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Rolf Eicke, Charakteristika in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 65 - 69

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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II. Holdinggesellschaften: Charakteristika und Konzepte 65 Abhängig davon, welches Risiko der Steuerpflichtige eingehen möchte, können verschiedene Ansätze gewählt werden. Je aggressiver die Steuergestaltung ist, desto höher ist das Rechtsrisiko.192 b. Zwischenergebnis Dieses relativ einfache und zugängliche BASIC-Modell mit Leben zu füllen, stellt eine lohnenswerte Aufgabe in der internationalen Steuerplanung dar. Am Ende des Tages ist das BASIC-Modell nicht mehr und nicht weniger als ein zuverlässiger Führer in dem von vielerlei Herausforderungen geprägten Gebiet der internationalen Steuerplanung. II. Holdinggesellschaften: Charakteristika und Konzepte Holdinggesellschaften sind ein gutes Vehikel um Gruppeninteressen zu bündeln (pooling) und Kapitalflüsse zu managen, indem Konzerngesellschaften finanziert und deren Ausschüttungen optimiert werden.193 Dennoch gibt es nur wenige Begriffe im internationalen Steuerrecht, die so unterschiedliche Emotionen hervorrufen, wie der Begriff »Holding«. Für Teile der Gesellschaft werden Holdinggesellschaften im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und Machtmissbrauch gesehen.194 In Geschäftskreisen werden Holdinggesellschaften dagegen als Instrument zur effektiven Strukturierung von Konzernen und zur Kostensenkung wahrgenommen. Aufgrund der Bandbreite an Konnotationen befürchtet Kessler, dass Entscheidungsträger in Unternehmen, Gerichten und der Finanzver- 192 International Review 2004, June, Vol. 31, 3, 4, die die Inhalte des Rechtsbefolgungsrisikos (compliance risk) näher beschreiben. Ferner, Hickley, Tax Risk Management – The Tolerance Factor, Tax Notes International 2006, Vol. 44, 609, 610. 192 Steiner, Aggressive Steuerplanung – oder wo das Geld hinfließt, Steuer und Wirtschaft International 2007, 308, 309; Im Detail, Uckmar, General Report, in: International Fiscal Association, Tax avoidance / Tax evasion, Cahiers de Droit Fiscal International, Vol. LXVIIIa, 1983, S. 15, 20; Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272, 273; Sheppard, Offshore Investments: Don't Ask, Don't Tell, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 209, 214; Grotherr, Grundlagen der internationalen Steuerplanung, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 3, 7. 193 Feteris/Gimbrère/van Muijen, Holdingstructuren, 1991, S. 37-46; Bardet/Beetschen/Charvériat u.a., Les holdings, 2007, S. 15-19. 194 Kessler, Deutschland als Holdingstandort, in: Herzig/Günkel/Niemann, Steuerberater-Jahrbuch 2000/2001, 2000, S. 339, 340; Jacobs, Internationale Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 917. 66 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften waltung irregeführt werden könnten.195 Daher wirbt Kessler für eine »Entmystifizierung« des Begriffs »Holding«. Eine neue Studie von Desai, Foley und Hines hat die Existenz von Holdinggesellschaften in Niedrigsteuerländern (Tax Havens) und den verbleibenden Staaten (Non-Tax-Havens)196 für die Jahre 1982-1999 dargestellt.197 Aktuellere Daten waren im Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie im Jahre 2006 nicht verfügbar. Das Ergebnis ist in Abbildung 7 dargestellt. Abbildung 7: Zahl der Tochtergesellschaften von U.S. MNCs Die »Big 7 Havens« beziehen sich auf eine Studie von Hines und Rice198 die 1994 veröffentlicht wurde und Hongkong, Irland, Panama, Singapur, die Schweiz, Liberia und den Libanon einbezog. Aus der obigen Tabelle können ein paar Aussagen abgeleitet werden. Erstens steigt sowohl in den Tax Havens als auch in den Non-Tax-Havens die Zahl der Holdinggesellschaften. Zweitens, die Steigerung war größer in den Non-Tax-Havens und drittens, die prozentuale Steigerung der Holdinggesellschaften war höher als die der sonstigen Konzerngesellschaften. Hinsichtlich der Existenz von Holdinggesellschaften in Europa, ergeben sich aus der Analyse der Daten des Bureau of Economic Analysis (BEA) einige interessante Erkenntnisse. Die Abbildung 8 zeigt die Direktinvestitionen U.S.