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Tobias Eberwein, Colin Porlezza, 5 Integration durch Partizipation? Funktionen (und Fehlleistungen) des digitalen Bürgerjournalismus in:

Nina Köberer, Marlis Prinzig, Michael Schröder (Ed.)

Migration, Integration, Inklusion, page 87 - 104

Medienethische Herausforderungen und Potenziale für die digitale Mediengesellschaft

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8487-4304-9, ISBN online: 978-3-8452-8508-5, https://doi.org/10.5771/9783845285085-87

Series: Kommunikations- und Medienethik, vol. 8

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Teil III: Perspektiven: Konzepte zur ethischen Neuvermessung der Integrationsleistung Integration durch Partizipation? Funktionen (und Fehlleistungen) des digitalen Bürgerjournalismus Tobias Eberwein & Colin Porlezza Abstract Partizipation ist in der aktuellen Medienproduktion zu einer Art Zauberwort geworden, an das allerlei Hoffnungen geknüpft sind. Vor allem dem digitalen Bürgerjournalismus werden immer wieder vielfältige Potenziale zugeschrieben. Ob und inwiefern Bürgerjournalisten im Web die Integrationsfunktion der Medien aufrechterhalten oder sogar stärken können, ist bislang allerdings weitgehend ungeklärt. Diese Frage erörtert der Beitrag anhand eines zweistufigen empirischen Forschungsdesigns aus komparativer Perspektive. Die Untersuchung zeigt, dass der digitale Bürgerjournalismus in Europa kaum als einheitliches Feld mit klar definierbaren Grenzen zu beschreiben ist. Motive und Zielsetzungen der Macher variieren in erheblichem Maße – sowohl im internationalen Vergleich als auch innerhalb der einzelnen Untersuchungsländer. Während einige Akteure ein vorwiegend technisches Interesse am partizipativen Publizieren haben, stehen bei anderen die Freude am Schreiben, die Vermittlung von Expertenwissen oder ein (wie auch immer ausgerichtetes) politisches Sendungsbewusstsein im Vordergrund. Anzeichen für eine integrierende Wirkung des digitalen Bürgerjournalismus lassen sich vor allem im Bereich der hyperlokalen Onlinemedien finden, deren Verantwortliche häufig das Ziel der Gemeinschaftsbildung als übergeordnetes Leitmotiv für ihre journalistische Tätigkeit ausgeben. Gleichzeitig werden jedoch auch Limitationen dieser Web-Formate deutlich, die schlussendlich nur ein ambivalentes Fazit mit Blick auf ihre gesellschaftliche Funktion zulassen. Einleitung und Problemstellung Das Konzept einer Integrationsfunktion der Medien hat in der Kommunikationswissenschaft eine lange Tradition (vgl. dazu Vlasic 2004 – oder auch den Beitrag von Alexander Filipović in diesem Band). Im Fokus des wissenschaftlichen Diskurses stand dabei bislang zumeist die Frage nach den integrierenden Wirkungen traditioneller Massenmedien – vor allem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (vgl. etwa Saxer 1990). Auch die Annahme, dass alternative Medien (Bürgermedien, Community Media, Citizen’s Media, Small Media usw.) durch ein erhöhtes Maß an Bürgerbe- 5 1. 89 teiligung den Prozess der medialen Integration stützen können, hat in der Vergangenheit bereits eine Reihe von Forschungsarbeiten nach sich gezogen (vgl. zuletzt beispielsweise Horz 2014). Diese Forschungslinie greift der vorliegende Beitrag mit einer Analyse partizipativer Onlinemedien in sechs europäischen Ländern auf. Ein solcher Zugang zur Debatte um Medien und Integration erscheint längst überfällig, denn partizipative Strategien der Content-Produktion sind seit geraumer Zeit in aller Munde: Nicht nur Kommunikationsforscher, sondern auch Medienpraktiker verweisen immer wieder auf die vielen Vorteile, die insbesondere der digitale Bürgerjournalismus mit sich bringt – etwa einen erleichterten Zugang zu vernachlässigten Themen, eine größere Vielfalt in der Berichterstattung, eine verbesserte Repräsentation zivilgesellschaftlicher Akteure, aber auch ein höheres Maß an Authentizität u.v.m. (vgl. z.B. Bruns 2011). Solche Qualitäten sind für den Journalismus gegenwärtig bedeutender denn je, weil die anhaltende Medienkrise das ökonomische Fundament und das professionelle Selbstverständnis vieler Medienakteure, aber auch das gesellschaftliche Vertrauen in den Journalistenberuf und die (professionelle) Berichterstattung nachhaltig untergraben hat – und das nicht nur im deutschsprachigen Raum (vgl. u.a. Brüggemann et al. 2015). Wenn aber der traditionelle Journalismus nicht mehr in der Lage ist, seiner gesellschaftlichen Aufgabe nachzukommen, dann liegt die Suche nach funktionalen Äquivalenten nahe. Dies soll hier mit besonderem