Content

Johann Klinge, Frühverrentung in:

Johann Klinge

Ein zukünftiger Altersrentenvertrag unter Wettbewerbsbedingungen, page 30 - 30

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4030-0, ISBN online: 978-3-8452-1426-9 https://doi.org/10.5771/9783845214269

Series: Schriften zur Rechtsbiometrik und zum Alterssicherungssystem, vol. 3

Bibliographic information
30 graphischen Veränderungen unbeeinflußt bleiben wird, kann davon ausgegangen werden, dass die Arbeitslosigkeit und der Mangel an rentenversicherungspflichtiger Beschäftigung noch in den nächsten Jahren ein Problem für die Einnahmesituation der gesetzlichen Rentenversicherung darstellen werden. II. Frühverrentung Ein weiteres Problem, welches im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktsituation zu sehen ist, stellt die Zahl der Frühverrentungen dar. Während das gesetzliche Rentenalter bei Männern derzeit noch 65 Jahre, bei Frauen 63 Jahre beträgt, ist das durchschnittliche Rentenzugangsalter sehr viel geringer, betrug es doch 1998 knapp 60 Jahre.27 Das hat seine Gründe zum einen darin, daß die Frühverrentung als Mittel zur Verjüngung des Firmenpersonals angesehen wird.28 Ein anderer Grund wird darin gesehen, daß Anreize existieren, vorzeitig in Rente zu gehen. So müssen Frührentner Abschläge bei ihrer Rente hinnehmen, die geringer sind, als es versicherungsmathematischen Grundsätzen entspricht.29 Dies hat zur Folge, dass es sich für einen Rentenversicherten lohnen kann, frühzeitig in Rente zu gehen. Er erhält in diesem Fall durchschnittlich eine höhere Gesamtrentenleistung als derjenige, der nach Erreichen des regulären gesetzlichen Rentenalters in Rente geht. III. Der demographische Wandel Das größte und zentrale Problem für die gesetzliche Rentenversicherung ist jedoch der demographische Wandel der Gesellschaft, in Deutschland wie in Europa.30 Das Problem ist seit Jahren bekannt und bereits erschöpfend beschrieben worden.31 Den- 27 Wissenschaftlicher Beirat beim BMWi 1998, S. 5; Börsch-Supan, Blaupause für eine nachhaltige Rentenreform in Deutschland, S. 6. 28 Kreikebohm, SGB VI, Einleitung, Rn 20. 29 Vgl. Börsch-Supan, Blaupause für eine nachhaltige Rentenreform in Deutschland, S. 13 f. m.w.N. 30 Vgl. Wissenschaftlicher Beirat beim BMWi, S. 2; im extremeren Maße als Deutschland sind die meisten osteuropäischen Staaten von einer niedrigen Geburtenrate betroffen, vgl. dazu die Daten vom Berliner Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung, in: Münz/Fassmann, Demographische Entwicklungstendenzen im östlichen Europa und Deutsche Bank Research, Bevölkerungsentwicklung und Rentenreformen in den großen mitteleuropäischen Ländern, S. 5. 31 Naber, Reformnotwendigkeit der bedeutenden Alterssicherungsysteme in der Bundesrepublik Deutschland, S. 92-106; Reinhard, Demographischer Wandel und Alterssicherung, S. 32-34; Waltermann, Sozialrecht, 2001, Rn 322; Wissenschaftlicher Beirat beim BMWi, S. 1-7; Kortmann/Schatz, AVID’96, S. 6 f.; Börsch-Supan, Blaupause für eine nachhaltige Rentenreform in Deutschland, 2001, S. 3-5; GDV, Die Märkte für Altersvorsorge, S. 5-21; das Thema ist auch in der populärwissenschaftlichen Literatur angekommen, vgl. Schirrmacher, das Methusalem-Komplott.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Das Buch thematisiert die Herausforderungen der Alterssicherung in Deutschland unter Berücksichtigung des Europarechts. Der Autor beurteilt das System der gesetzlichen Rentenversicherung aus der Perspektive des Europarechts und kommt zu dem Ergebnis, dass der deutsche Gesetzgeber aufgrund der demografischen Veränderungen das Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung in einem größeren Maße als bislang auf ein kapitalgedecktes System umstellen muss. Dabei geht er auch auf die ökonomischen Möglichkeiten einer derartigen Umstellung ein. Er zeigt auf, welche Handlungsspielräume der Gesetzgeber hat und untersucht, welche Anforderungen hinsichtlich einer wettbewerblichen Ausgestaltung die kapitalgedeckte Vorsorge erfüllen muss. Mit seinem Werk gibt der Autor einen Einblick in die Probleme der Alterssicherung in Deutschland und kommt dabei zu neuen rechtlichen Schlussfolgerungen.