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Hannah Birkenkötter, Heidrun Fritze, Ann-Christine Niepelt, Jugendarbeit als Jugendpartizipation – Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen und Jugend in:

Norman Weiß, Nikolas Dörr (Ed.)

Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN), page 155 - 192

Geschichte, Organisation und politisches Wirken, 1952-2017

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8487-4559-3, ISBN online: 978-3-8452-8812-3, https://doi.org/10.5771/9783845288123-155

Series: The United Nations and Global Change, vol. 14

Bibliographic information
Jugendarbeit als Jugendpartizipation – Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen und Jugend1 Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt Einleitung Der vorliegende Band zum 65-jährigen Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen versammelt Einblicke in das Leben der Gesellschaft, die in großen Teilen durch ihre Protagonist*innen verfasst werden. Der hiesige Beitrag ist dabei keine Ausnahme: Die Autorinnen sind als junge Menschen zur DGVN gestoßen und haben an unterschiedlichen Projekten mitgewirkt, die Gegenstand der nachfolgenden Seiten sind. Sie sind also gerade nicht außenstehende Beobachterinnen, sondern aktiv Beteiligte, jedenfalls für Teile der beschriebenen Projekte und Aktivitäten. Entsprechend speist sich der Beitrag aus verschiedenen Quellen: Neben teils öffentlich zugänglichen, teils privaten Archiven entstammenden Dokumenten und einer Vielzahl von im Internet archivierten Informationen haben die Autorinnen informelle Gespräche und schriftliche Konversationen mit weiteren Protagonist*innen der DGVN-Jugendarbeit geführt. Diese Hintergrundgespräche dienten dabei vornehmlich der Erschließung wei- 1. 1 Hannah Birkenkötter war viele Jahre bei UN Planspielen (Model United Nations) aktiv und ist seit 2008 Mitglied der DGVN. Sie war von 2007 bis 2008 Teil des kommissarischen Koordinationsteams und von 2008 bis 2010 Director of UN Agreements Research und Teil des gewählten Koordinationsteams der Making Commitments Matter Initiative und brachte sich in diesem Rahmen auf mehreren Delegierten-Versammlungen des Jungen UNO-Netzwerks ein. Seit 2011 ist sie Mitglied des Bundesvorstandes der DGVN. Heidrun Fritze ist seit 2010 Mitglied der DGVN, mit der sie durch Model United Nations Konferenzen in Kontakt kam. Sie war deutsche Jugenddelegierte zur Generalversammlung im Jahr 2011 und Sprecherin des Jungen UNO-Netzwerks von 2014 bis 2015. Außerdem arbeitete sie 2015 als Jugendreferentin im Generalsekretariat der DGVN. Ann-Christine Niepelt kam im Jahr 2010 über ihr Engagement im Jugenddelegierten-Programm zur DGVN. Sie arbeitete von 2014 bis 2015 ebenfalls als Jugendreferentin im Generalsekretariat und war gemeinsam mit Heidrun Fritze Sprecherin des Jungen UNO-Netzwerkes. Seit 2015 ist sie Mitglied des Bundesvorstandes der DGVN und des Landesverbandes Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen. 155 terer schriftlicher Quellen und der Absicherung eigener Wahrnehmungen sowie ihrer Objektivierung. Während die Ergebnisse dieser Gespräche ebenso wie die eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen ohne Zweifel in den Beitrag einfließen, haben die Autorinnen versucht, alle relevanten Informationen auch textlich zu belegen. Gleichwohl erscheint es wichtig, die eigene Position zu Beginn offenzulegen. Der Beitrag verfolgt innerhalb des hier erörterten Rahmens zwei Ziele: Zum einen soll die Jugendarbeit der DGVN, zum anderen die der Vereinten Nationen selbst dargestellt werden.2 Beide Felder sind dabei selbstverständlich eng verzahnt: Die Vereinten Nationen bieten Möglichkeiten der Jugendpartizipation an und schaffen stets neue Foren, die jungen Menschen die Teilhabe an internationalen Politikprozessen erlauben. Diese Entwicklungen nimmt die DGVN auf ‒ anfänglich vor allem initiiert durch junge Menschen selbst, heute aber zunehmend als thematischer Schwerpunkt, der auch vom Bundesverband und dem Generalsekretariat selbst ausgeht ‒ und umgekehrt: so haben die Jugenddelegierten etwa Anteil gehabt an neuen Formulierungen in den Jugendresolutionen, die wiederum Partizipationsmöglichkeiten stärken. Es entsteht ein dynamisches Wechselspiel, das die traditionellen Dichotomien von Regierungsvertretung und Zivilgesellschaft, von internationaler und nationaler Ebene aufbricht. Wie die DGVN sich im Laufe der letzten Jahrzehnte dieser Dynamik annimmt, ist Gegenstand dieses Beitrags, der sich vor allem auf die jüngere Entwicklung im Jugendbereich bezieht. Jugendagenda der Vereinten Nationen als normativer Maßstab einer DGVN Jugendarbeit Satzungsmäßiges Ziel der DGVN ist es, mit den Einrichtungen und der Tätigkeit der Weltorganisation der Vereinten Nationen vertraut zu machen. Seit 2010 ist die Gesellschaft darüber hinaus qua Satzung einer aktiven Jugend- und Bildungspolitik verpflichtet.3 Die Verpflichtung zu einer akti- 2. 2 Die Jugendarbeit der Vereinten Nationen und ihrer Sonderorganisationen lässt sich auf ein Mandat zurückführen, das ihnen von den UN Mitgliedsstaaten durch entsprechende Resolutionen zugesprochen wurde. 3 § 2 Abs. 1 und Abs. 3 der Satzung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Abs. 3, der explizit die Verpflichtung zu einer aktiven Jugend- und Bildungsarbeit statuiert, wurde auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 156 ven Jugendarbeit speist sich dabei vornehmlich ‒ und im Einklang mit dem Ziel, die Arbeit der Vereinten Nationen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen ‒ aus der Jugendarbeit der Vereinten Nationen: Gerade für die jungen Menschen, die sich ab den frühen 2000er Jahren für einen möglichst partizipatives Betätigungsfeld einsetzten, war die politische Arbeit in den Vereinten Nationen zum Thema Jugend und Beteiligung junger Menschen an politischen Prozessen ein wichtiger normativer Rahmen. Deswegen soll im Folgenden kurz dargestellt werden, wie sich die Jugendpartizipation bei den Vereinten Nationen bis etwa 2004 entwickelt hat. Ein besonderer Fokus wird hierbei auf die Aufrufe zur Entsendung von Jugenddelegierten und das Weltaktionsprogramm für die Jugend gelegt, da diese Dokumente entscheidend für das heutige Engagement der DGVN im Bereich der Jugendpartizipation sein sollten. Im Schlussteil dieses Beitrages soll dieser Faden wieder aufgenommen und der aktuelle Stand jugendpartizipativer Arbeit in den Vereinten Nationen beschrieben werden. Gerade weil die UN schon früh für die enge Verzahnung zivilgesellschaftlichen Engagements mit der Teilhabe junger Menschen an politischen Prozessen warb, stehen die Jugendarbeit von Organisationen wie der DGVN auf nationaler Ebene und die Entwicklung der Jugendarbeit bei den Vereinten Nationen in einem engen wechselseitigen Verhältnis. Erste Schritte: Von der Erklärung zur Verbreitung der Ideale von Frieden, gegenseitigem Respekt zu jugendpartizipativen Ansätzen Bereits 1965 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Erklärung zur Verbreitung der Ideale von Frieden, gegenseitigem Respekt und Völkerverständigung unter jungen Menschen.4 In der Erklärung, die sich zuvörderst an Jugendbewegungen und Jugendorganisationen richtet, ruft die Generalversammlung dazu auf, die in der Charta der 2.1. 4. Dezember 2010 beschlossen und in die Satzung aufgenommen. Vgl. DGVN, Protokoll der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 4. Dezember 2010 sowie DGVN, Beschlussvorlage mit Vorschlägen der Satzungskommission vom 23. August 2010 mit redaktionellen Änderungen vom 14. September 2010, S. 2. 4 UN Doc. A/Res/2037(XX), Declaration on the Promotion among Youth of the Ideals of Peace, Mutual Respect and Understanding between Peoples, vom 7. Dezember 1965. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 157 Vereinten Nationen verankerten Ideale in die Bildungsarbeit zu integrieren und über die Rolle der Weltorganisation für den internationalen Frieden zu informieren. Die Erklärung ist in mindestens zweifacher Hinsicht interessant: Zum einen nimmt sie neben den Mitgliedstaaten als gewöhnliche Adressaten von Resolutionen der Generalversammlung explizit Nichtregierungsorganisationen und vor allem an verschiedenen Stellen Jugendorganisationen und Jugendbewegungen ‒ und mit letzterem eben nicht nur die verfasste Jugend ‒ in den Blick und in die Pflicht, die proklamierten Ziele umzusetzen. Zum zweiten legte sie den Grundstein für eine Reihe von darauffolgenden Resolutionen der Generalversammlung, die neben den Themen Frieden und Entwicklung vor allem die Beteiligung von Jugendlichen an Politikprozessen zum Gegenstand hatten und 1985 in einem offiziellen Internationalen Jahr der Jugend gipfelten. Vor allem die Richtlinien zur Verbesserung der Kommunikationskanäle zwischen den Vereinten Nationen und der Jugend und Jugendorganisationen sind hier hervorzuheben.5 Resolutionen zur Entsendung von Jugenddelegierten 1981 forderte die Generalversammlung ihre Mitgliedstaaten erstmals dazu auf, die Aufnahme von Jugendrepräsentant*innen in ihre nationalen Delegationen zur UN Generalversammlung und zu anderen relevanten UN Gremien zu prüfen. Die Aufforderung ist Teil zusätzlicher Richtlinien zur Verbesserung von Kommunikationskanälen zwischen den Vereinten Nationen und der Jugend und Jugendorganisationen, die als Ergänzung zu den Richtlinien von 1977 verabschiedet wurden.6 Diese Forderung wurde in einer Reihe von Resolutionen immer wieder aufgegriffen, auch wenn zunächst nur wenige Länder der Empfehlung folgten. Die Niederlande hatten bereits vor dem Aufruf von 1981 als eines der ersten Länder junge Menschen zu relevanten UN Gremien entsandt.7 Sämtliche Resolutionen, 2.2. 5 UN Doc. A/Res/32/135, Channels of communication with youth and youth organizations, vom 16. Dezember 1977. 6 UN Doc. A/Res/36/17, Channels of communication with youth and youth organizations, vom 9. November 1981. 7 United Nations Department for Economic and Social Affairs 2013, Country Profile “The Netherlands” Youth delegate programme, http://www.un.org/esa/socdev/unyin /documents/profiles/Netherlands.pdf. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 158 in denen die Generalversammlung zur Prüfung der Entsendung von Jugenddelegierten auffordert, wurden im Konsens verabschiedet und werden dies noch heute. Gleichwohl ist die Resonanz auf den Aufruf bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt eher bescheiden. Im Jahre 2000 entsandten nur acht Mitgliedstaaten junge Menschen zur Generalversammlung. Sechs Vertreter*innen hielten Reden vor dem dritten Ausschuss der Generalversammlung, in dem das Thema Jugend verhandelt wird.8 2016 hatten immerhin 37 Mitgliedstaaten Jugenddelegierte in ihre Delegationen zur Generalversammlung aufgenommen.9 Allerdings existieren nicht in allen Ländern langfristige Programme mit einem transparenten Auswahlprozess. Manche Länder entsenden nur dann Jugenddelegierte, wenn es politisch opportun erscheint, etwa anlässlich von Jubiläumsjahren: So entsandte etwa das Vereinigte Königreich nur zur 60. Sitzung der Generalversammlung und anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Weltaktionsprogramms für die Jugend einmalig drei Jugenddelegierte, möglicherweise bedingt durch die zeitgleiche EU-Ratspräsidentschaft.10 Andere Länder haben umfassende Programme mit öffentlichen Ausschreibungen, einem formalen Auswahlverfahren und strukturierter Übergabe der Position von einem Jahr zum nächsten.11 Bei der Ausgestaltung der Programme sind die Mitgliedstaaten im Wesentlichen frei. Allerdings gibt es, beachtet man den Kontext der Aufrufe wie vorhergehend kurz skizziert, gute Gründe, Jugenddelegierte als Personen, die auf der Schnittstelle zwischen Staatenvertreter*innen und zivilgesellschaftlicher Partizipation stehen, aufzufassen: In ihren Aufrufen an 8 United Nations Department for Economic and Social Affairs 2000, Youth delegates at the 55th GA session, https://www.un.org/development/desa/youth/youth-d elegates-at-the-55th-ga-session.html. 9 United Nations Department for Economic and Social Affairs 2016, Youth delegates at the 71st GA session, https://www.un.org/development/desa/youth/what-w e-do/youth-delegate-programme/youth-delegates-at-71st-ga-session.html. 10 Ann-Christine Niepelt 2013, A Comparative Analysis of National Participation in the Youth Delegate Program of the United Nations (unveröffentlichte Bachelor- Arbeit, Humboldt-Universität zu Berlin, liegt den Autorinnen vor), S. 23-24, 44-45. 11 Etwa die Niederlande, vgl. United Nations Department for Economic and Social Affairs 2013, Country Profile “The Netherlands” Youth delegate programme, http://www.un.org/esa/socdev/unyin/documents/profiles/ Netherlands.pdf, oder Deutschland, dazu sogleich im Kapitel 3.2. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 159 Mitgliedstaaten zur Aufnahme von Jugenddelegierten betont die Generalversammlung häufig, dass es dabei um die Stärkung der Verbindung zwischen den Vereinten Nationen und Jugendorganisationen und -bewegungen, also zivilgesellschaftlich verfasster Jugend, geht.12 Jugenddelegierte treten zwar für ihre jeweiligen Staaten auf, aber eben spezifisch für eine bestimmte demographische Gruppe, und sprechen jedenfalls im Rahmen des deutschen Programms stets in eigener Funktion („own capacity”) als Expert*innen, nicht als Repräsentant*innen der deutschen Bundesregierung. Die Idee von Jugendvertreter*innen in Delegationen der Mitgliedstaaten lässt sich letztlich auf eines der drei großen Schwerpunktthemen des Internationalen Jahres der Jugend zurückführen: Beteiligung.13 Es geht also vornehmlich darum, jungen Menschen „eine Stimme” auch und gerade auf der internationalen Ebene zu verschaffen. Das setzt aber konzeptionell voraus, dass sich die jungen Menschen als Vertreter*innen ihrer Altersgenoss*innen sehen, und sich hierin in spezifischen Punkten auch gerade von der offiziellen Staatenposition kritisch distanzieren können müssen.14 Weltaktionsprogramm für die Jugend Diese Sichtweise wird auch im Weltaktionsprogramm für die Jugend (World Programme of Action for Youth ‒ WPAY) von 1995 vertieft. Das anlässlich des zehnten Jahrestages des Internationalen Jahres der Jugend verabschiedete WPAY, das im Jahr 2007 erweitert wurde, umfasst heute insgesamt fünfzehn Schwerpunktbereiche.15 Bis heute ist das konsolidierte 2.3. 