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Nicole Bettinger, Ltd und partnership im Vergleich in:

Nicole Bettinger

Englische LLP und Anwaltshaftung in Deutschland, page 48 - 49

1. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8329-4011-9, ISBN online: 978-3-8452-1679-9 https://doi.org/10.5771/9783845216799

Series: Internationales und europäisches Privat- und Verfahrensrecht, vol. 8

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48 unter anderem darauf beruhen, dass die company lediglich als sham  (Fiktion) bzw. Fassade123 dient.124 f) Haftung der directors aus tort Weiterhin ist nicht ausgeschlossen, dass directors als Handelnde für vorsätzlich begangene torts (unerlaubte Handlungen), wie z. B. im Falle des fraud (Betrug) haften.125 Gleichfalls kommt bei Vermögensschäden eine persönliche Haftung aus negligence (fahrlässige Schädigung) wegen Verletzung einer duty of care (Sorgfaltspflicht) in Betracht.126 III. Ltd und partnership im Vergleich Zusammenfassend ist festzustellen, dass zwischen partnership und Ltd wesentliche Unterschiede bestehen. Die partnership hat keine eigene Rechtspersönlichkeit127 und bietet nicht den Schutz der beschränkten Haftung128. Ferner übernehmen alle Partner die Geschäftsführung gemeinsam, sofern keine abweichende Regelung getroffen wird.129 Die Gründung der partnership erfolgt formlos.130 Auch im Geschäftsverlauf sind weder Formerfordernisse noch Offenlegungspflichten zu beachten.131 Des Wei- 123 Gilford Motor Co. Ltd v. Horne [1933] All ER Rep 109 (CA), 117 (per Lord Hanworth, M. R.); Jones v. Lipman [1962] 1 WLR 832 (ChD), 836 (per Russell J.); Ord v. Belhaven Pubs Ltd [1998] EWCA Civ 243 (CA); Adams v. Cape Industries plc [1991] 1 All ER 929 (CA); Woolfson v. Strathclyde Regional Council [1979] SLT 159 (HL), 161 (per Lord Keith of Kinkel); Smith v. Hancock [1894] 2 Ch 377 (CA), 385 (per Lindley L. J.); Walters, Comp. Law. 1998, 19 (8), 226f. 124 Vgl. zu den Grundsätzen des piercing the veil of incorporation ausführlich Mayson/French/Ryan, S. 123ff., insbesondere S. 131ff., S. 143ff. 125 Standard Chartered Bank v. Pakistan National Shipping Corp (No. 2), [2002] 3 WLR 1547 (HL). 126 Fairline Shipping Corporation v. Adamson [1974] 2 All ER 967 (QBD), 975f. (per Kerr J.); Williams v. Natural Life Health Foods Ltd [1998] 2 All ER 577 (HL); Noel v. Poland [2001] 2 BCLC 645 (QBD (Comm Ct)); Trevor Ivory Ltd. v. Anderson [1992] 2 NZLR 517, 524 (New Zealand CA), 526 (per Hardie Boys J.); Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 484f.; Payne, JBL 1998, 573; 575ff.; Gower/Davies, S. 167f.; Griffin, LQR 1999, 36, 40; Borrowdale, JBL 1998, 96, 106; Noonan/Watson, JBL 2004, 539; Watson/Willekes, JBL 2001, 217; Walters, Comp. Law. 1998, 226, 227f; Stallworthy, ICCLR 1998, 9 (12), N105; kritisch Grantham/Rickett, MLR 1999, 133; Kritik am Konzept der assumption of liability übt Barker, LQR 1993, 461. 127 Morse, Rdnr. 1.04. 128 Ss. 9 - 12 PA 1890. 129 S. 24 (5) PA 1890. 130 Lyall, S. 283; ss. 1, 2 PA 1890. 131 Lyall, S. 285. 