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Johann Klinge, Ergebnis in:

Johann Klinge

Ein zukünftiger Altersrentenvertrag unter Wettbewerbsbedingungen, page 229 - 231

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4030-0, ISBN online: 978-3-8452-1426-9 https://doi.org/10.5771/9783845214269

Series: Schriften zur Rechtsbiometrik und zum Alterssicherungssystem, vol. 3

Bibliographic information
229 Denn die Kosten werden bei Lebensversicherungen künftig anders ausgewiesen werden als bei Investmentfonds. Werden die Kosten bei Investmentfonds prozentual als Ausgabeaufschläge und im Rahmen der Gesamtkostenquote als prozentualer Anteil des Nettoinventarwerts der Kapitalanlage ausgewiesen, so werden die Kosten bei der Lebensversicherung künftig in absoluten Zahlen, in Euro-Beträgen auszuweisen sein. Sorgt die Ausweisung von Euro-Beträgen für die gebotene Klarheit und ermöglicht einen Leistungsvergleich bei Lebensversicherungen, so helfen sie dem Nachfrager nicht bei einem Vergleich mit einem Investmentprodukt, bei dem der Nachfrager die Kosten als prozentualen Ausgabeaufschlag oder als prozentualen Anteil am Wert der Kapitalanlage mitgeteilt bekommt. Für die Ausweisung einer Gesamtkostenquote, wie bei Investmentfonds, spricht die Einfachheit, mit der eine für den Nachfrager eminent wichtige Information transportiert wird und die ihm eine Entscheidung im Wettbewerb verschiedener Anbieter erleichtert. Für die Ausweisung in Euro Beträgen spricht die Klarheit der Information und das keine Notwendigkeit für den Nachfrager besteht, zusätzliche Rechenschritte zu unternehmen. Bei der Kostenausweisung in Euro-Beträgen wird in der Praxis jedoch das Problem gesehen, dass Lebensversicherungen künftig im Wettbewerb gegenüber Investmentanteilen benachteiligt würden.864 Für den Altersrentenvertrag ergibt sich demnach die Notwendigkeit, eine einheitliche Kostenausweisung für Versicherungs- wie auch Investmentprodukte vorzuschreiben. IV. Ergebnis Es ist abschließend nicht festzustellen, ob Lebensversicherungsprodukte oder Investmentprodukte generell besser zur Altersvorsorge geeignet sind. Hinsichtlich der Kostentransparenz, bei der Investmentprodukte den Lebensversicherungsprodukten bislang überlegen waren, wird sich die Situation bei den Lebensversicherungsprodukten durch die neue VVG-InfoV verbessern. Unter Berücksichtigung eines funktionsfähigen Wettbewerbs erscheinen Investmentprodukte aufgrund ihrer Kostenverteilung als zu bevorzugendes Produkt. Denn trotz der zukünftigen Offenlegung der Kostenstruktur der Lebensversicherung bleibt aufgrund der Zillmerung (wenn auch in künftig abgeschwächter Form) das Problem erhalten, dass es für den Versicherungsnehmer in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit mit Nachteilen verbunden ist, den Anbieter zu wechseln. Damit besteht bei der Lebensversicherung auch künftig ein Merkmal, welches den Wettbewerb in erheblicher Weise hemmt. Die derzeitige Regelung des § 1 Abs.1 Nr. 8 AltZertG sieht eine Abschlusskostenverteilung über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren in gleichmäßigen Jahresbeträgen vor, soweit sie nicht als Vomhundertsatz von den Altersvorsorgebeiträgen abgezogen werden. Das AltZertG ist somit bislang offen für eine Verteilung der 864 Versicherungsjournal vom 21.6.2007, „Abschlusskosten sollen in Euro-Beträgen genannt werden“. 