12 Vgl. etwa die jüngste Resolution zu „Programmes and Policies Involving Youth“, UN Doc. A/Res/70/127, para. 21, die die Wichtigkeit transparenter Auswahlprozesse hervorhebt, um zu gewährleisten, dass die Jugenddelegierten ein “suitable mandate to represent young people in their countries” haben. 13 Vgl. UN Doc. A/Res/40/14, International Youth Year: Participation, Development, Peace, vom 18. November 1985. 14 Heidrun Fritze 2011, Das UN Jugenddelegiertenprogramm in Deutschland. Zwischen Global Governance und symbolischer Politik (unveröffentlichte Bachelor- Arbeit, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, liegt den Autorinnen vor), S. 36-40. 15 UN Doc. A/Res/50/81, World Programme of Action for Youth to the Year 2000 and Beyond, vom 14. Dezember 1995 sowie UN Doc. A/Res/62/126, Policies and programmes involving youth: youth in the global economy – promoting youth participation in social and economic development, vom 18. Dezember 2007. Die Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 160 WPAY normativer Maßstab für Jugendarbeit der Vereinten Nationen und ihrer Mitgliedstaaten und leitet des Weiteren die Arbeit vieler international agierender Jugendorganisationen an. Unter Punkt J erkennt die UN Generalversammlung an, dass die anderen Punkte des WPAY nur durch die wirtschaftliche, soziale und politische Beteiligung der Jugend erreicht werden können. Sie betont die einzigartigen Perspektiven, die junge Menschen in Entscheidungsprozesse einbringen, und die Notwendigkeit, solche Perspektiven zu berücksichtigen. Bedeutsame Jugendpartizipation wird also als Voraussetzung für eine bessere Stellung der Jugend in der Welt aufgefasst. Unter dem gleichen Punkt erneuert die Generalversammlung u.a. ihren Aufruf an Regierungen, die Aufnahme von Jugenddelegierten in die Delegationen zur Generalversammlung und anderen internationalen Foren zu prüfen. DGVN und Jugend Es ist dieser starke Fokus auf Jugendpartizipation, wie er in der Arbeit der Vereinten Nationen und insbesondere der Generalversammlung zu beobachten ist, der den Grundstein der heutigen DGVN-Jugendarbeit bildet. Mehrere Faktoren waren ausschlaggebend für eine Konstellation, in der sich Jugendarbeit mit einem partizipativen Ansatz seit den frühen 2000er Jahren in der DGVN entwickeln konnte. Die verschiedenen Schritte, die die Jugendarbeit der DGVN durchlaufen hat, zeigen auf, welchen Mehrwert es haben kann, die Ideen und Projekte junger Menschen ernst zu nehmen und zu unterstützen. Ohne das eigenständig initiierte Engagement junger Menschen ist die Jugendarbeit der DGVN nicht denkbar. Junge Menschen in der DGVN sind gerade nicht passive Rezipient*innen einer ihnen angebotenen Dienstleistung, sondern aktive Akteure in der Ausgestaltung eigenständiger Programme. Während die heutige Jugendarbeit des DGVN-Bundesverbandes, verstanden als die planvolle Ausgestaltung von Programmen spezifisch für 3. Schwerpunktbereiche sind: Bildung, Arbeit, Hunger und Armut, Gesundheit, Umwelt, Drogenmissbrauch, Jugendkriminalität, Freizeitaktivitäten, Mädchen und junge Frauen, volle und effektive Beteiligung der Jugend am gesellschaftlichen Leben und in der Entscheidungsfindung, Globalisierung, Informations- und Kommunikationstechnologie, HIV/AIDS, bewaffnete Konflikte, intergenerationelle Fragen. Siehe auch unten, Abschnitt 5. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 161 eine junge Zielgruppe und unter Einbindung von jungen Menschen, ihren Anfang mit der Gründung des Jugenddelegierten-Programms 2004 und des Jungen UNO-Netzwerks 2005 nimmt, haben junge Menschen bereits vorher die Arbeit der DGVN immer wieder geprägt. Hervorzuheben sind hier vor allem das Engagement des DGVN-Präsidiumsmitglieds Klaus Hüfner und des ehemaligen Präsidiumsmitglieds und Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin-Brandenburg Jens Naumann.16 Klaus Hüfner wurde bereits unmittelbar nach der Gründung der DGVN im Jahre 1957, noch als Schüler, Mitglied des Landesverbandes Berlin-Brandenburg. Er führte in den Folgejahren Wochenendseminare für Schüler*innen durch, in denen er für die Ideen der Vereinten Nationen und einen Beitritt zur DGVN warb, und motivierte so u.a. Jens Naumann, der einige Jahre jünger war, der DGVN 1961 beizutreten.17 Diese Wochenendseminare können als frühes Beispiel dafür gesehen werden, dass gerade das Engagement junger Menschen eine besondere Anziehungskraft auf andere junge Menschen ausübt und daher ein effektives Mittel ist, um junge Zielgruppen zu erreichen und einzubinden.18 Klaus Hüfner und Jens Naumann kandidierten 1964, mit Anfang bzw. Mitte 20, erfolgreich für den DGVN- Bundesvorstand und gestalten die Arbeit der DGVN in den folgenden Zeit und unter dem Eindruck des Ost-West-Konflikts sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene durch die Mitwirkung im Dachverband der UN Gesellschaften, der World Federation of United Nations Association (WFUNA), entscheidend mit.19 Während es zunächst keine spezifisch auf junge Menschen ausgerichteten Projekte gab, beschäftigte sich die DGVN bereits Anfang der 1970er Jahre mit der Rolle der Vereinten Nationen in 16 Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen 2013, Die DGVN trauert um ihr langjähriges Vorstands- und Präsidiumsmitglied Prof. Dr. Jens Naumann, http://w ww.dgvn.de/meldung/die-dgvn-trauert-um-ihr-langjaehriges -vorstands-und-praesi diumsmitglied-prof-dr-jens-naumann. 17 Round Table: 50 Jahre für die UNO, in: Landesverband Berlin-Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (Hrsg.) 2007, S. 14-26 (20). 18 Heute spricht man von einem sogenannten Peer-to Peer-Ansatz, bei dem junge Menschen, die sich inhaltlich mit den Vereinten Nationen beschäftigen, ihr Wissen über die UN an gleichaltrige junge Menschen im Rahmen eines ehrenamtlichen Engagements weitergeben, um so einen authentischen Austausch zu ermöglichen und gleichzeitig die UN als Unterrichtsthema oder als Thema ehrenamtlichen Engagements stärker zu etablieren. Siehe dazu vor allem auch Kapitel 3.5. 19 Zu der Geschichte und der Programmatik in dieser Zeit vgl. den Beitrag von Klaus Hüfner in diesem Band. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 162 der Schulbildung. Die auf die Initiative von Klaus Hüfner gegründete Forschungsstelle in der DGVN führte in den 1970er Jahren eine größere Studie zu den Vereinten Nationen im Schulbuch durch.20 Ebenfalls in den 1970er Jahren wurde zudem ein Großteil des Vorstandes neu gewählt: Ein Generationenwechsel fand statt und es wurde damit gleichzeitig der Versuch unternommen, die politisch aktive Generation der Nach-68er für die DGVN zu motivieren.21 Die DGVN ist also seit ihren Anfangsjahren eine Organisation gewesen, in der sich junge Menschen stets aktiv einbringen und mitgestalten konnten. Gleichwohl gelang es nicht, nachhaltig immer neue Generationen junger Menschen an die DGVN heranzuführen. Personeller Wechsel und Neuausrichtung in den frühen 2000er Jahren: Grundstein partizipativer Jugendarbeit Die DGVN hat sich seit ihrer Gründung als Organisation verstanden, in der sich nicht nur, aber auch junge Menschen einbringen konnten. Den Grundstein der heutigen partizipativen Jugendarbeit in der DGVN, die in den frühen 2000er Jahren ihren Anfang findet, bildet nicht nur eine einzige strategische Entscheidung, sondern eine Konstellation verschiedener Faktoren. Zum einen sind die frühen 2000er Jahre in der DGVN gekennzeichnet durch einen personellen Wechsel im Generalsekretariat und im Bundesvorstand. Darüber hinaus zog das DGVN-Sekretariat im Jahre 2002 von Bonn nach Berlin um.22 Dies begünstigte in der DGVN eine Offenheit gegenüber Jugendthemen, ohne dass es eine strategische Entscheidung des Vorstandes gegeben hätte, diese gezielt zu fördern. Vielmehr 3.1. 20 Round Table: 50 Jahre für die UNO, in: Landesverband Berlin-Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (Hrsg.) 2007, 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Landesverband Berlin-Brandenburg e.V., S. 14-26 (18). 21 Klaus Hüfner/Jens Naumann/Volker Weyel 2003, Weltgesellschaft, Weltorganisation, Weltfrieden (Gespräch mit Jens Naumann), in: Rainer Jansen et al. (Hrsg.), Akzeptanz und Ignoranz – Festschrift für Jens Naumann, IKO – Verlag für Interkulturelle Kommunikation, S. 44. Siehe auch Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen 1972, DGVN-Mitteilungen: Kurzbiographien des Vorstands (Privatarchiv Klaus Hüfner, liegt den Autorinnen vor): von elf gewählten Vorstandsmitgliedern waren vier Mitglieder unter 30 und insgesamt acht unter 40 Jahren. 22 Siehe hierzu den Beitrag von Klaus Hüfner in diesem Band. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 163 wurden Initiativen von jungen Menschen sowohl im Generalsekretariat als auch im Vorstand positiv aufgenommen. Dass junge Menschen ein verstärktes Interesse an UN Themen zeigten, lässt sich vermutlich auch auf ein verstärktes Interesse deutscher Universitäten am Format der sogenannten „Model United Nations” zurückführen, die in ihrer Anzahl und professionellen Ausrichtung in den frühen 2000er Jahren zunahmen. Model United Nations, kurz MUN, sind UN Planspiele, in denen Schüler*innen und/oder Studierende die Position eines ihnen zugeteilten Landes in einem Gremium der Vereinten Nationen vertreten, Resolutionen verhandeln und verabschieden. Die Teilnehmenden erwerben so auf spielerische Art und Weise Wissen über die Vereinten Nationen und üben sich in Verhandlungssituationen und dem Sprechen vor Publikum, häufig in englischer Sprache.23 Während das Konzept der Model United Nations in den Vereinigten Staaten bereits seit den Anfängen der Vereinten Nationen und möglicherweise sogar länger existiert, fanden die ersten MUN Konferenzen sowohl für Schüler*innen als auch für Studierende in Deutschland in den 1990er Jahren statt.24 Durch eine verstärkte Teilnahme deutscher Hochschulgruppen an internationalen MUN Konferenzen, insbesondere der durch die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation „National Collegiate Conference Association” ausgerichteten „National Model United Nations Conference” in New York City, stieg die Zahl der MUN Konferenzen in Deutschland in den späten 1990er und frühen 23 Vgl. Model United Nations in Deutschland 2016, Was bedeutet Model United Nations?, http://www.model-un.de/de/was-ist-mun. 24 Es wird vermutet, dass bereits zu Zeiten des Völkerbundes studentische Simulationen an der Harvard Universität stattfanden, vgl. United Nations Association of the United States of America 2016, Model United Nations – Frequently Asked Questions, http://www.unausa.org/global-classrooms-model-un/how-to-participate/gettin g-started/frequently-asked-questions#how_did. An der US-amerikanischen John F. Kennedy School in Berlin findet seit 1992 die BerMUN für Schüler*innen statt; eine der ältesten MUN Konferenzen für Studierende in Deutschland ist die Ger- MUN, die ebenfalls seit den 1990er Jahren existiert und als Vorbereitungskonferenz für universitäre Gruppen, die an der jährlich stattfindenden US-amerikanischen National Model United Nations in New York City teilnehmen, konzipiert ist. Vgl. BerMUN 2016, About, http://www1.bermun.de/about/ sowie GerMUN 2016, https://germun.de. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 164 2000er Jahren sprunghaft an.25 Mit diesen UN interessierten jungen Menschen konnte auch die DGVN ein ganz neues Zielpublikum erschließen.26 Das Jugenddelegiertenprogramm als Grundstein für Jugendpartizipation in der DGVN Aus heutiger Perspektive kann die Gründung des Jugenddelegiertenprogramms als Grundstein der partizipativen Jugendarbeit der DGVN gesehen werden. Das Jugenddelegiertenprogramm ist wiederum nicht denkbar ohne den zuvor beschriebenen Kontext von Model United Nations sowie darüber hinaus verschiedener DGVN-Jugendinitiativen auf Landesverbandsebene. Hervorzuheben ist hier vor allem die 1988 gegründete UNi- Gruppe in Berlin/Potsdam, die in enger Kooperation mit dem Landesverband Berlin-Brandenburg stand und steht.27 Zwei Mitglieder der UNi- Gruppe, die auch an MUN Konferenzen teilgenommen hatten, trugen ‒ bestärkt von DGVN-Präsidiumsmitglied und Botschafter a.D. Prof. Hans- Joachim Vergau, der zu dieser Zeit an der Freien Universität Berlin lehrte ‒ 2003 die Idee der Umsetzung des Jugenddelegiertenprogramms an die damalige Generalsekretärin der DGVN heran. Es folgte ein 18-monatiger Verhandlungsprozess mit dem Auswärtigen Amt und dem Familienministerium.28 2005 entsandte Deutschland erstmals zwei junge Menschen zur UN Generalversammlung als Teil der offiziellen deutschen Delegation zur Generalversammlung.29 3.2. 25 Vgl. die Übersicht bei Model United Nations in Deutschland 2016, Deutsche MUNs für Studierende, http://www.model-un.de/de/studierende/ und Deutsche M UNs für SchülerInnen, http://www.model-un.de/de/schueler/. 26 Da die Ausrichtung von Model UNs nie Teil der Arbeit der DGVN war und es auch in absehbarer Zeit nicht werden wird, enthält dieses Kapitel über die Jugendarbeit keinen speziellen Abschnitt über Model UN. Die DGVN unterstützt Model UNs auf Anfrage ideell, etwa durch Bereitstellung von Materialien oder Entsendung und Vermittlung von ehrenamtlichen Festrednern. Die sich stets verändernde und wachsende MUN Landschaft wird in diesem Beitrag erwähnt, wenn sie für die Arbeit der DGVN und des Jungen UNO-Netzwerks relevant ist. 27 UNi-Gruppe 2016, Vorstellung, http://www.uni-gruppe.de/information/. 28 Astrid van der Merwe 2008, Youth Work of the United Nations Association of Germany, S. 8, http://www.unya.de/download/UNA-Germany-Youth-Work.pdf. 29 Jugenddelegierte 2016, Warum gibt es uns?, http://www.jugenddelegierte.de/hinter grund/warum-gibt-es-uns. