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Rolf Eicke, Repatriierungskosten, Repatriierungssteuern und Repatriierungsentscheidungen in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 105 - 108

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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I. Repatriierung 105 steueroptimal in die Vereinigten Staaten repatriiert werden können.367 Das größte Repatriierungspotential besitzen Unternehmen im Technologieund Pharmasektor, da sie viele immaterielle Wirtschaftsgüter besitzen, die samt ihrem Gewinnpotential leichter ins Ausland verschoben werden können als andere Wirtschaftsgüter.368 Ein Bereich des U.S.-amerikanischen Congressional Research Service schätzte im Jahre 2003, dass ca. $639 Milliarden akkumulierter Gewinne im Ausland ausgewiesen wurden, um eine Repatriierungssteuer zu vermeiden.369 Aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die Repatriierungen durch den American Jobs Creation Act (AJCA) in den Jahren 2004 und 2005 erfahren haben, konnten die oben genannten Daten bestätigt werden. Aufgrund der zeitlich begrenzten Privilegierung von repatriierten Gewinnen in § 965 IRC wurden am Ende über $300 Milliarden repatriiert.370 Auf die Einzelheiten wird noch einzugehen sein.371 D. Repatriierungskosten, Repatriierungssteuern und Repatriierungsentscheidungen Aus U.S.-amerikanischer Sicht sind die Kosten einer Repatriierung umso geringer je höher die Anrechnungsüberhänge sind.372 Daher verursachen multinationale U.S.-amerikanische Unternehmen vor allem Repatriierungskosten dann, wenn sie nur gering besteuerte Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften repatriieren, weil dies zu einer Reduktion der 367 Eine Auflistung der »permanently reinvested earnings« von 117 großen multinationalen Unternehmen befindet sich in Albring/Dzuranin/Mills, Tax Savings on Repatriations of Foreign Earnings, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 933, 942-945. 368 Grubert/Slemrod, The Effects of Taxes on Investment, The Review of Economics and Statistics 1998, Vol. 80, 365; Albring/Dzuranin/Mills, Tax Savings on Repatriations of Foreign Earnings, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 933, 934. 369 Brumbaugh, Tax Exemption for Repatriated Foreign Earnings (2003), CRS-8; Fleming/Peroni, Eviscerating the U.S. Foreign Tax Credit Limitations and Cutting the Repatriation Tax, Tax Notes 2004, 1393, 1410. 370 Weiner, Dividend Repatriation and Domestic Reinvestment, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 827. Compared to the $425 billion forecast of JP Morgan, Update on Repatriation legislation on June 5 2004. 371 Siehe oben Kapitel 3(I.)(G.). 372 Hines, The Case against Deferral, National Tax Journal 1999, Vol. 52, No. 3, 385, 389 (Fn. 10). »Firms with excess foreign tax credits have significantly lower repatriation costs than do firms with deficit foreign tax credits, but nevertheless incur some costs in repatriating dividends from lightly taxed subsidiaries, because doing so reduces foreign tax credit carryforwards and may trigger additional costs due to the way that home country laws allocate income and expenses for tax purposes.« 106 Kapitel 3: Repatriierungsstrategien Anrechnungsvorträge führt und daher zusätzliche Steueraufwendungen verursacht.373 Aufgrund des Prinzips der Abschnittsbesteuerung hat auch der Zeitpunkt der Repatriierung einen großen Einfluss auf die Optimierung der Repatriierungspolitik und ihrer Kosten.374 Die Steuern, die im Laufe der Repatriierung ausländischer Gewinne anfallen heißen »Repatriierungssteuern«. Der Steuersatz der Repatriierungssteuer ist das Ergebnis einer Interaktion zwischen dem Steuersatz im Heimatstaat, dem Steuersatz im Ausland, dem Quellensteuersatz im Ausland und einer Vielzahl von Steueranrechnungs- bzw. Steuerabzugsregelungen.375 Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften, die nicht den Subpart F- Regeln unterliegen, werden im Repatriierungszeitpunkt dem gesetzlichen U.S.