Fokus auf die Integrationsfunktion der Medien geschehen. Am Beispiel des digitalen Bürgerjournalismus wird untersucht, ob und inwiefern Partizipation in journalistischen Onlineprojekten die Integrationsfunktion der Medien aufrechterhalten oder sogar stärken kann. Welche Motive und Ziele verbinden Bürgerjournalisten im digitalen Zeitalter mit ihrer Tätigkeit? Welche gesellschaftlichen Funktionen und Leistungen können sie damit erbringen? Gibt es im europäischen Bürgerjournalismus Best-Practice-Beispiele, die sich dem Integrationsauftrag der Medien in besonderem Maße verpflichtet fühlen? Was sind ihre hervorstechenden Leistungen – und was sind mögliche ethische Probleme, die im Kontext ihrer Tätigkeit entstehen? Diese Fragen beantwortet der Beitrag auf der Tobias Eberwein, Colin Porlezza 90 Basis einer empirischen Vergleichsstudie, für die mehr als 50 internationale Praktiker interviewt wurden.1 Bevor Methode und Ergebnisse dieser Studie im Detail vorgestellt werden können, ist es allerdings notwendig, einige definitorische Grundlagen zu klären. Dazu gehört zunächst eine genauere Auseinandersetzung mit dem Begriff Partizipation. Ebenso soll erörtert werden, was genau eigentlich im digitalen Zeitalter unter Bürgerjournalismus zu verstehen ist – und welche unterschiedlichen Typen und Spielarten dieses Konzepts sich im internationalen Vergleich entwickelt haben. Begriffliche Grundlagen Der Partizipationsbegriff ist in verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen präsent – und wird oft so unterschiedlich definiert, dass eine umfassende Begriffsgeschichte an dieser Stelle aus Platzgründen kaum möglich ist. Aus soziologischer Perspektive bezeichnet er die Einbeziehung von Individuen oder Gruppen in Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse, die in übergeordneten Strukturen stattfinden (vgl. etwa Hillmann 2007: 667) – das können Parteien, Interessenverbände oder sonstige gesellschaftliche Teilbereiche sein, aber eben auch Medienorganisationen. Vor allem im digitalen Zeitalter ist Partizipation zu einem schillernden Schlagwort geworden, an das allerlei Hoffnungen und Verheißungen geknüpft werden (vgl. Voss 2014). Dies soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade die Auseinandersetzung mit Partizipation im Kontext von Medien und Journalismus auf eine lange Geschichte zurückblicken kann (vgl. u.a. Welker 2013). Zentrale Referenz ist dabei meist die „Radiotheorie“ Bertolt Brechts (1967), der bereits 1932 forderte, der Rundfunk müsse von einem Distributions- zu einem Kommunikationsapparat entwickelt werden. Diese explizit emanzipatorische Theorielinie griff Ende der 1960er Jahre auch Hans Magnus Enzensberger (1981) für seinen „Baukasten der Medien“ auf. Jeder Empfänger solle zum potenziellen Sender werden, postulierte er dort – und äußerte die Hoffnung, dass durch die Aufhebung der traditio- 2. 1 Die empirische Studie wurde in Kooperation mit Michał Kuś (Universität Breslau) und Sergio Splendore (Universität Mailand) realisiert. Bei der Durchführung und Transkription der Interviews haben zudem Miriam Bunjes, Dorina Probst und Nadja Vogl mitgewirkt. Ihnen allen möchten die Autoren herzlich danken. 5 Integration durch Partizipation? 91 nellen Einbahnstraßen-Kommunikation letztlich auch ein politischer Lernprozess herbeigeführt werden könne. Praktische Relevanz erlangte dieses Konzept in Deutschland während der 1970er Jahre zunächst in der Etablierung zahlreicher alternativer Stadt- und Stadtteil-Magazine sowie später in der Gründung Offener Kanäle als Gegenentwurf zum kommerziellen Privat-Rundfunk, die ungelernten Bürgern eine Beteiligung an der aktuellen Medienproduktion ermöglichten (vgl. z.B. Rager/Rinsdorf 2000). Gegenwärtig führen die technischen Möglichkeiten der Onlinekommunikation jedoch dazu, dass die Barrieren zur autonomen Veröffentlichung von Medieninhalten weiter sinken: Die traditionelle Unterscheidung zwischen Medienproduzenten und -usern wird im World Wide Web zunehmend obsolet (vgl. Bruns 2009). Damit wird es allerdings auch notwendig, einen präziseren Blick auf den Partizipationsbegriff zu werfen. Aus diesem Grund differenziert beispielsweise Nico Carpentier (2011) Medienbeteiligung nach unterschiedlichen Graden der Mitwirkung in • ‚echte’ Partizipation, d.h. volle Beteiligung an einem Medium, • Zugang (access), d.h. Präsenz der Bürger in einem Medium, und • Interaktion zwischen Bürgern mittels Medien. Zur Veranschaulichung dieser Unterscheidung lässt sich das Beispiel des digitalen Bürgerjournalismus heranziehen, der