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Rolf Eicke, Grenzen der Steuerplanung in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 57 - 59

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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I. Internationale Steuerplanung 57 werden. Aus rein steuerlicher Sicht stellen die allgemeinen Anti-Missbrauchsregelungen, die speziellen Anti-Missbrauchsregelungen (z.B. Anti-Treaty-Shopping Regelungen, Unterkapitalisierungs- bzw. Gesellschafter-Fremdfinanzierungsregelungen) sowie die Regelungen zur Hinzurechnungsbesteuerung (CFC-Regeln) die größten Risiken dar. All diese Regelungen sind Gegenstand einer ausführlichen Analyse in den Kapiteln 7 bis 9. C. Grenzen der Steuerplanung Aufgrund der Komplexität der zu beachtenden Rechtsnormen und untergesetzlichen Regularien, besteht in der internationalen Steuerplanung die Hauptherausforderung darin, den richtigen Weg zwischen legaler Steuervermeidung163 und illegaler Steuerhinterziehung164 zu finden. Ein Problem besteht nicht zuletzt auch darin, dass zwischen den Steuerrechtsordnungen sehr unterschiedliche Ansichten über die Merkmale einer (legalen) Steuervermeidung und (illegalen) Steuerhinterziehung vorherrschen.165 Selbst innerhalb mancher Steuerrechtsordnungen ist die Grenzziehung nicht immer einfach. Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) unterscheidet nicht klar zwischen diesen Begrifflichkeiten.166 In der 163 Clarke, 2002, S. 6, 7; Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272; Nadal/Parillo, Socially Responsible Taxation – Much Ado About Nothing?, Tax Notes International 2007, Vol. 47, 791, 792; Tooma, When is Aggressive Too Aggressive?, Tax Notes International 2006, Vol. 42, 427; Sullivan, Tax Analysts Offshore Project, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 235, 236; Grotherr, Grundlagen der internationalen Steuerplanung, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 3, 7; Joecks, Steuerhinterziehung bei Auslandsgeschäften, in: Strunk/Wassermeyer/Kaminski, Gedächtnisschrift für Dirk Krüger, 2006, S. 69, 70; Renner, Briefkastenfirmen und internationaler Gestaltungsmissbrauch, in: Lang/Jirousek, Praxis des Internationalen Steuerrechts, 2005, S. 399, 418; Böing, Steuerlicher Gestaltungsmissbrauch in Europa, 2006, S. 205-212. 164 Über die Abgrenzung zwischen Steuerflucht und Steuervermeidung auf Jersey, Powell, The Jersey Government Responds, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 785-786. 165 Einen rechtsvergleichenden Überblick über die Definition dieser Begriffe geben Uckmar, General Report, in: International Fiscal Association, Tax avoidance / Tax evasion, Cahiers de Droit Fiscal International, Vol. LXVIIIa, 1983, S. 15ff. Des Weiteren, Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272, 273; Sheppard, Offshore Investments: Don't Ask, Don't Tell, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 209, 214; Grotherr, Grundlagen der internationalen Steuerplanung, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 3, 7; Flick, Ins Steuerparadies, Zeitschrift für Steuer- und Erbrechtspraxis 2004, 4, 6; Flore, Online ins Steuerparadies?, Kommunikation & Recht 1999, 163. 166 Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272, 280. 58 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften Schweiz gibt es zusätzlich noch die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug.167 Der Versuch, einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist nicht einfach [Abbildung 5]. Dennoch wird die Steuervermeidung (tax avoidance) weitgehend als akzeptierte Form der Steuerplanung angesehen, die sich innerhalb des Wortlautes des Gesetzes bewegt, aber u.U. den Geist des Gesetzes verletzt.168 Demgegenüber wird Steuerhinterziehung (tax evasion) einhellig als Steuerplanung angesehen, die nicht im Einklang mit dem Gesetz ist.169 Viele unter den Tatbestand der Steuerhinterziehung subsumierbaren Handlungen werden als »Produkt« unter dem euphemistischen Namen »Tax Shelter« verkauft. 