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Nina Keller-Kemmerer

Die Mimikry des Völkerrechts, page 1 - 16

Andrés Bellos "Principios de Derecho Internacional"

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8487-4630-9, ISBN online: 978-3-8452-8860-4, https://doi.org/10.5771/9783845288604-1

Series: Studien zur Geschichte des Völkerrechts, vol. 38

CC-BY

Bibliographic information
Ke lle r- Ke m m er er • D ie M im ik ry d es V öl ke rr ec ht s 38 ISBN 978-3-8487-4630-9 Die Mimikry des Völkerrechts Nina Keller-Kemmerer Andrés Bellos „Principios de Derecho Internacional“ Studien zur Geschichte des Völkerrechts 38 Nomos BUC_Keller-Kemmerer_4630-9.indd 1 06.09.18 10:38 Studien zur Geschichte des Völkerrechts Begründet von Michael Stolleis Herausgegeben von Jochen von Bernstorff Juristische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen Bardo Fassbender Universität St. Gallen, Lehrstuhl für Völkerrecht, Europarecht und Öffentliches Recht Anne Peters Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg Miloš Vec Universität Wien, Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte Band 38 BUT_Keller-Kemmerer_4630-9.indd 2 07.09.18 08:47 Nina Keller-Kemmerer Die Mimikry des Völkerrechts Andrés Bellos „Principios de Derecho Internacional“ Nomos BUT_Keller-Kemmerer_4630-9.indd 3 07.09.18 08:47 Diese Publikation geht hervor aus dem DFG-geförderten Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Zugl.: Frankfurt am Main, Univ., Diss., 2017 ISBN 978-3-8487-4630-9 (Print) ISBN 978-3-8452-8860-4 (ePDF) D30 1. Auflage 2018 © Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018. Gedruckt in Deutschland. Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten. Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier. BUT_Keller-Kemmerer_4630-9.indd 4 07.09.18 08:47 In Erinnerung an Hannelore und Ralf Keller Danksagung Die vorliegende Studie über Andrés Bellos Völkerrechtswerk „Principios de derecho internacional“ wurde im Mai 2017 am Fachbereich Rechtswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main als Dissertation angenommen. Sie ist das Ergebnis einer langjährigen Forschung, die von einer Reihe glücklicher und privilegierter Umstände gesegnet war: So durfte diese Arbeit am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in einem Umfeld entstehen, in welchem mir einerseits Freiräume zum Querdenken und kritischen Hinterfragen gelassen und gleichzeitig immer wieder neue Ideen und Impulse gegeben wurden. Mit dem regionalen Forschungsschwerpunkt der Rechtsgeschichte Ibero-Amerikas und dem völkerrechtshistorischen Kompetenzbereich fand ich mich am Institut in einem Forschungsrahmen wieder, der für die Arbeit an Bellos Völkerrechtslehre nicht hätte besser sein können. Zunächst eingebunden in die Projektgruppe „Das Völkerrecht und seine Wissenschaft, 1789-1914“ unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Miloš Vec und dann als Teil des Forschungsschwerpunkts Translation, koordiniert von Dr. Lena Foljanty, hatte ich Gelegenheit, Bellos Völkerrechtslehre aus wechselnden Perspektiven und mit unterschiedlichen Ansätzen zu betrachten. Die regelmäßigen Gespräche im Rahmen des „Seminar on Legal History of Ibero-America“ sowie die Möglichkeit einer Forschungsreise nach Santiago de Chile und der Teilnahme an der Argentinisch-Brasilianisch-Deutschen Graduiertenschule für Rechtsgeschichte in Buenos Aires, haben die Einbettung in den wissenschaftlichen Diskursrahmen Hispanoamerikas weiter gefördert. Zudem hatte ich als Stipendiatin der International Max Planck Research School for Comparative Legal History (IMPRS) das Privileg, in einem kontinuierlichen Austausch mit herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu stehen. Für diese wertvollen und bereichernden Jahre bin ich außerordentlich dankbar, denn erst die Gespräche, Diskussionen und Dialoge innerhalb dieses großen Netzwerks an Personen haben diese Studie – so wie sie hier vorliegt – möglich gemacht. Meine Arbeit bildet, so könnte man sagen, eine Echokammer dieses Diskursraums, um Roland Barthes‘ Metapher zu bemühen. Mein Dank gilt jedem Einzelnen, der Teil dieses Ambientes war. 7 Einigen Personen dieses großartigen Netzwerks gilt mein besonderer Dank, allen voran meinem Doktorvater Univ.