in der aktuellen Medienpraxis höchst verschiedenartige Formen annehmen und damit auch unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten bieten kann. Bürgerjournalismus wird dabei mit Melissa Wall (2015; vgl. dazu und zum Folgenden auch Kuś et al. 2017) als Modus der öffentlichen Kommunikation definiert, der grundsätzlich die gleichen gesellschaftlichen Aufgaben wie professioneller Journalismus erfüllt, d.h. die Selektion und Verbreitung aktueller Themen zur Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Allerdings werden die relevanten Inhalte in der Regel von nicht-professionellen Akteuren beigesteuert – in den meisten Fällen von Mediennutzern, die sich der partizipativen Möglichkeiten digitaler Medien bemächtigen (vgl. Lewis/Kaufhold/Lasorsa 2010). Beispiele dafür finden sich in der Zulieferung einzelner Fotos oder Videos für journalistische Produktionen, in Beiträgen, die Bürgerjournalisten komplett in Eigenregie erarbeitet haben, oder auch in Blogs oder Websites, die auf kontinuierlicher Basis nicht-professionelle journalistische Inhalte verbreiten (vgl. Nah et al. 2015). Allerdings ermöglichen längst nicht alle dieser Beispiele ‚echte’ Mitwirkung am redaktionellen Handeln; gerade die Zulieferung von Fotos oder Videos stellt für viele Redaktionen eher Tobias Eberwein, Colin Porlezza 92 ein Instrument zur Nutzerbindung dar – und ist nicht selten in erster Linie durch Marketingüberlegungen motiviert (vgl. Schönhagen/Hofstetter/ Bosshart 2014). Um den vielgestaltigen Erscheinungsformen des digitalen Bürgerjournalismus Rechnung zu tragen, wurde für die hier präsentierte Studie – in Anlehnung an die Typologie von Carpentier (2011) und unter Rückgriff auf die umfangreiche empirische Forschung zu diesem Themenfeld (für einen Überblick vgl. etwa Lutz/Hoffmann/Meckel 2014) – ein integriertes Pyramiden-Modell entwickelt, das nicht nur unterschiedliche Typen bürgerjournalistischer Veröffentlichungen im Internet differenziert, sondern gleichzeitig auch verschiedene Partizipationsgrade erkennbar macht (vgl. Schaubild 1). Schaubild 1: Ein integriertes Modell des digitalen Bürgerjournalismus (vgl. ähnlich Kuś et al. 2017) PartizipativerJournalismus(innerhalb institutionalisierter Massenmedien)Plattform-basierter Bürgerjournalismus(außerhalb institutionalisierter Massenmedien)Individual-/Kleingruppen-Projekte(außerhalb institutionalisierter Massenmedien) Medienbezug: zunehmende Bindung an professionelle Redaktionen Partizipation: zunehmende Möglichkeit zu ‚echter’ Partizipation Schaubild 1: Ein integriertes Modell des digitalen Bürgerjournalismus(vgl. ähnlich Kuś et al. 2017) Die unterste Ebene der Pyramide wird dabei von Individual- oder Kleingruppen-Projekten eingenommen, die zahlenmäßig die größte, aber auch die heterogenste Gruppe im digitalen Bürgerjournalismus bilden. Die Initiative zu derartigen Projekten geht meist auf Einzelpersonen zurück, die zu einem eng eingegrenzten Themenfeld veröffentlichen – damit aber in der Regel auch nur relativ kleine Publika ansprechen. Sie verfügen im Vergleich zu den anderen Ebenen des Modells über stark eingeschränkte 5 Integration durch Partizipation? 93 finanzielle Mittel und haben nur in Ausnahmefällen standardisierte Arbeitsroutinen. Da sie weitgehend unabhängig von etablierten (Massen-)Medien agieren, ist die journalistische Autonomie ihrer Macher vergleichsweise groß. Allerdings ist auch die Fluktuation in diesem Bereich des Bürgerjournalismus hoch: Die meisten Projekte stehen und fallen mit dem Engagement ihrer Initiatoren; fehlt ihnen die Zeit für die redaktionelle Betreuung, verschwindet ihre Seite schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit. Dennoch: Das Ideal ‚echter’ Partizipation in der Medienproduktion wird hier zu weiten Teilen realisiert. Die mittlere Ebene des Modells umfasst den Bereich des plattform-basierten Bürgerjournalismus, der im Vergleich zur darunterliegenden Ebene deutlich komplexere organisatorische Strukturen und stärker standardisierte Produktionsprozesse aufweist. Dabei arbeiten in der Regel größere Teams mit ähnlichen (inhaltlichen oder ideologischen) Zielsetzungen an einem gemeinsamen Projekt – nicht selten angeleitet durch professionelle Medienpraktiker mit einschlägiger Berufserfahrung. Zwar agieren auch bürgerjournalistische Plattformen in der Regel formell autonom, Routinen und Kontrollen der redaktionellen Abläufe sind hier jedoch meist deutlich größer als im Bereich der Individual-Projekte. Damit wird – kaum vermeidbar – auch die Möglichkeit zu ‚echter’ Partizipation