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Nicole Bettinger, Kooperationsmöglichkeiten für englische solicitors in:

Nicole Bettinger

Englische LLP und Anwaltshaftung in Deutschland, page 50 - 52

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4011-9, ISBN online: 978-3-8452-1679-9 https://doi.org/10.5771/9783845216799

Series: Internationales und europäisches Privat- und Verfahrensrecht, vol. 8

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50 tionell ist der barrister als Prozessanwalt tätig und tritt vor den höheren Gerichten auf. Demgegenüber übernimmt der solicitor die außergerichtliche Beratung.144 Infolge jüngerer Entwicklungen und Reformen haben sich diese Berufe weitgehend angenähert.145 Die Aufhebung der immunity (Haftungsfreiheit) von barristers und auch solicitors bei beruflichen Fehlern im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren146 hat zur Einebnung der Unterschiede beigetragen. Der barrister darf vor allen englischen Gerichten auftreten.147 Barristers werden grundsätzlich nicht von Mandanten beauftragt, so dass keine vertraglichen Beziehungen bestehen. Stattdessen treten sie vor Gericht auf und erstellen Rechtsgutachten für solicitors.148 Den barristers ist der Zusammenschluss zur gemeinsamen Berufsausübung in Form von partnership, company oder LLP verboten.149 Der solicitor tritt mit dem Mandanten in Kontakt, dessen Fall später vor Gericht zu verhandeln ist und wird für ihn tätig. Ferner vertritt und berät der solicitor seine Mandanten in sonstigen Rechtsfragen.150 Aufgrund des retainer (Anwaltsbestellung) besteht eine vertragliche Beziehung zum Mandanten.151 In der Vergangenheit durfte der solicitor nur vor unteren Gerichten auftreten.152 Mittlerweile ist es dem solicitor gestattet, vor allen Gerichten aufzutreten.153 Als berufsständische Organisation stellt die Law Society bzw. die Solicitors  Regulation Authority154 (SRA) Berufsregeln, sog. rules (Regeln), auf.155 II. Kooperationsmöglichkeiten für englische solicitors Die Diskussion möglicher Kooperationsformen erfolgt unter Fokussierung auf solicitors. Die Problematik der Rechte europäischer und sonstiger ausländischer Rechtsanwälte sowie der gemeinsamen Berufsausübung von Rechtsanwälten mit anderen Berufen, die durch den Legal Services Act 2007 in Zukunft erweitert wird, geht über die Zielsetzung dieser Arbeit hinaus. Solicitors können eine partnership gründen, müssen dabei aber berufsrechtliche Regeln befolgen. Bis zum 1. Juli 2007 galten insbesondere die Solicitors  Practice 144 Lyall, S. 42. 145 Wareham, in: Tyrrell/Yaqub, S. 334, S. 336. 146 Hall v. Simons [2000] 3 All ER 673 (HL). 147 S. 36 Access to Justice Act 1999. 148 Lyall, S. 42. 149 S. 205 Code of Conduct of the Bar, für employed barristers greift s. 502 Code of Conduct of the Bar. 150 Wareham, in: Tyrrell/Yaqub, S. 334, S. 345; Lyall, S. 42. 151 Jackson/Powell, Rdnr. 10-004. 152 Elliott/Quinn, S. 112. 153 S. 36 Access to Justice Act 1999. 154 Die Solicitors  Regulation Authority (SRA) tritt an die Stelle des Law Society Regulation Board, s. Hudson, NLJ 2007, 132. 155 Halsbury s Laws of England, Bd. 44 (1), Solicitors, Ziff. 26; ss. 31, 87 Solicitors  Act 1974. 