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Rolf Eicke, Steuerliche Vorteile in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 88 - 91

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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88 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften währung von Beteiligungsrechten zu finanzieren.293 Letztlich wurden bilanzielle Verbindlichkeitspositionen von Tochtergesellschaften durch bilanzielle Vermögenspositionen der Holding- oder Muttergesellschaft substituiert.294 Tatsächlich ist dies heute noch ein Merkmal einer modernen Holdinggesellschaft. Die frühen Holdinggesellschaften refinanzierten sich durch die Ausgabe von Anleihen und Aktien. III. Nutzen von Holdinggesellschaften Holdinggesellschaften werden sowohl aus betriebswirtschaftlichen als auch aus rechtlichen, vor allem steuerrechtlichen Gründen eingesetzt.295 Ein wichtiger rein rechtlicher Grund ist die Haftungs- und Risikoabgrenzung.296 Ein anderer Grund für den Einsatz von Holdinggesellschaften ist die Familienvermögensplanung (Estate Planning), um die Einheitlichkeit in einem Familienunternehmen über mehrere Generationen hinweg sicherzustellen.297 Schließlich wird eine Holdinggesellschaft auch als ein Akquisitionsvehikel298 und als Organisationsform für Joint Ventures299 genutzt. 293 In der Praxis hatten vor allem Anteilseigner kleinerer Unternehmen die Holdinggesellschaft dazu genutzt, ihre Anteile gegen Anteile von der Holdinggesellschaft zu tauschen. Siehe Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 8 (Rn.10). 294 Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 20. 295 Vgl. Mongan/Johal, Tax Planning with European Holding Companies, Journal of International Taxation 2005, Vol. 16, 49; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 1, Journal of International Taxation 2000, August, 38, 41; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 2, Journal of International Taxation 2001, January, 22. 296 Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 35 (Rn. 24); Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 6 (Rn. 7). 297 Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 36 (Rn. 29). Aufgrund der grundsätzlichen Neutralität einer Holdinggesellschaft kann sie als Führungsinstrument für Manager eingesetzt werden, die nicht Familienmitglieder sind. Siehe Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 33 (Rn. 17). 298 Mongan/Johal, Tax Planning with European Holding Companies, Journal of International Taxation 2005, Vol. 16, 49; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 1, Journal of International Taxation 2000, August, 38; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 2, Journal of International Taxation 2001, January, 22. 299 Schaumburg, Hinzurechnungsbesteuerung und Abkommensberechtigung als Probleme internationaler Joint Ventures, in: Schaumburg, Internationale Joint Ventures, 1999, S. 357, 378; Endres, Steueraspekte internationaler Joint Ventures, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 193, 204-206; Wilde, Rechtliche Erwägungen für und wider die Errichtung eines Gemeinschaftsunternehmens, DB 2007, 269, 274. III. Nutzen von Holdinggesellschaften 89 Dennoch sind steuerliche Erwägungen meist ein Hauptfaktor für den Einsatz von Holdinggesellschaften.300 Im Rechtsgefüge des nationalen und internationalen Steuerrechts werden Holdinggesellschaften hauptsächlich dazu gebraucht, funktionale steuerliche Nachteile zu kompensieren, welche einerseits durch die zivilrechtliche Trennungstheorie und andererseits durch die nicht oder nur rudimentär aufeinander abgestimmten Steuersysteme entstehen.301 Da Konzerne aus rechtlich selbständigen Einheiten bestehen, wird jede Einheit unabhängig von der anderen der Besteuerung unterworfen. Dies widerspricht der wirtschaftlichen Betrachtungsweise, die einen Konzern als eine wirtschaftliche Einheit ansieht.302 Die rechtliche Fiktion der Selbständigkeit führt jedoch dazu, dass die Summe aller von den Konzerngesellschaften gezahlten Steuern höher ist, als wenn die Konzerngesellschaften als ein Unternehmen besteuert werden würden. Der Grund hierfür ist die mehrfache steuerliche Berücksichtigung ein und desselben wirtschaftlichen Sachverhalts.303 Demnach folgt aus der steuerlichen Relevanz der Trennungstheorie auch, dass die wirtschaftliche Benachteiligung umso größer ist, desto mehr rechtliche selbständige Einheiten zu einem Konzern gehören. Der Einsatz einer Holdinggesellschaft ist daher ein wichtiges Gestaltungsmittel, diese Nachteile zu vermindern oder gar zu eliminieren. Dies mag zunächst als ein Widerspruch in sich wirken, da die Schaffung einer weiteren Besteuerungsebene durch den Einsatz einer Holdinggesellschaft mit der Gefahr einhergeht, eine höhere Gesamtsteuerbelastung des Konzerns zu verursachen.304 Ein einfaches Modell ist in Abbildung 11 zu sehen. 