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 165 Das Jugenddelegiertenprogramm wird gemeinsam von der DGVN und dem Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) getragen. Das DNK ist das offizielle Organ zur Vertretung nationaler Jugendorganisationen auf internationaler Ebene und koordiniert die multilaterale Arbeit des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR), der Deutschen Sportjugend (dsj) und des Rings Politischer Jugend (RPJ).30 Die Einbeziehung des DNKs war für die Initiator*innen des Jugenddelegiertenprogramms von herausgehobener Bedeutung, um deutsche verfasste Jugendstrukturen von vornherein in das Programm einzubinden. Letztlich entspricht das deutsche Jugenddelegiertenprogramm damit auch dem Aufruf aus der Erklärung von 1965 und ihren Folgeresolutionen, gerade auch verfasste Jugendorganisationen und -strukturen an die Vereinten Nationen heranzuführen. Die Bewerbung um das Jugenddelegierten-Amt steht allerdings jeder Person deutscher Staatsangehörigkeit zwischen 18 und 24 Jahren offen, unabhängig von einer Mitgliedschaft in einer der Trägerorganisationen. Das mehrstufige Bewerbungsverfahren ist auf Transparenz angelegt; die jeweils amtierenden Jugenddelegierten sind ebenso in den Auswahlprozess einbezogen wie Vertreter*innen der Trägerorganisationen und der Ministerien.31 Ziel des Programms und Hauptaufgabe der Jugenddelegierten ist es, eine authentische Stimme junger Menschen aus Deutschland auf der internationalen Bühne der UN Generalversammlung und anderer relevanter Organe zu sein.32 Damit betont das deutsche Programm vor allem den Aspekt zivilgesellschaftlicher Partizipation in relevanten Gremien der Vereinten Nationen. Zwar sind die Jugenddelegierten Teil der offiziellen deutschen Delegation, sie sprechen aber nicht für die Bundesregierung, sondern in ihrer Funktion als „Expert*innen für Jugendfragen”.33 30 DNK, About us, http://www.d-n-k.org/about-us+M54a708de802.html. 31 Astrid van der Merwe 2008, Youth Work of the United Nations Association of Germany, S. 9, http://www.unya.de/download/UNA-Germany-Youth-Work.pdf. 32 Die deutschen UN Jugenddelegierten zur Generalversammlung nehmen neben den Sitzungen des Dritten. Ausschusses der Generalversammlung seit 2006 regelmä- ßig auch an den Sitzungen der Sozialentwicklungskommission, einer Fachkommission des Wirtschafts- und Sozialrats, teil, da in diesen UN Organen das Thema Jugend regelmäßig auf der Tagesordnung steht. Seit 2014 nimmt zudem mindestens ein*e Jugenddelegierte*r auch am Jugendforum des Wirtschafts- und Sozialrats teil. 33 Jugenddelegierte 2016, Was machen wir bei den UN?, http://www.jugenddelegiert e.de/wir-bei-den-vereinten-nationen/was-machen-wir-bei-den-un. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 166 Vielleicht das wichtigste Mittel zur Umsetzung ihres Mandats ist die Deutschlandtour der Jugenddelegierten. Sie findet zwischen April und September eines jeden Jahres statt und dient den Jugenddelegierten dazu, mit möglichst vielen und unterschiedlichen jungen Menschen in Kontakt zu treten und dadurch bei den UN nicht „ihre eigene” Stimme, sondern die der jungen Menschen in Deutschland zu vertreten.34 Auf der Tour machen sie Station bei lokalen Jugendgruppen, Schulklassen, MUN Gruppen, politischen und religiösen Jugendorganisationen und Verbänden, aber auch in Jugendclubs und bei nicht-verfasster Jugend ‒ je nach Anfrage und Interesse ‒ um ein möglichst diverses Spektrum von jungen Stimmen einzufangen.35 Die Deutschlandtour wurde in den ersten Jahren durch die Jugenddelegierten mit Unterstützung eines Teams junger Freiwilliger aus dem Kreis der DGVN organisiert, das die Jugenddelegierten auch durch Fundraising und Pressearbeit unterstützte.36 Heute organisieren die beiden Jugenddelegierten ihre Tour selbst, mit Unterstützung der Ansprechpartner*innen bei den Trägerorganisationen (für DGVN: Jugendreferent*in). Ins Leben gerufen von jungen Menschen für junge Menschen ‒ die Initiator*innen waren nie selbst Jugenddelegierte ‒ ist die Gründung des Jugenddelegierten-Programms in Deutschland nahezu exemplarisch für einen jugendpartizipatorischen Ansatz, wie er in der Arbeit der Vereinten Nationen vertreten wird. Heute ist das deutsche Jugenddelegiertenprogramm ein fest etablierter Bestandteil der programmatischen Arbeit der DGVN. Die Erfahrungen der ersten Jahre des Jugenddelegiertenprogramms als jugendpartizipatorischem Projekt hat die DGVN ‒ ebenfalls auf die Initiative junger Menschen hin ‒ seitdem durch zwei Workshops weitergegeben. Das Programm „Jugend in Aktion” der Europäischen Union, welches bereits die Making Commitments Matter Initiative unterstützt hatte,37 förderte unter dem Ziel der „Unterstützung der europäischen Zusammenar- 34 Heidrun Fritze 2011, Das UN Jugenddelegiertenprogramm in Deutschland. Zwischen Global Governance und symbolischer Politik (unveröffentlichte Bachelor- Arbeit, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, liegt den Autorinnen vor), S. 42ff. 35 Jugenddelegierte 2016, Deutschlandtour, http://www.jugenddelegierte.de/deutschl andtour/was-ist-die-deutschlandtour. 36 Astrid van der Merwe 2008, Youth Work of the United Nations Association of Germany, S. 8, http://www.unya.de/download/UNA-Germany-Youth-Work.pdf. 37 Zur Making Commitments Matter Initiative siehe sogleich Kapitel 3.4. Der Kontakt zu dem neu gegründeten bulgarischen Jugenddelegiertenprogramm fußte auf Jugendarbeit als Jugendpartizipation 167 beit im Jugendbereich” ein Projekt zum Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Jugenddelegiertenprogrammen verschiedener Länder.38 Die Mitteleinwerbung sowohl für die Making Commitments Matter Initiative als auch für den Workshop zum Wissenstransfer entsprach auch dem Auftrag des Bundesrechnungshofs an die DGVN, externe Fördermittel einzuwerben. Es muss darauf hingewiesen werden, dass ein nicht unerheblicher Teil der Arbeit an dem Förderantrag durch ehrenamtlich arbeitende junge Menschen ausgeführt wurde. Das ist rückblickend ein zweischneidiges Schwert: Zum einen erlaubte die Ausgestaltung des Förderantrags den involvierten jungen Ehrenamtlichen, das Programm maßgeblich nach ihren Vorstellungen zu gestalten; zum anderen war die Arbeit an dem umfangreichen Förderantrag sowie der Planung des Workshops deutlich zeitintensiver, als es eine gewöhnliche ehrenamtliche Tätigkeit normalerweise zuließe. Nichtsdestotrotz sind vor allem die Erfolge hervorzuheben: Die enge Kooperation und der Erfahrungsaustausch zwischen den bulgarischen und deutschen Jugenddelegierten-Teams gipfelte in einem Workshop zu „How to Establish a UN Youth Delegate Programm” für junge Mitglieder europäischer United Nations Associations und United Nations Youth Associations. Nach erfolgreicher Bewerbung nahmen Vertreter*innen aus Kroatien, Ungarn, Irland und Italien teil.39 Wenn auch nicht direkt auf den Workshop zurückzuführen, waren bei der 71. Generalversammlung auch Jugenddelegierte aus Ungarn und Irland vertreten. Im November 2016 konnte mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erneut ein Workshop zur Förderung der Entwicklung weiterer Jugenddelegiertenprogramme auf Grundlage der Expertise aus dem deutschen Programm stattfinden. Diesmal war die Zielgruppe ‒ auch abhängig durch die BMZ- Förderung ‒ der Globale Süden, sodass sich unter dem Titel „Establishing Youth Delegate Programmes in Countries of the Global South” insgesamt acht Teilnehmer*innen aus Tansania, Sudan, Kolumbien und Nepal in Bonn zusammenfanden und Unterstützung bei der Entwicklung von Kon- Kontakten, die aus der Making Commitments Matter Initiative hervorgegangen waren. 38 EACEA, Jugend in Aktion Programm 2007-13, http://eacea.ec.europa.eu/youth/pr ogramme/about_youth_de.php. 39 European cooperation workshop “How to Establish a UN Youth Delegate Programme”, Agenda, 11-13 November 2011, Mannheim (liegt den Autorinnen vor). Siehe auch https://startingunydprograms.wordpress.com/2011/06/20/hello-world/. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 168 zeptpapieren an ihre Regierung und weitere relevante Akteure in ihren Heimatländern erhielten.40 Gründung und Entwicklung des Jungen UNO-Netzwerkes Das Jugenddelegiertenprogramm und die Deutschlandtour waren ein entscheidender, wenn auch nicht der einzige Faktor in der Gründung des Jungen UNO-Netzwerkes (JUNON) im Jahre 2005. Im ersten Programmjahr des Jugenddelegiertenprogramms wurde deutlich, dass es an einem Netzwerk der verschiedenen UN Hochschulgruppen, die vornehmlich Model UN Teilnahmen organisierten und auch selbst teilweise MUN Konferenzen ausrichten, mangelte.41 Das Jugenddelegierten-Team arbeitete ab dem zweiten Programmjahr mit einer Reihe von UN Hochschulgruppen und einer Initiative junger Studierender, die sich im Rahmen der Potsdamer UNO-Konferenz vernetzt hatten,42 zusammen. Für das noch junge Jugenddelegierten-Programm war das JUNON-Netzwerk für die Durchführung der Deutschlandtour eine wichtige Ressource; verschiedene Gruppen organisierten Tourstationen und luden die Jugenddelegierten zu Diskussionen an ihre jeweiligen Hochschulen ein.43 Das Junge UNO-Netzwerk wurde formal im Dezember 2005 gegründet.44 Ursprünglich auf institutionelle Mitgliedschaften ‒ meist in Form von MUN Clubs oder UN Hochschulgruppen ‒ beschränkt, steht JUNON mittlerweile allen interessierten Gruppen und Einzelpersonen offen.45 Seit 2007 ist JUNON ein eingetrage- 3.3. 40 DGVN 2016, Agenda Workshop “Establishing UN Youth Delegate Programmes in Countries of the Global South”, 22-25 November 2016, Bonn (liegt den Autorinnen vor). 41 Eine Übersicht über die Model UN Landschaft im Jahr 2005 findet sich in Kreft 2005, Model United Nations, http://www.dgvn.de/fileadmin/user_upload/DOKU MENTE/DGVN/MUN.pdf. 42 Hierzu und zur jungen UN Forschung im Allgemeinen vgl. den Beitrag von Christian Stock in diesem Band. 43 Astrid van der Merwe 2008, Youth Work of the United Nations Association of Germany, S. 11, http://www.unya.de/download/UNA-Germany-Youth-Work.pdf. 44 Astrid van der Merwe 2008, Youth Work of the United Nations Association of Germany, S. 8, http://www.unya.de/download/UNA-Germany-Youth-Work.pdf. Siehe auch JUNON 2016, Was ist JUNON?, http://www.junges-uno-netzwerk.de/j unon. 45 JUNON 2016, Mitglied werden, http://www.junges-uno-netzwerk.de/mitglied-wer den/. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 169 ner Verein; im gleichen Jahr schlossen die DGVN und JUNON ein Kooperationsabkommen.46 Auf dieser Grundlage ist JUNON die offizielle Jugendorganisation der DGVN, ein institutionelles DGVN-Mitglied, und wird finanziell durch die DGVN gefördert. „Die DGVN hatte sich nur begrenzt gebunden und konnte sich erst mal an die Jungen gewöhnen und JUNON erfuhr durch einen seriösen und etablierten Kooperationspartner natürlich eine Aufwertung”, beschreibt Christian Stock, der erste Sprecher von JUNON, die Vorteile für beide Partner.47 Treffen von JUNON stehen Mitgliedern der DGVN offen und andersherum; mindestens ein*e JUNON-Vertreter*in ist stets zu den Vorstandssitzungen der DGVN eingeladen. JUNON organisiert seine Arbeit durch mittlerweile einmal jährlich stattfindende „Delegiertenversammlungen”, zu denen Vertreter*innen der JUNON-Mitgliedsgruppen eingeladen werden und die interessierten Einzelpersonen offenstehen.48 Auf der 29. Delegiertenversammlung im Januar 2017 in Münster wurde der Kooperationsvertrag mit der DGVN diskutiert und beschlossen, eine Überarbeitung und Aktualisierung dessen durch den JUNON-Vorstand in Zusammenarbeit mit dem DGVN-Generalsekretariat zu prüfen.49 Neben der Kooperation mit dem Jugenddelegierten-Team stand in der Anfangsphase des JUNON vor allem die Vernetzung verschiedener Hochschulgruppen, die vornehmlich in Model UN Konferenzen engagiert waren, im Vordergrund. Die Arbeit des Netzwerks ist bis heute in Arbeitsgruppen organisiert.50 Eine seit Gründung des Netzwerks bestehende Arbeitsgruppe, die noch einmal die Wichtigkeit von UN Planspielen unterstreicht, ist die Arbeitsgruppe Model UN, die Informationen über verschiedene Model UNs in Deutschland für Schüler*innen und Studierende 46 Kooperationsabkommen zwischen JUNON und der DGVN, verabschiedet von der 8. JUNON-Mitgliederversammlung und der 29. DGVN-Mitliederversammlung 2007 in Leipzig, vgl. JUNON, Agreement of Cooperation between UNA Germany and UNYA Germany, http://www.unya.de/download/UNA-UNYA-Germany-Coo peration.pdf. 47 Persönliches Gespräch mit Christian Stock, erster Sprecher von JUNON, vom 7. Januar 2017. 48 JUNON, Satzung, http://www.junges-uno-netzwerk.de/media/Satzung.pdf. 49 JUNON 2017, JUNON-Delegiertenversammlung 29, http://wiki.junges-uno-netzw erk.de/s/JUNON-Delegierten versammlung_29#Protokoll (geschlossenes Wiki; Zugangsdaten können über das Junge UNO-Netzwerk angefordert werden). 50 JUNON 2016, Was ist JUNON?, http://www.junges-uno-netzwerk.de/junon. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 170 bündelt, veröffentlicht und austauscht.51 Ein umfangreiches Projekt der Anfangsphase war die Erstellung und Herausgabe eines Chairing-Handbuchs, das die Sitzungsleitung bei Model UN Konferenzen erläutert und praktische Hinweise für die Vorbereitung enthält.52 Ein sogenannter „Competence and Material Exchange Pool” (CoMaXpool) wurde eingerichtet und Materialien zu Projekten, Aktivitäten und UN Themen auf einer umfangreichen internen Wiki-Plattform geteilt, um gegenseitige Initiativen zu unterstützen.53 Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der Anfangsphase von JUNON war die UN Forschung und Lehre, der durch eine entsprechende weitere Arbeitsgruppe koordiniert wurde. 