-amerikanischer Muttergesellschaften in ihren europäischen Tochter-Holdinggesellschaften. Dabei wurde nur der Zahlungsverkehr zwischen den beiden Körperschaften berücksichtigt, so dass nicht auszuschließen ist, dass darin indirekte Ansprüche anderer Konzerngesellschaften eingerechnet wurden, was das Ergebnis ein wenig verzerren 195 Kessler, Deutschland als Holdingstandort, in: Herzig/Günkel/Niemann, Steuerberater-Jahrbuch 2000/2001, 2000, S. 339, 341. 196 Dazu zählen nicht nur die sog. Hochsteuerländer, sondern auch die Staaten, die ein durchschnittliches Steuerniveau aufweisen. 197 Desai/Foley/Hines, The demand for tax haven operations, Journal of Public Economics 2006, Vol. 90, 513, 517. Zahl der Tochtergesellschaften Zahl der Holdinggesellschaften 1982 1989 1994 1999 1982 1989 1994 1999 Tax Havens 2.859 2.650 2.599 3.053 276 219 194 369 Non-Tax-Havens 15.819 16.018 18.299 19.867 446 586 689 1.156 »Big 7 Havens« 1.592 1.722 1.877 2.042 165 111 105 148 198 Hines/Rice, Fiscal Paradise: Foreign Tax Havens and American Business (1990), Anhang, Tabelle 2. II. Holdinggesellschaften: Charakteristika und Konzepte 67 könnte. Dennoch lassen sich ein paar Aussagen anhand von Abbildung 8 treffen: Die vier führenden Holdingstandorte Niederlande, Vereinigtes Königreich, Luxemburg und die Schweiz haben ihre Position behauptet und die Rangfolge von 2003 bis 2006 beibehalten. Die Zahlungen sind eher volatil, was der Einbruch (insbesondere in den Niederlanden) im Jahre 2005 zeigt. Trotz des speziellen Holdingregimes in Spanien (EVTE) konnte Deutschland an Spanien vorbei auf den fünften Platz vorstoßen. Die Zahlungen zwischen irischen und dänischen Holdinggesellschaften an die jeweilige Muttergesellschaft sind nicht so hoch, wie man nach der Lektüre internationaler Steuerartikel in den letzten Jahren erwartet hätte. Die Zahlungen an österreichische Holdinggesellschaften erhöhten sich um das Vierfache zwischen 2003 und 2005 und um das 16-fache zwischen 2003 und 2006. Dies lässt Rückschlüsse zu, dass U.S.-amerikanische Investoren das im Jahre 2005 reformierte österreichische Steuersystem in ihre Planungen verstärkt einbeziehen. Abbildung 8: U.S. Direktinvestitionen in Holdinggesellschaften Abbild 8 U S Di kti titi i H ldi ll h ft 68 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften A. Charakteristika Eine Holdinggesellschaft ist ein Unternehmen, dessen Hauptzweck im langfristigen Halten von einer oder mehrerer rechtlich unabhängiger Einheiten besteht.199 Eine Legaldefinition gibt es hierfür nicht. Es ist eine praktische Organisationform und keine Rechtsfigur.200 Jedoch spielen Holdinggesellschaften in der steuerrechtlichen Realität eine übergeordnete Rolle. Viele Steuerrechtsordnungen akzeptieren nicht nur Holdinggesellschaften, sondern schaffen Anreize dafür, dass Holdinggesellschaften ihrer Rolle als Organisationsform zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen gerecht werden können. Nach Keller gilt es folgende Hauptcharakteristika von Holdinggesellschaften zu unterscheiden:201 Rechtsfähigkeit und Rechtsgegenständlichkeit: Die rechtliche Unabhängigkeit von Holdinggesellschaften dient dazu, Verträge mit Tochteroder anderen Konzerngesellschaften abschließen zu können, um effektiv Rechte und Pflichten als Anteilseigner wahrnehmen zu können. Zentralität: Um die Effizienz der Konzernorganisation zu erhöhen, ist die Holdinggesellschaft verantwortlich für zentrale Aufgaben wie die Finanzierung und das Management von Anteilsrechten (z.B. Beteiligungscontrolling). Dadurch können Konzernentscheidungen einheitlich ausge- übt werden (multiplier effect). Neutralität: Reine Holdinggesellschaften führen keine operativen Aktivitäten aus und verfolgen daher keinerlei Geschäftsinteressen. Dies kann zu einer Verbesserung des Entscheidungsfindungsprozesses führen. Stabilität: