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Judith Maja Pütter

Nachhaltigkeitsberichterstattung in West-, Mittel- und Osteuropa

Ein Ländervergleich

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8487-4140-3, ISBN online: 978-3-8452-8448-4, https://doi.org/10.5771/9783845284484

Series: Controlling Praxis

Bibliographic information
Controlling & Business Analy tics Judith Maja Pütter Nachhaltigkeitsberichterstattung in West-, Mittel- und Osteuropa Pü tt er N ac hh al ti gk ei ts be ri ch te rs ta tt un g in W es t- , M it te lun d O st eu ro pa Nomos Ein Ländervergleich Herausgegeben von Prof. Dr. Mischa Seiter und Prof. Dr. Mathias Klier ISBN 978-3-8487-4140-3 Gründungsherausgeber: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Péter Horváth und Prof. Dr. Thomas Reichmann BUC_Pütter_4140-3.indd 1 21.08.17 15:48 Die Reihe „Controlling & Business Analytics“ wird herausgegeben von Prof. Dr. Mischa Seiter, Universität Ulm Prof. Dr. Mathias Klier, Universität Ulm Gründungsherausgeber: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Péter Horváth, Universität Stuttgart Prof. Dr. Thomas Reichmann, Universität Dortmund BUT_Pütter_4140-3.indd 2 21.08.17 15:45 Judith Maja Pütter 2.Auflage Nachhaltigkeitsberichterstattung in West-, Mittel- und Osteuropa Nomos Ein Ländervergleich BUT_Pütter_4140-3.indd 3 21.08.17 15:45 D 93 1. Auflage 2017 © Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017. Gedruckt in Deutschland. Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der photomechanischen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten. Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Zugl.: Stuttgart, Univ., Diss., 2016 ISBN 978-3-8487-4140-3 (Print) ISBN 978-3-8452-8448-4 (ePDF) Die Schriftenreihe „Controlling & Business Analytics“ lag bis 2016 federführend bei den Gründungsherausgebern und erschien unter dem Titel „Controlling Praxis“. Dieses Dissertationsprojekt wurde von der Péter Horváth-Stiftung unterstützt. BUT_Pütter_4140-3.indd 4 21.08.17 15:45 Für Masami Pütter-Onoda und Gottfried Pütter いつもお世話になっております。 7 Geleitwort Das Thema Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahrzehnten für die Unternehmen kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Sowohl die Wissenschaft als auch die Praxis haben sich in dieser Zeit mit wachsender Intensität mit den damit verbundenen theoretischen und praktischen Fragen auseinandergesetzt. Ein zentraler Themenkomplex ist dabei die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Unternehmen haben ein durchaus wirtschaftliches Interesse daran, über ihre diesbezüglichen Aktivitäten alle Stakeholder zu informieren. Für alle Stakeholder bilden inzwischen Informationen über das nachhaltige Wirtschaften von Unternehmen eine wichtige Entscheidungsgrundlage: Zunehmend bestimmt die Nachhaltigkeit das Konsumentenverhalten. Mitarbeiter wollen in Unternehmen mit einer positiven Nachhaltigkeitsreputation arbeiten usw. Trotz ihrer wachsenden Bedeutung ist die Offenlegung von Informationen über Nachhaltigkeitsaktivitäten noch weitgehend freiwillig. Dies soll sich durch die 2014 beschlossene EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ändern. Empirische Studien mit dem Schwerpunkt Westeuropa zeigen, dass sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung sowohl hinsichtlich der Anzahl berichtender Unternehmen als auch hinsichtlich der Qualität der Berichte sehr positiv entwickelt. Die Unternehmen in Mittel- und Osteuropa stehen allerdings noch am Anfang ihres Nachhaltigkeitsreportings. Über Berichtshäufigkeiten und -strukturen hier ist noch zu wenig bekannt. Im Hinblick auf die EU-Nachhaltigkeitsreport-Richtlinie, die natürlich auch in den neuen Beitrittsländern in Mittel- und Osteuropa umgesetzt werden soll, ist wichtig, den Kenntnisstand zu verbessern. Die von Frau Judith Pütter hier vorgelegte Dissertation leistet einen wichtigen Beitrag zur Füllung der bestehenden Wissenslücke. Sie geht aus einer von der Péter Horváth-Stiftung geförderten empirischen Untersuchung hervor, die alle zehn neuen EU-Mitgliedsländer umfasste. Frau Pütter ist es hervorragend gelungen, die mit der Untersuchung verbundenen sprachlichen und geographischen Hürden zu meistern. Ihre Arbeit ist in dreifacher Hinsicht sehr wertvoll: Ihr wissenschaftlicher Wert besteht darin, dass hier ein Bezugsrahmen für die Analyse länderübergreifender Unterschiede in der Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt 8 wird. Der praktische Nutzen wird zweitens durch den empirischen Vergleich zwischen Westeuropa und den EU-Beitrittsländern geliefert. Schließlich werden pragmatisch konkrete Gestaltungsempfehlungen zum Aufbau und zur Implementierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung geliefert. Diese drei Ergebnisaspekte machen die Arbeit von Frau Pütter zu einer sehr empfehlenswerten Lektüre für alle an diesem Thema Interessierten in Wissenschaft und Praxis. Stuttgart im April 2017 Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Péter Horváth 9 Vorwort - お疲れ様でした。 Dieses wissenschaftliche Werk wurde im Juni 2016 von der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart als Dissertation angenommen und ist parallel zu meiner Tätigkeit am International Performance Research Institute entstanden. Es ist nun an der Zeit, mich bei den Personen zu bedanken, deren Mitwirkung maßgeblich zum Erfolg dieses Werkes beigetragen hat. An erster Stelle möchte ich mich bei meinem verehrten akademischen Lehrer und Doktorvater Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Péter Horváth für den notwendigen Gestaltungsrahmen, das Vertrauen, die vielen Impulse und die Unterstützung in den verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses bedanken. Prof. Dr. Burckhard Pedell danke ich sehr für die Übernahme des Zweitgutachtens. Mein Dank geht auch an alle Projektbeteiligten aus Mittel- und Osteuropa für die langjährige hervorragende Zusammenarbeit. Ohne ihre Initiative wären die Forschungsergebnisse nicht entstanden. Dabei möchte ich insbesondere Prof. Dr. Toomas Haldma, Prof. Dr. Nidžara Osmanagić, Prof. Dr. Lina Dagilienė, Piotr Ratajczak und Dr. Tamás Tirnitz hervorheben, die durch ihre konstruktive Kritik, ermunternden Worte und viel Optimismus zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Ich hatte eine schöne und lustige Zeit am Institut. Besonders danke ich Dr. Ute David, Marcel Gebhardt, Dr. Rebecca Geiger, Marc Rusch und Goran Sejdic für die vielen wertvollen Diskussionen, lustigen Momente und gemeinsamen Erlebnisse, die diese Zeit zu einem unvergesslichen Lebensabschnitt geprägt haben. Ebenso vielen Dank an Prof. Dr. Urban für seine Motivation und sein fortwährendes Interesse an meiner Arbeit. Weiterhin möchte ich mich bei Hannah Schielinsky und Linda Zehender für die kritische und kompetente Durchsicht des Manuskripts bedanken. Größter Dank gilt meinen Eltern Masami und Gottfried Pütter, die mir diesen Weg ermöglicht und den Grundstein für meinen Wissendurst gelegt haben sowie meinen Geschwistern Carol und Christoph, die mich tatkräftig und emotional in allen Entscheidungen unterstützt haben. Und schließlich gilt der herzlichste Dank meinem Mann Prof. Dr. Hermann Lücken. Nur durch seinen liebevollen Zuspruch und die andauernde Ermunterung konnte ich dieses Projekt erfolgreich schließen. 11 Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis 15 Tabellenverzeichnis 17 Abkürzungsverzeichnis 19 1. Einleitung 21 1.1 Problemstellung und Forschungsfragen 21 1.2 Zielsetzung 25 1.3 Vorgehensweise 26 1.4 Angestrebte Ergebnisse und Innovationsbeitrag der Arbeit 28 1.5 Aufbau der Arbeit 30 2. Begriffserklärungen und Grundlagen 33 2.1 Begriff Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung 34 2.2 Nachhaltigkeitsberichterstattung 38 2.2.1 Grundlagen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung 39 2.2.2 Historische Entwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung 40 2.2.3 Ziele und Nutzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung 42 2.2.4 Regulatorische Grundlagen 44 2.2.5 Formate 45 2.2.6 Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung 47 2.2.7 Standards und Qualitätssicherung 48 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 51 3.1 Regionaler Fokus 52 3.2 Unternehmerische Verantwortung in Mittel- und Osteuropa 55 3.2.1 Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im sozialistischen Kontext 55 79 Inhaltsverzeichnis 12 3.2.2 Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt in der Transformationszeit (1989 - 2008) 58 3.2.3 Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im gegenwärtigen Mittel- und Osteuropa (seit 2008) 61 3.3. Zwischenfazit 62 4. Stand der Forschung 65 4.1 Nachhaltigkeitsberichterstattung in MOE 65 4.2 Einflussfaktoren der Nachhaltigkeitsberichterstattung 70 4.3 Implikationen für die vorliegende Arbeit 75 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 79 5.1 Theoretischer Bezugsrahmen: Das National Business Konzept als Erklärungsansatz für landesspezifische Unterschiede 5.2 Hypothesenableitung 85 5.2.1 Vorüberlegung 85 5.2.2 Unterschiedshypothesen 85 5.2.3 Zusammenhangshypothesen 87 5.2.4 Zusammenfassung der Hypothesen 102 5.3 Methoden der Datensammlung 103 5.3.1 Beschreibung des Untersuchungssamples 104 5.3.2 Datenerhebungsmethode 107 5.3.3 Gütebeurteilung des Messvorgangs 111 5.4 Operationalisierung (Bezug zu früheren Studien) 113 5.5 Methoden der Datenaufbereitung und -auswertung 119 5.5.1 Kreuztabellierung und Chi-Quadrat-Tests 119 5.5.2 Logistische Regression 120 5.5.2.1 Erklärungen und Voraussetzungen 120 5.5.2.2 Bewertung des Schätzmodells 122 5.6 Zentrale Ergebnisse 127 5.6.1 Deskription der Ergebnisse 127 5.6.2 Unterschiedshypothesen 133 5.6.3 Zusammenhangshypothesen 136 5.6.3.1 Überprüfung der Voraussetzungen 136 5.6.3.2 Überprüfung der Güte des Gesamtmodells 137 5.6.3.3 Überprüfung der einzelnen Prädikatoren 140 5.7 Interpretation der Ergebnisse 142 Inhaltsverzeichnis 13 5.8 Limitationen 150 5.9 Implikationen für Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftspolitik 152 5.9.1 Implikationen für die Wirtschaft 152 5.9.2 Wirtschaftspolitische Implikationen 154 5.9.3 Implikationen für die Wissenschaft 155 6. Modell 2: Interne Faktoren 157 6.1 Triangulation als Forschungsmethode 157 6.2 Untersuchungsvorgang 159 6.2.1 Auswahl der Experten 162 6.2.2 Konzeption 165 6.2.3 Überprüfung der Gütekriterien der qualitativen 6.2.4 Durchführung der Interviews 171 6.2.5 Datenauswertung 172 6.3 Ergebnisse der Experteninterviews 178 6.3.1 Definition von unternehmerischer Nachhaltigkeit und Verankerung im Unternehmen 178 6.3.2 Motivation und Hindernisse, eigenständige Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen 181 6.3.3 Interne Prozesse der Berichterstattung 183 6.3.4 Zukunftsvision 185 6.4 Interpretation der Experteninterviews 186 6.5 Ableitung der Hypothesen 194 6.6 Operationalisierung der Variablen 196 6.7 Standardisierte Befragung: Der Fragebogen 201 6.7.1 Entwicklung und Aufbau des Fragebogens 201 6.7.2 Durchführung der Fragebogenumfrage 205 6.7.3 Beschreibung des Untersuchungssamples 206 6.7.3.1 Rücklauf des Untersuchungssamples 206 6.7.3.2 Struktur des Untersuchungssamples 208 6.7.4 Gütebeurteilung des Messvorgangs 210 6.7.5 Methoden der Datenaufbereitung und -auswertung 213 6.7.5.1 Konfirmatorische Faktorenanalyse 213 6.7.5.2 Cronbachs Alpha 214 6.7.5.3 Signifikanztest: Mann-Whitney-U Test zur Überprüfung der Hypothesen 214 6.7.6 Methodenfehler 215 6.8 Zentrale Ergebnisse des Fragebogens 218 6.8.1 Deskription der Ergebnisse 218 6.8.2 Bewertung der Gütekriterien 226 6.8.3 Analyse und Bezug zu den Hypothesen 226 Inhaltsverzeichnis 14 6.9 Interpretation der Ergebnisse 230 6.10 Limitationen 233 6.11 Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft 235 6.11.1 Implikationen für die Wirtschaftspolitik 235 6.11.2 Implikationen für die Wissenschaft 236 6.11.3 Implikationen für die Wirtschaft 237 7. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung 239 Anhang 1 247 Anhang 2 249 Anhang 3 257 Literaturverzeichnis 265 15 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Wissenschaftliche Ziele der Untersuchung 25 Abbildung 2: Darstellung des Untersuchungsvorgangs 27 Abbildung 3: Aufbau der Arbeit 32 Abbildung 4: Überblick Grundkonzepte und Terminologie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung 33 Abbildung 5: Verhältnis von CSR, CC und nachhaltiger Unternehmensführung 38 Abbildung 6: Historische Entwicklung der NHB 40 Abbildung 7: Ziele und Nutzen der Nachhaltigkeitsbericht -erstattung 43 Abbildung 8: Regionale Abgrenzung Mittel- und Osteuropa 52 Abbildung 9: Einflussfaktoren der Nachhaltigkeitsberichterstattung 71 Abbildung 10: Implikationen aus dem Stand der Forschung für die vorliegende Arbeit 77 Abbildung 11: Schlüsselelemente des National Business Systems nach Whitley 83 Abbildung 12: Untersuchungsmodell 1 103 Abbildung 13: Verteilung nach Industrien 105 Abbildung 14: Anzahl der Mitarbeiter 106 Abbildung 15: Arbeitsschritte der Inhaltsanalyse 107 Abbildung 16: Verteilung der nachhaltigen Informationen 127 Abbildung 17: Inhaltliche Ausgestaltung der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte analysiert anhand der Seitenzahl (in %) 132 Abbildung 18: Verteilung der KPIs im Bericht 133 Abbildung 19: Schritte der Datensammlung, -aufbereitung und -analyse von Experteninterviews 162 Abbildung 20: Aufbau und Strukturprinzip des Leitfadens am Beispiel der »Ice Breaker«-Frage 167 Abbildung 21: Auswertungsschritte nach Meuser und Nagel 173 Abbildung 22: Ausschnitt Transkriptionstext 174 Abbildung 23: Dokumentarische Übersetzungstypen 175 Abbildung 24: CSR-Reifegradmodell nach Schneider 189 Abbildung 25: Einteilung der interviewten Unternehmen in das CSR- Reifegradmodell 191 Abbildung 26: Untersuchungsmodell 2 - Unterschiedshypothesen 196 Abbildungsverzeichnis 16 Abbildung 27: Themenfelder des Online-Fragebogens 202 Abbildung 28: Screenshot der Online-Befragung 204 Abbildung 29: Rücklaufquote 207 Abbildung 30: Antwortverteilung nach Ländern und Branche 207 Abbildung 31: Verteilung der Teilsamples nach Industrien 209 Abbildung 32: Anzahl der Mitarbeiter 209 Abbildung 33: Internationalisierungsgrad der beiden Teilsamples 210 Abbildung 34: Anteil der Unternehmen, die nachhaltigkeitsbezogene Informationen sammeln (gesamt)714 220 Abbildung 35: Anteil der Unternehmen, die nachhaltigkeitsbezogene Informationen sammeln (in WE) 221 Abbildung 36: Anteil der Unternehmen, die nachhaltigkeitsbezogene Informationen sammeln (in MOE) 222 Abbildung 37: Einteilung der Unternehmen in den CSR- Reifegrad in MOE und WE 223 Abbildung 38: Anteil der Unternehmen pro Land nach CSR- Reifegrad 224 Abbildung 39: Ausprägung der Prozesse nach Region 224 Abbildung 40: Position der NHB im Unternehmen 225 Abbildung 41: Korrelationen 225 17 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Ausprägungen der Mittel- und Osteuropäische Länder 54 Tabelle 2: Corruption Perception Index 63 Tabelle 3: Literaturüberblick zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in Mittel- und Osteuropa 66 Tabelle 4: Datenbanken 104 Tabelle 5: Checkliste 109 Tabelle 6: Operationalisierung der Variablen für die Unterschiedshypothesen 114 Tabelle 7: Operationalisierung der unabhängigen Variablen 116 Tabelle 8: Klassifizierung der unabhängigen Variablen 118 Tabelle 9: Operationalisierung der Kontrollvariablen 119 Tabelle 10: Zusammenfassende Darstellung zentraler Gütemaße zur Beurteilung des Regressionsmodells 125 Tabelle 11: Übersicht Länder 129 Tabelle 12: Aufteilung NHB pro Industrie 130 Tabelle 13: Häufigkeiten der fehlenden Themen in den unvollständigen Berichten 131 Tabelle 14: Kreuztabellen und Chi-Quadrat Test zu Ausmaß und Qualität 134 Tabelle 15: Kreuztabelle Regionen und Ausmaß 135 Tabelle 16: Kreuztabelle Region und Vollständigkeit 135 Tabelle 17: Kreuztabelle Region und Standard 136 Tabelle 18: Korrelationsmatrix 137 Tabelle 19: Pseudo-R²-Statistiken 138 Tabelle 20: Hosmer-Lemeshow Test 139 Tabelle 21: Klassifikationsmatrix der logistischen Regression 139 Tabelle 22: Zusammenfassung der Gütekriterien zur Modellprüfung 140 Tabelle 23: Ergebnisse der logistischen Regression 142 Tabelle 24: Interviewte Personen 164 Tabelle 25: Index »CSR-Reifegradmodell« 198 Tabelle 26: Operationalisierung der Variablen des Modells 2 200 Tabelle 27: Anzahl der Antworten pro Land und Region 208 Tabelle 28: M-W-U-Test: Unterschiede CSR Reifegrad und eigenständiger Nachhaltigkeitsbericht 227 Tabelle 29: Unterschiede CSR Reifegrad und Region 228 Tabellenverzeichnis 18 Tabelle 30: M-W-U-Test: Unterschiede Grad der Prozessroutine und eigenständiger Bericht 229 Tabelle 31: M-W-U-Test: Unterschiede Grad der Prozessroutine und Region 230 Tabelle 32: Zusammenfassung des Hypothesen Modell 1 240 Tabelle 33: Zusammengefasste Ergebnisse und Interpretation der Interviews 242 Tabelle 34: Zusammenfassung Hypothesen Modell 2 245 19 Abkürzungsverzeichnis BIP Bruttoinlandsprodukt CC Corporate Citizenship COM Wettbewerb und Regulierung CSO Dichte der Zivilgesellschaftsorganisationen CSR Corporate Social Responsibility EDUC Anteil der Ausgaben von Unternehmen für die tertiäre Bildung EU Europäische Union FDI Foreign Direct Investments (ausländische Direktinvestitionen) GDP Gross Domestic Product (Bruttonationaleinkommen) HSE Health, Safety & Environment IR Integrated Reporting (integrierte Berichterstattung) KPI Key Performance Indikator KMU Klein- und mittelständische Unternehmen MAS Maskulinität MC Marktkoordination MNU Multinationale Unternehmen MOE Mittel- und Osteuropa MOEL Mittel- und osteuropäischen Länder NBS National Business System NGO Nicht-Regierungsorganisationen NHB Nachhaltigkeitsberichterstattung PD Power Distance (Machtdistanz) PR Public Relations QM Qualifizierte Mitarbeiter TBL Triple Bottom Line WE Westeuropa WEL Westeuropäische Länder 21 1. Einleitung 1.1 Problemstellung und Forschungsfragen Die Themen Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung haben in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung gewonnen.1 Um ein starkes Unternehmensimage aufzubauen, sind verantwortliches Handeln und eine nachhaltige Entwicklung für viele Unternehmen unabdingbar geworden. Im Zuge dieser Entwicklung ergreifen immer mehr Unternehmen die Option, Informationen zu ihrer unternehmerischen Verantwortung innerhalb eines Nachhaltigkeitsberichts (NHB) offenzulegen. Damit werden sie einem veränderten Informationsbedürfnis von Kunden, Anlegern, Mitarbeitern und weiteren staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren gerecht, die mehr Transparenz über das unternehmerische Verhalten hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung fordern.2 Dieser Trend spiegelt sich weltweit auch in der Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten wieder. Waren es 2003 noch 64 Prozent der weltweit größten 250 Unternehmen, berichten heute bereits 95 Prozent dieser Unternehmen über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten.3 Auch sind Informationen hinsichtlich des Umfangs zur unternehmerischen Nachhaltigkeit umfassender geworden.4 Trotz dieser wachsenden Bedeutung ist - anders als die Finanzberichterstattung - die Offenlegung von nachhaltigen Informationen in den meisten Ländern für eine große Anzahl von Unternehmen noch weitgehend freiwillig. Dies wird sich zukünftig mit der im April 2014 beschlossenen Richtlinie der Europäischen Union (EU) innerhalb Europas ändern. Damit sind Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern ab Ende 2016 dazu verpflichtet, nicht-finanzielle Daten offenzulegen.5 Mit dieser Richtlinie wird Unternehmen zwar ein gewisses Maß an Mindeststandards vorgeschrieben, hinsichtlich des qualitativen und quantitativen Ausmaßes findet jedoch keine Festlegung statt. Insgesamt bleiben die gesetzlichen Formulierungen vage und ____________________ 1 Vgl. Gray et al. (2001), 327f.; Hahn und Kühnen (2013); S.5, Pedell et al. (2014), S. 539. 2 Vgl. Kolk und Perego (2010), S. 138; Horváth et al. (2012), S. 42. 3 Vgl. KPMG (2011, 2013, 2015). 4 Vgl. Gray et al. (2001); Kolk (2008), S.1 f.; Stawinoga (2012), S. 14 ff. 5 Vgl. European Union (2014). 1. Einleitung 22 gestatten Unternehmen damit weiterhin weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten. Auch die im Jahr 2000 durch die Global Reporting Initiative (GRI) eingeführten freiwilligen Standards, die sowohl Vorgaben zum Umfang als auch zur Form von Nachhaltigkeitsberichten beinhalten,6 konnte keine weltweite Angleichung der Berichte herbeiführen. Der Berichtsrahmen der GRI hat sich als weltweit am häufigsten angewendetes Rahmenkonzept zur NHB durchgesetzt und soll Unternehmen bei der Offenlegung nachhaltiger Informationen unterstützen. Das Rahmenkonzept sollte dazu beitragen, dass die NHB hinsichtlich Vergleichbarkeit, Verlässlichkeit, Überprüfbarkeit und Aktualität der Qualität der Finanzberichterstattung entspricht.7 Tatsächlich ist die Realität jedoch weit hiervon entfernt. Infolgedessen weichen die Berichte sowohl hinsichtlich ihrer inhaltlichen Gestaltung und Veröffentlichungsform als auch ihrer Qualität national und international stark voneinander ab.8 Die unternehmerische NHB innerhalb der EU gilt laut den Ergebnissen einiger Studien hinsichtlich der Anzahl berichtender Unternehmen sowie der Qualität der Berichte als vorbildlich.9 Der Großteil dieser Studien berücksichtigt jedoch überwiegend die westeuropäischen Länder (WEL), wobei mehr als ein Drittel der 28 EU-Länder jedoch in Mittel- und Osteuropa (MOE) liegen.10 Diese werden in internationalen Vergleichsstudien jedoch oftmals nicht berücksichtigt, so dass darüber bisher keine eindeutigen Rückschlüsse zur Verbreitung der NHB gezogen werden können. Nach Csáfor (2008), Steurer und Konrad (2009), und Kopp (2015) stehen Unternehmen in mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) noch am Anfang ihrer nachhaltigen Berichtsaktivitäten.11 Laut UNDP (2007) hängt die langsame Entwicklung der unternehmerischen Nachhaltigkeit mit dersozialistischen Vergangenheit dieser Länder zusammen.12 Lange Zeit lagen die soziale Verantwortung und soziale Fürsorge beim Staat. Unternehmen trugen damit lediglich die Verantwortung »in compliance with the legal and ____________________ 6 Vgl. Global Reporting Initiative (2013c). 7 Vgl Thiemann (2015), S. 277 f. 8 Vgl.Quick und Knocinski (2006), S.625, 632; Blaesing (2013) S. 174. 9 Vgl. KPMG (2013), S. 22 ff. 10 Zu den MOEL zählen: Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Slowenien, Slowakei, die Tschechische Republik, Polen, Rumänien und Ungarn. 11 Vgl. Csáfor (2008), S. 115 ff., Steurer und Konrad (2009), S. 33. 12 Vgl. UNDP (2007), S. 23 f. 1. Einleitung 23 regulatory framework«13 zu operieren. Im Zuge der EU-Beitritte der MOEL stieg allerdings das Unternehmensinteresse an nachhaltigen Management- Praktiken und damit an NHB. Einzelne Länderstudien zur NHB in Estland14, Tschechien15, Litauen16, Polen17 und Rumänien18 verstärken den Eindruck, dass sich die NHB sowohl hinsichtlich der Verbreitung als auch der inhaltlichen Gestaltung im Vergleich zur Berichterstattung westeuropäischer Unternehmen langsamer entwickelt hat. Tatsächlich fehlen jedoch bisher empirische Untersuchungen, die Aufschluss über Praktiken der NHB in MOE geben und Vergleiche zwischen den einzelnen MOEL und anderen WEL ziehen. Insbesondere über die Berichtsstrukturen, wie Nachhaltigkeitsinformationen gemanagt, generiert und genutzt werden, ist kaum etwas bekannt.19 Aus dem fehlenden Kenntnisstand über die derzeitigen Entwicklungen der NHB in MOE lässt sich daher folgende Forschungsfrage ableiten: Wie und in welchem Ausmaß unterscheidet sich die NHB von Unternehmen innerhalb der MOEL und von Unternehmen in Westeuropa? Die Studie von Horváth et al. (im Druck), die dieser Arbeit als Vorstudie dient, gibt erste Aufschlüsse über das Ausmaß, die Gestaltung und die Praktiken der NHB in MOE.20 Durch diese wird ersichtlich, dass sich MOE zwar noch im Aufholprozess innerhalb der NHB zu Westeuropa (WE) befindet, jedoch nicht mehr ganz am Anfang steht. Dennoch wird deutlich, dass sich die NHB von MOE nicht nur von WE unterscheidet, vielmehr ist auch erkennbar, dass trotz der geographische Nähe und der gemeinsamen politischen Vergangenheit innerhalb MOE signifikante Unterschiede in der NHB bestehen. Worauf diese Unterschiede jedoch zurückzuführen sind, wird nicht weiter untersucht. ____________________ 13 Ebenda, S. 23. 14 Vgl. Gurvitsh und Sidorova (2012). 15 Vgl. Jindrichovska und Purcarea (2011). 16 Vgl. Dagilienė und Leitonienė (2012). 17 Vgl. Lewicka-Strzalecka (2006). 18 Vgl. Jindrichovska und Purcarea (2011). 19 Vgl. Schaltegger und Zvezdov (2012), S. 280 ff. 20 Vgl. Horváth et al. (im Druck). 1. Einleitung 24 Die Adaption und Ausbreitung von organisationalen Praktiken wird oft im Rahmen der der institutionellen Theorie analysiert.21 Sie eignet sich insbesondere dafür, internationale Unterschiede zu erklären.22 Gemäß der institutionellen Theorie sind Unternehmen eingebettet in bestimmte zusammenhängende Systeme aus politischen, finanziellen und ökonomischen Institutionen sowie Bildungsinstitutionen, die erklären, warum sich Managementpraktiken weltweit unterscheiden. Sozio-kulturelle Determinanten bzw. politisch-ökonomische Determinanten können damit einen signifikanten Effekt auf die Ausgestaltung der NHB haben und die unterschiedlichen Ausprägungen erklären. Bisher gibt es jedoch nicht genügend Studien, die sich mit den landesspezifischen Faktoren beschäftigen. Damit ergibt sich gerade im Kontext der sozialistischen Vergangenheit die zweite Forschungsfrage: Welchen Einfluss haben sozio-kulturelle und politisch-ökonomische Determinanten auf die Ausprägungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung? Neben diesen Faktoren können auch unternehmensinterne Determinanten einen Einfluss auf die NHB haben. Die Tatsache, dass eine umfassende NHB europaweit und damit auch in MOE meist auf freiwilliger Basis erfolgt, wirft dabei die Frage auf, warum Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Die meisten bestehenden empirischen Untersuchungen beschäftigen sich dabei mit firmenspezifischen Einflussfaktoren. Frühere Befunde zeigen z.B., dass insbesondere große Unternehmen oder Unternehmen aus schwer verschmutzenden Industrien über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus Informationen zur unternehmerischen Nachhaltigkeit veröffentlichen.23 Interne Determinanten, die einen Einfluss auf die NHB haben, bleiben in bisherigen Studien meist unberücksichtigt. Dabei kann zum einen das Verständnis von Nachhaltigkeit innerhalb der Unternehmen einen Einfluss auf die NHB haben, wobei bspw. oftmals unterstellt wird, dass Nachhaltigkeit ein von westlichen Werten geprägtes Konzept sei. Zum anderen können die Organisationsstruktur sowie interne Prozesse die Unterschiede in der NHB bewirken. Ob diese Faktoren tatsächlich einen Einfluss auf die NHB haben, soll im Folgenden untersucht werden. Damit ergibt sich die dritte Forschungsfrage: Wie unterscheiden sich die internen Faktoren der NHB in MOE und welchen Einfluss haben diese auf den Nachhaltigkeitsbericht? ____________________ 21 Vgl. Jackson und Apostolakou (2010), Matten und Moon (2008), S.406, Aguilera und Jackson (2003). 22 Vgl. Aguilera und Jackson (2003). 23 Vgl. Hahn und Kühnen (2013), S. 10. 1. Einleitung 25 1.2 Zielsetzung Aus den genannten Forschungsfragen lassen sich nachfolgend die Forschungsziele der vorliegenden Arbeit ableiten. Nach Schweitzer (1978) lassen sich wissenschaftliche Ziele nach deskriptiven, theoretischen, praktischen und normativen Zielen unterscheiden (s. Abbildung 1).24 Abbildung 1: Wissenschaftliche Ziele der Untersuchung25 Das deskriptive Ziel der Untersuchung besteht aus der präzisen Beschreibung des Untersuchungsobjekts. Hierzu wurde zum einen eine strukturierte Literaturanalyse durchgeführt. Um zum anderen den aktuellen Stand zum Thema NHB in MOE darlegen zu können, wurden eine Inhaltsanalyse vorhandener Nachhaltigkeitsberichte sowie Experteninterviews durchgeführt. Es sollen Kenntnisse über Umfang, Gestaltung, Format, Qualität sowie Berichtspraktiken und -strukturen gewonnen werden. Um den Status quo zu bewerten und einen Vergleich zu ermöglichen, werden zudem stellvertretend Deutschland und Österreich für WE hinzugezogen. Das theoretische Ziel ist die Identifikation der länderspezifischen und internen Determinanten, die einen Einfluss auf die NHB haben. Dazu werden zum einen die relevanten länderspezifischen Faktoren aus der Theorie abgeleitet und zum anderen die relevanten internen Determinanten explorativ herausgearbeitet. Auf Grundlage zweier Untersuchungsmodelle werden Hypothesen darüber abgeleitet, wie sich die internen und externen Faktoren ____________________ 24 Vgl. Schweitzer (1978), S. 2 f. 25 Eigene Darstellung. Deskriptives Ziel Theoretisches Ziel Pragmatisches Ziel Normatives Ziel Darstellung des Forschungsgegenstandes durch präzise Beschreibung und Abgrenzung von verwandten Konzepten Ableitung eines Erklärungsmodell als theoretische Basis ableiten sowie Aufstellen und empirische Prüfung von Hypothesen zum Zusammenhang von externen bzw. internen Faktoren und NHB Literaturanalyse, Archivdaten, Experteninterviews Inhaltliche Analyse & literaturbasierte Diskussion Aufstellung von Gestaltungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik Hypothesenprüfung Ableitung von Gestaltungsempfehlungen für Unternehmen und Wissenschaft hinsichtlich der NHB Inhaltliche Interpretation der Ergebnisse & literaturbasierte Diskussion 1. Einleitung 26 auf die Ausgestaltung der NHB auswirken. Das theoretische Ziel dient somit der Aufstellung von Erklärungszusammenhängen und deren empirischer Überprüfung. Die aus der empirischen Hypothesenprüfung gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend interpretiert werden. Das pragmatische Ziel der vorliegenden Arbeit beinhaltet daher, einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Managementforschung im Bereich NHB in MOE und zur Erweiterung des wissenschaftlichen Kenntnisstands zu leisten. Zur gleichen Zeit sollen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen praxistaugliche Empfehlungen für die betreffenden Unternehmen abgeleitet werden. Insbesondere für multinationale Unternehmen können diese Kenntnisse genutzt werden, um sich mit ihrer NHB bei der Kommunikation mit Stakeholdern weltweit so gut wie möglich aufzustellen. Die Beschreibung des Status Quo innerhalb des Landes und auch im internationalen Vergleich er- öffnet Unternehmen die Möglichkeit, ihre eigene Rolle und ihren Standpunkt herauszuarbeiten. Das normative Ziel ist es, Gestaltungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik abzuleiten. Angesichts der gegenwärtigen Überlegung der Europäischen Union, eine weitergehende Berichtspflicht (die über die aktuelle Direktive 2014/95/EU hinausgeht) und festgelegte Standards einzuführen, tragen die Erkenntnisse der vorliegenden Untersuchung dazu bei, über eine generelle Durchsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit einer Berichtspflicht sowie Standardisierung zu entscheiden. 1.3 Vorgehensweise Die Beantwortung der Forschungsfragen erfordert die Anwendung verschiedener Methoden. Die vorliegende Arbeit umfasst daher zwei Forschungsmodelle. 1. Einleitung 27 Das erste Modell beschäftigt sich mit den Forschungsfragen 1und 2, wie und in welchem Ausmaß sich die NHB innerhalb der MOEL und im Vergleich zu WE unterscheidet und welche länderspezifischen Faktoren einen Einfluss auf die NHB haben. Um den Status quo der NHB in MOE und den Einfluss der länderspezifischen Faktoren zu ermitteln, wird eine Inhaltsanalyse der 50 größten Unternehmen der jeweiligen Länder durchgeführt. Auf Grundlage eines theoretischen Konzepts, dem NBS, werden zudem länderspezifische Faktoren abgeleitet und deren Einfluss auf die NHB mit statistischen Methoden überprüft. Abbildung 2: Darstellung des Untersuchungsvorgangs26 Das zweite Modell überprüft in zwei aufeinander aufbauenden Stufen den Einfluss interner Faktoren auf die NHB. Zunächst müssen die internen Faktoren explorativ identifiziert werden. Aufbauend auf den Ergebnissen des Interviews wird ein Fragebogen entwickelt, der der Validierung der Ergebnisse dienen soll. Damit wird einem sog. explorativen sequentiellen Forschungsdesign (den qualitativen Phasen folgt jeweils eine quantitative Phase) gefolgt.27 Durch die Kombination von teilstandardisiertem Interview und standardisiertem Fragebogen findet eine Methodentriangulation mit ____________________ 26 Eigene Darstellung. 27 Vgl. Clark und Creswell (2011), S.219 ff. Interpretation der Ergebnisse Empirische Überprüfung (Fragebogenstudie) S c h ri tt 2 S c h ri tt 3 S c h ri tt 4 S c h ri tt 5 Interpretation der Ergebnisse Empirische Überprüfung (Inhaltsanalyse) Modell 1: Aufstellen eines theoriebasierten Untersuchungsmodells Modell 2: Aufbau einer explorativen Untersuchung (Experteninterviews) Auswertung der Experteninterviews Aufstellen eine Untersuchungsmodells (basierend auf den Ergebnissen der Experteninterviews ) S c h ri tt 1 Literaturgestützte Analyse und theoretische Grundlagen Interpretation der gesamten Ergebnisse 1. Einleitung 28 dem Ziel der gegenseitigen Validierung der Methoden statt.28 Der Untersuchungsvorgang ist in Abbildung dargestellt. 1.4 Angestrebte Ergebnisse und Innovationsbeitrag der Arbeit Die angestrebten Ergebnisse und der Innovationsbeitrag der Arbeit sind entsprechend der Formulierung des pragmatischen und normativen Ziels mehrstufig: Seit fast vier Dekaden ist die NHB Gegenstand der betriebswirtschaftlichen Forschung, jedoch wurde insbesondere die Region MOE bei den bisherigen Untersuchungen vernachlässigt,29 so dass hier ein erhebliches Erkenntnisinteresse vorliegt. Mit der erstmaligen Erhebung der Daten für MOE wird der Status Quo und der Entwicklungsstand der NHB dargestellt. Bisher gab es eine zu geringe Anzahl an Untersuchungen bzgl. der NHB in MOE, um daraus Rückschlüsse ziehen zu können.30 Mit der vorliegenden Untersuchung können länderspezifische Besonderheiten innerhalb der NHB erfasst und erklärt werden. Zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten werden zudem unternehmensintern Informationen erhoben und weiterverarbeitet. Trotz der großen Bedeutung der internen Berichtsstrukturen für die NHB ist darüber in der Unternehmenspraxis bisher noch wenig bekannt. Es sind auch hier signifikante Unterschiede zu erwarten. Mit der Untersuchung der Berichtsstrukturen können daher Gestaltungsempfehlungen für Optimierungspotenziale abgeleitet werden. Weiterhin sind signifikante Unterschiede in der NHB zwischen MOEL und WE zu vermuten. So wird der GRI-Standard noch deutlich weniger in den MOEL angewandt als in WE,31 was sich auf unterschiedliche Qualitätsniveaus zurückführen lässt. Steurer und Konrad (2009) vergleichen zudem Nachhaltigkeitsberichte in MOEL als Ganzes mit WEL und fanden heraus, dass das Verständnis von Nachhaltigkeit und damit auch NHB stark vom ____________________ 28 Vgl. ebenda. 29 Vgl. Fifka (2012), S. 64. 30 Vgl. ebenda. 31 Vgl. Wensen et al. (2010), 44 f. 1. Einleitung 29 sozio-politischen Kontext abhängt, ohne dies jedoch empirisch getestet zu haben.32 Insbesondere MNU stehen vor den Herausforderungen, ihre NHB in den einzelnen Ländern gezielt auszugestalten. MNU müssen die Informationsbedürfnisse unterschiedlicher Stakeholder-Gruppen berücksichtigen sowie Themen aus verschiedenen kulturellen Blickwinkeln betrachten.33 Eine Standardisierung der NHB ist einerseits nützlich, um eine grobe Orientierungsrichtung vorzugeben sowie andererseits die Messbarkeit und Vergleichbarkeit sicherzustellen. Der Standard kann indessen auch ein großes Risiko bergen, da er den unterschiedlichen kulturspezifischen Anforderungen der Stakeholder und Themenstellungen gerecht werden muss.34 Dem Thema wird zudem eine besondere Relevanz zuteil, da innerhalb der EU derzeit kontrovers diskutiert wird, ob eine stärkere Berichtspflicht eine unzumutbare Belastung für Unternehmen darstellt. Befürworter der Berichtpflicht sehen in ihr eine konsequente Umsetzung der Rechenschaftspflicht, die Unternehmen aufgrund der ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkung ihres Handelns gegenüber der Gesellschaft haben. Damit ist noch nicht geklärt, ob ein europäischer Standard innerhalb der EU erstrebenswert ist. Fraglich jedoch ist, wie ein einheitlicher Qualitätsstandard gewährleistet werden kann, da sowohl die Bedürfnisse und Anforderungen der Leserschaft als auch der Entwicklungsstand des Berichtswesens zwischen den unterschiedlichen Ländern verschieden sind. Erkenntnisse zum Status quo der Nachhaltigkeitsberichterstattung können Aufschluss darüber geben, inwieweit eine solche Standardisierung überhaupt möglich wäre und welche Voraussetzungen geschaffen und Unterschiede für eine Angleichung berücksichtigt werden müssten. Der Innovationsbeitrag der vorliegenden Untersuchung setzt sich daher aus vier Teilen zusammen: 1. Darstellung der aktuellen Praxis der NHB von Unternehmen in MOE 2. Vergleichsmöglichkeiten innerhalb der MOEL und im Vergleich zu WE 3. Ableitung von Gestaltungsempfehlungen hinsichtlich der Berichtsgestaltung und der Berichtsstrukturen für die Unternehmen in den jeweiligen Ländern ____________________ 32 Vgl. Steurer und Konrad (2009). 33 Vgl. Christmann (2004); Hunter und Bansal (2007). 34 Vgl. Kolk und Fortanier (2013), S. 108 f. 1. Einleitung 30 4. Ableitung von Gestaltungsempfehlungen hinsichtlich der Standardisierung der NHB für Länderregierungen und die EU Diese Dissertation entsteht im Rahmen des »CSR-Reporting in MOE«-Projektes in Kooperation mit der Péter-Horváth Stiftung.35 Aus dem Projekt sind verschiedene Veröffentlichungen entstanden, die jedoch die deskriptive Beschreibung der Ergebnisse fokussieren. Die Dissertation nennt die Veröffentlichungen und nutzt die darin gewonnen Erkenntnisse, um darüber hinaus die abgeleiteten Forschungsfragen zu beantworten. Die jeweiligen Textstellen sind entsprechend gekennzeichnet. 1.5 Aufbau der Arbeit In diesem einleitenden Kapitel wird das Erkenntnisinteresse der vorliegenden Arbeit beschrieben und durch Forschungsfragen und die Zielsetzung dargelegt sowie das dafür notwendige Forschungsdesign erklärt. Ausgehend von den bisherigen Erkenntnissen der NHB in MOE wurde die theoretische und praktische Relevanz dargelegt. Die Arbeit gliedert sich aufgrund der zwei Forschungsmodelle in weitere zehn Kapitel. In Kapitel 2 werden die zentralen Begriffe und Grundlagen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung erklärt. Aufgrund seiner jungen Vergangenheit und des dynamischen Umfelds soll dieses Kapitel Klarheit und Übersichtlichkeit bzgl. des Feldes schaffen. Neben Begriffsdefinitionen werden die wichtigsten Elemente der NHB dargestellt. Kapitel 3 skizziert die Entwicklung der unternehmerischen Verantwortung in MOE. Nach einer Definitionsabgrenzung der Region MOE geht dieses Kapitel insbesondere darauf ein, wie sich die Rolle von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im sozialistischen Kontext, in der Transformationsphase bis heute, gewandelt hat. Kapitel 4 zeigt den Stand der Forschung der für diese Arbeit relevanten Themenfelder. Neben dem State of the Art der NHB Forschung in MOE wird der Stand der Forschung zu Unterschieden und Einflussfaktoren der NHB aufgezeigt. In Kapitel 5 erfolgt die Entwicklung des Untersuchungsmodells 1. Nach einer kontextspezifischen Beschreibung des relevanten theoretischen Konstrukts werden Hypothesen zu den Unterschieden und Zusammenhängen ____________________ 35 Für weitere Informationen s. http://csr-reporting.org/. 1. Einleitung 31 bzgl. landesspezifischer Faktoren hergeleitet. Anschließend erfolgt die Beschreibung der gewählten Methoden zur Datenerhebung und -analyse. Zuletzt werden die empirischen Ergebnisse der ersten Untersuchung dargestellt und die Ergebnisse interpretiert. Kapitel 6 beinhaltet in drei Abschnitten die Entwicklung und Durchführung der zweiten Untersuchung. Zu Beginn wird das Vorgehen, die Kombination aus teilstandardisierten Interviews mit einer standardisierten Befragung, dargelegt und die Notwendigkeit dieser Methodentriangulation für die Untersuchung erklärt. Abschnitt 6.2 beschreibt zunächst den Aufbau und die Vorgehensweise der teilstandardisierten Experteninterviews. Nach einer kurzen Einführung in das angewandte Verfahren von Meuser und Nagel (2002), das zur qualitativen Auswertung von Experteninterviews besonders geeignet ist, erfolgt letztendlich die Auswertung der Gespräche. Die Ergebnisse werden dann auf Basis der theoretischen Erkenntnisse interpretiert, um als Grundlage der standardisierten Befragung zu dienen, welche Gegenstand des letzten Abschnitts 6.3 ist. Nach der Darstellung der Methodik und Vorgehensweise zur Fragebogenbefragung werden die Ergebnisse näher erläutert und vor dem Hintergrund der theoretischen Grundlagen und der Interviewergebnisse interpretiert. Im Rahmen einer Schlussbetrachtung fasst Kapitel 7 die Ergebnisse beider Modelle zusammen und stellt die Besonderheiten beider Untersuchungen heraus. Dabei werden die Forschungsfragen abschließend beantwortet. 1. Einleitung 32 Abbildung 2: Aufbau der Arbeit36 Nach einer kritischen Würdigung der Ergebnisse schließt die Arbeit mit einer Zusammenfassung der Gestaltungsempfehlungen für die Unternehmenspraxis, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft. Der Aufbau der Arbeit wird in Abbildung 2verdeutlicht. ____________________ 36 Eigene Darstellung. Stand der Forschung (Kapitel 4) NHB in MOE Unterschiede und Einflussfaktoren in NHB Implikationen für die vorliegenede Arbeit Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung (Kapitel 7) Einleitung (Kapitel 1) Problemstellung & Forschungsfragen VorgehensweiseZielsetzung Relevanz und Innovationsbeitrag Aufbau der Arbeit Begriffserklärungen und theoretische Grundlagen (Kapitel 2) & CSR in MOE (Kapitel 3) Begriffserklärung Grundlagen der NHB Regioialer Fokus CSR in MOE Zwischenfazit Modell 1: Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichte - Inhaltsanalyse (Kapitel 5) Theoret. Bezugsrahmen Hypothesenableitung Aufbau- und Ablauf der Untersuchung Ergebnisse OperationalisierungDatensammlung Interpretation Limitation Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft Modell 2: Triangulation: Experteninterviews und Fragebogenumfrage (Kapitel 6) Triangulation als Forschungsmethode Hypothesenableitung Konzeption du Durchführung Experteninterviews Ergebnisse ind Interpretation Experteninterviews Konzeption und Durchführung Experteninterviews Konzeption du Durchführung Experteninterviews Limitationen und Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft 33 2. Begriffserklärungen und Grundlagen Das gesamte Themenfeld zur NHB unterlag in den letzten Jahren einer dynamischen Entwicklung, so dass es zunehmend unübersichtlich wurde. Ausgangspunkt für jegliche Überlegung zur NHB ist ein ganzheitliches Verständnis für die übergreifenden (normativen) Konzepte zur Nachhaltigkeit. Abbildung 3: Überblick Grundkonzepte und Terminologie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung37 Basierend auf diesen normativen Grundlagen werden die spezifischen Leistungen im Bericht durch das Nachhaltigkeitsaccounting erhoben, welches die Grundlage für den Nachhaltigkeitsbericht darstellt. Die Informationen ____________________ 37 In Anlehnung an Hahn und Kühnen (2013), S.7. Nachhaltigkeit Corporate Social Responsibility N o rm a tiv e r V e rw e is u n d B e g in n • Triple Bottom Line • Inter-und intragenerationale Gerechtigkeit • Inter-linkages zwischen TBL- und Zeit- Dimensionen im Gleichgewicht (vier Dimensionen) (Corporate Responsibility, Corporate Citizenship) Accounting bezogen auf Nachhaltigkeit In te rn e P e rf o rm a n ce - M e ss u n g Berichte bezogen auf Nachhaltigkeit (CSR) in Form von umfasst • integrierten Berichten • spezialisierten Nachhaltigkeits-, CSR- Corporate Citizenship- etc. Berichten • isolierten wirtschaftlichen oder sozialen Berichten Drei Nachhaltigkeitsdimensionen (finanziell, ökologisch und sozial im Gleichgewicht) Zwei Nachhaltigkeitsdimensionen (Fokus auf die ökologische und soziale, die finanzielle Dimension wird eher vernachlässigt) Eine Nachhaltigkeitsdimension (ökologisch oder sozial) E xt e rn e In fo rm a tio n s- B e ka n n tg a b e ganzheitlich isoliert U m fa n g d e r N a ch h a lti g ke its b e tr a ch tu n g 2. Begriffserklärung und Grundlagen 34 werden dann in der Veröffentlichung des Nachhaltigkeitsberichts bereitgestellt, der sich aufgrund verschiedener Regularien und Standards im Inhalt, in der Qualität und in der Form unterscheiden kann. Das folgende Kapitel hat das Ziel, einen Überblick über die Grundkonzepte und Begriffe der NHB zu geben. Zunächst werden die unterschiedlichen Begriffe, die oftmals als Synonym für Nachhaltigkeit genutzt werden, erklärt und der Zusammenhang zwischen nachhaltiger Entwicklung, Nachhaltigkeitsaccounting und NHB aufgezeigt. Nach einem kurzen historischen Abriss werden weiterhin die jüngsten Entwicklungen der NHB hinsichtlich Regularien, Inhalten, Formaten und Standards vorgestellt. Abbildung 3 gibt einen Überblick über verschiedene Grundkonzepte und Terminologien und in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen. 2.1 Begriff Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung Um für die sich anschließende Analyse ein einheitliches Begriffsverständnis des betrachteten Forschungsobjektes zu schaffen, findet zunächst die Klärung der begrifflichen Grundlagen der Nachhaltigkeit und verwandter Konzepte wie der unternehmerischen Nachhaltigkeit, CSR und Corporate Citizenship (CC) statt. Die drei genannten Begriffe werden sowohl in der Unternehmenspraxis als auch im Alltag zumeist synonym verwendet. Aus akademischer Sicht und im Hinblick auf ihre zeitliche Entstehung kann jedoch eine Unterscheidung gemacht werden.38 Die Begriffe Nachhaltigkeit sowie nachhaltige Entwicklung wurden bereits im 18. Jahrhundert in der Forstwirtschaft verwendet.39 Zu Ende des 20. Jahrhunderts wandelte sich der Begriff seither von einer ressourcenökonomischen Interpretation zu einem umwelt- und gesellschaftspolitischen Leitkonzept.40 Im Jahr 1987 erhielt der Begriff durch die Verwendung in der von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (sog. Brundtland- ____________________ 38 Vgl. Van Marrewijk (2003); S. 96; Fifka (2012). Dazu auch ausführlich Loew et al. (2004b). 39 Eine erstmalige Verwendung der Bezeichnung Nachhaltigkeit in deutscher Sprache im Sinne eines langfristig angelegten, verantwortungsbewussten Umgangs mit einer Ressource ist bei Hans Carl von Carlowitz (1713) in seinem Werk Silvicultura oeconomica nachgewiesen: Er fordert darin, eine „nachhaltende“ Nutzung des Waldes und dass nur so viel Wald geschlagen werden sollte, wie wieder nachwächst. (Carlowitz, 2000). 40 Vgl. Jonker et al. (2011), S. 7; Kidd (1992). 2. Begriffseklärung und Grundlagen 35 Kommission) vorgelegten Bericht erstmals politische Bedeutung und Relevanz. Darin wird eine nachhaltige Entwicklung zum Leitbild erhoben und als eine Entwicklung definiert, »die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen«41. Die nachhaltige Entwicklung ist dabei als Prozess der gesellschaftlichen Veränderung zu sehen, der zu Nachhaltigkeit führt,42 und ist damit als gesamtgesellschaftliches Leitbild zu sehen. Ursprünglich fokussierte der inhaltliche Schwerpunkt einer nachhaltigen Entwicklung den Schutz der Umwelt und wurde dann jedoch um das Triple Bottom Line (TBL) Konzept von Elkington (2004), welches die gleichzeitige und gleichwertige Berücksichtigung der drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales einfordert, erweitert.43 Zudem wird nicht nur eine intragenerative, sondern auch eine intergenerative Gerechtigkeit eingefordert. Aufgrund des hohen Abstraktionsgrads des Begriffs Nachhaltigkeit können jedoch keine konkreten Handlungen abgeleitet werden. Auf Unternehmensebene hat sich daher der Begriff unternehmerische Nachhaltigkeit etabliert. Dyllick und Hockerts (2002) definieren die unternehmerische Nachhaltigkeit (analog zur klassischen Definition) als »meeting the needs of a firm’s direct and indirect stakeholders, without compromising its ability to meet the needs of future stakeholders as well”44. Unternehmen sind entsprechend aufgefordert, einen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Nachhaltigkeit zu leisten. Eine nachhaltige Unternehmensführung stellt damit die Beiträge des Unternehmens zu Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt und versucht diese zu maximieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Unternehmen eine ökonomische, soziale und ökologische Kapitalbasis erhalten.45 Nachhaltiges Handeln ist damit ein Leitbild des unternehmerischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesses und stellt eine Abkehr vom bisherigen Denken dar, nach dem Unternehmen ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien beurteilt werden.46 ____________________ 41 World Commission on Environment (1987). 42 Vgl. Grunwald und Kopfmüller (2012), S. 11 f. 43 Vgl. Elkington (2004); Crane und Matten (2004), S. 24. 44 Dyllick und Hockerts (2002), S. 131. 45 Vgl. ebenda, S. 132. 46 Vgl. Hardtke und Prehn (2001). 2. Begriffserklärung und Grundlagen 36 Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR)47 kommt aus dem angloamerikanischen und umschreibt den (meist) freiwilligen Beitrag, soziale und ökologische Belange in die Unternehmenstätigkeit zu integrieren. Bowen (1953) prägte und ebnete 1953 in seinem Buch »Social Responsibilities of the Businessmen« den Weg für das moderne Verständnis von CSR. Darin fordert er, dass große Unternehmen nicht nur die ökonomische, sondern auch die soziale Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen müssen.48 Historisch betrachtet liegt der inhaltliche Schwerpunkt des Konzepts auf der sozialen Komponente unternehmerischer Verantwortung.49 Das heutige Verständnis von CSR ist sehr viel breiter.50 CSR wird heute als Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen gesehen und funktioniert nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gilt als Rahmenbedingung, ökonomische Beiträge zur gesamtgesellschaftlichen Nachhaltigkeit werden nicht berücksichtigt. Somit beschränkt sich CSR auf ökologische und soziale Herausforderungen und betrachtet damit nur zwei der drei Nachhaltigkeitsdimensionen. Die Auslegung zu CSR ist in der europäischen Kommission weit verbreitet. Sie definiert CSR als »ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren«51. Eine weitere, häufig zitierte Definition ist die des World Business Council for Sustainable Development (2000): »Corporate social responsibility is the commitment of business to contribute to sustainable economic development, working with employees, their families, the local community and society at large to improve their quality of life«52. Auch hier wird die ursprüngliche Bestimmung eines Unternehmens, ökonomischen Profit zu erwirtschaften, um die Aufgabe, einen Beitrag in der Gesellschaft unter Berücksichtigung von sowohl sozialen als auch ökologischen Gesichtspunkten zu leisten, erweitert.53 Im Gegensatz zur »reinen« Nachhal- ____________________ 47 Aus dem Englischen häufig übersetzt als die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. 48 Vgl. Bowen (1953). 49 Vgl. Davis (1960), S. 60. 50 Vgl. Bassen et al. (2005), S. 232 ff. 51 Europäische Kommission (2002), S. 6. 52 World Business Council for Sustainable Development (2000) S. 10. 53 Vgl. Bassen et al. (2005), S. 232. 2. Begriffseklärung und Grundlagen 37 tigkeit umfasst CSR nicht die Verantwortung eines Unternehmens gegen- über der gesamten Menschheit und zukünftigen Generationen, sondern ist auf die Verantwortung gegenüber seinen Stakeholdern eingeschränkt und kann somit als Synonym für unternehmerische Nachhaltigkeit genutzt werden. Der Begriff Corporate Citizenship (CC) ist als »unternehmerisches Bürgerengagement” zu verstehen, was jedoch nicht das Kerngeschäft des Unternehmens betrifft.54 Vielmehr umfasst der Begriff das gemeinwohlorientiertes Engagement, das über die Unternehmenstätigkeit an sich hinausgeht, wie beispielsweise Spenden, Sponsoring, Stiftungen o.