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Rolf Eicke, Risiken der Steuerplanung in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 56 - 57

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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56 Kapitel 2: Steuerplanung mit Holdinggesellschaften Irland gründen, um dort einen Teil der Software oder andere hochwertige Produkte zu entwickeln.161 Dabei führt gerade diese IRS-Bestimmung zu einem zweifach nachteiligen Effekt für die U.S.-amerikanische Volkswirtschaft. Erstens, wird durch diese Bestimmung gar kein oder nur wenig Steueraufkommen für den U.S.-amerikanischen Fiskus erzeugt und zweitens werden multinationale U.S.-amerikanische Unternehmen dazu gezwungen, hochwertige Arbeitsplätze außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika zu schaffen. Ein solches Modell funktioniert allerdings auch nur, wenn ein Holdingstandort mit einer sehr guten Infrastruktur und einem hochqualifizierten, möglichst englischsprachigem Personalangebot gewählt wird. Vor allem die letzte Voraussetzung ist einer der Gründe, warum sich Irland in den vergangenen Jahrzehnten so gut entwickelt hat. In den Vereinigten Staaten hingegen, ist diese Art der Steuerplanung Gegenstand von politischen und wissenschaftlichen Debatten.162 B. Risiken der Steuerplanung Aufgrund der Tatsache, dass die internationale Steuerplanung sehr komplex ist und ständigen Veränderungen unterliegt, stellt die Beschaffung hinreichender und aktueller Informationen eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Aus steuerlichen Gründen ein Unternehmen oder einen Konzern umzustrukturieren, geht immer mit dem Risiko einher, dass dadurch Geschäftschancen nicht genutzt werden und/oder die Gesamtsteuerlast steigt, weil die steuerlichen Folgen nicht immer hinreichend vorhersehbar sind. Das liegt vor allem daran, dass Steuergesetze sehr veränderungsanfällig sind und Änderungen manchmal sogar rückwirkend bewirkt 161 Technisch betrachtet, entwickeln die irischen Gesellschaften neue Versionen der Software oder anderer Produkte. Um die Entwicklungskosten zwischen der U.S.amerikanischen Muttergesellschaft und den irischen Tochtergesellschaften aufzuteilen, und um diese für die IRS zu dokumentieren, wurden »Cost Sharing Agreements« abgeschlossen. Siehe Sullivan, Democratic Senators Eye Offshore Profits, Tax Notes International 2006, Vol. 41, 517; Simpson, Irish subsidiary lets Microsoft slash taxes in U.S. and Europe; Tech and drug firms move key intellectual property to low-levy island haven, Wall Street Journal Europe 7.11.2005, A1, A7. 162 Kritiker geben zu bedenken, dass den Vereinigten Staaten das Recht zusteht, eine Kompensation für die teilweise staatlich finanzierte qualitativ hochwertige Ausbildung der Mitarbeiter und die Nutzung der steuerfinanzierten Infrastrukturmaßnahmen einzufordern, auf die Microsoft zurückgreift. Siehe New York State Bar Association Tax Section, The U.S. Temporary Dividends Received Deduction, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 53; Simpson, Irish subsidiary lets Microsoft slash taxes in U.S. and Europe; Tech and drug firms move key intellectual property to low-levy island haven, Wall Street Journal Europe 7.11.2005, A1, A7; Sullivan, Democratic Senators Eye Offshore Profits, Tax Notes International 2006, Vol. 41, 517, 518. I. Internationale Steuerplanung 57 werden. Aus rein steuerlicher Sicht stellen die allgemeinen Anti-Missbrauchsregelungen, die speziellen Anti-Missbrauchsregelungen (z.B. Anti-Treaty-Shopping Regelungen, Unterkapitalisierungs- bzw. Gesellschafter-Fremdfinanzierungsregelungen) sowie die Regelungen zur Hinzurechnungsbesteuerung (CFC-Regeln) die größten Risiken dar. All diese Regelungen sind Gegenstand einer ausführlichen Analyse in den Kapiteln 7 bis 9. C. Grenzen der Steuerplanung Aufgrund der Komplexität der zu beachtenden Rechtsnormen und untergesetzlichen Regularien, besteht in der internationalen Steuerplanung die Hauptherausforderung darin, den richtigen Weg zwischen legaler Steuervermeidung163 und illegaler Steuerhinterziehung164 zu finden. Ein Problem besteht nicht zuletzt auch darin, dass zwischen den Steuerrechtsordnungen sehr unterschiedliche Ansichten über die Merkmale einer (legalen) Steuervermeidung und (illegalen) Steuerhinterziehung vorherrschen.165 Selbst innerhalb mancher Steuerrechtsordnungen ist die Grenzziehung nicht immer einfach. Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) unterscheidet nicht klar zwischen diesen Begrifflichkeiten.166 In der 163 Clarke, 2002, S. 6, 7; Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272; Nadal/Parillo, Socially Responsible Taxation – Much Ado About Nothing?, Tax Notes International 2007, Vol. 47, 791, 792; Tooma, When is Aggressive Too Aggressive?, Tax Notes International 2006, Vol. 42, 427; Sullivan, Tax Analysts Offshore Project, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 235, 236; Grotherr, Grundlagen der internationalen Steuerplanung, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 3, 7; Joecks, Steuerhinterziehung bei Auslandsgeschäften, in: Strunk/Wassermeyer/Kaminski, Gedächtnisschrift für Dirk Krüger, 2006, S. 69, 70; Renner, Briefkastenfirmen und internationaler Gestaltungsmissbrauch, in: Lang/Jirousek, Praxis des Internationalen Steuerrechts, 2005, S. 399, 418; Böing, Steuerlicher Gestaltungsmissbrauch in Europa, 2006, S. 205-212. 164 Über die Abgrenzung zwischen Steuerflucht und Steuervermeidung auf Jersey, Powell, The Jersey Government Responds, Tax Notes International 2007, Vol. 48, 785-786. 165 Einen rechtsvergleichenden Überblick über die Definition dieser Begriffe geben Uckmar, General Report, in: International Fiscal Association, Tax avoidance / Tax evasion, Cahiers de Droit Fiscal International, Vol. LXVIIIa, 1983, S. 15ff. Des Weiteren, Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272, 273; Sheppard, Offshore Investments: Don't Ask, Don't Tell, Tax Notes International 2005, Vol. 39, 209, 214; Grotherr, Grundlagen der internationalen Steuerplanung, in: Grotherr, Handbuch der internationalen Steuerplanung, 2003, S. 3, 7; Flick, Ins Steuerparadies, Zeitschrift für Steuer- und Erbrechtspraxis 2004, 4, 6; Flore, Online ins Steuerparadies?, Kommunikation & Recht 1999, 163. 166 Merks, Tax Evasion, Tax Avoidance and Tax Planning, Intertax 2006, Vol. 34, 272, 280.

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References

Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.