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Rolf Eicke, Grenzen und Risiken des Einsatzes von Holdinggesellschaften in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 92 - 94

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

Bibliographic information
92 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften  Zugang zu (neuen) Finanzierungsquellen;310  mehr Transparenz in der Unternehmensstruktur;311  mehr Flexibilität und Neutralität verglichen mit einer reinen Mutter- Tochtergesellschaftsstruktur;312  flachere Hierarchien und eine höhere Motivation der Mitarbeiter;313  Reduzierung der Kontrollkosten;  mehr Flexibilität des Konzerns hinsichtlich zukünftiger Strukturen.314 Aus historischer Sicht ist die Organisation als Holdinggesellschaft ein folgerichtiger Fortschritt. Zunächst wurden Unternehmen unter funktionalen Aspekten wie Produktion, Finanzierung, Forschung- und Entwicklung sowie Vertrieb strukturiert. Allerdings führte eine solche Strukturierung zu Verantwortungsdiffusion und Führungsunsicherheiten. Daher wurden später Profit Center eingerichtet. Eine Holdinggesellschaft ist eine Kombination aus der Idee, Skaleneffekte (»economies of scale«) und die Vorteile dezentral organisierter Einheiten (z.B. Flexibilität, Nähe zum Zielmarkt) nutzbar zu machen.315 C. Grenzen und Risiken des Einsatzes von Holdinggesellschaften Der Einsatz einer Holdinggesellschaft schafft eine zusätzliche Besteuerungsebene, was mit einem potentiellen Risiko einer Doppelbesteuerung einhergeht.316 Da Unternehmensgruppen nicht als eine Einheit besteuert werden, besteht die Gefahr, dass die Holdinggesellschaft zusätzliche Körperschaftsteuer auslöst, sei es im Rahmen der Veranlagung oder im Rah- 310 Eine Finanzierungsholdinggesellschaft kann dazu genutzt werden, um am Kapitalmarkt Eigenkapital zu generieren. Siehe Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 36 (Rn. 31). 311 Aufgrund der Dezentralität einer Holdingstruktur können operative Aktivitäten leichter in Märkte, Regionen und Funktionen eingeteilt werden. Siehe Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 35 (Rn. 22), 41 (Rn. 49) 312 Da eine Holdinggesellschaft keine Waren produziert, hat sie keinerlei eigenen produkt- oder marktbezogenen Interessen. Siehe Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 38 (Rn. 40). 313 Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 39 (Rn. 43). 314 Schaumburg, Gestaltungsziele, in: Schaumburg/Piltz, 2002, S. 1, 5. 315 Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 6 (Rn. 7); Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 34 (Rn. 21). 316 Kessler/Dorfmüller, Gestaltungsstrategien bei internationaler Steuerplanung mit Holdinggesellschaften, Praxis Internationale Steuerberatung 2001, 177, 178; Kessler, Internationale Holdingstandorte, in: Schaumburg/Piltz, 2002, S. 67, 69. III. Nutzen von Holdinggesellschaften 93 men einer Quellenbesteuerung.317 Innerhalb einer Unternehmensgruppe können daher, wie in Abbildung 12 dargestellt, »Kaskadeneffekte«318 entstehen die zu einer Gewinnminderung führen. Daher muss es das primäre Ziel der internationalen Steuerplanung mit Holdinggesellschaften sein, sämtliche zusätzliche Quellensteuern oder sonstige Körperschaftsteuern zu vermeiden. Abbildung 12: Kaskadeneffekte Außerdem erhöht der Einsatz einer Holdinggesellschaft das Risiko, in den Anwendungsbereich von Anti-Missbrauchsnormen oder CFC-Regelungen zu gelangen.319 317 Kessler, Überlegungen zur Standortwahl einer Euro-Holding aus steuerlicher Sicht, in: Fischer, Grenzüberschreitende Aktivitäten deutscher Unternehmen und EU-Recht, 1997, S. 130. 