ä. Das Unternehmen erkennt dabei seine Rolle als »Bürger« in der Gesellschaft an und die damit zusammenhängende Verantwortung für das Gemeinwesen.55 Die Europäische Kommission beschreibt CC als die »Gestaltung der Gesamtheit der Beziehungen zwischen einem Unternehmen und dessen lokalem, nationalem und globalem Umfeld«56. CC beinhaltet damit gesellschaftsbezogenen Aktivitäten eines Unternehmens und deren strategische Ausrichtung auf Unternehmensziele. CSR hingegen umfasst die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in allen Bereichen der Unternehmenstätigkeit. CC kann damit als eine Teilmenge von CSR gesehen werden, die sich mit der Beziehung des Unternehmens zu den lokalen Gemeinschaften befasst.57 Grundsätzlich bleibt damit festzuhalten, dass sich die Konzepte CSR und Nachhaltigkeit zunehmend angenähert haben. Abbildung 4 verdeutlicht den Zusammenhang zwischen den Begriffen. Während sich Nachhaltigkeit ursprünglich aus einem ökologischen Diskurs entwickelt und CSR sich zunächst auf soziale Aspekte konzentriert hat, beinhalten mittlerweile beide Konzepte sowohl die ökologische als auch die soziale Dimension.58 Während es sich jedoch beim Konzept der Nachhaltigkeit um einen gesamtgesellschaftlichen Grundgedanken handelt und damit eine politische Zielsetzung vorgibt, fokussiert sich CSR oder auch die unternehmerische Nachhaltigkeit auf Organisationen. Unternehmen sind damit aufgefordert, einen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Nachhaltigkeit zu leisten. Während CSR die ökonomische Dimension als wichtige Rahmenbedingung an- ____________________ 54 Vgl. Habisch (2013); Schwalbach und Schwerk (2008). 55 Vgl. Habisch (2013), S. 50 ff. 56 Europäische Kommission (2001a), S. 28. 57 Vgl. Labbé und Stein (2007), S. 2662. 58 Vgl. Blaesing (2013), S. 16 f. 2. Begriffserklärung und Grundlagen 38 nimmt, schließt die unternehmerische Nachhaltigkeit die Ökologie als Dimension mit ein. Wie bereits erwähnt ist CC ein Teil des CSR. Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht damit die unternehmerische Nachhaltigkeit. Abbildung 4: Verhältnis von CSR, CC und nachhaltiger Unternehmensführung59 2.2 Nachhaltigkeitsberichterstattung Die wachsende Forderung nach unternehmerischer Verantwortung gegen- über der Gesellschaft hat dazu geführt, dass die Integration von Umwelt und Sozialaspekten zunehmend in den Mittelpunkt der Kommunikation zwischen Unternehmen und Gesellschaft gerückt ist.60 Nachfolgend wird zunächst betrachtet, was unter dem Begriff NHB verstanden wird, dann folgt eine kurze Erläuterung der historischen Entwicklung der NHB, bevor anschließend Ziele und Nutzen sowie regulatorische Vorgaben, Formate, Inhalt und Standardisierung dargestellt werden. ____________________ 59 Vgl. Loew et al. (2004a), S. 12. 60 Vgl. Herzig und Schaltegger (2005), S. 10. CSRCC Beitrag des Unternehmens Nachhaltige Entwicklung Gesamtgesellschaftliche Ebene Einzelwirtschaftliche Ebene Unternehmerische Nachhaltigkeit 2. Begriffseklärung und Grundlagen 39 2.2.1 Grundlagen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Obwohl die GRI NHB als die Offenlegung von »Informationen über die ökonomische, ökologische und soziale Leistung sowie das Führungsverhalten« 61 definiert, stellt diese Offenlegung nur einen Teil der NHB dar. Der Prozess der NHB besteht aus zwei Phasen. Die erste Phase bildet die Bestimmung und Messung der Informationen (sog. Nachhaltigkeitsaccounting),62 die anschließend in der zweiten Phase, der Veröffentlichung des Nachhaltigkeitsberichts bereitgestellt werden (internes und externes Reporting).63 Das Nachhaltigkeitsaccounting zielt darauf ab, qualitativ hochwertige und nachhaltigkeitsrelevante Informationen im Unternehmen zu sammeln und damit die unternehmerische Nachhaltigkeit zu messen.64 Als Resultat des Nachhaltigkeitsaccountings liegen dann die aufbereiteten Daten primär in Form von finanziellen und nicht-finanziellen Indikatoren vor.65 Diese Informationen über den Status und den Verlauf der unternehmerischen Nachhaltigkeit können dann als Entscheidungsgrundlage für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung genutzt66 und zudem für die Kommunikation zu internen und externen Anspruchsgruppen zur Verfügung gestellt werden.67 Die Informationen aus dem Nachhaltigkeitsaccounting werden dann in einem sog. Nachhaltigkeitsbericht oder CSR Report veröffentlicht (2. Teil der NHB), der Externen eine Einsicht in die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen bzw. sozialen Auswirkungen der betrieblichen Tätigkeit sowie die dabei vorliegenden Interdependenzen, Synergien und Zielkonflikte des Unternehmens gibt.68 Im Gegensatz zum Geschäftsbericht haben Unternehmen durch den Ausweis ökologischer und sozialer Aspekte der Geschäftstätigkeit so die Möglichkeit, ein differenziertes Gesamtbild des berichterstattenden Unternehmens zu zeigen.69 ____________________ 61 Global Reporting Initiative (2013b). 62 Vgl. zum Begriff Nachhaltigkeitsaccounting mehr bei Burritt et al. (2010); Hiß und Kunzlmann (2013). 63 Vgl. Fifka und Pobizhan (2014), S. 5. 64 Vgl. Schaltegger et al. (2006), S. 43 ff. 65 Vgl. Ebenda. 66 Vgl. Lamberton (2005); Pütter et al. (2014). 67 Vgl. Schaltegger und Burritt (2010). 68 In der Regel wird unter einem Nachhaltigkeitsbericht ein eigenständiger Bericht verstanden. 69 Vgl. Fasan (2013), S. 42. 2. Begriffserklärung und Grundlagen 40 2.2.2 Historische Entwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung Die NHB blickt auf eine lange Entwicklungsgeschichte zurück. Die Veränderungen der NHB spiegeln die gesellschaftlichen und politischen Trends wider. So haben Unternehmen in den letzten Jahrzehnten mit der sukzessiven Erweiterung der traditionellen Finanzberichterstattung auf die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen geantwortet (s. dazu Abbildung 5).70 Abbildung 5: Historische Entwicklung der NHB71 Erste Ansätze der NHB reichen bis in die 1970er Jahre zurück, als Unternehmen damit begannen, auch nicht-finanzielle Informationen in strukturierter Weise zu veröffentlichen.72 In Folge der Weltwirtschaftskrisen gerieten insbesondere MNU aufgrund ihrer ökonomischen Macht in die Kritik. Die betroffenen MNU reagierten mit der Veröffentlichung von Sozialberichten. Die freiwillige Offenlegung von Informationen über ihre gesellschaftliche Verantwortung (z.B. geschaffene Arbeitsplätze, Sozialleistungen und soziales Engagement) und über die Qualität der Produkte an den ____________________ 70 Vgl. Herzig und Schaltegger (2005), S. S.14 f.; Hoppe (2006), S. 162 ff.; 71 Vgl. Eiselt und Kaspereit (2010), S. 380. 72 Vgl. Fifka (2014), S. 3. Umweltberichte (seit 1980er Jahre) Sozialberichte (seit 1970er Jahre) Nachhaltigkeitsberichterstattung (seit 2000er Jahre) Finanzberichte (seit 19. Jhdt.) 2. Begriffseklärung und Grundlagen 41 jeweiligen Standorten diente als Public Relations (PR)-Instrument und sollte das Image der Unternehmen wieder herstellen.73 Mitte der 80er Jahre wurden die sozialen von ökologischen Anliegen im Rahmen der Berichterstattung verdrängt. Umweltkatastrophen wie die Atomunfälle in Harrisburg (USA) 1979, in Tschernobyl (Ukraine) 1986 und der Chemieunfall von Bhopal (Indien) 1984 rückten den Umweltschutz in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses. Unternehmen wurden als Hauptverursacher dieser tragischen Ereignisse gesehen. Die gesellschaftliche Forderung, dass Unternehmen auch eine ökologische Verantwortung ihres wirtschaftlichen Handelns übernehmen sollen, wuchs.74 Darüber hinaus stieg das Interesse der Konsumenten an umweltfreundlichen Produkten und Produktionsmethoden,75 so dass zahlreiche Unternehmen begannen, sog. Umweltberichte zu veröffentlichen. Zum einen, um einem drohenden Legitimitätsentzug entgegenzuwirken (Prävention),76 zum anderem, um potentielle Wettbewerbsvorteile77 auszuschöpfen.78 Erst seit der Jahrhundertwende löste sich die Teilung zwischen Sozialund Umweltberichten auf und es kam zu einer Zusammenführung von sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten innerhalb eines Berichts. Mit der inhaltlichen Erweiterung ging auch eine Umbenennung der Berichte einher. Berichte wurden unter Titeln wie CSR Report, CC Report, Sustainability Report oder auch Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, wobei sich heute die Begriffe Sustainability Report bzw. Nachhaltigkeitsbericht und CSR Report weitestgehend als Berichtstitel durchgesetzt haben.79 Als aktuellste Entwicklung der NHB ist die Integrierte Berichterstattung80 (IR) zu nennen. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Berichterstattung ____________________ 73 Vgl. Abbott und Monsen (1979); Kolk (2004); Lamberton (2005). 74 Vgl. Fortanier et al. (2011), S. 666. 75 Vgl. Gunasekaran und Spalanzani (2012); Hopkins et al. (2009). 76 Vgl. Hoppe (2006). 77 Vgl. Gray et al. (2001); Berry und Rondinelli (1998). 78 Der Konsumentenboykott 1995 von Shell Tankstellen zeigt, wie weit das wachsende Bewusstsein der Konsumenten für Umweltthemen zu Image- und Reputationsverlusten führen konnte. Vgl. dazu Azzone et al. (1997). Grund für den Boykott war die von Shell geplante Versenkung der Ölplattform „Brent Spar“ in der Nordsee. Der Boykott führte zu erheblichen Umsatzeinbußen der Mineralölgesellschaft. Spätestens zu diesem Zeitpunkt rückten Umweltaspekte in das „Zentrum der Aufmerksamkeit“ mit der Zielsetzung, Reputations- und Imagevorteile zu erzielen (Fifka, 2012). 79 Vgl. Amran et al. (2014). 80 Oder auch Integrated Reporting 2. Begriffserklärung und Grundlagen 42 im Lagebericht. Gemäß der Definition des International Integrated Reporting Council (IIRC) ist die IR ein ganzheitliches Konzept, welches die klassische Finanzberichterstattung (wie Bilanz oder Kapitalflussrechnung) mit nicht-finanziellen Berichtelementen (wie Nachhaltigkeitsbericht, Bericht über das Risikomanagement sowie Corporate Governance-Aspekte u. a.) integriert.81 Mit der Integration sollen neben den Zusammenhängen und Korrelationen der finanziellen Informationen auch soziale und ökologische Aspekte dargestellt und damit nachvollziehbar und transparent gemacht werden.82 Die IR wird derzeit von einer nur sehr geringen Anzahl an Unternehmen durchgeführt und ist anfangs mit erheblichem Aufwand verbunden.83 2.2.3 Ziele und Nutzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung Primäres Ziel der externen NHB ist die »Bereitstellung entscheidungsnützlicher Angaben über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte betrieblicher Tätigkeit«84. Die gesellschaftliche Forderung nach einer nachhaltigen Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit macht die Ermittlung und Veröffentlichung der unternehmerischen Leistung im Nachhaltigkeitsbereich gegenüber den internen und externen Stakeholdern erforderlich. Der Nachhaltigkeitsbericht ist eine Momentaufnahme der Nachhaltigkeitsleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt.85 Neben der Rechenschaftslegung wird der NHB auch für den Dialog mit den relevanten Anspruchsgruppen genutzt. Dies ermöglicht die dynamische Anpassung von Zielen und Inhalten der nachhaltigen Unternehmensentwicklung. Nach Blaesing (2013) können die Ziele sowie der Nutzen der NHB in öffentlichkeitsorientierte, kapitalmarktorientierte und managementorientierte Ziele und Nutzen unterteilt werden (s. dazu Abbildung 6).86 ____________________ 81 Vgl. International Integrated Reporting Council (2013), S. 3. 82 Vgl. Pütter (2014), S. 206; Hiß und Kunzlmann (2013), S. 196. 83 Vgl. Pütter (2014), S.207. 84 Stawinoga (2012), S. 18. 85 Vgl. dazu Hoffmann (2011) und Blaesing (2013). Es ist zudem zu berücksichtigen, dass die NHB sich nicht immer in einem eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht präsentiert. Es werden vielmehr unterschiedliche Berichtsformate genutzt, um über die unternehmerische Nachhaltigkeit zu informieren, wie Kapitel 2.2.5 aufzeigt. 86 Vgl. Blaesing (2013), S. 24 ff. 2. Begriffseklärung und Grundlagen 43 Abbildung 6: Ziele und Nutzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung87 Die öffentlichkeitsorientierte Zielsetzung umfasst einerseits die Sicherung der Legitimität des unternehmerischen Handelns. Dabei wird unter Legitimität die »generalized perception or assumption that the actions of an entity is desirable proper or appropriate within some specially constructed system of norms values beliefs and definitions”88 verstanden. Unternehmen müssen ihre Aktivitäten gegenüber der Gesellschaft durch sozial verantwortungsvolles Handeln rechtfertigen, um weiterhin Zugang zu wichtigen Ressourcen zu erhalten. Eine transparente, glaubwürdige und regelmäßige NHB kann das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit zudem gegenüber den Unternehmen stärken, die Profilierung als nachhaltig agierende Unternehmen bestärken und damit die Reputation der Unternehmen steigern.89 Die kapitalmarktorientierte Zielsetzung der NHB kann zu einer Verbesserung der Risikotransparenz führen. Je offener die ökonomischen, ökologischen und sozialen Risiken dargestellt werden, desto höher ist die Risikotransparenz.90 Da bestehende Informations-asymmetrien durch eine Erhöhung der Risikotransparenz vermindert werden, können diese zu einem ____________________ 87 Vgl. Blaesing (2013), S. 25. 88 Suchman (1995) S. 574. 89 Vgl. Stawinoga (2012), S. 18 ff. 90 Vgl. Blaesing (2013), S. 24 f. Ziele der Nachhaltigkeitsberichterstattung Sicherung der Legitimität/Ressourcen Erhöhung der Reputation Erhöhung der Risikotransparenz Verringerung der Kapitalkosten Verbesserung der internen Planungs- und Steuerungsprozesse Kapitalmarktorientiert ManagementorientiertÖffentlichkeitsorientiert 2. Begriffserklärung und Grundlagen 44 leichteren und besseren Kapitalzugang führen. Infolgedessen können zudem die Kapitalkosten sinken.91 Zuletzt kann die NHB im Rahmen der managementorientierten Zielsetzung zu einer Verbesserung der internen Planungs- und Steuerungsprozesse führen. Die nachhaltige Berichterstattung versorgt die Geschäftsleitung mit Informationen über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen der betrieblichen Aktivitäten. Diese kann Informationen zur Entscheidung und kontinuierlichen Verbesserung der nachhaltigen Entwicklung liefern. Darüber hinaus kann die NHB zur Steigerung der Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit des Unternehmens beitragen.92 2.2.4 Regulatorische Grundlagen Obwohl die Zahl der berichtenden Unternehmen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist, existieren bis heute keine einheitlichen rechtlichen Rahmenbedingungen. Bisher ist die Veröffentlichung von NHB in den meisten Ländern weltweit weitestgehend freiwillig.93 Oftmals sind jedoch länderspezifische Regularien, die eine Berichtspflicht obstruieren, nur für bestimmte Unternehmen relevant. So sind z.B. in Dänemark und Norwegen nur große Unternehmen, in Finnland und Spanien nur staatliche Unternehmen und in Frankreich nur an der Börse gelistete Unternehmen von einer Berichtspflicht betroffen.94 Innerhalb der EU wird gegenwärtig die Aufstellung eines NHBs mit nicht-finanziellen Kennzahlen für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern gefordert. Die neue Direktive 2014/95/EU des europäischen Rates und des Parlaments (gültig ab 2016) fordert, dass betroffene Unternehmen Informationen zu »policies, risks and outcomes as regards environmental matters, social and employee aspects, respect for human rights, anticorruption and bribery issues, and diversity in their board of directors in their management report”95 veröffentlichen. Auch wird verlangt, dass Unternehmen über die unternehmensspezifischen zentralen Leistungsindikatoren (sog. Key ____________________ 91 Vgl. Blaesing (2013), S. 25; Stawinoga (2012), S. 10 ff. 92 Vgl. Stawinoga (2012), S. 22 f. 93 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012), S. 6. 94 Weitere Informationen zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen zur NHB weltweit sind auf der Homepage des Hauser Institutes zu finden (The Hauser Institute for Civil Society, 2015). 95 European Union (2014). 2. Begriffseklärung und Grundlagen 45 Performance Indicators (KPIs)) berichten, die für sie wesentlich sind96. Betroffenen Unternehmen wird damit zwar ein geringes Maß an Mindeststandards vorgeschrieben, sie bleiben jedoch hinsichtlich des qualitativen und quantitativen Ausmaßes sowie in der Gestaltung oder hinsichtlich des Formats frei (z.B. hinsichtlich der zu verwendenden KPIs). Damit wird Unternehmen im Rahmen der NHB weiterhin weitreichender Gestaltungsspielraum überlassen, insbesondere hinsichtlich Inhalt, Qualität und Form. In Deutschland wurde die EU-Richtlinie bereits in nationales Recht umgesetzt. Weitere Länder haben ebenfalls auf die EU-Richtlinie reagiert und entsprechende Änderungen im nationalen Recht veranlasst.97 Es liegen jedoch noch keine Kenntnisse darüber vor, ob die neue Direktive eine Welle an Erstberichten ausgelöst hat. 2.2.5 Formate Das gewählte Format zur Publizität von Nachhaltigkeitsinformationen trägt maßgeblich zur effektiven Kommunikation nachhaltigkeitsrelevanter Sachverhalte gegenüber den verschiedenen Stakeholdern bei.98 Oftmals wird in Literatur und Praxis unter NHB ein eigenständiger separater Bericht (sog. Stand-Alone Report) verstanden.99 Dieses Format verschafft den Unternehmen den Vorteil, nachhaltigkeitsrelevante Themenstellungen gegenüber den unterschiedlichen Adressatengruppen prägnant und gezielt darstellen zu können. Bis zur Jahrtausendwende wurden die entsprechenden Informationen nahezu ausschließlich in einem gedruckten Bericht veröffentlicht. Mittlerweile werden Berichte nun ebenfalls oder gar ausschließlich im pdf-Format als Download zur Verfügung gestellt.100 Auch kommen immer häufiger alternative elektronische Medien zum Einsatz und eröffnen Unternehmen damit vielseitige Gestaltungschancen. So ist die Einbindung der Homepage bei vielen Unternehmen zum Standard geworden. 101 So nutzen Unternehmen neben der Veröffentlichung eines eigenständigen NHB auch webbasierte oder internetbasierte Berichte, die die ____________________ 96 Vgl. Pütter und Bolt (2015), S.646. 97 Vgl.Schmalenbach-Gesellschaft (2015), S. 235-258. 98 Vgl. Pütter und Bolt (2015), S.646 f. 99 Vgl. Fifka (2014), S. 8 f. 100 Vgl. ebenda. 101 Vgl. Isenmann (2014). 2. Begriffserklärung und Grundlagen 46 zielgerichtete und optimal auf den jeweiligen Stakeholder angepasste Kommunikation ermöglichen.102 Informationstiefe und -breite können stark voneinander abweichen. Während Informationen bei einigen Unternehmenshomepages lediglich in wenigen Statements oder kurz in tabellarischer Form widergegeben werden, nutzen andere Unternehmen interaktive Plattformen. Diese ermöglichen dem Nutzer durch einfache oder auch komplexe Verlinkungen u.a. eine individuelle Zusammenstellung der aktuellen Informationen. Homepages bieten somit gegenüber dem klassischen Print-Bericht Kostenvorteile, eine individualisierte Nutzung und eine höhere Reichweite.103 Jedoch ist der Informationsgehalt selten so hoch wie bei einem eigenständigen Bericht.104 Eine weniger aufwendige Berichterstattung ist die Offenlegung von nachhaltigkeitsrelevanten Daten innerhalb des Geschäftsberichts.105 In der Regel liegen die meisten Geschäftsberichte im pdf- oder Papierformat vor. Seit 2006 sind große Unternehmen in EU-Ländern, die einen Geschäftsbericht veröffentlichen müssen, dazu verpflichtet, mindestens innerhalb des Lageberichts über die Entwicklung relevanter Indikatoren zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelangen zu berichten - sofern diese für den Geschäftserfolg relevant sind.106 Jedoch haben die Unternehmen einen großen Interpretationsspielraum bzgl. der zu veröffentlichenden Informationen und der Informationstiefe, so dass sich die einzelnen Jahresberichte deutlich unterscheiden. So wird oftmals kritisiert, dass der Geschäftsbericht nur für Shareholder aufbereitete Informationen beinhaltet, nicht-finanzielle Informationen weitestgehend vorenthält und Themen zum Management, zur Qualität, zur Kundenzufriedenheit wie auch zur Umwelt- und Sozialleistung unzureichend ausführt.107 Weiterhin ist die aktuelle Entwicklung der NHB, die integrierte Berichterstattung (IR), zu nennen (s. dazu auch Kapitel 2.2.2). Zur Darstellung der integrierten Berichterstattung sollen sowohl klassisch statische als auch ____________________ 102 Vgl. Ahsen et al. (2006), S. 10; Isenmann (2014), S. 107 ff. 103 Vgl. ebenda. 104 Eine Ausnahme bildet der NHB der ThyssenKrupp AG, die einen vollständigen webbasierten Bericht anbieten. 105 Vgl. Fasan (2013). 106 Vgl. EU (2003). 107 Vgl. Amir und Lev (1996); Fifka und Drabble (2012). 2. Begriffseklärung und Grundlagen 47 webbasierte Medien genutzt werden. Die IR befindet sich noch in der Pilotphase und wird derzeit erst von wenigen Unternehmen durchgeführt.108 Inwieweit sich die IR durchsetzen wird, ist noch nicht abzusehen. Weitere Medien zur Kommunikation von Nachhaltigkeit stellen Pressemitteilungen, Newsletter und die Nutzung von Social Media wie z.B. Twitter und Facebook dar. Über diese Formate ist die Vermittlung von Information jedoch nur begrenzt möglich. Diese Formate werden daher nicht als vollständiges Reporting angesehen und müssen somit von der NHB abgegrenzt werden.109 Die Einbindung in Social Media-Plattformen steht noch am Anfang, wird aber bereits von einigen Unternehmen genutzt. 2.2.6 Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung Durch die bisher geringen gesetzlichen Anforderungen haben die Unternehmen (auch in Zukunft) einen großen Gestaltungsspielraum hinsichtlich der ökologischen sowie sozialen Belange, die sie in ihrem Bericht präsentieren. Unternehmen können über die jeweiligen Inhalte und Schwerpunkte ihres NHB selbst entscheiden. Die inhaltliche Gestaltung der Nachhaltigkeitsberichte unterliegt einer stetigen Weiterentwicklung.110 Mit der historischen Entwicklung einhergehend standen zunächst soziale, dann ökologische Aspekte im Vordergrund. Ab der Jahrtausendwende kam es dann zu einer Zusammenführung der beiden Aspekte und den wirtschaftlichen Ergebnissen. Die Berichterstattung folgt damit der 1997 von Elkington in der »Triple Bottom Line« verfassten Konzeption von Nachhaltigkeit,111 die eine wirtschaftliche, eine ökologische und eine soziale Komponente umfasst. Neben diesen drei Dimensionen sind heute in der NHB noch weitere Aspekte zu finden, die nicht unmittelbar der wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Dimension zuzuordnen sind. Dazu gehören zum einen die Corporate Governance, welche die Leitungs- und Kontrollstrukturen im Unternehmen beschreibt, und zum anderen das Ethik-Management, wie etwa die Einführung eines Code of Conduct oder Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung.112 ____________________ 108 Vgl. Pütter et al. (2014). 109 Vgl. Schaltegger (2012). 110 Vgl. Fifka (2014), S. 8 ff. 111 Vgl. Elkington (1997). 112 Vgl. Pütter und Bolt (2015). 2. Begriffserklärung und Grundlagen 48 Die Darstellung der unternehmerischen nachhaltigen Entwicklung ist komplex und multidimensional. Aufgrund der unterschiedlichen Facetten jedes Unternehmens und unterschiedlich vorliegenden Unternehmenskontexten ist es unvermeidlich, dass sich Berichte auf verschiedene Kernthemen fokussieren. Es besteht kein Zweifel, dass Nachhaltigkeitsberichte unvollständig sind.113 Kritisch ist zudem, dass i.d.R. lediglich »positive« nachhaltige Entwicklungen dokumentiert werden, während negative Aspekte kaum genannt werden und damit die Berichterstattung »verwässern«.114 Da nicht zwangsläufig die gleichen Aspekte in verschiedenen Berichten angesprochen werden, ist die Vergleichbarkeit mit anderen Berichten nicht zwingend gegeben. 2.2.7 Standards und Qualitätssicherung Angesichts der schwachen Regelungen und fehlenden Orientierung haben sich daher verschiedene Standards (z.B.: ISO 26000, CERES Principles, SA 8000) zur Offenlegung nachhaltigkeitsbezogener Daten entwickelt. Die bekanntesten Vorgaben sind die der GRI. Die GRI veröffentlichte im Jahr 2000 ihre ersten Vorgaben, die mehrmals überarbeitet wurden. Im Mai 2013 wurde der gegenwärtig aktuelle Standard, der »GRI G4«, veröffentlicht.115 Dieser weltweit anerkannte Leitfaden wird von Unternehmen für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten trotz seines unverbindlichen Charakters eindeutig präferiert und setzt somit die Anforderungen an Berichtsinhalt und -qualität. Aufgrund seiner nationalen und internationalen Relevanz wird der GRI-Leitfaden als de facto Standard zur NHB angesehen.116 Die GRI-Kriterien geben den Unternehmen vor, über welche Themen berichtet werden soll. Jedoch obliegt den Unternehmen auch innerhalb des Standards die Freiheit, wie tief sie über die Themen berichten.117 Die Vorgaben des GRIs umfassen dabei drei Teile: ____________________ 113 Vgl. Burritt et al. (2010); Schaltegger und Burritt (2010). 114 Vgl. Gray et al. (1996); Hahn und Lülfs (2014). 115 Vgl.Global Reporting Initiative (2013c). Von den Unternehmen, die die GRI- Richtlinien anwenden, wird erwarten, dass sie den neuen Stand ab 2016 nutzen. 116 Vgl. Kleinfeld und Martens (2014), S. 221 f.; Weber (2014), S. 105. 117 Vgl. Burckhardt und Hamm (2013), S. 199. 2. Begriffseklärung und Grundlagen 49 1. Unternehmensprofil und -strategie, 2. Angaben zum Managementansatz und 3. Leistungsindikatoren. Die Leistungsindikatoren sind unterteilt in wirtschaftliche, ökologische und soziale Indikatoren. Die sozialen Indikatoren wiederum lassen sich unterscheiden in Arbeitspraktiken, Menschenrechte in der Lieferkette, Gesellschaft und Produktverantwortung.118 Dia Anzahl der Indikatoren lässt darauf schließen, dass der Umweltbereich stärker im Fokus steht, da dieser durch 30 Leistungsindikatoren, hingegen die Bereiche Arbeitspraktiken durch lediglich 14 und der Bereich Menschenrechte durch 11 Indikatoren vertreten ist.119 Unternehmen können ihre Nachhaltigkeitsberichte freiwillig extern z.B. von einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen prüfen lassen. Sie unterliegen dabei keiner Prüfungspflicht, wie es bspw. in Geschäftsberichten veröffentlichungspflichtiger Kapitalgesellschaften der Fall ist. Das Hinzuziehen einer Prüfungsgesellschaft, die die Richtigkeit der Angaben bestätigt, kann jedoch die Glaubwürdigkeit des Nachhaltigkeitsberichts erhöhen. Durch die Verifizierung der Angaben können jedoch keine Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens gezogen werden. Es wird lediglich geprüft, ob die Unternehmen die vorgegebenen Prinzipien und Prozesse bei der Erstellung des Berichts einhalten. Dabei kann jedoch nicht die Nachhaltigkeitsleistung an sich geprüft werden.120 Die Anzahl der Unternehmen, die ihren Bericht verifizieren lassen, hat im Laufe der letzten fünf Jahre stetig zugenommen.121 ____________________ 118 Vgl. Global Reporting Initiative (GRI) (2011). 119 Vgl. Burckhardt und Hamm (2013), S. 199. 120 Vgl. Pütter und Bolt (2015), S. 646; Burckhardt und Hamm (2013), S. 197. 121 Vgl. KPMG (2013, 2015); Perego und Kolk (2012). 51 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa Unternehmerische Nachhaltigkeit und CSR sind Konzepte, die ihren Ursprung in marktorientierten Wirtschaften haben. Seit den 90er Jahren sind diese Konzepte im unternehmerischen Kontext und in öffentlichen Debatten sowohl in WE als auch in den USA und Japan nicht mehr wegzudenken. Gleichwohl ist wenig über die Bedeutung von CSR in anderen geografischen Regionen bekannt.122 Der regionale Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf MOE. Dies ist insofern eine besondere Region, als dass sie sich nach dem Zerfall des Kommunismus mit extremen politischen Wirrungen auseinandersetzen musste, was zu einer radikalen Transformation der Staatsrolle, der Wirtschaft und der Gesellschaft geführt hat.123 Offiziell gilt die Zeit der Transformation als lange beendet, wenn auch der Aufholprozess an WE als noch nicht abgeschlossen gilt. Gleiches gilt für die Verbreitung des CSR Konzeptes und die dazugehörigen Managementpraktiken. Aus früheren Untersuchungen geht zwar hervor, dass CSR und unternehmerische Nachhaltigkeit in MOE weiter verbreitet sind, als allgemein angenommen wird.124 Dennoch wird in diesen Arbeiten betont, dass sich die CSR Aktivitäten noch nicht auf gleichem Niveau bewegen wie in WE, was sich insbesondere in der NHB bemerkbar macht. Welchen Einfluss der historische Kontext auf die Entwicklung von CSR und der NHB ausübt, soll im folgenden Kapitel erläutert werden. Zunächst wird die Region für den Kontext der vorliegenden Arbeit eingegrenzt und beschrieben. Dann wird die Entwicklung von CSR oder unternehmerischer Nachhaltigkeit in MOE anhand der historischen Phasen125 kurz erläutert. ____________________ 122 Vgl. Kopp (2015), S. 456 f. 123 Vgl. Götting (1998). 124 Vgl. Baskin (2006), 45 ff. 125 Grob eingeteilt in Sozialismus, Transformationsphase und Gegenwart. 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 52 3.1 Regionaler Fokus Welche Länder zu MOE gehören, ist unscharf abgegrenzt. Im engeren Sinne findet der Begriff für jene Länder Gebrauch, die im Rahmen der EU- Erweiterungen in den Jahren 2004, 2007 und 2013 in die EU aufgenommen wurden.126 Abbildung 7: Regionale Abgrenzung Mittel- und Osteuropa Damit setzt sich die Region MOE aus den Ländern Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Slowakische Republik, Slowenien, Bulgarien, Rumänien und Kroatien zusammen. ____________________ 126 Dies entspricht auch der Definition der OECD. H LV LT EST SK CZ PL HRSLO A D BG RO 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 53 Um einen Vergleich zu WE bilden zu können, werden in der vorliegenden Untersuchung Deutschland und Österreich stellvertretend für WE mit aufgenommen. Abbildung 7 zeigt die Untersuchungsländer dieser Studie. Hinsichtlich des historischen Kontextes werden die MOEL oft in drei Gruppen unterteilt:127 in Mitteleuropa (ME) oder die Visegrád Gruppe128 (Polen, Ungarn, Slowakei, Tschechische Republik und später auch Slovenien), das Baltikum (Estland, Lettland und Litauen) und Südosteuropa (SOE) (Bulgarien, Kroatien und Rumänien). Die MOEL durchlebten nach dem Zusammenfall der kommunistischen Regierung Ende der 80er Jahre einen enormen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wandel. Neben der politischen Transformation in die Demokratie stand zeitgleich die Wandlung einer staatlich kontrollierten Wirtschaft in eine offene und freie Marktwirtschaft an.129 Aufgrund ihrer Vergangenheit werden die MOEL oftmals als »homogener Ostblock« wahrgenommen.130 Dabei ist MOE in vielerlei Hinsicht weit davon entfernt, homogen zu sein.131 »One statement made for one country is not necessarily true for another. «132 Neben kulturellen wurden bereits in der Transformationsphase diverse politische und wirtschaftliche Entscheidungen getroffen, die zu unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Ländern führten und bis heute ihre Auswirkungen zeigen. Die stärker entwickelten und wirtschaftlich stabileren Länder MOEs haben inzwischen größere Gemeinsamkeiten mit den WEL als mit den anderen ehemaligen kommunistischen Ländern.133 Dies macht sich insbesondere im Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf bemerkbar. Tabelle 1 zeigt, dass 2014 das BIP pro Kopf in Bulgarien nur rund ein Drittel vom BIP pro Kopf in Slowenien betrug und damit große Einkommensunterschiede existieren.134 ____________________ 127 Vgl. Kaufmann et al. (2006), S. 27 ff. 128 Die Visegrád Gruppe besteht aus vier Ländern: Ungarn, die damalige Tschecheslowakai, Polen und Slowenien. 1991 gründeten die ersten drei genannten Ländern die Visegrád Gruppe mit dem Ziel einer ökonomischen, sozialen und politischen Kooperation. Slowenien trat der Gruppe nach seiner Unabhängigkeit 1993 bei. Das Treffen zur Gruppengründung fand in der Stadt Visegrád statt. (Fawn, 2001) 129 Vgl. Ismayr (2010), S. 14 ff. 130 Vgl. Kaufmann et al. (2006), S. 27. 131 Vgl. Aidukaite (2011), S. 211-219. 132 Kopp (2015), S. 453. 133 Vgl. Aidukaite (2011), S. 211-219. 134 Vgl. dazu Daten in der Datenbank Eurostat. 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 54 Tabelle 1: Ausprägungen der Mittel- und Osteuropäische Länder135 ____________________ 135 Die Angaben zu BIP/Kopf und Einwohner in Mio. beziehen sich auf das Jahr 2014 und wurden der Datenbank Eurostat entnommen. L a n d E in w o h n e r (i n M io ) B IP /K o p f (i n € ) E U -B ei tr it t E u ro -B e it ri tt S p ra ch u rs p ru n g v o rw ie g en d eR e li g io n Baltische Länder (BL) E st la n d 1 ,3 1 3 .2 0 0 2 0 0 4 2 0 11 F in n o U g ri sc h e va n g e lis ch -l u th e ri sc h L e tt la n d 2 ,0 1 0 .4 0 0 2 0 0 4 2 0 1 4 B a lti sc h e va n g e lis ch -l u th e ri sc h L ita u e n 2 ,9 11 .2 0 0 2 0 0 4 2 0 1 5 B a lti sc h rö m is ch -k a th o lis ch ViségradGruppe oder Mitteleuropa (ME) U n g a rn 9 ,8 1 0 .5 0 0 2 0 0 4 -- - (F o ri n t) F in n o U g ri sc h rö m is ch -k a th o lis ch S lo w a ki sc h e R e p u b lik 5 ,4 1 3 .5 0 0 2 0 0 4 2 0 0 9 S la w is ch rö m is ch -k a th o lis ch Ts ch e ch is ch e R e p u b lik 1 0 ,5 1 5 .2 0 0 2 0 0 4 -- - (T sc h e ch . K ro n e ) S la w is ch rö m is ch -k a th o lis ch P o le n 3 8 ,0 1 0 .5 0 0 2 0 0 4 -- - (Z lo ty ) S la w is ch rö m is ch -k a th o lis ch S lo w e n ie n 2 ,0 1 7 .6 0 0 2 0 0 4 2 0 0 7 S la w is ch rö m is ch -k a th o lis ch Südosteuropa (SOE) B u lg a ri e n 7 ,2 5 .5 0 0 2 0 0 7 -- - (L e w ) S la w is ch B u lg a ri sc h -o rt h o d o x R u m ä n ie n 1 9 ,9 7 .0 0 0 2 0 0 7 -- - (L e u ) R o m a n is ch R u m ä n is ch -o rt h o d o x K ro a tie n 4 ,2 1 0 .2 0 0 2 0 1 3 -- - (K u n a ) S la w is ch rö m is ch -k a th o lis ch Westeuropa (WE) D e u ts ch la n d 8 0 ,7 3 3 .8 0 0 G rü n d u n g sm itg lie d 1 9 9 9 G e rm a n is ch S o w o h l r ö m is ch -k a th o lis ch a ls a u ch e va n g e lis ch -l u th e ri sc h Ö st e rr e ic h 8 ,5 3 6 .0 0 0 1 9 9 5 1 9 9 9 G e rm a n is ch rö m is ch -k a th o lis ch E U 5 0 6 ,8 2 5 .8 0 0 -- - -- - -- - -- - T ab el le 1 : A us pr äg un ge n de r M it te lu nd O st eu ro pä is ch e L än de r1 35 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 55 Neben den wirtschaftlichen und politischen Unterschieden zeigt sich die Heterogenität der MOEL nicht zuletzt in der Größe der Länder, den kulturellen Ausprägungen,136 ihrer Sprache137 sowie den jeweils vorherrschenden Religion, wie bereits in Tabelle 1 verdeutlicht. 3.2 Unternehmerische Verantwortung in Mittel- und Osteuropa Die letzten 30 Jahre der Entwicklung der MOELs können grob in drei Phasen unterteilt werden: Die sozialistischen Ära (bis 1989) geprägt durch die komplette Verneinung von Marktkräften und durch die staatlich sozialen Absicherung, die Phase der Transformation (1989-2008), deren negative Eigenschaften ein Fundament an Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und marktorientierter Wirtschaft in weiteren Teilen der Bevölkerung gelegt haben, und die gegenwärtigen Phase, die seit 2008 durch die globale Finanz- und Staatschuldenkrise geprägt ist.138 Mit der Entwicklung während der unterschiedlichen Phasen hat sich auch das Verständnis unternehmerischer Verantwortung verändert. Die Behauptung, dass es vor der Transformationsphase keine unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gab, ist, wie im Folgenden dargestellt wird, nicht grundsätzlich richtig 3.2.1 Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im sozialistischen Kontext Vor der Transformation befanden sich die MOEL in vielerlei Hinsicht in einer ähnlichen Situation. Neben ähnlichen Verwaltungs- und Regierungsstrukturen, die von den kommunistischen Regimes in der Nachkriegszeit aufgebaut worden sind, waren die MOEL gekennzeichnet durch ein zentralverwaltetes Wirtschaftssystem.139 Es existierte kaum privates Eigentum. Insbesondere der produzierende Sektor wurde von nur wenigen großen ____________________ 136 S. dazu auch Hofstede (1984). 137 Der Großteil der MOEL gehört zu den slawischen Sprachgruppen - wie z.B. Polnisch, Bulgarisch und auch Slowakisch. Andere Sprachgruppen sind Lettisch und Litauisch, die zu der baltischen Gruppe gehören, während Ungarisch und Estnisch zu den Finno-ugrischen Sprachen gehören. Rumänisch wiederum hat einen romanischen Ursprung. Vgl. dazu Störig (1995). 138 Vgl. Kopp (2015), S. 457 f. 139 Vgl. Götting (1998), S. 41 ff. 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 56 Staatsunternehmen dominiert.140 Die mehrjährigen Wirtschaftspläne wurden von den Ministerien in Moskau entworfen, mit dem Resultat, dass regionale Anforderungen nicht in die Langzeitüberlegungen einflossen. Die sozialistischen Betriebe hatten zudem wenig wirtschaftlichen Spielraum, da sie sich an den Preis- und Mengenvorgaben der zentralen Planungsbehörden orientieren mussten. Außenhandel wurde hauptsächlich mit anderen sozialistischen Ländern betrieben.141 In Zeiten des Sozialismus und zentral geplanten Wirtschaftens waren die MOEL in ein institutionelles Arrangement der sozialen Sicherung eingebettet. Dieses Arrangement hatte einen stark autoritären, paternalistischen Charakter.142 Der sozialistische Staat versprach eine umfassende soziale »von der Wiege bis zum Grab«-Versorgung.143 Um dies zu gewährleisten, bestand die »Sozialpolitik« in diesen Jahren im Wesentlichen aus zwei wichtigen Bestandteilen. Die erste Säule war die Garantie sicherer Beschäftigung und damit eines existenzsichernden Einkommens.144 Die zweite Säule bestand aus staatlichen Sozialleistungsprogrammen ergänzt durch eine betriebliche Sozialpolitik und Preissubventionen. Die staatlichen Betriebe hatten dabei neben ihrer Hauptaufgabe, der Produktion von Gütern und Dienstleistungen, zentrale sozialpolitische Funktionen zu erfüllen. Neben der Garantie eines Beschäftigungsverhältnisses beinhaltete die Unternehmensfunktion die gesundheitliche und persönlichkeitsfördernde Gestaltung der Arbeitsbedingung (z.B. Arbeitsschutzvorkehrungen), die Sicherung der sozialen Leistungen (Versorgung mit Wohnraum, Erholungs- und Freizeitangebote oder der Betrieb von Kinderbetreuungsplätzen) und zuletzt Verwaltungs- und Finanzierungsaufgaben der staatlichen Sozialversicherung. Insbesondere das betriebliche Sozialwesen galt als Charakteristikum der staatspaternalistischen Sozialpolitik, da hierdurch nicht nur der Alltag der einzelnen Personen und Familien bestimmt wurde, vielmehr wurde dadurch auch die lokale Gemeinschaft definiert.145 ____________________ 140 Vgl. Kopp (2015), S. 457 f. 141 Vgl. ebenda. 142 Vgl. Ismayr (2010), S. 14. 143 Vgl. Götting (1998), S 57. 144 Vgl. ebenda. 145 Vgl. Kornai (1992), S. 144 ff. 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 57 Im Austausch für die wirtschaftliche Absicherung erhielten die Arbeitnehmer Löhne mit einer geringen Kaufkraft am Markt. Daher spielten neben der sozialen Absicherung auch massive Preiskürzungen im Grundversorgungsbereich des paternalistischen Systems eine wichtige Rolle.146 Die Preise für Waren und Dienstleistungen des Massenkonsums147 wurden von staatlicher Seite deutlich unter den Produktionskosten angesetzt. Diese Waren standen damit kostengünstig, aber auch nur in einer limitierten Auswahl, die oft nicht vorrätig war, zur Verfügung.148 Umweltprobleme hingegen wurde lange Zeit von den sozialistischen Regierungen ignoriert.149 Die fortschreitende Urbanisierung und Motorisierung sowie der hohe Industrialisierungsgrad führten vor allem in Ballungsgebieten zu einem unmittelbaren Interesse der Bürger an einer sauberen Umwelt, deren Erhaltung und Qualitätssicherung. In den 70er Jahren wurde daher die Verbesserung der Umwelt neben den traditionellen Zielen wie Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität und Wirtschaftswachstum zum Ziel der Wirtschaftspolitik.150 Entsprechend wurden Umweltgesetzgebungen verabschiedet und Institutionen im Umweltschutzbereich gegründet. Dennoch verschlechterte sich der Zustand der natürlichen Umwelt in den 70er und 80er Jahren. Das lag zum einen daran, dass keine Anreize für Unternehmen z.B. hinsichtlich Energieeffizienz geschaffen wurden. Zum anderen lag eine weitere Hauptursache für verschärfte Umweltprobleme im Vollzugsdefizit im Bereich der Umweltgesetzgebung. Umweltgesetze wurden kaum durchgesetzt, da sich die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte aufgrund der Wirtschaftspläne und der darin vorgegebene Planerfüllung nicht durchsetzen ließen. Entsprechend fanden diese keine Berücksichtigung in den Unternehmen, da die Wirtschaftspläne absoluten Vorrang hatten.151 Damit lagen zwar eine unternehmerische Verantwortung der staatlichen Unternehmen gelenkt durch den Staat und damit verbundene soziale Absicherungen vor, jedoch kann nicht zwingend von (freiwilligen) CSR oder nachhaltiger Entwicklung gesprochen werden. ____________________ 146 Vgl. Götting (1998), S 74. 147 Vor allem für Grundnahrungsmittel, Medikamente, Kinderbekleidung, Energie, Heizmaterial, Wohnraum und den öffentlichen Nahverkehr. 148 Vgl. Kornai (1992). 149 Vgl. Welfens (1993); Welfens (2013). 150 Vgl. Lenssen und Vorobey (2005). 151 Vgl. Welfens (1993); Welfens (2013). 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 58 3.2.2 Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt in der Transformationszeit (1989 - 2008) Nach dem Zerfall des Kommunismus im Jahr 1989 haben die MOEL einen gesellschaftlichen Transformationsprozess durchlaufen, »für den es kein historisches Vorbild gibt«152. Mit dem politischen Wechsel wurden die Wirtschafts- und Sozialsysteme in den MOEL umstrukturiert. Die Länder standen vor diversen komplexen Aufgaben, die es zu bewältigt galt. Neben der Dezentralisierung des gesamten Lenksystems, der Privatisierung der staatlichen Unternehmen, die von nun an nach marktwirtschaftlichen Prinzipien geführt werden sollten, mussten nun auch funktionsfähige Kapitalund Kreditmärkte sowie ein funktionsfähiger Arbeitsmarkt anstelle von Vollbeschäftigung etabliert werden, um nur einige der Aufgaben zu nennen.153 Der Start der Transformation (1990-1994/95) ging mit hohen sozialen Kosten in Form von Realeinkommensverlusten, Arbeitslosigkeit, einer radikalen «Flexibilisierung” der Arbeitskräfte, schlechterem Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialer Ausgrenzung sowie Armut einher und war geprägt von einer hohen Inflation und einer starken Rezession, die durch die freien Preise und den Zerfall des alten Systems verursacht wurden.154 Neben der schrittweise erfolgten Privatisierung der Unternehmen wurden auch im Bereich der sozialen Sicherung zahlreiche Änderungen vorgenommen. Mit der Trennung der wirtschaftlichen und sozialen Rolle, die die Unternehmen bisher innehielten, wurden die paternalistischen Beziehungen zwischen den Unternehmen und der Gesellschaft zurückgedrängt. Die bisherige Übernahme der sozialen Leistungen durch die Unternehmen konnte nachfolgend nicht mehr gewährleistet werden. Sie wurde vielmehr als Hindernis gesehen, um im Wettbewerb zu überleben.155 »With the deepening of the transformation pressures, however, companies became fewer employees friendly”.156 ____________________ 152 Götting (1998), S. 13. 153 Vgl. ebenda. 154 Vgl. Rainnie et al. (2002); Götting (1998). 155 Vgl. Lewicka-Strzalecka (2006); Iankova (2008). 156 Vgl. Koleva et al. (2010), S. 282. 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 59 In allen Ländern wurden die gleichen Maßnahmen durchgeführt, jedoch wurden unterschiedliche Ansätze verfolgt. Verschiedene politische Entscheidungen und Reformen157 sowie unterschiedliche Initialvoraussetzungen der Länder führten dazu, dass die Tiefe und Dauer der wirtschaftlichen Rezession zu Beginn der Transformation innerhalb von MOE stark variierten.158 Die darauf folgende Phase war durch ein robustes Wachstum und einen schnellen Aufholprozess gekennzeichnet. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Region lag bei etwa sechs Prozent. In keinem Land lag die jährliche Wachstumsrate unter drei Prozent.159 Die positiven Wachstumsraten haben sich in der Vergangenheit zudem nur bedingt in sinkender Arbeitslosigkeit ausgedrückt, da die Unternehmen noch immer die enorme Überbeschäftigung aus der Planwirtschaft abbauen mussten, um die Produktivität zu steigern und wettbewerbsfähig zu werden. 1999 waren erneut alle Länder von einer Krise betroffen, die lediglich Lettland mit positivem Wachstum überstand.160 Während der Transformationsphase fehlte den Unternehmen das Bewusstsein für unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt.161 Aus internationalen Berichten geht hervor, dass die vorherrschende Meinung immer noch jene war, dass der Staat und keine privaten Institutionen für die sozialen Leistungen aufkommen muss.162 Umweltaspekte wurden als irrelevant angesehen.163 Damit wurden die Umweltverschmutzungen, die bereits während der sozialistischen Phase verursacht wurden, verstärkt. Davon waren Länder mit Schwerindustrie (wie z.B. Polen und die Tschechische Republik) besonders betroffen.164 ____________________ 157 z.B. setzen die zentraleuropäischen und baltischen Länder, die von ihrer Nähe zu Westeuropa profitierten, zudem mutigere und größere Reformen um. Diese wurden durch eine Rückkehr des Wirtschaftswachstums belohnt und weitestgehend von den Krisenserien 1997 und 1998 innerhalb der Region verschont. Vgl. dazu Roaf et al. (2014). 158 Vgl. Berglöf und Pajuste (2005). 159 Vgl. Roaf et al. (2014). 160 Vgl. Roaf et al. (2014). 161 Vgl. Koleva et al. (2010). 162 Vgl. Kopp (2015). 163 Vgl. Lintz et al. (2005). 164 S. dazu ausführlicher Welfens (2013), S. 26. 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 60 Unternehmen waren vielmehr darauf bedacht, kurzfristige Geschäfte zu realisieren und Gewinne durch die Ausnutzung von Gesetzeslücken zu realisieren.165 Hinzu kamen diverse Skandale und fehlende Transparenz während der Privatisierung sowie eine steigende Korruptionsrate.166 Der schwache politische Wille, gegen diese Missstände vorzugehen, führte dazu, dass das Misstrauen gegenüber Unternehmen und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung in MOE wuchsen.167 Um die soziale Situation der Bevölkerung zu verbessern, reagierte der Großteil der Regierungen MOEs derart, dass die ökonomischen Reformen vorangetrieben und die Beziehungen zu westeuropäischen Partnern ausgebaut wurden. Insbesondere die EU-Anwartschaft erforderte institutionelle Reformen, die vor allem die arbeitende Bevölkerung betrafen und Umweltthemen stärker in den Fokus rückten. Die Reformen und letztlich die steigende Unzufriedenheit in der Bevölkerung führten dazu, dass dem Thema CSR der Weg geebnet wurde.168 Generell ist festzuhalten, dass mit der Veröffentlichung des Green Paper der Europäischen Kommission »Promoting a European Framework for Corporate Social Responsibility«169 im Jahr 2001 das Konzept CSR in allen Ländern eingeführt wurde (wenn es nicht schon vorher bekannt war).170 Seither fand eine langsame Verbreitung und Entwicklung von CSR Aktivitäten statt.171 Dabei werden MNUs172, einer steigenden Anzahl nicht-staatlicher Organisationen (NGOs) und den EU-Behörden in der Verbreitung von CSR bedeutende Rollen zugeteilt.173 2004 wurden die ersten acht Länder (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien, Slowakische Republik, Tschechische Republik und Ungarn) in ____________________ 165 Vgl. Potocki (2015), S. 245 f. 166 Vgl. Kooskora (2015). 167 Vgl. Kopp (2015). 168 Vgl. Kooskora (2006); Serenyi (2007); Koleva et al. (2010). 169 Vgl. Europäische Kommission (2001b). 170 Tiefergehende Ausführung zur Entwicklung von CSR zum Ende der Transformation in ausgewählten MOEL sind bei Habisch et al. (2005) zu finden. 171 Vgl. Kooskora (2005), S. 195; Fekete (2005), S. 141. 172 Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass MNUs zu Beginn ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten in MOE zunächst primär Standortvorteile und Markterschließung nutzen wollten und ihre CSR-Aktivitäten nach zunehmender Kritik ausgeweitet haben. Vgl. Fekete (2005). 173 Vgl. Golob und Bartlett (2007); UNDP (2007). 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 61 die EU aufgenommen, 2007 folgten Bulgarien und Rumänien.174 Im Jahr 2008 verkündete die Weltbank offiziell, dass der Transformationsprozess für die MOEL beendet ist.175 3.2.3 Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im gegenwärtigen Mittel- und Osteuropa (seit 2008) Die letzte Phase (seit 2008) hält bis heute an und war zunächst von der globalen Wirtschaftskrise stark beeinflusst, von der diese Region besonders stark betroffen war.176 Die Länder erholten sich nur schwer von dieser Krise, 2015 jedoch wuchs die mittel- und osteuropäische Wirtschaft um 3,4%.177 Seit der Einführung des CSR-Konzepts um die Jahrtausendwende wurden zahlreiche staatliche und nicht-staatliche Initiativen eingeleitet, die zu einer raschen Verbreitung und Entwicklung von CSR Aktivitäten führten. Die EU-Reformen und zunehmende Globalisierung der MOEL sowie die Stärkung der Zivilgesellschaften und ein größeres Bewusstsein der Bevölkerung waren und sind noch immer wichtige Treiber von CSR.178 Kooskora (2015) argumentiert sogar, dass die Finanzkrise letztlich dazu beigetragen hat, dass ethisches Handeln und unternehmerische Verantwortung stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung sowie der Unternehmen gerückt sei.179 Insgesamt kann eine starke Zunahmen von CSR Aktivitäten seit 2004 beobachtet werden, Ausmaß und Verbreitung variieren jedoch innerhalb der Region stark. Insgesamt gibt es noch immer grundlegende Unterschiede zum Stand von CSR im Vergleich zu WE.180 Als problematisch dabei wird die hohe Korruptionsrate in vielen MOEL gesehen. ____________________ 174 Kroatien hatte anfangs ebenfalls gute Chancen auf eine frühe Aufnahme in die EU. Der serbisch-kroatischen Krieg und das autokratisch-nationalistische Tudjman-Regime verhinderten die wirtschaftlichen und politischen Reformen. Eine Aufnahme erfolgte erst im Jahr 2013. (Kaufmann et al. (2006), S.30. 175 Vgl. Alam (2008), S. 7 ff. 176 Vgl. Dombi (2013), S. 452. 177 Vgl. International Monetary Fund (2015). 178 Vgl. dazu ausführlich Habisch et al. (2005). 179 Vgl. Kooskara (2015). 180 Vgl. Steurer et al. (2012). 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 62 3.3. Zwischenfazit Die Region MOE unterlag in den letzten 30 Jahren einer erstaunlichen Entwicklung. Aufgrund der sozialistischen Vergangenheit und darauf folgender Transformation konnte sich das Konzept CSR in MOE nicht so schnell entwickeln und verbreiten wie in anderen Teilen Europas. Während der Zeit des Sozialismus wurde die unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft hauptsächlich durch den Staat gelenkt. Zu Beginn der Transformation kam es zu einem kompromisslosen Abbau jeglicher sozialer Leistungen und einer Verneinung der sozialen Verantwortung seitens der Unternehmen. Erst mit der Jahrtausendwende wurde der Weg für CSR Aktivitäten geebnet, begünstigt durch ausländische Unternehmen, den EU-Beitritt und eine stärker werdende Zivilgesellschaft Mittlerweile ist das CSR Konzept in den Unternehmen MOEs bekannt und auch als langfristiges strategisches Konzept angekommen, wenn auch nach Kopp 2015 nicht weit verbreitet.181 Die zwar inzwischen stärker gewordene, jedoch im Vergleich zu WE immer noch schwache CSO und die hohe Korruptionsrate werden als Barrieren für eine tiefgehende Verbreitung von CSR Aktivitäten angesehen. Tabelle 2 zeigt die Einordnung der Länder gemäß des »Corruption Perception Index« von Transparency International.182 Der Index setzt sich aus verschiedene Umfragen und Untersuchungen zusammen und drückt dabei den Grad aus, in dem Korruption bei Amtstägern und Politikern wahrgenommen wird. Je höher die Platzierung, desto niedriger ist die wahrgenommen Korruption. Die Tabelle zeigt, dass die Korruptionsrate seit 2012 in den meisten Ländern zwar gesunken ist, im Vergleich zu Deutschland und Österreich haben die MOEL jedoch eine schlechtere Platzierung.183 Insbesondere in Bulgarien und Rumänien wird eine hohe Korruption wahrgenommen. ____________________ 181 Vgl. Kopp (2015). 182 Vgl. Transparency International (2015) 183 Vgl. Transparency International (2012); Transparency International (2015). 3. Corporate Social Responsibility in Mittel- und Osteuropa 63 Tabelle 2: Corruption Perception Index184 Eine hohe Korruptionsrate wird insofern als kritisch für CSR angesehen, als der Erfolg des Unternehemens von der öffentlichen Administration abhängig ist, die den Zugang zu Lizenzen, Konzessionen und Markteintritten bewilligt und somit einen Stakeholder-Dialog nicht zwingend notwendig macht.185 Vielmehr verhindert Korruption eine transparente Berichterstattung über die unternehmerischen Aktivitäten. ____________________ 184 Vgl. Transparency International (2015), Transparency International (2012). Um die Platzierung einordnen zu können, wurde noch zwei weitere afrikanische Länder in die Liste hinzugefügt. 