in allen journalistischen Tätigkeitsbereichen geringer. Die oberste Ebene im Pyramiden-Modell wird hier als partizipativer Journalismus im engeren Sinne benannt. Kennzeichnend für diese Spielart des Bürgerjournalismus ist seine enge Bindung an die etablierten Nachrichtenmedien: Mediennutzer liefern einer professionell arbeitenden Redaktion einzelne Inhalte – seien es Töne, Texte oder Bilder – zu und geben sie zur Weiterverarbeitung und Veröffentlichung frei. Dabei sind sie stets einer strengen (Qualitäts-)Kontrolle durch erfahrene journalistische Profis unterworfen, die genau überprüfen, welche Beiträge in welcher Form publiziert werden – obwohl es auch Ausnahmen von dieser Regel gibt, wie etwa das Beispiel der „Comment is free“-Sektion des britischen Guardian zeigt. Im Normalfall kommt es jedoch nicht zu ‚echter’ Partizipation in den journalistischen Produktionsabläufen. Bürgerjournalisten werden eher als Content-Lieferanten verstanden – was genau mit diesem Content geschieht, entzieht sich jedoch ihrer Einflusskraft. Inwiefern die hier unterschiedenen Typen des digitalen Bürgerjournalismus ein funktionales Äquivalent für den traditionellen Journalismus darstellen, hat die empirische Forschung bislang nicht verlässlich prüfen kön- Tobias Eberwein, Colin Porlezza 94 nen. An dieser Stelle setzt die Studie an, die in den nachfolgenden Abschnitten zusammengefasst ist. Methodisches Vorgehen Zur Klärung der offenen Fragen wurde zwischen Oktober 2015 und April 2016 ein zweistufiges empirisches Untersuchungsdesign in sechs europäischen Ländern (Großbritannien, Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Polen) umgesetzt, die jeweils unterschiedliche journalistische Kulturen (vgl. Hallin/Mancini 2004, 2012) und auch unterschiedliche Muster der Entwicklung des digitalen Bürgerjournalismus repräsentieren. In jedem der Vergleichsländer wurden zunächst systematische desk studies durchgeführt, die es erlaubten, das Feld des Bürgerjournalismus zu strukturieren und die relevantesten Projekte zu identifizieren. Dafür wurden zum einen bestehende Online-Datenbanken oder -Verzeichnisse zum Bürgerjournalismus nach Beispielen durchsucht – für den deutschen Sprachraum etwa kiezblogs.de, für den Bereich der hyperlokalen Nachrichten-Websites in Großbritannien beispielsweise localweblist.net. Zum anderen wurde mit Hilfe des Google News Scrapers2 über Suchbegriffe wie „Bürgerjournalismus“, „partizipativer Journalismus“, „kollaborativer Journalismus“ usw. die journalistische Meta-Berichterstattung zu diesem Themenfeld analysiert. Auf dieser Grundlage ließ sich eine Liste mit zunächst knapp 250 bürgerjournalistischen Projekten kompilieren, die in einem iterativen Forschungsprozess auch während des nachfolgenden Erhebungsschritts weiter ergänzt wurde und so einen ersten Überblick über den Forschungsgegenstand ermöglichte. In diesem zweiten Schritt wurden anschließend problemzentrierte Interviews (Witzel 2000) mit insgesamt 54 Bürgerjournalisten (neun pro Vergleichsland) geführt, die – analog zum zuvor entwickelten Pyramiden-Modell – in jeweils unterschiedlichen Partizipationsgraden in die praktische journalistische Arbeit an ihren Projekten involviert waren. Die leitfadengestützten Gespräche wurden in der Mehrzahl telefonisch oder via Skype realisiert – im Normalfall in der jeweiligen Landessprache. Sie dauerten im Durchschnitt zwischen 45 und 50 Minuten. Alle Gespräche wurden vollständig transkribiert und sodann in einer englischsprachigen Zusam- 3. 2 https://tools.digitalmethods.net/beta/googleNews/ 5 Integration durch Partizipation? 95 menfassung für die komparative Auswertung nach den Prinzipien der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring 2003) aufbereitet. Auf diese Weise wurde es möglich, auch das ‚Innenleben’ der untersuchten Projekte – also die organisatorischen Rahmenbedingungen, aber auch die Motive der Macher und ihre normative Polung – kennenzulernen und zu evaluieren. Befunde Die in beiden Erhebungsschritten zusammengetragenen Daten legen nahe, den digitalen Bürgerjournalismus in Europa als polymorphes und hochgradig fragmentiertes Feld zu beschreiben, das nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen ist. Das zeigt sich nicht nur in den divergierenden (Aus-)Bildungswegen, die die Akteure durchlaufen haben, bevor sie sich als Bürgerjournalisten engagieren (vgl. dazu ausführlich Kuś et al. 2017). Auch die Motive und Ziele, die sie mit ihrer Tätigkeit verbinden, unterscheiden sich zum Teil erheblich. Motive und Ziele digitaler Bürgerjournalisten Auf