49 teren bleibt ihre innere Struktur der flexiblen, privatrechtlichen Gestaltung durch die Partner überlassen.132 Demgegenüber ist die company eine juristische Person, die durch Eintragung ins Gesellschaftsregister entsteht.133 Bei der Ltd ist die Haftung auf die Einlage beschränkt.134 Die Ltd verfügt über eine körperschaftliche Organisation. Grundsätzlich übernimmt das board of directors die Geschäftsführung135, wohingegen die Anteilseigner auf Kontrollrechte verwiesen werden136. Ferner ist die Haftungsbeschränkung bei der Ltd mit Offenlegungspflichten verbunden.137 Insgesamt zeigt sich, dass ein wesentlicher Vorteil der partnership die Flexibilität ihrer inneren Verfassung ist, wohingegen die company eigene Rechtspersönlichkeit besitzt und ihren Anteilseignern den Schutz beschränkter Haftung bietet.138 Es entstand die Idee, die Vorteile beider Gesellschaftsformen miteinander zu verknüpfen.139 In der Tat wird die LLP oftmals als Hybrid zwischen Ltd und partnership bezeichnet.140 Zumindest teilweise vereinigt die LLP attraktive Elemente der partnership, insbesondere die Flexibilität ihrer inneren Struktur141, mit solchen der Ltd, wie z. B. deren separate Rechtspersönlichkeit142. C. Gesellschaften als Kooperationsformen für die englische Anwaltschaft I. Die englische Anwaltschaft Die englische Anwaltschaft ist zweigeteilt in barristers und solicitors. Dies beruht auf der historischen Aufspaltung in die Rolle des advocate (prolocutor), der vor Gericht auftrat und des attorney (procurator), der die Mandanten betreute.143 Tradi- 132 Morse, Rdnr. 1.01. 133 S. 13 (3), (4) CA 1985; s. 16 (2), (3) CA 2006. 134 Ss. 1 (2) (a), 2 (3) CA 1985; ss. 3 (2), 9 (2) CA 2006. 135 Diese Regelung findet sich nicht unmittelbar im CA 1985, sondern in der gesetzlichen Standardversion der articles of association, siehe ss. 7, 8 CA 1985, Table A, art. 70 Companies (Tables A to F) Regulations 1985, SI 1985/805. Auch im CA 2006 erfolgt keine gesetzliche Festschreibung, doch sind entsprechende model articles vorgesehen, siehe Schedule 1, reg. 3 The Companies (Model Articles) Regulations 2008, SI 2008/3229, wobei diese Regulations ab 01.10.2009 gelten (vgl. reg. 1 The Companies (Model Articles) Regulations 2008; Ziff. 4 Explanatory Notes to Companies (Model Articles) Regulations 2008). 136 S. 303 CA 1985; s. 168 CA 2006. 137 Siehe oben Teil 1 B II 2 a), b), c). 138 Morse, Rdnr. 1.01. 139 Ziff. 3 Explanatory Notes to LLPA 2000; vgl. ausführlich zur Entstehungsgeschichte Cross, JBL 2002, 268; Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 476ff; Villiers, SLPQ 2001, 6(2), 112; siehe unten Teil 1 D I zur Entstehungsgeschichte der LLP. 140 Finch/Freedman, JBL 2002, 475, 477, 480; Blackett-Ord, NLJ 2002, 1590; Payne, Comp. Law. 2000, 21(4), 133, 134. 141 Whittaker/Machell, S. 2. 142 S. 1 LLPA 2000. 143 Halsbury s Laws of England, Bd. 3 (1), Barristers, Ziff. 352.

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Zusammenfassung

Die englische Limited Liability Partnership (LLP) kann für in Deutschland niedergelassene Rechtsanwälte eine attraktive Alternative sein. Die Arbeit untersucht die in der Praxis für solche Anwalts-LLPs relevanten berufs-, haftungs-, gesellschafts- und registerrechtlichen Fragen aus internationalprivatrechtlicher und europarechtlicher Perspektive und vergleicht funktional die LLP mit Partnerschaft und GmbH. Insbesondere erörtert die Autorin die Haftung der LLP-Gesellschafter für Berufsfehler sowie die Frage, welche Normen der BRAO Anwendung finden. Die kollisionsrechtlichen Methoden der Substitution und der Anpassung werden diskutiert. De lege ferenda wird eine Neuregelung für das Kollisionsrecht vorgeschlagen.