170 Alle »Tax Shelters« verbindet, dass Sie in aller 167 Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272, 273. Beispielsweise gewähren die Schweizer Steuerbehörden nur dann Rechtshilfe in Strafsachen für den Fall, dass es sich um »Steuerbetrug« (»tax fraud«) und nicht »lediglich« um »Steuerflucht« (»tax evasion«) handelt. Siehe Art. 3 Abs. 3 des Schweizer Bundesgesetzes zur Gewährung von internationaler Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG, 20. März 1981, Reg. Nr. 351.1). Für U.S.-amerikanische Investoren ist ferner zu beachten, dass Art. 26 DBA USA-Schweiz einen Informationsaustausch in Fällen von »tax fraud or the like« vorsieht. Die Vereinbarung zwischen der Europäische Union und der Schweiz beinhaltet denselben Wortlaut. 168 Eine gebräuchliche Unterscheidung zwischen Steuervermeidung und Steuerflucht ist:«[…] tax avoidance is a term to describe taxpayer behavior aimed at reducing tax liability which falls short of tax evasion.« Larking, IBFD International Tax Glossary, 4th ed., 2001, S. 27. 169 Uckmar, General Report, in: International Fiscal Association, Tax avoidance / Tax evasion, Cahiers de Droit Fiscal International, Vol. LXVIIIa, 1983, S. 15, 20; Sullivan, Tax Analysts Offshore Project, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 235, 236; Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272, 273; Sheppard, Offshore Investments: Don't Ask, Don't Tell, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 209, 214. Ferner im Detail, U.S.Senate Committee on Finance, Offshore Tax Evasion: Stashing Cash Overseas, 3.5.2007. Über eine von mehreren U.S.-amerikanischen Senatoren initiierte Untersuchung in einem Gebäude auf den Cayman Islands, welches als Adresse für 12.748 Gesellschaften fungierte, Baucus/Grassley, Tax Analysts 2007, Doc 2007-13469. 170 Die Hauptcharakteristika von Tax Havens sind laut Owens, Abusive Tax Shelter: Weapons of Tax Destruction?, Tax Notes International 2005, Vol. 41, 873, 874.: »1. Little or no economic substance or business justification. 2. Generally involve a tax-indifferent party (e.g. a tax-exempt entity or a foreign entity). 3. Frequently involve offshore financial centers. 4. Highly complex. 5. Exploit asymmetries between national tax systems and financial and tax accounting treatment. 6. Promoter insists on the client maintaining the promoter’s confidentiality. 7. Promotion remuneration is based on a percentage of tax saved.« I. Internationale Steuerplanung 59 Regel nicht von den Hochsteuerländern akzeptiert, sondern gemeinsam bekämpft werden.171 Abbildung 5: Grenzen der Steuerplanung D. Vorstellung des BASIC-Modells für die internationalen Steuerplanung In der internationalen Steuerplanung gibt es viele Unwägbarkeiten.172 Um das Ziel der Planung sowie deren Ablauf stets im Auge zu behalten, bietet sich ein chronologisch an dem Akronym BASIC ausgerichtetes Modell an, so wie es in Abbildung 6 dargestellt ist. 171 Über die sog. »Seoul Declaration«, Morgan, Cross-Border Regulation of Tax Shelters, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 387, 392; Wilks/Arenstein/Greenfield, Do UK Tax Planning Disclosure Developments Imply a General Change of Approach by Tax Authorities?, European Taxation 2007, 47. Über die Anzeigepflichten in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich, Kessler/Eicke, Transparente Perspektiven für die Finanzverwaltung, BB 2007, 2370-2379; Kessler/Eicke, Legal, But Unwanted – The German Tax Planning Disclosure Draft, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 577-582; Flämig, Der Steuerstaat auf dem Weg in den Überwachungsstaat, DStR 2007, Beihefter zu Heft 44/2007, 1-11. Über die kürzlich eingeführte Anzeigepflicht in Portugal, de Sousa da Câmara/Santiago, Thoughts on Portugal's New Disclosure Rules, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 757-759. 172 Über die Rolle internationaler Stuerplaner, Rohatgi, Basic International Taxation – Volume 2 – Practice of International Taxation, 2007, S. 10-11.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.