185 Vgl. Kopp 2015, S. 457 f. 65 4. Stand der Forschung Vor dem Hintergrund der Zielstzung der vorliegenden Arbeit wird im Folgenden der aktuelle Forschungsstand zur NHB evaluiert. Hierzu werden zunächst die empirischen Befunde zur NHB in MOE aus früheren Untersuchungen analysiert. Weiterhin werden die Determinanten, die nach früheren Studien einen Einfluss auf die NHB ausüben, vorgestellt und bestehende Forschungslücken aufgezeigt. 4.1 Nachhaltigkeitsberichterstattung in MOE Die Untersuchung von Fifka (2011) hat bereits gezeigt, dass nur wenige Studien zu NHB in MOE vorliegen.186 Um einen Überblick zum jetzigen Kenntnisstand zur NHB in MOE (vier Jahre später) zu erlangen, wurden daher mehrere Datenbanken für die Recherche hinzugezogen. Neben der Web of Science Datenbank187 wurde zudem die Science Direct Datenbank systematisch nach passenden englisch- und deutschsprachigen Artikeln durchsucht. Die jeweiligen Suchbegriffe188 wurden dabei jeweils in Verbindung mit den einzelnen Ländern und der Region MOE kombiniert. Der Literaturüberblick umfasst alle Artikel, die seit dem Jahr 2000 veröffentlicht wurden. Da die Suche nur wenige Ergebnisse erzielte, wurde zusätzlich Google Scholar hinzugezogen. Insgesamt wurden 22 Studien gefunden. Mit Ausnahme von Lettland und der Slowakischen Republik sind damit alle MOEL vertreten. Tabelle 3 zeigt nachfolgend das Ergebnis der beschriebenen Literaturrecherche. ____________________ 186 Vgl. Fifka (2011), S. 15. 187 Die Web of Science Datenbank hat Zugriff auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften, die die für die vorliegende Untersuchung relevanten Felder größtenteils abdecken: 2474 Zeitschriften aus 50 Disziplinen. Siehe dazu Thomson Reuters (2015). 188 In die Datenbank wurden folgende Suchbegriffe eingegeben: „social report”, „environmental report”, „sustainabilty report”, „CSR report”, „responsibility report”, „non-financial report”, „TBL report”, „integrated report”(s. dazu auch Hahn und Kühnen (2013), S. 7). 4. Stand der Forschung 66 Tabelle 3: Literaturüberblick zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in Mittel- und Osteuropa189 ____________________ 189 Eigene Darstellung U n te rs u ch te s L an d A u to r( en ) Ja h r A rt d er U n te rs u ch te s M ed iu m U n te rn eh m en ss am p le U n te rs u ch u n g B u lg ar ie n S pa ss ov a 20 07 In ha lt sa na ly se Ja hr es be ri ch t, U nt er ne hm en sh om ep ag e 40 U nt er ne hm en E st la n d G ur vi ts h & S id or ov a 20 12 In ha lt sa na ly se Ja hr es be ri ch t 15 U nt er ne hm en K ro at ie n S tu bb s et a l. 20 07 Fa ll st ud ie B er ic ht sp ra kt ik en a ll ge m ei n Z w ei U nt er ne hm en O sm an ag ic - B ed en ik & L ab as 20 11 Fr ag eb og en st ud ie B er ic ht sv er ha lt en a ll ge m ei n M it gl ie de r d er k ro at is ch en A rb ei t ne hm er ve re in ig un g (9 00 k ro at is ch e U nt er ne hm en ) L it au en D ag il ie ne & G ok ie ne 20 11 In ha lt sa na ly se N ac hh al ti gk ei ts be ri ch t 12 U nt er ne hm en , M it gl ie de r de s G lo ba l C om pa ct N et zw er ke s D ag il ie ne 20 14 D ok um en te na na ly se Ja hr es be ri ch t -- - P ol en H ys & H aw ry sz 20 12 In ha lt sa na ly se N ac hh al ti gk ei ts be ri ch t R eg is tr ie rt e B er ic ht e vo n 20 06 - 20 11 H ab ek 20 14 In ha lt sa na ly se N ac hh al ti gk ei ts be ri ch t 38 U nt er ne hm en , d ie 2 01 1 be im G R I re gi st ri er t w ar en R u m än ie n B ud ea nu & T hi de ll 20 06 In te rv ie w s C S R -A kt iv it ät en u nd B er ic ht sve rh al te n V ie r U nt er ne hm en P op a et a l. 20 09 In ha lt sa na ly se Ja hr es be ri ch t, A n de r B ör se g el is te te U nt er ne hm en v on 2 00 6 - 20 08 . A nz ah l d er U nt er ne hm en v ar ii er t v on 6 in 2 00 6 bi s 10 in 2 00 8 N ac hh al ti gk ei ts be ri ch t, U m w el tb er ic ht , U nt er ne hm en sh om ep ag e Ie nc iu 20 14 In ha lt sa na ly se 64 a n de r B ör se g el is te te U nt er ne hm en S lo w en ie n B ab ič & B il os la vo 20 11 In ha lt sa na ly se U nt er ne hm en sh om ep ag e, 71 U nt er ne hm en Ja hr es be ri ch t T sc h ec h is ch e R ep u b li k R it sc he lo va e t a l. 20 08 L it er at ur üb er bl ic k de rz ei ti ge S it ua ti on z ur N H B -- - H re bi ce k & S ou ko po va 20 10 E nt w ic kl un g vo n K P Is -- - -- - U n ga rn L ig et i & O ra ve c 20 09 In te rv ie w s un d Fr ag eb og en P ra kt ik en C S R -A kt iv it ät en D ie 5 00 g rö ßt en u ng ar is ch en U nt er ne hm en K ar ca gi -K ov at s 20 12 In ha lt sa na ly se B er ic ht sp ra kt ik en a ll ge m ei n 51 u ng ar is ch e U nt er ne hm en T ab el le 3: L it er at ur üb er bl ic k zu r N ac hh al ti gk ei ts be ri ch te rs ta tt un g in M it te lu nd O st eu ro pa 19 0 4. Stand der Forschung 67 Der Großteil der Länderstudien beschreibt den vorliegenden Status quo der NHB im jeweiligen Land: Spassova (2007) gibt einen Überblick über die Berichterstattung der 40 größten an der bulgarischen Börse gelisteten Unternehmen. Es wird deutlich, dass nur vereinzelt Aspekte der Nachhaltigkeit innerhalb der Berichterstattung auf der Webseite oder im Jahresbericht veröffentlicht werden. Eigenständige Nachhaltigkeitsberichte wurden in der Untersuchung nicht gefunden.190 Für Estland fanden Gurvitsh & Sidorova (2012) heraus, dass die Tendenz der 15 untersuchten estnischen Unternehmen, über Nachhaltigkeit zu berichten, gestiegen ist. Waren es 2007 noch 45% der Unternehmen, so waren es 2010 bereits 60%. Die Informationen werden hauptsächlich im Rahmen des Jahresberichts veröffentlicht, der Anteil an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten war noch gering.191 Osmanagić-Bedenik & Labas (2011) untersuchten mit Hilfe eines Fragebogens, welche CSR-Praktiken von kroatischen Unternehmen genutzt werden. Sie fanden heraus, dass der Fokus kroatischer Unternehmen noch immer auf kurzfristiger Gewinnerzielung liegt. Sie fanden einen Zusammenhang zwischen Unternehmen mit starker Exportorientierung und der Bereitschaft, Nachhaltigkeitspraktiken und damit auch NHB durchzuführen.192 Eine Ausnahme unter den vorliegenden Länderstudien stellt die Untersuchung von Stubbs et al. (2007) dar. Sie ist die einzige Untersuchung, die anhand von Fallstudien die Berichterstattung zweier kroatischer Unternehmen untersucht und Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeitskompetenz der Unternehmen zieht.193 Hąbek, Hys und Hawrysz geben in ihren Studien einen Überblick über Nachhaltigkeitsberichtspraktiken in Polen. Hys et al. (2012) konnte nachweisen, dass Unternehmen, die einen stärkeren Fokus auf internationale Märkte haben, eher einen Nachhaltigkeitsbericht vorweisen können. Er beschreibt, dass die Anzahl der eigenständigen Berichte seit 2005 (bis 2010) zwar stetig gestiegen ist, die Verbreitung jedoch erst langsam erfolgt.194 (Hąbek, 2014) weisen darauf hin, dass das Phänomen NHB in Polen noch ____________________ 190 Vgl. Spassova (2007). 191 Vgl. Gurvitsh und Sidorova (2012). 192 Vgl. Osmanagić Bedenik und Labaš (2012). 193 Vgl. Stubbs et al. (2007). 194 Vgl. Hys et al. (2012). 4. Stand der Forschung 68 immer selten ist und sich stark in Form und Qualität unterscheidet, ohne jedoch auf die Gründe einzugehen.195 Ähnliche Schlussfolgerung für Litauen leiten Dagilienė (2014) und Dagilienė und Gokienė (2011) in ihren Studien ab. Es wird zwar stetig mehr über Nachhaltigkeit berichtet, die Entwicklung ist jedoch auch in Litauen sehr langsam.196 Vergleichsweise viele Studien zur NHB konnten in Rumänien gefunden werden, die teilweise zu unterschiedlichen Erkenntnissen führen. Budeanu und Thidell (2006) behaupten in ihrer explorativen Studie, dass trotz der frühen Entwicklungsstufe von NHB rumänische Unternehmen bereits in der Lage sind, mit westeuropäischen Unternehmen hinsichtlich Berichterstattung gleichzuziehen.197 Popa et al. (2009) und Alin et al. (2011) kommen zu einem gegensätzlichen Schluss. Popa et al. (2009) untersuchten, inwieweit die gelisteten Unternehmen der Bukarest Börse Informationen zu CSR veröffentlichen. Sie fanden heraus, dass insgesamt nur wenige Informationen zu CSR Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden. Dies war auch zutreffend für Unternehmen, die einen großen Einfluss auf die Umwelt haben.198 Alin et al. (2011) fanden heraus, dass die Berichte der Unternehmen trotz der steigenden Anzahl an Umweltberichten zum größten Teil unvollständig und irrelevant sind und somit die Qualität der Berichte in Rumänien sehr niedrig ist.199 Es wurden keine Studien gefunden, die den Status quo für die Tschechische Republik aufzeigen. Vielmehr zeigen Ritschelova et al. (2008) die derzeitigen geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zur NHB auf.200 Hrebicek & Soukopova (2010) beschäftigen sich demgegenüber damit, welche KPIs zur Berichterstattung in der Tschechischen Republik standardisiert werden sollen. 201 Babič und Biloslavo (2011) analysierten den Status quo der NHB bei slowenischen Unternehmen und untersuchten dabei die Unternehmenshomepages von 71 großen Unternehmen. Sie stellen heraus, dass die Unternehmen wichtige Informationen vorenthalten. Der Schwerpunkt der slowe- ____________________ 195 Vgl. Hąbek (2014). 196 Vgl. Dagilienė und Gokienė (2011); Dagilienė und Leitonienė (2012). 197 Vgl. Budeanu und Thidell (2006). 198 Vgl. Popa et al. (2009). 199 Vgl. Alin et al. (2011). 200 Vgl. Ritschelova et al. (2008). 201 Vgl. Hrebicek et al. (2010). 4. Stand der Forschung 69 nischen Berichte liegt auf sozialen Informationen, Informationen zu ökologischen Auswirkung der Unternehmenstätigkeit wurden dahingegen kaum gefunden.202 Für Ungarn ergab die Suche zwei Untersuchungen. Ligeti und Oravec (2009) untersuchen Nachhaltigkeitspraktiken in ungarischen Unternehmen und zeigen auf, dass die CSR Aktivitäten wie auch die Kommunikation vom Kerngeschäft getrennt werden und hier weitere Entwicklungspotenziale liegen. Karcagi-Kovats (2012) finden in ihrer Untersuchung heraus, dass die von Ihnen untersuchten 51 ungarischen Unternehmen sich in verschiedenen Entwicklungsstufen der NHB befinden. Teilweise fehlen ökologische Ansätze bisher völlig.203 Alle Untersuchungen haben gemein, dass NHB als ein »relatively new phenomenon” gesehen wird und die Unternehmen sich weitestgehend noch in der Aufbauphase befinden. Jedoch können keine Rückschlüsse auf die Berichterstattung in der jeweiligen Region geschlossen werden, weil sich die untersuchten Unternehmen und auch das untersuchte Medium von Studie zu Studie unterscheiden. Studien, die einen Vergleich zwischen MOEL und/oder mit anderen Regionen ziehen, existieren kaum. Wenige Ausnahmen sind bspw. die Studien von Golob und Bartlett (2007). Die beiden Autoren vergleichen die NHB in Australien und in Slowenien. Ergebnis ihrer qualitativen Untersuchung ist, dass der Fokus in der Berichterstattung auf anderen Schwerpunkten liegt und dieser durch die Unterschiede der nationalen Kulturen zu erklären ist.204 Jindrichovska und Purcarea (2011) vergleichen CSR und Berichterstattung in der Tschechischen Republik und in Rumänien. Die NHB basiert auf den gleichen Prinzipien, die bestimmten Ansätze dazu unterscheiden sich jedoch. Jindrichovska und Purcarea begründen die Unterschiede darin, dass die Tschechische Republik nicht, wie Rumänien, die Verbreitung von CSR und Umweltberichterstattung politisch lenkt.205 Die Studie von Steurer und Konrad (2009) umfasst viele (dennoch nicht alle) MOEL und gibt einen guten Überblick über das Verständnis von CSR innerhalb MOEL, ohne jedoch auf die Ursachen dieser Unterschiede einzugehen.206 ____________________ 202 Vgl. Babič und Biloslavo (2011). 203 Vgl. Ligeti und Oravecz (2009); Karcagi-Kovats (2012). 204 Vgl. Golob und Bartlett (2007). 205 Vgl. Jindrichovska und Purcarea (2011). 206 Vgl. Steurer und Konrad (2009), S. 33. 4. Stand der Forschung 70 Strouhal et al. (2015) untersuchen die NHB von estnischen und tschechischen Unternehmen, ohne diese miteinander zu vergleichen. Sie fanden heraus, dass Unternehmen in beiden Ländergruppen eine Veröffentlichung im Finanzbericht bevorzugen und konnten keine Rückschlüsse auf die Finanzleistung ziehen.207 Der Stand der Forschung zu NHB in MOE zeigt zusammenfassend, dass Unternehmen in den MOEL zwar zunehmend aktiver in der Veröffentlichung von NHB geworden sind, wenngleich sie noch am Anfang stehen und sich hinsichtlich Verbreitung und Qualität stark unterscheiden. Aufgrund der geringen Anzahl, unterschiedlichen Untersuchungseinheiten und unterschiedlicher Zeitpunkte der durchgeführten Untersuchungen sind jedoch keine tiefergehenden Rückschlüsse auf Unterschiede innerhalb der NHB in MOE möglich. Weiterhin existieren nur wenige Studien im internationalen Vergleich, weder innerhalb MOE noch zwischen MOEL und einem der anderen Länder. 4.2 Einflussfaktoren der Nachhaltigkeitsberichterstattung Eine Vielzahl von Untersuchungen hat sich bereits mit den Unterschieden zur NHB beschäftigt. Berichte können sich hinsichtlich Verbreitung208, Ausmaß209, Format, Standardnutzung und hinsichtlich ihrer Qualität unterscheiden.210 Weiterhin ergeben sich verschiedene Möglichkeiten der Informationsaufbereitung. Werden Sachverhalte eher verbal beschrieben, liegen sogenannte Soft-Informationen vor. Ist die Aufbereitung eher durch quantifizierbare und monetäre Daten gekennzeichnet, dominieren sog. »Hard Facts" und KPIs. Die zentrale Fragestellung der meisten empirischen Studien bezieht sich auf die Faktoren zur Beeinflussung der Entscheidung, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. ____________________ 207 Vgl. Strouhal et al. (2015). 208 Entscheidung oder Neigung, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. 209 Bspw. hinsichtlich der Quantität der veröffentlichten Informationen, die Aufschluss über den Berichtsfokus geben, gemessen an bestimmten Stichwörtern oder der Satz- bzw. Seitenzahl. 210 S. dazu auch Kapitel 2. 4. Stand der Forschung 71 Grundsätzlich lassen sich die Einflussfaktoren, die auf die Veröffentlichung eines NHB wirken, in vier Kategorien unterteilen: in Unternehmenscharakteristika, generelle Kontextfaktoren, landesspezifische Faktoren und interne Kontextfaktoren (s. dazu Abbildung 8). Abbildung 8: Einflussfaktoren der Nachhaltigkeitsberichterstattung211 Unternehmenscharakteristika Die vorliegende Literatur zu Unterschieden in der NHB ist dominiert von Studien, die den Einfluss von Unternehmenscharakteristika wie der Unternehmensgröße, finanziellen Unternehmensleistungen und Eigentümerstruktur auf die NHB untersuchen. Insbesondere kommt der Größe von Unternehmen212 eine hohe Relevanz zu. Die Mehrheit der Studien kommt dabei zu dem Schluss, dass ein positiver Zusammenhang zwischen großen Unternehmen und der Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten sowie deren Qualität besteht. Das Ergebnis wird damit begründet, dass die Tätigkeit von großen Unternehmen eine höhere Auswirkung auf das soziale und ökologische Umfeld hat als die Tätigkeiten kleinerer Unternehmen. Sie unterliegen einer stärkeren Beobachtung und damit auch höherem Druck der relevanten Stakeholder.213 Dieser führt dazu, dass sich Unternehmen gezwungen sehen, Informationen zu sozialen, ökonomischen und ökologischen Auswirkungen ihrer unternehmerischen Tätigkeit preiszugeben und ____________________ 211 Eigene Darstellung. 212 Gemessen an der Mitarbeiterzahl, dem Vermögenswert, der Marktkapitalisierung oder dem Umsatz. 213 Vgl. Fortanier et al. (2011), S. 668; Gallo und Christensen (2011), S. 7 ff. Nachhaltigkeitsberichterstattung Unternehmenscharakteristika Landesspezifische Einflussfaktoren Generelle Kontextfaktoren Interne Einflussfaktoren 4. Stand der Forschung 72 damit einen NHB zu veröffentlichen. Weiterhin verfügen große Unternehmen in der Regel über die notwendigen Ressourcen, die eine qualitativ hochwertige Veröffentlichung ermöglichen.214 Hinsichtlich der finanziellen Unternehmensleistung konnten innerhalb der vorliegenden Untersuchungen keine eindeutigen Aussagen getroffen werden. Die Annahme, dass eine höhere Profitabilität (gemessen an Marktrendite, der Kapitalrentabilität oder der Eigenkapitalrendite) zu einer höheren Fähigkeit und Flexibilität der Unternehmen führt, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen, konnte nicht eindeutig bestätigt werden.215 Während Cormier et al. (2004) einen positiven Zusammenhang zwischen dem Profit und der Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts gefunden haben, können Stanny und Ely (2008) hierzu keinen positiven Zusammenhang finden.216 Weiterhin konnten Zusammenhänge zwischen der Eigentümerstruktur eines Unternehmens und der Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts gefunden werden. Sowohl staatliche als auch börsennotierte Unternehmen neigen eher dazu, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Dies wird damit begründet, dass börsennotierte Unternehmen ohnehin von strengeren Rechtsvorschriften in der Berichterstattung betroffen sind und einem höheren Stakeholderdruck unterliegen sowie bewährte Praktiken der Wettbewerber schneller übernommen werden.217 Bei staatlichen Unternehmen wurde das vermehrte Aufkommen von Nachhaltigkeitsberichten damit erklärt, dass von diesen erwartet wird, mit gutem Beispiel voranzugehen.218 Generelle Kontextfaktoren Generelle Kontextfaktoren beinhalten die Branchenzugehörigkeit und die »Sichtbarkeit« von Unternehmen. Die Wirkung der Branchenzugehörigkeit auf die NHB wird in vielen bestehenden Studien untersucht.219 Dabei wird ____________________ 214 Vgl. bspw. Cormier et al. (2004). 215 Vgl. Hahn und Kühnen (2013).. 216 Vgl. Cormier et al. (2004);. Stanny und Ely (2008). 217 Vgl. Haddock (2005). 218 Vgl. Othman et al. (2011); Gallo und Christensen (2011). 219 Vgl. z.B. Amran und Haniffa (2011); Mishra und Suar (2010); Amran et al. (2014). 4. Stand der Forschung 73 meistens angenommen, dass Branchen mit einer hohen sozialen und ökologischen Wirkung220 eher über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten berichten, um ihre Legitimation aufrechtzuerhalten, als Industrien, die geringere Wirkung haben (wie z.B.: Service Dienstleistungen). Auch hier sind die Ergebnisse jedoch nicht völlig widerspruchsfrei.221 Die Sichtbarkeit von Unternehmen kann durch die Stellung innerhalb der Supply Chain, durch die Medienpräsenz oder anhand des Markenwerts dargestellt werden. Unternehmen, die durch die Nähe zum Kunden eine stärkere Sichtbarkeit haben (B2C) oder deren Produkt-Markenname stärker mit dem Unternehmensnamen in Verbindung gebracht Mishra und Suar (2010)Mishra und Suar (2010)Mishra und Suar (2010)Mishra und Suar (2010)Mishra und Suar (2010)Mishra und Suar (2010)Mishra und Suar (2010) werden kann, neigen eher dazu, einen NHB zu veröffentlichen.222 Diese stehen unter stärkerem öffentlichen Druck als Unternehmen, die im B2B (Business to Business) Bereich tätig und der Öffentlichkeit daher weniger bekannt sind.223 Landesspezifische Faktoren Obwohl in vorhergehenden Untersuchungen landesspezifische Unterschiede in der NHB identifiziert wurden,224 werden die Determinanten, die zu diesen Unterschieden führen, in nur wenigen Studien identifiziert und untersucht.225 Chen und Bouvain (2009) zeigen auf, dass v.a. in den USA, Großbritannien, Australien und Deutschland unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in der NHB vorliegen. Unterschiede zum Ausmaß der NHB zeigen Chapple und Moon (2005) für Ostasien und Buhr und Freedman (2001) für die USA und Kanada auf. Auf welche länderspezifischen Fakto- ____________________ 220 Die Stahlindustrie bspw. hat eine hohe ökologische Wirkung, die Bekleidungsindustrie eine hohe soziale Wirkung. 221 Vgl. Hahn und Kühnen (2013). 222 Vgl. Groves et al. (2011). 223 Vgl. Haddock‐Fraser und Fraser (2008). 224 Vgl. Chapple und Moon (2005); Gray et al. (1990); Kolk (2008); Chen und Bouvain (2009); Golob und Bartlett (2007); KPMG (2013). 225 Vgl. Fifka (2012); Hahn und Kühnen (2013). Einige Untersuchungen zeigen Unterschiede in der Verbreitung von Nachhaltigkeitsberichten225, andere wiederum Unterschiede im Ausmaße der NHB. 4. Stand der Forschung 74 ren diese Unterschiede jedoch zurückzuführen sind, wird nicht weiter untersucht. Neben staatlichen Regulierungen haben spezifische kulturelle und sozio-ökonomische Faktoren einen Einfluss auf die Berichterstattung. Generell konnte ein Anstieg an Nachhaltigkeitsberichten in den Ländern beobachtet werden, in denen sich die rechtlichen Anforderungen bzgl. der NHB geändert haben.226 Inhaltlich konnte beobachtet werden, dass Nachhaltigkeitsberichte gemäß den regulatorischen Anforderungen in den jeweiligen Ländern angepasst wurden.227 Die Anzahl vergleichender Studien, die den Einfluss spezifischer kultureller und sozio-ökonomischer Faktoren untersuchen, ist bis dato noch sehr gering. Ausnahmen bilden hier u.a. Fifka und Drabble (2012), die landesspezifische Einflüsse auf das Berichtverhalten in Finnland und England gefunden haben. Da die Isolierung von landesspezifischen Faktoren von anderen Kontextvariablen wie z.B. der Unternehmensgröße nicht möglich ist, kann diese als eine der Ursachen der Vernachlässigung landesspezifischer Faktoren gesehen werden.228 Dass Unterschiede jedoch auf landesspezifische Faktoren zurückzuführen sind, zeigen Untersuchungen zu Nachhaltigkeitsmanagementpraktiken. So zeigen Matten und Moon (2008), dass für die USA und Europa eine implizite und explizite Form von CSR existiert.229 Ebenso argumentieren Delmas und Toffel (2004), dass landesspezifische Determinanten einen Einfluss auf das Nachhaltigkeitsmanagement haben.230 Interne Faktoren Interne Faktoren lassen sich gemäß Adams (2002) in zwei Unterkategorien einordnen. Zum einen können interne Prozesse, wie die Existenz einer Nachhaltigkeitsabteilung oder die Ausgestaltung von internen Berichtsstrukturen einen Einfluss auf die NHB ausüben. Zum anderen beeinflusst die interne Einstellung wie die Unternehmenskultur oder der von Unternehmen wahrgenommene Nutzen die NHB.231 ____________________ 226 Vgl. Ioannou und Serafeim (2014); Acerete et al. (2011). 227 Vgl. Hess und Dunfee (2007). 228 Vgl. Fifka (2012). 229 Vgl. Matten und Moon (2008), S. 419. 230 Vgl. Delmas und Toffel (2004), S. 209. 231 Vgl. Adams (2002), S. 223 ff. 4. Stand der Forschung 75 Untersuchungen zu internen Faktoren sind insofern wichtig, als diese einen besseren Einblick darüber geben, welche internen Stellen die NHB eines Unternehmens prägen. Interne Faktoren können die Charakteristika des Unternehmens besser erfassen und ermöglichen somit die Ableitung konkreter Handlungsmöglichkeiten. Die Schwierigkeit, interne Faktoren zu beobachten und zu messen, kann eine Ursache dafür sein, warum aktuell nur wenige Studien zur NHB vorliegen.232 In den meisten Studien werden interne Faktoren nebensächlich erhoben, ohne konkret untersucht zu werden. So betont z.B. Delfgaauw (2000), dass eine angemessene Struktur, die auf geteilten Werten basiert und sich in den Prozessen, Systemen und Grundsätzen widerspiegelt, für die NHB und dabei insbesondere für große Unternehmen von Bedeutung ist.233 Cowen et al. finden heraus, dass die Existenz eines Nachhaltigkeitskomitees die Veröffentlichung von nachhaltigen Informationen beeinflusst. Adams (2002) stellt basierend auf Interviews in jeweils sieben Unternehmen aus Australien und Großbritannien fest, dass der Formalisierungsgrad der Prozesse, die Berichtsprozesse und die Einbindung der Stakeholder einen Einfluss auf die Berichterstattung haben.234 4.3 Implikationen für die vorliegende Arbeit Die vorangegangen Ausführungen haben den aktuellen Forschungsstand zur NHB in MOE und zu Determinanten der NHB aufgezeigt. Die im Rahmen der Analyse gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für das weitere Vorgehen der vorliegenden Arbeit. Nachfolgend wird erläutert, inwieweit die vorliegende Arbeit die Defizite der früheren Studien zur NHB in MOE aufgreift und dazu beiträgt, die Forschungslücke zu schlie- ßen. Der Stand der Forschung zeigt insgesamt, dass die NHB kein junges Forschungsfeld mehr darstellt. Dennoch konnten insgesamt nur 22 Studien gefunden werden, die NHB in MOEL untersuchen. Der Erkenntnisgewinn ist nicht nur deshalb gering, weil bisher nur wenige Studien existieren. Aussagen darüber, ob und inwiefern der Status quo der NHB in MOE hinter dem anderer Regionen liegt, sind nicht möglich, da vergleichende Studien zu ____________________ 232 Vgl. Thijssens et al. (2016). 233 Vgl. Delfgaauw (2000). 234 Genaugenommen auf die Berichterstattung von Health, Safety and Environment (HSE) Reports. 4. Stand der Forschung 76 anderen Regionen fehlen. Aus diesem Grund wird in der vorliegende Arbeit eine vergleichende Untersuchung durchgeführt, die alle neuen EU-Beitrittsländer aus MOEL berücksichtigt. Durch die Hinzunahmen von Österreich und Deutschland, stellvertretend für WE, wird ein Benchmark ermöglicht. Es existiert zudem eine Vielzahl an Studien, die die Determinanten der NHB untersuchen. Im Fokus der meisten Studien stehen dabei Unternehmenscharakteristika sowie generelle Kontextfaktoren. Es konnte jedoch lediglich ein positiver Einfluss der Unternehmensgröße auf die Ausbreitung von NHB nachgewiesen werden. Aufgrund der unterschiedlichen Operationalisierung der Variablen und unterschiedlicher Zeiträume sind die Befunde der Studien teilweise unterschiedlich bis hin zu gegensätzlich. Folgerichtig besteht hier die Notwendigkeit, insbesondere landesspezifische und interne Einflussfaktoren, die in nur wenigen Studien thematisiert werden, zu untersuchen, so dass Schlussfolgerungen möglich sind. Die Forderung von Adams (2002) und Fifka und Drabble (2011) verdeutlichen den fehlenden Kenntnisstand. Sie betonen, dass so gut wie keine Studien existieren, die speziell landesspezifische und interne Einflussfaktoren thematisieren.235 Daher wird in der vorliegenden Studie insbesondere der Einfluss der landesspezifischen und internen Faktoren analysiert. Zudem wird im Rahmen der empirischen Untersuchung zwischen dem Einfluss der Determinanten auf die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts einerseits sowie auf die Qualität der Berichterstattung andererseits unterschieden. ____________________ 235 Vgl.Adams (2002); Fifka und Drabble (2012). 4. Stand der Forschung 77 Insgesamt werden mit dieser Arbeit drei Forschungslücken adressiert. Die Implikationen zum Stand der Forschung für diese Arbeit sind in Abbildung 9 zusammengefasst: Abbildung 9: Implikationen aus dem Stand der Forschung für die vorliegende Arbeit236 ____________________ 236 Eigene Darstellung. Vielzahl an Studien untersuchen den Einfluss verschiedener Determinanten auf NHB Aufgrund unterschiedlicher Samples und Veröffentlichungszeiträume sind die Ergebnisse teilweise inkonsistent Untersuchte Determinanten sind meist Unternehmenscharakteristika Der Status quo der NHB in MOE ist nicht bekannt, und Vergleich zu WE nicht möglich Trotz der Vielzahl der Studien zu den Determinanten sind die Ergebnisse inkonsistent, so dass nicht immer eindeutige Aussagen möglich sind Kaum Studien, die sich mit dem Einfluss der landesspezifischen und internen Faktoren auf die NHB befassen 18 nationale Studien und vier Vergleichsstudien zur NHB in und mit MOEL Stand der Forschung: NHB in MOE Determinanten der NHB Forschungslücken 79 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten Um die unterschiedlichen Fragestellungen beantworten zu können, werden zwei Untersuchungsmodelle benötigt. Das folgende Kapitel umfasst Modell 1 zur Beantwortung der Fragen, inwieweit sich NHB in MOE unterscheidet und welche landesspezifischen Determinanten einen Einfluss auf die NHB in MOE haben. Bevor die relevanten Forschungsfragen anhand theoriegeleiteter Hypothesen konkretisiert werden, wird im Folgenden zunächst der theoretische Bezugsrahmen erläutert. Das theoretische Fundament für das erste Untersuchungsmodell bildet das National Business Konzept, welches auf dem Neo-Institutionalismus basiert. Dieser eignet sich besonders dafür, länderübergreifende Unterschiede in der Unternehmensführung zu verstehen.237 Aufbauend auf der theoretischen Fundierung und der Hypothesenentwicklung wird das gewählte Forschungsdesign vorgestellt. Es werden die Datensammlungsmethodik (Kapitel 5.3), die Operationalisierung (Kapitel 5.4) und die Methoden der Datenaufbereitung und -auswertung näher erläutert (Kapitel 5.5). Nachfolgend werden dann in Kapitel 5.6 die Befunde zur Ausgestaltung separater NHB in MOEL und WE vorgestellt. Zunächst werden die deskriptiven Ergebnisse zu den allgemeinen Charakteristika der Berichtspraxis sowie die inhaltliche Ausgestaltung der NHB dargestellt. Anschließend werden die empirischen Befunde zur Berichtspraxis analysiert. Das Kapitel schließt mit einer Schlussbetrachtung des Modells 1. Hierzu werden zentrale Ergebnisse zusammengefasst, erste Implikationen resümiert sowie Limitation der Untersuchung aufgezeigt. 5.1 Theoretischer Bezugsrahmen: Das National Business Konzept als Erklärungsansatz für landesspezifische Unterschiede Nach Aguilera und Jackson (2003) eignet sich der Neo-Institutionalismus besonders dafür, länderübergreifende Unterschiede in der Unternehmensführung zu verstehen.238 Innerhalb dieser Theorie wird angenommen, dass ____________________ 237 Vgl. Aguilera und Jackson (2003). 238 Vgl. ebenda. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 80 Verhalten sowie Routinen und Strukturen von Organisationen weniger durch Effizienzkriterien oder den Wettbewerb als durch institutionalisierte Erwartungen aus dem Umfeld bestimmt werden.239 Innerhalb einer Gesellschaft entstehen demnach Vorstellungen, Regeln und Erwartungen, die festlegen, wie Organisationen gestaltet sein sollen, warum sie nützlich sind und welche Aufgaben sie zu erfüllen haben.240 Innerhalb des Neo-Institutionalismus werden zwei Ansätze unterschieden.241 Der erste der beiden Ansätze ist bekannt als amerikanischer Institutionalismus und bezieht sich auf die Grundannahme, dass eine idealtypische Form von Organisation existiert, die sich trotz unterschiedlicher nationaler Kulturen und Institutionen im Internationalisierungsprozess ergibt. Er legt seinen Schwerpunkt auf die globale Diffusion von Praktiken, Strukturen und Institutionen. Er verneint nationale Unterschiede, da er davon ausgeht, dass sich alle nach einer gewissen Zeit angleichen. 242 Demgegenüber steht der europäische Institutionalismus, der die mangelnde Berücksichtigung lokaler und kultureller Faktoren im amerikanischen Institutionalismus kritisiert.243 Forschungsarbeiten zum europäischen Institutionalismus betonen, dass nationale Unterschiede von betrieblichen Strukturen und Handlungsmustern nicht ausschließlich auf die »Aufgabenumwelt« zurückzuführen sind.244 Vielmehr wird die Verschiedenartigkeit der institutionellen Einbettung in die unterschiedlichen nationalen Kontexte in den Fokus gerückt und verantwortlich gemacht für die vorhandenen Unterschiede. Unternehmen sind verankert in einem Gefüge aus formalen und informalen Strukturen,245 die einen direkten Einfluss auf die Aktivitäten der Unternehmen und die daraus folgenden Resultate haben. Entsprechend entwickeln Unternehmen bestimmte strategische Antworten auf Erwartungen (Institutionen), die ihnen aus ihrem Umfeld gestellt werden. Im Kontext von CSR sind nachhaltige Aktivitäten wie die Veröffentlichung eines NHB daher mögliche Antworten, auf das institutionelle Umfeld zu reagieren.246 ____________________ 239 Vgl. Meyer und Rowan (1977). 240 Vgl. Millonig (2002); North (1990). 241 Vgl. Tempel und Walgenbach (2007). 242 Wichtige Vertreter sind Meyer und Rowan (1977); DiMaggio und Powell (1983). 243 Vgl. Erlei et al. (2007). 244 Vgl. Geppert et al. (2006). 245 Vgl. North (1990). 246 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 81 Das NBS-Konzept von Whitely gilt als das ausgereifteste und theoretisch umfassendste zum europäischen Institutionalismus.247 Dieses theoretische Konzept ermöglicht eine institutionelle Analyse auf internationaler Ebene und liefert damit ein Erklärungsmodell dafür, wie nationale institutionelle Rahmenbedingungen die Ausgestaltung von Managementpraktiken beeinflussen.248 Ausgangspunkt des NBS-Konzeptes sind die Schlüsselelemente eines historisch gewachsenen Institutionengefüges eines Landes. Whitely geht davon aus, dass jedes Land über institutionelle Rahmenbedingungen verfügt, welche das NBS formt und bestimmt. Er unterscheidet dabei vier Kernelemente: Das politische System, das Finanzsystem, das Beschäftigungs- und Bildungssystem sowie das kulturelle System. Je nach Ausprägung stellen die verschiedenen Institutionen einen unterschiedlich guten Zugang zu kritischen Unternehmensressourcen wie Arbeit und Kapital zur Verfügung.249 Das politische System beeinflusst maßgeblich die Wirtschaftsprozesse eines Landes durch z.B. Marktregulierungen und entscheidet, wie hoch die Risiken sind, die private Akteure selbst tragen müssen. Zudem wirkt der Staat auch auf die Rolle der Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Interessensgruppen innerhalb eines Landes.250 Innerhalb der Finanzsysteme kann zwischen einem bankenbasierten System und einem marktbasierten System unterschieden werden.251 In einem bankenbasierten Finanzsystem stellen Kredite die bevorzugte Quelle für finanzielle Investitionen dar. Im Gegensatz dazu sind marktbasierte Finanzsysteme durch Wettbewerb gekennzeichnet und andere Arten der Finanzierung (z. B. Eigenkapital und Anleihen) sind bedeutender als Bankkredite. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen für das NBS.252 Das Beschäftigungs- und Bildungssystem lässt sich in »the system that develops and certifies competences and skills«253 (das Bildungssystem) und »the institution that controls the terms on which the owner of those skills ____________________ 247 Vgl. Geppert et al. (2006). 248 Vgl. Wolf (2009). 249 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012). 250 Vgl. Geppert et al. (2006). 251 Vgl. Ali und Hwang (2000); Berglöf (1991). 252 Vgl. Wolf (2009). 253 Whitley (1999), S. 50. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 82 sells them in labour market and how those markets are organised”254 (Beschäftigungssystem) unterteilen. Länderspezifische Unterschiede im Beschäftigungs- und Bildungssystem haben Konsequenzen für die Rekrutierungs-, Beförderungs- und Ausbildungspolitik. Darüber hinaus sind der Organisationsgrad, die Unabhängigkeit, die Stärke und Kontrolle der Arbeitnehmer und Sozialpartner zu berücksichtigen, die einen erheblichen Einfluss auf das NBS ausüben können.255 Das kulturelle System beinhaltet kulturelle Normen und Werte einer Gesellschaft, die u.a. die Vertrauens- und Herrschaftsbeziehungen regulieren.256 Dem Umgang mit Vertrauen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Das zugestandene Maß an Vertrauen zwischen den verschiedenen Akteuren prägt die Beziehungen innerhalb der Managementfunktion und Beschäftigungsgruppen (z.B. zwischen Managern und Arbeitern). Weiterhin erweist sich die Institutionalisierung von Autoritätsbeziehungen als entscheidend. Diese können entweder eher paternalistisch oder gemeinschaftsbezogen gekennzeichnet sein.257 In Abhängigkeit von der jeweiligen institutionellen Ausstattung eines Nationalstaates bildet sich dann das konkrete NBS (s. Abbildung 10). Whitley (1999) definiert dabei das NBS als »distinctive patterns of economic organization that vary in their degree and mode of authoritative coordination of economic activities, and in the organization of, and interconnections between, owners, managers, experts, and other employees”.258 Dadurch lassen sich zentrale Bestandteile des NBS identifizieren: Die Charakteristika der Unternehmen als ökonomische Akteure, die Struktur der Marktbeziehungen zwischen ökonomischen Akteuren und die Kontrollund Koordinationssysteme innerhalb von Unternehmen.259 Die Charakteristika der Unternehmen (»nature of the firm«) beziehen sich hauptsächlich auf die Eigentumsform. Diese unterscheidet sich in der Ausprägung der Eigentumskoordination und im Grad des Einflusses, den Eigentümer auf das Management von Unternehmen, auf die Unternehmens- ____________________ 254 Whitley (1999), S. 50. 255 Vgl. Whitley (1992); Geppert et al. (2006). 256 Vgl. dazu auch die kulturalistischen Theorien von Hofstede (2001) oder Hall (1976). 257 Vgl. Whitley (2002); Geppert et al. (2006). 258 Whitley (1992), S. 33. 259 Vgl. ebenda. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 83 kommunikation und die Beziehung zu Anspruchsgruppen besitzen. Hinsichtlich der NHB kann sich daher z.B. die Rolle von Anspruchsgruppen oder Corporate Governance Mechanismen unterscheiden. 260 Abbildung 10: Schlüsselelemente des National Business Systems nach Whitley261 Die Organisation marktbezogener Prozesse (»Organisation of market processes«) bezieht sich auf die Form der Beziehungen zwischen verschiedenen Marktakteuren262. Der Grad der Hierarchie und Autorität der unterschiedlichen Beziehungen hat Einfluss darauf, wie CSR-Themen kommuniziert und durchgesetzt werden und wie hoch das wahrgenommene Erfordernis einer NHB innerhalb des Unternehmens ist.263 Die Kontroll- und Koordinationssysteme (»authoritative coordination and control system«) beziehen sich auf die Ausgestaltung von Arbeitsorganisationen und beschreiben das Management von Arbeitsbeziehungen in den jeweiligen Gesellschaften. NBS unterscheiden sich stark in der Art, wie Vertrauensbeziehungen wie z.B. Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen organsiert sind und haben damit auch Einfluss darauf, wie CSR-Themen kommuniziert werden. 264 ____________________ 260 Vgl. Matten und Moon (2008); Wolf (2009). 261 Eigene Darstellung in Anlehnung an Whitley (1992, 1999, 2002). 262 Z.B. die Beziehungen zwischen Mitgliedern einer Wertschöpfungskette, zwischen Wettbewerben oder auch zwischen Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Vgl. dazu Tempel und Walgenbach (2007), S. 18. 263 Vgl. Matten und Moon (2008); Wolf (2009). 264 Vgl. ebenda. Historisch gewachsene institutionelle Rahmenbedingungen: Via Nationales Business System Unterschiede in NHB - Politisches System - Beschäftigungs- und Bildungssystem - Finanzsystem - Kulturelles System Charakteristika der Unternehmen Organisation marktbezogner Prozesse Arbeitsbeziehungen und -organisation 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 84 Die Unterschiede der einzelnen Bestandteile führen schließlich dazu, dass das NBS variiert und damit auch das Rollenverständnis von Anspruchsgruppen. Wie Interessen und Erwartungen in den jeweiligen Ländern aufgefasst und bearbeitet werden, findet dann Ausdruck in der Anwendung unterschiedlicher Managementpraktiken.265 Das NBS-Konzept eignet sich insbesondere als theoretischer Bezugsrahmen für die Untersuchung von landesspezifischen Unterschieden in der NHB. Bereits vorherige empirische Untersuchungen haben ergeben, dass Schlüsselinstitutionen wie politische, finanzielle und Beschäftigungssysteme eine große Bedeutung für das Verhalten von Unternehmen haben, da sie auf die Beziehungen zwischen den Unternehmen und ihren primären Stakeholdern wirken.266 Laut Matten und Moon (2008) ist das NBS dafür verantwortlich, dass Unternehmen in den USA eine andere Art von CSR praktizieren als in Europa.267 Institutionen geben innerhalb der sozialen und politischen Prozesse vor, wie Anspruchsgruppen ihre Interessen definieren. Damit werden in den jeweiligen NBS bestimmte CSR Praktiken mit höherer Wahrscheinlichkeit eingeführt als andere. Darüber hinaus argumentieren Jackson und Apostolakou (2010), dass »institutionalized rules and understandings help firms to frame, communicate and monitor these practices in socially accepted ways.”268 Auch innerhalb der MOE-Forschung hat sich das NBS-Konzept als geeignet erwiesen. Nach Beendigung der kommunistischen Ära und damit der Planwirtschaftsmodelle in MOE hat sich bei gleichzeitigem Auftreten von Globalisierungsprozessen gezeigt, dass sich »innerhalb des kapitalistischen Wirtschaftsmodells erhebliche Unterschiede und teils geradezu ‚divergente' Kapitalismusentwürfe«269 entwickelt haben, die mit dem NBS-Konzept untersucht wurden.270 ____________________ 265 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012). 266 Einen umfangreichen Literaturüberblick bieten dazu bspw. Ioannou und Serafeim (2012) und Aguilera und Jackson (2003). 267 Vgl. Matten und Moon (2008). 268 Jackson und Apostolakou (2010), S. 387. 269 Wilderer (2010), S. 263. 270 Vgl. Geppert et al. (2006). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 85 5.2 Hypothesenableitung 5.2.1 Vorüberlegung Die zuvor erläuterte theoretische Fundierung der Arbeit bildet die Grundlage für die Entwicklung der relevanten Forschungshypothesen. Als Hypothesen werden im Allgemeinen Aussagen verstanden, die eine Beziehungen zwischen mindesten zwei verschiedenen Variablen postulieren und einer empirischen Überprüfung unterzogen werden können. Hypothesen können nicht nur das erwartete Ergebnis voraussagen, sondern eignen sich auch, untersuchte Zusammenhänge und Beziehungen zu erklären.271 Dabei lassen sich Hypothesen in Zusammenhangs- und Unterschiedshypothesen unterscheiden. Unterschiedshypothesen betrachten den Fall, dass sich zwei (oder mehrere) Stichproben bezüglich eines Merkmals unterscheiden. Zusammenhangshypothesen behaupten die Existenz von Zusammenhängen zwischen mindestens zwei Merkmalen.272 Sowohl für die Unterschieds- als auch für die Zusammenhangshypothese gilt, dass sie innerhalb von statistischen Untersuchungen als Null- und Alternativhypothese geprüft werden. Die Alternativhypothese entspricht der formulierten Forschungshypothese. Die Nullhypothese unterstellt das Gegenteil der Alternativhypothese und geht davon aus, dass kein signifikanter Zusammenhang bzw. Unterschied zwischen den untersuchten Variablen existiert. Im Einklang mit den in der Einleitung formulierten Teilzielen der Arbeit werden im folgende zunächst Unterschiedshypothesen hinsichtlich der NHB in MOE aufgestellt, bevor in einem zweiten Schritt Zusammenhangshypothesen zu länderspezifischen Determinante der NHB aufgestellt werden. Das Kapitel schließt mit einem zusammenfassenden Hypothesenüberblick. 5.2.2 Unterschiedshypothesen Hinsichtlich der Regularien zur NHB haben alle MOEL gemein, dass auf nationaler Ebene keine gesetzlichen Rahmenbedingungen existieren, die über die Richtlinien der EU hinausgehen.273 Die MOEL unterliegen damit ____________________ 271 Vgl. Bortz und Döring (2006); Benesch (2012). 272 Vgl. Bortz und Döring (2006). 273 Vgl. The Hauser Institute for Civil Society (2015). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 86 der EU-Richtlinie 2003/51/EG und bald auch der Richtlinie 2014/95/EU, die einen großen Gestaltungsraum hinsichtlich der Form, Standardisierung und Schwerpunktsetzung geben. Damit ist NHB überwiegend freiwilliger Natur. Andere Vergleichsstudien konnten bereits Unterschiede in der NHB zwischen USA und WE, USA und Deutschland, innerhalb Asiens und zwischen Finnland und England feststellen.274 Daher ist davon auszugehen, dass sich die NHB auch innerhalb MOEs unterscheidet. Es wird unterstellt, dass diese Unterschiede sowohl im Bericht selbst als auch bei den Berichtsstrukturen, die hinter dem Bericht stehen, signifikant vorhanden sind und sich hinsichtlich der Durchdringung (Anteil der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen), Form (z.B. als ein Teil des Jahresberichts, als Online-Bericht), des Inhalts (Schwerpunktsetzung) und der Qualität (Standardisierungsgrad) unterscheiden. H1: Die NHB unterscheidet sich zwischen den einzelnen MOEL Um einen Vergleich zu WE zu ermöglichen und den Status quo der NHB in MOE einordnen zu können, wurden Österreich und Deutschland stellvertretend für WE in die Studie mit aufgenommen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die NHB in WE weiter fortgeschritten ist. Seit Beginn der 90er Jahre wurde von Unternehmen in WE zunehmend erwartet, dass sie neben der ökonomischen auch eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Seit der Jahrtausendwende wurden die ersten NHB in WE veröffentlicht und sind seitdem bei vielen großen westeuropäischen Unternehmen fest etabliert.275 Die Unternehmen aus MOE befanden sich seit den 90er Jahren mitten im Prozess der Transformation von einer Planwirtschaft hin zur Marktwirtschaft.276 Während der Transformationsphase fehlte den Unternehmen das Bewusstsein für unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt. Erst um die Jahrtausendwende begannen die ersten Unternehmen mit CSR-Aktivitäten (s. dazu Kapitel 2.2.2). Unternehmen aus WE konnten sich bis heute über einen längeren Zeitraum mit CSR beschäftigen und die NHB etablieren, während Unternehmen in MOE, geprägt ____________________ 274 Vgl. Clarkson et al. (2011); Blaesing (2013); Fifka und Drabble (2012); Matten und Moon (2008); Stolz (2014). 275 Vgl.KPMG (2013) 276 Vgl. dazu Kapitel 0. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 87 durch ihre historische Vergangenheit, erst spät mit nachhaltigen Aktivitäten beginnen konnten und noch am Anfang der Berichterstattung stehen.277 Daher wird folgende Hypothese abgeleitet: H1a: Unternehmen in WE veröffentlichen mehr Nachhaltigkeitsberichte als in MOE Die NHB nach Berichtsstandards ist in der Regel aufwendig und umfassend. Für die Erstellung eines NHB müssen viele Indikatoren gesammelt werden. Damit ist die Erstellung eines eigenständigen NHB kosten- wie auch zeitintensiv.278 Unternehmen, die bereits weitergehende Erfahrungen mit NHB haben, sind eher dazu geneigt, vollständig und nach einem Standard zu berichten, da sich die Berichtsstrukturen stärker etabliert haben. Unternehmen mit wenig Erfahrung in der NHB sind wiederum eher dazu geneigt, Informationen zur Nachhaltigkeit in andere Publikationen zu integrieren oder im Fall eines eigenständigen Berichts unvollständig und ohne Standard zu berichten.279 Da die Unternehmen in MOE erst noch am Anfang der NHB stehen, wird folgende Hypothese angenommen: H1b: Die Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen aus WE haben eine höhere Qualität (hinsichtlich Standard und Vollständigkeit) als die Berichte von Unternehmen aus MOE. 5.2.3 Zusammenhangshypothesen Die Zusammenhangshypothesen werden theoriegeleitet auf Grundlagen des NBS von Whitley abgeleitet. Die vier Kernelemente des NBS haben Einfluss auf das Verhalten des Unternehmens hinsichtlich der Veröffentlichung eines separaten Nachhaltigkeitsberichts. Anhand der folgenden vier Kernelemente werden die Hypothesen abgeleitet: ____________________ 277 Vgl. Stand der Forschung (Kapitel 0). 278 Vgl.Global Reporting Initiative (2013a). 279 Vgl. Huber (2015). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 88 Das politische System: Das politische System hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Unternehmen und zeigt, inwieweit der Staat Wirtschaftsprozesse steuert und bereit ist, Risiken mit privaten Akteuren zu teilen.280 Der Einfluss des Staates kann sich signifikant zwischen verschiedenen Ländern unterscheiden.281 Das Ausmaß an Gesetzen, Auflagen und Vorschriften kann direkt oder indirekt die Märkte regulieren und Markteintritte und -austritte beeinflussen. Gesetze und Regulierungen prägen die Beziehung zwischen Unternehmen und dem Staat sowie Unternehmen und seinen Stakeholdern und haben eine entscheidende Wirkung auf den Unternehmenserfolg.282 Mit dem Ende des kommunistischen Systems 1989 hat sich die politische Landschaft in MOE grundlegend verändert. MOE standen vor der Herausforderung der politischen und wirtschaftlichen Transformation, die in den Ländern unterschiedlich schnell umgesetzt wurden. Zwar erkennen alle Länder grundsätzlich die Marktwirtschaft an, die Positionen bewegen sich jedoch zwischen einem strikten Marktliberalismus und ausgeprägten sozialstaatlichen Regulierungen.283 Richtlinien der EU lassen den Mitgliedsstaaten einen weiten Ermessungsspielraum, auf den Wettbewerb einzuwirken. Der herrschende Wettbewerb in den Märkten in Estland und Polen wird als hoch, in Bulgarien, Kroatien und Slowenien dagegen als eher schwach eingeschätzt. Entsprechend unterscheiden sich die gesetzlichen Regulierungen zur Förderung des Wettbewerbs innerhalb der MOEL.284 Gesetze und Regulierungen, die den Wettbewerb zwischen Unternehmen fördern, können maßgeblich darauf einwirken, ob und wie stark sich Unternehmen für nachhaltige Aktivitäten engagieren. Ausgehend von einer neoklassischen Wirtschaftssicht werden Gesetze und Regularien erlassen, damit sich die allokative Effizienz erhöht und damit hohe Innovationsraten widerspiegeln.285 Unternehmen, die sich in extremen Wettbewerbssituationen befinden, verfügen meist über sehr geringe Gewinnmargen.286 Entsprechend stehen ____________________ 280 Vgl. Geppert et al. (2006). 281 Vgl. Whitley (1992). 282 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012). 283 Vgl. Ismayr et al. (2010). 284 Vgl. IMD (2013). 285 Und damit das Gemeinwohl maximiert wird (zitiert nach Porter 1985, (Ioannou & Serafeim, 2012)). 286 Vgl. Campbell et al. (2003). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 89 diesen Unternehmen nur wenige Ressourcen für die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts zur Verfügung. Nach Campbell et al. (2003) neigen Unternehmen ferner dazu, in einer sehr kompetitiven Umwelt kein oder nur wenig Profit zu generieren und diesen einzusparen, sobald sich die Gelegenheit ergibt.287 Jedoch können durch nachhaltige Aktivitäten auch Kosten eingespart werden.288 Die NHB kann Kosteneinsparungen durch die Verbesserung der internen Planungs- und Steuerungsprozesse unterstützen.289 Zum anderen ergibt sich für Unternehmen die Chance, sich in einem bereits gesättigten und wettbewerbsgetriebenen Markt zu differenzieren.290 Das Bewusstsein gegenüber nachhaltigen Themen ist bei Kunden und in der Gesellschaft allgemein gestiegen.291 Unternehmen können mit der Veröffentlichung eines Berichts durch Transparenz und Informationstiefe ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. So kann ein positives Image für das Unternehmen entstehen.292 Letztlich geht es, wenn nicht nur, bei der Differenzierung vom Wettbewerb auch um professionelle Public Relation (PR), für die eigenständige Nachhaltigkeitsberichte als Kommunikationsinstrument eingesetzt werden können. Gesetze und Regulierungen, die den Wettbewerb fördern, können somit dazu führen, dass Unternehmen mehr Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Daher wird folgende Hypothese abgeleitet: H2a: Unternehmen aus Ländern, deren Gesetze und Regulierungen einen stärkeren Wettbewerb fördern, sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen Neben der Gesetzeslage wirkt der Staat zudem darauf ein, welcher Gestaltungsraum den Zivilgesellschaften eingeräumt wird.293 Zu zivilgesellschaftlichen Organisationen gehören im weiteren Sinn Sozialpartner und andere ____________________ 287 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012). 288 Vgl.Campbell et al. (2003). 289 Vgl. Kapitel 2.2.3. 290 Vgl. Daub (2007). 291 Vgl. Stengel und Rennhak (2013). 292 Vgl. Herzig und Schaltegger (2005). 293 Die Zivilgesellschaft umfasst im weitesten Sinne all jene (organisierten) Akteure, die zwischen der staatlichen und gesellschaftlichen Sphäre verortet sind. Wer genau zur Zivilgesellschaft gehört, wird unterschiedlich definiert. Vgl. Abels (2012). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 90 Organisationen, die im wirtschaftlichen und sozialen Bereich tätig sind, Religionsgemeinschaften sowie alle Arten von NGOs.294 Die Zivilgesellschaft ist Ausdruck der politischen Kultur eines Landes.295 Eine lebendige Zivilgesellschaft gilt meist als wichtige Voraussetzung einer stabilen Demokratie.296 Aus vorherigen Arbeiten geht hervor, dass die Zivilgesellschaft in den MOEL verglichen mit lang bestehenden, etablierten Demokratien nicht so stark ausgeprägt ist.297 Nach Howard (2003) haben die Staatsbürger in MOE eine Abneigung, einer zivilen Organisation anzugehören.298 Dies kann auf die kommunistische Legislatur zurückgeführt werden, in der die Zugehörigkeit zu staatlich kontrollierten Organisationen erzwungen wurde und den eigentlichen Sinn einer Zivilgesellschaft deutlich verfehlte. 