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Rolf Eicke, Historischer Hintergrund in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 87 - 88

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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II. Holdinggesellschaften: Charakteristika und Konzepte 87 i. Tax Rate Shopping Ein weiteres Gestaltungsmittel ist das Tax Rate Shopping. Um die weltweite Konzernsteuerquote zu reduzieren, werden Einkünfte möglichst Niedrigsteuerländern zugeordnet, was gleichzeitig zu einer Verringerung von Einkünften in Hochsteuerländern führt. Dieses Gestaltungsmittel kann jedoch nur innerhalb der immer enger werdenden Grenzen der Verrechnungspreisregeln und der CFC-Regeln angewendet werden. E. Historischer Hintergrund Aus historischer U.S.-amerikanischer Sicht ist die Organisationsform, welche heutzutage als »Holding« bezeichnet wird, ein Nachkomme der Frühformen von Trusts, die zuerst um 1870 herum gegründet wurden. Trusts wurden als Rechtsform gewählt, weil Holdinggesellschaften damals verboten waren.288 Große Monopolisten wie John D. Rockefeller nutzten Trusts, um die Aktivitäten seiner Ölfirmen effektiv zu kontrollieren und zu koordinieren.289 Dieses Geschäftsgebaren führte schließlich zu der Einführung der Anti-Trust-Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten, beginnend mit dem Sherman Act aus dem Jahre 1890. Diese Gesetzgebung verhinderte einen Holding- oder Trust-Boom, doch umgingen die Unternehmen die Anti-Trust-Gesetze, indem sie fusionierten. Eine Fusion fiel nicht in den Anwendungsbereich dieser Gesetze.290 Heutzutage erlaubt das U.S.-amerikanische Recht die Gründung von Gesellschaften, die Beteiligungen an anderen Gesellschaften halten, selbst wenn dies der einzige Geschäftszweck ist.291 Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten konzentrierte sich die Entwicklung von Holdinggesellschaften in Europa nicht auf Trusts oder auf Monopolbildung. Vielmehr wurden Lösungen für die Handhabung finanzieller Defizite gesucht. Dies führte zu der von Robert Liefmann beschriebenen Effektensubstitution.292 In der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Effektenübernahmegesellschaften damit, Tochtergesellschaften gegen Ge- 288 Liefmann, Beteiligungs- und Finanzierungsgesellschaften, 1921, S. 153; Merkt/ Göthel, US-amerikanisches Gesellschaftsrecht, 2006, Rn. 16 und 17. 289 Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1; Merkt/Göthel, US-amerikanisches Gesellschaftsrecht, 2006, Rn. 17. 290 Merkt/Göthel, US-amerikanisches Gesellschaftsrecht, 2006, Rn. 17. 291 Flick/Janka, Steuerliche Charakteristika der U.S. Holdinggesellschaft (Teil I), DStR 1991, 1037-1042; Flick/Janka, Steuerliche Charakteristika der U.S. Holdinggesellschaft (Teil II), DStR 1991, 1069-1075. 292 Liefmann, Beteiligungs- und Finanzierungsgesellschaften, 1931, S. 73ff. Siehe auch Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 17ff.; Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 8 (Rn. 10). 88 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften währung von Beteiligungsrechten zu finanzieren.293 Letztlich wurden bilanzielle Verbindlichkeitspositionen von Tochtergesellschaften durch bilanzielle Vermögenspositionen der Holding- oder Muttergesellschaft substituiert.294 Tatsächlich ist dies heute noch ein Merkmal einer modernen Holdinggesellschaft. Die frühen Holdinggesellschaften refinanzierten sich durch die Ausgabe von Anleihen und Aktien. III. Nutzen von Holdinggesellschaften Holdinggesellschaften werden sowohl aus betriebswirtschaftlichen als auch aus rechtlichen, vor allem steuerrechtlichen Gründen eingesetzt.295 Ein wichtiger rein rechtlicher Grund ist die Haftungs- und Risikoabgrenzung.296 Ein anderer Grund für den Einsatz von Holdinggesellschaften ist die Familienvermögensplanung (Estate Planning), um die Einheitlichkeit in einem Familienunternehmen über mehrere Generationen hinweg sicherzustellen.297 Schließlich wird eine Holdinggesellschaft auch als ein Akquisitionsvehikel298 und als Organisationsform für Joint Ventures299 genutzt. 293 In der Praxis hatten vor allem Anteilseigner kleinerer Unternehmen die Holdinggesellschaft dazu genutzt, ihre Anteile gegen Anteile von der Holdinggesellschaft zu tauschen. Siehe Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 8 (Rn.10). 294 Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 20. 295 Vgl. Mongan/Johal, Tax Planning with European Holding Companies, Journal of International Taxation 2005, Vol. 16, 49; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 1, Journal of International Taxation 2000, August, 38, 41; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 2, Journal of International Taxation 2001, January, 22. 296 Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 35 (Rn. 24); Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 6 (Rn. 7). 297 Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 36 (Rn. 29). Aufgrund der grundsätzlichen Neutralität einer Holdinggesellschaft kann sie als Führungsinstrument für Manager eingesetzt werden, die nicht Familienmitglieder sind. Siehe Scheffler, Vor- und Nachteile der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 30, 33 (Rn. 17). 298 Mongan/Johal, Tax Planning with European Holding Companies, Journal of International Taxation 2005, Vol. 16, 49; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 1, Journal of International Taxation 2000, August, 38; Ruchelman/van Asbeck/Canalejo u.a., A Guide to European Holding Companies Part 2, Journal of International Taxation 2001, January, 22. 299 Schaumburg, Hinzurechnungsbesteuerung und Abkommensberechtigung als Probleme internationaler Joint Ventures, in: Schaumburg, Internationale Joint Ventures, 1999, S. 357, 378; Endres, Steueraspekte internationaler Joint Ventures, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 193, 204-206; Wilde, Rechtliche Erwägungen für und wider die Errichtung eines Gemeinschaftsunternehmens, DB 2007, 269, 274.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.