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Rolf Eicke, Forschungsinteresse in:

Rolf Eicke

Repatriierungsstrategien für U.S.-Investoren in Deutschland, page 28 - 30

Steuerplanung mit Holdinggesellschaften

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4010-2, ISBN online: 978-3-8452-1657-7 https://doi.org/10.5771/9783845216577

Series: Steuerwissenschaftliche Schriften, vol. 14

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28 Kapitel 1: Problemstellung und Forschungsinteresse plexer wurden,15 ist die Implementierung in einer digital vernetzten Welt sehr viel einfacher geworden.16 Dass die Welt in einem übertragenen Sinne zu einem Dorf geworden ist, gilt nicht nur, aber in einem besonderen Maße auch für die internationale Steuerplanung.17 Trotz der vielen neuen Planungsmöglichkeiten gibt es auch eine Vielzahl von Risiken. Ein starker Trend im internationalen Steuerrecht ist die Einführung von allgemeinen und speziellen Missbrauchsvorschriften (z.B. Anti-Treaty-Shopping Regelungen; CFC-Regeln). Diese zum Teil sehr weitreichenden Antworten von Steuerrechtsordnungen auf den globalen Steuerwettbewerb erschweren die Befolgung von Steuergesetzen (tax compliance) und lassen die Grenzen zwischen legaler und illegaler Steuerplanung verschwimmen. Damit einher geht in jedem Fall ein erhöhtes Maß an steuerlichem Risiko (tax risk). Ein Ziel dieser Schrift ist es daher auch, den Missbrauchsvorschriften und ihrer Befolgung einen größeren Raum einzuräumen. II. Forschungsinteresse Das Forschungsinteresse besteht darin, die Hintergründe und Konzepte aufzuzeigen, um das Ausgangsszenario eines Gewinntransfers von einer deutschen Enkel- oder Ur-Enkel Gesellschaft einer U.S.-amerikanische Muttergesellschaft strukturiert für steuerplanerische Zwecke darzustellen. Ein Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das es erlaubt, die einzelnen Schritte der internationalen Steuerplanung zu erfassen und zu realisieren. Ein gewichtiges Forschungsinteresse gilt auch dem Einsatz von Holdinggesellschaften in der internationalen Steuerplanung. Auf dem ersten Blick scheint die Einschaltung einer Holdinggesellschaft sich jedoch als steuerlicher Nachteil zu erweisen, begründet sie doch eine zusätzliche Besteuerungsebene und damit auch das Risiko einer Doppelbesteuerung ein und desselben wirtschaftlichen Vorgangs.18 Mit Hilfe der Steuerplanung schafft die Einschaltung der Holdinggesellschaft einen Mehrwert, der über das Steuerrecht hinaus gehen kann. Im Steuerrecht selber kann eine Holding dabei helfen, steueroptimale Strukturen zu implementieren, zu kontrollie- 15 Owens, Abusive Tax Shelter: Weapons of Tax Destruction?, Tax Notes International 2005, Vol. 41, 873. 16 Merks, Categorizing Corporate Cross-Border Tax Planning Techniques, Tax Notes International 2006, Vol. 44, 55. 17 Merks, Corporate Tax and the Global Village, Intertax 2006, Vol. 34, 26, 27. 18 Kessler, Die Euro-Holding, 1996, S. 22-36. II. Forschungsinteresse 29 ren und zu modifizieren.19 Ferner eignen sich Holdinggesellschaften dazu, Interessen zu verbinden (pooling) und Kapitalflüsse innerhalb des Konzerns zu managen. Diese und weitere Facetten sollen in dieser Schrift näher erforscht werden. Als ein entscheidendes Scharnier zwischen dem deutschen, und dem sich strukturell und inhaltlich stark unterscheidenden U.S.-amerikanischen Steuerrecht, erweist sich die Auswahl und Anwendung der Holdingrechtsordnung. Daher besteht ein weiteres Forschungsinteresse darin, alle steuerplanerisch sinnvollen Standorte vorzustellen, und konkrete Hindernisse für den Einsatz einer Holdinggesellschaft zu untersuchen. Anhand von einem Dutzend steuerlicher Standortfaktoren zur Ermittlung eines geeigneten Holdingstandortes werden 19 europäische, asiatische und karibische Standorte direkt miteinander verglichen.20 Abgerundet werden soll die Untersuchung mit der Darstellung verschiedener Strukturvorschläge, die sich aus der vorstehenden Analyse ableiten. Das übergeordnete Forschungsziel ist eine ganzheitliche Betrachtung der Repatriierung von U.S.