-Prof. Dr. Miloš Vec, der mich nicht nur mit Andrés Bello bekannt gemacht und mein Interesse für Völkerrechtsgeschichten geweckt hat, sondern die Arbeit von Anfang an unentwegt unterstützt und gefördert hat – ob von Frankfurt, Berlin, Wien oder New York aus. Seine unzähligen wertvollen Denkanstöße, Kritiken, Korrekturen und Gespräche waren sowohl Motivation als auch Inspiration sowie grundlegend und wegweisend für diese Arbeit. Ebenso gilt mein aufrichtiger Dank Prof. em. Dr. Dr. hc. mult. Michael Stolleis, der nicht nur das Zweitgutachten dieser Arbeit erstellt hat, sondern kontinuierlich ihren Fortschritt begleitet und in den regelmäßigen Sitzungen des Oberseminars maßgebliche Anregungen und Hinweise gegeben hat. Mein besonderer Dank gilt außerdem Prof. Dr. Thomas Duve. Seine programmatische Forderung einer „Rechtsgeschichte in globalhistorischer Perspektive“ hat der Arbeit in zahlreichen Gesprächen entscheidende Impulse gegeben. Dass ich mir meiner Perspektivgebundenheit bewusst geworden bin, habe ich insbesondere Dr. María del Pilar Mejía Quiroga zu verdanken, die mich mit den Ansätzen des Postcolonial Studies vertraut gemacht und mein Interesse für Homi K. Bhabhas Denkkonzepte geweckt hat. Eine große Inspirationsquelle waren zudem die vielen Gespräche mit Dr. Lena Foljanty. Sie war es, die mir Mut gemacht hat, die völkerrechtliche Mimikry weiterzudenken. Ihnen allen danke ich von Herzen! Mein aufrichtiger Dank gilt außerdem Prof. Dr. Elisabetta Fiocchi Malaspina, Dr. Lea Heimbeck, Dr. Stefan Kroll, Dr. Friederike Kuntz, Dr. Kristina Lovrić-Pernak, die mir im Rahmen des völkerrechtshistorischen Forschungsprojekts als Mit-Doktoranden den Einstieg in die mir damals noch unbekannten Welten der Völkerrechtsgeschichte erleichtert haben. Ebenso gilt mein Dank dem gesamten Kollegiat der International Max Planck Research School (IMPRS). Die wöchentlichen Sitzungen und Gespräche haben mich mit einer großen Bandbreite rechtshistorischer Themen vertraut gemacht und auf diese Weise den Blick für meine eigenen Fragestellungen geschärft. Eine große Bereicherung waren außerdem die regelmäßigen produktiven Treffen der Translationsgruppe. Innerhalb dieses Rahmens über kulturelle Übersetzung und Recht zu sprechen und damit Recht über seine tradierten Grenzen hinaus zu denken, hat die Arbeit in besonderer Weise geformt. Ich danke Dr. Otto Danwerth, Dr. Lena Foljanty, Dr. Hiroki Kawamura, Dr. María del Pilar Mejía Quiroga, Zülâl Muslu, Dr. Osvaldo Moutin sowie eine Reihe von Gastwissenschaftlerlinnen und -wissenschaftlern für viele inspirierende Diskussionen. Danksagung 8 Gleichermaßen gilt mein Dank Dr. Benedetta Albani, Metin Batkin, PD Dr. Christiane Birr, Prof. Dr. Douglas Howland, Anke Hübenthal, Eva- Maria Kuhn, Dr. Karl-Heinz Lingens, Falko Maxin, Dr. Heinz Mohnhaupt, Prof. Dr. Gunnar Folke Schuppert und nicht zuletzt Christin Veltjens- Rösch, die als Kolleginnen und Kollegen, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Freunde und Freundinnen durch wertvolle Anregungen, Anstöße, Diskussionen und Fragen zum Gelingen der Arbeit beigetragen haben. Dem Verein „Freunde des Frankfurter Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte e.V.“ danke ich für die Helmut-Coing-Förderung, die mir Möglichkeit und Motivation gegeben hat, nach der Geburt meines Sohnes nicht den Anschluss zu verlieren und konstruktiv weiterzuarbeiten. Mein Dank gilt außerdem Prof. Dr. Anne Peters, Prof. Dr. Bardo Fassbender, Univ.