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Rolf Eicke, Repatriierungsstrategien in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 108 - 109

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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108 Kapitel 3: Repatriierungsstrategien zwischen Steuern und Dividendenausschüttungen und behaupten ferner, dass ca. 19% des im Ausland befindlichen U.S.-amerikanischen Kapitals in anderen Ländern wäre, wenn Steuern keine Rolle spielen würden.383 Auf der anderen Seite haben theoretisch Modelle stets gezeigt, dass Steuern keinen Einfluss auf Repatriierungsentscheidungen haben, solange der Steuerpflichtige nicht mit Änderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen rechnet.384 In einem solchen Falle wird oft davon ausgegangen, dass eine steuerliche Belastung unvermeidlich ist, sobald die Abschirmung der ausländischen Gewinne aufgegeben wird.385 Jedoch werden diese theoretischen Ansätze in der Praxis nicht bestätigt, weil Steuerpflichtige stets mit einer Änderung der Rahmenbedingungen rechnen. Diese Erwartung begründet sich auf einige steuerliche Anreize, die in der Vergangenheit zumindest temporär gesetzt wurden, um Gewinne zu repatriieren.386 Um die theoretischen mit den praktischen Ansätzen in Einklang zu bringen, schlagen Altshuler, Newlon und Randolph vor, dass Repatriierungssteuern zwar grundsätzlich keinen Einfluss auf das Dividendenrepatriierungsverhalten haben, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Belastung durch Repatriierungssteuern sich im Laufe der Zeit immer wieder ändert.387 E. Repatriierungsstrategien Im Rahmen der Steuerplanung mit Holdinggesellschaften konzentrieren sich Repatriierungsstrategien zum einen auf den Transfer bereits versteuerten Einkommens zur Muttergesellschaft und zum anderen auf das tem- 383 U.S. Multinationals, NBER Working Paper Series 1989, Working Paper No. 2931, S. 4, 19, 20. Sie errechneten, dass ein geringerer Steuersatz der zu einer 1% höheren Rendite nach Steuern führt, mit einer um 3% höheren Direktinvestition im Zusammenhang steht. 383 Grubert/Mutti, Do Taxes Influence Where U.S. Corporations Invest?, National Tax Journal 2000, Vol. 53 No. 4, 825, 835. Desai/Foley/Hines, Repatriation Taxes and Dividend Distortions, National Tax Journal 2001, Vol. 54, No. 4, 829, 830 zeigen, dass ein Anstieg der Repatriierungsteuer um 10% zu einer Verringerung von Dividendenausschüttungen um 10% führt. 384 Einen Überblick über die theoretischen Modelle geben Desai/Foley/Hines, Repatriation Taxes and Dividend Distortions, National Tax Journal 2001, Vol. 54, No. 4, 829, 834; Altshuler, Recent Developments in the Debate of Deferral, Tax Notes 2000, 255-268; Sinn, Taxation and the Birth of Foreign Subsidiaries (1990), NBER Working Paper No. 3519, 11. 385 Hartman, Tax Policy and Foreign Direct Investment (1981), NBER Working Paper No. 689, S. 23ff. 386 Siehe Kapitel 3(I.)(G.). 387 Altshuler/Newlon/Randolph, Do Repatriation Taxes Matter? (1994), NBER Working Paper No. 4667, 1994, S. 1 und S. 24. Eine Beschreibung der theoretischen Modelle befindet sich auf S. 4ff. I. Repatriierung 109 poräre Verwahren der ausländischen Gewinne auf der Ebene der Holdinggesellschaft.388 Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es drei verschiedene Methoden:389  Umleitung von Einkünften (direct conduit);  Umformung von Einkünften (secondary sheltering / stepping stone conduit / rule shopping);  zeitliches Abschirmen von Einkünften (deferral / primary sheltering).390 F. Alternativen zur Repatriierung Obwohl Repatriierungsstrategien sehr weit verbreitet sind, gibt es auch noch andere Mittel in der internationalen Steuerplanung. Manche dieser Alternativen sind aus steuerlicher Sicht vorteilhafter. Alternativ oder kumulativ eignen sich die oben391 beschriebenen Allokationsstrategien. Außerdem ist ein direkter Kapitalfluss zwischen der Muttergesellschaft und den Tochtergesellschaften nicht zwingend, falls die Vergabe von Darlehen eine Option ist.392 Tochtergesellschaften können ein Darlehen an ihre Muttergesellschaft vergeben, um deren Investitionen zu finanzieren. Die Zinsgewinne dieser Transaktion sollten allerdings in einem Niedrigsteuerland unter Abschirmung von der U.S.-amerikanischen Besteuerung realisiert werden.393 Eine weitere Alternative wäre eine »Dreiecksstrategie«, indem niedrigbesteuerte Konzernunternehmen an ein anderes Konzernunternehmen Eigen- oder Fremdkapital vergeben. Letzteres Konzernunternehmen könnte 388 Kessler, Überlegungen zur Standortwahl einer Euro-Holding aus steuerlicher Sicht, in: Fischer, Grenzüberschreitende Aktivitäten deutscher Unternehmen und EU-Recht, 1997, S. 130, 136. 389 Kessler, Überlegungen zur Standortwahl einer Euro-Holding aus steuerlicher Sicht, in: Fischer, Grenzüberschreitende Aktivitäten deutscher Unternehmen und EU-Recht, 1997, S. 130, 138; Hoffmann, Steueroptimales Ausschüttungsverhalten und Repatriierungsstrategien, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 503, 509-510. 390 Siehe oben Kapitel 2(I.)(A.). 391 Siehe oben Kapitel 2(II.)(C.). 392 Siehe auch den Beispielsfall in Endres, Zur steueroptimalen Vergabe von Eigenoder Fremdkapital ins Ausland, Praxis Internationale Steuerberatung 2006, 255- 258. 393 Altshuler/Grubert, Repatriation Taxes, Repatriation Strategies and Multinational Financial Policy, Journal of Public Economics 2003, Vol. 87, 73ff. Eine Studie über empirische Belege zu den Alternativen von Repatriierungen veröffentlichten Altshuler/Grubert, Repatriation Taxes, Repatriation Strategies and Multinational Financial Policy, Journal of Public Economics 2003, Vol. 87, 73, 95.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.