-amerikanischen Gewinnen aus Deutschland. »Ganzheitlich« bedeutet eine umfassende Beschreibung im Kontext der sich durch den internationalen Steuerwettbewerb und die EG-Steuerharmonisierung verändernden Rahmenbedingungen für Repatriierungen von Deutschland in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dazu gehört auch, zukünftige Entwicklungen zu antizipieren. Ein notwendiger Aspekt im Rahmen des internationalen Steuerwettbewerbs ist die genauere Beleuchtung der Funktion und der Interessen der sogenannten Tax Havens. Diese spielen in der internationalen Steuerplanung eine immer größere Rolle. Nach einer von KPMG im Jahre 2006 durchgeführten Umfrage unter Steuerabteilungsleitern von multinationalen Unternehmen gaben 62% an, Geschäftstätigkeiten in Tax Havens zu verlagern.21 19 Endres/Schreiber/Dorfmüller, Holding companies are key international tax planning tool, International Tax Review 2006, December/January, 46. 20 Allerdings wird im Rahmen dieser Abhandlung nicht in Erwägung gezogen, eine U.S.-amerikanische Holdinggesellschaft zu nutzen. Über U.S.-amerikanische Holdinggesellschaften im Detail, Flick/Janka, Steuerliche Charakteristika der U.S. Holdinggesellschaft (Teil I), DStR 1991, 1037-1042; Flick/Janka, Steuerliche Charakteristika der U.S. Holdinggesellschaft (Teil II), DStR 1991, 1069-1075. 21 Verglichen mit 55% im Jahre 2005. Die Umfrage aus dem Jahre 2006 beinhaltete die Ansichten von 120 Steuerdirektoren multinationaler Unternehmen. Siehe Hickley, Multinational Trend Towards Low Tax Regimes Accelerates, Tax Planning International Review 2006, Vol. 33, May 2006, 15; Frankfurter Allgemeine Zeitung, Verlagerung aus Steuergründen, 19.5.2006, 22; Rubinger/Sherman, Holding Intangibles Offshore May Produce Tangible U.S. Tax Benefits, Tax Notes International 2005, Vol. 37, 907. Dieselbe Umfrage ergab auch, dass Steuersätze ein entscheidender Faktor bei der Standortwahl sind. Allerdings würden multinationale Unternehmen höhere Steuersätze dann in Kauf nehmen, wenn die Steuerbehörden ihrerseits kooperativer wären und ihre Entscheidungen voraussehbarer 30 Kapitel 1: Problemstellung und Forschungsinteresse Eine Untersuchung aller beteiligten Akteure bei der Repatriierung von U.S.-amerikanischen Gewinnen aus Deutschland muss sich auch mit Organisationen beschäftigen, die sowohl den internationalen Steuerwettbewerb als auch das Verhalten von Tax Havens kontrollieren bzw. regulieren wollen. Dazu gehören die OECD und die EU, wobei die jeweiligen Zielsetzungen teilweise diametral entgegen gesetzt sind. Auch die Rolle des Europäischen Gerichtshofes darf dabei nicht außer Acht gelassen werden,22 sorgte er doch bislang mit seinen Entscheidungen für bessere steuerliche Rahmenbedingungen auch für U.S.-amerikanische Investoren in Europa.23 In diesem Zusammenhang gilt es auch, die Schnittstellen und Zielkonflikte zwischen Steuerwettbewerb und Steuerharmonisierung herauszustellen. Beide Begriffe sind integraler Bestandteil des EG-Steuerrechts, welches einen entscheidenden Einfluss auf Steuergestaltungen im deutsch-amerikanischen Kontext hat. Aus diesem Grunde besteht auch ein Forschungsinteresse dahingehend, die Auswirkungen des EG Steuerrechts auf das deutsche Steuerrecht, das Steuerrecht der untersuchten Holdingstandorte und auf den U.S.-amerikanischen Investor zu untersuchen. III. Stand der Diskussion Die Repatriierung von U.S.-amerikanischen Gewinnen aus Deutschland wurde weder in der deutschsprachigen noch in der englischsprachigen Literatur bisher eingehend und systematisch untersucht. Es gibt keinen Aufsatz und keine Monographie, welche das komplexe System der Repatriierung von Gewinnen aus Deutschland in die Vereinigten Staaten ganzheitlich dargestellt. Obgleich es zu den Themenkomplexen »internationaler Steuerwettbewerb« und »EG-Steuerharmonisierung« eine Vielzahl von Aufsätzen und Monographien gibt, wurde bislang kein Zusammenhang zur Repatriierung von U.S.-amerikanischen Gewinnen aus Deutschland hergestellt. Zudem gibt es trotz der hohen Relevanz von Holdinggesellschaften in der internationalen Steuerplanung nur sehr wenige Abhandlungen in deut- 22 wären. Siehe Hickley, Multinational Trend Towards Low Tax Regimes Accelerates, Tax Planning International Review 2006, Vol. 33, May 2006, 15. Ferner beschreibt Avi-Yonah, Globalization, Tax Competition, And the Fiscal Crisis of the Welfare State, Harvard Law Review 2000, Vol. 113, May, 1573, 1589 anhand des Beispiels Intel auf welche steuerlichen Anreize multinationale Unternehmen reagieren. 22 Siehe Hey, German Tax Court Revamps Treaty Shopping Law, Tax Notes International 2005, Vol. 40, 122. 23 Siehe als Überblick über Studien zur Steuersensitivität multinationaler U.S.-amerikanischer Unternehmen, Avi-Yonah, Globalization, Tax Competition, And the Fiscal Crisis of the Welfare State, Harvard Law Review 2000, Vol. 113, May, 1573, 1588-1596.

