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Wolfgang Künne, Petr Pisa

"weil ich den kirchlichen sowohl als weltlichen Behörden mißfiel", page 1 - 6

Bernard Bolzano auf dem Index

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-89665-739-8, ISBN online: 978-3-89665-748-0, https://doi.org/10.5771/9783896657480-1

Series: Beiträge zur Bolzano-Forschung, vol. 28

Bibliographic information
Wir sprechen alle mit gerechtem Abscheu von jenem Index librorum prohibitorum, durch dessen Herausgabe die römische Curie bis auf den heutigen Tag, obgleich fast ohne allen Erfolg, bemüht ist, Ansichten, welche ihr unrichtig dünken, oder ihr auch nur unangenehm sind, zu unterdrücken. (Bolzano, Dr. Bolzano und seine Gegner, 1839) Ich hätte mich gewundert und würde, wie Phokion, wenn ihm das atheniensische Volk einmal Beifall zuklatschte, erschrocken sein, wenn die Regierung das Buch gebilligt hätte. (Bolzano an Michael Josef Fesl, 13.03.1835) WOLFGANG KÜNNE ist emeritierter Professor für Philosophie in Hamburg. Er schrieb u.a. die Bücher Truth (2003), Versuche über Bolzano / Essays on Bolzano (2008), Die Philosophische Logik Gottlob Freges (2010) und Epimenides und andere Lügner (2013). Er war Präsident der Internationalen Bernard Bolzano Gesellschaft. PETR PÍŠA ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für tschechische Literatur der tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag. Er veröffentlichte bisher mehrere Aufsätze über die österreichische Zensur im 19. Jahrhundert, darunter auf Deutsch “‘Damit es ohne Beanstandungen durchgeht’. Strategien im Umgang mit der vormärzlichen Zensur in Böhmen am Beispiel von Václav Hanka” (2016). Beiträge zur Bolzano-Forschung 28 ACADEMIA W ol fg an g K ün ne & P et r Pí ša · B er na rd B ol za no a uf d em In de x Wolfgang Künne & Petr Píša “weil ich den kirchlichen sowohl als weltlichen Behörden mißfiel” Bernard Bolzano auf dem Index www.academia-verlag.de Wolfgang Künne & Petr Píša Bolzano auf dem Index Beiträge zur Bolzano-Forschung Begründet von Edgar Morscher & Otto Neumaier Herausgegeben von Winfried Löffler & Otto Neumaier Band 28 Wolfgang Künne & Petr Píša “weil ich den kirchlichen sowohl als weltlichen Behörden mißfiel” Bernard Bolzano auf dem Index Academia Verlag Sankt Augustin Die Abbildung Bolzanos auf der vorderen Umschlagseite geht auf eine Lithographie von Josef Kriehuber aus dem Jahre 1849 zurück. Gedruckt mit Unterstützung der Stiftungs- und Förderungsgesellschaft der Paris-Lodron-Universität Salzburg Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. ISBN 978-3-89665-739-8 1. Auflage 2018 © Academia Verlag, ein Verlag in der Nomos-Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Baden-Baden 2018 (räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte, ausschließliche Nutzungsrechte). Waldseestraße 3-5, 76530 Baden-Baden Internet: www.academia-verlag.de E-Mail: info@academia-verlag.de Printed in Germany Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, das Werk unter Verwendung mechanischer, elektronischer und anderer Systeme in irgendeiner Weise zu verarbeiten und zu verbreiten. Insbesondere vorbehalten sind die Rechte der Vervielfältigung – auch von Teilen des Werkes – auf fotomechanischem oder ähnlichem Wege, der tontechnischen Wiedergabe, des Vortrags, der Funk- und Fernsehsendung, der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, der Übersetzung und der literarischen und anderweitigen Bearbeitung. 5 Inhalt Vorwort von Otto Neumaier 7 Wolfgang Künne “Il pessimo prete Bolzano”. Bernard Bolzano und die Römische Zensur 9 1. Die Verurteilung der Erbauungsreden 12 2. Die Vorbereitung der zweiten Verurteilung 18 3. Von Hus bis Bolzano: Fesls Kurzgeschichte der Verketzerungen 26 4. Die Verurteilung des Lehrbuchs der Religionswissenschaft 48 5. Ein Ketzerjäger in Prag 53 6. Ein Reformpapst? 64 Anhang 71 Petr Píša “Ob es auch wert sei zu erscheinen”. Bernard Bolzano und die österreichische Zensur 73 1. Zum Schutze der Unmündigen. Österreichische Zensur im Vormärz 76 2. “Der Verfasser war so bescheiden…” Die Zensurierung der Schriften Bolzanos vor seiner Amtsenthebung 82 3. “Was der Censur unter meinem Namen vorgelegt wird… ” Die Vorzensur der Schriften Bolzanos nach seiner Amtsenthebung 85 4. “Einige Mühe, dafür Verleger zu finden”. Möglichkeiten und Grenzen der Herausgabe im Ausland 99 5. “Führt ein sehr einfaches, zurückgezogenes Leben”. Die polizeiliche Beobachtung Bolzanos 115 6. “Könnte manchen Leser zu wirklichen Irrlehren verleiten”. Die Zensur des Lehrbuchs der Religionswissenschaft 123 7. “Durchaus keinen Weg in das große Publikum gefunden”. Die Zensur der Wissenschaftslehre 130 6 8. “Wie man es anzustellen habe, um zu den Büchern zu kommen”. Die Zensur der übrigen Schriften und ihre Präsenz im Buchhandel 135 9. Verdiente Aufmerksamkeit für gute Bücher 145 Anhang 1 153 Anhang 2 155 Anhang 3 157 Literatur 165 1. Werke Bolzanos 165 2. Werke anderer Autoren 169 3. Anonyma 188 4. Archivquellen 189 Personenregister 191

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Zusammenfassung

Die Tatsache, dass etliche Werke Bolzanos den Zensoren in Wien und Rom ein Dorn im Auge waren, ist seit langem bekannt. Im vorliegenden Buch wird sie nun aber zum ersten Mal gründlich untersucht. Dabei werden nicht bloß die Hintergründe durchleuchtet, die zur Verurteilung von Bolzanos Werken führten, sondern wir werden etwa auch mit dem Verfahren vertraut gemacht, das einer Verurteilung vorausgeht. In diesem Zusammenhang wird auch auf seltsame oder sogar paradoxe Aspekte der Zensurpraxis eingegangen, die dazu führten, dass Verfahren sich überaus lange hinzogen oder dass die interessierte Leserschaft sehr wohl Zugriff auf manche verbotenen Werke erlangen konnte. Selbst Bolzanos Einstellung zur Zensur gibt Rätsel auf: Es bedarf einer Erklärung, warum Bolzano, der unter der kirchlichen und staatlichen Zensur so zu leiden hatte, sich in seiner Utopie Vom besten Staate selbst für eine strenge Zensur ausspricht. Auch solchen Fragen wird im vorliegenden Band nachgegangen.