Die Bündelung aller Konzernbeteiligungen in einer Holdinggesellschaft führt zu einer höheren Stabilität aufgrund der dauerhaften finanziellen Verflechtung mit den Beteiligungen. Daraus resultiert, dass Änderungen in der Struktur der Anteilseigner allein Auswirkungen auf die 199 Bardet/Beetschen/Charvériat u.a., Les holdings, 2007, S. 13, 14; Keller, Unternehmensführung mit Holdingkonzepten, 1993, S. 32; Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 10; Jacobs, Internationale Unternehmensbesteuerung, 2007, S. 917; Endres/Dorfmüller, Holdingstrukturen in Europa, Praxis Internationale Steuerberatung 2001, 94; Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 9 (Rn. 11); Müller, Die GmbH & Co. KG als Europa-Holding, 2004, S. 25; Autzen, Die ausländische Holding-Personengesellschaft, 2006, S. 8; Dreßler, Gewinn- und Vermögensverlagerungen in Niedrigsteuerländer und ihre steuerliche Überprüfung, 2007, S. 548-554; Bader, Steuergestaltung mit Holdinggesellschaften, 2007, S. 11-12. 200 Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 2, 9 (Rn. 11); Endres/Dorfmüller, Holdingstrukturen in Europa, Praxis Internationale Steuerberatung 2001, S. 94. 201 Vgl. Keller, Die Führung der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 121, 124 (Rn. 4ff.). II. Holdinggesellschaften: Charakteristika und Konzepte 69 Holdinggesellschaft und nicht auf die operativen Konzerngesellschaften haben. Flexibilität und Elastizität: Im Großen und Ganzen schaffen Holdinggesellschaften mehr strategische, strukturelle und prozessuale Flexibilität. Während die operativen Gesellschaften sich auf das Tagesgeschäft konzentrieren können, kümmern sich Holdinggesellschaften um den Gesamtrahmen. Das Konzernmanagement in der Hand der Holdinggesellschaft stellt sicher, dass der Konzern schneller auf Veränderungen reagieren kann. Ferner besitzt die Holdinggesellschaft eine hohe Standortelastizität, weil deren Geschäftsausstattungen relativ mühelos transferiert werden können. Dadurch können Holdinggesellschaften schnell auf Änderungen in den rechtlichen oder politischen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Holdingstandorten reagieren und gegebenenfalls in ein anderes Land umziehen.202 Dezentralität der Holdingstruktur: Letztlich führt der Einsatz einer Holdinggesellschaft auch zu einer dezentralisierten Struktur.203 B. Rechtsformwahl bei Holdinggesellschaften Eine Holding kann zwischen verschiedenen »Rechtskleidern« wählen. Sie kann sowohl als Kapital- oder Personengesellschaft oder Stiftung geführt werden als auch eine Betriebsstätte oder natürliche Person sein.204 Die Wahl der geeigneten Rechtsform hängt vor allem von den Funktionen ab, die die Holding innehaben soll. Ferner spielen Kriterien wie die Kapitalund Führungsstruktur, Stabilität und Flexibilität,205 die Haftung,206 die Rechnungslegung und das Steuerrecht sowohl auf der Ebene der Gesell- 202 Kessler, Holdinggesellschaften und Kooperationen in Europa, in: Schaumburg, Steuerrecht und steuerorientierte Gestaltungen im Konzern, 1998, S. 177, 182. 203 Endres/Schreiber/Dorfmüller, Holding companies are key international tax planning tool, International Tax Review 2006, December/January, 46, 204 Lutter, Begriff und Erscheinungsformen der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 1, 3 (Rn. 2); Schaumburg, Gestaltungsziele, in: Schaumburg/Piltz, 2002, S. 1, 18 ff.; Haarmann, Holding und Außensteuerrecht, Wirtschaftsprüfung 2003, S 67, S 75; Weimar/Grote, Rechtsfragen zur GbR als Holding, Informationen über Steuern und Wirtschaft (INF) 2003, 233, 233, 234 ff. 205 Keller, Die Führung der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 121, 124 ff. 206 Im Detail, Lutter/Trölitzsch, Haftungsfragen in der Holding, in: Lutter, Holding Handbuch, 2004, S. 267ff.; Merks, Categorizing Corporate Cross-Border Tax Planning Techniques, Tax Notes International 2006, Vol. 44, 55, 58.

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References

Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.