der Grundlage der Selbstauskünfte, die die Bürgerjournalisten in den Interviews preisgegeben haben, lassen sich wenigstens fünf unterschiedliche Akteursgruppen differenzieren, in denen jeweils ganz unterschiedliche Gründe für den Weg in das Feld dominieren: die der Programmierer, der Experten, der Aktivisten, der Humanisten und der Gemeinschaftsbildner. Als Programmierer sind diejenigen Akteure zu verstehen, die im Bürgerjournalismus in erster Linie eine willkommene Möglichkeit sehen, ihre EDV-Kenntnisse auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Dieser Typus war vor allem in der Frühphase des Bürgerjournalismus gängig, als ein gewisses Maß an technischer Expertise unabdinglich war, um eine Website – oder einen Newsletter – ins Leben zu rufen. Das Internet war dabei zunächst einmal nicht mehr als ein praktisches Vehikel, um Informationen – egal welcher Art – an ein interessiertes Publikum weiterzugeben. Mit dem Aufkommen sozialer Medien wie Facebook oder Twitter und der wachsenden Verbreitung freier Blogging-Software (z.B. WordPress) sind Programmierkenntnisse auch im Bürgerjournalismus allerdings zunehmend unwichtiger geworden, wodurch sich auch das Selbstverständnis vieler Macher verändert hat. 4. 4.1 Tobias Eberwein, Colin Porlezza 96 Experten sind demgegenüber jene Bürgerjournalisten, die über Spezialwissen zu einem bestimmten Themenfeld verfügen – und dieses publizistisch in ihrem Projekt verarbeiten. Häufig handelt es sich dabei um Nischenthemen, die so eng zugeschnitten sind, dass sie in etablierten Massenmedien aufgrund mangelnder Relevanz in der Regel keine Berücksichtigung finden. Im Bürgerjournalismus sind derartige Beschränkungen jedoch unüblich; hier kann jeder versuchen, seinem Thema die erhoffte Publizität zu verschaffen. Anders als Experten sind Aktivisten darum bemüht, Nachrichten und Kommentare zu produzieren, um sich damit für die Lösung eines gesellschaftlichen Problems einzusetzen. Ihre Zielsetzungen als Bürgerjournalisten sind dabei meist Teil eines weiter reichenden gesellschaftspolitischen Engagements. Nicht selten kommt es zu einem direkten Schlagabtausch mit professionellen Medienmachern, deren Veröffentlichungen sie als einseitig und voreingenommen kritisieren. Bürgerjournalismus ist in diesem Fall eng verknüpft mit dem Konzept der Gegenöffentlichkeit (vgl. Negt/ Kluge 1972), das den Vermittlungsformen der Mainstream-Medien eine Alternative gegenüberstellen möchte. Ein derartiges politisches Sendungsbewusstsein ist den Humanisten unter den Bürgerjournalisten völlig fremd: Sie publizieren Inhalte im Netz vor allem aus Freude am kreativen Schreiben. Bürgerjournalismus begreifen sie als intellektuelle Übung, die im besten Fall dabei helfen kann, den eigenen Schreibstil weiterzuentwickeln. Viele Akteure dieser Gruppe haben einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund und pflegen ein besonderes Interesse an literarischen Formen. Manch einer sieht im bürgerjournalistischen Schreiben gar ein Sprungbrett zur erhofften Karriere als hauptberuflicher Autor. Demgegenüber geht es der Gruppe der Gemeinschaftsbildner vor allem um die Pflege einer Community. Diese kann – wie etwa bei vielen hyperlokalen Projekten – durch einen eingegrenzten geografischen Raum definiert sein, aber auch durch eine gemeinsame Weltanschauung, eine Ideologie oder sonstige manifestierbare Interessen. Zentral ist in allen Fällen das Bemühen, ein Gefühl von Zusammenhalt und Miteinander zu schaffen und über eine gemeinsame Online-Plattform zum Ausdruck zu bringen. Dies kann in Opposition zu, aber auch in Kooperation mit etablierten Nachrichtenmedien geschehen. 5 Integration durch Partizipation? 97 Neue Chancen für die mediale Integration In Abhängigkeit von den vielfältigen Motiven der interviewten Bürgerjournalisten variieren auch die gesellschaftlichen Funktionen und Leistungen ihrer publizistischen Tätigkeit. So entsprechen die Zielsetzungen der Experten beispielsweise am ehesten der klassischen Informationsfunktion der Massenmedien, den Aktivisten geht es eher um Meinungsbildung bzw. Kritik und Kontrolle, den Humanisten hingegen um Rekreation und Unterhaltung, usw. Eine Integrationsfunktion des digitalen Bürgerjournalismus lässt sich gegenwärtig vor allem im Bereich der Gemeinschaftsbildner ausmachen. Die inhaltlichen und organisatorischen Strategien der Projekte in dieser Akteursgruppe unterscheiden sich jedoch zum Teil erheblich, wie einige beispielhaft ausgewählte Fallstudien verdeutlichen. So schreibt sich die Plattform Ruhrblogger.de laut Gründer