2007 führte die Arbeitsgruppe eine größere, nicht repräsentative Bestandsaufnahme zur UN Forschung und Lehre an deutschen Universitäten und der Rolle von UN Hochschulgruppen durch und warb für einen Masterstudiengang „UN Studies”.54 Mittlerweile ist die Arbeitsgruppe als AG Junge UN Forschung eine Arbeitsgruppe der DGVN.55 JUNON ist bis heute ein integraler Bestandteil der Jugendarbeit der DGVN, wenn auch die Aktivität und das Engagement des Vereins in den vergangenen fünf Jahren sehr geschwankt hat. Es bietet gerade für Schüler*innen und Studierende einen institutionellen Rahmen, in dem junge Menschen eigenständig Projektideen entwickeln und umsetzen können. Das Netzwerk lebt vom Engagement seiner Mitgliedsgruppen und Einzelmitglieder. Dabei wird die DGVN auf Anfrage unterstützend tätig. Dass das JUNON aber gerade nicht Teil der DGVN, sondern eine eigenständige Organisation ist, unterstreicht das Bedürfnis junger Menschen, eigenständig Institutionen aufzubauen und so alternative Angebote für eine junge Zielgruppe zu schaffen, die vor allem von den großen Freiräumen und Gestaltungsmöglichkeiten für junge Menschen lebt. Eine unabhängige und 51 JUNON 2016, AG Model United Nations, http://www.junges-uno-netzwerk.de/arb eitsgruppen/model-united-nations. 52 Astrid van der Merwe 2007, Chairing Model United Nations, Junges UNO-Netzwerk & Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (Hrsg.), http://www.jun ges-uno-netzwerk.de/download/JUNON-Chairing-Handbuch.pdf. 53 Vgl. http://wiki.junges-uno-netzwerk.de/s/Hauptseite (geschlossenes Wiki; Zugangsdaten können über das Junge UNO-Netzwerk angefordert werden). 54 Elisabeth Frey/Jochen Daniel 2008, UN Forschung und -Lehre an deutschen Universitäten: Ein Evaluationsprojekt des Jungen UNO-Netzwerkes, in: Manuel Fröhlich (Hrsg.) 2008, UN Studies: Umrisse eines Lehr- und Forschungsfeldes, Nomos, S. 179-193. 55 Siehe hierzu den Beitrag von Christian Stock in diesem Band. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 171 zudem von ehrenamtlichen Studierenden geführte Organisation zu sein, birgt allerdings auch seine Schattenseiten: Konkrete Projekte und das Level an Aktivität des Netzwerks insgesamt ist letztlich von Einzelpersonen und deren Engagement abhängig. Der Fokus auf vor allem junge Menschen bedeutet aber auch, dass engagierte Mitglieder dem Netzwerk mit der Zeit „entwachsen”. So hatte das JUNON in der Vergangenheit mit einem Problem des Generationswechsels zu kämpfen. Ein Schritt zur weiteren Institutionalisierung und Verfestigung war die Verabschiedung eines umfassenden Selbstverständnisses auf der 28. Delegiertenversammlung, das den Netzwerkcharakter des JUNON mit seinen über 30 Mitgliedsgruppen betont und gerade die Vernetzung von und Austausch unter Model UNs als einen zentralen Baustein seiner Arbeit definiert.56 Seit Gründung des JUNON hat sich auch die Model UN Landschaft in Deutschland immer weiter vergrößert und an Popularität gewonnen.57 JUNON fördert gezielt den Austausch zwischen seinen Mitgliedsgruppens. Darüber hinaus bietet auch die DGVN unmittelbare Unterstützung für MUNs an. So können MUN Gruppen, die zu internationalen MUNs reisen, im DGVN-Generalsekretariat zu einem Briefing empfangen werden. In Deutschland stattfindende MUNs erfahren oftmals durch die DGVN-Landesverbände Unterstützung. Hervorzuheben ist hierbei der Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, der ein umfassendes Konzept zur Förderung von regionalen MUNs entwickelt hat.58 Darüber hinaus bestehen an einigen Hochschulen sogenannte DGVN bzw. UNi- Hochschulgruppen, die ähnlich wie die Landesverbände auf universitärer Ebene Veranstaltungen organisieren. So begleitet die DGVN, teils gemeinsam mit JUNON, teils durch ihre Landesverbände, teils durch den Bun- 56 JUNON 2016, Selbstverständnis, http://www.junges-uno-netzwerk.de/junon/selbst verstandnis-des-jungen-uno-netzwerks-deutschland-junon-e-v/. 57 Ein genauer Überblick über alle in Deutschland ansässigen MUN Gruppen und MUNs für Schüler*innen und Studierende findet sich auf der von DMUN e.V. betriebenen Seite www.model-un.de. 58 DGVN Sachsen 2017, Projekte, http://www.dgvn-sachsen.de/index.php/projekte. So überrascht es auch nicht, dass gerade in Halle/Saale ein besonders innovatives Format der Model UN, nämlich die erste Simulation eines UN Parlamentes, ausrichtet wurde, siehe DGVN Meldung, Model UN Parlament – Ein Schritt in Richtung Weltparlament, http://www.dgvn.de/meldung/model-un-parlament-ein-schritt -in-richtung-weltparlament/. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 172 desverband, die stetig expandierende Model UN Welt und versucht, vor allem neuartige MUN basierte Konzepte zu unterstützen.59 Die Making Commitments Matter Initiative Ein größeres Projekt, das aus dem Jungen UNO-Netzwerk hervorging und durch die DGVN unterstützt wurde, war die von 2008 bis 2010 durchgeführte Making Commitments Matter Initiative. Die zeitweise bis zu 100 Mitglieder aus insgesamt 21 Ländern umfassende Studierenden-Initiative hatte zum Ziel, die Umsetzung von UN Vereinbarungen zu verbessern, wobei sich die konkreten Werkzeuge hierzu im Laufe der Initiative stetig veränderten. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von einer kleinen Gruppe junger Menschen, die teils aus dem Model-UN Kontext, teils aus dem Jungen UNO-Netzwerk kamen.60 Bei ihren bisherigen Projekten hatten die Beteiligten die Erfahrung gemacht, dass UN Vereinbarungen, insbesondere relevante Resolutionen und Aufforderungen an Mitgliedstaaten nur schwer zugänglich sind. Zwar sind alle Resolutionen der Hauptorgane der Vereinten Nationen online frei verfügbar, es erfordert aber ein gewisses Maß an Kenntnis der Verhandlungsprozesse in den Vereinten Nationen und der jeweiligen Themen, um relevante Dokumente zu identifizieren, ihre Entwicklung über mehrere Jahre zu verfolgen und daraus relevante Aufforderungen an die eigenen Mitgliedstaaten zu destillieren. 61 Zugleich, so die Beobachtung, verhallen viele Aufrufe an Staaten im luftleeren Raum, da Informationen über den Inhalt der zahlreichen Dokumente bei den Verein- 3.4. 59 Ein weiterer Aspekt ist die Unterstützung von Mini-Simulationen in Schulen. Siehe hierzu sogleich „UN im Klassenzimmer” im Kapitel 3.5. 60 Hannah Birkenkötter war von Oktober 2007 bis Januar 2008 Teil des kommissarischen, von 2008 bis 2010 Teil des gewählten Koordinationsteams der Making Commitments Initiative. 61 Die UN unterhält verschiedene Datenbanken: Im Official Document System (ODS, http://documents.un.org) sind sämtliche UN Dokumente seit 1993 und Resolutionen der Hauptorgane seit 1946 abrufbar, die ältere Datenbank UNBIS- NET (http://unbisnet.un.org) enthält Dokumente ab 1979. Die Resolutionen der Hauptorgane (Generalversammlung, Sicherheitsrat und Wirtschafts- und Sozialrat) sind nach Jahren geordnet außerdem auf den jeweiligen Webauftritten verfügbar, allerdings ohne Suchoptionen. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 173 ten Nationen nicht immer leicht zugänglich sind.62 Auf diesen Beobachtungen aufbauend wurde eine erste Hypothese entwickelt: Die Umsetzung von UN Vereinbarungen scheitert häufig daran, dass die für die Umsetzung relevanten Akteure auf nationaler Ebene ‒ zum einen staatliche Akteure, wie etwa Parlamentarier, aber auch Nichtregierungsorganisationen, die zumindest in demokratisch verfassten Staaten einen nicht unerheblichen Einfluss auf die inhaltliche Arbeit staatlicher Akteure ausüben ‒ diese Vereinbarungen häufig schlicht nicht kennen und es ihnen an zeitlichen Ressourcen und inhaltlicher Expertise mangelt. Zur Erforschung dieser Hypothese und Entwicklung von Lösungsansätzen, sollte sich die Hypothese als korrekt herausstellen, schlugen die Initiator*innen drei konkrete Schritte vor: Zum einen sollte eine größere Umfrage unter Nichtregierungsorganisationen in verschiedenen Ländern durchgeführt werden, um empirisch zu untersuchen, inwieweit die Hypothese einer Informationslücke korrekt ist; zum zweiten sollten Methoden zur besseren Darstellung relevanter Informationen eruiert werden, etwa die Erstellung von Kompendien, die die Entwicklung von Resolutionen über die Jahre darstellen, angelehnt an die zu dieser Zeit etwa vom Auswärtigen Amt genutzten „agreed language tables”. Zum dritten wurde vorgeschlagen, eine größere NGO-Konferenz auszurichten, um die Ergebnisse vorzustellen und relevante Akteure miteinander zu vernetzen.63 Die Initiator*innen legten das Projekt von vornherein als internationales und partizipatives Projekt an: So wurden die Teilnehmer*innen der Initiative über eine offene Bewerbung rekrutiert, die über bestehende Netzwerke ‒ Partnerorganisationen des Jungen UNO-Netzwerkes, Partnerorganisationen der DGVN, verschiedene internationale Model UNs ‒ zirkuliert wurde. Die Bewerber*innen waren dazu aufgefordert, als Teil ihrer schriftlichen Bewerbung den „Proposed Course of Action” der Initiator*innen kritisch zu kommentieren. Auf die Ausschreibung lud das Junge UNO-Netzwerk insgesamt 25 junge Menschen aus 19 verschiedenen Län- 62 Ein gutes Beispiel sind die bereits erwähnten Aufrufe an Staaten, Jugenddelegierte in ihre Delegationen zur Generalversammlung aufzunehmen. Diese Resolutionen, die wie erwähnt bereits seit 1981 existieren, waren in weiten Teilen etwa des Deutschen Bundestages (Unterausschuss Vereinte Nationen) schlicht nicht bekannt. 63 Junges UNO-Netzwerk 2007, Making Commitments Matter. An Initiative to Implement UN Agreements. Proposed Course of Action. (Teil der Ausschreibung zu Bewerbungen zur Making Commitments Matter Initiative; liegt den Autorinnen vor). Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 174 dern zu einer Gründungskonferenz nach Bonn ein, die im Januar 2008 parallel zu der Delegiertenversammlung des Jungen UNO-Netzwerkes stattfand.64 Die Teilnehmer*innen rekrutierten in ihren jeweiligen Ländern weitere junge Menschen für ihre Länderteams („country teams”), die Gesamtkoordination lag bei einem zunächst vierköpfigen Koordinationsteam, das in Bonn durch die Teilnehmer*innen gewählt worden war.65 Die Initiative traf sich im weiteren Verlauf des Projekts in wechselnder Zusammensetzung in Genf/Lausanne, der amerikanischen Ostküste, Brüssel, Paris, Budapest, Bukarest, Helsinki und Sofia.66 Herzstück der Arbeit waren drei inhaltliche Arbeitsgruppen, sog. “Task Forces”, zu den Themen „Civil Society Research”, „State Actor Research” und „UN Agreements Research”. Während die ersten zwei Arbeitsgruppen mit der Befragung relevanter Akteure auf nationaler Ebene ‒ öffentliche Bedienstete, Mitglieder der Parlamente, Nichtregierungsorganisationen ‒ befasst waren, erarbeitete die dritte Arbeitsgruppe auf der Grundlage einer umfassenden UN Dokumentenrecherche ein Modell für eine Datenbank, die UN Vereinbarun- 64 Die Gründungskonferenz wurde finanziell von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Vgl. für eine detaillierte Beschreibung der Gründungskonferenz und ihrer Teilnehmer*innen Making Commitments Matter Initiative 2008, Abschlussbericht Gründungskonferenz 18.-20. Januar 2008 (liegt den Autorinnen vor). Die Teilnehmer*innen kamen aus den folgenden Ländern: Australien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kroatien, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Tansania, Ungarn sowie den Vereinigten Staaten von Amerika. Im weiteren Verlauf nahm die Initiative noch ein Team aus der Türkei und eine spanische Vertreterin auf. 65 Hannah Birkenkötter et al. 2008, Making Commitments Matter – Members’ Handbook, S. 14-17 (liegt den Autorinnen vor). 66 Das Treffen an der amerikanischen Ostküste wurde nur durch das Koordinationsteam wahrgenommen und hatte den Zweck, international angesehene Adviser sowie weitere amerikanische Teilnehmer*innen zu rekrutieren. Das Koordinationsteam erhielt während dieser Reise Input u.a. von Robert Keohane, Oona Hathaway und Michael W. Doyle. Das Treffen in Paris war ebenfalls ein Koordinationsteam- Treffen, das aber allen Mitgliedern offenstand. Alle weiteren Treffen waren Gesamttreffen der Initiative, die jeweils durch die Länderteams vor Ort organisiert wurden. Für die Treffen in Genf und Brüssel erhielt die Making Commitments Matter Initiative finanzielle Unterstützung durch die Förderlinie “Youth in Action” der Europäischen Kommission. Für die weiteren Gesamttreffen betrieben die Länderteams Fundraising vor Ort. Räumlichkeiten für die Treffen wurden durch die ausrichtenden Länderteams gestellt. Die Treffen des Koordinationsteams an der amerikanischen Ostküste und in Paris finanzierten die Mitglieder des Koordinationsteams aus privaten Mitteln. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 175 gen leichter zugänglich machen sollte. Darüber hinaus gab es weitere Arbeitsgruppen zum Einwerben von Spenden und zur Öffentlichkeitsarbeit.67 Die Making Commitments Matter Initiative war vor allem wegen der großen Zahl junger Menschen, die über mehrere Zeitzonen von den USA über Europa bis Australien lebten, ein logistisch und organisatorisch anspruchsvolles Projekt. Die Koordination zwischen den Treffen über mehrere Zeitzonen erfolgte per Email, Online-Unterhaltungen und Skype- Konferenzen. Über gut zwei Jahre entwickelte die Initiative eine Vielzahl von Kooperationen, unter anderem mit dem Dachverband der UN Gesellschaften WFUNA, die in ihrem Genfer Büro von Mitte 2008 bis Anfang 2010 jeweils ein*e Vertreter*in der Making Commitments Matter Initiative als Liaison Officer aufnahm.68 Im Laufe des Projektes kristallisierten sich zwei konkrete Lösungsansätze heraus, die die Initiative bis zu ihrer Abschlusskonferenz im Mai 2010 verfolgte: Zum einen wurde ein Datenbank-Modell erstellt, das anhand vier thematischer Bereiche (Zugang zu sauberem Trinkwasser, Frauen und Bildung, kleine und leichte Waffen sowie Malariabekämpfung) aufzeigen sollte, wie UN Resolutionen leichter zugänglich gemacht werden können. Zum anderen wurde auf der Basis des durch Interviews mit Nichtregierungsorganisationen, Parlamentarier*innen und Beamt*innen in nationalen Ministerien verschiedener Länder gesammelten Feedbacks ein Konzept für ein interaktives soziales Online-Netzwerk erarbeitet, auf dem sich nationale Akteure mit UN Akteuren vernetzen sollten.69 Beide Projekte wurden auf einer Konferenz im Mai 2010 im International Conference Center in Genf einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Die mit 67 Hannah Birkenkötter et al. 2008, Making Commitments Matter – Members’ Handbook, S. 13 (liegt den Autorinnen vor). 68 Agreement of Cooperation between the World Federation of United Nations Associations and the Making Commitments Matter Initiative 2008 (liegt den Autorinnen vor). 