299 Das dadurch entstandene Misstrauen in Organisationen prägt noch heute die Gesellschaft und wird als eines der Haupthindernisse dafür gesehen, das die Bürger nicht an der Zivilgesellschaft teilnehmen.300 Nicht alle Bürger sind sich dessen bewusst, dass sie Erwartungen und Interessen durch die Zivilgesellschaft artikulieren und sich somit mehr Verhör schaffen können.301 Darüber hinaus sind der Öffentlichkeit viele Organisationen überhaupt nicht bekannt. Die Organisationen verfügen selten über ausreichend finanzielle Ressourcen, so dass sie oftmals nicht in der Lage sind, eine ausreichende Erfolgsbilanz aufzuweisen, um Vertrauen in der breiten Öffentlichkeit zu erhalten.302 Dennoch hat die Anzahl der Zivilgesellschaftsorganisationen in MOE in den letzten Jahren zugenommen. Zakaria (2013) begründet diese Entwicklung darin, dass die erste demokratische Transformation seit vielen Jahre vergangen ist und sich seither »a new, post-communist generation, which ____________________ 294 Vgl. Abels (2012). 295 Vgl. Meyer et al. (2011) S. 242. 296 Wenngleich eine gesunde Zivilgesellschaft keine Garantie für eine ausgeprägte Demokratie ist (dazu mehr in Zimmer (2007)). 297 Vgl. Kutter und Trappmann (2010); Nalecz und Bartkowski (2006); Howard (2003). 298 Vgl. Howard (2003). 299 Vgl. Zakaria (2013). 300 Vgl. Ekiert und Foa (2011); Bădescu et al. (2004). Die hohe Korruption in manchen MOEL verstärkt zudem das Misstrauen in Organisationen (Howard, 2003). 301 Vgl. Kopp (2015). 302 Vgl. Koleva et al. (2010). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 91 does not have the same legacy and experience of communism as its predecessors« 303 als aktive Zivilgesellschaft mobilisiert hat. Innerhalb der MOEL unterscheiden sich die sozialen Potenziale der Zivilgesellschaft deutlich. Ekiert und Foa (2011) stellen fest, dass die »outcomes of the political transformation generated profound differences in the nature of temporary civil societies across Central and Eastern Europe”.304 Nach Nalecz und Bartkowski (2006) ist das soziale Potenzial einer Zivilgesellschaft in Slowenien und Kroatien am höchsten, gefolgt von Ungarn, der Tschechischen Republik und Polen und zuletzt von den baltischen Staaten.305 Nachhaltige Unternehmensaktivitäten sind oftmals eine Reaktion auf die Erwartungen der Gesellschaft und auf den Druck ausgeübt durch relevante Stakeholdergruppen.306 Damit diese Erwartungen adressiert werden können, ist eine starke Zivilgesellschaft notwendig, die in der Lage ist, Erwartungen gegenüber Unternehmen zu formulieren und letztendlich durchzusetzen. Zivilgesellschaften sind damit ein wichtiger Treiber für nachhaltige Aktivitäten.307 Kolk (2001) sowie Vormedal und Ruud (2009) bestätigen in ihren Studien, dass der soziale Kontext und die gesellschaftlichen Aspekte wichtige Faktoren in der Ausbreitung von NHB darstellen. Die repräsentative Rolle der zivilgesellschaftlichen Gruppen und Organisationen sichert Ergebnisse, die ein breites und ausreichendes Spektrum der öffentlichen Meinung wiederspiegeln.308 Das Interesse der zivilgesellschaftlichen Organisation an NHB ist stark verbunden mit dem Prinzip der Transparenz. Die Offenlegung von Informationen ist relevant und notwendig und ermöglicht den Anspruchsgruppen, einen Einblick in die unternehmerischen Aktivitäten zu erhalten und die Auswirkung des Unternehmens auf die Nachhaltigkeit zu überprüfen. »Ultimately, transparency would be a first step towards holding corporations to account once the negative impacts are incurred making them liable for the remedy of negative social and environmental impacts”.309 Zudem verfügen Zivilgesellschaftsorganisationen über die Möglichkeit, Kunden und andere Interessensgruppen zu mobilisieren. Um eine Forderung durchzusetzen, können sie auf unterschiedliche Strategien wie auf Kampagnen zum Konsumentenboykott zurückgreifen, und haben damit ____________________ 303 Zakaria (2013), S. 3. 304 Ekiert und Foa (2011), S. 36. 305 Vgl. Nalecz und Bartkowski (2006). 306 Vgl. Moon (2007); Warhurst (2001). 307 Vgl. Unerman et al. (2006). 308 Vgl. Kolk (2001); Vormedal and Ruud (2009). 309 Lingán und Wyman (2013), S. 8. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 92 erheblichen Einfluss auf die Offenlegung relevanter Informationen zur nachhaltigen Entwicklung.310 Die Forderung nach NHB benötigt daher eine starke Zivilgesellschaft. Die Dichte der zivilgesellschaftlichen Organisationen ist ein Indikator für ein gesundes zivilgesellschaftliches Leben. Zivilengagement ist unterschiedlich stark in MOEL etabliert. Je stärker es ausgeprägt ist, desto größer ist sein Einfluss auf Unternehmensentscheidungen und auf die Offenlegung nachhaltigkeitsrelevanter Informationen. Daher wird folgende Hypothese formuliert: H2b: Unternehmen aus Ländern mit einer höheren Dichte an Zivilgesellschaftsorganisationen sind eher dazu geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen Das Finanzsystem: Im Grunde bestehen in Europa zwei unterschiedliche Finanzsysteme: Ein bankenbasiertes System wie in Deutschland und Österreich, und ein marktbasiertes Finanzsystem wie im Vereinigten Königreich.311 In den betrachtenden Regionen sind alle Finanzsysteme zwar bankenorientierte Systeme, in den letzten Jahren konnten jedoch ein deutliches Wachstum und eine steigende Bedeutung der Kapitalmärkte in MOE beobachtet werden.312 Aus einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung geht hervor, dass sich die Kapitalmärkte aus MOEL zwar in Richtung westlicher Standards entwickeln, jedoch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Auch unterscheiden sich die Kapitalmärkte in MOEL hinsichtlich ihrer Größe und Bedeutung für die Finanzierung von Unternehmen. Während der Kapitalmarkt in Polen vergleichbar ist mit dem österreichischen Kapitalmarkt, ist ____________________ 310 Der Kosumentenboykott 1995 von Shell Tankstellen zeigt, wie weit das wachsende Bewusstsein der Konsumenten für Umweltthemen zu Image- und Reputationsverlusten führen konnte (vgl. Azzone et al. (1997)). Grund für den Boykott war die von Shell geplante Versenkung der Ölplattform „Brent Spar“ in der Nordsee. Der Boykott führte zu erheblichen Umsatzeinbußen der Mineralölgesellschaft. Spätestens zu diesem Zeitpunkt rückten Umweltaspekte in das „Zentrum der Aufmerksamkeit“ mit der Zielsetzung, Reputations- und Imagevorteile zu erzielen (Fifka, 2012). 311 Vgl. Ali und Hwang (2000); Berglöf (1991). 312 Vgl. Allen und Gale (2001). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 93 die Marktkapitalisierung in Lettland, Litauen und Slowenien relativ gering und insgesamt unbedeutend für die Volkswirtschaft.313 Entsprechend sind Unterschiede in den Finanzsysteme innerhalb MOE zu finden. In einem bankenbasierten Finanzsystem stellen Kredite die bevorzugte Quelle für finanzielle Investitionen dar, d.h., die Banken spielen die wichtigste Rolle in der Bereitstellung von Kapital. Für die Kreditvergabe pflegen Banken enge Beziehungen zu den Unternehmen und haben damit einen direkten Zugang zu relevanten Unternehmensinformationen. Marktbasierte Finanzsysteme sind im Gegensatz dazu durch den Wettbewerb gekennzeichnet, wobei andere Arten der Finanzierung (z.B. Eigenkapital und Anleihen) bedeutender sind als Bankkredite.314 Das Kapital wird von verschiedenen Investoren bereitgestellt. Die Investoren müssen jedoch auf öffentlich verfügbare finanzielle Berichtsinformationen vertrauen. Jede weitere Information, wie die Bereitstellung eines Nachhaltigkeitsberichts, kann ihnen helfen, die Gesundheit und Entwicklung von Unternehmen einzuschätzen.315 Banken hingegen haben keine Bedürfnisse, an zusätzliche Informationen zu gelangen. Es wird daher angenommen, dass Unternehmen in marktorientierten Systemen eher dazu neigen, Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen, um weitere Informationen zur Verfügung zu stellen und damit den Zugang zu Investitionen sicherzustellen. Aus diesen Überlegungen heraus wird daher weiter angenommen, dass Unternehmen in Ländern, in denen die Kapitalmärkte stärker gewachsen sind, mehr Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Hinzu kommt, dass der Bedarf an vollständigen Informationen höher ist, je stärker die Kapitalmarktorientierung ausgeprägt ist. Daher wird folgende Hypothese abgeleitet: H3a: Unternehmen aus Ländern mit einer hohen Marktorientierung sind eher dazu geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Innerhalb des Kapitalverkehrs spielen insbesondere ausländische Direktinvestitionen (englisch: Foreign Direct Investments (FDI)) in MOE eine bedeutende Rolle und können einen Einfluss auf die nachhaltigen Aktivitäten ____________________ 313 Vgl. Köke und Schröder (2003), European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) (2014). 314 Vgl. Levine (1999). 315 Vgl. Jensen und Berg (2012). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 94 der Unternehmen haben. FDIs sind definiert als die durch einen inländischen Investor getätigten Vermögensanlagen im Ausland.316 Im Unterschied zu Portfolioinvestitionen sind bei Direktinvestitionen Einfluss und Kontrolle auf die Geschäftstätigkeit im Ausland und somit auf die Erzielung des Ertrages wichtigstes Abgrenzungskriterium. Mit dem Kapital werden zudem Wissen und Technologien übertragen.317 Seit der Transformationsphase ist die Abhängigkeit der MOEL von FDIs sehr hoch. Zu Beginn der Transformationsphase versprachen sich die Länder, durch einen starken Zufluss an FDI den Integrationsprozess schneller vorantreiben zu können. Dafür wurden im Rahmen der EU- Abkommen verschiedene Maßnahmen zum Anreiz von FDI ergriffen. Zwischen 1992 und 1997 konnte MOE ein höheres Wachstum an FDI vorweisen als jede andere Region.318 Der schnelle Zuwachs konnte jedoch nicht gleichmäßig in allen MOEL beobachtet werden. Besonders konnten Polen, Ungarn und die Tschechische Republik von den FDIs profitieren, die durch eine schnelle Liberalisierung und Privatisierung bessere Voraussetzungen für FDIs geschaffen hatten.319 Auch zum Ende der Privatisierungs- und Restrukturierungsphase wurden FDI weiterhin als wichtiges Werkzeug für die Entwicklung und Modernisierung der MOEL angesehen, die u.a. zur Steigerung der Produktivität sowie zum Innovations- und Technologietransfer führen.320 Die globale Finanzkrise und die darauffolgende Rezession haben die MOEL stark getroffen, was mit einem Einbruch der FDIs einherging.321 Die Höhe ausländischer Investitionen wird dabei signifikant von verschiedenen Faktoren beeinflusst, wie bspw. der wirtschaftlichen Entwicklung, der Art und Durchsetzung wirtschaftlicher Reformen, der Wechselkursordnungen, dem Grad der Korruption und den Lohnunterschieden.322 Da sich die MOEL hinsichtlich dieser Faktoren unterscheiden, werden die individuellen Länder von ausländischen Investoren folgerichtig als unterschiedlich attraktiv wahrgenommen. Nach Steurer et al. (2012) sind Nachhaltigkeit und nachhaltige Aktivitäten innerhalb Europas von der wirtschaftlichen Integration in die Globalisierung und dem »gesellschaftlichen Lernen« abhängig, die maßgeblich ____________________ 316 Vgl. Kutschker und Schmid (2002). 317 Vgl. ebenda. 318 Vgl. United Nations Conference on Trade and Development (1998). 319 Vgl. Segert (2013). 320 Vgl. Kornecki (2010). 321 Vgl. Gabrisch (2008). 322 Vgl. Mateev et al. (2014). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 95 durch FDIs beeinflusst werden.323 MNUs als treibende Kraft hinter FDIs spielen dabei eine wichtige Rolle. Lange Zeit standen sie im Verruf, ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nicht nachzukommen.324 Vielmehr wurde ihnen unterstellt, Standorte in Ländern zu errichten, die keine hohen sozialen und ökologischen Standards forderten, um die strengen Regulierungen der Heimatländer zu umgehen. So wurden sie für die weltweite Erosion sozialer und ökologischer Standards, die stärker gewordenen sozialen Asymmetrien und den permanenten Umweltschaden verantwortlich gemacht.325 Mittlerweile wird jedoch davon ausgegangen, dass es u.a. der Verdienst von MNU ist, dass sich nachhaltige Aktivitäten und NHB weltweit so stark verbreiten konnten.326 Aufgrund ihrer Größe und Sichtbarkeit sowie hinsichtlich ihrer Vergangenheit standen MNUs unter dem Druck, ihre soziale und ökologische Verantwortung wahrzunehmen. Die Offenlegung von Informationen zu ihren Aktivitäten ermöglicht ihnen, ihr Engagement auch nach außen zu zeigen.327 Zudem haben FDI das Potenzial, umweltfreundliche Technologien zu verbreiten und den Transfer von Wissen zu nachhaltigen Aktivitäten in Gastländern sicherzustellen.328 Darüber hinaus fordern MNUs teilweise Berichtstransparenz der lokalen Lieferkette, so dass sich Berichtsstrukturen auch innerhalb der zuliefernden Unternehmen etablieren.329 Es ist daher davon auszugehen, dass sich FDI positiv auf die Verbreitung nachhaltiger Praktiken und insbesondere der NHB auswirken. Es wird folgende Hypothese abgeleitet: H3b: Unternehmen aus Ländern mit hohem Anteil an FDI sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen ____________________ 323 Vgl. Steurer et al. (2012). 324 Vgl. Gray (1998); Kolk (2004). 325 Vgl. Gray (1998). 326 Vgl. Kolk (2004); Kolk (2005). 327 Vgl. Kolk (2005); Vigneau et al. (2013). 328 Vgl. Levy (1995). 329 Vgl. Leppelt et al. (2013); Morali und Searcy (2013); Northey et al. (2013). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 96 Beschäftigungs- und Bildungssystem Eine Schlüsselrolle in Vergleichsstudien spielt der Einfluss des nationalen Beschäftigungs- und Bildungssystems. Whitley (1999) unterscheidet zwischen dem System »that develops and certifies competences and skills” (d.h. das Bildungssystem) und den Institutionen »that control the terms on which the owners of those skills sell them in labor markets and how those markets are organized” (d.h. das Beschäftigungssystem)330 (S. 50) Das Bildungssystem unterlag während der Transformation auch einer radikalen Veränderung.331 Jedoch zeigten sich auch »deutliche beharrende Elemente aus älteren historischen Schichten«332, so dass ein Mischung aus neuen und alten Elementen den Charakter der heutigen Bildungssysteme in MOEL geformt haben.333 Es sind weitreichende Unterschiede im Bildungssystem aller Bildungssektoren zu finden, so auch in der tertiären Bildung. In letzter Zeit konnte ein Zulauf der Hochschulbildung beobachtet werden, jedoch gilt dieser Bildungsbereich häufig als noch unterfinanziert.334 Ein wichtiger Aspekt des Bildungssystems ist daher der Anteil an Unternehmen, die sich an der Hochschulausbildung beteiligen, z.B. in Form von Drittmitteln.335 Unternehmen haben mit gewerblichen Drittmitteln die Möglichkeit, Einfluss auf die Forschungsprozesse und -inhalte zu nehmen, und können sie an ihre eigenen Anforderungen und Bedürfnissen anpassen. Die Förderung des tertiären Sektors durch Unternehmen hat europaweit zugenommen, so auch in Zentral- und Osteuropa.336 Der Anteil an gewerblichen Investitionen in die tertiäre Bildung variiert innerhalb der MOEL.337 Faktoren, die die Höhe der Drittmittel beeinflussen sind u.a. die Qualität der wissenschaftlichen Institutionen, die Qualität der Hochschulbildung und die Verfügbarkeit von Wissenschaftlern und Ingenieuren, was wiederum vom Bildungssystem selbst abhängig ist. Während der Anteil in Litauen und der ____________________ 330 Whitley (1999), S. 50. 331 Genauer nachzulesen bei Kogan et al. (2008) und Auweiler und Steier (2009). 332 Auweiler und Steier (2009), S. 259. 333 Vgl. Lenssen und Vorobey (2005), S. 1. 334 Vgl. Kogan et al. (2008). 335 Vgl. Matten und Moon (2008). Drittmittel sind Mittel, die zur Förderung von Forschung und Entwicklung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Lehre zusätzlich zum regulären Hochschulhaushalt (Grundausstattung) von öffentlichen oder privaten Stellen eingeworben werden. 336 Vgl. Jongbloed (2008). 337 Vgl. Kwiek (2012). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 97 Slowakischen Republik vergleichsweise hoch ist, ist der Anteil in Lettland und Slowenien eher gering.338 Neben philanthropischen Aspekten, die Unternehmen dazu veranlassen, in die Tertiärbildung zu investieren, können Unternehmen Prozesse und Inhalte nach ihren Bedürfnissen anpassen.339 Unternehmen, die ein größeres Interesse an Forschungsergebnissen und akademischem Wissen haben, sind eher bereit, neue Managementtechniken einzusetzen und daher einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu ver- öffentlichen. 340 Daher wird folgende Hypothese formuliert: H4a: Unternehmen aus Ländern mit einem hohen Anteil an gewerblichen Investitionen für die Tertiärbildung sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Länderspezifische Unterschiede im Bildungs- und Beschäftigungssystem spiegeln sich zudem am Anteil der verfügbaren qualifizierten Fachkräfte eines Landes wider. In den MOEL herrscht bereits seit vielen Jahren ein hoher Fachkräftemangel.341 Die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern ist dabei abhängig von der Förderung der Mitarbeiter, der Abwanderungsquote von Fachkräften aus MOE und der demographischen Entwicklung. Neben dem unterschiedlichen Qualifikationsniveau haben die MOEL eine unterschiedlich hohe Abwanderung der Fachkräfte zu verzeichnen. Zwar ist die Abwanderung qualifizierter Mitarbeiter schwer zu erfassen,342 jedoch liegt insbesondere für Polen eine hohe Abwanderungsrate vor, so dass hier der Fachkräftemangel schwerer wiegt als z.B. in Estland.343 ____________________ 338 Vgl. UNESCO (2011). 339 Vgl. Kwiek (2012). 340 Vgl. Jensen und Berg (2012). 341 Vgl. The World Bank (2012). 342 Bei der Erfassung von Abwanderung treten verschiedene Probleme auf: Zum einen scheitern Bevölkerungsregister daran, Migranten zu erfassen, die zwar ausgewandert sind, aber ihren Aufenthaltsstatus beibehalten haben. Zum anderen unterscheiden sich die Statistiken der einzelnen Länder, da sie qualifizierte Personen unterschiedlich definieren. Während in Polen Personen mit Hochschulabsolvent und mindestens einem Masterabschluss als hochqualifiziert gelten, werden Migranten im Allgemeinen als hoch qualifiziert bezeichnet, wenn sie zumindest eine Hochschulausbildung vorweisen können (vgl. Fihel et al. (2007)). 343 Vgl. dazu IMD (2013). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 98 Der Anteil der verfügbaren qualifizierten Mitarbeiter hat wiederum einen Einfluss auf die Aktivitäten eines Unternehmens. Stehen nur wenig qualifizierte Mitarbeiter in einem Land zur Verfügung, sind Unternehmen bereit, größere Anstrengungen auf sich zu nehmen, um diese für sich zu gewinnen.344 Mit der Veröffentlichung eines NHBs können Unternehmen ein Signal an zukünftige Bewerber senden. Sie haben innerhalb des Berichts die Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Die Bewerber dagegen können sich dadurch ein besseres Bild darüber machen, wie es sein könnte, für dieses Unternehmen zu arbeiten, und wie aktiv sich das Unternehmen in sozialen und ökologischen Belange engagiert.345 Die Chance, dass sich der Bewerber für das Unternehmen mit hohem nachhaltigem Engagement entscheidet, wird für Unternehmen mit Nachhaltigkeitsbericht höher eingeschätzt als für Unternehmen ohne. Aus diesem Grund wird folgende Hypothese abgeleitet: H4b: Unternehmen aus Ländern, die über wenig qualifiziertes Fachpersonal verfügen, sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Kulturelles System: Das kulturelle System spiegelt die Erwartungen einer Gesellschaft an Unternehmen wieder, inwieweit sie ihren sozialen Verpflichtungen nachkommen sollen.346 Nach dem ethischen Relativismus nach Lewis und Unerman (1999) unterscheiden sich die ethischen Regeln und Werte innerhalb verschiedener Kulturen.347 Der ethische Relativismus ist das Gegenteil des ethischen Absolutismus, in dem moralische Werte absolut sind und universell gelten348 Kultur wird damit als wichtigster Einflussfaktor der nationalen Ethik gesehen.349 ____________________ 344 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012). 345 Vgl. Schaltegger und Wagner (2006). 346 Vgl. Adams et al. (2003). 347 Vgl. Lewis und Unerman (1999). 348 Vgl. O’Sullivan, 2012. 349 Ho et al. (2012) weisen empirisch nach, dass die nationale Kultur einen signifikanten Einfluss auf ethisches Verhalten, Einfühlungsvermögen, Wertesystem und Urteilsvermögen eines Landes hat. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 99 Das Konzept der Nachhaltigkeit ist ein sozial konstruiertes Konzept und kann daher nicht universell definiert werden.350 Durch die unterschiedlichen nationalen Werte als Ergebnis des ethischen Relativismus ist zu erwarten, dass sich Nachhaltigkeitsberichte unterscheiden. »Culture influences moral values, which one would expect in turn to influence at least the issues which companies select as being worthy of report”.351 MOE wird oft als eine homogene Region gesehen. Kulturelle Unterschiede innerhalb MOEs werden daher oft vernachlässigt. Dabei weist die Region MOE, wie bereits in Kapitel 3.1 erläutert, historische, politischwirtschaftliche und kulturelle Unterschiede auf, wie sich anhand der Kulturdimensionen von Hofstede darstellen lässt.352 Gemäß Hofstede unterscheiden sich Kulturen hinsichtlich der fünf Dimensionen Machtdistanz (Power Distance), Individualismus (Individualism), Maskulinität (Masculinity), Ungewissheitsvermeidung (Uncertainty Avoidance) und langfristige Ausrichtung (Long-term Orientation).353 Dabei werden in der vorliegenden Arbeit zwei Dimensionen in der Vordergrund gestellt und daher im Folgenden näher betrachtet: Die Machtdistanz und der Individualismus. Machtdistanz: Ein wichtiger Bestandteil eines jeden kulturellen Systems ist das kollektive Verständnis von Führung innerhalb einer Gesellschaft. Hofstede nennt diese Dimension »Machtdistanz«. 354 Diese spiegelt wider, wie Gesellschaften mit Machtungleichheiten umgehen. Sie drückt also das Ausmaß der Akzeptanz einer ungleichen Machtverteilung aus Sicht eher weniger mächtiger Mitglieder einer Organisation oder Gesellschaft aus. In einer Gesellschaft, die durch eine hohe Machtdistanz gekennzeichnet ist, werden Autoritäten tendenziell stärker respektiert und ein höherer Grad an Hierarchien in höherem Maße akzeptiert. In dieser Gesellschaft sind Anspruchsgruppen eher dazu geneigt, der Unternehmensleitung einen weitreichenden Handlungsspielraum zu überlassen und dabei weniger in Frage zu stellen.355 In Gesellschaften mit geringer Machtdistanz liegt eine gerechtere Verteilung von ____________________ 350 Vgl. Dahlsrud (2008). 351 Chen und Bouvain (2009), S 302. 352 Vgl. Hofstede (1984). 353 Vgl. ebenda. 354 Vgl. ebenda. 355 Vgl. Crossland und Hambrick (2011), S. 801. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 100 Macht vor und Ungleichheiten werden eher in Frage gestellt.356 Die Unternehmensleitung wird eher als Vermittler und weniger als ermächtigter Entscheidungsträger gesehen.357 Eine hohe Machtdistanz kann auf der einen Seite dazu führen, dass eine Art Verpflichtung generiert wird, die Erwartungen und Bedürfnisse von Hauptanspruchsgruppen und der Gesellschaft im Allgemeinen zu berücksichtigen. Mit anderen Worten werden Unternehmen durch ihre exponierte Stellung dazu genötigt, gesellschaftlich hervorzutreten, indem sie nachhaltige Maßnahmen und, zur Darstellung ihrer nachhaltigen Aktivitäten, Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Entsprechend müsste eine höhere Machtdistanz mit mehr NHB einhergehen.358 Auf der anderen Seite neigt die Unternehmensleitung in Gesellschaften mit einer hohen Machtdistanz dazu, eher ihre eigenen Interessen zu vertreten, als die Interessen der Gesellschaft.359 Nach Ringov et al. (2007) entstehen in Gesellschaften mit einer geringen Machtdistanz eher soziale und ökonomische Initiativen, die offener diskutiert werden, da Mitarbeiter stärker einbezogen werden und weniger polarisiert wird.360 Es wird daher davon ausgegangen, dass Unternehmen in einer Gesellschaft mit geringerer Machtdistanz eher Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Daher wird folgende Hypothese abgeleitet: H5a: Unternehmen aus Ländern mit einem höheren Grad an Machtdistanz sind weniger geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen Individualismus: Die Dimension Individualismus versus Kollektivismus beschäftigt sich vor allem mit der Prioritätensetzung innerhalb der Gesellschaft auf das Individuum oder auf die Gruppe. Eine stark individualistische Gesellschaft denkt eher an sich und reagiert individuell. Sie stellt die eigenen Interessen und ____________________ 356 Vgl. Coulmont et al. (2015). 357 Vgl. Crossland und Hambrick (2011), S. 801. 358 Vgl. Ioannou und Serafeim (2012). 359 Vgl. Hofstede (2001). 360 Vgl. Ringov et al. (2007). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 101 die ihrer engsten Familie an erste Stelle. In einer kollektiven Gesellschaft dagegen ist das Selbstbild definiert durch ein »wir«.361 Cox et al. (2011) erklären den von ihnen festgestellten Zusammenhang zwischen Individualität und Umweltinitiativen damit, dass individuelle Kulturen eher individuelle Initiativen durchführen und eher Gebrauch von der Ausdrucksfreiheit machen.362 Die Studie von Luo und Tang (2016) konnte zeigen, dass Kulturen mit individualistischen Werten eine höhere Anzahl an Umweltinteressensgruppen vorweisen. Die damit verbundene Stärkung des öffentlichen Bewusstseins bzgl. des Klimawandels führte dazu, dass Unternehmen begannen, Emissionswerte zu veröffentlichen.363 Ein ähnlicher Zusammenhang könnte auch zwischen Individualismus und NHB bestehen. Auf der anderen Seite könnte eine kollektivistische Gesellschaft, die einen starken Gruppenbezug reflektiert, eine höhere Verantwortung gegen- über der jetzigen und zukünftigen Generation verspüren.364 Soziale Themen stehen stärker im Fokus kollektivistischer Kulturen, so dass Unternehmen sich eher gezwungen sehen, einen separaten Nachhaltigkeitsbericht zu ver- öffentlichen.365 Daher lässt sich folgende Hypothese ableiten: H5b: Unternehmen aus Ländern mit einem höheren Grad an Kollektivismus sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Wirtschaftliche Lage Neben den klassischen Schlüsselfaktoren des NBS wird die wirtschaftliche Lage des Landes als eine weitere Dimension hinzugezogen, Vorherige Studien konnten bisher nicht eindeutig feststellen, ob die wirtschaftliche Entwicklung einen Einfluss auf das Nachhaltigkeitsmanagement und damit auch auf die NHB hat. Während die Studien von Islam und Deegan (2008) zeigt, dass eine freiwillige Berichterstattung eher in höher entwickelten ____________________ 361 Vgl. Hofstede (2001). 362 Vgl. Cox et al. (2011). 363 Vgl. Luo und Tang (2016). 364 Vgl. Hofstede (2001). 365 Vgl. Coulmont et al. (2015). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 102 Ländern als in Entwicklungsländern üblich ist, 366 konnten Guthrie und Parker sowie Chapple und Moon (2005) keinen signifikanten Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Nachhaltigkeitsmanagement finden.367 Oftmals wird jedoch impliziert, dass mit einem höheren wirtschaftlichen Entwicklungsstand eine höhere Ausstattung an Ressourcen und ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein für nachhaltige Themen einhergeht.368 Daher wird dieser Argumentation gefolgt. Aus Kapitel 3.1 geht hervor, dass große Einkommensunterschiede in den MOEL vorherrschen. Daher wird folgende Hypothese abgeleitet: H6a: Unternehmen aus Ländern mit einem höheren Grad an wirtschaftlicher Entwicklung veröffentlichen eher Nachhaltigkeitsberichte. 5.2.4 Zusammenfassung der Hypothesen Neben den Unterschiedshypothesen, die Unterschiede zwischen den Regionen herausstellen, wurden auch Zusammenhangshypothesen formuliert. Die theoretische Fundierung der Zusammenhangshypothesen ist das NBS- Konzept, aus denen die länderspezifischen Determinanten, die einen Einfluss auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts ausüben könnten, abgeleitet wurden. Abbildung 11 fasst die Gesamtheit der Hypothesen zusammen und zeigt damit das Modell für die erste Untersuchung: ____________________ 366 Vgl. Islam und Deegan (2008). 367 Vgl. Guthrie und Parker (1989); Chapple und Moon (2005). 368 Vgl. Hahn und Kühnen (2013). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 103 Abbildung 11: Untersuchungsmodell 1369 5.3 Methoden der Datensammlung Für die Überprüfung der Hypothesen wurden Sekundärdaten in Form von eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten und Archivdaten erhoben und inhaltlich analysiert. Für die vorliegende Untersuchung wurden jeweils die Top 50 Unternehmen (nach Umsatz im Jahr 2012) der relevanten Länder aus der herstellenden Industrie, Energieproduktion, Handel, Information und Kommunikation sowie Bau gewählt. Sowohl öffentliche als auch private Unternehmen wurden in die Untersuchung eingeschlossen, um eine möglichst große Bandbreite der NHB-Praktiken zu erhalten. Falls ein Unternehmen aus den Datenbanken nicht aus einer der betrachtenden Industrien kam, wurde das nächste Unternehmen der Liste nach einbezogen, so dass am Ende 50 Unternehmen pro Land untersucht werden konnten.370 Die Untersuchung fand von August bis Dezember 2013 statt. Um die jeweils 50 größten Unternehmen des jeweiligen Landes zu identifizieren, wurden die in Tabelle 4 gelisteten Datenbanken hinzugezogen. ____________________ 369 Eigene Darstellung. 370 Aufgrund ihres spezifischen Geschäftsmodells sowie differierender regulatorischer Anforderungen wurden Unternehmen aus dem Banken-, Versicherungsund Finanzdienstleistungssektor ausgeschlossen. Vgl. dazu Blaesing (2013). Nachhaltigkeitsberichterstattung Unterschiedshypothese 1: - Ausmaß - Qualität - Schwerpunkt Zusammenhangshypothese: 2-6: Nationales Business System: Politisches System: - Wettbewerb und Regulierung (COM) - Anzahl Zivilgesellschaftsorganisationen (CSO) Finanzsystem: - Marktkoorination (MC) - Direkte Auslandsinvestitionen (FDI) Bildungs- und Arbeitssystem: - Verfügbarkeit qualifizierter MA (QM) - Ausgaben der Unternehmen für tertiäre Bildung (EDUC) Kultursystem: - „Power Distance“ (PD) - „Individualismus“ (IND) Wirtschaftliche Lage: - Bruttonationaleinkommen (GDP) Kontrollvariablen: Unternehmensgröße Industrie 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 104 Tabelle 4: Datenbanken371 Land Datenbank Bulgarien http://www.activ.bg/ Deutschland Top500.welt.de, Hoppenstedt Estland MAI Baltics Advisory OÜ Kroatien Croatiaweek Lettland Baltic Market Litauen Lithuanian Tribune Österreich Trend.top 500 Polen CE Top 500 Ranking Rumänien Romanian Trade Register Slowakei http://www.etrend.sk/(top 200) Slowenien Investslovenia Tschechische Republik Czech top 100 Ungarn Figyelő’s TOP100 5.3.1 Beschreibung des Untersuchungssamples Das Untersuchungssample umfasst insgesamt 650 Unternehmen, davon sind 100 Unternehmen aus WE und 550 Unternehmen aus MOE. Es folgt eine grobe Beschreibung der beiden Untersuchungssamples, genaue Details sind jedoch der Untersuchung von Horváth et al. (im Druck a) zu entnehmen, die die deskriptive Auswertung der Studie fokussiert hat.372 ____________________ 371 Eigene Darstellung. 372 Vgl. Horváth et al. (im Druck a). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 105 Abbildung 12 zeigt die Verteilung der beiden Teilsamples nach Industrie. Mit 41% im WE-Sample und 36% im MOE-Sample ist die herstellende Industrie dominierend, gefolgt vom Handel und dem Energiesektor. Abbildung 12: Verteilung nach Industrien373 Um das Untersuchungssample zu beschreiben, ist neben der Verteilung der Branchenzugehörigkeit auch die Unternehmensgröße von Bedeutung. Die Unternehmensgröße kann sowohl anhand der Anzahl der Mitarbeiter als auch anhand des Jahresumsatzes ausgedrückt werden. Anhand von Abbildung 13 wird deutlich, dass die Verteilung der Mitarbeiteranzahl im MOE-Sample stärker divergiert als im WE-Sample. 78% der Unternehmen in WE haben mehr als 5000 Mitarbeiter und nur 7% der Unternehmen weniger als 500 Mitarbeiter. In MOE haben 14% der Unternehmen mehr als 500 Mitarbeiter. Die Mehrheit der Länder haben mit 37% ca. 1001 bis 5000 Mitarbeiter. Der Mittelwert für das WE-Sample beträgt 62594 Mitarbeiter und ist damit deutlich höher als der Mittelwert für das CEE-Sample mit 2734 Mitarbeitern. Beide Mittelwerte liegen über dem Median, der im WE-Sample bei 19675 und im MOE-Sample bei 2734 liegt. ____________________ 373 Vgl. Horváth et al. (im Druck a). 23% 8% 41% 4% 24% 17% 4% 36% 6% 37% 18% 4% 37% 6% 35% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% Energie Baugewerbe herstellende Industrie IT Handel WE MOE Gesamt 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 106 Abbildung 13: Anzahl der Mitarbeiter374 Der Jahresumsatz spiegelt neben der Mitarbeiteranzahl deutlich wieder, dass die Unternehmen aus dem WE-Sample deutlich größer sind als die Unternehmen aus dem MOE-Sample. Der Median der kombinierten Umsätze liegt im WE-Sample bei 22407 Millionen Euro mit einem Mittelwert von 14523 Millionen Euro. Unternehmen aus MOE sind deutlich kleiner. Hier liegt der Median der kombinierten Umsätze bei 1495 Millionen Euro mit einem Mittelwert von 514 Millionen Euro. Hinsichtlich der Eigentumsform sind zwei Drittel der Unternehmen in WE börsennotierte Unternehmen, etwa ein Drittel sind private Unternehmen, die nicht an der Börse gelistet sind. In keinem der Unternehmen im Teilsample von WE hat der Staat eine Mehrheitsbeteiligung. Im MOE- Sample ist die Verteilung genau umgekehrt. Während 24% der Unternehmen börsennotiert sind, ist der Großteil mit 75% in Privatbesitz. Der Anteil an Unternehmen mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung liegt bei 11%. Etwa ein Drittel der Unternehmen aus dem WE-Sample sind Global Compact Mitglieder.375 In MOE sind es lediglich 9%.376 ____________________ 374 Eigene Darstellung. 375 Der Global Compact ist eine Initiative der Vereinten Nationen. Er wird zwischen Unternehmen und der UN geschlossen, um die Wirtschaft zu ermutigen, weltweit nachhaltige und sozial verantwortliche Regelungen zu implementieren sowie über ihre Einführung zu berichten (Williams, 2004). 376 Abbildungen und weitere Details der Beschreibung des Samples können der Studie von Horváth et al. entnommen werden (vgl. Horváth et al. (im Druck)). 6% 1% 2% 13% 78% WE 1-250 251-500 501-1,000 1,001-5,000 >5,000 22% 8% 14%37% 14% 5% MOE 1-250 251-500 501-1,000 1,001-5,000 >5,000 N/A 20% 7% 12% 33% 24% 4% Total 1-250 251-500 501-1,000 1,001-5,000 >5,000 N/A 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 107 5.3.2 Datenerhebungsmethode Um die Nachhaltigkeitsberichte empirisch zu untersuchen, wird die Datenerhebung mittels einer Inhaltsanalyse durchgeführt. Die Inhaltsanalyse wird definiert als »the study of recorded human communications such as books, websites, paintings and laws«.377 Die Anwendung dieser Methode wurde bereits in vielen vorhergehenden Untersuchungen in Hinsicht auf die NHB genutzt.378 Generell gilt, dass diese Analysetechnik sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte der Veröffentlichung erfassen kann.379 Um den Forschungsablauf im Rahmen der Inhaltsanalyse transparent zu gestalten, wurden die für eine Inhaltsanalyse empfohlenen Arbeitsschritte durchgeführt (s. dazu Abbildung 14).380 Abbildung 14: Arbeitsschritte der Inhaltsanalyse381 Nach der Hypothesengenerierung und der Festlegung der Grundgesamtheit sowie der Untersuchungseinheit wurde ein Kategoriensystem entwickelt. Dabei ist das Kategoriensystem von zentraler Bedeutung für die Inhaltsanalyse. Sie beinhaltet die Regelung der Transformation von Textinhalten in ____________________ 377 Babbie (2013), S. 320. 378 Vgl. Gray et al. (1995), Deegan et al. (2002). 379 Vgl. da Silva Monteiro und Aibar‐Guzmán (2010). 380 Vgl. dazu ausführlich Atteslander (2010), S. 204 f. 381 Vgl. Blaesing (2013), S. 152. 1. Phase: Hypothesengenerierung 2. Phase: Festlegung der Grundgesamtheit und Stichprobe 3. Phase: Festlegung der Untersuchungseinheit 4. Phase: Entwicklung eines Kategoriensystems 5. Phase: Durchführung eines Pretest 6. Phase: Prüfung der Reliabilität 7. Phase: Codierung 8. Phase: Aufbereitung und Analyse der Daten und Präsentation der Ergebnisse E n tw ic k lu n g s p h a se T e s tp h a s e A n w e n d u n g s -p h a s e E ig e n tlic h e In h a lts a n a lys e 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 108 numerische Informationen. Regelungen werden in einem Codebuch festgehalten, um eine einheitliche Regelung gewährleisten zu können. Danach erfolgen die Testphase des Kategoriensystems (Durchführung eines Pretests) sowie die Prüfung der Reliabilität der Informationen der NHB. Als Kategoriensystem wird die Gesamtheit aller inhaltsanalytischen Untersuchung bezeichnet. »Since the category contains the substance of the investigation, a content analysis can be no better than its systems of categories”382. Dabei muss das Kategoriensystem folgende Anforderungen erfüllen:383 1. Ein Kategoriensystem muss aus den Untersuchungshypothesen theoretisch abgeleitet werden. Die Forschungsfrage bestimmt damit die Art des Kategoriensystems. 2. Kategorien müssen unabhängig voneinander sein. 3. Ausprägungen jeder Kategorie müssen vollständig sein und dürfen sich nicht überschneiden. 4. Kategorien müssen in ein einheitliches Klassifikationsprinzip eingeteilt werden. Da mehrere Codierer mit der Analyse der Texteinheiten beschäftigt waren, wurden diese zuvor geschult, um eine einheitliche Codierung zu gewährleisten. Um den Anforderung eines Kategoriensystems gerecht zu werden, wird für die Festlegung des Kategoriensystems auf den Berichtsrahmen des GRI3.1 zurückgegriffen.384 Dieser macht Angaben zu den Inhalten, die ein Nachhaltigkeitsbericht enthalten sollte. Das Kategoriensystem wird hauptsächlich dafür genutzt, den Umfang und die Vollständigkeit der Berichterstattung zu messen. Eine Gewichtung der Kategorien ist damit nicht notwendig. Alle Items sind von gleich hoher Bedeutung. Jedes Unternehmen wurde dahingehend untersucht, ob es einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Im Falle dessen, dass trotz Anfrage kein eigenständiger Nachhaltigkeitsbericht vorlag, wurde geprüft, ob die betroffenen Unternehmen Informationen zur unternehmerischen Nachhaltigkeit im Jahresbericht oder auf ihrer Webseite veröffentlichen. Lag ein eigenständiger Nachhaltigkeitsbericht vor, wurde geprüft, ob sich der Bericht an einem Standard orientiert und ob der Bericht einer externen Überprüfung unterlag. Neben der Gesamtseitenzahl wurde anhand ____________________ 382 Perez-Batres et al. (2012), S. 147. 383 Vgl. Atteslander (2010), S. 204 f., 384 Vgl. Global Reporting Initiative (GRI) (2011). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 109 der geforderten GRI-Kategorien überprüft, ob der Bericht neben ökomischen Informationen auch Informationen zu Mitarbeitern, Umwelt, Sozialem, Produktsicherheit und Menschenrechten beinhaltet. Neben der Gesamtseitenzahl und der Gesamtanzahl der KPIs wurden die Seitenzahlen und die KPIs jeder Kategorie aufgenommen.385 Zuletzt wurde noch festgehalten, in welchen Sprachen der Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht wurde. Dabei wurde unterschieden, ob der Bericht in nationaler, nationaler und englischer, nationaler, englischer und weiteren Sprachen vorlag. Die Datensammlung wurde von einem internationalen Forschungsteam durchgeführt, um mögliche Sprachbarrieren überbrücken zu können. Um bei der Datensammlung eine höchstmögliche Übereinstimmung zu erzielen, wurden alle Kriterien genau definiert (s. Tabelle 5) und von jeweils zwei Wissenschaftlern unabhängig geprüft. Tabelle 5: Checkliste386 Kategorie Ausprägung 1. Name of the company Free field 2. Industry Manufacturing Energy production Retail and wholesale Construction IT 3. Number of employees Number of employees 4. Net sales in mio € € 5. Ownership form Privately held Publicly traded 6. Government is majority owner Yes/No 7. Company’s market orientation Exclusively domestic On foreign markets up to 25% On foreign markets up to 50% On foreign markets up to 75% On foreign markets up to 100% 8. Member of Global Compact Yes/No ____________________ 385 Vgl. Roca und Searcy (2012), S. 103 ff. 386 Eigene Darstellung. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 110 Kategorie Ausprägung 9. Publish stand alone sustainability report? Yes/No 10. If No: Other channel used for disclosure on sustainability information? Annual report (as additional section on the management summary) Web report If stand-alone SR has been found, further investigation of the stand-alone report 11. Year of recent report Year of report 12. Language used National language only English only Local language and English More than local language and English 13. Standard used Yes/No If yes: which standard 14. Third party audited Yes/No Overall number of KPIs Number of pages 15. Number of pages for Financial Number of pages Employees Number of pages Environmental Number of pages Social Number of pages Product safety Number of pages Human rights Number of pages Overall number of KPIs Number of KPIs 16. Number of KPIs for Financial Number of KPIs Employees Number of KPIs Environmental Number of KPIs 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 111 Kategorie Ausprägung Social Number of KPIs Product safety Number of KPIs Human rights Number of KPIs 5.3.3 Gütebeurteilung des Messvorgangs Grundsätzlich soll mit der inhaltsanalytischen Auswertung eine Reduktion von Informationsstrukturen auf die für die Fragestellung relevanten Informationen erbracht werden. Die Bestimmung der Qualität des Messvorgangs erfolgt anhand der klassischen Gütekriterien Reliabilität und Validität.387 Reliabilität lässt sich anhand der Kriterien »Stabilität und Genauigkeit der Messung sowie der Konstanz der Messbedingungen« bewerten.388 So soll die Zuverlässigkeit eines Messinstrumentes und der Grad der Reproduzierbarkeit von Messergebnissen sichergestellt werden.389 Ein Messinstrument gilt als stabil, wenn die Messergebnisse bei wiederholter Anwendung des Messinstruments im Zeitablauf unverändert bleibt. Im Fall der vorliegenden Inhaltsanalyse fanden die Auswertungen der Texte zu unterschiedlichen Zeiträumen statt. Um eine sogenannte Intracoder-Reliabilität zu verhindern390, die durch Ermüdung oder aber auch durch Lernprozesse im Verlauf der Arbeit eintreten kann, wurden Pretests mit fünf alten Nachhaltigkeitsberichten durchgeführt.391 Vor diesem Hintergrund wurden die Codieranweisungen geringfügig überarbeitet. Neben Stabilität muss dazu die Wiederholbarkeit der Messergebnisse gewährleistet sein. Der Einsatz mehrerer Codierer wird als größte Gefahr für die Zuverlässigkeit der inhaltsanalytischen Auswertungsverfahren gesehen. Kognitive Unterschiede der Codierer, mehrdeutige Codieranweisungen oder Fehler bei der Auswertung können zu einer sog. Intercoder-Reliabilität ____________________ 387 Vgl. Diekmann (2012), Schnell et al. (2013). 388 Friedrichs (1973), S. 102. 389 Vgl. Merten (1995), S. 302. 390 Es wird von Intracoder-Reliabilität gesprochen, wenn die Ergebnisse zu Anfang und zu Ende der Auswertungsphase nicht übereinstimmen. 391 Vgl. Rössler und Geise (2013), S. 269 ff. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 112 führen.392 Da die Inhaltsanalyse aufgrund der unterschiedlichen Sprachen von einem internationalen Team durchgeführt wurde, besteht durchaus die Gefahr der Intercoder-Reliabilität. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, wurden genaue Anweisungen zur Datenerhebung gemacht.393 Damit wurde die Intercoder-Reliabilität verringert, kann aber in der vorliegenden Arbeit nicht völlig ausgeschlossen werden. Zuletzt muss überprüft werden, ob das Messinstrument geeignet ist, d.h., exakt das misst, was es messen soll. Abweichungen von vorgegebenen Standards können die Genauigkeit des Messinstruments beeinflussen.394 Die genaue Beschreibung des Codierungssystems und Anweisungen zum Codieren sollen präventiv Ungenauigkeiten vermeiden. Die Validität bezeichnet die Gültigkeit der Messung. Sie ist definiert als das Ausmaß zwischen dem, was tatsächlich erfasst wird, und dem, was ursprünglich untersucht werden sollte.395 Sie spiegelt damit »die Korrespondenz von Analyseergebnis und sozialer Wirklichkeit«396 wieder. Die Gültigkeit einer Messung hängt dabei vom jeweiligen Erkenntnisinteresse ab und steht in Beziehung zum vorab definierten Ziel.397 Es wird zwischen interner und externer Validität unterschieden. Die interne Validität bezieht sich auf die Stimmigkeit und Konsistenz des Erhebungsinstruments und wird von der Reliabilität bereits abgedeckt. Die externe Validität bezieht sich auf die Korrelation mit einem Außenkriterium.398 Dabei werden unterschiedliche Arten der externen Validität unterschieden: Die Analysevalidität beschreibt die Reliabilität zwischen Forscher und Codierer. Die Codierung des Forschers gilt als gesetzt. Die Ergebnisse der Codierer werden verglichen, um herauszufinden, wie gut die Feldarbeit das misst, was sie messen soll. Aufgrund der Anweisung sollte die Diskrepanz gering sein, kann jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden.399 Die Inhaltsvalidität macht Aussagen über die Vollständigkeit des Instruments. Sie be- ____________________ 392 Intercoder-Reliabilität kennzeichnet die Übereinstimmung von Codierungen durch voneinander unabhängigen Codierern (vgl. ebenda). 393 Vgl. Rössler (2008), S. 197 ff. 394 Vgl. Früh (2011). 395 Vgl. Schnell et al. 1999, S. 148; Friedrichs 1973, S. 100. 396 Merten (1995), S. 302. 397 Vgl. Merten (1995), S. 302 f. 398 Vgl. Balderjahn (2003), S. 130 f. 399 Vgl. Rössler (2008), S. 206. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 113 zieht sich auf die Frage, ob alle relevanten Teilaspekte berücksichtig wurden und somit keine Dimension vergessen wurden. Dies lässt sich aus den Vorüberlegungen ableiten. Die Inhaltsvalidität gilt daher als erfüllt.400 Zur Beurteilung der Kriteriumsvalidität werden externe Quellen hinzugezogen. Eine hohe Kriteriumsvalidität ist dann gegeben, wenn sich die Ergebnisse durch andere Inhaltsanalysen stützen lassen.401 Aufgrund der Tatsache, dass nur wenige Studien über NHB in MOE bestehen, gestaltet sich die Überprüfung als schwierig. Allerdings werden die Ergebnisse im Einklang mit bereits bestehender Literatur interpretiert. Mit der Kriteriumsvalidität geht auch meist die Inferenzvalidität einher. Inferenzvalidität liegt dann vor, wenn auf Basis der Inhaltsanalyse insbesondere induktive Schlüsse gezogen werden können.402 Zur Beurteilung der Inferenzvalidität sind meist externe Erhebungen mit anderen methodischen Vorgehensweisen erforderlich. Dadurch soll die Schlüssigkeit der Ergebnisse belegt werden. Sowohl die Kriteriumsvalidität als auch die Inhaltsvalidität werden im Rahmen der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt. Nach Loosen et al. (2002) bleibt die Validität trotz verschiedener »Verfahren zur Prüfung von Validitätskriterien und der Verwendung der statistischen Testtheorie […] ein Konstrukt, über das letztlich nur im wissenschaftlichen Diskurs und damit außerhalb der methodischen Anlage entschieden werden kann«403. 5.4 Operationalisierung (Bezug zu früheren Studien) Um die Unterschiedshypothesen testen zu können, müssen verschiedene Ausprägungen wie Ausmaß, Qualität und Schwerpunkt operationalisiert werden. Das Ausmaß der NHB wird über die Anzahl der Nachhaltigkeitsberichte gemessen. Dazu zählen die integrierten Berichte und die eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte. Die Qualität wird durch die Vollständigkeit des Nachhaltigkeitsberichts und die Nutzung eines Standards abgebildet. Ein Nachhaltigkeitsbericht ist vollständig, wenn alle Kriterien genannt wurden.404 Die Nutzung eines Standards beinhaltet alle üblichen bekannten Standards wie GRI, ISAE und EMAS (s. dazu Tabelle 6). ____________________ 400 Vgl. Rustemeyer (1992). 401 Vgl. Rössler (2008). 402 Vgl. Rössler und Geise (2013), S. 207. 403 Loosen et al. (2002), S. 38. 404 Hierbei wird keine Unterscheidung zur Tiefe der Aussagen gemacht. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 114 Tabelle 6: Operationalisierung der Variablen für die Unterschiedshypothesen405 Variable Erklärung Gruppenzugehörigkeit WE für Westeuropa, MOE für Mittel- und Osteuropa (WE Westeuropa, SOE Südosteuropa, ME Mitteleuropa, BALT Baltische Länder) Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts Indikatorvariable entspricht 1 für Veröffentlichung, 0 für keine Veröffentlichung Qualität des Berichts Indikatorvariable entspricht 1 für vollständigen Bericht, 0 für unvollständigen Bericht Indikatorvariable entspricht 1 für Nutzung eines Standards und 0 für Nicht-Nutzung Schwerpunkt Indikatorvariable entspricht 1 für Schwerpunkt Ökonomie, 2 für Schwerpunkt Ökologie und 3 für Schwerpunkt Sozial Operationalisierung der Variablen für die Zusammenhangshypothesen: Die abhängige Variable der Zusammenhangshypothesen ist eine Indikatorvariable und entspricht dem Wert 0, wenn die untersuchten Unternehmen keinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen und 1, wenn sie einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Die unabhängigen Variablen beziehen sich auf verschiedene Quellen und werden im Detail in Tabelle 7beschrieben. Sie beziehen sich bis auf einige Ausnahmen auf das Jahr 2012. Die unabhängigen Variablen stellen die speziellen Unterschiede der MOEL dar, ohne jedoch das theoretischen Konstrukt von Whitely zu missachten. Das politische System beinhaltet die Gesetze und Regulierungen, die auf den Wettbewerb eines Landes wirken (COM) sowie die Dichte der Zivilgesellschaftsorganisationen. COM kann einen Wert zwischen 1 und 10 annehmen. Je höher der Wert liegt, desto mehr fördert das »legal and regulatory framework« den Wettbewerb und wird vom Global Competitiveness Report des IMD zur Verfügung gestellt.406 Die Dichte der Zivilgesellschaft stellt ____________________ 405 Eigene Darstellung. 406 Vgl. IMD (2013). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 115 die Größe der Zivilgesellschaften pro tausend Einwohner dar und wurde aus der Datenbank des CSO Sustainability Index for Central and Eastern Europe and Eurasia entnommen407 und mit der jeweiligen Einwohnerzahl der Länder408 berechnet. Das Finanzsystem beinhaltet die Marktkoordination (MC) eines Landes und die Höhe der ausländischen Direktinvestition (FDI) gemessen am BIP. MC wurde für die MOEL erstmals von Knell und Shrolec berechnet und kann Werte von -10 bis +10 annehmen. Werte im stark negativen Bereich weisen auf einen liberalen Markt hin und damit auf ein stärker ausgeprägtes kapitalmarktbasiertes Finanzsystem. Werte im stark positiven Bereich hingegen stehen für einen stark koordinierten Markt, dessen Finanzsystem sich stärker auf Bankkredite stützt.409 FDI bilden die durchschnittlichen Direktinvestitionen von 2005 bis 2012 des jeweiligen Landes ab.410 ____________________ 407 Vgl. USAid (2013). 408 Vgl. Eurostat (2016). 409 Vgl. Knell und Srholec (2007). 410 Vgl. United Nations Conference on Trade and Development (2015). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 116 Tabelle 7: Operationalisierung der unabhängigen Variablen411 ____________________ 411 Eigene Darstellung. V a ri a b le E rk lä ru n g Q u e ll e P o li ti s c h e s S ys te m W et tb e w e rb u nd R e g u lie ru n g e n ( C O M ) G e se tz e , d ie d ie I n te n si tä t d e s W et te b e w e rb s fö rd e rn ( 1 = se h r sc h w a ch – 1 0 = s e h r st a rk ) IM D W o rl d C o m p e tit iv e n e ss R e p o rt D ic h te Z iv ilg e se lls ch a ft e n (C S O ) A n za h l d e r Z iv ilg e se lls ch a ft e n/ p ro 1 0 0 0 0 E in w o h n e r U S A ID F in a n zs ys te m A u sl ä n d is ch e D ir e kt in ve st iti o n e n ( F D I) H ö h e d e r d u rc h sc h n itt lic h e n D ir e kt in ve st iti o n e n 2 0 0 5 -2 0 12 U N C D A T M a rk tk o o rd in a tio n ( M C ) D a te n z u r M a ch t d e r A n sp ru ch sg ru p p e n , K o n tr o llv e rt e ilu n g , G rö ß e d e s A kt ie n m a rk te s, G ra d u n d H ö h e d e r L o h n ko o rd in ie ru n g u n d F lu kt u a tio n. H ö h e re W e rt e ze ig e n e in e h ö h er e M a rk tk o o rd in a tio n a n K n e ll & S rh o le c (2 0 0 7 ) B il d u n g s u n d A rb e it s s ys te m A n te il d e r U n te rn e h m e n a n te rt iä re r A u sb ild u n g ( E D U C ) R e la tiv e r A n te il d e r p ri va te n A u sg a b e n fü r d ie H o ch sc h u lb ild un g U N E S C O I n st itu te f o r S ta tis tic s (U IS ). V e rf ü g ba rk e it qu a lif iz ie rt e r M ita rb e ite r (Q M ) V e rf ü g b a rk e it q u a lif iz ie rt e r M ita rb e ite r (1 = s e h r sc h w a ch – 1 0 = s e h r st a rk ) IM D W o rl d C o m p e tit iv e n e ss R e p o rt K u lt u re ll e s S ys te m In d iv id u a lis m us ( IN D ) S tä rk e d e r B e zi e h u n g e n z w is ch e n I n d iv id u e n u n d s e in e r G ru p p e ( je h ö h e r d e r W e rt , d e st o in d iv id u a lis tis ch er ) H o fs te d e (2 0 0 1 ) P o w e r D is ta n ce (P D ) A u sm a ß , in w ie w e it e in e K u ltu r e in e u n g le ic h e V e rt e ilu n g vo n M a ch t a kz e p tie rt u n d e rw a rt e t (j e h ö h e r d e r W e rt , d e st o u n g le ic h e r is t d ie M a ch t ve rt e ilt ) W ir ts c h a ft li c h e L a g e B ru tt o n a tio n a le in ko m m e n (G D P ) B ru tt o n a tio n a le in ko m m en / K o p f E u ro st a t T ab el le 7 : O pe ra ti on al is ie ru ng d er u na bh än gi ge n V ar ia bl en 41 2 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 117 Das Bildungs- und Arbeitssystem wird zum einen durch die am Markt zur Verfügung stehenden qualifizierten Arbeitskräften eines Landes (QM) operationalisiert. QM kann einen Wert von 1 bis 10 annehmen. Je höher der Wert ist, desto mehr qualifizierte Arbeitskräfte stehen den Unternehmen zur Verfügung. QM wurde dem IMD World Competitiveness Report entnommen.412 Zum anderen wird der Anteil an Unternehmen eines jeden Landes hinzugenommen, die sich in der Hochschulbildung engagieren (EDUC).413 Die Daten für EDUC wurden aus dem UNESCO Global Education Digest entnommen, beziehen sich auf das Jahr 2011 und berechnen sich aus dem Anteil der privaten Ausgaben an den Gesamtausgaben in die tertiäre Bildung.414 Das Kultursystem wird abgebildet durch zwei etablierte Kulturdimensionen von Hofstede: Machtdistanz (PD) und Individualismus (IND). Je höher die Werte sind, desto höher ist die Machtdistanz bzw. der Grad an Individualismus.415 Die wirtschaftliche Lage, die ursprünglich nicht zu Whitleys NBS gehört, wird durch die Höhe des Bruttonationaleinkommens pro Kopf (BIP) dargestellt. Das BIP wurde aus der EUROSTAT Datenbank entnommen.416 Tabelle 8 gibt einen Überblick über die Klassifikation der einzelnen Länder. ____________________ 412 Vgl. IMD (2013). 