Serdar Ablak beispielsweise das Leitmotiv eines „de-eskalierenden Journalismus“3 auf die Fahnen. Die Non-Profit-Seite wurde 2014 als Projekt des Vereins Ruhrdialog ins Leben gerufen, um „die Bürger im Ruhrgebiet zu einem interkulturellen Dialog zu bewegen“. Ursprünglich konzentrierte sich die Seite, für die fünf regelmäßige Autoren und zahlreiche Gastbeiträger schreiben, vor allem auf regionale Themen mit interkultureller und interreligiöser Bedeutung. Im Laufe der Zeit wurde die Themenpalette aber immer breiter – und reicht heute von urbaner Kunst, Architektur, Industriekultur bis hin zu Mode, Sport, Kultur, Wissenschaft, Technologie, Bildung und Politik. Wichtig ist Ablak bei der Aufbereitung der Themen, dass ein „dialogischer Ansatz“ zum Tragen kommt: Es gilt das Prinzip der Unparteilichkeit, nach dem alle Seiten einer Geschichte angehört und miteinander in Verbindung gebracht werden sollen. Ist ein Thema zu konfliktträchtig, wird es im Zweifelsfall eher nicht weiter verfolgt. Denn, so erklärt Ablak: „Wir wollen, dass die Menschen in einen Dialog miteinander eintreten – und nicht gegeneinander.“ Um Dialog geht es auch der Schweizer Plattform beiUns.ch – allerdings mit gänzlich anderen Mitteln. Ähnlich wie das deutsche Pendant myheimat.de versteht sich die 2011 gegründete Seite als „Mitmach-Medium“ mit niedrigen Zugangsbarrieren: Alle Bewohner der Zentralschweiz sind eingeladen, sich mit Beiträgen aus ihrem Quartier, ihrem Ort oder ihrer 4.2 3 Alle direkten Zitate, die keiner spezifischen Quelle zugeschrieben sind, entstammen den für diese Studie durchgeführten Interviews. Tobias Eberwein, Colin Porlezza 98 Gemeinde zu beteiligen – und das tun sie mit Texten, Bildern und Videos über aktuelle Geschehnisse, kulturelle Veranstaltungen, Vereinsanlässe oder persönliche Erfahrungen. Mit einem Fokus auf lokale und hyperlokale Inhalte will beiUns.ch laut Mitbegründer Bruno Affentranger den Autoren die Möglichkeit geben, „sich untereinander auszutauschen, Gleichgesinnte zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen“. Allerdings ist die Seite unmoderiert, was nicht nur den gezielten Dialog erschwert, sondern häufig auch zur Missachtung journalistischer Qualitätsstandards führt. „Vielen Autoren sind selbst einfache journalistische Grundregeln völlig fremd“, gibt Affentranger zu bedenken. Ein wiederum anderes Verständnis von Dialog und Gemeinschaftsbildung verfolgt die britische Seite bell¿ngcat, die der Netzaktivist Eliot Higgins 2014 mit Hilfe einer Crowdfunding-Initiative auf die Beine gestellt hat. Ihm schwebte dabei weniger ein organisatorischer Rahmen für Berichterstattung über lokale oder regionale Begebenheiten vor, sondern vielmehr der Aufbau eines investigativen Recherchenetzwerks. Gemeinsam mit netzaffinen Laien-Rechercheuren aus aller Welt untersucht Higgins Themen wie die Drogenkriege in Mexiko oder den Einsatz von Waffen im syrischen Bürgerkrieg – und sorgt damit immer wieder für Aufsehen. Ein integrierendes Wir-Gefühl entsteht dabei nicht aufgrund von Ortsverbundenheit, sondern durch die gemeinsamen Bemühungen, gesellschaftliche Missstände aufzudecken: „bell¿ngcat bringt Leute zusammen, die im Bereich der Open-Source-Recherche arbeiten, und gibt ihnen eine gemeinsame Stimme“, erklärt Higgins. „Was wir machen, machen wir als Team.“ Neue Normen und Werte? So unterschiedlich die hier nur exemplarisch vorgestellten Konzepte eines integrierenden Bürgerjournalismus sind, so vielseitig sind auch die dabei durchscheinenden Vorstellungen von journalistischer Qualität und Ethik. Auf die Frage nach den wichtigsten Normen und Werten, die ihr Engagement als Bürgerjournalisten beeinflussen, verwies ein Teil der Gesprächspartner in der Interviewstudie auf Konzepte wie Wahrhaftigkeit, Präzision, Objektivität, Unparteilichkeit usw. – also eben jene Qualitätskriterien, die den journalismusethischen Diskurs in westlichen Demokratien seit Jahrzehnten prägen. Nicht wenige Befragte erklärten allerdings, dass Normen wie Transparenz und Responsivität für sie eine weit wichtigere Rolle spie- 4.3 5 Integration durch Partizipation? 