69 Die beiden Projekte firmierten unter „UN-informed.org” (Datenbank) und „UNi.org” (interaktives Netzwerk). Vgl Making Commitments Matter Initiative 2009, MCM Project Guide (PR Image), S. 11-41 (liegt den Autorinnen vor). Durch Gespräche und Präsentationen des Projektes auch bei den Vereinten Nationen wurde das Department of Public Information auf die Making Commitments Matter Initiative aufmerksam und kritisierte die sprachliche Nähe insbesondere von “UN-i” zu offiziellen UN Websites, vgl. Brief des Unter-Generalsekretärs Kiyo Akasaka an den Präsidenten der Making Commitments Matter Initiative Marian Sutholt vom 30. April 2010 (liegt den Autorinnen vor). Die Making Commitments Matter Initiative firmierte daraufhin ihr Projekt in www.resolutionfinder.org um. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 176 über 150 Teilnehmer*innen aus der Genfer UN Familie, den ständigen Vertretungen und NGO-Vertreter*innen sehr gut besuchte Konferenz, deren Mitausrichter sowohl die WFUNA als auch die DGVN waren, bot der Initiative eine Plattform, ihre bislang entwickelten Ideen vorzustellen.70 Es war zu diesem Zeitpunkt deutlich geworden, dass die Initiative nicht mehr ehrenamtlich würde weiterarbeiten können. Gerade die Mitglieder des Koordinationsteams, aber auch einzelne Ländervertreter*innen, hatten in den zwei Jahren weit über das gewöhnliche Maß eines ehrenamtlichen Engagements hinaus an dem Projekt gearbeitet, Netzwerke geknüpft und ‒ etwa im Falle Kroatiens und Bulgariens ‒ weitere Projekte, wie etwa die Revitalisierung der UN Gesellschaft (Kroatien) oder die Gründung einer UN Jugendorganisation und eines Jugenddelegiertenprogramms (Bulgarien) in die Wege geleitet. Verschiedene Mitglieder arbeiteten de facto in Vollzeit an dem Projekt. Es hätte zu diesem Zeitpunkt einer Professionalisierung des Projekts oder einer Übernahme durch eine bestehende, vermutlich am ehesten akademische Institution bedurft, um aus dem Modell eine voll funktionsfähige Datenbank zu entwickeln. Hier zeigt sich, dass von jungen Menschen im Rahmen von ehrenamtlichem Engagement initiierte Großprojekte bis zu einem gewissen Grad aus dem Engagement dieser jungen Menschen gespeist werden können, ab einem gewissen Punkt aber professioneller Strukturen bedürfen, um langfristig institutionalisiert zu werden. Oftmals ‒ so auch in der Making Commitments Matter Initiative ‒ ist gerade die Mittelgewinnung problematisch: Heutige Fördermittelanträge erfordern ein hohes Maß an Professionalität, viele Nichtregierungsorganisationen beschäftigen dafür Vollzeitpersonal. Gerade jungen Menschen, die durch die Projekte erst in die inhaltliche Arbeit einsteigen, fehlt hier die nötige Expertise und oftmals Unterstützung. Gemessen an diesen Herausforderungen war die Making Commitments Matter Initiative mit der Einwerbung von einem mittleren fünfstelligen Betrag durch das Youth in Action-Programm der Europäischen Kommission vergleichsweise erfolgreich. Für einen Wandel einer ehrenamtlichen Struktur in eine professionell operierende Organisation reichte dies freilich nicht. Gleichwohl war die Making Commitments Matter Initiative ein erfolgreiches Projekt: Es entstand ein Netzwerk, auch Freundschaften, von denen ihre Mitglieder noch heute profitieren. Nicht 70 Making Commitments Matter Initiative 2010, Conference Report UN-Connecting the World – Online Tools for a better-informed World Society (liegt den Autorinnen vor). Jugendarbeit als Jugendpartizipation 177 wenige ehemalige „MCMer” arbeiten heute bei den Vereinten Nationen, internationalen Nichtregierungsorganisationen oder der Europäischen Kommission. Während ihrer gesamten Existenz wurde die Initiative durch die DGVN ideell und auch teils materiell, etwa durch Nutzung ihres Namens und Logos oder der Büroräume, unterstützt. Die inhaltliche und organisatorische Arbeit wurde allerdings ausschließlich durch ehrenamtlich arbeitende junge Menschen geleistet. Von Schulprojekten zu „UN im Klassenzimmer” Die politische Bildungsarbeit über die Vereinten Nationen ist satzungsgemäß integraler Bestandteil der Arbeit der DGVN. Es überrascht daher nicht, dass sich schon früh der Vermittlung der Idee der Weltorganisation innerhalb des sekundären Bildungsbereichs gewidmet wurde. Dabei ist gerade ein so komplexes und abstraktes Politikfeld wie das des Multilateralismus weder einfach zu erklären, noch zu verstehen. Es gilt also, das Interesse und die Begeisterung für internationale Beziehungen bei jungen Menschen so früh wie möglich zu wecken. Dies strebt die DGVN mit ihrer politischen Bildungsarbeit stets an. Wie bereits erwähnt machte Klaus Hüfner schon in den frühen 1960er Jahren auf Wochenendseminaren für Schüler*innen die Vereinten Nationen und multilaterale Zusammenarbeit zum Thema.71 Später boten unterschiedliche DGVN/UNi-Hochschulgruppen Module zu UN Wissen oder Mini-Planspiele an, mit denen sie in lokale Schulklassen gingen. In den Anfängen wurden diese Projekte allerdings nicht zentral bekannt gemacht; auch das Material wurde nicht archiviert. Ab Mitte der 2000er Jahre widmeten sich insbesondere die UNi-Gruppe Berlin- Brandenburg und der DGVN Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen der Durchführung von Schulprojekten. In der UNi-Gruppe Berlin-Brandenburg gehörte ein Basis-Modul zum Angebot, in dem die Schüler*innen in einer Doppelstunde an die UN herangeführt wurden, sowie individuelle Projekttage, die besonders Minisimulationen beinhalteten. Auch JUNON beschäftigte sich zu der Zeit mit Schulprojekten und sam- 3.5. 71 Round Table: 50 Jahre für die UNO, in: Landesverband Berlin-Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (Hrsg.) 2007, 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Landesverband Berlin-Brandenburg e.V., S. 14-26 (20). Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 178 melte in seinem Wiki das Wissen aus den Mitgliedsgruppen zum gegenseitigen Austausch.72 Unter dem Motto „UN macht Schule” organisierte der Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Simulationen des Sicherheitsrates, die in einer Doppelstunde stattfinden konnten ‒ oder passte auch Projekttage an die Bedürfnisse der Schulen an.73 In den Landesverbänden liefen die Schulprojekte zunächst eigenständig und erfolgreich ihren Gang. Erst Ende 2013 wurde der Bundesvorstand auf das Thema aufmerksam, als der Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen eine Vernetzung bestehender Schulprojekte und eine Zentralisierung selbiger über den Bundesverband anregte.74 Aus dem Bestreben heraus, die Vereinten Nationen stärker im Curriculum der Sekundarstufe zu verankern, insbesondere durch die Einberufung eines „UN Tages an Schulen” ‒ dem Beispiel des EU-Tages an Schulen folgend ‒ wurde für das Jahr 2014 ein Pilotprojekt am Tag der Vereinten Nationen angestrebt. Ein Anschreiben an die Kultusministerkonferenz wurde positiv aufgenommen, blieb aber zunächst ohne Folgen. So beschloss der Vorstand, selbst aktiv zu werden und zum Tag der Vereinten Nationen am 24. Oktober 2014 ausgewählte Schulen in Bonn zu besuchen. Das Pilotprojekt wurde von den teilnehmenden Schulen und Schüler*innen sehr positiv und interessiert angenommen.75 Dies bestärkte die Idee, die Bildungsarbeit mit Schüler*innen und in Schulen zu institutionalisieren und gleichzeitig den von den Landesverbänden bzw. UNi-Gruppen erprobten Peer-to-Peer-Ansatz beizubehalten. Im Januar 2015 wurde formal das Projekt „UN im Klassenzimmer” (UNK) beschlossen.76 Dafür wurden die schon bestehen- 72 JUNON, UNO-Informationsmodule an Schulen, http://wiki.junges-uno-netzwerk.d e/s/UNO-Informations-Module_an_Schulen (geschlossenes Wiki; Zugangsdaten können über das Junge UNO-Netzwerk angefordert werden). 73 Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen 2013, Schulprojekte zu den Vereinten Nationen unter dem Dach der DGVN, Brief an den Bundesvorstand (liegt den Autorinnen vor). 74 Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen 2013, Schulprojekte zu den Vereinten Nationen unter dem Dach der DGVN, Brief an den Bundesvorstand (liegt den Autorinnen vor). 75 General Anzeiger 2014, Weltpolitik im Klassenzimmer, http://www.general-anzei ger-bonn.de/bonn/beuel/ Weltpolitik-im-Klassenzimmer-article1481602.html. 76 DGVN 2015, Unterlage V.2015.3 und Protokoll der 6. Vorstandssitzung des 32. Bundesvorstandes der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (liegen den Autorinnen vor). Vgl. auch DGVN Sachsen, UN im Klassenzimmer, http://w ww.dgvn-sachsen.de/index.php/projekte/2-uncategorised/17-un-im-klassenzimme r. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 179 den Schulprojekte zusammengetragen und auf Bundesebene professionalisiert und vereinheitlicht. Im Angebot standen zu Beginn von UNK die Simulation des Sicherheitsrates, die auf eine Doppelstunde ausgelegt ist und ein 90-minütiges, interaktives Basismodul, in dem die Teamer*innen (Studierende) mit den Schüler*innen ein Grundverständnis über die Vereinten Nationen erarbeiten.77 Dieses Angebot wird von mittlerweile etwa 30 Teamer*innen von UN im Klassenzimmer, die vom Generalsekretariat ausgebildet und koordiniert werden und über die virtuelle Kommunikationsplattform Slack kommunizieren, fortwährend erweitert. So ist etwa ein Lehrer-Modul zu der Agenda 2030 hinzugekommen oder ein Klimafluchtplanspiel entstanden. Gerade im Feedback der Lehrer*innen ist in der Vergangenheit deutlich geworden, wie wertvoll allein der Wechsel der Lehrperson hin zu den – den Schüler*innen unbekannten – Teamer*innen sein kann und dass die Teamer*innen ihr Wissen mit einer besonderen Begeisterung teilen. Bevor die Teamer*innen zu zweit ein solches Schulprojekt durchführen, werden sie von erfahrenen Teamer*innen in einer Wochenendschulung in die Module eingeführt und ausführlich auf Schuleinsätze vorbereitet. Bei der Vermittlung der Konzepte wird auf die Einhaltung des Beutelsbacher Konsens viel Wert gelegt.78 Angesichts des hohen Interesses sowohl von Seiten der Teamer*innen als auch von Schulen bzw. Lehrkräften kann von einem erfolgreichen Start des Projektes gesprochen werden, der die Notwendigkeit, die Vereinten Nationen in die Klassenzimmer Deutschlands zu bringen, aber auch die Art und Weise dessen, bestätigt. Wie so häufig wird eine Ausweitung des Projektes allerdings erhebliche finanzielle Mittel sowie hauptamtliche Mitarbeiter*innen erfordern. Damit – so die Hoffnung – ließe sich vielleicht eines Tages sogar ein bundesweiter „UN Tag in Schulen” realisieren.79 77 DGVN 2017, UN im Klassenzimmer, http://www.dgvn.de/junge-dgvn/un-im-klass enzimmer/. Das Modul zum Sicherheitsrat wurde vom Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen ausgearbeitet und macht internationale Politik auf besondere Art erlebbar und lässt die Schüler*innen ihr diplomatisches Geschick erproben. Das Basismodul, in dem die Funktion und Arbeitsweise der UN erarbeitet wird, wurde der UNi-Gruppe entlehnt. 78 Bundeszentrale für politische Bildung, Beutelsbacher Konsens, http://www.bpb.de /die-bpb/51310/beutelsbacher-konsens. 79 Analog zum EU-Tag in Schulen, siehe https://www.bundesregierung.de/Webs/Bre g/DE/Themen/Europa/ EUProjekttag/_node.html. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 180 Bündelung junger Aktivitäten in der „Jungen DGVN” Die stetige Erweiterung des Angebots für junge Menschen, befördert durch den normativen Rahmen der Vereinten Nationen und fast ausschließlich initiiert durch junge Menschen selbst, blieb für die DGVN nicht ohne institutionelle Folgen. Auf hauptamtlicher Ebene konnte eine Stelle für Bildungsprojekte – vornehmlich für UN im Klassenzimmer – eingerichtet werden. Bereits in der Mitgliederversammlung 2011 waren eine Reihe jüngerer Vorstandsmitglieder gewählt worden: drei der 13 Vorstandsmitglieder waren unter 30, drei weitere Mitglieder unter 40.80 Mit der Mitgliederversammlung 2015 wurden fünf Mitglieder unter 30 in den Bundesvorstand gewählt.81 Diese veränderte Konstellation und ein verstärktes Interesse, Menschen schon in jungen Jahren für die UN zu begeistern und so an die DGVN heranzuführen, führte zur Zusammenfassung bisheriger Angebote für junge Menschen unter dem gemeinsamen Namen „Junge DGVN”. Auf lange Sicht soll die Junge DGVN als Plattform für junge, UN interessierte Menschen in Deutschland dienen. Vernetzung passiert jetzt schon über eine gleichnamige Facebook-Gruppe, auf der unter anderem Hinweise zu Veranstaltungen und Ausschreibungen geteilt oder Gleichgesinnte für Projekte im UN Kontext gesucht werden.82 Die Junge DGVN soll dabei nicht als Parallelstruktur zu JUNON agieren, sondern ergänzend wirken. Als Mitgliederverein fällt es der DGVN teilweise schwer, ihre Mitglieder gezielt aktiv einzubinden und durch Engagement mitwirken zu lassen, wenngleich die vorangegangenen Seiten gezeigt haben, dass gerade junge Menschen häufig nach entsprechenden Angeboten suchen. Durch das Schlagwort Junge DGVN wird versucht, diese Zielgruppe besser anzusprechen und mögliche Aktivitäten ‒ bei der DGVN selbst oder darüber hinaus im UN Kontext ‒ gesammelt aufzuzeigen, sodass in Zukunft ein großes Netzwerk junger UN begeisterter Menschen in Deutschland entsteht.83 Bestärkt wird dieses Konzept besonders durch die jungen Bundesvorstandsmitglieder. 3.6. 80 DGVN 2011, Protokoll der 31. Mitgliederversammlung am 3. Dezember 2011, S. 4-5. 81 DGNV 2011, Protokoll der 33. Mitgliederversammlung am 5. Dezember 2015, S. 6-7. 82 Vgl. Facebook Junge DGVN, https://www.facebook.com/groups/JungeDGVN/. 83 DGVN 2017, Junge DGVN, http://www.dgvn.de/junge-dgvn/. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 181 Unter das Dach der Jungen DGVN fällt neben dem bereits ausführlich dargestellten UN Jugenddelegiertenprogramm und dem JUNON auch die ebenfalls bereits erwähnte AG Junge UN Forschung. Darüber hinaus sind der Jugendfriedenspreis84 und der Dissertationspreis85 zwei Auszeichnungen der DGVN, mit denen speziell junge Menschen und ihre Arbeit zu den Vereinten Nationen gewürdigt werden. Jugendkonferenz „It´s up to YOUth” Ein vorläufiger Höhepunkt dieser neuen Konzentrierung der Jugendarbeit im Bundesverband und DGVN-Generalsekretariat war die im Herbst 2016 international ausgerichtete Jugendkonferenz „It´s up to YOUth” in Bonn.86 Ursprung dieser Konferenz war die Vision eines Vorstandsmitglieds während der Vorstandswahl auf der Mitgliederversammlung im Dezember 2015 in Berlin, eine großangelegte Jugendkonferenz zu Themen der Vereinten Nationen durchzuführen. Zwar gab es in den Jahren 2008 und 2011 bereits DGVN-Jugendkonferenzen, die in Kooperation mit JUNON durchgeführt wurden. Dabei mangelte es aber vor allem an der Finanzierung und personellen Ressourcen, um eine professionell organisierte, mehrtägige internationale Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Im November 2016 wurde eine solche erste DGVN-Jugendkonferenz großen Formats umgesetzt, die zum Ziel hatte, über die UN zu informieren, dafür zu begeistern und Möglichkeiten zum Handeln aufzuzeigen. 87 Umgesetzt wurde die Konferenz von einem hauptamtlichen Mitarbeiter sowie zwei Praktikant*innen im Generalsekretariat, einem Lenkungskreis aus Vorstandsmitgliedern und einem ehrenamtlichen Organisationsteam von neun jungen Menschen, die sich auf eine Ausschreibung dazu bewor- 3.7. 84 Jugendfriedenspreis, Aktuelles, http://www.jugendfriedenspreis.de/aktuelles/. 85 DGVN 2017, Dissertationspreis, http://www.dgvn.de/ueber-uns/organisation/forsc hungsrat/dissertationspreis/. 86 DGVN 2016, It’s up to YOUth, http://up2youth.de. 87 Vgl. DGVN 2011, Youth Uniting Nations! Jugendkonferenz der DGVN am 12.11.2011 in Mannheim, http://www.dgvn.de/veranstaltungen/einzelansicht/?tx_ mjseventpro_pi1%5BshowUid%5D=422&cHash=a953c8a5976c2c6f5ad7a40505 88cc5e und DGVN 2008, DGVN-Jugendkonferenz "Engagieren, Einmischen, Einfluss nehmen – Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen bei den VN, http://w ww.dgvn.de/veranstaltungen/einzelansicht/?tx_mjseventpro_pi1%5Bshow Uid%5 D=239&cHash=4d3badf36cd2a6f3dbcf6fc22fc0c02b. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 182 ben hatten.88 Dabei umfasste der Lenkungskreis zunächst sechs Vorstandsmitglieder; an der organisatorischen Umsetzung der Konferenz war letztlich aber nur ein Mitglied aktiv beteiligt. Aus über 500 Bewerbungen wurden etwa 180 Teilnehmer*innen im Alter von 16-30 Jahren aus fünf Kontinenten ausgewählt, die über die drei Konferenztage „Inspiration, Information und Partizipation” erlebten und lebten.89 Die Konferenz zeigte der sehr heterogenen Teilnehmergruppe Möglichkeiten des Engagements im UN Kontext auf. Neben der Vermittlung von Wissen sollen konkrete Projektideen der Teilnehmenden finanziell und strukturell unterstützt und so Jugendpartizipation konkret gefördert werden. Zu dem sehr positiven Feedback der Teilnehmer*innen in der Evaluation konnte durch die Konferenz eine hohe Reichweite in den sozialen Medien erzielt werden. Kurzzeitig war der Konferenzhashtag #up2youth sogenanntes „Trending Topic” bei Twitter, durchschnittlich 8.000 Menschen lasen die Nachrichten bei Facebook.90 Darüber hinaus wurde die Konferenz auch per Livestream verbreitet; die Konferenzvideos sind auf YouTube verfügbar.91 Auch der Blog der eingeladenen Jugendpresse politikorange zeichnet ein insgesamt inspirierendes Gesamtbild einer bunten Jugendkonferenz.92 Darüber hinaus wurden im Zuge des Konferenzticket- Systems insgesamt 160 neue DGVN Mitglieder gewonnen, was 10% des Mitgliederumfangs der DGVN entspricht. Während die Mitgliederakquise damit als Erfolg verbucht werden kann, wird es in Zukunft darauf ankommen, diese neuen Mitglieder auch aktiv in die Verbandsarbeit einzubinden. So erfolgreich die Durchführung dieser ersten großen Jugendkonferenz war, sie wäre nicht ohne den unermüdlichen Einsatz des Organisationsteams möglich gewesen. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass die Umsetzung der Konferenzidee nur mit einem zeitlichen Aufwand weit über dem üblichen Maße ehrenamtlichen Engagements gesichert werden konnte. Anders als bei vergangenen Projekten, in denen sich junge Menschen weit über das normale Maß hinaus engagierten, ging die Jugendkonferenz aus der Verbandsstruktur hervor und wurde nicht von außen an die DGVN 88 DGVN 2016, Call for Orgateam (liegt den Autorinnen vor). 89 Vgl. DGVN 2016, It’s up to YOUth, http://up2youth.de. 90 Interne Statistik des DGVN-Generalsekretariats (liegt den Autorinnen vor). 91 DGVN Youtubekanal, https://www.youtube.com/user/DGVNeV/videos?shelf_id= 0&view=0&sort=dd. 92 Politikorange, up2youth, http://blog.politikorange.de/category/up2youth/. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 183 herangetragen. Hier muss kritisch festgestellt werden, dass bei Initiativen der DGVN, die jugendpartizipativ ausgerichtet sind, Jugendpartizipation durch genügend hauptamtliche Ressourcen gesichert werden muss und nicht das ehrenamtliche Engagement junger Menschen Voraussetzung für das Gelingen einer Veranstaltung sein kann, sondern ihr Ziel sein muss. Die DGVN als Teil eines weltweiten Netzwerks: Jugendarbeit international Die Jugendstrukturen von JUNON, die auf nationaler Ebene geschaffen wurden, haben sich nicht nur für die Verstetigung in Deutschland eingesetzt, sondern seit ihrer Gründungszeit auch immer eine internationale Vernetzung angestrebt. Vertreter*innen von JUNON waren 2003 an der Gründung eines Dachverbandes von UN Jugendorganisationen ‒ also Organisationen mit ähnlichen Zielen wie das JUNON, die sich allgemein als United Nations Youth Associations (UNYA) bezeichnen ‒ parallel zur Struktur des Dachverbandes der UN Gesellschaften, der World Federation of United Nations Associations WFUNA, beteiligt. Ein solches Netzwerk von UNYAs wurde auf der Generalversammlung der WFUNA 2003 gegründet, jedoch durch eine Entscheidung des Exekutivkomitees der WFU- NA im Jahr 2010 nach internen Unstimmigkeiten zwischen dem Jugend- Netzwerk und der WFUNA wieder aufgelöst.93 Daraufhin gründete sich im Jahr 2011 ein neues Netzwerk von UNYAs, das UNYANET, mit einem Fokus auf europäische UN Jugendgesellschaften. JUNON war von Anfang an in diesem Netzwerk engagiert und eines der Gründungsmitglieder.94 UNYANET versteht sich als Dachverband für UNYAs, mit dem erklärten Ziel, ein gemeinsames Verständnis von Zielen von UNYAs und eine gemeinsame Identität als UN begeistertes Jugendnetzwerk zu schaffen.95 Als zivilgesellschaftliche Organisation nach schweizerischem Recht organisiert, stellt UNYANET dabei vor allem den 4. 93 Vgl. JUNON 2011, World Federation of United Nations Associations Youth, http:/ /wiki.junges-uno-netzwerk.de/s/World_Federation_of_United_Nations_Associatio ns_Youth (geschlossenes Wiki; Zugangsdaten können über das Junge UNO-Netzwerk angefordert werden). 94 JUNON 2011, UNYANET, http://wiki.junges-uno-netzwerk.de/s/UNYANET (geschlossenes Wiki; Zugangsdaten können über das Junge UNO-Netzwerk angefordert werden). 95 UNYANET 2016, About UNYANET, http://unyanet.org/about/about-unyanet. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 184 Wissensaustausch und die Vernetzung in den Mittelpunkt. UNYANET ist ein Netzwerk ohne formale Anbindung an die WFUNA. WFUNA verfügt mittlerweile auch wieder über ein Interessenforum für junge Menschen: Im Jahr 2013 wurde ein international besetzter Jugendbeirat, der die Arbeit von WFUNA beratend begleitet, gegründet.96 Um den Beirat herum wurde das lose WFUNA Youth Network geschaffen, das weltweit agierende UN Youth Associations und Jugendgruppen der UN Gesellschaften vernetzen möchte. Beide Netzwerke ‒ das WFUNA Youth Network sowie UNYANET ‒ arbeiten parallel zueinander; größere Kooperationsprojekte existieren (noch) nicht. Wie sich die Beziehung zwischen dem WFUNA Youth Network und UNYANET weiterentwickeln wird, ist schwer einzuschätzen. JUNON sowie die DGVN unterstützten beide Organisationen gleichermaßen. Allerdings ist zu bemerken, dass vor allem WFUNA eine weitreichende Vernetzung in das UN System und zu ihren Akteuren bietet. Als Mitglied des International Coordination Meeting of Youth Organisations (ICMYO)97 und mit Sitz in New York und Genf, sowie unterstützt von hauptamtlichen Mitarbeiter*innen, verknüpft vor allem das WFUNA Youth Network das Engagement in Deutschland mit den Prozessen auf der UN Ebene. Gerade für junge Menschen, die sich für Multilateralismus und eine komplexe Organisation wie die Vereinten Nationen interessieren und engagieren, ist der internationale Austausch von herausragender Wichtigkeit. Auf dem Weg zu einer umfassenden Integration von Jugendpartizipation in allen Arbeitsfeldern der Vereinten Nationen Wenn junge Menschen in Entscheidungen einbezogen werden, entstehen oft nachhaltigere, gerechte und gleichberechtigte Lösungsansätze, die von allen Parteien getragen werden können ‒ wie durch die Jugendarbeit der DGVN deutlich wird, die letztlich dem Ruf und der Arbeitsweise der Ver- 5. 96 WFUNA 2017, Youth Advisory Council, http://www.wfuna.org/youth-advisory-co uncil. Der Beirat nannte sich zunächst Youth Advisory Group und firmierte im Jahr 2015 auf Grundlage eines Beschlusses der WFUNA Plenary Assembly in Youth Advisory Council um. 97 International Coordination Meeting of Youth Organisations, About, https://icmyo. org/about. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 185 einten Nationen folgt, junge Menschen als Partner für die Aushandlung, Weiterentwicklung und Umsetzung der Ziele der UN, nicht zuletzt der Nachhaltigkeitsziele, einzubinden.98 Dabei ist es eine Herausforderung, jungen Menschen einerseits einen konstruktiven Raum zu geben und sie als Ressource anzuerkennen, aber gleichzeitig auch die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für eben diese konstruktiven Räume ‒ etwa gute Schulbildung und berufliche Perspektiven ‒ zu schaffen. Die Weltjugendkonferenzen,99 die in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen organisiert wurden, setzten sich für die Weiterführung der UN Jugendarbeit im Rahmen des WPAY ein. So nahm beispielsweise die „Lisbon Declaration on Youth Policies and Programmes“, anknüpfend an die bereits dargestellten Entwicklungen bei den Vereinten Nationen selbst, im Jahr 1998 Mitgliedstaaten erneut in die Pflicht, Themen wie Jugendpartizipation, Frieden, Entwicklung, Beschäftigung, Gesundheit und Missbrauch von Drogen voranzubringen.100 Das Thema Jugend stand immer wieder auf der UN Agenda, so dass sich auch die institutionellen Strukturen innerhalb der UN wandelten und stärkten. So besteht das Jugendprogramm des UN Sekretariats in seiner heutigen Form seit 2001. Es unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung des WPAY und ist auch für die interne Koordinierung von Jugendpolitik im UN System zuständig.101 Durch den Weltjugendbericht von 2003 und den Bericht des Generalsekretärs zur 60. Generalversammlung 2005, 98 Junge Menschen waren bei der Aushandlung der Nachhaltigkeitsziele einbezogen. Die „Major Group for Children and Youth“, entstanden im Rahmen des Agenda-21-Prozesses, vertritt die Interessen von Kindern und Jugendlichen im Bereich urbaner Entwicklung, Nachhaltigkeit, Katastrophenvorsorge, etc. vgl. Mayor Group for Children and Youth, Process, http://childrenyouth.org/process/. 99 Weltjugendkonferenzen finden in unregelmäßigen Abständen statt und sind oft politisch motiviert. Im Jahr 2014 nahmen erstmals die UN Jugenddelegierten an einer solchen Konferenz teil, vlg. DGVN, Sri Lanka: Ein ambivalenter Gastgeber, http://www.dgvn.de/meldung/sri-lanka-ein-ambivalenter-gastgeber/. 100 Außerdem wurde beschlossen, den 12. August jedes Jahres als Tag der Jugend zu zelebrieren. Die Konferenz wurde von der portugiesischen Regierung in Kooperation mit den Vereinten Nationen ausgerichtet und versammelte für die Jugend zuständige Minister*innen. Vgl. Lisbon Declaration on Youth Policies and Programmes 1998, https://www.unicef.org/lac/spbarbados/Planning/Global/Youth/lis bon_1998.pdf. 101 Die ehemalige UN Youth Unit war bis 1993 beim „Departement of International Economic and Social Affairs“ (DIESA) in Wien/Österreich angesiedelt. Danach war diese Einheit an die „Division for Social Policy and Development” im „De- Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 186 der eine Evaluation der Umsetzung des WPAYs im Anhang enthielt, wurde die Verabschiedung fünf weiterer Themenfelder im Jahr 2007 veranlasst, um den veränderten Entwicklungen zehn Jahre nach der Verabschiedung des WPAYs gerecht zu werden.102 Auch wenn das Programm und dessen Erweiterung nie unter allen Mitgliedstaaten verhandelt wurde, stellt es immer noch eine aktuelle Handlungsbasis für die UN dar, die die Bedürfnisse Jugendlicher umfassend einordnet und ihre Rechte in einer fortschrittlichen Weise proklamiert. Seitdem hat sich im UN System viel bewegt. So wurde im Jahr 2010 und 2011 das Internationale Jahr der Jugend zelebriert, welches in einem Treffen hoher Vertreter*innen zum Thema Jugend, dem „High Level Meeting on Youth“, im Juli 2011 unter der Beteiligung der deutschen Jugenddelegierten gipfelte.103 Die Aufmerksamkeit auf Jugend wurde auch durch weltweite politische Entwicklungen, wie den arabischen Frühling, verstärkt. So sprach sich der ehemalige UN Generalsekretär Ban Ki-Moon 2012 in seinem 5-Jahres-Aktionsplan dafür aus, das Thema Jugend als eine Priorität in seiner zweiten Amtszeit zu behandeln.104 Auch setzte er sich für eine Stärkung des „Inter-Agency Network on Youth Developpartment of Policy Coordination and Sustainable Development” als Teil des Sekretariats in New York angegliedert. Fünf Jahre später, 1997, erhielt die Youth Unit seinen bis heute bestehenden strukturellen Rahmen im Department of Economic and Social Affairs (DESA) und seit 2001 trägt es auch seinen heutigen Namen: UN Programm on Youth (UNPY). Das DESA UNPY dient seither als Koordinierungsstelle für alle UN-weiten Jugendaktivitäten und den ständigen Vorsitz im INAYD, vgl. Division on Social Policy and Development, Youth, https://www .un.org/development/desa/youth/. 