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Zusammenfassung

Die internationale Steuerplanung mit Holdinggesellschaften ist für multinationale Konzerne häufig lohnenswert. Allerdings gilt es vielerlei Fallstricke zu beachten. Der Autor stellt nicht nur die Grundlagen dieser Art von Steuerplanung dar, sondern präsentiert Strukturen, die sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler von großem Interesse sind.

Spätestens wenn ein U.S.-amerikanischer Investor einen Gewinn in Deutschland realisiert hat, muss er eine Entscheidung darüber treffen, wie er den Gewinn verwendet. Hierfür gibt es drei Alternativen: Erstens, den Gewinn in Deutschland oder Europa zu reinvestieren, um diesen von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen, zweitens, den Gewinn aus Europa heraus in einen Drittstaat zu leiten, um ihn dort zu investieren und von der U.S.-amerikanischen Besteuerung abzuschirmen oder drittens, die Gewinne in die Vereinigten Staaten zu repatriieren. Für die letzte Option gibt es gute Gründe. Diesen widmet sich das Werk, indem es zwei Dutzend Holdingstandorte analysiert, die eine steueroptimale Repatriierung von U.S.-Gewinnen aus Deutschland ermöglichen.

Die Dissertation wurde mit dem Gerhard-Thoma-Ehrenpreis 2009, dem Rudolf-Haufe-Nachwuchsförderpreis 2009 und dem Esche Schümann Commichau Förderpreis 2009 ausgezeichnet.