-Prof. Dr. Miloš Vec und Prof. Dr. Wolfgang Graf Vitzthum für die Aufnahme dieser Arbeit in die Reihe „Studien zur Geschichte des Völkerrechts“. Schließlich gilt mein besonderer Dank Prof. Dr. Dr. Günter Frankenberg, der nicht nur Vorsitzender der Promotionsprüfung war, sondern für die Druckfassung wertvolle Anregungen gegeben hat. Seiner Initiative habe ich es außerdem zu verdanken, dass meine Arbeit mit dem Walter-Kolb-Gedächtnispreis der Stadt Frankfurt am Main des Jahres 2017 ausgezeichnet worden ist. Meinen Eltern, Dieter und Frauke Keller, meiner Schwester Ines Keller sowie meinen Freundinnen und Freunden gilt mein aufrichtiger Dank für ihre fortwährende und liebevolle Unterstützung. Und nicht zuletzt danke ich Martin, der mich mit viel Geduld und Aufmerksamkeit immer wieder aufs Neue ermutigt und gemeinsam mit Casimir und Lioba mein Leben bereichert hat. Gewidmet sei dieses Buch meiner Großmutter Hannelore Keller und meinem Patenonkel Ralf Keller, die beide zu früh diese Welt verlassen haben. Nina Keller-Kemmerer Danksagung 9 Inhalt Einleitung Völkerrechtsgeschichte in globalhistorischer Perspektive 17 Die Geschichte des Völkerrechts: Eine europäische Erfolgsgeschichte? I. 20 Die anscheinende Unauflöslichkeit des Eurozentrismus1. 21 An den Grenzen der Disziplinen und darüber hinaus2. 24 Postkoloniale KritikII. 29 Gegen den Absolutismus des Reinen: Die Perspektive der Hybridisierung 1. 31 Hybridität und kolonialer Rassismusa. 32 Hybride Revolution: Hybridität als Gegenbegriff zur Reinheit b. 34 Homi K. Bhabhas Konzept der Hybridität2. 38 Bhabhas theoretisches Engagement: Gegen die binäre Logik des Westens a. 39 Kulturelle Differenzb. 41 Im Dritten Raum: Hybridisierung als Prozess der Differenzbildung c. 45 Texte der Hybridität und Zeichen der Differenz: Das Erscheinen des englischen Buchs d. 48 Die Entmythologisierung der Geschichte des VölkerrechtsIII. 50 Die Universalisierung des Völkerrechts oder: die Macht der Historiographie 1. 51 Differenz und Völkerrecht2. 54 Andrés Bellos Völkerrechtslehre aus postkolonialer Perspektive: Gang der Darstellung 3. 57 Erstes Kapitel Die Konstruktion Américas: Völkerrecht und Identität 59 Die Ambivalenz der eurozentrierten kolonialen ModerneI. 60 Die Kreolischen Eliten: Zwischen Europa und Las Indias1. 62 11 Kreolische Aufklärung2. 65 Europäische Zivilisierungsmissiona. 65 Humboldts América: Die Hegemonie der eurozentrischen Perspektive b. 67 La Pureza de Sangre: Das Streben nach Reinheit und sozialer Anerkennung c. 70 Andrés Bello: Die Perfektionierung des weißen Lebensstils 3. 73 Wissen und Können als kulturelles Kapitala. 74 Loyalität und Treue dem spanischen Mutterlandb. 78 Vom kronloyalen spanischen Staatsdiener zum Amerikaner: Bellos Weg zum Völkerrecht II. 82 Das vereinigte spanische Königreich: Der kreolische Ruf nach politischer Gleichberechtigung 1. 84 Ferdinand der VII. als Ikone einer transatlantischen spanischen Nation a. 84 Imperiale Einheit und politische Gleichheit: Die Forderung der kolonialen Führungseliten b. 86 Kreolischer Autonomismus: Die Junta de Caracasc. 90 Im Namen Ferdinands VII.: Auf diplomatischer Mission in London 2. 94 Moderater Liberalismus: Die Lord Holland Group3. 98 José María Blanco White und Andrés Bello: Zwischen Glaube und Vernunft a. 99 Für die hispanoamerikanische Emanzipation: Die Monatszeitschrift „El Español“ b. 103 Omnius effesus labor: Die Unabhängigkeitserklärung vom 5. Juli 1811 c. 105 Die Niederlage Napoleons: Ein kritischer Knotenpunkt des Völkerrechts d. 109 Kolumbus’ Welt: Die Wiederherstellung der OrdnungIII. 111 Die Erfindung Américas1. 113 América: Bellos intellektuelle und spirituelle Unabhängigkeitserklärung a. 115 Für das amerikanischen Volk: „La Biblioteca Americana“ b. 118 Bellos Amerikanismus: Die Ambivalenz der kreolischen Eliten c. 122 Inhalt 12 Für eine gemeinsame Rechtsidentität: Völkerrecht und Nationenbildung 2. 123 Zweites Kapitel Völkerrecht und Staatsbildung 130 Von rebellischen Kolonien zu zivilisierten Staaten: Bellos Staatsbildungsprojekt in Chile I. 132 Die Erziehung Américas: Für die Glückseligkeit der Neuen Welt 1. 132 Europäische Amerikabildera. 133 Revision der europäischen Amerikabilder: Die Zivilisierung Américas b. 137 Bellos Mission: Die Zivilisierung der Neuen Weltc. 139 Santiago de Chile: Bello und die portalianische Ordnung2. 141 Chile: Land der Anarchiea. 