-amerikanischen Steuersatz von 35% unterworfen. Dividendenausschüttungen sind in einem hohen Maße von Repatriierungssteuern betroffen.376 Bei der Repatriierungssteuer besteht eine inverse Abhängigkeit zu den ausländischen Steuern sowie der Organisationsform der ausländischen Einheit (Tochterkapitalgesellschaft, Personengesellschaft, Betriebsstätte). Im Gegensatz zu einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft verursachen ausländische Personengesellschaften und ausländische Betriebsstätten keine zusätzlichen Steuern durch eine Repatriierung der Gewinne, weil diese transparent besteuert und damit unmittelbar dem U.S.-amerikanischen Gesellschafter zugerechnet werden.377 Wenn der U.S.-amerikanische Steuersatz höher ist als der ausländische Steuersatz, ergibt sich der effektive Repatriierungssteuersatz aus der Differenz dieser beiden Steuersätze.378 Keinerlei Repatriierungssteuer wird allerdings verursacht, wenn der U.S.-amerikanische Steuersatz geringer ist als der ausländische Steuersatz. Daher werden Unternehmen von einer Re- 373 »The potential additional tax costs depend on the the way the home country allocates income and expenses for tax purposes.« Hines, The Case against Deferral, National Tax Journal 1999, Vol. 52, No. 3, 385, 389 (Fn. 10). 374 Niemann, Wirkungen der Abschnittsbesteuerung auf internationale Investitionsund Repatriierungsentscheidungen, zfbf 2006, Vol. 58, 928, 938, 952, 953. 375 Sinn, Taxation and the Birth of Foreign Subsidiaries (1990), NBER Working Paper No. 3519, S. 4; Desai/Foley/Hines, Repatriation Taxes and Dividend Distortions, National Tax Journal 2001, Vol. 54, No. 4, 829ff.; Altshuler/Newlon, The Effects of U.S. Tax Policy (1993), NBER Working Paper No. 3925, 10; 376 Desai/Foley/Hines, Taxation and Multinational Activity: New Evidence, New Interpretations, BEA Survey of Current Business, 2006, S. 20. 377 Desai/Foley/Hines, Taxation and Multinational Activity: New Evidence, New Interpretations, BEA Survey of Current Business, 2006, S. 20. 378 Siehe Desai/Foley/Hines, Dividend Policy inside the Multinational Firm (2003), EFA 2002 Berlin Meetings Presented Paper, S. 8. I. Repatriierung 107 patriierung umso weniger zu einer Repatriierung bereit sein, je geringer der ausländische Steuersatz ist et vice versa. Seit Jahrzehnten werden wissenschaftliche Analysen über die Wirkung der Repatriierungssteuer auf Repatriierungsentscheidungen verfasst.379 Hartman hat in diesem Zusammenhang einen Meilenstein im Jahre 1985 gesetzt.380 Alle Studien beschreiben zwei in sich widersprüchliche Beobachtungen. Zum einen gibt es empirische Belege dafür, dass Investitionsentscheidungen multinationaler U.S.-amerikanischer Unternehmen sehr steuersensitiv sind.381 Auf der einen Seite fanden Hines und Hubbard heraus, dass eine um 1% geringere Repatriierungssteuer eine 4% höhere Dividendenausschüttung zur Folge hat.382 Grubert und Mutti errechneten eine 1% zu 3% Relation 379 Frühere Studien von Barlow/Wender, Foreign Investment and Taxation, 1955, bemerkten, dass multinationale U.S.-amerikanische Unternehmen lediglich einmalig anfänglich Eigenkapital in ihre ausländischen Tochtergesellschaften einlegten. Stevens, Capital Mobility and the International Firm, in: Machlup/Salant/ Tarshis, The International Mobility and Movement of Capital, 1972, stellten dagegen die Wichtigkeit von regelmäßigen Eigenkapitaleinlagen heraus. Mauer/Scaperlanda, Remittances from U.S. Direct Foreign Investment in the European Community, Economia Internazionale 1972, Vol. 25, 33-43 fanden heraus, dass sich im Laufe der Zeit die Struktur der Dividendenausschüttungen immer häufiger verändert hat. 380 Hartman, Tax Policy and Foreign Direct Investment, National Tax Journal 1984, Vol. 37, No. 4, 475-487; Hartman, Tax Policy and Foreign Direct Investment, Journal of Public Economics 1985, Vol. 26, 107-121. Hartmans Studien basierten auf King, Public Policy and the Corporation, 1977; Auerbach, Wealth Maximization and the Cost of Capital, Quarterly Journal of Economics 1979, Vol. 93, 433-446 sowie Bradford, The Incidence and Allocation Effects of a Tax on Corporate Distributions, Journal of Public Economics 1981, Vol. 15, 1-22. Hartmans Ansatz ist bekannt unter den Begriffen »new view of dividends« und »trapped equity«. Hartman, Tax Policy and Foreign Direct Investment, Journal of Public Economics 1985, Vol. 26, 107-121. 