Content

Nicole Bettinger, Entstehungsgeschichte in:

Nicole Bettinger

Englische LLP und Anwaltshaftung in Deutschland, page 52 - 54

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4011-9, ISBN online: 978-3-8452-1679-9 https://doi.org/10.5771/9783845216799

Series: Internationales und europäisches Privat- und Verfahrensrecht, vol. 8

Bibliographic information
52 Verpflichtungen, wie z. B. Beschränkung auf Rechtsberatung172 und Mitteilungszwang gegenüber der SRA.173 Zudem ist eine Berufshaftpflichtversicherung nach den Regeln der Solicitors  Indemnity Insurance Rules 2005 (SIIR 2005) abzuschlie- ßen174, die neben der LLP auch deren members und Angestellte abdeckt.175 Die Versicherungssumme hat sich auf mindestens £ 3 Millionen für jede Schadensersatzforderung zu belaufen.176 D. Die limited liability partnership (LLP) I. Entstehungsgeschichte Die Schaffung der LLP kann als Antwort auf die Nachfrage großer professional partnerships, die mit der partnership als Kooperationsform unzufrieden waren, eingestuft werden.177 Zunächst wurde das Konzept der LLP für die professions (freie Berufe) entwickelt.178 In erster Linie wurde die LLP vorgeschlagen, um den Bedürfnissen von professional firms, unter anderem von Abschlussprüfern und Rechtsanwälten, gerecht zu werden.179 Aktuell sprechen gegen die company neben den Vorteilen der flexiblen Finanzierung und Organisation einer partnership180 auch die steuerlichen Nachteile und Offenlegungspflichten181. Allerdings wird bei der partnership die unbeschränkte Haftung für andere Partner aus verschiedenen Gründen zunehmend als problematisch angesehen.182 Zum einen haben die Anzahl der Klagen und die Höhe der Klagesummen wegen professional negligence (fahrlässiger beruflicher Fehler) zugenommen.183 Solche ruinösen Klagen werden auch als  Armageddon  legal claims 184 oder  doomsday 172 R. 14.02 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 2 (2) SIPR 2004 (aufgehoben). 173 R. 14.07 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 6 SIPR 2004 (aufgehoben). 174 R. 25.01 (4) (b) Solicitors  Code of Conduct 2007; r. 2.1 (d) Solicitors  Recognised Bodies Regulations 2007; r. 3.1, 4 SIIR 2005; vgl. r. 3 (3) (d) SIPR 2004 (aufgehoben). 175 Appendix 1, r. 1.1, 1.3, 8.15 SIIR 2005. 176 Appendix 1, r. 2.1, 8.18 SIIR 2005. 177 Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 476f.; Beresford, NLJ 1999, 1647; Henning, Comp. Law. 2004, 25(6), 163, 168. 178 Rouch/Smethurst, JIBFL 2004, 19(2), 46; Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 477, 480; Payne, Comp. Law. 2000, 21(4), 133; Mabey, SJ 2000, 144(6), 148; Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 114; Henning, Comp. Law. 2004, 25(6), 163, 168; zur ursprünglichen Beschränkung auf regulated professions und zur Befürwortung der Erweiterung des Konzepts s. insbesondere Bennett, SLPQ 1999, 4(2), 93, 95f. 179 Rouch/Smethurst, JIBFL 2004, 19(2), 46; Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 480. 180 Morse, Rdnr. 1.01. 181 Freedman/Finch, JBL 1997, 387, 389. 182 Cross, JBL 2003, 268, 269f.; Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 183 Griffiths, CFILR 1998, 157; Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 184 Mabey, SJ 2000, 144(6), 148. 53 claim[s]  185 bezeichnet. Zum anderen sind große partnerships entstanden, in denen sich die einzelnen Partner nicht unbedingt persönlich kennen.186 Daher ist es unmöglich, über das Vorgehen aller Partner informiert zu sein oder Kontrolle auszuüben.187 Ferner hat die Spezialisierung stark zugenommen.188 Die Haftung aller Partner für hohe Schadenssummen, die auf beruflichen Fehlern eines einzigen Partners beruhten, rief vor allem bei den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Bedenken hervor.189 Schließlich wird das Privatvermögen eines Partners einem großen Risiko ausgesetzt, wenn eine Klagesumme die Summe des Gesellschaftsvermögens und der Versicherungsleistung übersteigt.190 Diese Bedenken treffen bei großen professional partnerships (Partnerschaft von Angehörigen der gehobenen Berufe) zu, sind aber auch bei partnerships mit wenigen Partnern relevant.191 Insbesondere forderten die Wirtschaftsprüfungsunternehmen die Schaffung der LLP, um ihre unbeschränkte Haftung zu begrenzen.192 Die Zunahme hoher Schadensersatzforderungen von Investoren wegen Übersehens der missbräuchlichen Geschäftspraxis geprüfter Unternehmen akzentuierte die Risiken für Partner.193 Das Risiko immenser Schadenssummen war für die Wirtschaftsprüfer Anlass, sich verstärkt für eine Haftungsbeschränkung und eine neue Rechtsform, die ihren Bedürfnissen besser entsprach, einzusetzen.194 Der Forderung nach einer Rechtsreform wurde dadurch Nachdruck verliehen, dass Jersey seine eigene Variante einer LLP, welche das Privatvermögen der Partner vor Klagen gegen andere Partner schützt, bereits 1996 zur Verfügung stellte.195 Auch andere Rechtsordnungen bieten entsprechende LLPs an.196 Mithin bestand das Risiko der Abwanderung.197 Hintergrund der Nachfrage für die LLP bildet somit das Streben nach Begrenzung der unbeschränkten Haftung.198 Die Idee zur Einführung der LLP entstand im Rahmen der allgemeinen Prüfung der joint and several liability.199 Bereits 1996 veröffentlichte das Department of 185 Griffiths, CFILR 1998, 157, 159. 