japan, Norwegen und dem Vereinigten Königreich. 472 Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 514; Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 74, 79. 473 Nadal, OECD's Owens Addresses Economic Effects of Tax Havens, Tax Notes International 2006, Vol. 44, 931, 932. 474 Yilmaz, Tax Havens, Tax Competition, and Economic Performance, Tax Notes International 2006, Vol. 43, 587, 589. 130 Kapitel 5: Tax Havens Havens vermehrt mit Eigenkapital und in Hochsteuerländer eher mit steuerlich abzugsfähigem Fremdkapital.475 Erst kürzlich haben Desai, Foley und Hines nachgewiesen, dass der primäre Nutzen von U.S.-amerikanischen Tochtergesellschaften in großen Tax Havens die Reallokation von Einkünften ist, während der primäre Nutzen in kleinen Tax Havens die Erleichterung der Abschirmung ausländischer Einkünfte ist.476 Dieselbe Studie ergab auch, dass eine Erhöhung der Umsätze und Investitionsausgaben von multinationalen U.S.-amerikanischen Unternehmen in Ländern, die in der Nähe eines Tax Havens liegen mit einer 1,5% bis 2% größeren Wahrscheinlichkeit einhergeht, eine Aktivität in Tax Havens zu begründen.477 Schließlich behauptet Teather, dass Aktivitäten in Tax Havens für multinationale Unternehmen in einer Welt inkongruenter Steuersysteme die einzige Möglichkeit sind, Doppelbesteuerungen zu vermeiden.478 Wichtig ist es aber dennoch festzuhalten, dass Aktivitäten in einem Tax Haven nicht automatisch mit einer niedrigeren Konzernsteuerquote einhergehen. Es kann mehrere Gründe dafür geben, dass multinationale U.S.amerikanische Unternehmen von Aktivitäten in Tax Havens nicht profitieren. Der wichtigste Grund ist das U.S.-amerikanische Steuersystem, welches viele der Anreize eliminiert, um niedrig besteuertes Einkommen zu generieren. Dies gilt umso mehr für Einkünfte, die zur Repatriierung bestimmt sind.479 Ein anderer Grund könnte das Unvermögen des Unternehmens sein, hinreichende Gewinne in einem Tax Haven zu erwirtschaften, was aber eine Grundvoraussetzung dafür ist, von den niedrigen Steuersätzen zu profitieren.480 B. Nutzen für Tax Havens Vielerlei Studien belegen, dass Tax Havens mit ihrem Konzept sehr erfolgreich sind. Die Einwohner von Bermuda, den Cayman Island und Jersey sind im Durchschnitt reicher als solche in Kanada, den Vereinigten Staaten oder Deutschland.481 475 Desai/Foley/Hines, A Multinational Perspective on Capital Structure Choice and Internal Capital Markets, Journal of Finance 2004, Vol. 59, 2457, 2462. 476 Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 514. 477 Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 529. 478 Teather, The Benefits of Tax Competition, S. 31. 479 Siehe Kapitel 9(II.) über das U.S.-amerikanische Foreign Tax Credit System. 480 Hines, Do Tax Havens Flourish?, NBER / Tax Policy & the Economy 2005, Vol. 19, Issue 1, 65, 68, 69. 481 The Economist, A Place in the Sun, 24.2.2007, S. 4.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.