142 Zeit der chilenischen Krise: Auf der Suche nach einem Staatssystem b. 144 Bellos politische Positionierungc. 145 Diego Portales: Organizador de la República de Chiled. 148 Portales und Bello: Die Herstellung von Recht und Ordnung e. 151 Die Politische Anerkennung Chiles: Vom Land der Anarchie zur Zivilisation 3. 152 Ein Handbuch für AméricaII. 153 Im Auftrag der Lehre1. 155 Die europäische Staatenpraxis als Lehrmeisterin des praktischen Völkerrechts a. 155 „Principios de Derecho de Jentes“: Ein Lehrbuchb. 158 Ein Praxishandbuch für die chilenische Staatsbildungc. 161 Doktrinen als Rechtsquellen des Völkerrechts2. 162 Autoritäten des Völkerrechtsa. 162 Das Schweigen der Völkerrechtswissenschaftb. 164 „Principios de Derecho de Jentes“: Ein eklektisches Werk3. 166 Praktische Werke des 19. Jahrhundertsa. 167 Die „allgemeine Doktrin“ des 17. und 18. Jahrhundertsb. 169 Vattel und Wheaton: Lehrmeister des Völkerrechtsc. 172 Inhalt 13 Völkerrecht: ein LebenswerkIII. 176 Bellos „Principios“: Ein Werk in drei Ausgaben1. 177 Vom „Derecho de Jentes“ zum „Derecho Internacional“ a. 177 Für die Reinheit der Sprache: hablar con purezab. 178 Vom Lehrbuch zum Regierungshandbuchc. 180 Zwischen Utopie und Realismus: Bellos Völkerrechtsphilosophie 2. 181 Bellos rationalistisch-naturrechtliches Völkerrechtsverständnis a. 182 Die Unbestimmtheit natürlicher Gesetzeb. 187 Die Aristokratie der Großmächte: Bellos Realismusc. 189 Völkerrecht: Eintrittskarte zur sociedad civilizadaIV. 193 Drittes Kapitel Räume der Ambivalenz und des Widerstands: Bello als kultureller Übersetzer 195 Identität und Andersheit im Völkerrecht: Das europäische Völkerrecht und die außereuropäische Welt I. 196 Die hegemoniale Konstruktion des Anderen1. 196 Identität und Andersheit: ein dialektisch-ambivalentes Verhältnis a. 197 Der dienstbare Andere: Identität in Zeiten der Kriseb. 200 Zivilisation als Maßstab: Fremdheit und Andersheit um 1800 2. 201 Beschleunigung der Welt: Die Welt wächst zusammena. 201 Kulturelle Differenz und die Verzeitlichung der Weltb. 203 Abgrenzung und Differenzierung im Völkerrecht3. 206 Der Standard der Zivilisation im Völkerrechta. 207 Die Verrechtlichung der Zivilisation: Mythos und Macht der Souveränität b. 210 Der dienstbare Andere im Völkerrechtc. 214 Strategien der Übersetzung: Die Handlungsmacht des Anderen im Völkerrecht II. 215 Unterwürfiges Dienen: die Internalisierung und Nachahmung des europäischen Diskurses 1. 216 Bello: Eine Hymne auf die europäische Zivilisationa. 217 Inhalt 14 Bello: Das Völkerrecht der souveränen und unabhängigen Staaten b. 219 Nachahmung und Konkretisierung des Völkerrechts: Inklusion durch Exklusion c. 222 Maskerade2. 226 Die Gleichheit der Staaten: ein Hirngespinsta. 226 Schlaue Höflichkeitb. 229 Mimikry3. 230 Kampf und Verhandlung um Bedeutung: Wiederholung mit Differenz III. 233 Für ein Recht auf Anerkennung1. 235 Nordamerika: Kolonien in einem Zustand der Rebellion a. 236 Lateinamerika: Der Mythos der europäischen Einheitb. 239 Bello und die de-facto Anerkennung von Staatenc. 244 Für das Prinzip der Nichtintervention2. 248 Europäische Uneinigkeit: Großbritannien und das Prinzip der Nichteinmischung a. 249 Das Scheitern der Verrechtlichung: Die Völkerrechtswissenschaft und das Prinzip der Nichtintervention b. 252 Bello und das Prinzip der Nichteinmischungc. 254 Für die absolute Souveränität: Territorialitätsprinzip und comitas gentium 3. 259 Völkerrecht und Internationales Privatrecht: eine Einheit a. 259 Die Statutenlehre: Die Idee eines universellen Internationalen Privatrechts b. 261 Im Namen der Souveränität: Gegen den Universalismus c. 263 Comitas Gentium: Ulrich Hubers Erfolg in Amerikad. 265 Bello: Gegenseitige Unabhängigkeit und die Doktrin der comitas gentium e. 268 Zwischen Spott und Unterwerfung: die Nachahmung des Völkerrechtsdiskurses 4. 273 Inhalt 15 Schluss Mimikry: fast, aber doch nicht ganz dasselbe 275 Quellenverzeichnis 283 Literaturverzeichnis 287 Abbildungsverzeichnis (mit Nachweisen) 309 Inhalt 16