186 Freedman/Finch, JBL 1997, 387, 389; Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 187 Beresford, NLJ 1999, 1647; Griffiths, CFILR 1998, 157, 161. 188 Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 189 Cross, JBL 2003, 268, 270; Morse, 9.01; Cross, Jur. Rev. 1999, 259, 260ff. 190 Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 191 Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 192 Freedman/Finch, JBL 1997, 387f.; Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 481; Cross, Jur. Rev. 1999, 259, 261f.; Cross, Jur. Rev. 1999, 137, 140; Mason, NLJ 2001, 226f. 193 Cross, JBL 2003, 268, 269f. 194 Cross, JBL 2003, 268, 270; Mason, NLJ 2001, 226f. 195 Freedman/Finch, JBL 1997, 387f.; Cross, JBL 2003, 268, 270; zur Jersey LLP s. Morris/Stevenson, MLR 1997, 538. 196 Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 113. 197 Vermeulen, S. 119f.; Payne, Comp. Law. 2000, 21(4), 133; Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 113; Griffiths, CFILR 1998, 157, 158. 198 Freedman/Finch, JBL 1997, 387, 388. 199 Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 113; Ziff. 11 Explanatory Notes to LLPA 2000. 54 Trade and Industry (Ministerium für Handel und Industrie, DTI) eine Studie200 zum Zweck der Konsultation. Diese Veröffentlichung beschäftigte sich mit der joint and several liability und möglichen Alternativen, wie der Beschränkung auf eine pro rata Haftung.201 Eine Reform der joint and several liability wurde abgelehnt.202 Im Jahre 1997 veröffentlichte das DTI ein consultation paper (Konsultationspapier), welches speziell die LLP als neue Kooperationsform für die gehobenen Berufe zum Gegenstand hatte.203 Die Reaktion auf diese Veröffentlichung bestätigte, dass eine Nachfrage für die LLP seitens der freien Berufe bestand.204 Ein Gesetzesentwurf und regulations (Verordnungen), die im Gesetzgebungsverfahren Änderungen erfuhren, wurden 1998 veröffentlicht.205 Am 6. April 2001 trat der LLPA 2000 in Kraft. 206 II. Regelungsgefüge Der LLPA 2000 ist mit 19 sections (Paragraphen) und einem Schedule (Anhang) relativ kurz und enthält die Prinzipien der neuen Rechtsform.207 Die nach ss. 14 - 17 LLPA zulässigen regulations (Verordnungen) ergänzen den Gesetzestext.208 Zu nennen sind insbesondere die Limited Liability Partnerships Regulations 2001209 (LLP Regulations 2001), die unter anderem die Anwendung von Vorschriften des CA 1985210 und des Insolvency Act 1986211 (IA 1986) regeln.212 Ferner werden für 200 DTI, Feasibility investigation of joint and several liability carried out by the Common Law Team of the Law Commission, HMSO, ISBN 0115154523, 1996 (DTI, Feasibility Investigation 1996). 201 Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 113; DTI, Feasibility Investigation 1996. 202 Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 481; Freedman/Finch, JBL 1997, 387, 388; DTI, Feasibility Investigation 1996. 203 DTI, Limited Liability Partnership: A New Form of Business Association for Professions, Consultation Paper, URN 97/597, February 1997. 204 Ziff. 11 Explanatory Notes to LLPA 2000; Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 114. 205 DTI, Limited Liability Partnerships Draft Bill, A Consultation Document, URN 98/874, September 1998; Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 114; Ziff. 11 Explanatory Notes to LLPA 2000. 206 Limited Liability Partnerships Act 2000 (Commencement) Order 2000, SI 2000/3316. 207 Whittaker/Machell, S. 5. 208 Whittaker/Machell, S. 6. 209 Limited Liability Partnerships Regulations 2001, SI 2001/1090 (LLP Regulations 2001). 210 Reg. 3, 4, Schedules 1, 2 LLP Regulations 2001. 211 Reg. 5, Schedule 3 LLP Regulations 2001. 212 Die Limited Liability Partnerships Regulations (No 2) Regulations 2002, SI 2002/913 betreffen die Anwendung der Vorschriften des CA 1985 in Bezug auf Anträge auf confidentiality orders (Verfügungen zur Geheimhaltung). Diese Anträge sind auf die Geheimhaltung der Adresse von Gesellschaftern in öffentlichen Dokumenten gerichtet. Die Limited Liability Partnerships (Amendment) Regulations 2005, SI 2005/1989, beziehen sich auf die LLP Regulations 2001 und passen deren Schedule 1 und Schedule 3 den erfolgten Änderungen des CA 1985 und des IA 1986 an. Die Limited Liability Partnerships (Amendment) Regulations 2007 ordnen hauptsächlich die Anwendung von bestimmten durch den Companies (Audit, Investi-

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die englische Limited Liability Partnership (LLP) kann für in Deutschland niedergelassene Rechtsanwälte eine attraktive Alternative sein. Die Arbeit untersucht die in der Praxis für solche Anwalts-LLPs relevanten berufs-, haftungs-, gesellschafts- und registerrechtlichen Fragen aus internationalprivatrechtlicher und europarechtlicher Perspektive und vergleicht funktional die LLP mit Partnerschaft und GmbH. Insbesondere erörtert die Autorin die Haftung der LLP-Gesellschafter für Berufsfehler sowie die Frage, welche Normen der BRAO Anwendung finden. Die kollisionsrechtlichen Methoden der Substitution und der Anpassung werden diskutiert. De lege ferenda wird eine Neuregelung für das Kollisionsrecht vorgeschlagen.