413 Vgl. Jensen und Berg (2012). 414 Vgl. UNESCO (2011). 415 Vgl. Hofstede (2001). 416 Vgl. Eurostat (2016). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 118 Tabelle 8: Klassifizierung der unabhängigen Variablen417 ____________________ 417 Eigene Darstellung. La nd CO M C SO FD I M C ED U C Q M IN D M A S G D P Bu lg ar ie n 2, 39 52 5. 26 3 -0 ,8 0, 7 3, 49 30 30 5. 80 0 Es tla nd 6, 28 22 7 1. 80 1 -5 ,7 0, 0 2, 47 60 40 14 .8 00 K ro at ien 2, 63 11 8 2. 82 9 5, 6 0, 7 4, 51 33 40 10 .2 00 Le ttl an d 4, 48 89 1. 12 5 0, 6 0, 5 4, 74 70 9 12 .1 00 Li ta ue n 4, 61 84 1. 22 0 -3 ,8 7, 1 5, 17 60 19 12 .4 00 Po len 5, 24 30 15 .2 22 -1 ,8 6, 7 6, 62 60 64 10 .7 00 Ru m än ien 3, 77 43 6. 84 2 4, 0 3, 0 5, 13 30 42 7. 50 0 Sl ow ak ei 3, 11 75 3. 23 5 -2 ,8 16 ,4 5, 30 52 11 0 13 .9 00 Sl ow en ie n 2, 78 12 6 66 7 6, 3 0, 2 5, 60 27 19 18 .1 00 Ts ch ec hi sc he Re pu bl ik 4, 05 10 3 6. 67 2 4, 4 0, 7 6, 10 58 57 14 .7 00 Un ga rn 3, 14 66 6. 15 9 -3 ,3 nn 4, 24 80 88 10 .5 00 De ut sc hl an d 5, 61 15 0 44 .1 64 4, 8 14 ,0 5, 27 67 66 35 .2 00 Ö ste rr ei ch 4, 64 14 2 10 .1 79 3, 8 9, 4 4, 41 55 79 38 .5 00 T ab el le 8 : K la ss if iz ie ru ng d er u na bh än gi ge n V ar ia bl en 41 8 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 119 Weiterhin wurde das Modell um zwei weitere Kontrollvariablen ergänzt (s. dazu Tabelle 9). Landesspezifische Einflussfaktoren lassen sich nicht isoliert von Unternehmenscharakteristika und generellen Faktoren betrachten. Neben der Größe des Unternehmens, gemessen am Umsatz des Unternehmens in Mio. Euro im Jahr, wurde überprüft, ob die Industriezugehörigkeit einen Einfluss ausübt. Unternehmen aus der herstellenden Industrie und aus der Energieproduktion wurden als sog. »stark verschmutzende Industrien« kategorisiert, während die anderen Unternehmen der übrigen Industrien den »nicht stark verschmutzenden Industrien« zugeordnet wurden.418 Tabelle 9: Operationalisierung der Kontrollvariablen419 Variable Erklärung Größe (SIZ) Gemessen am Umsatz (turnover) des UNternehemens in Mio. Euro im Jahr t Verschmutzende Industrie (MANU) Indikatorvariable entspricht 1 für verschmutzende, 0 für nicht verschmtzende Industrie 5.5 Methoden der Datenaufbereitung und -auswertung Die Daten wurde mit der Datensoftware SPSS aufbereitet und ausgewertet. Zur Überprüfung der Unterschiedshypothesen wird ein Signifikanztest, der Chi-Quadrat Test, hinzugezogen. Die Überprüfung der Zusammenhangshypothesen wird mit einer logistischen Regression durchgeführt. 5.5.1 Kreuztabellierung und Chi-Quadrat-Tests Im Rahmen der Datenanalyse wird auf gängige Methoden der beschreibenden und schließenden Statistik zurückgegriffen. Für die Prüfung der ersten drei Hypothesen werden die identifizierten Unterschiede nach der deskriptiven Auswertung mit Hilfe des Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest auf Signifikanz getestet. Der Chi-Quadrat-Test, angewandt auf Kreuztabellen, ermittelt die Wahrscheinlichkeit, ob Zusammenhänge mehr als nur zufälliger ____________________ 418 Vgl. Fifka und Drabble (2012), S. 455. 419 Eigene Darstellung. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 120 Natur sind. Die Nullhypothese postuliert die Unabhängigkeit der beiden Merkmale.420 Der Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest gehört zu den nichtparametrischen Tests und setzt keine Normalverteilung voraus. Er setzt jedoch voraus, dass die zu erwartenden Häufigkeiten in jedem Feld der Kreuztabellen mindesten fünf betragen.421 Wie alle Signifikanztests sagt ein signifikantes Ergebnis allein noch nichts über die Stärke des Effekts aus. Um die Stärke des Zusammenhangs zwischen zwei dichotomen Variablen zu testen, wird der Phi-Koeffizient hinzugezogen.422 Phi kann einen Wert zwischen Null und Eins annehmen. Wenn keine Abhängigkeit zwischen den Variablen existiert, ist der Wert Null. Wenn eine vollständige Abhängigkeit besteht, beträgt der Wert Eins. Nach Backhaus et al. (2013) besteht ein deutlicher Zusammenhang jedoch bereits ab einem Wert größer als 0,3.423 Heise (1975) hingegen interpretiert Phi-Werte ab 0,1 als schwache, Werte ab 0,3 als mittlere und Werte ab 0,5 als starke Zusammenhänge.424 5.5.2 Logistische Regression 5.5.2.1 Erklärungen und Voraussetzungen Um den Einfluss der länderspezifischen Faktoren auf die Wahrscheinlichkeit der Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts nachzuweisen, wurde ein binomiales logistisches Regressionsmodell hinzugezogen. Regressionsanalysen sind in der ökonomischen und sozialempirischen Praxis weit verbreitete statistische Methoden.425 Sie finden hauptsächlich Anwendung auf Fragestellungen, die untersuchen, wovon das Eintreten eines Zustands bei Untersuchungsobjekten abhängt bzw. wodurch das Eintreten beeinflusst wird. Die abhängige Variable kann daher zwei Ausprägungen annehmen, entweder Null oder Eins. Mit der logistischen Regression werden Beziehungen zwischen einer oder mehreren unabhängigen Variablen, die ein beliebiges Skalenniveau aufweisen können, und ei- ____________________ 420 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 312 ff. 421 Vgl. Eckey et al. (2015), S. 269 ff. 422 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 315 f.; Bortz und Döring (2006). 423 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 315. 424 Vgl. Heise (1975), S. 22. 425 Vgl. Grohmann (2000), S. 670 ff. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 121 ner kate gorial skalierten abhängigen Variable untersucht. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des Ereignisses wird dabei nach folgender Formel berechnet (mit e=2,71828183): = 11 + Um zu ermitteln, mit welcher Wahrscheinlichkeit das durch die abhängige Variable gemessene Ereignis - unter Berücksichtigung der Einflussgrößen - zu erwarten ist,426 wird ein Regressionsansatz bestimmt. Dafür wird die latente Variable z geschaffen, die eine binäre Ausprägung der abhängigen Variable in Abhängigkeit der Ausprägung der unabhängigen Variablen erzeugen kann. Dabei ist z durch folgende Gleichung definiert:427 = + + = 1, … , = 1, > 0 ! 0 ≤ 1 Mit k = Beobachtungsfall j = Anzahl unabhängiger Variablen xj,k = Ausprägung der unabhängigen Variable j bei Fall k uk = Fehlerausdruck β = Koeffizienten Die Variable stellt die Einflussstärke der unabhängigen Variable dar, die das Ereignis herbeiführt, und wird auch als Logit bezeichnet. Betrachtet wird nicht die Gruppenzugehörigkeit, sondern die Wahrscheinlichkeit der Gruppenzugehörigkeit als abhängige Größe. Ergibt sich für p ein kleinerer Wert als 0,5, so wird angenommen, dass das Ereignis nicht eintritt. Im anderen Fall wird das Eintreffen des Ereignisses angenommen. ____________________ 426 Vgl. Backhaus et al. (2013), S.452 ff. 427 Vgl. ebenda, S. 255. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 122 Die logistische Regression kann immer dann eingesetzt werden, wenn es darum geht, Gruppenunterschiede zu erklären oder Gruppenzugehörigkeiten zu prognostizieren Bei der Erklärung von Gruppenunterschieden geht es darum, die Variablen zu identifizieren, die für diese Unterschiede verantwortlich sind, und die Stärke sowie die Richtung ihres Einflusses zu bestimmen.428 Die Anwendung einer logistischen Regression ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Zum einen wird vorausgesetzt, dass die manifesten unabhängigen und abhängigen Variablen mindesten kategorial skaliert sind. Zum anderen sollten mindesten 50 Beobachtungen vorliegen, d.h., bei der binären logistischen Regression sollten für jede Beobachtung mindestens 25 Beobachtungen vorliegen. Aussagekräftige Ergebnisse werden jedoch erst ab ca. 100 Beobachtungen erwartet.429 Weiterhin muss die Zahl der erforderlichen Beobachtungen mit der Zahl der Prädiktoren in Verbindung gestellt werden, da bei zunehmender Variablenzahl die Zahl der möglichen Kovariatenmuster dramatisch ansteigt.430 Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass keine Multikollinearität zwischen den unabhängigen Variablen vorliegt, um Verzerrungen in den Parameterschätzungen zu vermeiden. Multikollinearität führt zu einer reduzierten Genauigkeit der Koeffizientenschätzung für die Regressionsgleichung. So kann der Einfluss einzelner unabhängiger Variablen nicht mehr eindeutig identifiziert werden.431 Von Multikollinearität wird ausgegangen, wenn die Korrelation zwischen zwei unabhängigen Variablen größer ist als 0,9 bzw. die Korrelation zwischen den unabhängigen Variablen höher ist als die Korrelation zur abhängigen Variablen.432 Um Multikollinearität überprüfen bzw. ausschließen zu können, wird eine Korrelationsmatrix erstellt.433 5.5.2.2 Bewertung des Schätzmodells Bevor die einzelnen Koeffizienten interpretiert werden, muss das Regressionsmodell bewertet werden. Dazu werden verschiedene Ansätze hinzugezogen. ____________________ 428 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 250 f. 429 Vgl. Hosmer und Lemeshow (2000) S. 339 ff. 430 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 254 ff. 431 Vgl. Schneider (2006), S. 187 f. 432 Vgl. Green und Tull (1982), S. 310 f. 433 Vgl. Schneider (2006), S. 187 f. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 123 Um die Leistungsfähigkeit des Modells und damit die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Grundgesamtheit beurteilen zu können, wird der Likelihood-Ratio-Test mit dem χ²-Wert (daher auch Modell Chi-Quadrat- Test) angewandt. Aus der Differenz der Devianz des Null-Modells (bei dem das Regressionsgewicht der unabhängigen Variable auf null gesetzt und lediglich der konstante Term betrachtet wird) und der Devianz des vollständigen Modells (bei welchem sowohl das Regressionsgewicht als auch der konstante Term variieren) ergibt sich der χ²-Wert.434 Je größer die Differenz zwischen der Devianz des Null-Modells und des vollständigen Modells, desto höher ist die Erklärungskraft der unabhängigen Variablen.435 Hohe χ²- Werte und ein hohes Signifikanzniveau mit p=≤0,05 weisen darauf hin, dass die Koeffizienten des vollständigen Modells (gegenüber dem Null-Modell) signifikant von Null verschieden sind.436 Um den Anteil der durch das Regressionsmodell erklärten Varianz zu quantifizieren, werden verschiedene Koeffizienten hinzugezogen, die zusammenfassend als Pseudo–R²-Statistiken bezeichnet werden. Es gibt drei Varianten der Pseudo-R²-Statistiken: McFaddens-R², Cox und Snell-R² und Nagelkerke-R².437 Cox und Snell-R² nimmt nur Werte < 1 und damit niemals den Maximalwert von 1 an. Nagelkerke-R² kann hingegen den Maximalwert von 1 erreichen und erlaubt damit eine eindeutige Interpretation. Werte für ein Pseudo- R²-Maß über 0,2 lassen auf ein akzeptables, Werte über 0,4 auf ein gutes Modell schließen. Im Falle des R² nach Nagelkerke kann ein Wert über 0,5 als sehr gut interpretiert werden. Nach Backhaus et al. (2013) ist dem Nagelkerke-R² Vorzug zu geben, da sich dieser im Gegensatz zum Cox und Snell-R² eindeutig inhaltlich interpretieren lässt.438 Schließlich wird der Hosmer-Lemeshow-Test angewendet, der auch als Anpassungstest oder Goodness-of-Fit-Test bekannt ist.439 Er prüft die Übereinstimmung der Regressionsfunktion der vorhergesagten und beobachteten Werte. Der Hosmer-Lemeshow Test prüft die Nullhypothese, teilt dafür ____________________ 434 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 267 f. 435 Unter Berücksichtigung der Freiheitsgrade bzw. der Anzahl der unabhängigen Variablen sowie der χ²-Tabelle hat die unabhängige Variable einen bedeutenden Einfluss auf die abhängige Variable, sofern der Likelihood-Ratio-Wert größer als der tabellierte χ²-Wert ist (vgl. Backhaus et al. (2013), S. 267). 436 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 267 ff. 437 Vgl. ebenda., S. 270. 438 Vgl. ebenda. 439 Vgl. Hosmer und Lemeshow (1980), S. 1043 ff. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 124 die Stichprobe in bis zu zehn gleich große Gruppen und überprüft nachfolgend, ob die Differenz zwischen den vorhergesagten und beobachteten Werten gleich null ist. Je geringer die Differenz bei möglichst hohem Signifikanzniveau, umso besser ist die Modellanpassung.440 Gesucht wird damit die Bestätigung der Nullhypothese. Weiterhin wird die Klassifikationsmatrix hinzugezogen. Es handelt sich dabei um eine Vierfelder-Matrix, die im Vergleich zum Hosmer-Lemeshow-Test den Anteil der richtig zugeteilten Fälle dem Anteil der zufällig richtig zugeteilten Fälle gegenüberstellt und so die Trefferquote der logistischen Regression mit der Trefferquote bei rein zufälliger Zuordnung der Fälle vergleicht. Die Trefferquote muss dabei höher sein als die rein zufällige Trefferquote. Der Anteil der durch die logistische Regression richtig zugeteilten Fälle bildet die Klassifizierungstabelle ab. Die proportionale Zufallswahrscheinlichkeit (PCC) berechnet sich wie folgt: ## = $ + 1 − ² Hierbei entspricht a dem Anteil einer Gruppe an der zu Grunde gelegten Stichprobengröße. Diese verwendeten Gütemaße zur Beurteilung des Regressionsmodells sind in Tabelle 10 zusammengefasst.441 ____________________ 440 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 274. 441 Einen Überblick über die Gütemaße gibt Backhaus et al. (2013), S. 267-276. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 125 Tabelle 10: Zusammenfassende Darstellung zentraler Gütemaße zur Beurteilung des Regressionsmodells442 Hält das Gesamtmodell den geforderten Gütekriterien stand, folgt die Evaluierung der Merkmalsvariablen hinsichtlich der Signifikanz, der Richtung und der relativen Bedeutung. Gütekriterien zur Bewertung der Merkmalsvariablen Um die statistische Signifikanz der einzelnen länderspezifischen Determinanten auf die Ausprägung der NHB zu prüfen, wird zunächst mit einem statistischen Signifikanztest (Wald-Statistik) abgesichert, ob die einzelnen Prädikatoren einen signifikanten Einfluss haben. Die Wald-Statistik testet die Nullhypothese und errechnet sich aus dem Quotienten der standardisierten Regressionskoeffizienten und seinen Standardfehlern im Quadrat:443 ' = ( ) * + $ sbj = Standardfehler von bj (j=0, 1, 2, …, J). ____________________ 442 Eigene Darstellung, in enger Anlehnung an Backhaus et al. (2013), S. 276. 443 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 280. Arten der Gütekriterien Beschreibung Akzeptable Wertebereiche Gütekriterien auf Basis der LogLikelihood-Funktion (Güte der Anpassung) Likelihood-Ratio- Test Leistungsfähigkeit des Modells und Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Grundgesamtheit Möglichst hoher Chi²-Wert, Signifikanzniveau < 5 % Pseudo-R²-Statistiken (Güte des Gesamtmodells) McFadden-R² Quantifizierung der Trennkraft der unabhängigen Variable größer 0,2 (akzeptabel), größer 0,4 (gut) Cox und Snell-R² Anteil der Varianzerklärung der abhängigen Variablen durch die unabhängige Variable größer 0,2 (akzeptabel), größer 0,4 (gut) Nagelkerke-R² Gegenüberstellung von Likelihood-Werten größer 0,2 (akzeptabel), größer 0,4 (gut), größer 0,5 (sehr gut) Beurteilung der Klassifikationsergebnisse (Güte der Anpassung) Analyse der Klassifikationsergebnisse Vergleich der Trefferquote der logistischen Regression mit der bei rein zufälliger Zuordnung der Elemente Anteil korrekter Klassifikation größer als die proportionale Zufallswahrscheinlichkeit Hosmer-Lemeshow- Test Anpassung des Modells Möglichst hoher Chi²-Wert, Signifikanzniveau < 5 % 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 126 Ist die Wald-Statistik mit einem Signifikanzniveau von p=0,05 signifikant, bedeutet das eine Unterscheidung der Parameter von Null. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass die unabhängige Variable einen Einfluss hat. Im Fall, dass sich die Werte als signifikant erweisen, kann ihr Einfluss dementsprechend interpretiert werden. Bei einem Wert von p≤0,05 werden die Werte als signifikant, unter 0,01 als sehr signifikant und bei einem Wert von weniger als 0,001 als hoch signifikant bezeichnet.444 Die Beurteilung und Interpretation der einzelnen Merkmalsvariablen erfolgen dann anhand des Regressionskoeffizienten, der mit dem β -Wert und dem Exp(β) bewertet wird. Die β-Werte geben über ihr Vorzeichen die Richtung des Einflusses der unabhängigen Variable Auskunft. Ein positiver Koeffizient bedeutet, dass bei einer Zunahme des zu vorherzusagenden Wertes die Wahrscheinlichkeit für die Alternativausprägung zunimmt. Negative Koeffizienten bedeuten wiederum, dass bei Zunahme des zu vorherzusagenden Wertes die Wahrscheinlichkeit für die Referenzkategorie steigt. Der Betrag des β-Wertes kann jedoch nur schlecht interpretiert werden. Es können keine Aussagen über die Beziehung der abhängigen und unabhängigen Variablen gemacht werden, da keine lineare Funktion vorliegt. Aus diesem Grund müssen die Exp(β)-Werte berücksichtigt werden. Die Exp(β)-Werte oder auch Odds Ratios445 geben hierbei die vorhergesagte Änderung der Quoten bei einem Anstieg des Prädikators um eine Einheit an und geben weiter darüber Auskunft, mit welcher Wahrscheinlichkeit das betroffene Ereignis eintritt.446 Entspricht Exp(β) dem Wert Eins, so bedeutet dies, dass der Prädikator keinen Einfluss hat. Ist der Wert größer Eins, so ist bei einem Anstieg der unabhängigen Variablen um eine Einheit eine Steigerung der abhängigen Variablen zu erwarten. Ist der Wert kleiner Eins, so ist davon auszugehen, dass eine Steigerung der unabhängigen Variable um eine Einheit zu einer Abnahme der abhängigen Variable führt. Das Odds Ratio ist allerdings nur im Kontext seines Wertebereichs sinnvoll zu interpretieren.447 ____________________ 444 Vgl. Bortz und Döring (2006), S. 495. 445 Chancen/Quotenverhältnis. 446 Vgl. Backhaus et al. (2013), S 252 ff. 447 Vgl. ebenda. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 127 5.6 Zentrale Ergebnisse Nachfolgend werden die Ergebnisse vorgestellt. Dazu werden zunächst die deskriptiven Ergebnisse beschrieben, um ein Verständnis über die derzeitige Situation zur NHB in den ausgewählten Regionen zu erzeugen. Die deskriptive Beschreibung der Ergebnisse basiert auf Grundlage der Vorstudie von Horváth et al. (im Druck) und erfolgt daher anhand ausgewählter Variablen.448 Anschließend erfolgen jeweils getrennt die Hypothesenprüfungen für die Unterschieds- und die Zusammenhangshypothesen. 5.6.1 Deskription der Ergebnisse Von den 650 Unternehmen veröffentlichen 160 einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht (24,6%). Von den Unternehmen, die keinen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, berichten 238 gar nicht über Nachhaltigkeit (36,6%), 147 berichten über nachhaltige Themen im Jahresbericht (22,6%) und 86 kommunizieren nachhaltige Themen über die Unternehmenshomepage (13,2%). Erst 4% aller Unternehmen veröffentlichen einen integrierten Nachhaltigkeitsbericht. Abbildung 15: Verteilung der nachhaltigen Informationen449 In Summe sind damit mehr als 65% der Unternehmen in der Veröffentlichung nachhaltiger Daten aktiv. Der eigenständige Nachhaltigkeitsbericht stellt das am häufigsten genutzte Berichtsformat dar. Abbildung 15 zeigt ____________________ 448 Vgl. Horváth et al. (im Druck a). 449 Eigene Darstellung. 24,6% 22,6% 13,2% 4,0% 35,5% 0,0% 5,0% 10,0% 15,0% 20,0% 25,0% 30,0% 35,0% 40,0% Eigenständiger Bericht Teil des Jahresberichtes Homepage Integrierter Bericht Kein Bericht 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 128 die Verteilung des gesamten Untersuchungssamples auf die einzelnen Medien.Die Nutzung der verschiedenen Medien innerhalb der Länder wird in Tabelle 11 dargestellt. Die meisten eigenständigen Berichte werden in Polen, Deutschland und Rumänien veröffentlicht. Nur wenige Berichte konnten in Lettland, Slowenien und Estland gefunden werden. Sowohl in Estland als auch in Slowenien ist der Anteil der Unternehmen, die Informationen zur Nachhaltigkeit im Jahresbericht veröffentlichen, mit 76% und 54% vergleichsweise hoch. In Kroatien, Rumänien, Lettland und der Tschechischen Republik nutzten ein Fünftel der Unternehmen die Homepage als Medium. Werden die nachhaltigen Informationsaktivitäten zusammengefasst, zeigt sich, dass in Estland, der Slowakischen Republik, der Tschechischen Republik und Rumänien fast alle Unternehmen nachhaltige Informationen auf unterschiedlichen Kanälen veröffentlichen. Die Berichtsaktivitäten in Ungarn sind mit insgesamt 22% und Lettland mit 30% sehr niedrig. Deutschland (mit 74%) und Österreich (mit 44%) befinden sich im Mittelfeld. Tabelle 12 stellt dar, wie sich der Anteil der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte im gesamten Untersuchungssample auf die Industrien verteilt. Den höchsten Anteil an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten gibt es in der IT-Branche (38,9%) und im Baugewerbe (35,7%). Diese beiden Industrien stellen auch insgesamt auf alle Medien verteilt am häufigsten Informationen zur Nachhaltigkeit zur Verfügung (88,9% und 78,6%). Mit 14,4% werden im Handel die wenigsten eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht. Nur gut die Hälfte der Unternehmen im Handel stellt nachhaltige Informationen bereit und ist damit deutlich inaktiver als die anderen Branchen (48,5%). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 129 Tabelle 11: Übersicht Länder450 ____________________ 450 Eigene Darstellung. L an d E ig en st än d ig er N H B In fo rm at io n en zu r N H im Ja h re sb er ic h t In fo rm at io n en zu r N H a u f W eb si te IR N H B A k ti vi tä te n in sg es am t M it gl ie d er d es G lo b al C o m p ac ts Bu lg ar ie n 14 % 8% 24 % 2% 46 % 10 % D eu ts ch la nd 52 % 8% 1% 12 % 72 % 48 % Es tla nd 4% 76 % 18 % 2% 10 0% 18 % K ro at ie n 18 % 6% 28 % 0% 52 % 12 % Le tt la nd 2% 4% 22 % 2% 30 % 2% Li ta ue n 30 % 16 % 0% 0% 46 % 16 % Ö st er re ic h 34 % 4% 0% 6% 44 % 22 % Po le n 54 % 4% 9% 8% 84 % 18 % Ru m än ie n 52 % 12 % 24 % 6% 84 % 2% Sl ow ak is ch e R. 28 % 46 % 12 % 10 % 96 % 9% Sl ow en ie n 2% 54 % 0% 0% 56 % 10 % Ts ch ec hi sc he R . 16 % 54 % 22 % 0% 92 % 0% U ng ar n 14 % 2% 2% 4% 22 % 2% T ab el le 1 1: Ü be rs ic ht L än de r4 51 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 130 Tabelle 12: Aufteilung NHB pro Industrie451 Industriezweig Eigenständiger NHB Informationen zu CSR im Jahresbericht Informationen zu CSR auf Website IR NHB Aktivitäten insgesamt Baugewerbe 35,7% 28,6% 10,7% 3,6% 78,6% Energie 24,4% 29,4% 10,9% 4,2% 68,9% Telekommunikation 38,9% 25,0% 19,4% 5,6% 88,9% Herstellende Industrie 31,1% 24,8% 10,9% 5,9% 72,7% Handel 14,4% 16,2% 16,2% 1,7% 48,5% Im Folgenden werden, wie bereits in Kapitel 5.3.2 festgelegt, nur die eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte berücksichtigt. Der Großteil der Nachhaltigkeitsberichte wurde im Jahr 2012 herausgegeben (60%), 25% wurden im Jahr 2013 und 15% bereits vor dem Jahr 2012 veröffentlicht. Das hat mit der Tatsache zu tun, dass Nachhaltigkeitsberichte nicht zwingend jährlich veröffentlicht werden und die Berichtsperioden in manchen Unternehmen zwei oder gar mehrere Jahre umfassen. Die eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte wurden bezüglich des Umfangs (Anzahl der Seiten), der Vollständigkeit (werden alle Themen genannt), der Schwerpunktsetzung und der angegeben KPIs analysiert. Die durchschnittliche Länge eines Nachhaltigkeitsberichts in WE beträgt 96 Seiten, während die Berichte in MOE etwa 80 Seiten umfassen. Die Standardabweichung für beide Länder ist für beide Regionen mit 60 Seiten für WE und 84 Seiten für das osteuropäische Sample sehr hoch. Der längste Bericht aus dem MOE-Sample umfasst 558 Seiten und ist aus Rumänien, der kürzeste gerade einmal 5 Seiten. Die Spanne ist in WE deutlich kleiner. Dort umfasst der längste Bericht 280 Seiten und der kürzesten Bericht 9 Seiten. Werden die Ausreißer in beiden Subsamples ausgeschlossen, reduziert sich die Standardabweichung auf 42 Seiten im WE-Sample und auf 43 Seiten im MOE-Sample. ____________________ 451 Eigene Darstellung. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 131 Bezüglich der Vollständigkeit und inhaltlichen Ausgestaltung wurden die eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte anhand der vom GRI erforderlichen Inhalte untersucht. 63% der eigenständigen Berichte sind demnach unvollständig. Am häufigsten fehlen Angaben zu Menschenrechten und Produktsicherheit. In 13 der 100 unvollständigen Berichte fehlten sogar Angaben zu ökonomischen Themen. Tabelle 13 zeigt die Häufigkeiten, wie oft die einzelnen Themen in den unvollständigen Berichten gefehlt haben. Tabelle 13: Häufigkeiten der fehlenden Themen in den unvollständigen Berichten452 Ökonomie Mitarbeiter Ökologie Gesellschaft Produktsicherheit Menschenrechte 13 5 3 9 44 65 Abbildung 16 zeigt, wie sich die Seitenzahlen der einzelnen Themen prozentual zur Gesamtseitenzahl verhalten. Auch hier sind Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den Regionen zu erkennen. In beiden Regionen wird ökologischen Themen mit einem Anteil von 18% in MOE und 16% in WE der größte Umfang im Vergleich zu den anderen Themen eingeräumt. Bzgl. der Kapazität der Inhalte werden Mitarbeiterthemen mit 14% und gesellschaftlichen Themen mit 11% eine größere Relevanz eingeräumt als ökologischen Themen mit nur 7%. Die Verteilung unterscheidet sich von der in WE. Nach ökologischen Themen nehmen ökonomische Themen hier mit 13% eine höhere Kapazität ein als Informationen zu Mitarbeitern mit 11% und der Gesellschaft mit 8%. ____________________ 452 Eigene Darstellung. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 132 Abbildung 16: Inhaltliche Ausgestaltung der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte analysiert anhand der Seitenzahl (in %)453 In beiden Regionen spielen Themen zu Produktsicherheit und Menschenrechten innerhalb der Berichte eine geringfügigere Rolle und werden im Bericht nicht erwähnt bzw. nur sehr kurz erfasst. Abbildung 16 stellt die Verteilung dar. Die durchschnittliche Verwendung von KPIs in den eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten fällt in MOE mit durchschnittlich 55 KPIs pro Bericht deutlich höher aus als in WE mit 32 KPIs. Die meisten KPIs wurden in MOE im längsten Bericht mit 156 aufgeführt, während die niedrigste Anzahl bei sieben KPIs lag. In WE lagen die höchste Anzahl erfasster KPIs bei 77 und die niedrigste bei neun. Der Großteil der KPIs wurde in beiden Regionen für ökologische Themen verwendet. Abbildung 17 zeigt die Verteilung der KPIs innerhalb der identifizierten eigenständigen Berichte.454 ____________________ 453 Vgl. Horváth et al. (im Druck a). 454 Weitergehende Details zur Verteilung der Seitenzahlen und KPIs innerhalb der einzelnen Regionen sind bei Horváth et al. (im Druck b) zu finden. 13% 11% 16% 8% 4% 2% 7% 14% 18% 11% 4% 2% 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 16% 18% 20% Ökonomie Mitarbeiter Ökologie Gesellschaft Produktsicherheit Menschenrechte WE MOE 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 133 Abbildung 17: Verteilung der KPIs im Bericht455 5.6.2 Unterschiedshypothesen Die Unterschiedshypothesen H1a-1b postulieren, dass es einen Unterschied zwischen WE und MOE hinsichtlich des Ausmaßes, der Qualität und den Schwerpunkten der Nachhaltigkeitsberichte gibt. Aus den Kreuztabellen (Tabelle 14) wird ersichtlich, dass ein deutlich höherer Anteil der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte aus WE (43%) im Vergleich zu MOE (24%) kommt. Der Chi-Quadrat Test ergibt, dass keine Gleichverteilung zwischen der Gruppenherkunft und der Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts besteht. Das Ergebnis ist mit p≤0,001 hochsignifikant und weist mit φ=0,300 einen mittleren Zusammenhang auf.456 Zur Unterschiedsüberprüfung hinsichtlich der Qualität wurden ausschließlich die Nachhaltigkeitsberichte betrachtet. Die Qualität wurde anhand der Vollständigkeit des Berichts und daran, ob ein Standard zur Erstellung des Berichts genutzt wurde, geprüft. Aus den Kreuztabellen geht hervor (Tabelle 14), dass der Anteil an unvollständigen Berichten sowohl in WE als auch in MOE (mit 65,9% und 61,6%) den Anteil an vollständigen Berichten übersteigt. Es sind keine signifikanten regionalen Unterschiede zu erkennen. ____________________ 455 Vgl. Horváth et al. (im Druck a). 456 Vgl. Heise 1975, S. 22. 10 11 12 2 3 1 9 15 19 4,5 4,5 1,3 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 Ökonomie Mitarbeiter Ökologie Gesellschaft Produktsicherheit Menschenrechte WE CEE 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 134 Tabelle 14: Kreuztabellen und Chi-Quadrat Test zu Ausmaß und Qualität457 Ein anderes Bild zeigt sich bei der Nutzung eines Standards zur Berichterstellung. Die überwiegende Mehrheit in WE nutzt einen Standard (96,2%), in MOE dagegen nutzen lediglich 67,9% einen Standard zur Berichterstattung. Es zeigt sich zudem, dass von den Unternehmen, die einen Standard nutzen, etwa 90,1% die Berichtsvorgaben des GRI nutzen. Im Unterschied zu WE ist der Anteil der Unternehmen aus MOE, die den GRI-Standard anwenden, erheblich kleiner und liegt bei lediglich 54,5%. Die Ergebnisse sowohl für die Nutzung eines Standards als auch für die Nutzung eines GRIs unterscheiden sich signifikant (p = 0,000). φ weist in beiden Fällen einen mittleren Zusammenhang auf (φ = 0,296 und φ = 0,337). Aufgrund der geringen Anzahl an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten in z.B. Lettland und Slowenien ist ein direkter Ländervergleich der Nachhaltigkeitsberichte nicht möglich (s. dazu Tabelle 11). Die Region MOE wurde daher, in die Subregionen SOE (mit Kroatien, Rumänien und Bulgarien), ME (mit der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik, Polen, Ungarn und Slowenien) und in die baltischen Länder (Estland, Lettland, Litauen) unterteilt und wurde mit Hilfe von Kreuztabellen erneut mit WE (Deutschland und Österreich) verglichen. ____________________ 457 Eigene Darstellung. Kat Abh. in % Pearson‘s Chi WE MOE Total c² p φ Ausmaß Bericht 50,0 32,5 35,2 11,385 0,001 0,300 Kein Bericht 50,0 67,5 64,8 Qualität Vollständig 34,1 38,9 37,7 0,58 0,588 0,440 Nicht vollständig 65,9 61,1 62,3 Standard 96,2 67,9 75,8 16,294 0,000 0,296 Kein Standard 3,8 32,1 24,2 (Extra) GRI 90,1 54,5 64,5 21,099 0,000 0,337 Kein GRI 9,6 45,5 35,5 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 135 Tabelle 15: Kreuztabelle Regionen und Ausmaß458 Aus dieser Kreuztabelle (Tabelle 15) geht nochmals hervor, dass der Anteil der eigenständigen Berichte in WE deutlich höher ist als in den anderen Regionen. Überraschend hierbei ist jedoch, dass SOE einen höheren prozentualen Anteil an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten aufweist als ME und die baltischen Staaten, die mit 12% das Schlusslicht bilden. Tabelle 16: Kreuztabelle Region und Vollständigkeit459 Obwohl es keine signifikanten Unterschiede zwischen MOE und WE gibt, zeigt sich aus Tabelle 16, dass die Nachhaltigkeitsberichte aus SOE mit 61,9% einen deutlichen höheren Anteil an vollständigen Berichten aufweist als in den anderen Regionen (z.B. WE mit 39,5%). Hinsichtlich der Nutzung des Standards bestätigt sich durch die Kreuztabellierung, dass der Anteil eigenständiger Nachhaltigkeitsberichte, die einen Standard nutzen, in WE deutlich höher ist als in den Subregionen ____________________ 458 Eigene Darstellung. 459 Eigene Darstellung. Vollständig Gesamtsumme0 1 BALT Anzahl 13 5 18 72,3% 27,7% 100,0% ME Anzahl 40 17 57 70,2% 29,8% 100,0% SOE Anzahl 16 26 42 38,1% 61,9% 100,0% WE Anzahl 26 17 43 60,5% 39,5% 100,0% Gesamtsumme Anzahl 95 65 160 59,4% 40,6% 100,0% NHB Gesamtsumme0 1 BALT Anzahl 132 18 150 88,0% 12,0% 100,0% ME Anzahl 193 57 250 77,2% 22,8% 100,0% SOE Anzahl 108 42 150 72% 28% 100,0% WE Anzahl 57 43 100 57,0% 43,0% 100,0% Gesamtsumme Anzahl 490 160 650 71,4% 24,6% 100,0% 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 136 MOEs. Auch hier ist SOE Vorreiter. Bereits 66,6% der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte in dieser Region nutzen einen Standard, während die baltischen Länder mit 16,6% das Schlusslicht bilden (Tabelle 17). Tabelle 17: Kreuztabelle Region und Standard460 5.6.3 Zusammenhangshypothesen Zur Überprüfung, ob landesspezifische Determinanten einen Einfluss auf die NHB haben, wurde die logistische Regressionsanalyse angewandt. Um die Untersuchungsergebnisse der logistischen Regression sinnvoll interpretieren zu können, wurde in einem ersten Schritt die Güte des Gesamtmodells überprüft. Anschließend werden die einzelnen Prädikatoren überprüft. 5.6.3.1 Überprüfung der Voraussetzungen Die Anwendung der logistischen Regression ist, wie eingangs beschrieben, an zwei Voraussetzungen geknüpft. Die Voraussetzung für die Anzahl der beobachtetet Fälle ist die Übersteigung einer Mindestfallzahl von n=25 pro Fall. Mit n=650, davon 164 eigenständig berichtende Unternehmen und 486 nicht-berichtende Unternehmen, gilt diese Voraussetzung als erfüllt. Die Korrelationsmatrix in Tabelle 18 zeigt die Korrelation zwischen den Unternehmens- und Ländervariablen, die in das Regressionsmodell eingehen. Dabei sind zwischen COM und IS mit 0,745 und zwischen COM und PD mit -0,565 die höchsten Korrelation festzustellen. Ein gewisses Maß an Multikollinearität ist dabei nicht auszuschließen. Es gilt, dass Werte über ____________________ 460 Eigene Darstellung. Standard Gesamtsumme0 1 BALT Anzahl 15 3 18 % 83,4% 16,6% 100,0% ME Anzahl 33 24 57 % 57,9% 42,1% 100,0% SOE Anzahl 14 28 42 % 33,3% 66,6% 100,0% WE Anzahl 4 39 43 % 9,4% 90,6% 100,0% Gesamtsumme Anzahl 69 94 160 % 41,3% 58,8% 100,0% 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 137 0,9 ein starker Indikator für Multikollinearität sind.461 Unter diesem Aspekt kann davon ausgegangen werden, dass zwischen den unabhängigen Variablen keine kritische Multikollinearität besteht.462 Somit ist auch die zweite Voraussetzung für die Anwendung der logistischen Regressionsanalyse erfüllt. Tabelle 18: Korrelationsmatrix463 5.6.3.2 Überprüfung der Güte des Gesamtmodells Zur Überprüfung der Güte des Gesamtmodells der logistischen Regressionsanalyse werden die in 0 vorgestellten Gütekriterien berücksichtigt. Diese Gütekriterien (Likelihood Ratio Test, Pseudo R² Statistiken, Hosmer- Lemeshow-Test und Klassifikationsmatrix) prüfen, ob das zugrundliegende ____________________ 461 Vgl. Clausen und Loew (2005), S. 377 ff. 462 Vgl. ebenda. 463 Eigene Darstellung. COM CSO FDI MC EDU QM IND PD GDP SALES MANU COM Pearson- Korrelation 1 Sig. (2-seitig) CSO Pearson- Korrelation ,399** 1 Sig. (2-seitig) ,000 FDI Pearson- Korrelation -,285** ,094* 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,017 MC Pearson- Korrelation -,265** ,013 ,275** 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,741 ,000 EDU Pearson- Korrelation ,213** -,084* -,459** ,153** 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,040 ,000 ,000 QM Pearson- Korrelation ,037 -,525** -,309** -,201** ,311** 1 Sig. (2-seitig) ,343 ,000 ,000 ,000 ,000 IND Pearson- Korrelation ,561** ,133** -,197** -,237** ,380** ,095* 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,001 ,000 ,000 ,000 ,015 PD Pearson- Korrelation -,565** -,453** ,138** ,169** ,002 ,224** -,557** 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,000 ,000 ,000 ,970 ,000 ,000 GDP Pearson- Korrelation -,351** -,443** ,137** ,027 -,424** -,391** -,288** ,417** 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,000 ,000 ,486 ,000 ,000 ,000 ,000 SALES Pearson- Korrelation ,268** ,209** -,379** -,237** ,365** ,094* ,176** -,222** -,297** 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,000 ,000 ,000 ,000 ,017 ,000 ,000 ,000 MANU Pearson- Korrelation -,158** -,069 -,083* ,161** ,226** ,103** -,014 ,094* -,103** ,094* 1 Sig. (2-seitig) ,000 ,080 ,033 ,000 ,000 ,008 ,717 ,016 ,008 ,017 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 138 Gesamtmodell insgesamt verwendbar ist und die einzelnen Koeffizienten sinnvoll interpretiert werden können. Der Likelihood-Ratio-Test, der mit dem χ²-Wert die Leistungsfähigkeit des Modells und eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Grundgesamtheit überprüft,464 wird den Anforderungen (hoher χ²-Wert und hohes Signifikanzniveau (p≤0,05)) gerecht. Der Wert ist dabei höchst signifikant (p=0,000), weshalb die maximal zulässige Irrtumswahrscheinlichkeit (α=0,05) unterschritten und die Vertrauenswahrscheinlichkeit (1-α = 0,95) überschritten wird. Die Pseudo-R²-Statistiken, die den Anteil der Varianz in der abhängigen Variable – die durch das Modell erklärt wird – messen, werden den Anforderungen ebenfalls gerecht (s. Tabelle 19). Tabelle 19: Pseudo-R²-Statistiken465 Cox und Snell-R² Nagelkerke-R² 0,218 0,311 Nagelkerkes R² gibt den Anteil der Varianz der abhängigen Variablen an, der durch alle unabhängigen Variablen zusammen erklärt wird. In diesem Modell wird eine »Varianz-aufklärung von 31,1% erreicht. Damit wird das von Backhaus et al. (2013) geforderte Anspruchsniveau erreicht (akzeptabel bei >0,2).466 Der Hosmer-Lemeshow-Test, der die durch die Regressionsfunktion vorhergesagten Werte den beobachteten Werten gegenüberstellt, testet die Modellgültigkeit. Kleine χ²-Werte und ein möglichst großes Signifikanzniveau deuten auf eine gute Modellanpassung hin. Das Regressionsmodell weist einen vergleichsweise niedrigen χ²-Wert (χ²=6,858) mit einen Signifikanzniveau >0,05 (p=0,552) (s. dazu Tabelle 20) auf. Für Signifikanzniveaus größer als 0,1 und niedrige Chi-Quadrat-Werte kann die Nullhypothese nicht abgelehnt werden.467 Es ist daher davon auszugehen, dass die vorhergesagten Werte grundsätzlich den beobachteten Werten entsprechen und das Modell somit eine gute Anpassung aufweist. ____________________ 464 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 268 f. 465 Eigene Darstellung. 466 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 270. 467 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 274. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 139 Tabelle 20: Hosmer-Lemeshow Test468 Schritt Chi-Quadrat df Sig. 1 6,858 8 ,552 Die Klassifikationsmatrix stellt den Anteil der richtig zugeteilten Fälle dem Anteil der zufällig richtig zugeteilten Fälle gegenüber und vergleicht damit die Trefferquote der logistischen Regression mit der Trefferquote einer zufälligen Zuordnung der Fälle. Tabelle 21: Klassifikationsmatrix der logistischen Regression469 Beobachtet Vorhersagewert 0 1 Prozent richtig 0 434 52 89,3 % 1 96 68 41,1 % Gesamtprozentsatz 77,2 % Die Gruppen sind, wie in Tabelle 21, die die Klassifikationsmatrix abbildet, nicht gleich verteilt. Die Hauptdiagonalen spiegeln die richtig klassifizierten Fälle wieder, was einer Trefferquote von 77,2% entspricht. Zur Beurteilung dieses Ergebnisses wird die Trefferquote mit einer Quote verglichen, die auftritt, wenn die Elemente völlig zufällig zugeordnet würden. Die maximale Zufallswahrscheinlichkeit beträgt bei dieser Verteilung 74,7% (=486/650). Die proportionale Zufallswahrscheinlichkeit liegt bei 62,2%.470 Die logistische Regression ist nur dann folgerichtig anwendbar, wenn die berechnete Trefferquote über der Zufallswahrscheinlichkeit liegt.471 Die Trefferquote ist damit 20% besser als die proportionale Zufallswahrscheinlichkeit, so dass die Bedingung als knapp erfüllt angesehen wird. ____________________ 468 Eigene Darstellung. 469 Eigene Darstellung. 470 Die proportionale Zufallswahrscheinlichkeit berechnet sich durch a²+(1-a)². 471 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 271. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 140 Tabelle 22 gibt einen Überblick über die einzelnen Gütekriterien. Die erfüllten Kriterien bestätigen die Gültigkeit des vorliegenden Regressionsmodells. Tabelle 22: Zusammenfassung der Gütekriterien zur Modellprüfung472 5.6.3.3 Überprüfung der einzelnen Prädikatoren Nachfolgend werden die einzelnen Prädikatoren auf ihre Einflussstärke untersucht. Tabelle 23 fasst die Ergebnisse der logistischen Regression zusammen. Der Tabelle ist zu entnehmen, welche Faktoren einen Einfluss auf die Veröffentlichung eines NHBs haben. Dabei wurden alle Unternehmen (N=650) berücksichtigt. Während β die Richtung des Zusammenhangs anzeigt, gibt Exp(β) die Stärke des Zusammenhangs an. Hinsichtlich der für uns interessanten Variablen, zeigt die Variable COM einen positive β-Wert und einen Exp(β) deutlich größer als eins, mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p<0,05. Die Ergebnisse bestätigen damit H2a, dass Unternehmen aus Ländern, deren Gesetze und Regulierungen einen stärkeren Wettbewerb fördern, eher einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Der Prädikator CSO hat einen negativen β-Wert und einen Exp(β) geringer als 1, mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p<0,01. Das Vorzeichen ist genau umgekehrt zu dem, was angenommen wurde. In Ländern mit einer ____________________ 472 Eigene Darstellung. Arten der Gütekriterien Akzeptable Wertebereiche Erreichte Werte Gütekriterium erfüllt Gütekriterien auf Basis der LogLikelihood-Funktion (Güte der Anpassung) Likelihood-Ratio Test Möglichst hoher Chi²-Wert, Signifikanzniveau < 5% χ² = 574,010 p = 0,000 Pseudo-R²-Statistiken (Güte des Gesamtmodells) Cox und Snell-R² größer 0,2 (akzeptabel), größer 0,4 (gut) R² = 0,218 Nagelkerke-R² größer 0,2 (akzeptabel), größer 0,4 (gut); größer 0,5 (sehr gut) R² = 0,311 Beurteilung der Klassifikationsergebnisse (Güte der Anpassung) Analyse der Klassifikationsergebnisse Anteil korrekter Klassifikation größer als die proportionale Zufallswahrscheinlichkeit 77,2% Hosmer-Lemeshow-Test Möglichst hoher Chi²-Wert, Signifikanzniveau > 70% χ² = 6,858 p = 0,552 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 141 geringeren Dichte an Zivilgesellschaftsorganisationen ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Unternehmen einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. H2b kann daher bestätigt werden. Der Prädikator MC hat einen positiven β-Wert. Der Exp(β) ist größer als 1 bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p>0,05. Die Ergebnisse sind nicht signifikant, damit kann H3a abgelehnt werden. Für den Prädikator FDI wird ein positiver β-Wert ausgegeben. Der Exp(β) ist größer als 1 bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p<0,05. H3b, die annimmt, dass eine höhere FDI dazu führt, dass mehr NHB veröffentlicht werden, kann bestätigt werden. Für den Prädikator EDU wurde ein positiver β-Wert mit Exp(β) kleiner 1 und damit kein signifikantes Ergebnis gefunden. Entsprechend wird H4a verworfen. Für den Prädikator QM wird ein negativer β-Wert ausgegeben. Zudem ist der Exp(β) kleiner als 1 bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p<0,05. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, sinkt mit der Zunahme an qualitativem Fachpersonal innerhalb eines Landes. Damit wird die Nullhypothese verworfen und H4b bestätigt. Ebenso wurde kein signifikantes Ergebnis bzgl. des Prädikators PD bei negativ vorausgesagtem β-Wert und Exp(β) kleiner 1 gefunden. H5a wird somit verworfen. Hingegen kann H5b (steigender Kollektivismus erhöht die Wahrscheinlichkeit der Veröffentlichung eines eigenständigen Berichts) mit negativen β–Wert und Exp(β) etwas größer als 1 bei Irrtumswahrscheinlichkeit von p<0,05 angenommen werden. Für den Prädikator GDP konnte kein signifikantes Ergebnis gefunden werden, was jedoch ohnehin unerheblich gewesen wäre, da mit Exp(β)=0 keine Unterschiede identifiziert werden konnten. Für die Kontrollvariablen Größe des Unternehmen (SALES) und Branchenzugehörigkeit (MANU) konnten jeweils signifikante Ergebnisse festgestellt werden. SALES hat jedoch mit Exp(β)=1 keine Auswirkungen auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts. MANU, die kennzeichnet, ob das Unternehmen den stark verschmutzenden Industrien angehört, hat mit einem Exp(β)>1 hingegen Auswirkung auf die NHB. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 142 Tabelle 23: Ergebnisse der logistischen Regression473 5.7 Interpretation der Ergebnisse Im Folgenden werden die Ergebnisse zur Berichtspraxis in WE und MOE kritisch gewürdigt. Im Fokus stehen die Fragen, wie und im welchen Ausmaß sich die NHB von Unternehmen in MOE und von Unternehmen in WE unterscheiden und welchen Einfluss landesspezifische Faktoren auf die Veröffentlichung von eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten haben. Werden alle Veröffentlichungsaktivitäten zusammengefasst, zeigen die deskriptiven Ergebnisse, dass etwa 65% der 650 Unternehmen Informationen zu ihren nachhaltigen Aktivitäten publizieren. Nur 25% der untersuchten Unternehmen veröffentlichen einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht. Im Vergleich zu den KPMG-Studien aus den Jahren 2011 und 2013 ist der Anteil an eigenständigen Berichten sehr niedrig. Denn laut KPMG haben bereits im Jahr 2011 95% der größten 250 Unternehmen weltweit einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und 2013 mind. 70% der größten Unternehmen aus den USA, Europa und Asien.474 Die KPMG-Studien machen jedoch keine Unterschiede hinsichtlich des genutzten Mediums. Es liegen keine Kenntnisse darüber vor, auf welche Art die Informationen ver- öffentlicht wurden. Zudem sind in den KPMG-Studien alle Branchen eingeschlossen, während in der vorliegenden Studie der Fokus auf bestimmten Branchen liegt. Damit sind die Differenzen zur KPMG-Studie erklärt. Der ____________________ 473 Eigene Darstellung. 474 Vgl. KPMG (2011, 2013). Kat Erwartetes Vorzeichen B Wald Df Sign. Exp (B) 95 % Konfidenzintervall Exp (B) Untergrenze Obergrenze Konstante -1,067 2,359 1 0,344 COM (+) 1,206 5,838 1 0,016 3,341 1,256 8,886 CSO (+) -0,30 9,070 1 0,003 0,970 ,951 ,989 FDI (+) 0,137 4,155 1 0,042 0,872 ,764 ,995 MC (+) 0,90 1,069 1 0,301 1,094 ,922 1,298 SI (+) 0,13 0,000 1 0,986 1,013 ,252 4,076 EDU (-) -0,67 0,550 1 0,458 0,935 ,782 1,117 QM (-) -0,837 4,316 1 0,038 0,433 ,197 ,954 IND (-) 0,15 0,012 1 0,014 1,015 ,776 1,327 PD (+) -0,364 3,185 1 0,074 0,695 ,466 1,036 GDP (+) 0,000 2,472 1 0,116 1,000 1,000 1,001 SALES 0,000 6,470 1 0,011 1,000 1,000 1,000 MANU 0,477 4,531 1 0,033 0,695 1,039 2,501 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 143 Anteil an eigenständigen Berichten entspricht jedoch den Erfahrungswerten anderer Vergleichsstudien475 und spiegelt damit keinen besonders niedrigen Wert wieder. Hinsichtlich der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte konnten Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Regionen WE und MOE festgestellt werden. Zunächst wird die Hypothese, dass mehr eigenständige Nachhaltigkeitsberichte in WE als in MOE existieren, bestätigt. Etwa 50% der Unternehmen in WE veröffentlichen einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht, während lediglich 25% der Unternehmen in MOE einen Bericht veröffentlichen. Die Ergebnisse gehen mit den Erkenntnissen einzelner Länderstudien einher, die jedoch ohne empirische Überprüfung bereits vermutet haben, dass MOE hinsichtlich der Verbreitung im Rückstand ist.476 Der Anteil an Nachhaltigkeitsberichten in WE ist mit 43% allerdings deutlich geringer ausgefallen als erwartet, da die KMPG-Studie für Europa 76% angibt. Im Vergleich zu anderen Untersuchungen von bspw. Quick und Knocinski (2006), die 110 HDax Unternehmen untersuchten, oder auch Blaesing (2013), der feststellte, dass der Anteil für deutsche Unternehmen mit 24% (der 160 größten Unternehmen) beträgt, ist der Anteil der vorliegenden Studie jedoch wieder relativ hoch. Gleiches gilt für Österreich, dessen Anteil an Berichten gemäß der PWC-Studie geringer ausfällt als in Deutschland.477 Die Verteilung der Berichte innerhalb der Region fällt insgesamt sehr unterschiedlich aus. Gerade in SOE konnten innerhalb MOEs die meisten Berichte gefunden werden, während in den baltischen Ländern die wenigsten Berichte vorlagen. Innerhalb SOEs macht sich insbesondere der hohe Anteil an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten in Rumänien bemerkbar. Der hohe Anteil an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten in Rumänien geht mit den gewonnenen Erkenntnissen der KPMG-Studie aus dem Jahr 2013 einher, die einen deutlichen Anstieg der Berichterstattung in Rumänien beobachtete.478 Auch Dobrescu und Vintila (2014) zeigen, dass in den letzten Jahren ein Anstieg an nachhaltigen Aktivitäten in Rumänien zu ____________________ 475 Vgl. dazu Blaesing (2013), S. 146 ff.; Stubbs et al. (2013), S. 457 f. Der Anteil der separaten Berichte aus Deutschland belief sich auf 25% und aus den USA auf 48%. 476 Vgl. Kapitel 0. 477 Vgl. Quick und Knocinski (2006), S. 622 f.; Blaesing (2013), S. 191f.; PWC (2011), S. 5 ff. 478 Vgl. KPMG (2013), S. 23. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 144 vernehmen war und in der Folge auch ein Anstieg der Nachhaltigkeitsberichte erklärt.479 In den baltischen Ländern ist der Anteil an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten im Vergleich zu den anderen Regionen gering. Insbesondere in Lettland konnte nur ein Nachhaltigkeitsbericht gefunden werden. Ein geringer Anteil an Nachhaltigkeitsberichten kann zum einen damit erklärt werden, dass die Berichterstattung insgesamt auf einem sehr niedrigen Niveau liegt, wie es auch in Lettland der Fall ist. Neben landesspezifischen Faktoren480 kann auch ein insgesamt geringes öffentliches Interesse an nachhaltigen Informationen die Ursache für diese niedrige Ausprägung sein.481 Da keine weiteren Studien zur NHB in Lettland gefunden werden konnten, ist hier deutlicher Bedarf an weitergehenden wissenschaftlichen Untersuchungen vorhanden.482 Zum anderen kann der geringe Anteil an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten dadurch erklärt werden, dass Unternehmen andere Medien der Berichterstattung nutzen, so wie es in Slowenien und Estland der Fall ist. Der Großteil der Unternehmen berichtet im Jahresbericht über Nachhaltigkeit. Da das Ausmaß der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte in MOE stark variiert, ist die historische Vergangenheit allein als Erklärungsgrund unzureichend, so dass die Untersuchung, ob länderspezifische Einflüsse in Bezug auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht bestehen, folgerichtig ist. Hinsichtlich der Vollständigkeit der Berichte konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Regionen MOE und WE gefunden werden. Der Großteil der Unternehmen beider Regionen483 veröffentlicht unvollständige Nachhaltigkeitsberichte, die nicht alle Themen, die vom GRI vorgeschlagen werden, beinhalten. Unternehmen verzichten oftmals auf Informationen zur Produktsicherheit oder zu Menschenrechten. Diese Erkenntnis geht einher mit Stawinoga (2012), der diese Beobachtung damit begründet, dass strikte gesetzliche Regelungen zur Einhaltung von Produktsicherheit und Menschenrechten gelten und Unternehmen damit keine Notwendigkeit sehen, darüber zu berichten.484 Jedoch sind die Unvollständigkeiten ____________________ 479 Vgl. Dobrescu und Vintila (2014), S. 1660 ff. 480 Wie im Folgenden erläutert wird. 481 Vgl. Stubbs et al. (2013), S. 468 ff. 482 S. dazu Kapitel 4.1. 