230 Abschlusskosten wie sie sowohl bei Lebensversicherungen als auch bei Investmentprodukten gebräuchlich ist. Das AltZertG trifft damit bislang keine Entscheidung in Hinsicht auf eine zu bevorzugende Kostenverteilung. Da jedoch festgestellt wurde, dass die Kostenverteilung bei Investmentprodukten vorteilhafter für den Wettbewerb ist, ist im Folgenden zu untersuchen, ob und in welcher Weise die Kostenverteilung beim Altersrentenvertrag anzugleichen wäre. 231 D. Verbesserung und Vereinheitlichung der Kostenverteilung und Information Um die Vergleichbarkeit der Abschlusskosten der verschiedenen Produkte und Produktgruppen zu verbessern, sowie das Entstehen von Nachteilen für den Nachfrager bei einem Anbieterwechsel zu vermeiden, müssen die Kostenverteilung und die Information über die wesentlichen Eigenschaften des Altersrentenvertrages verbessert und vereinheitlicht werden. I. Die Höhe der Abschlusskosten und ihre Verteilung beim Altersrentenvertrag 1. Die Verteilung der Abschlusskosten bei Investmentanteilen als Vorbild? Zunächst könnte man daran denken, die für den Wettbewerb vorteilhaftere Verteilung der Abschlusskosten bei Investmentanteilen auf Lebensversicherungsprodukte zu übertragen. Das hätte zur Folge, dass ein Teil der monatlichen Prämie (z.B. 5 %) wie bei Investmentanteilen der Ausgabeaufschlag von dem Versicherungsunternehmen an den Vermittler des Vertrages weitergeleitet wird und nicht in den Aufbau des Kapitalstocks fließt. Eine derartige Verteilung der Abschlusskosten hätte den Vorteil, dass vom Beginn des Sparvorgangs an der größte Teil der Sparbeiträge in den Aufbau des Kapitalstocks fließt und der Vorsorgende auf diese Weise von Anfang an Zins- und Zinseszinseffekte generieren kann. Auch der Wechsel des Anbieters wäre ebenso wie bei Investmentfonds mit geringeren Nachteilen für den Nachfrager verbunden. Allerdings sind häufige Wechsel des Anbieters auch bei einer derartigen Kostenverteilung mit negativen Auswirkungen auf die Rendite verbunden. Denn bei der Umschichtung, dem sog. "shifting" von Investmentanteilen werden erneut Ausgabeaufschläge fällig. Ein häufiges Shiften kann sich dadurch auch bei einer derartigen Verteilung der Abschlusskosten negativ auf die Rendite auswirken.865 Allerdings sind die Auswirkungen geringer als bei der Lebensversicherung, da ein Ausgabeaufschlag von 5 % nach Ablauf einer kurzen Zeitspanne ausgeglichen werden kann.866 2. Einmalige Erhebung der Abschlusskosten durch "Abschlusskostenguthaben" Eine weitere Möglichkeit zur Erhöhung des Wettbewerbs bestünde in der einmaligen Erhebung von Abschlusskosten. Auf diese Weise könnte ein Anbieterwechsel ohne wirtschaftliche Nachteile für den Nachfrager erreicht werden. Um einen neut- 865 Vgl. Kling/Ruß/Seyboth, Fondspolice oder Fondssparplan - Erste Antworten auf eine schwierige Frage, Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, Ulm. 866 Im Zeitraum von 1967-1998 betrug die durchschnittliche Aktienrendite real 7 % p.a., Bundeswertpapiere kamen im Vergleich dazu auf 3,9 % p.a., vgl. Stehle, Renditevergleich von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren auf Basis des DAX und des REXP, S. 13, 15.

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Zusammenfassung

Das Buch thematisiert die Herausforderungen der Alterssicherung in Deutschland unter Berücksichtigung des Europarechts. Der Autor beurteilt das System der gesetzlichen Rentenversicherung aus der Perspektive des Europarechts und kommt zu dem Ergebnis, dass der deutsche Gesetzgeber aufgrund der demografischen Veränderungen das Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung in einem größeren Maße als bislang auf ein kapitalgedecktes System umstellen muss. Dabei geht er auch auf die ökonomischen Möglichkeiten einer derartigen Umstellung ein. Er zeigt auf, welche Handlungsspielräume der Gesetzgeber hat und untersucht, welche Anforderungen hinsichtlich einer wettbewerblichen Ausgestaltung die kapitalgedeckte Vorsorge erfüllen muss. Mit seinem Werk gibt der Autor einen Einblick in die Probleme der Alterssicherung in Deutschland und kommt dabei zu neuen rechtlichen Schlussfolgerungen.