102 DESA 2003, World Youth Report: The global situation of young people, https://w ww.un.org/development/desa/ youth/world-youth-report/world-youth-report-200 3.html sowie UN Doc. A/60/61 – E/2005/7, Report of the Secretary General: World Youth Report 2005, vom 6. Dezember 2004 und UN Doc A/Res/62/126, Policies and programmes involving youth: youth in the global economy – promoting youth participation in social and economic development, vom 18. Dezember 2007. 103 UN Doc. A/Res/64/134, Proclamation of 2010 as the International Year of Youth: Dialogue and Mutual Understanding, vom 18. Dezember 2009. Das zweite Internationale Jahr der Jugend, das mit dem Tag der Jugend am 12. August 2010 begann, fand zum 25. Jubiläum des ersten Internationalen Jahres der Jugend im Jahr 1985 statt. 104 In der „Secretary-General’s five-year action agenda” sprach sich der Generalsekretär für die Priorität „Working with and for women and young people” aus, vlg. United Nations Secretary General, https://www.un.org/sg/sites/ www.un.org.sg/fi Jugendarbeit als Jugendpartizipation 187 ment“ (IANYD) ein, welches an einer verbesserten Zusammenarbeit und Effektivität im UN System, unter Einbeziehung von internationalen Jugendstrukturen wie das ICMYO, arbeitet. So wurde das IANYD aufgefordert, in Zusammenarbeit mit allen relevanten Organisationen des UN Systems einen systemweiten Aktionsplan für die Jugend zu entwickeln.105 In der zweiten Amtszeit Ban Ki-Moons wurden außerdem neben dem erstmalig in 2013 ernannten Gesandten des UN Generalsekretärs für Jugend auch ein Sondergesandter des UN Generalsekretärs für jugendliche Geflüchtete und Sport im Jahr 2014 sowie ein Sondergesandter für Jugendbeschäftigung im Jahr 2016 ernannt.106 Viele UN Programme, darunter „UN Women“, „UN Volunteers“ und das „UN Development Programme“ entwickelten ihre jeweiligen Jugendstrategien, um der Zielgruppe besser zu les/atoms/files/sg_agenda_2012.pdf. Hier sind auch die zwei Besuche von Generalsekretär Ban Ki-Moon in Berlin in 2011 und 2014 einzuordnen, bei denen er auf ausdrücklichen Wunsch das Gespräch mit jungen Menschen suchte, vlg. DGVN 2011, UNO ist Hoffnungsträger in Zeiten des Umbruchs, http://www.dgv n.de/meldung/uno-ist-hoffnungstraeger-in-zeiten-des-umbruchs, sowie DGVN 2014, Ban Ki-moon empfängt Jugendliche bei der DGVN, http://www.dgvn.de/m eldung/ban-ki-moon-empfaengt-jugendliche-bei-der-dgvn. 105 Der systemweite Aktionsplan für die Jugend hat zum Ziel, die Kohärenz und Synergien von Aktivitäten im UN System zu stärken und baut dabei auf die verschiedenen Mandate der UN und ihrer Sonderorganisationen auf, um die gemeinsame Programmarbeit zu fördern. Der Aktionsplan bietet einen Rahmen für das UN System, um gemeinsam an Themen wie Jugendbeschäftigung, ziviles Engagement, politische Einbeziehung, Bildung, einschließlich Sexualkunde, und Gesundheit zu arbeiten und sich gegenseitig zu komplementieren. Das systemweite Aktionsplan und das WPAY, siehe auch Kapitel 1.3., sind dabei eng aufeinander abgestimmt, wobei sich der Aktionsplan vor allem auf Aktivitäten innerhalb des UN Systems konzentriert und sich das Weltaktionsprogramm im Gegensatz primär an die Mitgliedstaaten wendet. Vgl. United Nations System-Wide Action Plan on Youth, About, http://unyouthswap.org/about _youth_swap. 106 UN Generalsekretär Ban Ki-Moon ernannte den ersten Gesandten für die Jugend am 17. Januar 2013, vgl. United Nations, Secretary-General Appoints Ahmad Alhendawi of Jordan Envoy on Youth, http://www.un.org/ press/en/2013/sga1388.d oc.htm sowie United Nations, Secretary-General Appoints Jacques Rogge of Belgium Special Envoy for Youth Refugees and Sport, http://www.un.org/press/en/2 014/sga1459.doc.htm und United Nations, Secretary-General Appoints Werner Faymann of Austria Special Envoy on Youth Employment, http://www.un.org /pr ess/en/2016/sga1675.doc.htm. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 188 begegnen.107 Des Weiteren hat die Internationale Arbeitsorganisation die „Globale Initiative für anständige Beschäftigung“ ins Leben gerufen, die das Problem der Jugendarbeitslosigkeit und Unterbezahlung angeht.108 Ein Meilenstein war darüber hinaus auch die Verabschiedung der Resolution 2250 (2015) im UN Sicherheitsrat, die die Rolle von Jugendlichen in Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen in den Blick nimmt.109 Junge Menschen sind nicht nur Opfer oder Täter*innen, sondern müssen eine wichtige Rolle in der Aushandlung und Konsolidierung von Frieden übernehmen. Neben Beteiligungsmöglichkeiten, Schutzräumen und Prävention wurde die Weltgemeinschaft mit der Stärkung von Partnerschaften und Integration beauftragt. Die Resolution fordert außerdem den UN Generalsekretär auf, einen Fortschrittsbericht in Auftrag zu geben, der die Diskussionen rund um das Thema Jugend, Frieden und Sicherheit für die nächsten Jahre gestalten wird. Auch in anderen Organen der Vereinten Nationen wurde das Thema Jugend vorangebracht. So hat sich der Menschenrechtsrat mittlerweile ebenfalls der Jugend gewidmet ‒ im ersten Forum für „Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit” im Jahr 2016.110 Des Weiteren fand im gleichen Jahr erstmals die Jugendkonferenz zur Frauenrechtskommission des Wirtschafts- und Sozialrates statt, um jungen Frauen und Männern ein Forum zur Diskussion und zum Austausch zu geben. Das mittlerweile 6. 107 UN Women, UN Women Youth and Gender Equality Strategy, http://www2.unw omen.org/~/media/headquarters/ attachments/sections/executive%20board/2015/ 2nd%20regular%20session/presentation%20youth%20and%20gender%20equalit y.pdf?v=1&d=20150915T122320, sowie UN Volunteers programme, UNV Youth Volunteering Strategy 2014-2017, https://www.unv.org/publications/unv-youth-v olunteering-strategy-2014-2017 und UN Development Programme, UNDP Youth Strategy 2014-2017: Empowered Youth, Sustainable Future, http://www.undp.or g/ content/undp/en/home/librarypage/democratic-governance/youthstrategy/. Im Juli 2016 veröffentlichte das UN Enwicklungsprogramm UNDP außerdem das Youth Global Programme for Sustainable Development and Peace -Youth-GPS 2016-2020, das speziell auf die 2030 Agenda ausgerichtet ist, http://www.undp.or g/content/undp/ en/home/ourwork/democratic-governance-and-peacebuilding/yo uth-empowerment.html. 108 International Labour Organisation, The Global Initiative on Decent Jobs for Youth, http://www.ilo.org/wcmsp5/ groups/public/---ed_emp/---ed_emp_msu/doc uments/publication/wcms_450121.pdf. 109 UN Doc. S/Res/2250, vom 9 December 2015. 110 Human Rights Council 2016, Human Rights Council holds Panel discussion on youth and human rights, http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNe ws.aspx?NewsID=20564&LangID=E. Jugendarbeit als Jugendpartizipation 189 Jugendforum des Wirtschafts- und Sozialrates im Jahre 2017 verzeichnete zudem eine noch nie dagewesene hohe Beteiligung ‒ einerseits von Jugendminister*innen und hohen Vertreter*innen aus relevanten Ministerien und andererseits von jungen Menschen selbst.111 Ferner hat sich auch thematisch viel in der zweiten Amtszeit von Ban Ki-Moon bewegt: So wurde etwa auf dem Weltgipfel für humanitäre Hilfe 2016 ein „Kompakt für humanitäre Angelegenheiten für junge Menschen” ins Leben gerufen. Neben internationalen und UN Organisationen sind auch zivilgesellschaftliche Organisationen und die Privatwirtschaft beteiligt, um junge Menschen anhand von fünf sogenannten Schlüsselaktionen in den Übergang von humanitärer Hilfe zur Entwicklung einzubeziehen.112 Ein wichtiger Faktor in der Jugendarbeit der kommenden Jahre ist ‒ wie in vielen anderen Arbeitsbereichen der Vereinten Nationen ‒ die Agenda 2030.113 Auch wenn sich keines der 17 Nachhaltigkeitsziele speziell mit der Jugend beschäftigt, gibt es doch zahlreiche Unterziele und Indikatoren, die diese Altersgruppe direkt ansprechen. Es gilt daher, Fortschritte gerade auch in Bezug auf diese spezielle Altersgruppe zu messen und mit Mitgliedstaaten zusammenzuarbeiten, um junge Menschen direkt in nationale Umsetzungspläne einzubinden. Folglich widmen sich mittlerweile alle wichtigen UN Organe und Ausschüsse den Jugendangelegenheiten. Auch der neue Generalsekretär António Guterres hat sich dem Thema Jugend verschrieben und wirbt explizit um Jugendliche als Unterstützer*innen und Mitwirkende für die Ziele der Vereinten Nationen, vor allem in der Stärkung und nachhaltigen Sicherung von Frieden. Er hat sich des Weiteren dafür ausgesprochen, die 111 Economic and Social Council 2017, The role of youth in poverty eradication and promoting prosperity in a changing world – #YOUTH2030, https://www.un.org/e cosoc/en/node/902004. 112 Agenda for Humanity 2016, Compact for Young People in Humanitarian Action, http://agendaforhumanity.org /initiatives/3829. 113 Mehr als ein Drittel der Unterziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beziehen sich implizit oder explizit auf die Befähigung, Beteiligung oder das Wohlbefinden junger Menschen. Insgesamt gibt es 20 jugendspezifische Unterziele, die sich über die Ziele SDG 2 (Hunger), SDG 4 (Bildung), SDG 5 (Gleichberechtigung der Geschlechter), SDG 8 (angemessene Arbeit), SDG 10 (Ungleichheit) and SDG 13 (Klimawandel) verteilen. Außerdem wird jungen Menschen eine Schlüsselrolle in der Umsetzung des Ziels SDG 16 (friedliche, gerechte und integrative Gesellschaften) und des Ziels SDG 17 (Partnerschaften und Umsetzung) zugeschrieben, vgl. UN Doc A/Res/70/1, Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development, vom 25. September 2015. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 190 Mandate der verschiedenen Jugendgesandten zu vereinen, und etwa regionale Jugendgesandte zu ernennen. Der Ernennung der*des neuen Jugendgesandte*n soll ein Konsultationsprozess vorausgehen, um einerseits das Mandat als globale*r Fürsprecher*in zu stärken, der*die einerseits auch Unterstützung für politisch kontroverse Themen versammeln, und andererseits den Raum für Jugendthemen innerhalb des UN Systems erweitern kann.114 Schlussbetrachtung Es zeigt sich also: Sowohl in den Vereinten Nationen selbst als auch in der DGVN hat über die letzten Jahrzehnte eine Verschiebung von einer Politik für Jugendliche hin zu einer Politik unter Einbeziehung von Jugendlichen stattgefunden, auch wenn von einer Politik durch Jugendliche wohl (noch) nicht die Rede sein kann. Beteiligung ist ein fundamentales Recht von Jugendlichen, auf nationaler wie auch internationaler Ebene. Durch aktive Partizipation werden junge Menschen bestärkt, eine kritische Rolle in ihrer eigenen Entwicklung zu übernehmen und gleichzeitig auf die Gemeinschaft positiv einzuwirken. Um sich zu entfalten, brauchen junge Menschen Werkzeuge, wie ausreichende Informationen, Zugang zu (sozialen) Medien und Technologien, Möglichkeiten zur Einflussnahme auf Entscheidungsträger*innen und Aufklärung über und Schutz ihrer Rechte und Pflichten. So tritt auch der neue Generalsekretär António Guterres für eine Stärkung von Jugendpolitik und der Ermächtigung von jungen Menschen ein: „The frustration generated in young people that have no hope in the future is a major source of insecurity in today’s world. And it is essential that when Governments plan their economic activities, when the international community develops forms of cooperation, it is essential to put [...] youth skills [at] the centre of all priorities, [at] the centre of all projects [...]. Unfortunately, this sometimes tends to be forgotten. And one way to avoid 6. 114 Office of the Secretary General, Decision No. 2017/27: Youth, Senior Management Group Meeting vom 9. Februar 2017 (liegt den Autorinnen vor). Jugendarbeit als Jugendpartizipation 191 this to be forgotten is to bet strongly on the empowerment of young people.“115 In Deutschland selbst ist die Jugendarbeit der DGVN mittlerweile in den höchsten politischen Kreisen anerkannt. So empfing Bundespräsident Joachim Gauck junge aktive UN begeisterte Menschen anlässlich des 70. Gründungsjubiläums der Vereinten Nationen und würdigte zugleich das 10-jährige Bestehen des UN Jugenddelegierten-Programms im Jahr 2015.116 In diesem Beitrag konnte aufgezeigt werden, wie die Vereinten Nationen und die DGVN gleichermaßen eine progressive Einstellung zur Jugendbeteiligung entwickelt haben, wie nationale Umsetzung gesteuert werden kann und gleichzeitig für die Zukunft Entwicklungspotential vorhanden ist, vor allem im Bereich der Finanzierung sowie der materiellen und ideellen Unterstützung von Jugendengagement. Es sind die jungen Menschen selber, die derzeit im Vorstand und aus den Landesverbänden der DGVN hinaus die Jugendarbeit der DGVN antreiben. Dieser Beitrag hat versucht, die Jugendarbeit der DGVN möglichst umfassend darzustellen. Dabei sind die Autorinnen – wie zu Beginn dargestellt – sicherlich vor allem durch ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen geprägt. Deswegen konnten sicher nicht alle Aktionen und Projekte, vor allem auch einzelne Projekte der Landesverbände und der Hochschulgruppen, dargestellt werden. All diese Projekte, auch wenn sie in diesem Beitrag nicht explizit erwähnt werden, tragen umfassend zur Weiterentwicklung der DGVN Jugendarbeit und der Umsetzung der Ziele der Vereinten Nationen bei. Gleichwohl ist versucht worden, insbesondere den jugendpartizipativen Projekten in diesem Beitrag Rechnung zu tragen. Wenn man sich ‒ wie es die Vereinten Nationen über die vergangenen Jahrzehnte getan haben ‒ einer normativen Jugendagenda verschreibt, die Jugendpartizipation in den Mittelpunkt von Jugendarbeit stellt, dann lässt sich angesichts der Vielzahl erfolgreicher jugendpartizipativer Projekte in der DGVN festhalten: Nach 65 Jahren ist dies ein erfreulicher Status quo. 115 United Nations 2017, The Secretary-General's Remarks at Cairo University, https://www.un.org/sg/en/content/sg /statement/2017-02-15/secretary-generals-re marks-cairo-university. 116 DGVN 2017, 70 Jahre Vereinte Nationen: Bundespräsident Gauck im Gespräch mit jungen Menschen, http://www.dgvn.de/meldung/70-jahre-vereinte-nationen-b undespraesident-gauck-im-gespraech-mit-jungen-menschen. Hannah Birkenkötter/Heidrun Fritze/Ann-Christine Niepelt 192