483 In WE und CEE sind weniger als 40% der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte unvollständig. 484 Vgl. Stawinoga (2012). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 145 der Berichte nicht nur auf fehlende Informationen zur Produktsicherheit und Menschenrechte zurückzuführen. Auch andere Hauptthemen bleiben teilweise unberücksichtigt. Auch wenn die Vollständigkeit kein ausreichendes Kriterium für die Qualität eines Berichts darstellt, führen fehlende Informationen zu erheblichen Qualitätseinbußen.485 Eine mittlere bis geringe Qualität der Nachhaltigkeitsberichte wurde bereits in vorhergehenden Studien festgestellt, die anhand der genutzten KPIs die Qualität der Berichte analysiert haben.486 Die Unterschiede im Umfang der Nachhaltigkeitsberichte, Umfang und Verteilung der genutzten KPIs und die unterschiedliche Schwerpunktsetzung innerhalb der Berichte verdeutlichen zudem, dass eine Vergleichbarkeit erschwert ist. Der Umfang der Nachhaltigkeitsberichte variiert stark von fünf bis 558 Seiten. Ebenso variiert die Anzahl der genutzten KPIs innerhalb der Berichte. Die Wahrscheinlichkeit, wie viel der genutzten KPIs sich innerhalb der Berichte überschneiden, wurde dabei nicht überprüft. Es ist aber aufgrund der Studien von Pedell et al. (2014) und Roca und Searcy (2012) davon auszugehen, dass sehr verschiedene KPIs genutzt wurden, was die Vergleichbarkeit noch weiter erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht.487 Dies macht die Diskrepanz, die zwischen wissenschaftlicher Literatur und Praxisleitfäden und tatsächlicher Praxis besteht, nochmals deutlich. Die Schwerpunktsetzung, die hinsichtlich des Seitenumfangs und der KPIs dargestellt wird, zeigt in WE und MOE unterschiedliche Ausprägungen. In beiden Regionen wird ökologischen Themen der größte Berichtsanteil eingeräumt. In WE folgen dann die finanziellen Themen und Themen zu Mitarbeitern. In MOE folgen zunächst Themen zu Mitarbeitern, dann soziale und erst zuletzt die finanziellen Themen. Ursache dafür könnte die ____________________ 485 Vgl. Blaesing (2013), S. 260f.; Livesey und Kearins (2002), S. 242 ff.; Adams (2008); S. 365 ff. 486 Die verschiedenen Untersuchungen können aufgrund der unterschiedlichen Stichproben, Erhebungszeiträume und methodischen Vorgehensweisen nicht unmittelbar verglichen werden, jedoch zeigen alle Studien eine Diskrepanz zwischen den zu erwartenden und den in den Nachhaltigkeitsberichten identifizierten KPIs auf (vgl. dazu Quick und Knocinski (2006), S. 633; Blaesing (2013); Gebauer und Glahe (2013)). 487 Vgl. Pedell et al. (2014), S. 546; Roca und Searcy (2012), S. 116 ff. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 146 unterschiedliche Schwerpunktsetzung in der Leserschaft sein. Aus Interviews mit den Firmenvertretern aus WE wird deutlich.488 dass oftmals Investoren oder Rating-Agenturen Zielgruppe der Nachhaltigkeitsberichte sind und Mitarbeiter und Kunden somit durch andere Kanäle informiert werden. Möglicherweise sind in MOE Mitarbeiter und Kunden Zielgruppe der Berichte, so dass die Inhalte entsprechend an die Leserschaft angepasst werden müssen. Hinsichtlich der Standardisierung wurden signifikante Unterschiede deutlich. Unternehmen in WE nutzen deutlich häufiger einen Standard für den eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht als Unternehmen in MOE. Dabei handelt es sich i.d.R. um den Standard der GRI. Die Studie von KMPG zeigt, dass bereits 2011 80% der 250 größten Unternehmen GRI nutzten.489 Auch in dieser Untersuchung wird die dominierende Stellung des GRI zumindest in WE nochmals verdeutlicht. Die Anwendung eines Standards geht jedoch einher mit einer gesteigerten Komplexität der Berichterstattung.490 Kritiker sagen, dass «standards are too complex for multinationals and too burdensome for smaller organizations.”491 Hinzukommt, dass mit der Zunahme der Komplexität die Kosten für die Berichterstattung zunächst steigen, was die Ursache dafür sein könnte, dass Nachhaltigkeitsberichte in MOE seltener standardisiert werden. Nach Clausen und Loew (2005) führt die Einhaltung anerkannter Standards zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichte.492 Das Vertrauen in Unternehmen ist in MOE seit der Transformationsphase jedoch geschwächt und wird durch die teilweise hohen Korruptionsraten der MOEL verstärkt.493 Die in einigen MOEL erhöhte Korruptionsrate (wie z.B. in Bulgarien und Rumänien) kann daher eine Ursache sein, dass Unternehmen in Ländern wie z.B. Rumänien besonders glaubwürdig erscheinen wollen. Um das Vertrauen zurückzugewinnen, veröffentlichen sie einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht.494 Auch ist der Anteil der geprüften Nachhaltigkeitsberichte in Rumänien (mit 50%) höher als in den anderen MOEL, was diese Annahme bekräftigt. Dies könnte zudem erklären, warum ____________________ 488 S. dazu Kapitel 6.2. 489 Vgl. KPMG (2011). 490 Vgl. Burckhardt und Hamm (2013), S. 198 ff. 491 Hazarika (2015), S. 50. 492 Vgl. Clausen und Loew (2005), S. 37 f. 493 Vgl. Kopp (2015), S. 459 ff. 494 Vgl. dazu Kapitel 3.3 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 147 der Anteil an vollständigen Nachhaltigkeitsberichten in SOE im Vergleich zu anderen Regionen sehr hoch ist. Insgesamt unterscheiden sich die Nachhaltigkeitsberichte aus WE und MOE hinsichtlich der Form, Ausgestaltung (Umfang & Schwerpunktsetzung) und Nutzung eines Standards zwischen und innerhalb der Regionen. Die unterschiedliche Anzahl an eigenständigen Nachhaltigkeitsberichten in MOE und WE ist u.a. durch landesspezifische Einflüsse zu erklären. Während sich vorherige Studien auf den Einfluss von Unternehmenscharakteristika auf die NHB konzentrieren, wurde in der vorliegenden Untersuchung der Einfluss landesspezifischer institutioneller Determinanten auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts überprüft. Anhand des NBS wurden jeweils zwei Faktoren für das politische, finanzielle, Beschäftigungs- und Bildungssystem sowie das kulturelle System abgeleitet. Alle vier Systeme beeinflussen die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts. Dabei zeigen jedoch nicht alle abgeleiteten Faktoren eine Wirkung. Die größte Wirkung im vorliegenden Modell hat das politische System. Gesetze und Regulierungen haben Einfluss auf den Wettbewerb im jeweiligen Land und können somit Druck auf Unternehmen ausüben, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Der Staat kann somit neben direkten Gesetzesvorgaben, wie der gesetzlichen Verpflichtungen zur Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts, auch indirekte Mechanismen nutzen, um die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten zu steuern. Diese Erkenntnis geht einher mit anderen Studien, die einen Zusammenhang zwischen Investoren- oder Arbeitnehmerschutz sowie staatlichen Versicherungssystemen (die der Staat maßgeblich mitgestaltet) und der NHB aufzeigen konnten.495 Entsprechend kann der Staat Unternehmen durch verschiedene indirekte Mechanismen, ohne die NHB verpflichtend zu machen, zur freiwilligen Publikation eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts beeinflussen. Auch wurde für die Dichte an Zivilgesellschaftsorganisationen ein, wenn auch nicht allzu starker, Einfluss auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Berichts aufgezeigt. In anderen Untersuchungen wurde insbesondere für Gewerkschaften und NGOs nachgewiesen, dass sie hinsichtlich nachhaltiger Aktivitäten genügend Druck auf Unternehmen ausüben können. Die Forderung nach einem Nachweis der nachhaltigen Entwicklung und ____________________ 495 Vgl. Jensen und Berg (2012), S. 312; Ioannou und Serafeim (2012), S. 11 f.; Matten und Moon (2008), S. 407 f. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 148 nach mehr Transparenz, die von Zivilgesellschaftsorganisationen ausgeht, führt zur Veröffentlichung eigenständiger Berichte.496 Die Anzahl von Zivilgesellschaftsorganisationen kann politisch gefördert oder behindert werden. Die Gesetzgebung kann beispielsweise vorteilhafte Rahmenbedingungen für freiwillig Engagierte wie auch für Vereine schaffen. Weiter können gemeinnützige Projekte in Form von staatlichen Programmen gefördert und neue Ansatzpunkte der Bürgerbeteiligung erprobt werden. Auch das Bereitstellen von Informationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen ist ein wichtiger Baustein der Engagementförderung.497 Indirekt kann der Staat somit auch hier einen gewissen Einfluss auf die Veröffentlichung von nachhaltigen Informationen in einem eigenständigen Bericht nehmen. Innerhalb des finanziellen Systems konnte die Hypothese nur für FDI bestätigt werden. MNU wurde lange vorgeworfen, keine soziale und ökologische Verantwortung für ihr unternehmerisches Handelns zu übernehmen.498 Mittlerweile wurde jedoch belegt, dass sich die NHB aufgrund der internationalen Aktivitäten von MNU weit verbreiten konnte.499 Da MNU einflussreicher und sichtbarer sind als lokale Unternehmen, werden sie stärkerem Druck von außen dahingehend ausgesetzt, nachhaltiges Engagement zu zeigen und letztendlich darüber zu berichten.500 FDIs sind zudem mit hohen Potenzialen verbunden, eine nachhaltige Entwicklung durch den Transfer von u.a. umweltfreundlichen Technologien und nachhaltigen Managementpraktiken zu fördern und somit das Bewusstsein für soziale und umweltbezogene Probleme zu erhöhen.501 Mit neuen Technologien und Managementpraktiken, wie der Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts, können sie zudem neue Marktstandards setzen,502 die von lokalen Wettbewerben übernommen werden. Für die Marktkoordination konnte kein signifikantes Ergebnis gefunden werden. Die Daten von Knell und Srholec (2007) zur Marktkoordination wurden 2007 erhoben. Seit dem offiziellen Ende der Transformationsphase unterliegen die MOEL weiterhin einem ständigen Wandel, möglicherweise ____________________ 496 Vgl. Amran et al. (2014), S. 219 ff.; Hąbek und Wolniak (2013); Junior et al. (2014), S.3 ff. 497 Vgl. Zimmer (2007). 498 Vgl. Gray et al. (1995), S.61 ff.; Korten (2015). 499 Vgl. Kolk (2004). 500 Vgl. Kolk (2005), S. 145 ff. 501 Vgl. Levy (1995), S. 345; Kolk (2003), S. 54 ff.; Dobrescu und Vintila (2014), S.1668. 502 Vgl. Bergset et al. (2009); Gebauer und Timme (2009). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 149 bilden die Daten inzwischen nicht mehr die aktuelle Situation ab.503 Weiterhin bleibt die Frage offen, ob die Nachhaltigkeitsberichte, die bisher vorliegen, den Informationsansprüchen der Investoren genügen. Aufgrund der geringen Vollständigkeit kann davon ausgegangen werden, dass Investoren auf andere Informationen zurückgreifen, um sich ein ganzheitliches Bild zu machen, und die vorliegenden Nachhaltigkeitsberichte die Entscheidungsgrundlage der Investoren nicht verbessern. Hinsichtlich der Beschäftigungs- und Bildungssysteme konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Anzahl qualifizierter Facharbeiter und der Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts gefunden werden. Je weniger Facharbeiter zur Verfügung stehen, desto eher sind Unternehmen bemüht, zukünftige Mitarbeiter durch nachhaltige Aktivitäten und Ver- öffentlichung diesbezüglich relevanter Informativen zu umwerben. Insbesondere Unternehmen in Bulgarien und Rumänien stehen derzeit vor dem Problem, ausreichend qualifizierte Facharbeiter zu finden, da Facharbeiter zunehmend in das europäische Ausland gehen.504 Unternehmen bemühen sich daher, Facharbeiter im Land zu halten und neue dazu zu gewinnen, indem mit guter Bezahlung, sozialen Leistungen sowie mit Investitionen in die Ausbildung junger Leute geworben wird. Die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts bietet vor diesem Hintergrund eine gute Möglichkeit, diese Informationen zu verbreiten, und wird dabei als klassisches PR-Instrument genutzt. Der Einfluss des Anteils der privaten Ausgaben für die tertiäre Bildung auf die Berichterstattung konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern lag der Fokus lange Zeit auf einer starken Berufsorientierung und damit auf der sekundären Bildung. Hohe Einkommensunterschiede zwischen Hochschulabsolventen und ausgebildeten Facharbeitern oder Technikern haben dazu geführt, dass stärker in die tertiäre Bildung investiert wird. Jedoch ist aktuell eine eher geringe Veränderung in diesem Bereich zu finden, was sich anhand der im Vergleich zu WE zwar steigenden, aber noch geringen Einschreibungsrate zeigt.505 Die Wirkung, die Investitionen von Unternehmen in den tertiären Bildungssektor wie in den USA oder Großbritannien haben, fällt geringer aus und kann damit eine Erklärung dafür sein, warum kein Einfluss festzustellen ist. ____________________ 503 Vgl. Knell und Srholec (2007). 504 Vgl. Europäische Union (2011). 505 Vgl. Kogan et al. (2012), S. 70 ff.; Gebel und Baranowska-Rataj (2012); S.2; Kogan et al. (2008). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 150 Für das kulturelle System konnte gezeigt werden, dass lediglich die Dimension Individualismus, jedoch nicht die Dimension Machtverteilung Einfluss auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Berichts hat. In kollektivistischen Gesellschaften sind soziale Themen für die Bevölkerung von größerer Bedeutung als in individualistischen. Unternehmen werden daher stärker ermutigt, Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen, um den Informationsbedürfnissen der Anspruchsgruppen gerecht zu werden.506 Die Machtverteilung hat hingegen keinen Einfluss. Flache Hierarchien führen demnach durch die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten nicht zur Erhöhung der Transparenz. Mit der Größe der Unternehmen und der Branche wurden zwei Schlüsselfaktoren als unabhängige Kontrollvariablen im Modell berücksichtigt. Landesspezifische Faktoren können nicht frei von Unternehmenscharakteristika und generellen Kontextfaktoren betrachtet werden. Die Ergebnisse der Kontrollvariablen betonen die Relevanz dieser Faktoren. Sowohl für die Branchen (verschmutzende vs. nicht-verschmutzende Industrien) als auch für die Größe sind die Ergebnisse erwiesen signifikant. Mit der Untersuchung wurde insgesamt gezeigt, dass landesspezifische Determinanten durchaus einen Einfluss auf die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichtes haben. 5.8 Limitationen Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass die vorliegende Untersuchung verschiedenen Limitationen unterliegt. Unbedingt einzubeziehen ist, dass es sich bei den Ergebnissen der vorangegangen Untersuchung lediglich um eine Momentaufnahme der Berichtspraxis in MOE und WE handelt und somit die Stabilität der Ergebnisse im Zeitverlauf nicht gewährleistet ist. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Veröffentlichung eigenständiger Nachhaltigkeitsberichte sowohl national als auch international stetig zugenommen hat.507 Auch die Qualität und die Anwendung der Standards unterliegen einer dynamischen Veränderung, was bei der Ergebnisinterpretation zu berücksichtigen ist. ____________________ 506 Vgl. Coulmont et al. (2015), S. 34. 507 S. dazu Verlauf der KPMG Studie, die alle zwei Jahre veröffentlicht wird: Seit 2009 bis heute ist ein Anstieg der Nachhaltigkeitsbeichte zu vernehmen (vgl. KPMG 2009 S. 79; KPMG 2011, S. 6-10 und KPMG 2013, S. 6-12). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 151 Weiterhin ist festzustellen, dass sich die Untersuchung auf die Analyse eigenständiger Nachhaltigkeitsberichte fokussiert. Wie aus der deskriptiven Beschreibung jedoch schon hervorging, nutzen Unternehmen unterschiedliche Berichtsformate, wie das Internet oder den Jahresbericht, die im Rahmen der Zusammenhangshypothesen nicht berücksichtigt werden. Weiterhin wird hinsichtlich der landesspezifischen Faktoren lediglich das Ausmaß an Nachhaltigkeitsberichten untersucht, ohne auf landesspezifische Unterschiede bezüglich des Inhalts einzugehen. Die Beschränkung auf die jeweils 50 größten Unternehmen der zu betrachtenden Länder führt zu einer weiteren Einschränkung der Aussagefähigkeit der Ergebnisse. Die Untersuchungsergebnisse sind nicht unbedingt auf kleine und mittelständische Unternehmen übertragbar. Das WE-Sample bildet die Situation in WE zudem nicht vollständig ab, da nur zwei Länder aus WE hinzugezogen wurden. Die Gültigkeit für andere WEL ist möglicherweise begrenzt. Ferner ist zu berücksichtigen, dass verschiedene Businesssysteme durch lediglich zwei Faktoren abgebildet werden. Auch die Hinzunahme weiterer unternehmensspezifischer Faktoren als Kontrollvariablen, wie z.B. das Herkunftsland des Unternehmens, bleibt unberücksichtigt. Neben den landesspezifischen Faktoren und den Kontrollvariablen werden zudem interne Determinanten, wie z.B. die Einstellung der Unternehmensleitung zur Publizität interner Unternehmensstrukturen, nicht einbezogen. Diese sind jedoch im Rahmen einer Inhaltsanalyse der Berichte nicht messbar. Das kulturelle System wurde durch die Kulturdimensionen von Hofstede abgebildet, welche verschiedene theoretisch-konzeptionelle als auch empirische Schwachstellen aufweist.508 Es bleibt zu bezweifeln, ob sich ein komplexes Konstrukt wie die Kultur eines Landes durch fünf Dimensionen vollständig erfasst werden kann.509 Dennoch ist das Konzept von Hofstede (1984) das sowohl im wissenschaftlichen als auch im anwendungsbezogenen Bereich am häufigsten genutzte Konzept, um Kulturen darzustellen. Andere Studien, wie die Globe Studie, können das Ländersample nicht abbilden.510 Hinsichtlich der Erhebung der Daten kann trotz der Dokumentation und telefonischen Abmachungen eine Intercoder-Reliabilität nicht völlig ausgeschlossen werden. ____________________ 508 Vgl. Taras et al. (2010); Fang (2003); Søndergaard (1994). 509 Vgl. Kutschker und Schmid (2002), S. 739. 510 Vgl. Hoppe (2007). 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 152 5.9 Implikationen für Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftspolitik Aus den Ergebnissen und Limitationen der ersten Untersuchung lassen sich bereits die erstem Implikationen für Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftspolitik ableiten. 5.9.1 Implikationen für die Wirtschaft Die Ergebnisse haben den aktuellen Status quo der NHB in MOE im Vergleich zu WE aufgezeigt. Der Anteil der Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, variiert innerhalb der einzelnen Länder stark. Selbst wenn zusätzlich die Berichterstattung durch anderen Medien hinzugenommen wird, ist der Anteil der berichtenden Unternehmen, wie z.B. in Lettland oder Ungarn, sehr gering. Aufgrund der weiter steigenden Relevanz nachhaltiger Themen und auch im Hinblick auf die EU Direktive 2014/95, die ab 2017 die Offenlegung nicht-finanzieller Kennzahlen von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern fordert, wird die NHB in Zukunft unabdingbar sein. Ab 2017 ist daher von einem Anstieg der Anzahl veröffentlichter Nachhaltigkeitsberichte auszugehen. Die Ergebnisse hinsichtlich des Umfangs, der Unvollständigkeit und des unterschiedlichen Umfangs an KPIs lassen jedoch darauf schließen, dass die Berichterstattung in einigen Fällen von Unternehmen als PR-Instrument genutzt wird, um einerseits das Image des Unternehmens zu verbessern und andererseits den Forderungen der EU nachzukommen. Das Risiko für Unternehmen, des Greenwashings oder Bluewashings beschuldigt zu werden, ist dabei erhöht511 und geht mit einer geringeren Glaubwürdigkeit der bereitgestellten Informationen einher. ____________________ 511 Der Begriff Greenwashing beschreibt „the phenomenon of socially and environmentally destructive corporations attempting to preserve and expand their markets by posing as friends of the environment and leaders in the struggle to eradicate poverty” (Corpwatch, 2010). Der Begriff „Bluewashing” ist angelehnt an den Begriff des Greenwashing und lässt sich wie folgt definieren: „‘Bluewash‘ refers to corporations that wrap themselves in the blue flag of the United Nations in order to associate themselves with UN themes of human rights, labour rights and environmental protection. Even companies with practices antiethical to UN values […] have attempted to bluewash their image. Bluewash is typically associated with attempts by ‘corporate humanitarians’ to weaken UN agreements, in 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 153 Unternehmen sollten die NHB daher nicht nur zur externen Berichterstattung nutzen, sondern sie als ein essentielles Element der unternehmerischen Nachhaltigkeit betrachten, ohne die keine systematische Analyse und Erfassung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkung der unternehmerischen Aktivitäten möglich ist. Unter der Bedingung, dass ohnehin nachhaltige Informationen für die externe Berichterstattung erhoben werden, entsteht mit der Implementierung eines umfassenden Nachhaltigkeitscontrollings die Möglichkeit, diese Informationen auch intern zur Steuerung und Messung nachhaltiger Aktivitäten zu nutzen. Hinsichtlich der Veröffentlichungsform macht die EU Direktive keine weiteren Vorgaben. Der eigenständige Nachhaltigkeitsbericht hat den Vorteil, dass umfassende Informationen zur Nachhaltigkeit zur Verfügung gestellt werden können. Er ist die bisher meist genutzt Form zur Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts. Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die digitale Berichterstattung neue Möglichkeiten bereitstellen wird. Weiterhin ergeben sich insbesondere für Unternehmen aus MOE folgende Implikationen. Bisher werden Standards zu eigenständigen Berichten von Unternehmen aus MOE im Vergleich zu solchen aus WE weniger genutzt. Die Orientierung an einem Standard kann zu einer vollständigen Berichterstattung führen und damit die Glaubwürdigkeit der Unternehmen erhöhen. Auch wenn bisher die Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichte im Rahmen eines Standards nicht gewährleistet wird, ist sie jedoch ein erster Schritt. Es empfiehlt sich zudem, den Nachhaltigkeitsbericht einer freiwilligen Berichtsprüfung durch Dritte zu unterziehen, da damit die Qualität und somit die Glaubwürdigkeit erhöht wird.512 Da sich der GRI sowie andere Standards hinsichtlich der Vergleichbarkeit bisher nicht bewährt haben, müssen sich Unternehmen und Industrieverbände weltweit an der Gestaltung von Standards beteiligen. Das Auseinanderklaffen von Leitfäden und praktischer Umsetzung zeigt, dass weitere Potenziale in der gemeinsamen Gestaltung vorhanden sind. Denkbar sind auch Branchen- und unternehmensgrößenspezifische Lösungen, um die Möglichkeit für Unternehmen selbst, sich innerhalb der Branchen messen zu können, zu gewährleisten. ____________________ favor of voluntary, toothless codes of conduct regarding social and environmental issues” (Corpwatch, 2010). 512 Vgl. Höschen und Vu (2008), S. 379. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 154 MNUs können aus den Ergebnissen die Erkenntnis ziehen, dass die verschiedenen Regionen und Länder eine unterschiedliche Schwerpunktsetzung zur Berichterstattung fordern, um den Informationsbedürfnissen der Anspruchsgruppen in den jeweiligen Ländern gerecht zu werden. Die einzelnen Themen, die eine nachhaltige Entwicklung umfassen, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Relevanz. Dazu kommt, dass oftmals regionale Themen in den Berichten vernachlässigt werden. Unterschiede, z.B. in der Verfügbarkeit von Facharbeitern, können dazu führen, dass andere Informationen herausgestellt werden müssen, um z.B. Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Entsprechend sollte auch die NHB an das jeweilige Land angepasst werden können. Um den Aufwand gering zu halten, wäre es möglich, neben einem allgemeinen Teil auch landesspezifische Informationen hinzuzufügen.513 5.9.2 Wirtschaftspolitische Implikationen Durch die empirischen Befunde ergeben sich zudem Implikationen für Gesetzgeber und Standardsetzer. Die erheblichen Unterschiede hinsichtlich des Umfangs und der Qualität der NHB sind insbesondere auf die fehlende Standardisierung zurückzuführen. Dies birgt die Gefahr, dass das Interesse an Informationen zu Nachhaltigkeitsleistungen mit der Zeit abnehmen wird, weil der Nutzen für die Adressaten aufgrund mangelnder Informationsqualität und Vergleichbarkeit zu gering ist.514 Um die Informationsasymmetrien zwischen den Unternehmen und seinen Stakeholdern zu senken, müssen Berichtsinhalte aussagekräftige und vergleichbare Informationen enthalten. Ein Standard sollte daher Mindestinformationen enthalten, die die Branche und die Größe des Unternehmens berücksichtigen. Die von dem Standard geforderten Informationen sollten zudem mit den Informationen einhergehen, die auch für die Steuerung und Lenkung der unternehmerischen Nachhaltigkeit intern genutzt werden können, so dass nicht zwangsläufig eine parallele Datenerhebung entsteht. Die Entwicklung des neuen GRI 4.0 Standards geht in diese Richtung, wie erfolgsversprechend sie jedoch ist, bleibt abzuwarten. ____________________ 513 Als Best Practice Beispiel könnte der Nachhaltigkeitsbericht von Bosch genannt werden, die den Bericht so gestaltet haben, dass bestimmte Textteile landesspezifisch aufbereitet werden können. 514 Vgl. Quick und Knocinski (2006), S. 640; Blaesing (2013), S. 262 ff; Herzig und Schaltegger (2004), S. 9. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 155 In der Literatur und in der Praxis wird seit geraumer Zeit zudem die Einführung einer gesetzlichen Berichterstattung kontrovers diskutiert. Ein erster Schritt in der verpflichtenden Berichterstattung wurde bereits mit der EU Direktive eingeläutet. Ziel einer gesetzlichen Berichtspflicht ist es, Informationsasymmetrien zu reduzieren. Die EU Direktive jedoch lässt den Unternehmen so viel Spielraum, dass zwar mit einer quantitativen Zunahme zu rechnen ist. Ob sich die Qualität der Berichterstattung jedoch erhöht, ist, wie Eingangs beschrieben, anzuzweifeln. Daher scheint eine gesetzliche Verpflichtung zur NHB nur mit einer gleichzeitigen Standardisierung der Berichtinhalte und -form sowie einer einheitlichen Wiedergabe der Unternehmensleistung sinnvoll. Die Durchsetzung ist insofern nicht unkompliziert, als dass ein Standard, der für alle Industrien und Unternehmensgrößen gleichermaßen gilt, wiederum keine Vergleichbarkeit zulässt, da Branchenund größenspezifische Besonderheiten unberücksichtigt bleiben. Daher ist eine teilstandardisierte Lösung mit allgemeinen Mindestanforderungen und weiteren branchen- und unternehmensspezifischen Angaben als sinnvoller zu betrachten. Ein regulativer Eingriff ist jedoch nicht unbedingt zweckmäßig und, wie die Ergebnisse der Studie zeigen, auch nicht unbedingt erforderlich. Eine Einflussnahme z.B. auf die quantitative Zunahme von eigenständigen Berichten kann auch durch indirekte Maßnahmen geschehen, indem z.B. Zivilgesellschaftsorganisationen gestärkt werden. Auch vom Staat unterstützte Branchenstandards oder initiierte freiwillige Initiativen (ein Beispiel ist der Global Compact der UNO) können zu einer Standardisierung und einer Qualitätszunahme der Berichte führen. 5.9.3 Implikationen für die Wissenschaft Die Untersuchung erweitert den Stand der Forschung, in dem der aktuelle Status Quo der NHB von Unternehmen aus MOE aufgezeigt wird. Zudem werden landesspezifische Faktoren, die auf die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts wirken, analysiert. Da jedoch erst wenige wissenschaftliche Arbeiten zur NHB in MOE vorliegen, können weitere Implikationen, die u.a. aus den Limitationen der Untersuchung abgeleitet sind, für die Wissenschaft getroffen werden. 5. Modell 1: Länderspezifische Determinanten 156 Im Fokus der meisten Untersuchungen zur NHB, wie auch in dieser, stehen oftmals nur große Unternehmen. Klein- und mittelständische Unternehmen (KMUs) werden i.d.R. vernachlässigt.515 Erkenntnisse können jedoch aufgrund der Besonderheiten von KMUs nicht übertragen werden. Wie und ob KMUs in MOE berichten, ist bisher nicht bekannt, da keine wissenschaftliche Literatur dazu vorliegt. Geringe Vollständigkeit und Qualität der Berichte weisen darauf hin, dass viele Unternehmen kein umfassendes Nachhaltigkeitscontrolling implementiert haben. Zukünftige Forschungsprojekte können daher einen Fokus darauf legen, wie Steuerungs- und Controllingprozesse ausgestaltet sein müssen, um die Qualität der Berichte zu erhöhen. Da die vorliegende Untersuchung auf einer Querschnittsanalyse basiert und damit keine Veränderungen im Zeitablauf abbilden kann, wären Längsschnittanalysen eine interessante Ergänzung zur vorliegenden Untersuchung. Die Hinzunahme weiterer Einflussfaktoren, zum einen durch weitere landesspezifische Determinanten, zum anderen aber auch durch interne Determinante (wie in Modell 2), kann zu weiteren Erkenntnissen führen. Fernen könnte eine vertiefende Analyse, welche KPIs in den jeweiligen Berichten genutzt werden, Aufschluss darüber geben, inwieweit sich die Berichte bezüglich der Messung und Darstellung der nachhaltigen Informationen regional und national voneinander unterscheiden. Zuletzt könnte ein Ländervergleich, der weitere Regionen Europas mit aufnimmt, die bisherigen Kenntnisse erweitern und landesspezifische Anforderungen an als auch Eigenarten in der Berichterstattung innerhalb Europas analysieren. ____________________ 515 Vgl. Fifka (2012). 157 6. Modell 2: Interne Faktoren Zur Beantwortung der dritten Forschungsfrage, wie sich die internen Faktoren auf die NHB in WE und MOE unterscheiden und welchen Einfluss sie auf die NHB haben, wird ein weiteres Untersuchungsmodell benötigt. Aus dem Stand der Forschung ging hervor, dass konkrete Untersuchungen zum Einfluss interner Faktoren kaum existieren. Um der Frage nachgehen zu können, ob interne Faktoren einen Einfluss auf die NHB haben, muss zunächst untersucht werden, welche internen Faktoren überhaupt relevant sein könnten. Zur Beantwortung der dritten Forschungsfrage wird daher ein Forschungsansatz bestehend aus zwei Methoden gewählt. Zuerst kommt ein überwiegend qualitatives Instrument, das teilstandardisierte Experteninterview, zum Einsatz (Kapitel 6.2). Das Experteninterview wird als explorative Studie genutzt, um die relevanten Faktoren in Bezug auf die Berichterstattung aufzudecken. Ein Experteninterview ermöglicht es, Informationen auf interpersonaler Ebene zu gewinnen, die über biographische Daten hinausgehen.516 Im Unterschied zur quantitativen Erhebung werden bei Interviews im Vorfeld keine Hypothesen formuliert. Ziel ist es, umfassende Informationen zu sammeln, die ein breites Spektrum von Sichtweisen des befragten Experten repräsentieren. Dabei werden erst bei der Auswertung spezifische Zusammenhänge präzisiert, modifiziert und Hypothesen generiert (Kapitel 6.2).517 Aufbauend auf den Ergebnissen der Interviews werden Hypothesen abgeleitet und in einen standardisierten Fragebogen überführt. (Kapitel 6.3 und 6.4) Durch die Kombination von teilstandardisierten Experteninterviews und standardisiertem Fragebogen liegt eine Methodentriangulation vor. Zunächst wird die Triangulation als Forschungsmethode beschrieben, um darauf aufbauend den Aufbau des Modells 2 abzuleiten. 6.1 Triangulation als Forschungsmethode Mit dem Begriff Triangulation wird eine »exakte Positionsbestimmung eines Punktes von mindestens zwei unterschiedlichen anderen Punkten« in ____________________ 516 Vgl. Blaikie (2000). 517 Vgl. Lamnek (2006), S. 21. 6. Modell 2: interne Faktoren 158 der Landvermessung beschrieben.518 Der Begriff wurde in den 70er Jahren von Denzin in den sozialwissenschaftlichen Methodenkurs eingeführt.519 Triangulation bedeutet demnach » […] the combination of methodologies in the study of the same phenomena«.520 Dabei wird die Kombination von qualitativen mit quantitativen Ansätzen mit eingeschlossen. Er unterscheidet dabei zwischen vier Arten der Triangulation,521 wobei in dieser Untersuchung nur die Methodentriangulation522 in Form der sog. »between-method« (Kombination aus qualitativen und quantitativen Methoden) angewendet wird. Die Methoden der empirischen Sozialforschung stellen die »geregelte und nachvollziehbare Anwendung von Erfassungsinstrumenten«523 dar und lassen sich methodisch in quantitative und qualitative Verfahren unterscheiden. Quantitative Methoden dienen oft dem Test von Hypothesen auf Basis von Zahlenwerten und sind somit erkenntnissichernd.524 Qualitative Methoden hingegen sind oftmals eher explorativ und damit erkenntnisgenerierend ____________________ 518 Vgl. Schründer-Lenzen (1997). 519 Vgl. Denzin (1978). 520 Denzin (1978), S. 297. 521 Die anderen Triangulation-Arten sind die Daten-Triangulation (Einbeziehung unterschiedlicher Daten aus unterschiedlichen Quellen), Investigator-Triangulation (Einsatz unterschiedlicher Interviewer), Theorien-Triangulation (Anwendung verschiedener theoretischer Perspektiven und Hypothesen) und die Triangulation von Methoden. Dazu tiefgehend Denzin (1978). 522 Genau genommen werden unter der Methodentriangulation zwei unterschiedliche Fälle beschrieben: Triangulation innerhalb einer Methode (within-method) und Triangulation zwischen verschieden Methoden (between-method). Die „within-method“ meint das Zusammenspiel verschiedener, ausschließlich qualitativer bzw. ausschließlich quantitativer Methoden, während die „between-method“ schließlich die Kombination von einer oder mehreren qualitativen Methoden mit einer oder mehreren quantitativen Methoden beschreibt. Vgl. dazu Denzin (1978), S. 301; Flick (2011), S. 31. 523 Atteslander (2010). 524 Quantitative Methoden zielen darauf ab, empirische Beobachtungen über bestimmte selektierte Merkmale numerisch zu messen und in einer möglichst gro- ßen Anzahl zusammenzutragen. Sie können Zusammenhänge und Phänomene auf Basis gesammelter numerischer Daten erklären, die dann mit Hilfe statistischer Methoden analysiert werden und so eine Generalisierung ermöglichen. Vgl. dazu Bortz und Döring (2006). 6. Modell 2: interne Faktoren 159 ausgerichtet.525 Oft werden beide Ansätze als unvereinbare Gegensätze beschrieben.526 Quantitative und qualitative Forschungsansätze können sich jedoch auch sinnvoll ergänzen. Nach Flick (2011) besteht das Potenzial einer Methodentriangulation insbesondere darin, »unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und möglichst unterschiedliche Aspekte des untersuchten Gegenstandes zu thematisieren«.527 Eine gezielte und systematische Kombination der Forschungsmethoden kann also zu einer umfangreicheren und detaillierteren Sichtweise führen als die Anwendung einer einzigen Methode.528 Schließlich ist i.d.R. bei qualitativen Studien (hier Experteninterviews) keine Generalisierbarkeit der Aussagen möglich. Durch die Ergänzung der Interviews um eine quantitative Methode (hier die standardisierte Befragung) wird sichergestellt, dass die Vorteile der Exploration bei Interviews mit denen der standardisierten Befragung verbunden werden.529 Zudem kann die Methodentriangulation vor allem die Schwächen der jeweiligen Methode durch zusätzliche Qualitätskriterien ausgleichen und damit die Gültigkeit bzw. Validität der Forschungsergebnisse erhöhen.530 6.2 Untersuchungsvorgang Zuerst kommt ein überwiegend qualitatives Instrument, das teilstandardisierte Interview, zum Einsatz. Aufbauend auf dessen Ergebnissen, wird ein Fragebogen entwickelt. Es wird einem sog. explorativen sequentiellen Design (auf qualitative Phasen folgt eine quantitative Phase) gefolgt. ____________________ 525 Qualitative Methoden hingegen sind oftmals eher explorativ und damit erkenntnisgenerierend ausgerichtet. Während bei quantitativen Methoden eher mit numerischen Daten gearbeitet wird, werden in der qualitativen Forschung meist sprachlich vermittelte Daten (ohne Messungen) verwendet. Typische Grundformen qualitativer Methoden sind die teilnehmende Beobachtung oder das Gespräch. Aufgrund des explorativen Vorgehens wird qualitativen Methoden eine gute Eignung als Grundlage der Generierung von Hypothesen zugesprochen, die dann mit Hilfe von quantitativen Methoden überprüft werden können. Vgl. dazu Bortz und Döring (2006). 526 Vgl. Bortz und Döring (2006). 527 Flick (2011), S. 433. 528 Vgl. Treumann (2005), S. 210. 529 Vgl. ebenda. 530 Vgl. Bortz und Döring (2013). 6. Modell 2: interne Faktoren 160 Das explorative sequentielle Design wird i.d.R. zur Identifikation von Variablen, die noch unbekannt sind, eingesetzt.531 Im vorliegenden Fall ermöglicht die explorative Untersuchung, die erst teilweise bekannten Unterschiede der internen Faktoren der NHB (Praktiken der NHB) zu erfragen. Weiterhin konnten bestehende Theorien bisher keine befriedigende Antwort darauf geben, warum manche Unternehmen NHB durchführen, während andere trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen gegenteilig handeln, so dass hier eine explorative Vorgehensweise durch Experteninterviews gerechtfertigt wird. Zudem bietet diese Vorgehensweise den Vorteil, dass der Zugang zum Thema offener gestaltet werden kann. So kann der Fragebogen um Aspekte, die sich erst im Verlauf der Interviews ergeben und im Rahmen der theoretischen Vorüberlegung nicht bedacht wurden, ergänzt werden.532 Außerdem können aus den Interviews Schwerpunkte abgeleitet werden, auf die der Fragebogen fokussiert wird. Interviews können zudem zeigen, dass einzelne Fragen oder deren Formulierung nicht zielführend sind. Hieraus wird ersichtlich, dass das gesamte Vorgehen zwar deduktiv - die Fragen für die Interviews werden theoriegeleitet entwickelt - aber zugleich auch induktiv ist. Schließlich fließen die Erkenntnisse aus den Interviews in die Gestaltung des Fragebogens ein. Das Experteninterview533 ist oftmals eine anwendungsfeldbezogene Variante von Leitfadeninterviews.534 Das Besondere dieses Interviews liegt jedoch nicht in der methodischen Form seiner Durchführung, sondern vielmehr in den für die Befragung ausgewählten Personen. Der Interviewte wird nämlich nicht mehr als Person mitsamt der individuellen Einstellung, sondern als Experte auf einem bestimmten Gebiet befragt und dient damit als Träger der Information.535 Nach Gläser und Laudel (2010) sind Experten »Menschen, die ein besonderes Wissen über soziale Sachverhalte besitzen, ____________________ 531 Vgl. Creswell und Clark (2007). S. 5. 532 Vgl. Schnell et al. (2013), S. 387 ff.; Mayer (2006), S. 42. 533 Zu Gunsten der einfacheren Lesbarkeit wird sowohl für die männliche als auch für die weibliche Form das Wort „Experte“ verwendet. 534 Das kommentieren Liebold und Trinczek (2009) wie folgt: „Im Grunde scheint nämlich stillschweigender Konsens darüber zu herrschen, dass das Experteninterview ein Leitfadeninterview zu sein habe.“ (Liebold und Trinczek (2009), S. 32.) 535 Vgl. Kruse (2010), S. 61 ff. 6. Modell 2: interne Faktoren 161 und Experteninterviews sind eine Methode, dieses Wissen zu erschlie- ßen.«536 Durch das besondere Erkenntnisinteresse der jeweiligen Befragtengruppe sondert sich das Experteninterview hauptsächlich von anderen Interviews ab. Das leitfadengestützte Experteninterview stellt eine der in der empirischen Sozialforschung häufig eingesetzten Interviewmethoden dar. Meuser und Nagel (2010a) betonen, dass mit dem Einsatz von Experteninterviews zwei Intentionen verfolgt werden können. Zum einen werden sie als explorative Methode genutzt mit dem Ziel, Kontextwissen zu generieren. Zum anderen dient das mittels Experteninterviews erhobene Material als eigenständige empirische Basis einer Untersuchung und zielt auf die Generierung von Betriebswissen ab. Damit eignet sich das Experteninterview besonders gut für den ersten Schritt der gewählten Methode der Triangulation.537 Trotz der weiten Verbreitung des Experteninterviews als Datenerhebungsinstrument538 ist die Forschungsmethode erst in den vergangenen Jahren in den Sozialwissenschaften verstärkt aufgearbeitet und als wissenschaftliches Instrument verankert worden. »Der weiten Verbreitung steht ein deutlicher Mangel an methodischer Reflexion gegenüber. In den gängigen Lehr- und Handbüchern zu den Methoden der empirischen Sozialforschung werden Experteninterviews allenfalls kurz erwähnt.«539 Die methodische Besonderheit führt nach Meuser und Nagel (1997) und Bogner und Lenz (2006) zudem dazu, dass für Experteninterviews in der Durchführung und Auswertung andere Maßstäbe gelten als in anderen Formen des Interviews.540 Auf Basis dieser Erkenntnis haben Meuser und Nagel in Teilen eine eigene Methode des Experteninterviews erarbeitet. Die vorliegende Arbeit folgt diesem Vorgehen, da sie am ehesten qualitativen Ansprüchen genügt.541 Abbildung 18 verdeutlicht die einzelnen Schritte. ____________________ 536 Gläser und Laudel (2010), S. 12. 537 Vgl. Meuser und Nagel (2010b), S. 376 ff. 538 Vgl. Liebold und Trinczek (2009), S. 32. 539 Meuser und Nagel (2002), S. 72. 540 Vgl. Bogner et al. (2005); Meuser und Nagel (1997). 541 Vgl. Mayer (2006). 6. Modell 2: interne Faktoren 162 Bevor jedoch die Interviews realisiert werden, müssen zunächst Vorbereitungen bzgl. Expertenauswahl und Konzeption des Interviews getroffen werden. Abbildung 18: Schritte der Datensammlung, -aufbereitung und -analyse von Experteninterviews542 6.2.1 Auswahl der Experten Der Begriff Experte bezeichnet eine Person, die aufgrund langjähriger Erfahrung über spezifisches Wissen und Können im Bereich des jeweils untersuchten Themas verfügt. Der Expertenstatus ist relational, da er vom Forschungsinteresse abhängt.543 Daher bezieht sich die von den Forschern »vorgenommene Etikettierung einer Person als Experte [...] notwendig auf eine im jeweiligen Feld vorab erfolgte und institutionell-organisatorisch zumeist abgesicherte Zuschreibung«.544 Das Experteninterview richtet sich damit auf einen Personenkreis, der »hinsichtlich der jeweiligen Forschungsfragen einen deutlichen Wissensvorsprung aufweist«.545 Personen, die zu einem bestimmten Problem zwar eine Meinung, aber keine Erfahrung haben, gelten nicht als Experten.546 Bei der Wahl der Experten empfehlen Meuser und Nagel (2002) nicht zwangsläufig Mitglieder aus der obersten Organisationsebene auszuwählen. Stattdessen geben sie zu bedenken, dass auf untergeordneten Ebenen oftmals detailliertes Wissen sowie direkte Erfahrungen vorliegen, da der Umgang mit operativen Tätigkeiten überwiegt.547 ____________________ 542 Vgl. Meuser und Nagel (2010b). 543 Vgl. Meuser und Nagel (2002). 544 Meuser und Nagel (1997). 545 Liebold und Trinczek (2009). 546 Vgl. Meuser & Nagel, 2002. 547 Vgl. ebenda. Realisierung Erstellung und Übersetzung des Leitfadens Pretest Persönliche Interviews (mit Tonband aufgenommen) Transkription Transkription (vollständig ohne paraverbale Äußerungen) mit f4 Exotisierende Übersetzung Individuelle Analyse Paraphrasieren Kodierung mit Überschriften Gemeinsame Analyse Thematischer Vergleich Bildung von Kategorien Theoretisch generalisieren bzw. interpretieren Ableitung der Hypothesen 6. Modell 2: interne Faktoren 163 Die Auswahl der Experten erfolgt nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern wurde auf der Grundlage inhaltlicher Überlegungen gezielt vorgenommen (bewusste Auswahl).548 Da in dieser Arbeit die NHB von Unternehmen untersucht wird, gelten hier Nachhaltigkeitsmanager oder Personen die für die Sammlung und Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsinformationen verantwortlich sind (PR oder Manager aus dem Rechnungswesen oder Controlling) als Experten zur Berichterstattung von Nachhaltigkeit. Nicht immer war eine eindeutige Identifikation möglich. Weiterhin wurden die Experten aus dem in Modell 1 definierten Untersuchungssample gewählt, da bei diesen Unternehmen bereits untersucht wurde, welche Unternehmen einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Hinsichtlich der Unternehmen wurde in jedem Land mindestens ein Unternehmen ausgewählt, das einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, und eines, das keinen veröffentlicht, um Unterschiede feststellen zu können. Beginnend mit den größten Unternehmen der jeweiligen Länder erfolgte die Kontaktaufnahme zu den Experten sowohl schriftlich per Email als auch telefonisch. In der Email wurden Angaben zu den Inhalten und Zielen der Befragung und des gesamten Projektes erläutert. Des Weiteren wurden ein Exposé zur Beschreibung des Charakters der Untersuchung und Informationen zum Forschungsprojekt sowie zum Forschungsinstitut beigelegt. In den ergänzenden Telefongesprächen wurden die zu befragenden Personen noch einmal über die Inhalte und Ziele der Befragung informiert. Forschungsökonomisch wurde wegen des mit teilstandardisierten Interviews verbundenen Aufwands die Zahl der Experten auf zwei bis drei Interviews pro Land beschränkt. ____________________ 548 Experteninterviews können keine Repräsentativität im engen statistischen Sinn erzeugen. Vielmehr handelt es sich bei Experteninterviews um eine sog. inhaltliche Repräsentativität, die unter der Voraussetzung entsteht, dass die Interviewten nicht als Einzelfall, sondern als Repräsentant ihrer Gruppe gelten. Dazu ist eine absichtsvolle und begründete Stichprobe notwendig, worunter die interviewten Personen zu verstehen sind. Vgl. dazu Mayer (2012). 6. Modell 2: interne Faktoren 164 Tabelle 24: Interviewte Personen549 Land Position/Abteilung Branche Berichtend Kürzel Deutschland Nachhaltigkeitsbeauftragter Herstellende Industrie DE1 Nachhaltigkeitsbeauftragter Herstellende Industrie X DE2a Leiter Nachhaltigkeit Herstellende Industrie X DE2b Polen Leiter Nachhaltigkeit Herstellende Industrie PL1 Nachhaltigkeitsbeauftragter Herstellende Industrie X PL2a Manager Kommunikation Herstellende Industrie X PL2b Litauen Manager Controlling Energie LI1 Nachhaltigkeitsbeauftragter Energie X LI2 Lettland Investors Relation Energie LA1 Manager Kommunikation Herstellende Industrie X LA2 Kroatien Leiter Controlling Herstellende Industrie KR1 Leiter Controlling Telekommunikation X KR2 Slowenien Manager Kommunikation Telekommunikation SL1 Nachhaltigkeitsbeauftragter Herstellende Industrie X SL2 Österreich Nachhaltigkeitsbeauftragter Energie AUS1 Leiter Nachhaltigkeit Herstellende Industrie X AUS2 Tschechische Republik Manager Kommunikation Herstellende Industrie CR1 Nachhaltigkeitsbeauftragter Energie X CR2 Slowakische Republik Manager Kommunikation Herstellende Industrie SK1 Manager Kommunikation Energie SK2 ____________________ 549 Eigene Darstellung. 6. Modell 2: interne Faktoren 165 Insgesamt wurden 20 Experten aus neun Ländern interviewt. Tabelle 24 zeigt auf, wie sich die Unternehmen auf die verschiedenen Länder und Branchen verteilen. Elf der 20 interviewten Experten sind aus Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Die anderen neun Unternehmen veröffentlichen keinen eigenständigen Bericht. 6.2.2 Konzeption Das Ziel der Experteninterviews lässt sich aus der dritten Forschungsfrage ableiten. Es sollen interne Faktoren ermittelt werden, die einen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung haben bzw. diese womöglich fördern bzw. hindern. Um interne Faktoren zu identifizieren, wurden teilstandardisierte, leitfadengestützte Interviews, die sich maßgeblich von standardisierten Interviews unterscheiden, durchgeführt.550 Diese Unterscheidung ist eine technische Differenzierung, die auf den Grad der Vorstrukturierung der Antwortvorgaben des Interviews durch den Forscher abzielt.551 Das teilstandardisierte Interview ist durch seine Offenheit im Gesprächsverlauf charakterisiert552 und ermöglicht damit dem Interviewten, die Fragen umfassend und ausführlich zu beantworten.553 Damit stellen sie eine wesentliche höhere Anforderung an den Interviewer, als es bei voll standardisierten Befragungen der Fall ist. Der Leitfaden dient dazu, auf die »interessierenden Themen aus dem Horizont möglicher Gesprächsthemen der Experten«554 zu begrenzen und »das Interview auf diese Themen zu fokussieren«.555 »Entscheidend ist, dass der Forscher eine klare Vorstellung über seine Fragestellung entwickelt und dabei noch offen bleibt für neue und im besten Fall überraschende Erkenntnisse«.556 Interne Faktoren, die auf die NHB wirken, sind sehr weitläufig. Sie beinhalten Faktoren, wie z.B. die Haltung und Zusammensetzung des Top ____________________ 550 Vgl. Schnell et al. (2013), S. 322. 551 Vgl. Atteslander (2010), S. 130-137. 552 Vgl. Flick (2005), S. 143). 553 Vgl. Kruse 2010, S. 62. 554 Pickel und Pickel (2009), S. 476. 555 Meuser und Nagel (2010b), S. 466. 556 Flick (2005), S. 77. 6. Modell 2: interne Faktoren 166 Managements und des Aufsichtsrats,557 ob ein Nachhaltigkeitskomitee existiert558 oder ob ein Wechsel in der Führung besteht. Für die NHB betont Delfgaauw jedoch, dass es insbesondere für große Unternehmen wichtig ist, eine angemessene Struktur bereit zu stellen, die auf gemeinsamen Werten basiert und sich entsprechend in den Prozessen widerspiegelt. 559 Der Leitfaden, anhand dessen die Gespräche geführt wurden, besteht daher aus vier Themenkomplexen. Die Themenkomplexe sind 1. Definition und Relevanz von Nachhaltigkeit im Unternehmen 2. Motivation zur Nachhaltigkeitsberichterstattung 3. Prozesse der Nachhaltigkeitsberichterstattung und 4. Zukunftsperspektive zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Die Themenkomplexe 1 und 2 zielen darauf ab, zu erfragen, ob ein definiertes Wertesystem hinsichtlich Nachhaltigkeit besteht. Themenkomplex 3 hinterfragt die Prozesse, die hinter dem Nachhaltigkeitsbericht stehen. Themenkomplex 4 wurde zudem hinzugenommen, um die Haltung der Unternehmen gegenüber der NHB zu verstehen. Alle Themenkomplexe dienen dazu, interne Faktoren zu identifizieren, die einen Einfluss auf die NHB haben. Die Themenkomplexe enthalten Fragen, die sich in sogenannte Leit-, Aufrechterhaltungs- und Nachfragen gliedern lassen.560 Die genaue Formulierung und deren Reihenfolge wurden zwar im Vorfeld festgelegt, konnten aber bei Bedarf an den Gesprächsverlauf angepasst werden. ____________________ 557 z.B. wie viele Frauen im Aufsichtsrat sind, vgl. dazu Fernandez-Feijoo et al. (2014). 558 Vgl. Cowen et al. (1987). 559 Delfgaauw (2000). 560 Vgl. Kruse 2010, S. 71. 6. Modell 2: interne Faktoren 167 Abbildung 19: Aufbau und Strukturprinzip des Leitfadens am Beispiel der »Ice Breaker«-Frage561 Abbildung 19 zeigt den Aufbau einer Frage innerhalb des Leitfadens am Beispiel der »Eisbrecherfrage«, die zu Beginn gestellt wird.562 Die Frage »Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?« zielte zum einen darauf ab, den Einstieg in das Gespräch zu erleichtern. Daher sollte die Frage ohne lange Überlegung zu beantworten sein. Zum andere ist die Frage nach der Definition dieses Grundbegriffs für den Gesamtzusammenhang interessant. Nachhaltigkeit kann unterschiedlich interpretiert werden und damit einen Einfluss auf die NHB ausüben.563 Ist das Verständnis von Nachhaltigkeit bekannt, wurde mit dem ersten Themenkomplex begonnen. Zum Abschluss des Interviews stehen – außerhalb der Themenkomplexe – personale und demografische Fragen nach der beruflichen Position an. ____________________ 561 Eigene Darstellung. 562 Vgl. Klammer (2005). 