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Nicole Bettinger, Einführung in:

Nicole Bettinger

Englische LLP und Anwaltshaftung in Deutschland, page 444 - 444

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4011-9, ISBN online: 978-3-8452-1679-9 https://doi.org/10.5771/9783845216799

Series: Internationales und europäisches Privat- und Verfahrensrecht, vol. 8

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444 4. Teil: Vorschlag für eine Problemlösung de lege ferenda A. Notwendigkeit einer Problemlösung I. Einführung Nunmehr ist zu prüfen, ob die Neubildung einer Kollisionsnorm für die berufsbezogene Haftung des Gesellschafters aus unerlaubter Handlung in Erwägung zu ziehen ist. Die Neubildung einer Kollisionsnorm setzt voraus, dass die von der Kollisionsnorm vorausgesetzte Interessenlage so geschwunden ist, dass die innere Berechtigung der vorgesehenen Anknüpfung wegfällt.3423 Ferner ist darzulegen, dass das Ordnungsinteresse nicht zu einer Aufrechterhaltung der bestehenden Regel zwingt.3424 Bereits aus der vorstehenden Prüfung der konkreten Anpassungslage3425 ergeben sich Anhaltspunkte für die Notwendigkeit einer Neuregelung. Im Folgenden ist zu zeigen, dass unabhängig von der konkreten Anpassungslage die kollisionsrechtliche Interessenlage ein Festhalten an der bestehenden Regelung nicht rechtfertigt, weil die Relevanz der Berufsbezogenheit im Rahmen des Kollisionsrechts gänzlich außer Betracht gelassen wird.3426 Überdies ist ein bloßes Ordnungsinteresse an der Aufrechterhaltung des status quo nicht ausreichend, um eine Neuregelung zu verhindern.3427 Dies wird zusätzlich durch den Umstand bestätigt, dass andernfalls durch fehlendes Problembewusstsein internationale Schutzlücken3428 bei der kollisionsrechtlichen Erfassung fortbestehen. II. Berufsbezogenheit als relevanter Faktor Die bisherige Prüfung hat gezeigt, dass die herkömmlichen Kollisionsnormen der besonderen Problematik der berufsbedingten Haftung des Gesellschafters nicht zu Genüge gerecht werden. Darin spiegelt sich die inländische Wahrnehmung des Zusammenspiels von gesellschaftsrechtlicher und außervertraglicher Haftung wieder. Es wird vorrangig wahrgenommen, dass entweder eine akzessorische Gesellschafterhaftung neben der 3423 Kegel/Schurig, § 6 III; Schurig, Festschr. f. Heldrich, S. 1021, S. 1025. 3424 Kegel/Schurig, § 6 III; Schurig, Festschr. f. Heldrich, S. 1021, S. 1025. 3425 Siehe oben Teil 3 D IV - VIII. 3426 Siehe nachstehend Teil 4 A II. 3427 Siehe nachstehend Teil 4 A II. 3428 Siehe unten Teil 4 A III.

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Zusammenfassung

Die englische Limited Liability Partnership (LLP) kann für in Deutschland niedergelassene Rechtsanwälte eine attraktive Alternative sein. Die Arbeit untersucht die in der Praxis für solche Anwalts-LLPs relevanten berufs-, haftungs-, gesellschafts- und registerrechtlichen Fragen aus internationalprivatrechtlicher und europarechtlicher Perspektive und vergleicht funktional die LLP mit Partnerschaft und GmbH. Insbesondere erörtert die Autorin die Haftung der LLP-Gesellschafter für Berufsfehler sowie die Frage, welche Normen der BRAO Anwendung finden. Die kollisionsrechtlichen Methoden der Substitution und der Anpassung werden diskutiert. De lege ferenda wird eine Neuregelung für das Kollisionsrecht vorgeschlagen.