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References

Abstract

The United Nations Association of Germany (DGVN) has been working for the United Nations since 1952. It informs, reports and advertises. But what does that mean exactly and how does the association pursue its objectives? On the occasion of the association's 65th anniversary, this anthology analyses these and other questions in six articles from different generational and professional perspectives. In this way, political sci-ence, legal, journalistic and historical expertise are incorporated into the anthology. This interdisciplinary approach is necessary in order for the authors to be able to comprehensively present and analyse the broad spectrum of an organisation such as the DGVN, which not only makes this publication an important contribu-tion to research but also to the political history of the Federal Republic of Germany.

The editors’ fields of research include German and international contemporary history (Nikolas Dörr) and the law of International Organisations (Norman Weiß).

With contributions by

Hannah Birkenkötter, Philippe Carasco, Heidrun Fritze, Klaus Hüfner, Rainer Lang, Ann-Christine Niepelt, Christian Stock, Helmut Volger

Zusammenfassung

Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) setzt sich seit 1952 für die Vereinten Nationen ein. Sie informiert, berichtet und wirbt. Doch was heißt das genau und was wird dadurch bewirkt? Diesen Fragen geht der Sammelband zum 65-jährigen Bestehen der Gesellschaft in sechs Beiträgen aus unterschiedlichen fachlichen und generationellen Perspektiven nach. Auf diese Weise fließen politikwissenschaftliche, rechtswissenschaftliche, journalistische und historische Expertise in den Sammelband ein. Den Herausgebern erscheint diese interdisziplinäre Herangehensweise nötig, um das breite Spektrum einer Organisation wie der DGVN umfassend darstellen und analysieren zu können. Damit schließt die Publikation eine Forschungslücke und leistet darüber hinaus einen Beitrag zur politischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Die Herausgeber forschen zur deutschen und internationalen Zeitgeschichte (Nikolas Dörr) und dem Recht der internationalen Organisationen (Norman Weiß).

Mit Beiträgen von:

Hannah Birkenkötter, Philippe Carasco, Heidrun Fritze, Klaus Hüfner, Rainer Lang, Ann-Christine Niepelt, Christian Stock, Helmut Volger