563 Vgl. dazu Kapitel 3. Leitfrage 1 (Es gibt keine einfache Definition von „Nachhaltigkeit“. Es kann sich dabei um eine Idee, eine Eigenschaft lebender Systeme, eine Produktionsmethode oder einen Lebensstil handeln. In Wirklichkeit gibt es wahrscheinlich so viele Definitionen von Nachhaltigkeit, wie Personen, die versuchen, es zu definieren.) Was versteht Ihr Unternehmen unter Nachhaltigkeit? Inhaltliche Aspekte Aufrechterhaltungsfrage Nachfragen Bedeutung der Nachhaltigkeit Um herauszufinden, wie eng oder weit der Befragte Nachhaltigkeit versteht ICE BREAKER QUESTION • Welche Arten von nachhaltigen Themen werden von den Managern ihres Unternehmens kritisch gesehen? Ist Ihr Unternehmen von Ökologischen Fragestellungen Ökonomischen Fragestellungen Sozialen Fragestellung betroffen? Bitte geben Sie Beispiele 6. Modell 2: interne Faktoren 168 Diese Fragen werden am Schluss gestellt, damit sich eine eventuelle Ablehnungshaltung des Interviewten gegenüber diesen Fragen nicht auf die Fragen der Themenkomplexe auswirkt. Die Leitfragen wurden jedem Gesprächspartner gestellt, um trotz der Qualitativität der Daten eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Gesprächen herzustellen564 und sicherzustellen, dass alle relevanten Themen besprochen wurden.565 Die Aufrechterhaltungs- und Nachfragen wurden dagegen abhängig von der Gesprächsentwicklung eingesetzt, z.B. bei Missverständnissen, zusätzlichem Konkretisierungsbedarf oder bei einem ins Stocken kommenden Gespräch. Für diese Arbeit ist die Erstellung von zwei Leitfadenversionen, eine für die Unternehmen mit NHB und eine für Unternehmen ohne NHB, die jedoch größtmögliche Überschneidungen haben, notwendig. Der Leitfaden wurde zunächst auf Englisch konzipiert, anschließend auf landesspezifische Besonderheiten geprüft und in die jeweilige Landessprache übersetzt. Um die Qualität der Übersetzung zu prüfen, wurde der Leitfaden durch eine unabhängige Person jeweils wieder rückübersetzt. Vor der eigentlichen Durchführung wurde der Leitfaden weiterhin in Probeinterviews getestet. Zunächst wurden Probeinterviews mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern durchgeführt, um die Verständlichkeit der Fragen zu testen. Dann wurden zwei Unternehmensvertreter aus den Abteilungen Unternehmensentwicklung und Nachhaltigkeit, die mit den späteren Interviewpartnern vergleichbar sind, befragt. Nach der Durchführung der Pretests erfolgte eine gründliche Überprüfung des Interviewentwurfs. Diese Interviews wurden nicht für die weitere Auswertung genutzt. Der Leitfaden wie auch weitere Anweisungen zur Durchführung des Interviews werden im Anhang dargestellt.566 6.2.3 Überprüfung der Gütekriterien der qualitativen Forschung Wie die quantitative Forschung unterliegt auch die qualitative Forschung bestimmten Gütekriterien. Allerdings werden die bei der quantitativen empirischen Forschung angewendeten Gütekriterien Objektivität, Reliabilität ____________________ 564 Vgl. Schnell et al. (2005); Mayer (2012). 565 Vgl. Mayer (2012). 566 S. Anhang. 6. Modell 2: interne Faktoren 169 und Validität der qualitativen Forschungsmethode nicht ausreichend gerecht.567 Im Gegensatz zur quantitativen Forschung kann nicht die Überprüfbarkeit von Hypothesen im Vordergrund stehen, da in der qualitativen Forschung die Replikation aufgrund der oft geringen Untersuchungsanzahl und damit der begrenzten Standardisierbarkeit nicht möglich ist. Für die qualitative Untersuchung liegen verschiedene Vorschläge für die Beurteilung der Güte vor. Diese sind bisher jedoch uneinheitlich.568 Häufig Verwendung finden die Gütekriterien nach Mayring.569 Er empfiehlt sechs allgemeine Kriterien, mit der die Güte qualitativer Forschung gewährleistet werden kann:570 Verfahrensdokumentation Damit der Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben wird, den Forschungsprozess nachzuvollziehen und die Ergebnisse zu bewerten, muss das Verfahren, mit dem diese gewonnen werden, offen gelegt werden.571 Dokumentiert wurden das Vorverständnis, das Analyseinstrumentarium, die Durchführung und die Auswertung. Um die Bewertbarkeit sowie die intersubjektive Nachvollziehbarkeit des Untersuchungsgangs zu gewährleisten, wurden Pretests des Interviewleitfadens durchgeführt und die Anwendbarkeit der Transkriptionsregeln geprüft. Argumentative Interpretationsabsicherung Die in der Untersuchung angewandte Methode nach Meuser und Nagel nutzt verschiedene Formen der Interpretation. Durch die Paraphrasierung, Verdichtung durch Überschriften sowie die Selektion und Bündelung der Aussagen werden die Transkripte zusammengefasst. So ist, anders als bei Rechenoperationen, die Interpretation nicht überprüfbar und bedarf daher ____________________ 567 Vgl. Reichertz (2000), S. 576. 568 Vgl. Binder (2006). 569 Vgl. Przyborski und Wohlrab-Sahr (2014); Steinke (2008). 570 Diese bauen zwar auf die klassischen quantitative Gütekriterien Validität und Reliabilität auf, werden jedoch von Mayring weiterentwickelt (vgl. Mayring (2010)). 571 Vgl. Steinke (2008); Mayring (2006). 6. Modell 2: interne Faktoren 170 einer argumentativen Interpretationsabsicherung.572 Um dies zu gewährleisten, wurde durch die vorangegangene Aufbereitung der Sekundärliteratur und Publikationsanalyse ein gutes Vorverständnis geschaffen.573 Regelgeleitetheit Die Regelgeleitetheit fordert, dass die qualitative Forschung hinsichtlich des Forschungsgegenstandes offen ist und flexibel gegenüber möglichen Anpassungen im Forschungsprozess reagiert. Jedoch dürfen Änderungen nicht willkürlich oder unsystematisch umgesetzt werden. Der Forscher muss sich vielmehr an Verfahrensregeln halten und sollte einer festgelegten Systematik folgen.574 Die wesentlichen Analyseschritte wurden im Vorfeld der Untersuchung festgelegt und folgen dem sequentiellen Vorgehen von Meuser und Nagel.575 Dieses regelgeleitete Vorgehen wird in Abbildung 18 und Abbildung 20 dargestellt, so dass die Regelgeleitetheit als erfüllt betrachtet werden kann. Nähe zum Gegenstand Die Nähe zum Gegenstand wird erfüllt, indem die Untersuchung direkt an die Alltagswelt der untersuchten Person anknüpft. Es soll keine »Kunstwelt« geschaffen werden. Die Interviews wurden in den Unternehmen vor Ort oder telefonisch durchgeführt, so dass sich die Experten in ihrer »Alltagsumgebung« befanden. Um eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, wurden die Interviewten im Vorfeld mit dem Thema der Studie betraut. Mit der sog. »Ice-Breaker«-Frage wurde eine angenehme Gesprächsatmosphäre geschaffen und weckte das Interesse sowie die Diskussionsbereitschaft der Interviewpartner, so dass die Nähe zum Gegenstand gegeben war. Es wurde weitestgehend auf geschlossene Frage verzichtet, um die Einflussnahme auf den Gesprächspartner während der Durchführung des Interviews zu minimieren.576 ____________________ 572 Vgl. Brüsemeister (2008). 573 Vgl. Mayring (2006), S. 146. 574 Vgl. ebenda. 575 Vgl. Meuser und Nagel. 576 Vgl. ebenda, S. 146. 6. Modell 2: interne Faktoren 171 Kommunikative Validierung Die Gültigkeit der Ergebnisse soll die Richtigkeit und Relevanz absichern. Sie wurde überprüft, indem die Transkripte den Gesprächspartnern zur Autorisierung vorgelegt wurden. Es wurden alle Transkripte autorisiert. Finden sich die Betroffenen in den Analyseergebnissen wieder, so wird dies als wichtigstes Argument zur Absicherung der Ergebnisse gesehen. Die kommunikative Validierung wird nicht als ausschließendes Kriterium gesehen, gewährleistet den Befragten jedoch mehr Kompetenz, als dies in der quantitativen Forschung üblich ist.577 Triangulation Die Methodentriangulation, die in dieser Arbeit zum Einsatz kommt, dient in erste Linie dazu, ein umfassenderes Bild des untersuchten Gegenstandes zu ermöglichen und die Validität der Ergebnisse aus den Interviews zu erhöhen.578 Ziel ist dabei nicht, die völlige Übereinstimmung der Ergebnisse zu erreichen, sondern die jeweiligen Stärken des anderen Weges zu nutzen sowie eventuelle Schwächen zu kompensieren.579 Die folgende Fragebogenstudie sichert somit auch das letzte Kriterium ab. Zusammenfassend werden die Gütekriterien von der vorliegenden Untersuchung eingelöst und die erforderlichen Ansprüche erfüllt. 6.2.4 Durchführung der Interviews Insgesamt wurden 20 leitfadengestützte Interviews geführt. Davon waren elf Interviews mit Experten aus Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben und neun mit Experten aus Unternehmen, die keinen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichten.580 Ziel war es zwar, Unternehmen aus allen MOEL zu befragen, jedoch war die Bereitschaft nicht in allen Ländern gleich hoch oder die Interviewdaten lagen zum Zeitpunkt der Auswertung nicht vor. So konnten in Bulgarien ____________________ 577 Vgl. ebenda, S. 147. 578 Vgl. Lamnek (2006); Flick (2011). 579 Vgl. Mayring (2002), S. 147 f. 580 Vgl. Kapitel 0 6. Modell 2: interne Faktoren 172 und Estland keine Interviewpartner gefunden werden. Die Ergebnisse aus Rumänien lagen nicht vor, die Ergebnisse aus Ungarn wurden von den entsprechenden Unternehmen nachträglich nicht mehr freigegeben. Vor den Interviewdurchführungen wurde die Anonymisierung der Expertennamen zugesichert, so dass einzelne Aussagen den Experten nachträglich nicht von Außenstehenden zugeordnet werden können.581 Zudem wurde die Erlaubnis zur Aufzeichnung der Gespräche eingeholt, um anschließend ein wörtliches Transkript der Gespräche, das die Voraussetzung für eine gründliche Auswertung der Daten darstellt, anfertigen zu können.582 Die Interviews fanden zwischen Juli und September 2014 statt und wurden in der jeweiligen Landessprache583 oder in Englisch von unterschiedlichen Wissenschaftlern durchgeführt. Die Dauer der Interviews betrug je nach Interviewtem zwischen 20 und 75 Minuten. Alle Interviews wurden persönlich »face to face« oder telefonisch durchgeführt, mit Ausnahme der Interviews in der Tschechischen Republik. Da es dort unmöglich war, ein persönliches Interview durchzuführen, wurde das Interview schriftlich durchgeführt. Diese werden zwar zu den Ergebnissen hinzugezogen, lassen aber nur einen geringen Interpretationsrahmen zu. Um sicherzustellen, dass alle persönlichen Interviews in ähnlicher Art und Weise verliefen, wurden den Interviewern neben dem Interviewleitfaden zudem mündliche und schriftliche Anweisungen zur Berücksichtigung zur Verfügung gestellt. 6.2.5 Datenauswertung Die Auswertung des Experteninterviews zielt darauf ab, das von mehreren Interviewten geteilte Überindividuell-Gemeinsame der verschiedenen Gespräche und somit das inhaltlich Repräsentative herauszuarbeiten. Bei der Inhaltsanalyse von Experteninterviews steht der Inhalt des Interviews im ____________________ 581 Hinweise zum Datenschutz werden im Anhang dargestellt. 582 Vgl. Mayring (2002), S. 45 f. 583 Die Durchführung von Interviews in der Muttersprache der Befragten wird in der qualitativen Forschung als ideal angesehen. Vgl. dazu Kruse (2010). 6. Modell 2: interne Faktoren 173 Mittelpunkt. Ziel ist es, gemeinsame und typische Informationen herauszuarbeiten und den Umfang des Datenmaterials zu reduzieren.584 Abbildung 20: Auswertungsschritte nach Meuser und Nagel585 Für die Auswertung von Experteninterviews gibt es kein kanonisiertes Verfahren. Im Prinzip können daher alle bekannten Auswertungsverfahren angewendet werden.586 Die Auswertung der durchgeführten Experteninterviews erfolgt über die interpretative Auswertungsstrategie nach Meuser und Nagel.587 Die Analyse beinhaltet sechs aufeinanderfolgende Arbeitsschritte,588 die in Abbildung 20 dargestellt sind und im Folgenden erläutert werden. Transkription der Interviews Mit dem Einverständnis der Befragten wurden die Interviews auf Tonband aufgenommen und in weiterer Folge in Schriftsprache transkribiert. »Das auf Tonband aufgezeichnete Interview sollte möglichst vollständig transkribiert werden.«589 Alle Interviews wurden entgegen Meuser und Nagels Vorgehen vollständig transkribiert, wobei paraverbale (»hm«, »äh« usw.) und nonverbale Äußerungen nicht berücksichtigt wurden.590 Ein besonders komplexes Notationssystem war in diesem Fall nicht notwendig,591 da »[…] die inhaltlich-thematische Ebene im Vordergrund steht, wenn der Befragte beispielsweise als Zeuge, als Experte, als Informant auftreten soll«.592 ____________________ 584 Vgl. Meuser und Nagel (2002). 585 Eigene Darstellung. 586 Vgl. Bogner et al. (2005), S. 71. 587 Vgl. Meuser und Nagel (2002), S.453. 588 Vgl. Meuser und Nagel (2010b). 589 Gläser und Laudel (2010). 590 Die durchgeführten Interviews beziehen sich auf konkrete Sachverhalte, die interne Determinanten zu NHB identifizieren sollen. Eine Redepause, ein Räuspern etc. haben demnach hier nicht dieselbe Bedeutung wie beispielsweise in der Auswertung eines Interviews zur Biografieforschung o. ä., vgl. Kruse (2010). 591 Vgl. Liebold und Trinczek (2009), S. 41 f. 592 Mayring (2002), S. 91. Aufbereitung der Ergebnisse Thematisches Ordnen ParaphrasierenTranskription Thematischer Vergleich Konzeptualisierung Theoretische Generalisierbarkeit 6. Modell 2: interne Faktoren 174 Mit dem vollständigen Transkript wird so ein möglicher Verlust von Informationen, z.B. durch voreiliges Zusammenfassen, vermieden und die intersubjektive Nachprüfbarkeit erhöht.593 »Durch wörtliche Transkription wird eine vollständige Texterfassung verbal erhobenen Materials hergestellt, was die Basis für eine ausführliche interpretative Auswertung bietet.«594 Somit wird ermöglicht, dass andere Forscher die nachfolgende Auswertung besser nachvollziehen können. Dies ist insbesondere notwendig, da die Interviews durch verschiedene Interviewer in verschiedenen Landessprachen durchgeführt und transkribiert wurden. Für die Transkription wurde die Software f4transkript genutzt. Abbildung 21: Ausschnitt Transkriptionstext595 Die Komplexität der Datenaufbereitung ist zudem erhöht, da die Interviews in verschiedenen Sprachen durchgeführt wurden.596 Die Durchführung von Interviews in verschiedene Sprachen macht eine Übersetzung der Transkripte in die englische oder deutsche Sprache notwendig. Da mit der Qualität der Übersetzung der Erkenntnisgewinn einhergeht, müssen methodische Leitlinien berücksichtigt werden.597 ____________________ 593 Vgl. Bortz und Döring (2006); Gläser und Laudel (2010). 594 Mayring (2002). 595 Eigene Darstellung. 596 Zur Problematik von Fremdsprachlichkeit und Translation in Experteninterviews ausführlicher in Bogner et al. (2014), S. 43. 597 Vgl. Wettemann (2012), S. 101. 6. Modell 2: interne Faktoren 175 Grundlegend wird zwischen zwei Translationstypen, der dokumentarischen und der instrumentellen Übersetzung, unterschieden.598 Die dokumentarische Übersetzung behandelt den Ausgangstext als ein Dokument, über das in der Zielkultur berichtet wird und bildet Form und Inhalt des Ausgangstextes mit ab. Bei einer instrumentellen Übersetzung soll dem Zieltext hingegen nicht mehr anzumerken sein, dass es sich um eine Übersetzung handelt.599 Für die Interviewtranskripte ist ausschließlich die dokumentarische Übersetzung relevant, daher bleibt die instrumentelle Übersetzung weitgehend unberücksichtigt. In der dokumentarischen Übersetzung lassen sich vier Übersetzungsformen unterschieden: die Wort-für-Wort-Übersetzung, die wörtliche Übersetzung, die philologische Übersetzung und die exotisierende Übersetzung (s. dazu Abbildung 22). Bei der Wort-für-Wort-Übersetzung werden die Strukturen des Ausgangtextes unverändert in die Zielsprache übernommen. Die wörtliche Übersetzung berücksichtigt die grammatischen Strukturen der Zielsprache. Jedoch werden die Wörter des Ausgangstextes durch entsprechende Wörter in der Zielsprache wiedergegeben. Diese Form der Übersetzung eignet sich besonders dafür, den genauen Wortlaut eines Ausgangstextes aufzuzeigen.600 Abbildung 22: Dokumentarische Übersetzungstypen601 Die philologische Übersetzung bildet den Inhalt des Ausgangstextes mit den grammatikalischen und stilistischen Mitteln der Zielsprache unter größtmöglicher Berücksichtigung der Satzstrukturen des Originals ab. Bei ____________________ 598 Vgl. Nord (1988). 599 Vgl. Nord (2010). 600 Vgl. Wettemann (2012). 601 Eigene Darstellung in Anlehnung an Wettemann (2012). Dokumentarische Übersetzung Transferformen Wort-für-Wort-Übersetzung Wörtliche Übersetzung Philologische Übersetzung Exotisierende Übersetzung Transferzweck Die Struktur des Ausgangstextes, wie Wortfolge und Wortart, werden unverändert in die Zielsprache übernommen Die grammatikalischen Strukturen werden in der Zielsprache beachtet, es wird dabei versucht, alle Wörter des Ausgangstextes durch entsprechende Wörter der Zielsprache wiederzugeben Inhalte des Ausgangstextes werden mit den grammatikalischen und stilistischen Mitteln der Zielsprache unter größtmöglicher Berücksichtigung der Satzstruktur des Originals abgebildet Es werden nicht nur die formalen sondern auch die situative Merkmale des Ausgangstexte im Zieltext abgebildet Beispiele Bibelübersetzung Lateinische und griechische Klassiker Erzählungen, Romane 6. Modell 2: interne Faktoren 176 der exotisierenden Übersetzung werden nicht nur die formalen und inhaltlichen, sondern auch die situativen Merkmale des Ausgangstextes im Zieltext abgebildet, so dass das Original noch deutlich zu erkennen ist. Diese Form ist häufig in Literaturübersetzungen anzutreffen.602 Für die Übersetzung der Transkripte wurde die exotisierende Übersetzung gewählt, da diese Übersetzung gut lesbar und verständlich ist. Die Analyse des Textes auf die Einflussfaktoren ist möglich, da das Original noch deutlich zu erkennen und somit die Denkstrukturen aus dem Original nachvollzogen und interpretiert werden können. Paraphrasieren Der zweite Auswertungsschritt besteht aus der Paraphrasierung der Transkripte. Der transkribierte Text wurde dabei in eigenen Worten wiedergegeben und dient zur Textverdichtung. Dabei orientierte sich die Paraphrasierung sehr eng an der Chronologie des Interviewverlaufs und an den inhaltlichen Aussagen, um mögliche Verzerrung oder Unterschlagungen zu vermeiden.603 Nicht alle Textteile wurden gleich behandelt. Die Entscheidung, welche Teile der Interviews wie paraphrasiert werden, erfolgt im Hinblick auf die leitende Forschungsfrage. Detaillierte Paraphrasen wurden verwendet, wenn die Passage bedeutend für die Forschungsfrage war. Weniger treffende Aussagen können zusammenfassend paraphrasiert werden. Damit keine wichtigen Informationen verloren gehen, wurde auf eine zu starke Komplexitätsreduktion verzichtet. Jedoch wurden Aussagen ohne themenrelevanten Bezug unberücksichtigt und ausgelassen.604 Thematisches Ordnen Anschließend erfolgt die Zuordnung der Paraphrasen zu Themen in Form von Überschriften, wodurch eine weitere Verdichtung des Interviewtextes ____________________ 602 Vgl. Wettemann (2012). 603 Vgl. Meuser und Nagel (2002). 604 Bei Meuser und Nagel (2002) werden diese Textsequenzen bereits in der Transkriptionsphase ausgelassen. Aufgrund der Notwendigkeit des vollständigen Transskripts erfolgt dieser Schritt daher erst in der Paraphrasierung. 6. Modell 2: interne Faktoren 177 erreicht wird.605 Dafür wurden Textanteile zum gleichen Thema zusammengestellt, unabhängig davon, an welcher Stelle des Interviews sie sich befanden. Die einzelnen Textpassagen werden dann einer Überschrift zugeordnet, welche die Einzeltextstellen zu diesem Thema abdecken.606 Meuser und Nagel (2002) empfehlen dabei »textnah vorzugehen, d.h. die Terminologie der Interviewten« 607 für die Überschriften zu nutzen. Gerade bei Experteninterviews lassen sich jedoch im Interviewtext häufig die Themengebiete des Leitfadens wiederfinden,608 so dass hier eine Untergliederung nach den Themen des Leitfadens möglich war. »Die Existenz gleicher Überschriften in den verschiedenen Interviews erleichtert dann auch den abschließenden Schritt der Datenaufbereitung von Leitfadeninterviews, nämlich die Aufhebung der Sequenzialität des einzelnen Interviewtextes und das Rearrangement des gesamten empirischen Materials unter die verschiedenen thematischen Überschriften.«609 Thematischer Vergleich (Codierung) Nach dieser Zuordnung in den einzelnen Interviews erfolgt der thematische Vergleich. Hier werden die Passagen über die verschiedenen Interviews hinweg anhand ihrer Überschriften neu eingeordnet und erhalten ggf. eine neue Überschrift.610 So werden Passagen gleichen oder ähnlichen Inhalts zusammengeführt. Dieses Vorgehen wird auch als Codieren bezeichnet. Eine Angleichung der Überschriften ist nicht notwendig, da die Überschriften aus den Themen des Leitfadens übernommen wurden. Konzeptualisierung Auf dieser Basis werden schließlich im fünften Schritt der Konzeptualisierung Kategorien festgelegt. Die Kategorien umfassen Wissen und Erfahrungen, die von mehreren Experten geteilt und zu einem für die Forschungs- ____________________ 605 Vgl. Meuser und Nagel (2002). 606 Vgl. Mayring (2002), S. 51 f. 607 Meuser und Nagel (2010a). 608 Vgl. Mayer (2006). 609 Liebold und Trinczek (2009), S. 42. 610 Vgl. Meuser und Nagel (2010a). 6. Modell 2: interne Faktoren 178 frage relevanten Aspekt verdichtet werden. Die Kategorien erlauben, Gemeinsamkeiten zwischen den Interviews zu benennen. Dazu werden die Paraphrasen einer Kategorie so umformuliert, dass sie auf einer allgemeineren Basis diskutiert werden können. Damit werden die Daten auf eine Abstraktionsebene übersetzt, was unter anderem daran ersichtlich wird, dass wissenschaftliche Begrifflichkeiten die Terminologie der Interviewten ersetzen.611 Die Ergebnisse der ersten fünf Arbeitsschritte sind im folgenden Abschnitt (Kapitel 6.3) dargestellt. Theoretische Generalisierung Im letzten Schritt der Theoretischen Generalisierung werden die Ergebnisse aus den Interviews unter Einbeziehung entsprechender Theorien interpretiert und gewertet612, wodurch dieser folgerichtig erst nach der Ergebnispräsentation erfolgen kann (Kapitel 6.2.7). 6.3 Ergebnisse der Experteninterviews Das Ziel der Experteninterviews ist es, herauszufinden, wie sich die internen Faktoren innerhalb der Unternehmen unterscheiden und ob sie einen Einfluss auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts haben bzw. welche Faktoren innerhalb des Unternehmens hinderlich oder förderlich für die Veröffentlichung sind. Dafür wurde den in Kapitel 6.1.5 genannten Auswertungsschritten gefolgt. Hierauf aufbauend werden die Ergebnisse anhand vier interessanter Themenfelder dargestellt und anschließend interpretiert. 6.3.1 Definition von unternehmerischer Nachhaltigkeit und Verankerung im Unternehmen Zu Beginn der Interviews wurden die Experten dazu befragt, wie sie unternehmerische Nachhaltigkeit definieren. Die Definition von unternehmerischer Nachhaltigkeit wird von dem Großteil der Interviewpartner zunächst ____________________ 611 Vgl. ebenda. 612 Vgl. Bogner und Menz (2002). 6. Modell 2: interne Faktoren 179 mit Dauerhaftigkeit assoziiert (CZ2, PL2a, PL2b, AUS2, KR1, DE1, DE2a, DE2b, SLO1, SLO2). Es gehe darum »dauerhafte Werte zu schaffen« (DE2a) bzw. »langfristig profitabel« (AUS2) zu sein und »to retain our business in general and ensure that our company is sustainable in the future” (KR1). Die Definition von unternehmerischer Nachhaltigkeit wird zudem oft mit gängigen Konzepten wie der Triple Bottom Line oder auch »People Planet Profit« (SL1) in Verbindung gebracht (DE1, DE2a, AUS1, SLO1, SLO2, PL2a, PL2b LI2, KR2, LE1, LE2). Es sind keine landesspezifischen Definitionen zu erkennen. Nach Meinung eines Experten aus Österreich gehen die Unternehmensdefinition von CSR i.d.R. »mit der allgemein konformen Definition einher« (AUS1).613 Das gilt auch für die Unternehmen, die das Konzept der Triple Bottom Line im Sinne ihrer Geschäftstätigkeit erweitert haben, indem z.B. die ökonomische Säule in die Faktoren Kunden und Qualität und/oder die soziale Säule in Gesellschaft und Mitarbeiter unterteilt wurden. »The five core values—CUSTOMERS, CHALLENGE, COLLABORA- TION, PEOPLE, and GLOBALITY—provide a guideline for all employees to steer their behavior and decision making in order to realize the corporate vision and business philosophy«. (SK2) «We cite four pillars of corporate social responsibility. The first is access to medicines which strives to increase access to health services and medicines as well as ease health awareness. The other three pillars are defined as ’doing business responsibly that is making decisions that reflect responsibility toward people and the community’«. (SLO2) Die Experten aus Deutschland betonen, dass unternehmerische Nachhaltigkeit bzw. CSR und die damit verbundenen Säulen unbedingt integriert zu betrachten sind (DL1, DL2, DL3) und dabei die Vereinbarkeit der drei Säulen im Vordergrund steht. »Wir stellen das Unternehmen erst mal in den Mittelpunkt, wohlwissend, dass es eben, dass die gesellschaftliche oder dass Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklungen in der Gesellschaft einen Rückkoppelungseffekt haben und wir auf diese Entwicklung auch eine Einwirkung haben, aber sie sind aus einer Nachhaltigkeitsbrille für uns nur dann relevant, wenn sie auch wirklich nen Rückkoppelungseffekt haben« (DE2b). Experten aus den anderen Ländern hingegen heben die Abhängigkeit der drei Säulen zwar hervor (LE2, LI2), jedoch wird nicht selten eine Säule in ____________________ 613 Damit war u.a. die Definition von Nachhaltigkeit der EU gemeint. 6. Modell 2: interne Faktoren 180 den Mittelpunkt gestellt. Insbesondere in den nicht-berichtenden Unternehmen wird die ökonomische Säule in den Vordergrund gestellt (LE1, SLO1, KR1). »Sustainable development is primarily seen through financial sustainability aspect, since our core business is not highly profitable” (KR1). Begründet wird dies damit, dass Nachhaltigkeit eben nur generiert werden könne, wenn es dem Unternehmen in erster Linie wirtschaftlich gut gehe. Abhängig von der Geschäftstätigkeit, steht gerade bei produzierenden Unternehmen die ökologische Säule im Vordergrund (PL2b, AUS1, und SK1). Obgleich jeder Interviewte unternehmerische Nachhaltigkeit definiert hat, ist sie nicht zwingend im Unternehmen verankert: «We did not establish a sustainability definition [for the company] yet. « (DL1) »No sustainability is not defined in a manner as you are asking. « (KR1) «There is no clear definition used by us. To run our business, we are aware that the company affects the environment, societies, people… We need to give something from us… At the same time we expect something in return. We want our action to be sustainable… We give jobs, people give human capital and all of this create something what we have now… So, we function, we run the company. In my opinion, from my experience, a clear definition does not exist.« [PL1] Ein Großteil der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, suggeriert eine enge Verknüpfung der Nachhaltigkeitsstrategie mit ihren nachhaltigen Aktivitäten (DE2a, DE2b, KR2, AUS2, SK2, PL2b). «I will refer to the strategy. It contains the goals, indicators. In the process of the strategy implementing and monitoring (now we are in the process of the strategy updating), we measure the assumptions which are approved by particular departments, for example assumptions connected with environmental protection or employer area. How is it measured…? The strategy contains the indicators. « (PL2b) »Also Sie sehen die drei Säulen der Nachhaltigkeit sind also sehr vielfältig schon sehr früh ich nutze gern den Begriff Unternehmenskultur bei uns eingeführt worden […] klar formulierte auch verbal direkt zuordenbare strategische Kernaussage die haben wir runter gebrochen auf die entsprechenden Managementstrukturen […].« (DE2a) In Unternehmen ohne NHB wird eine solche Verbindung zur Unternehmensstrategie nicht explizit ausgeschlossen, aber auch nicht genannt. Hinsichtlich der nachhaltigen Aktivitäten selbst sind wesentliche Unterschiede zwischen berichtenden und nicht-berichtenden Unternehmen zu finden. Berichtende Unternehmen sowohl in MOE als auch WE weisen umfassendere Nachhaltigkeitsprogramme auf, die unterschiedliche Aktivitäten beinhalten. Ein Teil der Aktivitäten ist weitestgehend mit der Geschäftstätigkeit selbst verknüpft. Das betrifft zum Großteil Umweltaktivitäten, die 6. Modell 2: interne Faktoren 181 die ökologischen Auswirkungen der unternehmerischen Tätigkeiten reduzieren oder effizienter gestalten sollen. Daneben werden verschiedene philanthropische Aktivitäten genannt, die unabhängig von der Geschäftstätigkeit stehen (DE2a, DE2b, AUS2, SL2, LI2, LA2, PL2a). Die nicht-berichtenden Unternehmen, vor allem aus MOE, legen ihren Schwerpunkt auf philanthropische Nachhaltigkeitsaktivitäten, die keine Verbindung zum Kerngeschäft haben (LI1, SL1, CR1, LA1, LI1). Neben der Förderung von kulturellen oder sportlichen Veranstaltung werden zudem Bildungsprogramme finanziell unterstützt. Ein slowakisches Unternehmen nannte neben der Förderung verschiedener Programme die finanzielle Honorierung von Blutspenden sowie Teilzeitangebote für Mütter (SK2). 6.3.2 Motivation und Hindernisse, eigenständige Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen Grundsätzlich wurden drei Motive genannt, warum Unternehmen einen separaten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Ein oft genanntes Motiv von den interviewten Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht ver- öffentlichen, ist die damit verbundene Legitimation (CZ2, SK2). » […] as soon as something is written and publishes and becomes transparent, many more people are aware of it and understand the direction in which we are going. « [CR2]. CSR wird als ein kritischer Faktor gesehen, der ausschlaggebend für die Reputation des Unternehmens ist (CR2, LE2, CZ2, SK2, SLO2) oder sogar zu Wettbewerbsvorteilen genutzt wird. »We want to achieve best standards in the field of reporting […] there is no pressure except for time. « (SLO2) Ein Vorteil des eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts wird darin gesehen, dass das Unternehmen sich besser darstellen kann, da durch den Nachhaltigkeitsbericht mehr Informationen zur Verfügung gestellt werden können, als es durch einen jährlichen Finanzbericht möglich ist (AUS2, LI2, DE2a, SLO2). Ein weiteres Motiv sind die Erwartungen von außen. Dabei stellte sich heraus, dass für die MOE insbesondere die Investoren (SLO1, DE2a, PL1, PL2b), Rating Agenturen und Analysten (AUS2, LI2 PL2b), Großkunden (DE2b. LA2) und die Mitarbeiter (LA2, PL2, SLO2) von Bedeutung sind. Ein Unternehmen nannte dabei auch explizit die internationalen Geschäftspartner: 6. Modell 2: interne Faktoren 182 »It is very important that we are being seen as a serious partner in other markets - especially in USA and Japan […].”« (LE2) Weniger Bedeutung haben die privaten Kunden oder auch die Öffentlichkeit. Mehrmals wurde in diesem Zusammenhang jedoch die Mitgliedschaft im Global Compact oder anderen Initiativen angesprochen, die in engem Zusammenhang steht, wenn nicht sogar als Auslöser für die Berichterstattung gesehen wurde (Aus2, LI2, LE2, SLO2). Die Unternehmen, die keinen alleinstehenden Bericht erstellen, gaben zwei wesentliche Gründe dafür an. Obwohl der Großteil der befragten Unternehmen ohne eigenständige Berichterstattung aus Industrien kommt, in denen soziale und/oder Umweltanforderungen durchaus vorhanden sind, wird als erster Grund angegeben, dass es bisher keine Nachfragen von au- ßen gab und die NHB damit als nicht notwendig angesehen wird. »Well, there is no particular reason, let us say that no one ever asked us to make such a report, so we are always guided by the principle that you have to report a certain minimum, and there is always a problem with limited resources and time and since all reports are within the demanding deadline and I believe that the sustainability aspects is not considered as important to make a special report of it.” « (CR1) «Society does not read or look at those reports. « (LA1) «We don’t feel any pressure to publish a non-financial report. « (PL1) Im folgenden Zitat wird auch konkret, warum es kein Interesse an Nachhaltigkeitsberichten des Unternehmens gibt, denn der Name des Unternehmens wird nicht mit dem Produkt assoziiert: «And if you see or if you have a look to our products and advertisement to our products you usually won't see the name of the company very prominently. And also that's actually the understanding, so our understanding is understatement from the company, so that means we say our products are, products passion are in the centre of our interest and not the name of the company. And that's, the more you publish, the more you come to the to the ja, the becomes of interest, our understanding is of interest from our point of view should be the passion to our products and not the company itself so that's why nobody would be interested in our report, nobody is connecting the name to the products. « (DE1) Wäre der alleinstehende Nachhaltigkeitsbericht von rechtlicher Seite gefordert, würde sich das Berichtsverhalten der Unternehmen entsprechend ändern (LI1, KR1). Der andere Grund liegt in den finanziellen Aufwendungen, die dem Nutzen der Berichterstattung gegenüberstehen. Während der generelle Mehrwert darin gesehen wird, dass nachhaltiges Verhalten und auch die NHB 6. Modell 2: interne Faktoren 183 ein Wettbewerbsvorteil beinhalten, war keines der Unternehmen daran interessiert, sich entsprechend anders zu positionieren bzw. erschien es keinem der Unternehmen lohnenswert, diese Ressourcen aufzuwenden: »A couple of students who study the issue would read the CSR report for another audience it is not interesting […]. It requires a lot of resources and without financial contributions and at least one part-time employee for several month it is not possible. « (LA1) In welcher Höhe die Aufwendungen für einen separaten Nachhaltigkeitsbericht tatsächlich anfallen, konnte keines der berichtenden Unternehmen genau nennen. Der Aufwand sei immens, liege aber noch unter dem Aufwand eine Geschäftsberichts (DE2a, DE2b). 6.3.3 Interne Prozesse der Berichterstattung Im Hinblick auf die internen Strukturen sind die folgenden Beobachtungen interessant und relevant. In allen Unternehmen ist die NHB im Sinne einer Matrixstruktur aufgebaut. In diesen Unternehmen gibt es ein NHB-Team oder einen NHB-Verantwortlichen, das/der den Prozess um die NHB organisiert. Die Daten werden von verantwortlichen Personen in den betroffenen Abteilungen (Personal, Finanzen, Qualität etc.) gesammelt und dem verantwortlichen Team bzw. der verantwortlichen Person zur Verfügung gestellt. Die Position des NHB-Teams variiert und befindet sich im Großteil der befragten Unternehmen von MOEL in der Kommunikationsabteilung (SLO1, LI1, LA1, LA2, SLO2, KR2, CR1, SK2, DE2a, Aus1, PL1, PL 2b). In Deutschland sowie teilweise in MOEL in einer eigenständigen Nachhaltigkeitsabteilung oder Health, Safety & Environment (HSE)-Abteilungen (SLO2, AUS2, DE1, DE2b, PL2, LI2,CR2). In einem kroatischen Unternehmen ist der Bereich Controlling für die Berichterstattung verantwortlich (KR1). Die Größe der Teams variiert zwischen einer Person (LI2, LA2, PL2b) und sechs Personen, die sich direkt mit der NHB selbst beschäftigen (dabei sind die Verantwortlichen, die die relevanten Daten liefern, nicht mit einbezogen). In der Mehrheit der Unternehmen aus WE ist das Nachhaltigkeitsmanagement, in der auch die NHB eingebettet ist, als Stabstelle eingerichtet und ist damit direkt dem Vorstand zugeordnet. In manchen Unternehmen wurde zur NHB ein sog. Steering Komitee in die Gestaltung des Berichts mit einbezogen, das aus Vertretern der wichtigen betroffenen Abteilungen besteht und die NHB maßgeblich mitgestaltet 6. Modell 2: interne Faktoren 184 (AUS2, AUS1, DL2a, DL2b, SLO1). In anderen Unternehmen wiederum wird der Bericht von nur einer Person ausgestaltet, die dann auf die Daten anderer Abteilungen individuell zugreift. (LA2) Der Prozess der Berichterstattung verläuft sehr unterschiedlich routiniert. Ein Teil der Unternehmen greift auf eine extra für die NHB aufgebaute Datenbank zurück. Die Verantwortlichkeiten, Datensammlung und Kennzahlendefinitionen sind mit Regelwerken hinterlegt, so dass jeder Verantwortliche weiß, welche Daten zu welchen Zeitpunkten in das System eingepflegt werden sollen. (DE2a, DE2b, AUS2, AUS1) »Der Formalisierungsgrad der Informationsgenerierung ist sehr sehr hoch, weil man kann nur ein vernünftiges Reporting machen, man kann nur steuern, wenn man da vernünftige Prozesse implementiert hat und Definitionen mi IT-Systemen größtenteils mit Vier-Augen-Prinzip, mit Kontrollmechanismen und all diesen Dingen.« (DE2b) Ein Großteil der Daten kann dann »per Knopfdruck« zur Verfügung gestellt werden, allerdings sind die Systeme teilweise noch nicht ausreichend ausgereift, so dass die Daten gelegentlich noch von Hand nachgetragen werden müssen (AUS2, SLO2). Auch kann es passieren, dass aufgrund der wechselnden Relevanz von Themen Daten nachträglich eingefordert werden müssen, so dass eine ad-hoc Generierung von Daten erfolgt. Unternehmen, die auf keine Datenbank zurückgreifen können, beginnen mit der Erstellung des eigenständigen NHB erst, nachdem der jährliche Finanzbericht veröffentlicht wurde (CR2, LIT2). Die dort erhobenen Daten gehen teilweise in den NHB über, fehlende Daten müssen dann entsprechend nacherhoben werden. Dabei wird deutlich, dass ein Teil der Daten im Unternehmen bereits in anderen Datenbanken vorliegen oder aber dass die Daten jedes Jahr aufs Neue erhoben werden, ohne dass es eine Sammelstelle für die vergangenen Daten gibt: »Contents are not connected with contacts. « (LI2) «There is content, this person can come and use. There aren’t any contact attached those he would need to search. « (LA2) »There is no database, data sources are spread across the entire company, but we have clearly defined who the responsible persons are. « (SLO1) Der Prozess wird ausgelöst, indem der Verantwortliche eine E-Mail an die Abteilungsleiter der relevanten Abteilungen schreibt und so die einzelnen Daten sammelt (LI2, KR2). Teilweise ist der Zeitpunkt mit Abschluss des Finanzberichts festgelegt. 6. Modell 2: interne Faktoren 185 6.3.4 Zukunftsvision Der Großteil der befragten Unternehmen sieht weiterhin einen steigenden Trend zur NHB und eine Zunahme eigenständiger Nachhaltigkeitsberichte (PL2b, LA2, DL1, DL2, DL2b, PL2b, PL1a, Aus1, Aus2, SL2, Sk2): »wir sind eigentlich eine Ausnahme, weil wir noch nichts veröffentlich haben bislang, es kommt ja bald. Aber es ist mehr oder weniger Stand der Dinge, dass man einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und es wird sicher zunehmen«. (AUS1) Die Unternehmen, die bereits einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, sehen eindeutig Veränderungen, die den Inhalt aber auch die Form betreffen. Zum einen wird die Berichterstattung deutlich faktorenorientierter (DE2a, LI2). Es werden viel mehr messbare Informationen im Vordergrund stehen. Damit wird auch eine deutliche Verkürzung der Berichte einhergehen, die in der Vergangenheit sonst ein erhebliches Ausmaß hatten« (DE2a, Lit2, PL2b). »Now we want go further and report more indicators. Year by year we see bigger progress. It used to be the highest quality of paper. Now we publish the reports on ecological paper. In future we will not print thick reports. The reports will be limited to brochure form. […] Online reports will be the trend«. (PL2b) »Transparency, Accountability, Traceability, das sind die Trends da wird man nicht drum herum kommen« (DE2b) Hinsichtlich des Formats werden digitale Formate stärker zunehmen, da so eine gezieltere Ansprache der Anspruchsgruppen möglich wird (DE2a, PL2b). Obgleich sich einige Experten eine stärkere Integration in die Managementsteuerung wünschen (DE2a, LI2, SLO2), sind sie sich nicht sicher, ob sich das IR durchsetzen wird. Ein Teil der Unternehmen, die keinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, sehen in der NHB lediglich einen »Mode-Trend«, der wieder abklingen wird. (KR1, LI1) »Sustainability is in popularity because it is promoted. Naturally such processes are not happening to us as perhaps we would like to. The regulation are clearly important […]»given the trends of the day, I really do not think that the company will decide to do separate Reports. « [LI1]- Insbesondere bleiben von der NHB nach wie vor große multinationale Unternehmen betroffen, wohingegen kleine Unternehmen sich diesem Trend aufgrund zu geringer Ressourcen nicht unterwerfen werden (CR2, SLO1, LA2. LI2). 6. Modell 2: interne Faktoren 186 «Certainly, all larger companies in foreign ownership perhaps have certain different standards than some other companies which have smaller number of employees and fewer activities, which by itself mean they have less need for such report and to approach this issue in such a structured way, which does not mean that they do not do some activities in the context of sustainability. Why they do not have a report, perhaps they will, perhaps they won’t, it’s hard to assess, since we are a small market and I do not see that the trend will define course in Croatia. Here is a limited number of companies for which it is meaningful to do such reports. « [CR2]. Die Mehrheit der Unternehmen, die keinen eigenständigen Bericht veröffentlichen, würde ihr Berichtsverhalten nur in dem Fall ändern, dass sich die lokalen Regularien diesbezüglich ändern. (LA1, LI1, CR1, PL1).614 In Österreich hat lediglich die Diskussion um die neue EU-Direktive, die 2017 Gültigkeit für alle EU Ländern haben wird, einen Trend zur NHB ausgelöst (Aus1). 6.4 Interpretation der Experteninterviews Der letzte Arbeitsschritt bei der Auswertung von Experteninterviews ist nach Meuser und Nagel die theoretische Generalisierung. Meuser und Nagel stufen die theoretische Generalisierung und die darin enthaltenen Interpretation innerhalb von Methodentriangulationen als verzichtbar ein.615 Dessen ungeachtet werden im Folgenden die Resultate der Experteninterviews jedoch interpretiert, um anschließend ein Hypothesenmodell ableiten zu können. Um Hypothesen ableiten zu können, werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der internen Faktoren in der NHB herausgestellt. Auf die Frage, wie unternehmerische Nachhaltigkeit definiert wird, werden die Definitionen aus den bekannten CSR- und Nachhaltigkeitskonzepten616 abgeleitet und stellen die Tripple Botton Line von Elkington in den Vordergrund. Konträr zu dem Zitat von Votaw und Sethi (1973): «The term is a brilliant one; it means something, but not always the same thing to everybody. To some it conveys the idea of legal responsibility or liability; to others it means socially responsible behavior in an ethical sense; ____________________ 614 Die neue EU-Direktive war noch nicht jedem Experten bekannt. 615 Vgl. Meuser und Nagel (1997), S. 445 ff. 616 Vgl. dazu Kapitel 2.1. 6. Modell 2: interne Faktoren 187 to still others, the meaning transmitted is that of ‘responsible for’, is a casual mode; many simply equate it with a charitable contribution. «617 unterscheiden sich die Definitionen scheinbar nicht inhaltlich, und nehmen durch bestimmte Schwerpunktsetzungen höchsten Bezug auf die jeweilige Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Es ist davon auszugehen, dass eine Konvergenz des Begriffs Nachhaltigkeit durch die Definition amtlicher Stellen (wie der EU oder der UN) herbeigeführt wurde, so dass zwischen berichtenden und nichtberichtenden Unternehmen und auch zwischen WE und MOE kein Unterschied gefunden werden konnte. Diese Erkenntnis geht mit der Aussage von Steurer und Konrad (2009) einher, die ebenfalls keine Unterschiede »not as stark as described in the literature on average companies« zwischen WE und MOE gefunden haben.618 Aufgrund der konvergierenden Definitionen ist davon auszugehen, dass das Verständnis von unternehmerischer Nachhaltigkeit keinen spezifischen Einfluss auf die NHB hat. Dies bestätigt jedoch auch Erkenntnisse von anderen Studien, die bemängeln, dass eine echte Verknüpfung von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie noch immer fehlt. Die Definitionen sind jedoch nur scheinbar ähnlich. Zum einen bleiben diese sehr unkonkret und beinhalten keine Angabe, die über das Konzept der »unternehmerischen Nachhaltigkeit« hinausgeht. Zum anderen wird hinsichtlich der unternehmerischen Aktivitäten deutlich, dass Votaw und Sethi bereits 1973 Recht hatten mit ihrer Aussage. Obwohl alle Unternehmen unternehmerische Nachhaltigkeit sehr ähnlich definieren, wird anhand der Aktivitäten deutlich, was Unternehmen tatsächlich unter unternehmerische Nachhaltigkeit verstehen. Während ein Teil der interviewten Unternehmen nur nachhaltige Tätigkeiten philanthropischer Natur durchführen, haben andere Unternehmen Nachhaltigkeit in Teilen ihrer Geschäftstätigkeit verankert.619 Nach Schneider existieren vier Stufen, in die das nachhaltige Engagement eines Unternehmens eingeordnet werden kann.620Er hat ein Reifegradmodell entwickelt, welches auf dem Stufenmodell von Caroll aufbaut. Das ____________________ 617 Votaw und Sethi (1973), S. 11 f. zitiert nach Coelho et al. (2003), S. 15. 618 Steurer und Konrad (2009), S. 23. 619 Vgl. dazu ausführlich Argandoña und von Weltzien Hoivik (2009), die sich mit dem Konzept CSR im internationalen Kontext auseinandergesetzt haben. 620 Schneider erweitert die CSR-Pyramide von Caroll, die auch 4 Stufen beinhaltet, jedoch inhaltlich anders definiert sind. Die Pyramide gilt jedoch aufgrund der Erweiterung des CSR Begriff als veraltet. Vgl. dazu Carroll (1991) und Schneider (2012), S. 17 ff. 6. Modell 2: interne Faktoren 188 Reifegradmodell wird durch eine Pyramide dargestellt, die theoretisch eine nach oben offene Skala enthält (s. dazu Abbildung 23). Bei der CSR Stufe 1 hat sich durch Zufall oder durch die Geschäftstätigkeit selbst eine gesellschaftliche Entwicklung entfalten können. Dabei handelt es sich nicht um CSR im eigentlichen Sinn. Vielmehr entsteht durch die Tätigkeit des Unternehmens »CSR«, indem z.B. durch die Erbringung von Dienstleistungen oder die Herstellung von Produkten Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze geschaffen werden. Unternehmen erfüllen damit lediglich ihre ökonomische Funktion unter Einhaltung bestehender Gesetze. Der Reifegrad 2 ist dadurch gekennzeichnet, dass Unternehmen vorrangig philanthropisches CSR betrieben. Damit sind unternehmensfremde Aktivitäten und Maßnahmen wie Spenden, Sponsoring etc. gemeint, die das eigene Unternehmen bzw. dessen Kerngeschäft nicht betreffen und damit auch kaum Auswirkung auf die eigentliche Geschäftstätigkeit oder Geschäftsstrategie haben.621 CSR-Maßnahmen werden eher unsystematisch eingeführt, da sie nur einen Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigen oder nicht im ganzen Unternehmen verankert sind. ____________________ 621 Vgl. dazu Kapitel 2.1. 6. Modell 2: interne Faktoren 189 Abbildung 23: CSR-Reifegradmodell nach Schneider 622 Unternehmen, die den Reifegrad 3 erreicht haben, haben CSR als Managementkonzept im Unternehmen integriert. Aktivitäten zielen auf das Kerngeschäft ab (Produkt- und Prozessinnovationen, Ressourcen-Effizienz, ressourcenschonende Produkte, nachhaltige und verantwortungsvolle Lieferbzw. Wertschöpfungsketten). CSR wird als bewusstes und sogfältiges Planen und Managen von Verantwortung wahrgenommen, die in enger Absprache mit den Anspruchsgruppen erfolgt. Ziel ist weitestgehend die Berücksichtigung der drei Säulen der Nachhaltigkeit. Unternehmen, deren Engagement sich in Stufe 4 einordnen lässt, sind »antizipative wirtschafts-, gesellschafts- und umweltpolitische Gestalter gesellschaftlicher Herausforderungen im Rahmen der Einflussmöglichkeiten mit dem Anspruch einer nachhaltigen Veränderung der Rahmenbedingungen.«623 Auf Basis der Aktivitäten der Stufe drei werden darüber hinaus Regulierungen nicht nur befolgt, sondern mitgestaltet, was sich z.B. durch selbstgeschaffene Standards innerhalb der Supply Chain ausdrücken kann. Werden die interviewten Unternehmen anhand ihrer Unternehmensaktivitäten in die verschiedenen Reifegrade eingeteilt (s. dazu Abbildung 24), ____________________ 622 Vgl. Schneider (2012), S. 33. 623 Schneider (2012), S. 37. CSR Stufe 4 Unternehmen als proaktive Gestalter CSR Stufe 3 unternehmerische und gesellschaftliche Wertschöpfung durch integriertes Management und Systematik CSR Stufe 2 philanthropisches CSR sowie CSR Bausteine ohne Systematik CSR Stufe 1 gesellschaftliches Engagement 6. Modell 2: interne Faktoren 190 wird deutlich, dass keines der Unternehmen den Reifegrad 4 bisher erreicht hat. Weiterhin wird deutlich, dass alle Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, den Reifegrad 3 erreicht haben und somit hinsichtlich des Reifegrads insgesamt besser abschneiden als die Unternehmen, die keinen eigenständigen Bericht veröffentlichen. Ihre nachhaltigen Aktivitäten gehen über die reinen philanthropischen Aktivitäten hinaus. Unternehmen, die nicht berichten, verteilen sich auf drei Reifegradstufen, wobei die Mehrheit im Reifegrad 2 zu finden ist. Drei Unternehmen sind im Reifegrad 3, berichten jedoch nicht über ihre nachhaltigen Aktivitäten. Zwei der befragten Unternehmen, die keine Aktivitäten über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus ausüben, wurden der Stufe 1 zugeordnet. Es ist daher davon auszugehen, dass der CSR-Reifegrad einen Einfluss darauf hat, ob Unternehmen einen eigenständigen Bericht veröffentlichen. Inwieweit sich diese Aussage verallgemeinern lässt, muss im zweiten Schritt der Triangulation noch geprüft werden. Hinsichtlich der genannten Motive, warum Unternehmen einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, stimmen diese mit der gegenwärtigen Literatur überein. In den letzten Jahren hat die Legitimation der Geschäftstätigkeit gegenüber der Gesellschaft für Unternehmen stetig an Bedeutung gewonnen. Eine transparente, glaubwürdige und regelmäßige NHB kann das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit gegenüber dem Unternehmen stärken, die Profilierung als nachhaltig agierende Unternehmen bestärken und damit die Reputation des Unternehmen steigern.624 Mit der Entwicklung von formalen Strukturen wie Verhaltenskodizes oder der Informationsherausgabe von Nachhaltigkeitsberichten, die mit sozialen Normen, Werten und gesellschaftlichen Vorstellungen übereinstimmen, demonstrieren Unternehmen ihre soziale Verantwortlichkeit.625 Unternehmen können nach Talaulicar (2006) durch Kodizes ihre Akzeptanz bei gesellschaftlichen Anspruchsgruppen stärken, indem »ordnungsgemäß geführte und sozial verantwortliche Unternehmen über derartige Dokumente verfügen.«626 Da- ____________________ 624 Vgl. Stawinoga, S. 18. 625 Vgl. Karmasin und Litschka (2008), S 164. 626 Talaulicar (2006), S. 132. 6. Modell 2: interne Faktoren 191 mit nutzen die Unternehmen zudem die Signalwirkung, die von Nachhaltigkeitsberichten ausgeht, ein verantwortungsvolles Unternehmen zu sein.627 Abbildung 24: Einteilung der interviewten Unternehmen in das CSR- Reifegradmodell628 Der Nachhaltigkeitsbericht wird damit in erster Linie als Kommunikationsmittel genutzt und weniger zur Steuerung der gesamten nachhaltigen Aktivitäten eines Unternehmens. Konträr zu der ursprünglichen Intention mit einem eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht verschiedene Zielgruppen zu adressieren,629 werden in den Interviews hauptsächlich Investoren, Ratingagenturen und Analysten als Leserschaft genannt. Die Öffentlichkeit und Privatkunden selbst scheinen zumindest auf den Inhalt bezogen eine untergeordnete Rolle zu spielen.630 Dies geht mit den Beobachtungen von Safraty ____________________ 627 Vgl. Ioannou und Serafeim (2014). 628 Eigene Darstellung. 629 Zu nennen sind Mitarbeiter, Anwohner, Kunden, Behörden, Lieferanten, Investoren oder Medien (vgl. Schach (2015), S. 184.; Ioannou und Serafeim (2014), S. 31). 630 Hinsichtlich der Signalwirkung, dass ein Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht wird, verhält es sich jedoch anders. Stufe 1 Berichtende Unternehmen Nicht-berichtende Unternehmen Unternehmen aus MOE Unternehmen aus WE Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 DE1 LAT1 SLK1 AUS1 DE2bDE2a AUS2 CR1 SLO2 SLO1 LIT1 PL1 PL2a PL2b CR2 CR1 SLK2 6. Modell 2: interne Faktoren 192 (2012) einher. Sie fand heraus, dass die «GRI is no longer aimed at empowering its original audience (communities, consumers, NGOs, and social investors) to hold corporations account-able.”631 An Stelle der Gesellschaft sind Investoren, Investment Manager und Analysten als Zielgruppe des eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts getreten.632 Unternehmen, die keinen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, sehen aufgrund der fehlenden Leserschaft und für sie nicht vorhandenen Nutzens keine Notwendigkeit, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Vielmehr wird die Berichterstattung als ein »nice to have« gesehen, auf das jedoch aufgrund des finanziellen und zeitlichen Aufwands und des nicht zu verzeichnenden Nutzens verzichtet wird. Dies geht einher mit den Erkenntnissen von Stubbs et al. (2013), die ähnliche Ergebnisse bei der Befragung von Minenunternehmen in Australien gemacht haben. Die unterschiedlichen Motivationsaspekte bzw. Hinderungsgründe hängen eindeutig mit der Veröffentlichung eines eigenständigen NHB zusammen. Hinsichtlich der Motivation und Hindernisse wurden keine Erkenntnisse, die nicht bereits in der wissenschaftlichen Literatur vorhanden waren, generiert. Erst wenig ist über den Prozess der Datensammlung der NHB aber auch über die Nutzung der Daten, die über die externe Berichterstattung hinausgehen, bekannt. 