381 Siehe aktuelle empirische Erkenntnisse in Altshuler/Grubert, Taxpayer Response to Competitive Tax Policies and Tax Policy Responses to Competitive Taxpayers, Tax Notes International 2004, Vol. 34, 1349, 1360, 1361. Ferner Altshuler/Grubert/ Newlon, U.S. Investment Abroad (1998), NBER Working Paper No. 6383, S. 21- 22; Hines, Tax Policy and the Activities of Multinational Corporations (1996), NBER Working Paper No. 5589, S. 2, 41-43; Hines, No Place Like Home (1994), NBER Working Paper No. 4574, S. 34-35; Nov, Tax Competition: An Analysis of the Fundamental Arguments, Tax Notes International 2005, Vol. 37, 323, 325. 382 Hines/Hubbard, Dividend Repatriations by U.S. Multinationals (1989), S. 32ff.; Grubert/Mutti, Do Taxes Influence Where U.S. Corporations Invest ?, National Tax Journal 2000, Vol. 53 No. 4, 825-839, bewerteten Daten aus dem Jahre 1992 von 500 multinationalen U.S.-amerikanischen Unternehmen. Sie bewiesen, dass der durchschnittliche effektive Steuersatz einen erheblichen Einfluss auf die Standortwahl und auf die Höhe der Direktinvestition hat. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen im Jahre 1989 bereits Hines/Hubbard, Dividend Repatriations by 108 Kapitel 3: Repatriierungsstrategien zwischen Steuern und Dividendenausschüttungen und behaupten ferner, dass ca. 19% des im Ausland befindlichen U.S.-amerikanischen Kapitals in anderen Ländern wäre, wenn Steuern keine Rolle spielen würden.383 Auf der anderen Seite haben theoretisch Modelle stets gezeigt, dass Steuern keinen Einfluss auf Repatriierungsentscheidungen haben, solange der Steuerpflichtige nicht mit Änderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen rechnet.384 In einem solchen Falle wird oft davon ausgegangen, dass eine steuerliche Belastung unvermeidlich ist, sobald die Abschirmung der ausländischen Gewinne aufgegeben wird.385 Jedoch werden diese theoretischen Ansätze in der Praxis nicht bestätigt, weil Steuerpflichtige stets mit einer Änderung der Rahmenbedingungen rechnen. Diese Erwartung begründet sich auf einige steuerliche Anreize, die in der Vergangenheit zumindest temporär gesetzt wurden, um Gewinne zu repatriieren.386 Um die theoretischen mit den praktischen Ansätzen in Einklang zu bringen, schlagen Altshuler, Newlon und Randolph vor, dass Repatriierungssteuern zwar grundsätzlich keinen Einfluss auf das Dividendenrepatriierungsverhalten haben, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Belastung durch Repatriierungssteuern sich im Laufe der Zeit immer wieder ändert.387 E. Repatriierungsstrategien Im Rahmen der Steuerplanung mit Holdinggesellschaften konzentrieren sich Repatriierungsstrategien zum einen auf den Transfer bereits versteuerten Einkommens zur Muttergesellschaft und zum anderen auf das tem- 383 U.S. Multinationals, NBER Working Paper Series 1989, Working Paper No. 2931, S. 4, 19, 20. Sie errechneten, dass ein geringerer Steuersatz der zu einer 1% höheren Rendite nach Steuern führt, mit einer um 3% höheren Direktinvestition im Zusammenhang steht. 383 Grubert/Mutti, Do Taxes Influence Where U.S. Corporations Invest?, National Tax Journal 2000, Vol. 53 No. 4, 825, 835. Desai/Foley/Hines, Repatriation Taxes and Dividend Distortions, National Tax Journal 2001, Vol. 54, No. 4, 829, 830 zeigen, dass ein Anstieg der Repatriierungsteuer um 10% zu einer Verringerung von Dividendenausschüttungen um 10% führt. 384 Einen Überblick über die theoretischen Modelle geben Desai/Foley/Hines, Repatriation Taxes and Dividend Distortions, National Tax Journal 2001, Vol. 54, No. 4, 829, 834; Altshuler, Recent Developments in the Debate of Deferral, Tax Notes 2000, 255-268; Sinn, Taxation and the Birth of Foreign Subsidiaries (1990), NBER Working Paper No. 3519, 11. 385 Hartman, Tax Policy and Foreign Direct Investment (1981), NBER Working Paper No. 689, S. 23ff. 386 Siehe Kapitel 3(I.)(G.). 387 Altshuler/Newlon/Randolph, Do Repatriation Taxes Matter? (1994), NBER Working Paper No. 4667, 1994, S. 1 und S. 24. Eine Beschreibung der theoretischen Modelle befindet sich auf S. 4ff.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.