318 Joseph, European holding companies in a changing tax environment, International Tax Journal, Vol. 18, No. 4 (Fall 1992), 1, S. 4; Kessler, Holdinggesellschaften und Kooperationen in Europa, in: Schaumburg, Steuerrecht und steuerorientierte Gestaltungen im Konzern, 1998, S. 177, 191; Bader, Steuergestaltung mit Holdinggesellschaften, 2007, S. 131-132. 319 Bader, Steuergestaltung mit Holdinggesellschaften, 2007, S. 118-131. Deutschland USA Holding Quellensteuer Körperschaftsteuer Mutter Tochter / Enkel Ziel: Vermeidung Kaskadeneffekte Körperschaftsteuer Körperschaftsteuer Quellensteuer 94 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften Jedoch kann die Zwischenschaltung einer Holdinggesellschaft eine nachteilige Wirkung auf Beteiligungsabschreibungen auslösen.320 Eine effektive Holdingstruktur setzt nicht nur eine steueroptimale Dividendenroute voraus, sondern auch die Fähigkeit grenzüberschreitend Gewinne und Verluste zu verrechnen. Eine Beschränkung der Verlustverrechnung hat eine nachteilige Wirkung auf die Konzernsteuerquote. Nicht zuletzt hängt eine steueroptimale Holdingstruktur sehr stark von den anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommen ab. Die Kündigung eines Abkommens, so wie es kürzlich beim DBA Deutschland-Brasilien321 geschehen ist, erfordert eine grundlegende Überarbeitung der Struktur. Der Einsatz von Holdinggesellschaften geht auch immer mit dem Risiko einher, dass die Manager der Holdinggesellschaft falsche Entscheidungen treffen, weil sie zu weit weg von dem relevanten Markt sind. Schließlich darf der Einsatz einer Holdinggesellschaft nicht allein aus steuerlichen Gründen vollzogen werden, da eine zu starke Inkongruenz zwischen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Interessen in jedem Falle nachteilig ist. IV. Typen Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Holdinggesellschaften einzusetzen.322 Für die Zwecke dieser Analyse soll es genügen, die Typen von Holdinggesellschaften einerseits nach ihren Aufgaben und Funktionen und andererseits nach ihrer Hierarchiestufe innerhalb der Gruppe zu klassifizieren. An die Klassifizierung an sich sind keinerlei Rechtsfolgen geknüpft. Um die Funktionen und Hierarchieebenen der einzelnen Typen 320 Kessler, Überlegungen zur Standortwahl einer Euro-Holding aus steuerlicher Sicht, in: Fischer, Grenzüberschreitende Aktivitäten deutscher Unternehmen und EU-Recht, 1997, S. 130, 132 und Kessler, Holdinggesellschaften und Kooperationen in Europa, in: Schaumburg, Steuerrecht und steuerorientierte Gestaltungen im Konzern, 1998, S. 177, 180. 321 Dagnese, Is Brazil 'developed'? : termination of the Brazil-Germany tax treaty, Intertax 2006, 195-198; Hensel, Die Kündigung des DBA-Brasilien und die Folgen, Internationale Wirtschaftsbriefe 2006, Gruppe 2, Fach 8, 493-496. 322 Bardet/Beetschen/Charvériat u.a., Les holdings, 2007, S. 22-26; Endres/Schreiber/Dorfmüller, Holding companies prove worth, International Tax Review 2007, January, 43; Keller hat Holdinggesellschaften hinsichtlich ihrer Funktionen, ihrer Hierarchiestufe innerhalb einer Gruppe und ihrem geografischen Standort klassifiziert. Siehe Keller, Unternehmensführung mit Holdingkonzepten, 1993, S. 35ff. Eine typologische Auflistung von Holdinggesellschaften ist dargestellt in Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 11 und Kessler, Deutschland als Holdingstandort, in: Herzig/Günkel/ Niemann, Steuerberater-Jahrbuch 2000/2001, 2000, 339, 341; Autzen, Die ausländische Holding-Personengesellschaft, 2006, S. 9ff.; Grotherr, Besteuerungsfragen Teil 1, BB 1995, 1510, 1511; Bader, Steuergestaltung mit Holdinggesellschaften, 2007, S. 28-59.

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References

Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.