51 Rules 1990 (SPR 1990).156 Durch den am 1. Juli 2007 in Kraft getretenen rundum erneuerten Solicitors  Code of Conduct 2007 sind die SPR 1990 weggefallen.157 In Zukunft folgt die Zulässigkeit der partnership aus dem Solicitors  Code of Conduct 2007.158 Zudem ist den solicitors seit 1992 die Inkorporation (sog. incorporated practice) gestattet.159 Dies erforderte bis zum 1.7.2007 die Anerkennung als recognised body durch die Law Society nach Maßgabe insbesondere der SPR 1990 und der Solicitors  Incorporated Practice Rules 2004 (SIPR 2004).160 In Zukunft gilt stattdessen der neue Solicitors  Code of Conduct 2007 in Verbindung mit den Solicitors  Recognised Bodies Regulations 2007.161 Dementsprechend können solicitors eine Ltd als recognised body durch die SRA anerkennen lassen.162 Die Ltd darf nur zum Zweck der Rechtsberatung durch solicitors genutzt werden.163 Ferner sind lediglich solicitors als directors zulässig.164 Alle Anteilseigner müssen grundsätzlich solicitors oder recognised bodies sein.165 Der Behörde sind bestimmte Änderungen, welche die company betreffen, mitzuteilen.166 Auch besteht eine Versicherungspflicht.167 Darüber hinaus ist es den solicitors seit 2001 erlaubt, eine LLP zu gründen, die früher wie die Ltd als recognised body von der Law Society anerkannt werden musste.168 In Zukunft ist diese Anerkennung durch die SRA nach dem Solicitors  Code of Conduct 2007 in Verbindung mit den Solicitors  Recognised Bodies Regulations 2007 möglich.169 Als members (Gesellschafter) der LLP sind nur solicitors oder recognised bodies zulässig.170 Ferner ist erforderlich, dass die LLP mindestens zwei Gesellschafter hat.171 Im Übrigen treffen die LLP als recognised body die sonstigen 156 Halsbury s Laws of England, Bd. 44 (1) Solicitors, Ziff. 370; Wareham, in: Tyrrell/Yaqub, S. 334, 346; r. 7 SPR 1990 (aufgehoben). 157 R. 25 (2) (a) Solicitors  Code of Conduct 2007. 158 R. 12.01 (1) (b) Solicitors  Code of Conduct 2007. 159 Die Inkorporation ist erstmals aufgrund der am 1.1.1992 in Kraft getretenen Solicitors Incorporated Practice Rules 1998 (aufgehoben) gestattet worden. 160 S. 9 Administration of Justice Act 1985; vgl. r. 7 (7) SPR 1990 (aufgehoben). 161 Die SPR 1990 und die SIPR 2004 sind aufgehoben, r. 25.01 (2) (a), (j) Solicitors  Code of Conduct 2007. 162 R. 12.01 (1) (c), 14.02 Solicitors  Code of Conduct 2007; Solicitors  Incorporated Recognised Bodies Regulations 2007. 163 R. 14.02 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 2 (2) SIPR 2004 (aufgehoben). 164 R. 14.02 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 7 (1) SIPR 2004 (aufgehoben). 165 R. 14.04 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 8 (1) SIPR 2004 (aufgehoben). 166 R. 14.07 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 6 SIPR 2004 (aufgehoben). 167 R. 2.1 (d) Solicitors  Recognised Bodies Regulations 2007; r. 3.1, 4 SIIR 2005; vgl. r. 3 (3) (d) SIPR 2004 (aufgehoben). 168 Ss. 9, 10 Administration of Justice Act 1985; r. 7 (7) SIPR 1990 (aufgehoben); SIPR 2004 (aufgehoben); erstmals wurde dies gestattet in den Solicitors Incorporated Practice Rules 2001 (aufgehoben). 169 R. 12, 14 Solicitors  Code of Conduct 2007; Solicitors  Incorporated Recognised Bodies Regulations 2007. 170 R. 14.05 (1) Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 13 (1) SIPR 2004 (aufgehoben). 171 R. 14.05 (2) (a); vgl. r. 13 (2) SIPR 2004 (aufgehoben). 