99 len – ein erster Beleg für die Annahme, dass die Ethik des Journalismus in digitalen Medienumgebungen in einen kaum aufzuhaltenden Transformationsprozess eingetreten ist (vgl. dazu Eberwein/Porlezza 2016). Welche Leitlinien und Regelwerke steuern also die Qualitätskonzepte digitaler Bürgerjournalisten? Die Selbstauskünfte der befragten Akteure lassen auch hier wenigstens fünf unterschiedliche Argumentationslinien erkennen: Ein überraschend großer Teil der Bürgerjournalisten unterscheidet sich in dieser Hinsicht kaum von professionellen Medienschaffenden: Sie gaben an, die in ihrem jeweiligen Umfeld gültigen Ethik-Kodizes – etwa die Publizistischen Grundsätze des Deutschen Presserats oder die Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten des Schweizer Presserats – zu kennen und zu beherzigen. Nicht wenige Akteure distanzierten sich aber auch von den etablierten Regelwerken der Presse- und Medienräte. Sie haben für ihre bürgerjournalistischen Projekte eigene Ethik-Kodizes oder wenigstens grundsätzliche Empfehlungen im Sinne der Netiquette zusammengetragen, die sie für sich und ihre Mitstreiter als verbindlich erachten. Wiederum andere Bürgerjournalisten sträuben sich gegen eine allzu verbindliche Kodifizierung von Qualitätsstandards. Ethische Probleme lösen sie eher fallbasiert – und bauen dabei einerseits auf ihre persönliche Urteilskraft, anderseits auf eine selektive Adaption naheliegender ethischer Normen. Manche Bürgerjournalisten weisen die Verantwortung für normative Setzungen allerdings auch vehement von sich – und führen stattdessen das Publikum als Referenzgröße ein. Als ethisch korrekt gilt in dieser Sichtweise das, was die Nutzer einer Website für korrekt erachten. Wird beispielsweise in den Kommentaren zu einem Beitrag Kritik geäußert, müssen sich die Autoren verpflichtet fühlen, darauf zu reagieren. Bleibt Kritik aus, gibt es auch kein Problem. Qualitätsstandards entstehen dabei in einem stetigen Aushandlungsprozess zwischen allen beteiligten Akteuren, der allerdings grundsätzlich unabgeschlossen ist – und somit auch kaum zu dauerhaft gültigen und verallgemeinerbaren Leitlinien führen kann. Darüber hinaus fanden sich in der empirischen Studie auch einige Bürgerjournalisten, die ohne Umschweife zugaben, dass journalistische Ethik für sie grundsätzlich irrelevant sei. Ihren Veröffentlichungen fehlt damit ein erkennbares Wertefundament. Ob sie unter diesen Umständen noch als funktionales Äquivalent zum professionellen Journalismus gelten können, scheint zumindest fragwürdig. Tobias Eberwein, Colin Porlezza 100 Schlussfolgerungen Die empirische Studie macht deutlich, dass der digitale Bürgerjournalismus in Europa kaum als einheitliches Feld mit klar definierbaren Grenzen zu beschreiben ist. Motive und Zielsetzungen der Macher variieren in erheblichem Maße: Während einige der Akteure ein vorwiegend technisches Interesse am partizipativen Publizieren haben, stehen bei anderen die Freude am Schreiben, die Vermittlung von Expertenwissen oder ein (wie auch immer ausgerichtetes) politisches Sendungsbewusstsein im Vordergrund. Anzeichen für eine gesellschaftlich integrierende Funktion des digitalen Bürgerjournalismus lassen sich vor allem im Bereich der hyperlokalen Onlinemedien finden, deren Verantwortliche häufig das Ziel der Gemeinschaftsbildung als übergeordnetes Leitmotiv für ihre journalistische Tätigkeit ausgeben. Dabei zeigt sich aus komparativer Perspektive, dass eigentlich alle Typen des digitalen Bürgerjournalismus in Europa breit gestreut sind: Nicht nur im internationalen Vergleich sondern auch innerhalb der einzelnen Untersuchungsländer lässt sich eine große Bandbreite unterschiedlicher Projekte nachweisen. Die größte Anzahl entsprechender Initiativen findet sich in den dominanten Medienmärkten Großbritanniens und Deutschlands, die in vielen Fällen Vorbildcharakter für die kleineren Nachbarländer haben. Auffällig ist dabei, dass gerade das Feld des plattform-basierten Bürgerjournalismus in Großbritannien und Deutschland besonders weit entwickelt scheint: Viele Projekte in diesem Bereich weisen quasi-professionelle Strukturen auf und stellen mitunter eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die etablierten Nachrichtenmedien dar. Demgegenüber ist in den anderen Untersuchungsländern die Zahl der Individual- und Kleingruppen-Projekte im Verhältnis größer, auch wenn es nur wenigen von ihnen gelingt, einen nachhaltigen Einfluss auf den öffentlichen Diskurs zu erlangen. Partizipativer Journalismus innerhalb institutionalisierter (Massen-)Medien ist in Italien und Polen zum Zeitpunkt der Erhebung ein weitgehend unbekanntes Phänomen. Auf der Grundlage der empirischen Erhebungen lassen sich darüber hinaus verschiedene internationale Beispiele identifizieren, die das Integrationspotenzial des digitalen Bürgerjournalismus in besonderem Maße veranschaulichen. Projekte wie Ruhrblogger.de, beiUns.ch oder bell¿ngcat legen nahe, dass die Zielsetzung der Gemeinschaftsbildung bislang vor allem im Rahmen von kleingruppen- oder plattform-basierten Initiativen realisiert wird. Auch hier lässt sich ein deutlicher Trend zur Professionali- 5. 