300 Kessler/Dorfmüller, Gestaltungsstrategien bei internationaler Steuerplanung mit Holdinggesellschaften, Praxis Internationale Steuerberatung 2001, 177, 178; Arthur, Holding Companies; Effective Use of Finance; Harmful Tax Competition, Tax Planning International Review 2000, Vol. 27, September, 20ff. 301 Kessler, Holdinggesellschaften und Kooperationen in Europa, in: Schaumburg, Steuerrecht und steuerorientierte Gestaltungen im Konzern, 1998, S. 177, 178. 302 Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 17. 303 Im Detail, Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 18. 90 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften Abbildung 11: Holding Grundstruktur A. Steuerliche Vorteile Die steuerlichen Vorteile sind nicht beschränkt auf die Holdinggesellschaft an sich, da diese keine eigene Rechtsform ist. Vielmehr bestehen die steuerlichen Vorteile meist darin, dass die Holdinggesellschaft als Organisationsform es am besten vermag, möglichst viele dieser steuerlichen Vorteile nutzbar zu machen. Dies sind im Einzelnen vor allem:305  Steuerbefreiung sowohl für die von Tochtergesellschaften an die Holdinggesellschaft ausgeschütteten Dividenden, als auch für die durch 304 Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 19. 305 Vgl. Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 2, Journal of International Taxation 2001, January, 22; Pinto, Tax Competition and EU Law, 2003, S. 245; Endres/Dorfmüller, Holdingstrukturen in Europa, Praxis Internationale Steuerberatung 2001, 94; Hoffman/Amacher, The Evolution of Tax-Advantaged Intercompany Lending Programs, Tax Notes International 2007, Vol. 46, 513-516; Romano, Holding Company Regimes in Europe: A Comparative Survey, European Taxation 1999, 257, 258; Schaumburg, Gestaltungsziele, in: Schaumburg/Piltz, 2002, S. 1, 28ff.; von Wuntsch/Bach/Trabold, Wertmanagement und Steuerplanung, 2006, S. 214; Streu, Der Einsatz einer inländischen Zwischenholding in der internationalen Konzernsteuerplanung, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 139, 141. Deutschland Niederlande USA Dividenden Vereinigtes Königreich 0 % QSt 0 % QSt Zinsen Verbindlichkeiten Eigenkapital Holding Grundstruktur Frem kapital III. Nutzen von Holdinggesellschaften 91 den Verkauf von Beteiligungen realisierten Veräußerungsgewinne (nationale Schachtelbefreiung);  Reduzierung von Quellensteuern auf Dividenden, Zinsen und Lizenzeinkünften;  Nutzung von Vorschriften einschlägiger Doppelbesteuerungsabkommen (z.B. internationale Schachtelbefreiung);  steueroptimale Finanzierung von Beteiligungen;  Umformung von Einkünften (secondary sheltering);  Vermeidung von Anrechnungsüberhängen (excess tax credits);  Nutzbarmachung von Anrechnungspotential (tax credits);  Verrechnung von Gewinnen und Verlusten innerhalb einer Gruppe. Eine Folge des Einsatzes von Holdinggesellschaften ist, dass der Steuerpflichtige steueroptimierende Vorschriften oder sogar Privilegien anderer Rechtsordnungen nutzbar machen kann. Trotz der vielfältigen Steueroptimierungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Holdinggesellschaften ist es nicht ratsam eine Holdingstruktur allein für steuerliche Zwecke zu errichten.306 B. Betriebswirtschaftliche Vorteile Meistens gehen die Gründe für den Einsatz einer Holdinggesellschaft weit über rein steuerliche Erwägungen hinaus. Das Hauptaugenmerk aus betriebswirtschaftlicher Sicht richtet sich hierbei auf die Zentralisierung des Managements der verschiedenen Beteiligungen in einer einzigen Gesellschaft (Beteiligungscontrolling).307 Dadurch wird gleichermaßen eine Dezentralisierung der (operativen) Managementstruktur bewirkt, was u.a. folgende Vorteile erzeugt:308  Synergien aufgrund des höheren Angebot- und Nachfragepotentials (»economies of scale«);309 306 Rosenbach, Steuerliche Parameter für die internationale Standortwahl und ausländische Holdingstandorte, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 968, 976 (Rn. 10). 307 Pinto, Tax Competition and EU Law, 2003, S. 245; Bader, Steuergestaltung mit Holdinggesellschaften, 2007, S.23-25. 308 Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 3 (Rn. 2); Autzen, Die ausländische Holding-Personengesellschaft, 2006, S. 23; Streu, Der Einsatz einer inländischen Zwischenholding in der internationalen Konzernsteuerplanung, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 139, 141. 309 Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 34 (Rn. 21), 36 (Rn. 30), 41 (Rn. 54).

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.