52 Verpflichtungen, wie z. B. Beschränkung auf Rechtsberatung172 und Mitteilungszwang gegenüber der SRA.173 Zudem ist eine Berufshaftpflichtversicherung nach den Regeln der Solicitors  Indemnity Insurance Rules 2005 (SIIR 2005) abzuschlie- ßen174, die neben der LLP auch deren members und Angestellte abdeckt.175 Die Versicherungssumme hat sich auf mindestens £ 3 Millionen für jede Schadensersatzforderung zu belaufen.176 D. Die limited liability partnership (LLP) I. Entstehungsgeschichte Die Schaffung der LLP kann als Antwort auf die Nachfrage großer professional partnerships, die mit der partnership als Kooperationsform unzufrieden waren, eingestuft werden.177 Zunächst wurde das Konzept der LLP für die professions (freie Berufe) entwickelt.178 In erster Linie wurde die LLP vorgeschlagen, um den Bedürfnissen von professional firms, unter anderem von Abschlussprüfern und Rechtsanwälten, gerecht zu werden.179 Aktuell sprechen gegen die company neben den Vorteilen der flexiblen Finanzierung und Organisation einer partnership180 auch die steuerlichen Nachteile und Offenlegungspflichten181. Allerdings wird bei der partnership die unbeschränkte Haftung für andere Partner aus verschiedenen Gründen zunehmend als problematisch angesehen.182 Zum einen haben die Anzahl der Klagen und die Höhe der Klagesummen wegen professional negligence (fahrlässiger beruflicher Fehler) zugenommen.183 Solche ruinösen Klagen werden auch als  Armageddon  legal claims 184 oder  doomsday 172 R. 14.02 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 2 (2) SIPR 2004 (aufgehoben). 173 R. 14.07 Solicitors  Code of Conduct 2007; vgl. r. 6 SIPR 2004 (aufgehoben). 174 R. 25.01 (4) (b) Solicitors  Code of Conduct 2007; r. 2.1 (d) Solicitors  Recognised Bodies Regulations 2007; r. 3.1, 4 SIIR 2005; vgl. r. 3 (3) (d) SIPR 2004 (aufgehoben). 175 Appendix 1, r. 1.1, 1.3, 8.15 SIIR 2005. 176 Appendix 1, r. 2.1, 8.18 SIIR 2005. 177 Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 476f.; Beresford, NLJ 1999, 1647; Henning, Comp. Law. 2004, 25(6), 163, 168. 178 Rouch/Smethurst, JIBFL 2004, 19(2), 46; Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 477, 480; Payne, Comp. Law. 2000, 21(4), 133; Mabey, SJ 2000, 144(6), 148; Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112, 114; Henning, Comp. Law. 2004, 25(6), 163, 168; zur ursprünglichen Beschränkung auf regulated professions und zur Befürwortung der Erweiterung des Konzepts s. insbesondere Bennett, SLPQ 1999, 4(2), 93, 95f. 179 Rouch/Smethurst, JIBFL 2004, 19(2), 46; Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 480. 180 Morse, Rdnr. 1.01. 181 Freedman/Finch, JBL 1997, 387, 389. 182 Cross, JBL 2003, 268, 269f.; Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 183 Griffiths, CFILR 1998, 157; Ziff. 9 Explanatory Notes to LLPA 2000. 184 Mabey, SJ 2000, 144(6), 148.

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Zusammenfassung

Die englische Limited Liability Partnership (LLP) kann für in Deutschland niedergelassene Rechtsanwälte eine attraktive Alternative sein. Die Arbeit untersucht die in der Praxis für solche Anwalts-LLPs relevanten berufs-, haftungs-, gesellschafts- und registerrechtlichen Fragen aus internationalprivatrechtlicher und europarechtlicher Perspektive und vergleicht funktional die LLP mit Partnerschaft und GmbH. Insbesondere erörtert die Autorin die Haftung der LLP-Gesellschafter für Berufsfehler sowie die Frage, welche Normen der BRAO Anwendung finden. Die kollisionsrechtlichen Methoden der Substitution und der Anpassung werden diskutiert. De lege ferenda wird eine Neuregelung für das Kollisionsrecht vorgeschlagen.