5 Integration durch Partizipation? 101 sierung ausmachen. Allerdings bleibt fraglich, ob einige wenige Einzelstimmen mit einem begrenzten Publikum tatsächlich zu einer langfristigen Stärkung der Integrationsfunktion beitragen können. Zudem werden beim Blick auf die ethischen Grundlagen dieser Projekte weitere Limitationen deutlich: Bei weitem nicht alle Web-Formate verfügen über ein einheitliches Wertefundament; mitunter stellen sie gängige journalistische Qualitätskriterien sogar offen in Frage – und verlieren die gesellschaftliche Aufgabe des Journalismus damit aus dem Blick. Ein konstruktiver Austausch mit Medienprofis oder eine stärkere Vernetzung untereinander könnten sicherlich zur Selbstvergewisserung der verantwortlichen Macher beitragen – und damit auch ihr journalistisches Profil schärfen. So lange dies ausbleibt, scheint als Fazit schlussendlich nur ein ambivalenter Blick auf ihre gesellschaftlichen Funktionen und Leistungen möglich. Literatur Brecht, Bertolt (1967): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. In: ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 18. Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 127-134. Brüggemann, Michael / Humprecht, Edda / Kleis Nielsen, Rasmus / Karppinen, Kari / Cornia, Alessio / Esser, Frank (2015): Framing the newspaper crisis. How debates on the state of the press are shaped in Finland, France, Germany, Italy, United Kingdom and United States. In: Journalism Studies 17 (5), S. 533-551. Bruns, Axel (2009): ‚Anyone Can Edit‘: Vom Nutzer zum Produtzer. In: kommunikation@gesellschaft 10. 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Abstract

High-quality journalism reflects all actors in a society and opens up a forum for them. This type of journalism sees social functions as well as social integration and inclusion as some of its core tasks. In a democratic society, the media, that is, public broadcasters as well as private and commercial media, have a mandate to contribute to social cohesion. Everyone is encouraged to mediate between different social groups. Dealing with such tasks has always been a major and ethically significant challenge for the media. It has grown under the conditions created by the digital transformation of the media landscape and in the current climate of mass migration. In this book, academics and journalists reflect on the possibilities and limits of framing and supporting social integration.

With contributions by

Mariella Bastian, Janis Brinkmann, Marcus da Gloria Martins, Bernhard Debatin, Tobias Eberwein, Korbinian Eisenberger, Susanne Fengler, Alexander Filipovic, Regina Greck, Michael Haller, Rieke Havertz, Jessica Heesen, Volker Herres, Steffen Jenter, Katja Kaufmann, Larissa Krainer, Carmen Krämer, Kerstin Liesem, Sandra Müller, Colin Porlezza, Marlis Prinzing, Michael Schröder, Leonie Seng, Fabian Sickenberger, Judyta Smykowski, Ingrid Stapf, Anna Carina Zappe

Zusammenfassung

Journalismus mit hoher Qualität bildet möglichst alle Akteure einer Gesellschaft ab und öffnet ihnen ein Forum. Ein solcher Journalismus sieht in sozialen Funktionen und damit auch in der gesellschaftlichen Integration und Inklusion eine seiner Kernaufgaben. In einer demokratischen Gesellschaft haben Medien den Auftrag, zum sozialen Zusammenhalt beizutragen – und zwar öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten ebenso wie privat-kommerzielle Medien. Alle sind aufgefordert, zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu vermitteln. Die Bewältigung solcher Aufgaben war immer schon eine große und ethisch sehr bedeutsame Herausforderung für die Medien. Unter den Bedingungen des digitalen Wandels der Medienlandschaft und in der aktuellen Situation der Zuwanderung ist sie noch gewachsen. Wissenschaftler und journalistische Praktiker reflektieren die Möglichkeiten und Grenzen, gesellschaftliche Integration zu rahmen und zu unterstützen.

Mit Beiträgen von

Mariella Bastian, Janis Brinkmann, Marcus da Gloria Martins, Bernhard Debatin, Tobias Eberwein, Korbinian Eisenberger, Susanne Fengler, Alexander Filipovic, Regina Greck, Michael Haller, Rieke Havertz, Jessica Heesen, Volker Herres, Steffen Jenter, Katja Kaufmann, Larissa Krainer, Carmen Krämer, Kerstin Liesem, Sandra Müller, Colin Porlezza, Marlis Prinzing, Michael Schröder, Leonie Seng, Fabian Sickenberger, Judyta Smykowski, Ingrid Stapf, Anna Carina Zappe