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Abstract

To this day, the history of international law is dominated by a Eurocentric historiography in which non-European worlds play a passive role at best. Master narratives of universalisation and progress may include their histories; however, they appear not in the form of actors, but as mere receivers.

By analysing the first Hispano-American textbook on international law, this transdisciplinary study questions this narrative of passivity. In his compendium, published in 1833, the Chilean polymath Andrés Bello translated Euro-pean doctrines of international law for use in the context of the “New World”. Using a postcolonial approach, the study demonstrates that the imitation of the European discourse on international law was not a purely passive and submissive act, but deeply ambivalent behaviour which opens up a space for resistance and is reminiscent of Homi K. Bhabha’s concept of mimicry.

Zusammenfassung

Die Völkerrechtsgeschichte wird bis heute dominiert von einer eurozentrischen Historiographie, in der außereuropäische Welten – wenn überhaupt – eine rein passive Rolle spielen. Nicht als Akteure, sondern lediglich als Rezipienten werden sie im Zuge der sogenannten Universalisierungsprozesse im 19. Jahrhundert Teil dieser Meistererzählung.

Diese transdisziplinäre Studie versucht anhand der ersten Völkerrechtslehre Hispanoamerikas dieses Narrativ der Passivität neu zu denken. Der chilenische Universalgelehrte Andrés Bello übersetzte in diesem Kompendium von 1833 die europäischen Lehren für die „Neue Welt“. Aufbauend auf einer postkolonialen Perspektive wird gezeigt, dass die Nachahmung des europäischen Völkerrechtsdiskurses mehr ist als ein rein passives und unterwürfiges Verhalten. Vielmehr eröffnet sich in diesem grundlegend ambivalenten Prozess ein Widerstandsraum, in dem Bedeutung zu jedem Zeitpunkt neu verhandelt wird und der an Homi K. Bhabhas Konzept der Mimikry erinnert.