633 Unternehmen, auch wenn sie keinen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, erheben in der Regel Daten, um z.B. den Erfolg einer nachhaltigen Aktivität messen zu können. Teilweise werden die Daten auch für die Berichterstattung im Jahresbericht verwendet. Die Strukturen der Datensammlung unterscheiden sich dabei innerhalb der Unternehmen stark. Nach Adams (2008) sind die internen Prozesse ein wichtiger Faktor in der Erhebung nachhaltig relevanter Daten.634 Die internen Prozesse unterscheiden sich zum einen anhand der Anzahl der Personen, die am Datensammlungsprozess beteiligt sind. Der Anteil der Personen schwankt innerhalb der befragten Unternehmen und kann zudem auch nur schwer beziffert werden, i.d.R. wird der Prozess jedoch von einer Person oder einen Kernteam gelenkt. Die Anzahl der Personen jedoch, die Daten zum Bericht zuliefern, ist sehr viel höher und variiert mit der Größe des Unternehmens. ____________________ 631 Safraty (2012), S. 607. 632 Vgl. Hess (2007) S. 17. 633 Vgl. Vgl. Roca und Searcy (2012), S. 104; Adams et al. (2007), S.383 ff.; Adams (2002), S. 223 ff., Bennett et al. (2013), S. 17 ff. 634 Vgl. Adams (2008). 6. Modell 2: interne Faktoren 193 Zum anderen sind die Prozesse zur NHB auch unterschiedlich ausgeprägt. Das eine Extrem sind Unternehmen, die interne Prozesse zur Erhebung nachhaltiger Informationen so gestaltet haben, dass sie schriftlich formalisiert sind und dabei die verantwortlichen Personen klar ausweisen. Die Datensammlung erfolgt dezentral und regelmäßig zu einem festgelegten Zeitpunkt. Die Daten werden in einer Datenbank abgelegt, auf die unternehmensweit zugegriffen werden kann. Das andere Extrem beschreibt Unternehmen, deren Prozesse dadurch gekennzeichnet sind, dass Verantwortlichkeiten und Ziele im Datenerhebungsprozess nicht definiert sind und die Informationen ad hoc auf Zuruf erstellt werden von demjenigen Mitarbeiter, der gerade mit dieser Aufgabe betreut ist. Die Datensammlung erfolgt damit zentral, es gibt keine gemeinsame Datenbank, auf die zugegriffen werden kann. 635 Die befragten Unternehmen spiegeln die Bandbreite zwischen den beiden Extremen wider. Es wird jedoch deutlich, dass die Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, einen höheren Grad der Routine und Formalisierung in den Prozessen aufweisen, die von einer Datenbank unterstützt werden, in die zumindest die gesammelten Daten abgelegt werden. Gut formalisierte und routinierte Organisations- und Arbeitsstrukturen können so den Prozess der Datensammlung unterstützen.636 In den meisten Unternehmen ist das Thema Nachhaltigkeit und NHB in der Kommunikationsabteilung angesiedelt. Es fällt jedoch auf, dass Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht erfassen, auch häufiger eine eigene Nachhaltigkeitsabteilung vorweisen, die i.d.R. als Stabsfunktion direkt der Geschäftsführung untergeordnet ist. Dies geht mit den Ergebnissen von Schaltegger und Zvezdov (2012) einher, die festgestellt haben, dass eine eigenständige Abteilung, die für die sozialen und Umweltaktivitäten verantwortlich ist, eher in der Lage ist, Informationen zentral zu sammeln, Fortschritte zu überprüfen sowie einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.637 Hinsichtlich der Zukunftsvision bildet sich deutlich ab, dass sich die Unternehmen in unterschiedlichen Phasen der NHB befinden. Ein Teil der Unternehmen berichtet nicht über Nachhaltigkeit und wird auch in Zukunft nur dann über Nachhaltigkeit berichten, wenn dies vom Gesetzgeber gefordert wird. Sie sehen das Thema NHB als Modetrend. Ein anderer Teil steht noch ____________________ 635 Vgl. dazu Bennett et al. (2013), S. 29. 636 Vgl. Napphasorn Krongkaew-arreya und Setthasakko (2013), S.2. 637 Schaltegger und Zvezdov (2012). 6. Modell 2: interne Faktoren 194 am Anfang der Berichterstattung oder plant, in Zukunft einen Bericht zu veröffentlichen. Sie sehen das Thema NHB mit Spannung und erwarten eine weitere deutliche Zunahme von Nachhaltigkeitsberichten innerhalb ihres Landes oder zumindest ihrer Branche. Es wird insbesondere mit einer Zunahme von Nachhaltigkeitsberichten bei großen Unternehmen gerechnet. Dies entspricht auch den Entwicklungsprognosen von KPMG, der GRI und der UNEP, die mit einem weiteren Anstieg eigenständiger Nachhaltigkeitsberichte rechnen.638 Allerdings existieren auch konträre Studienergebnisse, die einen leichten Rückgang zumindest in Deutschland und Österreich beobachtet haben.639 Dies kann zum einen damit erklärt werden, dass Unternehmen keinen Mehrwert in der Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts sehen. Die Nutzung verschiedener Medien, insbesondere der Onlinemedien, kann zu einer gewissen Sättigung an Informationen aus Sicht der Leser geführt haben, so dass andere Medien bevorzugt werden. Es kann jedoch auch sein, dass diese Zurückhaltung mit den noch nicht veröffentlichen Empfehlungen der neuen EU-Direktive zusammenhängt und damit für viele Unternehmen die Entwicklung in der NHB unklar ist. Die Prognosen sind daher von Land zu Land unterschiedlich. Der letzte Teil der Unternehmen hat bereits langjährige Erfahrung in der NHB. Der Nachhaltigkeitsbericht ist ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer nachhaltigen Aktivitäten geworden. Für sie steht vielmehr die Frage im Raum, wie sich der Nachhaltigkeitsbericht über seine Kommunikationsfunktion hinaus entwickeln wird und wie auf Grundlage des NHB eine tatsächliche Integration der Nachhaltigkeitsdimensionen auf der Managementebene realisierbar ist. Die Entwicklung einer integrierten Lösung wird seitens der Unternehmen noch in Frage gestellt, so dass sich auch hier eine Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis zeigt.640 6.5 Ableitung der Hypothesen Aus allen vier Themengebieten der Experteninterviews lassen sich verschiedene interne Faktoren ableiten, die einen Einfluss auf die NHB haben. Die größte Bandbreite an Unterschieden findet sich jedoch im CSR-Reifegrad und in den internen Prozessen. ____________________ 638 Vgl. Bartels et al. (2016). 639 Vgl. BSD Consulting Studie 2016, S. 4. 640 Vgl. Pütter et al. (2014). 6. Modell 2: interne Faktoren 195 Hinsichtlich des CSR-Reifegrades wurden alle Unternehmen, die einen eigenständigen Bericht veröffentlichen, höher eingestuft als die Unternehmen, die keinen eigenständigen Bericht veröffentlichen. Zum einen kann das darauf basieren, dass nur Unternehmen, die auch nachhaltige Aktivitäten durchführen, genug Inhalt für einen eigenständigen Bericht aufweisen können. Zum anderen können durch die Berichterstattung CSR Aktivitäten und nachhaltige Entwicklung besser gesteuert und beobachtet werden. Entsprechend den Ergebnissen aus den Experteninterviews soll folgende Hypothese geprüft werden: H1a: Unternehmen mit einem eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht weisen einen höheren CSR Reifegrad auf als Unternehmen ohne eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht Aus den Interviews geht zudem hervor, dass Unternehmen aus WE, selbst wenn sie keinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, hinsichtlich ihres CSR-Reifegrads höher eingestuft wurden als die Unternehmen aus MOE. Aus den Interviewergebnissen und auch der Tatsache, dass in WE mehr Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht werden als in MOE (s. dazu Untersuchung 1), wird folgende Hypothese abgeleitet: H1b: Unternehmen aus WE haben einen höheren CSR-Reifegrad als Unternehmen aus MOE Für die Veröffentlichung eines eigenständigen Berichts müssen Informationen zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Wirkung des Unternehmens gesammelt werden, die an verschiedenen Orten des Unternehmens gemessen werden. Die Ausgestaltung der Datenerhebungsprozesse ist davon abhängig, für welchen Zweck die nachhaltigkeitsrelevanten Informationen gesammelt werden. Ist der Zweck nicht klar, werden Informationen zuerst so erhoben, dass möglichst wenig Kosten anfallen. Ist die Datensammlung mit einem Zweck verbunden, wie der regelmäßigen Berichterstattung, ist davon auszugehen, dass Unternehmen ihre internen Berichtsprozesse ausbauen.641 Auch die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts kann dazu führen, wie aus den Ergebnissen der Interviews erkennbar, dass internen Berichtsstrukturen innerhalb von Unternehmen mit eigenständigem Bericht hinsichtlich ihres Formalisierungsgrads und Routinegrads ____________________ 641 Vgl. Bennett et al. (2013). 6. Modell 2: interne Faktoren 196 besser ausgeprägt sind. 642 Es ist daher von folgender Hypothese auszugehen: H2a: Unternehmen mit eigenständiger Nachhaltigkeitsberichterstattung weisen eine höhere Prozessausprägung hinsichtlich der Datensammlung nachhaltiger Informationen auf. Und analog zu H1b folgt auch H2b: H2b: Unternehmen aus WE weisen eine höhere Prozessausprägung hinsichtlich Formalisierung, Routine und Zentralisierung auf als Unternehmen aus MOE. Abbildung 25 zeigt das Untersuchungsmodell. Abbildung 25: Untersuchungsmodell 2 - Unterschiedshypothesen643 6.6 Operationalisierung der Variablen Zur Prüfung der abgeleiteten Hypothesen müssen die beiden Merkmale »CSR-Reifegrad« und »Ausprägung der internen Prozesse« operationalisiert werden. Die Operationalisierung der Unterscheidungsmerkmale ist insofern komplex, als die Beobachtungen aus den Interviews abgeleitet wurden und für »CSR-Reifegrad« und »Grad der Prozessroutine« hinsichtlich ____________________ 642 Vgl. Kapitel 6.6.3. 643 Eigene Darstellung. Unternehmen mit Nachhaltigkeitsbericht Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsbericht Unternehmen aus MOE Unternehmen aus WE CSR-Reifegrad Prozesse der Berichterstattung 6. Modell 2: interne Faktoren 197 NHB noch keine bisherigen Konstrukte existieren, auf die zurückgegriffen werden könnte. Da ein einzelner Indikator weder den CSR Reifegrad noch die Ausprägungen der internen Prozesse hinreichend exakt erheben und abbilden kann, werden jeweils mehrere Indikatoren für die theoretischen Konstrukte aufgenommen. Diese werden dann zu einem sogenannten Index zusammengefasst.644 Es gibt keine festen Vorschriften, die bei der Bildung von Indizes zu berücksichtigen sind. Die Indexkonstruktion ist damit eine rein theoretische Arbeit.645 Es gibt keine objektiven Gütekriterien, die es ermöglichen würden, festzustellen, dass alle relevanten Dimensionen des Konstrukts eindeutig bzw. vollständig berücksichtigt wurden. In der Regel kann ein Index nicht formal validiert, sondern lediglich durch seine theoretische oder empirische Nützlichkeit legitimiert werden.646 Die Indikatoren, die in den Index »CSR-Reifegrad« mit aufgenommen werden sollen, ergeben sich aus den Überlegungen zum Reifegradmodell von Carroll (1991) und Schneider (2012). Beide Modelle bestehen aus vier Stufen.647 Die CSR-Reife des Unternehmens macht sich auf verschiedenen Tätigkeitsfeldern des Unternehmens bemerkbar. Neben der Implementierung von CSR in die Strategie nennt Schneider noch das Supply Chain Management, Stakeholder Kommunikation und CSR-Aktivitäten, anhand derer die Unternehmen in die Stufen des CSR-Reifegradmodells eingeordnet werden können. ____________________ 644 Lazarsfeld begründet die Zusammenfassung u.a. wenn eine Zusammenfassung als theoretisch sinnvoll erscheint (Pragmatic reduction) (Lazarsfeld (1937), S. 127 f., zitiert nach Schnell, Hill & Esser 2005, S.161). 645 Vgl. Schnell et al. (2005). 646 Vgl. ebenda. 647 An dieser Stelle wird auf die genauen Ausführungen zum Reifegrademodell von Schneider in Kapitel 6.4 verwiesen. 6. Modell 2: interne Faktoren 198 Tabelle 25: Index »CSR-Reifegradmodell«648 Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Tätigkeitsfelder Passives CSR Philanthropisches CSR Integriertes Management Proaktiver Gestalter Strategieverknüpfung Keine CSR- Strategie Es gibt eine Nachhaltigkeitsstrategie, diese ist aber unabhängig von der Unternehmensstrategie CSR-Strategie ist Teil der Unternehmensstrategie CSR-Strategie ist die Unternehmensstrategie Supply Chain Management Keine Anforderungen in der Supply Chain Punktuelle Anforderungen in der Supply Chain Wertschöpfungskette mit durchgehendem Standard Wertschöpfungskette mit selbstdefiniertem Standard, der über die üblichen Erwartungen hinaus geht Stakeholder Kommunikation Kein Austausch zwischen Unternehmen und Stakeholdern hinsichtlich CSR Marketing-, PR-Maßnahmen bzgl. Stakeholder; Informationen an die Stakeholder sind unregelmäßig und an bestimmte Ereignisse geknüpft Regelmäßiger Dialog mit Stakeholdern Top-Down und Bottom Up Prozesse ____________________ 648 Eigene Darstellung, in Anlehnung an Schneider (2012). 6. Modell 2: interne Faktoren 199 CSR-Aktivitäten Gesellschaftliches Engagement, das per se oder durch Zufall eine gesellschaftliche Wirkung entfaltet Corporate Citizen-ship oder unsystematische CSR-Maßnahmen au- ßerhalb des Kerngeschäfts und voneinander isoliert Strategische Prozesse und operative Tätigkeiten sind miteinander verbunden und beziehen sich auch auf die Strategie In allen Bereichen sind nachhaltige Aktivitäten nachzuweisen. Der Index besteht aus vier Indikatoren, die entsprechend des Reifegrads vier verschiedene Ausprägungen (1-4) haben können, wie in Tabelle 25 dargestellt wird. Die Ausprägung der internen Prozesse wird mit Hilfe von fünf Indikatoren abgebildet. Die fünf Indikatoren, die die Ausprägungen der Prozesse abbilden, lassen sich sowohl aus den Interviews selbst als auch aus den Vor- überlegungen von Bennett et al. ableiten.649 Bei der Ausprägung der Prozesse wird unterschieden, • inwieweit der Informationsbeschaffungsprozess formalisiert ist (wie klar und spezifisch die Verantwortungen definiert und schriftlich fixiert sind), • inwieweit die Nachhaltigkeitsberichtsprozesse routiniert sind (ad hoc vs. routiniert), • inwieweit die Berichtsprozesse in einer Abteilung gebündelt und koordiniert werden (zentralisiert vs. verteilt im gesamten Unternehmen), • inwieweit die Informationen in ein IT-System gebündelt werden und • inwieweit ein Standard bei der Erstellung des Berichts eines Rolle spielt. ____________________ 649 Bennett et al. (2013). 6. Modell 2: interne Faktoren 200 Tabelle 26: Operationalisierung der Variablen des Modells 2 Die Ausprägung des Ausmaßes kann dabei von sehr ausgeprägt bis gar nicht ausgeprägt variieren und kann mit Hilfe einer fünfer-Skala bewertet werden. Tabelle 26 stellt die Operationalisierung der Merkmalsunterschiede »CSR Reifegrad« und »Ausprägung der internen Prozesse« und der beiden Gruppenvariablen dar. Die Gruppenvariablen sind jeweils Indikatorvariablen und nehmen die Werte 0 oder 1 an. Nachdem die Indikatoren festgelegt wurden, die die Indizes mit einbeziehen sollen, muss weiterhin darüber entschieden werden, wie die Werte der verschiedenen Indikatoren zu einem Index zusammengefasst werden sollen. Nach der Form der Zuordnungsregel wird in additive, multiplikative und gewichtete Indizes unterschieden.650 Das Modell der additiven Indexkonstruktion unterstellt, dass sich die Werte der einbezogenen Indikatoren gegenseitig kompensieren. Diese Annahme ist jedoch nur dann richtig, wenn sämtliche Indikatoren unabhängig voneinander einen Einfluss auf die zu messende Dimension ausüben651. Soll jedoch das Fehlen eines Merkmals den niedrigsten Wert des Index bewirken, so kann ein multiplikativer Index ____________________ 650 Vgl. Bortz und Döring (2013). 651 Vgl. Kromrey (2000). Dimensionen Kategorie Beschreibung und Erklärung Quelle Veröffentlichung eines alleinstehenden Nachhaltigkeitsberichts Indikatorvariable entspricht 1 für Veröffentlichung, 0 für keine Veröffentlichung Westeuropa / Mittel- und Osteuropa (WE/MOE) Indikatorvariable entspricht 1 für WE, 0 für MOE C S R R e ife g ra d (C S R ) Stakeholderkommunikation 4 Stufen Schneider (2012) Verknüpfung CSR- Strategie CSR-Aktivitäten Anforderung in der Supply Chain A u sp rä g u n g d e r in te rn e n P ro ze ss e Routinierte Prozesse (ROU) Sehr routiniert – gar nicht routiniert (5-Likert Skala) Formalisierungsgrad der Prozesse (FORM) Sehr formalisiert – gar nicht formalisiert (5-Likert Skala) Standardisierungsgrad (CEN) Sehr standardisiert– gar nicht standardisiert (5-Likert Skala) Indikatorsystem (IT) Sehr ausgeprägt– gar nicht ausgeprägt (5-Likert Skala) 6. Modell 2: interne Faktoren 201 verwendet werden. Multiplikative Indizes verknüpfen die einzelnen Indikatoren multiplikativ. Ist jedoch nur ein Indikator unerfüllt, so entspricht das Resultat bzw. das Produkt Null.652 Weiterhin können Merkmalsausprägungen der Indikatoren innerhalb eines Index gewichtet werden, im Fall dessen, dass ein Indikator stärker als die anderen Indikatoren auf die Zieldimension einwirkt. Die Gewichtung kann jedoch nicht empirisch gewonnen und nur selten aus theoretischen Überlegungen abgeleitet werden653. In der Regel wird ein gleichgewichteter Index empfohlen, wenn keine Gewichtungen bekannt sind.654 Es wird zudem angenommen, dass die Indikatoren gleich stark auf die Zieldimensionen wirken. Damit wird ein additiver bzw. Mittelwertindex verwendet.655 6.7 Standardisierte Befragung: Der Fragebogen Im Gegensatz zu Interviews wird bei einer standardisierten Befragung die statistische Repräsentativität angestrebt. Zur empirischen Untersuchung des Zusammenhangs der internen Faktoren und NHB wurden die 300 größten Unternehmen aus der Herstellenden Industrie, Energieproduktion, Handel, Information und Kommunikation sowie Bau befragt.656 Es wurden alle Länder bis auf Bulgarien befragt. Die Ergebnisse aus Slowenien lagen zum Zeitpunkt der Auswertung nicht vollständig vor und bleiben hier unberücksichtigt, so dass das Sample folgende Länder umfasst: Deutschland, Österreich, Tschechische Republik, Slowakische Republik, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Kroatien, Rumänien und Polen. 6.7.1 Entwicklung und Aufbau des Fragebogens Die standardisierte Befragung wird anhand eines Fragebogens durchgeführt. Der Fragebogen setzt sich in erster Linie nicht aus offenen, sondern aus geschlossenen Fragen zusammen. Diese sind dadurch charakterisiert, ____________________ 652 Vgl. Schnell et al. (2013). 653 Vgl. ebenda. 654 Vgl. Bortz und Döring (2013). 655 Der Mittweltindex wird aus dem additiven Index gebildet. 656 Das Sample aus dem Untersuchungsmodell musste erweitert werden, da bei Fragebögen von einer geringen Antwortquote ausgegangen werden muss. Um entsprechend viele Antworten zu erhalten, wurde das Sample erweitert. 6. Modell 2: interne Faktoren 202 dass vorgegebene Antwortmöglichkeiten existieren, aus denen der Befragte eine auswählt.657 Fragebögen können in gedruckter Form oder durch eine Onlineumfrage durchgeführt werden. Aufgrund der Praktikabilität fand die vorliegende Befragung in Form einer Onlineumfrage statt.658 Der Fragebogen wurde in englischer Sprache erstellt und folgt einer inhaltlichen Strukturierung in vier Themenblöcken (siehe hierzu Abbildung 26). Im ersten Themenblock wurden Fragen über den CSR Reifegrad gestellt. Die Fragen konnten mit einer verbalen Skala, die vier Abstufungen enthält, beurteilt werden (s. dazu Tabelle 25). Der zweite Themenbock beinhaltet Fragen zu den Berichtsprozessen und -strukturen. Diese konnten mit Hilfe einer bipolaren Skala mit fünf Abstufungen beurteilt werden.659 Abbildung 26: Themenfelder des Online-Fragebogens660 Vor beide Themenblöcke wurde eine inhaltliche Einführung, die eine Definition von CSR und eine Definition von NHB beinhaltete, eingeschoben. ____________________ 657 Vgl. Porst (2014). 658 Von Onlinebefragung wird gesprochen, wenn der Fragebogen auf einem Server abgelegt ist und von den Befragten online ausgefüllt wird. Onlinebefragungen haben einer schriftlichen Befragung gegenüber den Vorteil, dass sie den Aufwand des Ausfüllens und der Rücksendung reduzieren. Zudem ist es möglich, Antworten und Daten direkt in die Auswertungssoftware zu übertragen, was Fehler bei der Datenübertragung ausschließt. Nachteile in der Onlinebefragung werden darin gesehen, dass der Befragte keine Sicherheit über die Anonymität der Daten hat. Zudem ist die Flexibilität eingeschränkt, als dass eine Online Befragung i.d.R. nicht wie im Papierformat unterbrochen werden kann (Atteslander, 2010 S. 166 ff.). 659 Bearden und Netemeyer (1999). 660 Horváth et al. 2015 (im Druck a). Organization’s capabilities and main activities Process of sustainability reporting regarding: Routine IT system Centralization Formalization Standards Level of integration of corporate sustainability regarding: Strategy Actvities Stakeholder communication Supply chain Accounting Managing sustainability reporting: Who is involved in data collection? What is sustainability information used for? What sustainability information is collected? 6. Modell 2: interne Faktoren 203 Damit wurde sichergestellt, dass bei den Befragten ein einheitliches Grundverständnis vorliegt. Der dritte Themenblock besteht aus Fragen zum Nachhaltigkeitsbericht selbst, wer diesen liest, welchen Fokus der Nachhaltigkeitsbericht hat und wer in die Datensammlung involviert ist. Der letzte Themenblock beinhaltet die Abfrage von persönlichen Angaben sowie Angaben zum Unternehmen, die aus Single-Choice (Dropdown), multiple Choice und kurzen offenen Fragen bestehen (z.B. Name der Abteilung). Das Auswahlfeld »keine Angaben« wurde mit dem Ziel, eine möglichst vollständige Datenbasis zu erhalten, bewusst weggelassen. Der Fragebogen wurde technisch so umgesetzt, dass Fragen nicht übersprungen werden konnten. Um die semantische Äquivalenz der Indikatoren in englischer und der jeweils anderen Sprache sicherzustellen, wurde die sog. Translation-Backtranslation-Methode angewandt.661 Der Fragebogen wurde auf englischer Sprache erstellt, dann in die jeweilige Landessprache übersetzt und schließlich wieder rückübersetzt. Dies gewährleistet, dass die Fragen und Begriffe im jeweiligen Land eindeutig verstanden werden und damit wiederum das allgemeine Fragenverständnis gewährleistet werden kann. Fach- oder Schlüsselbegriffe wurden entsprechend erläutert und an die Sprache des jeweiligen Ziellandes angepasst und mit anschaulichen Beispielen ergänzt.662 ____________________ 661 Vgl. Beaton et al. (2000); Brislin (1970). 662 Vgl. Jonkisz et al. (2012). 6. Modell 2: interne Faktoren 204 Abbildung 27: Screenshot der Online- Befragung663 A bb il du ng 2 8: S cr ee ns ho t d er O nl in e- B ef ra gu ng 66 4 6. Modell 2: interne Faktoren 205 Um die Motivation der Befragten aufrecht zu erhalten und die Genauigkeit der Beantwortung zu gewährleisten, wurde darauf geachtet, dass die Items möglichst einfach formuliert sind. Der Fragebogen selbst wurde auf wenige Items begrenzt664 und so konstruiert, dass das Ausfüllen des Fragebogens nicht länger als 10-15 Minuten in Anspruch nimmt. Vor der Freischaltung wurde der Fragebogen einem Pre-Test unterzogen. Dieser diente dazu, die Verständlichkeit und Bedeutung der Fragen, den Effekt der Fragenreihenfolge, die Vollständigkeit der Antwortmöglichkeiten sowie auftretende Schwierigkeiten und Belastungen während der Beantwortung noch vor der empirischen Erhebung zu überprüfen.665 Neben zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern wurden zwei Experten aus der Unternehmenspraxis für den Pre-Test hinzugezogen. Aufgrund der internationalen Ausrichtung der Untersuchung wurden dabei Vertreter aus verschiedenen Ländern ausgewählt, damit auch kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden. Zudem wurden Unternehmensexperten eingebunden, um ein ganzheitliches Bild über die Fragebogenqualität zu erhalten. In mehreren Reflexionsgesprächen mit den Projektteilnehmern und Praxispartnern wurden kleinere Veränderungen vorgenommen. Der vollständige Fragebogen wird im Anhang wiedergegeben. Ein Screenshot der Online Befragung ist in Abbildung 27 zu sehen. 6.7.2 Durchführung der Fragebogenumfrage Im Gegensatz zu den Interviews wird bei einer standardisierten Befragung die statistische Repräsentativität angestrebt. Zur empirischen Untersuchung des Zusammenhangs der internen Faktoren und NHB wurden die 300 größten Unternehmen aus der Herstellenden Industrie, Energieproduktion, Handel, Information- und Kommunikation und Bau befragt.666 Die technische Umsetzung des Fragebogens als Online-Fragebogen erfolgte mittels der Befragungssoftware Limesurvey. Limesurvey wurde insbesondere aus dem Grund gewählt, als hier eine Vervielfältigung in verschiedenen Sprachen leicht umsetzbar ist. Die Befragten hatten die Möglichkeit, in ihrer jeweiligen Landessprache zu antworten. Die Teilnahme der ____________________ 663 Eigene Darstellung. 664 Vgl. Bühner (2011), S. 129. 665 Vgl. Porst (2014), S. 185 ff. 666 Das Sample aus dem Untersuchungsmodell 1 musste erweitert werden, da bei Fragebögen von einer geringen Antwortquote ausgegangen werden muss und so nicht genügend Antworten zu Stand gekommen wären. 6. Modell 2: interne Faktoren 206 Befragung konnte nur mit einem Link, der zum Onlinefragebogen führt, erfolgen. Dir Fragebogenumfrage wurde von Juli 2015 bis Mai 2016 durchgeführt. Die Unternehmen wurden zunächst telefonisch kontaktiert, um den Kontakt zum Key Informant herzustellen. Der Key Informant wurde dann per E- Mail eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. War der Key Informant bereits bekannt, wurde er direkt per E-Mail eingeladen. Die E-Mail enthielt neben einem persönlichen Anschreiben, in dem Ziel und Zweck der wissenschaftlichen Studie herausgestellt wurden, den Link zur Onlineteilnahme. Neben der Versendung der Ergebnisse wurde den Teilnehmern die Vertraulichkeit der Daten zugesichert. Nach etwa sechs Wochen erhielten die Umfrageteilnehmer eine erneute Erinnerung durch eine weitere Email. Die Teilnahme wurde anonymisiert durchgeführt und die Daten wurden auf dem Server des Onlinefragebogenservice gespeichert. 6.7.3 Beschreibung des Untersuchungssamples 6.7.3.1 Rücklauf des Untersuchungssamples Die Ergebnisse der elf Länder lagen bis zum 31. März 2016 vor. Innerhalb des Befragungszeitraums wurden 3234 Fragebogenaufrufe per E-Mail versendet (s. dazu Abbildung 29). Davon konnten 123 Emails nicht zugestellt werden. Von den 3111 Aufrufen wurde 2494 nicht beantwortet, und 106 wurden vorzeitig abgebrochen. 6. Modell 2: interne Faktoren 207 Abbildung 28: Rücklaufquote667 Abbildung 29: Antwortverteilung nach Ländern und Branche668 Zudem mussten 96 Antworten ausgeschlossen werden, da sie nicht in die Stichprobe gehörten. Hieraus resultiert eine bereinigte Stichprobe von 415 Fragebögen (Nettorücklaufquote 12 %). Diese Rücklaufquote ist als mäßig anzusehen, jedoch für eine internationale Studie vergleichsweise normal.669 Es sind alle Länder MOEs bis auf Bulgarien und Slowenien in der Stichprobe vertreten. Während Bulgarien bereits im Vorfeld aus der Fragebogenstudie ausgeschlossen wurde, lagen die Antworten von Slowenien zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht vor und konnten daher nicht berücksichtigt werden.Abbildung 29 zeigt die relative Verteilung der Antworten nach Ländern und nach Branchen. ____________________ 667 Eigene Darstellung. 668 Eigene Darstellung. 669 Vgl. dazu Müller (2015). Das eigentliche Ziel, mindestens 30 vollständige und nutzbare Antworten je Land zu erhalten, konnte nicht in jedem Land erzielt werden. 3234 415 123 2494 106 96 Angeschrieben Keine Zustellung der E-Mail Keine Teilnahme Vorzeitiger Abbruch Ausschluss Gültige Antworten Antwortverteilung nach Ländern Antwortverteilung nach Branchen 7,2% 9,9% 5,1% 15,2% 9,2% 9,4% 9,6% 10,6% 9,2% 4,3% 10,4% Österreich Deutschland Ungarn Tschechische Republik Slovakische Republik Rumänien Polen Kroatien Littauen Lettland Estland 3,4% 55,2% 18,6% 7,7% 9,6% 5,5% mehrere Angaben Herstellende Industrie Handel IT & Kommunikation Energie Bau 6. Modell 2: interne Faktoren 208 6.7.3.2 Struktur des Untersuchungssamples Tabelle 27: Anzahl der Antworten pro Land und Region670 Stichprobe Gesamt 415 Teilstichprobe MOE 344 Estland 43 Kroatien 44 Lettland 18 Litauen 38 Polen 40 Rumänien 39 Slowakische Republik 38 Tschechische Republik 63 Ungarn 21 Teilstichprobe WE 71 Deutschland 41 Österreich 30 Insgesamt umfasst die Stichprobe 415 Antworten, davon sind 344 aus MOE und 71 aus WE. Tabelle 27 zeigt die Häufigkeitsverteilung der Antworten innerhalb der Länder und Regionen. Es folgt eine grobe Beschreibung der beiden Teilsamples, genaue Details sind der Untersuchung von Horváth et al. (im Druck a) zu entnehmen. Abbildung 30 zeigt die Verteilung der beiden Teilsamples nach Industrien. Mit 70 % im WE-Sample und 52 % im MOE-Sample dominiert die herstellende Industrie vor allen anderen, gefolgt vom Handel und dem Energiesektor. ____________________ 670 Eigene Darstellung. 6. Modell 2: interne Faktoren 209 Abbildung 30: Verteilung der Teilsamples nach Industrien671 Hinsichtlich der Anzahl der Mitarbeiter (s. dazu Abbildung 31) beschäftigt der Großteil der Unternehmen aus dem WE-Sample mehr als 1000 Mitarbeiter (69%). 4% der untersuchten Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter und gehören nach EU Definitionen den klein- und mittelständischen Unternehmen an. Die Unternehmen aus dem MOE Sample sind im Durschnitt etwas kleiner als die Unternehmen aus WE. 42% der Unternehmen haben mehr als 1000 Mitarbeiter. Etwa 47% haben mehr als 250 aber weniger als 100 Mitarbeiter und etwa 11% haben weniger als 250 Mitarbeiter, was insbesondere durch die kleineren Länder (bspw. die baltischen Länder) zu erklären ist. Abbildung 31: Anzahl der Mitarbeiter Der Jahresumsatz spiegelt auch hier deutlich wider, dass die Unternehmen aus dem WE- Sample deutlich größer sind als die Unternehmen aus MOE. Der Großteil der Unternehmen aus dem WE-Sample (59%) realisiert einen Umsatz von mehr als 500 Mio. €. Der Anteil ist damit deutlich höher als im MOE-Sample, der nur 20% beträgt. Die Mehrheit der Unternehmen (38%) ____________________ 671 Eigene Darstellung. 9% 6% 52% 9% 20% 4% 11% 4% 70% 1% 13% 0% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% Energie Bau herstellende Industrie IT & Kommunikation Handel nn MOE WE 10% 20% 24% 29% 18% Gesamt 1-250 251-500 501-1000 1001-5000 >5000 11% 21% 26% 28% 14% MOE 1-250 251-500 501-1000 1001-5000 >5000 4% 14% 13% 31% 38% WE 1-250 251-500 501-1000 1001-5000 >5000 6. Modell 2: interne Faktoren 210 aus MOE realisieren einen Umsatz von mehr als 101 Mio. €, aber weniger als 500 Mio. €. Beide Teilsamples ähneln sich hinsichtlich der Eigentumsform. Etwa die Hälfte der Unternehmen in beiden Samples ist in Privatbesitz (54 % in WE und 57% in MOE). Davon sind etwa 42% im WE-Sample und 25% im MOE-Sample in Familienbesitz. 35% der Unternehmen in WE sind börsennotierte Unternehmen. Der Anteil ist damit etwas größer als im MOE- Sample mit 27%. Etwa 11% der Unternehmen im WE-Sample und 17% der Unternehmen im MOE-Sample sind mehrheitlich oder ganz in staatlichem Besitz. Der Internationalisierungsgrad der beiden Teilsamples ist im WE- Sample etwas höher als im MOE-Sample. Gut ein Drittel der befragten Unternehmen in WE ist international aktiv, 61% in mehr als fünf Ländern. In MOE ist der Anteil der befragten Unternehmen mit insgesamt 67% geringer. Gut die Hälfte der Unternehmen ist in mehr als fünf Ländern aktiv. Entsprechend sind nur 25 % im WE-Sample und 33 % im MOE Sample lokale Unternehmen (s. dazu Abbildung 32). Abbildung 32: Internationalisierungsgrad der beiden Teilsamples 6.7.4 Gütebeurteilung des Messvorgangs Auch dieser Messvorgang unterliegt den üblichen Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität.672 Die Objektivität gibt an, in welchem Ausmaß die Ergebnisse vom Anwender unabhängig sind. Es können drei Arten der Objektivität unterschie- ____________________ 672 Zur ausführlichen Beschreibung von Validität und Reliabilität s. Kapitel 5.4. 33% 18% 49% MOE Lokal < 5 Länder aktiv > 5 Länder aktiv 25% 14%61% WE Lokal < 5 Länder aktiv > 5 Länder aktiv 6. Modell 2: interne Faktoren 211 den werden. Die Durchführungsobjektivität ist die Unabhängigkeit der Ergebnisse von der Person, die die Fragebogenumfrage durchführt.673 Bei einer Online-Befragung ist die Durchführungsobjektivität generell hoch, da es durch die Automation wenige Eingriffsmöglichkeiten gibt. Die Auswertungsobjektivität gibt den Grad an, in dem die Ergebnisse unabhängig vom Auswertungsverfahren sind.674 Da der Fragebogen hauptsächlich aus standardisierten und geschlossenen Frageitems besteht und die Daten vom Befragungssystem sowohl erhoben, gesammelt als auch ausgewertet werden, sind Fehler (z.B. Lese- oder Tippfehler) durch die Automatisierung ausgeschlossen. Die Auswertungsobjektivität wird daher als hoch gesehen. Die Interpretationsobjektivität fordert, dass die Interpretation unabhängig von individuellen Deutungen durch den Auswertenden ist. 675 Sie ist hoch, wenn verschiedene Personen zum selben Ergebnis der Beurteilung kommen. Durch die Verwendung von standardisierten Instrumenten wird eine hohe Interpretationsobjektivität gewährleistet. Hinsichtlich der Reliabilität (Zuverlässigkeit) und Validität (Gültigkeit) betont die American Psychological Association, dass insbesondere bei der erstmaligen Verwendung von Indikatoren die Überprüfung von fünf wesentlichen Gütekriterien notwendig ist, um diese zu gewährleisten.676 In Anlehnung daran werden in der vorliegenden Untersuchung für jede Operationalisierung eines Konstrukts des theoretischen Modells die Inhaltsvalidität, Eindimensionalität, Eignung der Items, Reliabilität und Konstruktvalidität vorher geprüft. Inhaltsvalidität liegt vor, wenn die Messungen eines Konstrukts den Inhalt in all seinen Aspekten vollständig erfassen.677 Sie lässt sich typischerweise nicht objektiv mit einer statistischen Kenngröße feststellen. Ein Konstrukt muss somit – etwa auf Basis einer Literaturrecherche oder auf Basis von Interviews mit Fachkundigen – definiert werden.678 In Anlehnung an Churchill (1979) und Hammann & Erichson (2000) wurden die Konstrukte eng an die bisherigen Erkenntnisse der Literatur geknüpft. Zudem wurde ____________________ 673 Vgl. Bühner (2011), S. 58 ff. 674 Vgl. ebenda. 675 Vgl. ebenda. 676 l. American Educational Research Association et al. (1999). 677 Vgl. Balderjahn (2003), S. 131. 678 Vgl. Wacker (2004). 6. Modell 2: interne Faktoren 212 der Fragebogen vor der eigentlichen Befragung durch Experten aus Unternehmen und Wissenschaft überprüft.679 Vorschläge führten zu Überarbeitungen der Fragen bzw. Indikatoren, um die Inhaltsvalidität zu erhöhen. Anhand der Prüfung der Eindimensionalität wird explizit getestet, ob die Varianz innerhalb der Indikatoren auf lediglich ein Konstrukt zurückgeführt werden kann. Nach Venkatraman & Grant (1986) und Anderson et al. (1987) eignet sich dafür besonders die konfirmatorische Faktorenanalyse.680 Die Eignung der Items kann anhand der Faktorenladungen erfolgen. Dabei ist sowohl die Signifikanz als auch die Stärke der Ladung von Bedeutung. Die Items gelten nach Hair et al. (2014) als geeignet, wenn sie bei einer Stichprobe von 200 Antworten eine Faktorladung von mindestens 0,40 aufweisen. 681 Zudem sollte die Korrelation zu anderen Faktoren den Wert von 0,400 unterschreiten.682 Die Reliabilität (Zuverlässigkeit) gibt den Grad der Genauigkeit eines Messinstrumentes an. Zur Bestimmung der Reliabilität wird der Cronbachs- Alpha-Wert als Maß der internen Konsistenz berechnet. Cronbachs-Alpha kann dabei Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Werte ab 0,8 gelten als »akzeptabel«683, allerdings werden nach Schnell, Hill und Esser meist weit niedrigere Koeffizienten noch akzeptiert.684 Die Überprüfung der Konstruktvalidität erfolgt anhand von Konvergenzund Diskriminanzkriterien. Beide Kriterien müssen erfüllt werden. Konvergenzkriterien fordern, dass die Korrelation zwischen dem betreffenden Item und einem alternativen Item stark sein muss. Die Diskriminanzkriterien gelten als erfüllt, wenn die Korrelation zwischen dem betreffenden Item und einem Item, welches ein anderes Konstrukt misst, schwach ist. Die Konstruktvalidität kann durch eine Korrelationsanalyse oder Faktorenanalyse abgebildet werden. 685 Die Ergebnisse der Messung von Reliabilität und Validität werden in Kapitel 6.8.2. dargestellt. ____________________ 679 Vgl. Churchill Jr (1979), S. 69; Hammann und Erichson (2000), S. 95. 680 Vgl. Anderson et al. (1987); Venkatraman und Grant (1986). 681 Eine sehr gute Eignung wird bei Werten ab 0,8 vorgeschlagen (vgl. Kaiser 1970). 682 Vgl. Hair et al. (2014) S. 115. 683 Vgl. Bortz und Döring (2006). 684 Vgl. Schnell et al. (2013). 685 Vgl. ebenda. 6. Modell 2: interne Faktoren 213 6.7.5 Methoden der Datenaufbereitung und -auswertung Die Daten wurde mit der Datensoftware SPSS aufbereitet und ausgewertet. Zur Messung der Güte des Konstrukts wird zunächst eine konfirmatorische Faktorenanalyse durchgeführt und Cronbachs Alpha berechnet. Die Überprüfung der Hypothesen wird mit einem Mann-Whitney U-Test durchgeführt. 6.7.5.1 Konfirmatorische Faktorenanalyse Die konfirmatorische Faktorenanalyse testet eine theoretisch angenommene Struktur und damit auch ihre Güte. Im Gegensatz zur explorativen Faktorenanalyse wird bei der konfirmatorischen Faktorenanalyse primär keine Datenreduktion angestrebt. Es soll vielmehr ein bestehendes Modell auf seine Passung untersucht werden.686 Weiterhin unterscheidet sich die konfirmatorische Faktorenanalyse darin, dass nur die vorher als relevant angenommenen Ladungen geschätzt werden. Ein weiterer Unterschied zur explorativen Faktorenanalyse besteht darin, dass bei der konfirmatorischen nicht alle möglichen Ladungen geschätzt werden und nur Ladungen auf einen Faktor erlaubt sind.687. Die konfirmatorische Faktorenanalyse gibt damit eine Struktur der Beziehungen zwischen Indikatoren und Faktoren a priori vor und konzentriert sich auf die statistische Überprüfung der Reliabilität und der Validität dieser Modelle. »Sie überprüft, ob ein vorab aufgestelltes Modell, das eine Anzahl Variablen festgelegten Faktoren zuordnet, der empirischen Realität standhält […]« und »[…] bestimmt, ob und inwieweit die empirisch erhobenen Daten dem hypothetischen Modell entsprechen.«688 Diesbezüglich wird die konfirmatorische Faktorenanalyse zur Prüfung der Eindimensionalität von multiplen Indikatoren und zur Eignung der Items eingesetzt. Der Test auf Eindimensionalität ist bestanden, wenn die Items entsprechend der Messanweisung auf die Dimension laden, die sie operationalisieren. Die Eignung der Items erfolgt anhand der Faktorenladung selbst. Eine Faktorladung muss mindestens 0,40 aufweisen.689 ____________________ 686 Vgl. Backhaus et al. (2013), S. 378. 687 Die explorative Faktorenanalyse schätzt hingegen alle möglichen Ladungen und lässt Itemladungen auf andere und eigene Faktoren zu. 688 Bühl (2008), S. 527. 689 Vgl. dazu auch Kapitel 6.5. 6. Modell 2: interne Faktoren 214 Die Anwendung der konfirmatorische Faktorenanalyse ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Nach Bühner (2011) sollten pro Faktor mindesten vier Items vorhanden sein. Weiterhin sollte eine Stichprobengröße von mindesten 100 Fällen vorliegen. 690 6.7.5.2 Cronbachs Alpha Zur Untersuchung der Reliabilität wird die (interne Konsistenz-) Reliabilität der Faktoren anhand des Gütemaßes Cronbachs-Alpha gemessen.691 Bei unzureichender Reliabilität erfolgt, wenn möglich, eine sukzessive Reliabilitätsverbesserung durch Item-Elimination.692 Die Berechnung des Cronbachs-Alpha-Wertes basiert auf der Überlegung, dass die Zuverlässigkeit einer Skala umso besser ist, je stärker die Korrelation zwischen den einzelnen Items ist und je mehr Items es gibt.693 Cronbachs-Alpha kann dabei Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Werte ab 0,8 gelten als »akzeptabel«694, allerdings werden nach Schnell, Hill und Esser meist weit niedrigere Koeffizienten noch akzeptiert.695 So wird z.B. bei Bagozzi und Yi (1988) und bei Sapienza und Grimm (1997) ein Mindestwert in Höhe von 0,600 für Cronbachs Alpha akzeptiert.696 Darunterliegende Werte werden nicht akzeptiert und entsprechende Items aus den jeweiligen Indizes ausgeschlossen. 6.7.5.3 Signifikanztest: Mann-Whitney-U Test zur Überprüfung der Hypothesen Der Mann-Whitney-U Test697 ist ein nicht-parametrischer Test für unabhängige Stichproben zur Überprüfung, ob die zentrale Tendenz von zwei verschiedenen Stichproben unterschiedlich ist.698 ____________________ 690 Vgl. Bühner (2011). 691 Vgl. ebenda.. 692 Vgl. Homburg (2000), S. 8. 693 Vgl. Brosius und Brosius (1995), S. 912. 694 Vgl. Bortz und Döring (2006). 695 Vgl. Schnell et al. (2013). 696 Vgl. Bagozzi und Yi (1988); Sapienza und Grimm (1997). 697 Entwickelt von Mann und Whitney (1947) sowie Wilcoxon (1945). 698 Vgl. Benesch (2012), S. 211. 6. Modell 2: interne Faktoren 215 Die Berechnung der Teststatistik basiert auf dem Vergleich von zwei Stichproben: Stichprobe A mit n1 Werten und Stichprobe B mit n2 Werten. Jeder Wert der Stichprobe A wird mit jedem Wert der Stichprobe B verglichen. Folglich gibt es n1*n2 Vergleiche. Die Werte der beiden Gruppen werden zunächst in eine gemeinsame Reihe in aufsteigender Folge sortiert. Sie erhalten jeweils eine Rangnummer und werden dann für A und für B getrennt entsprechend der Rangzahlen addiert. Die Summen werden als R1 und R2 bezeichnet. Daraus wird berechnet: , = $ + 1 2 −. Mit nk =Stichprobengröße der Stichprobe k R1 = Rangsumme der Stichprobe 1 Entsprechend lässt sich auch für die zweite Stichprobe berechnen: ,$ = $ $ $ + 1 2 −.$ Mit nk =Stichprobengröße der Stichprobe k R2 = Rangsumme der Stichprobe 2 Es lässt sich nachweisen, dass U1+U2= n1*n2 ist. Wenn U<0,05, also kleiner als der kritische Wert, wird die Nullhypothese abgelehnt. Ist der Test signifikant, ist davon auszugehen, dass sich die Mediane der zugrunde liegenden Datenmengen unterscheiden. Um den Mann-Whitney-U Test anzuwenden, muss die abhängige Variable mindestens ordinal skaliert sein. Eine Normalverteilung wird nicht vorausgesetzt. 6.7.6 Methodenfehler Neben der Bewertung des Einflusses von Messfehlern durch nicht valide und reliable Messinstrumente müssen weitere Verzerrungen, die durch systematische durch die Gestaltung des Forschungsdesigns zusammenhängende Fehler entstehen, geprüft werden. Mögliche Fehlerquellen sind die 6. Modell 2: interne Faktoren 216 Auswahl der Informanten, der Ablauf der Datenerhebung und die Gestaltung des Fragebogens sowie Einflüsse, die mit dem psychologischen Antwortverhalten der Informanten zusammenhängen. Um potenzielle Verzerrungen des Ergebnisses (sog. Bias) auszuschlie- ßen, wird die Stichprobe hinsichtlich verschiedener Messfehler überprüft. Bei diesem Studiendesign treten häufig der Common Method Bias, None Response Bias und der Key Informant Bias auf, die im Folgenden erläutert werden.699 Verzerrungen, die auf Basis der Methodik der Erhebung entstehen, werden als Common Method Bias (Methodenverzerrung700) bezeichnet.701 Sie können vorliegen, wenn die abhängigen und die unabhängigen Variablen gleichzeitig in einem Fragebogen abgefragt werden.702 Um zu überprüfen, ob ein Common Method Bias vorliegt, wird der sog. Harman Single-Factor Test703 durchgeführt. In diesem Test werden alle Variablen einer explorativen Faktorenanalyse unterzogen. Ergibt sich bei der unrotierten Lösung dabei lediglich ein Faktor oder ist ein allgemeiner Faktor für den Großteil der Kovarianz zwischen den Variablen verantwortlich, kann auf einen substanziellen Common Method Bias geschlossen werden704. Um dies zu überprüfen, wird über alle Indikatoren eine sog. Hauptkomponentenanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse deuten auf zehn Faktoren hin, deren Eigenwerte jeweils größer als eins sind. Der stärkste Faktor erklärt allerdings nicht die Mehrheit, sondern lediglich 22,6% der Varianz. Folglich ist davon auszugehen, dass bei den erhobenen Daten kein Common Method Bias vorliegt. Non Response Bias: Ein Non Response Bias liegt vor, wenn Verzerrungen durch Verweigerung durch die Informanten entstehen. Sofern diese Antwortverweigerung nicht zufällig geschieht, sondern systematisch erfolgt, können die Ergebnisse verzerrt sein.705 Hintergründig steht der Gedanke, dass es inhaltliche bzw. an- ____________________ 699 Vgl. Söhnchen (2007), S.138. 700 Oder auch Common Method Variance. 701 Vgl. Podsakoff et al. (2003), S. 879. 702 Vgl. dazu ausführlich Podsakoff et al. (2003) und Sharma et al. (2009). 703 Vgl. Podsakoff et al. (2003). 704 Vgl. Podsakoff et al. (2003) S. 889, MacKenzie und Podsakoff (2012), S. 54. 705 Vgl. Schnell et al. (2013). 6. Modell 2: interne Faktoren 217 dere systematische Gründe geben kann, die einen Personenkreis an der Umfrage teilnehmen lassen. Eine generelle Aussage könnte dann auf Grundlage der Stichprobe nicht mehr getroffen werden. Zu Bewertung des Non Response Bias wird auf ein häufig verwendetes Verfahren nach Armstrong und Overton (1977) zurückgegriffen.706 Bei diesem Verfahren wird das Antwortverhalten der frühzeitigen mit dem der späteren Rückläufer verglichen. Es wird angenommen, dass die spät antwortenden Unternehmen tendenziell den Unternehmen ähnlicher sind, die sich nicht an der Studie beteiligt haben.707 Ein signifikanter Unterschied zwischen den Unternehmen, die früh geantwortet haben, und den Unternehmen, die spät geantwortet haben, kann auf einen Non Response Bias hinweisen. Für die Überprüfung wurden die erhobenen Datensätzen in jedem Lande nach dem Rücklaufdatum gedrittelt. Durch einen Mann-Whitney-U Test wurde ermittelt, ob bezüglich der zentralen Variablen Mittelwertunterschiede zwischen dem ersten und dem letzten Drittel bestehen. Da keiner der Unterschiede auf dem 5%-Niveau signifikant ist, ergibt diese Prüfung kein Indiz für Non Response Bias. Key Informant Bias: Bei den erhobenen Daten der Fragebogenstudie handelt es sich um subjektive Daten, die bei einer Person, dem sog. Key Informant, mittels standardisierter Fragen erhoben werden. Key Informants sind Repräsentanten eines Unternehmens, die aufgrund ihrer Funktion bzw. Position über spezifisches Wissen verfügen und damit generalisierbare Aussagen für einen bestimmten Sachverhalt treffen können. 708 Durch die Nutzung dieser Key Informants können Verzerrungen, sog. Key Informant Biases auftreten.709 Die hierarchische Stellung des Befragten und die damit verbundene spezifische Perspektive auf das Unternehmen sowie die Möglichkeit zur Selbstinszenierung können Ursache für eine solche Verzerrung sein. 710 Um Key Informant Biases zu reduzieren oder zu eliminieren, wird häufig die Nutzung eines Multi Informant Designs empfohlen. Dabei werden nicht ____________________ 706 Vgl. Armstrong und Overton (1977). 707 Vgl. ebenda. 708 Vgl. Hurrle und Kieser (2005), Ernst 2001. 709 Vgl. Kumar et al. (1993). 710 Vgl. Homburg und Klarmann (2006), S. 149 Hurrle und Kieser (2005), S 589. 6. Modell 2: interne Faktoren 218 eine, sondern mehrere kompetente Repräsentanten eines Unternehmens befragt und anschließend die Antworten miteinander verglichen.711 Aufgrund der Anonymisierung der Antworten wäre jedoch eine spätere Zusammenfassung von Antworten für einzelne Unternehmen nicht möglich. Bei Verzicht auf die Zusammenfassung bestünde die Gefahr, dass bestimmte Unternehmen überpräsentiert sind. Somit wurde von einem Multi Informant Design abgesehen. Um dennoch den Key Informant Bias weitestgehend zu reduzieren, wurden verschiedene Maßnahmen getroffen. Zunächst wurde den Befragten strikte Anonymität zugesichert, so dass sich kein Vorteil durch eine mögliche Selbstdarstellung erzielen lässt. Des Weiteren wurde der kompetenteste Ansprechpartner für das Themengebiet ermittelt. Zu diesem Zweck wurden in den Unternehmen das Ziel und der Inhalt des Forschungsprojektes zunächst telefonisch erläutert, um basierend hierauf den kompetentesten Ansprechpartner zu identifizieren und zur Teilnahme zu bewegen. Ein Key Informant Bias kann dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Abschließend ist anzumerken, dass in den hier untersuchten Bereichen keine persönlichen Einstellungen des Informanten abgefragt wurden. 6.8 Zentrale Ergebnisse des Fragebogens Nachfolgend werden die Ergebnisse des Fragebogens vorgestellt. Dazu werden zunächst die deskriptiven Ergebnisse beschrieben. Die deskriptive Beschreibung der Ergebnisse basiert auf Grundlagen der Vorstudie von Horváth et al. (im Druck a). Nicht alle Fragen, die im Fragebogen gestellt wurden, werden abgebildet. So wird der Themenkomplex 3 (s. Kapitel 6.2.2) vernachlässigt.712 Anschließend erfolgt die Hypothesenprüfung für die Unterschiedshypothesen. 6.8.1 Deskription der Ergebnisse Von den befragten 415 Unternehmen sammeln 336 Unternehmen nachhaltigkeitsbezogene Informationen und veröffentlichen diese in unterschiedliche Medien. 44,1% dieser Unternehmen veröffentlichen die Informationen im Jahresbericht, fast 40% berichten im Internet und etwa 29,3% innerhalb ____________________ 711 Vgl. Ernst (2003). 712 Horváth et al. (im Druck a). 6. Modell 2: interne Faktoren 219 eines eigenständigen Berichts. Zudem nutzen ca. 43% der Unternehmen die nachhaltigen Informationen auch für die interne Berichterstattung, z.B. als Grundlage für strategische oder operative Entscheidungen, wie in Abbildung 33 aufgezeigt wird. Die Abbildungen 35 und 36 zeigen die Unterschiede innerhalb der Regionen. Der Anteil an Unternehmen, die gar keine Informationen zur unternehmerischen Nachhaltigkeit sammeln, ist in WE mit 7% deutlich geringer als in MOE mit 22%. Der Großteil der befragten Unternehmen in WE, der nachhaltigkeitsrelevante Informationen sammelt, verwendet diese für die Berichterstattung (77,6%) und/oder für einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht (66,2%). Über die Hälfte der Unternehmen nutzen die Daten, um im Jahresbericht darüber zu informieren (52,1%). Erst 11% erheben die Informationen für die integrierte Berichterstattung. Hinsichtlich der internen Nutzung verwenden 58% der berichtenden Unternehmen die gesammelten Informationen, um ihre Mitarbeiter über das Intranet zu informieren. Etwa 42% verwenden diese für interne Berichte. Der Großteil der Unternehmen aus MOE nutzt die Daten mit 42,4% am häufigsten für den Jahresbericht. Die Daten werden im Vergleich zu Deutschland für die Darstellung im Internet mit 32,3% und im eigenständigen Bericht mit 23,2% deutlich weniger verwendet. Hinsichtlich der internen Nutzung werden die nachhaltigkeitsbezogenen Daten in etwa einem Drittel der Unternehmen für das Intranet zur Information der Mitarbeiter verwendet. 44% der befragten Unternehmen in MOE beziehen die gesammelten Informationen in die interne Berichterstattung mit ein. 6. Modell 2: interne Faktoren 220 Abbildung 33: Anteil der Unternehmen, die nachhaltigkeitsbezogene Informationen sammeln (gesamt)713 ____________________ 713 Eigene Darstellung. 1 9 ,0 % 8 1 ,0 % U n te rn e h m e n , d ie k e in e n a ch h a lti g ke its b e zo g e n e n D a te n s a m m e ln U n te rn e h m e n , d ie n a ch h a lti g ke its b e zo g e n e D a te n sa m m e ln 4 4 ,1 % 3 9 ,5 % 2 9 ,2 % 1 4 ,0 % 3 5 ,7 % 4 2 ,9 % Ja h re sb e ri ch t In te rn e tb a si e rt E ig e n st ä n d ig e r B e ri ch t In te g ri e rt e r B e ri ch t In tr a n e t In te rn e B e ri ch te V e rö ff e n tli ch u n g d e r D a te n ü b e r di e g e n a n n te n M e d ie n in % ( M e h rf a ch n e n n u n g m ö g lic h ) A n te il d e r U n te rn e h m e n , d ie n a ch h a lti g ke its b e zo g e n e In fo rm a tio n e n s a m m e ln : A bb il du ng 3 4: A nt ei l d er U nt er ne hm en , d ie n ac hh al ti gk ei ts be zo ge ne I nf or m at io ne n sa m m el n 6. Modell 2: interne Faktoren 221 Abbildung 34: Anteil der Unternehmen, die nachhaltigkeitsbezogene Informationen sammeln (in WE)714 ____________________ 714 Eigene Darstellung. 7 ,0 % 9 3 ,0 % U n te rn e h m e n , d ie n ic h t b e ri ch te n U n te rn e h m e n , d ie b e ri ch te n 5 2 ,1 % 7 7 ,6 % 6 6 ,2 % 11 ,3 % 5 7 ,8 % 4 2 ,3 % Ja h re sb e ri ch t In te rn e tb a si e rt E ig e n st ä n d ig e r B e ri ch t In te g ri e rt e r B e ri ch t In tr a n e t In te rn e B e ri ch te A n te il d e r U n te rn e h m e n , d ie n a ch h a lti g ke its b e zo g e n e In fo rm a tio n e n s a m m e ln : V e rö ff e n tli ch u n g d e r D a te n ü b e r d ie g e n a n n te n M e d ie n in % ( M e h rf a ch n e n n u n g m ö g lic h ) A bb il du ng 3 5: A nt ei l d er U nt er ne hm en , d ie n ac hh al ti gk ei ts be zo ge ne I nf or m at io ne n sa m m el n (i n W E )7 15 6. Modell 2: interne Faktoren 222 Abbildung 35: Anteil der Unternehmen, die nachhaltigkeitsbezogene Informationen sammeln (in MOE)715 ____________________ 715 Eigene Darstellung. 2 2 ,0 % 7 8 ,0 % U n te rn e h m e n , di e n ic h t b e ri ch te n U n te rn e h m en , d ie b e ri ch te n 4 2 ,4 % 3 2 ,3 % 2 3 ,2 % 1 3 ,0 % 3 1 ,1 % 4 3 ,6 % Ja h re sb e ri ch t In te rn e tb a si e rt E ig e n st ä n d ig e r B e ri ch t In te gr ie rt e r B er ic h t In tr a n e t In te rn e B e ri ch te V e rö ff e n tli ch u n g d e r D a te n ü b e r d ie g e n a n n te n M e d ie n in % ( M e h rf a ch n e n n u n g m ö g lic h ): A n te il d e r U n te rn e h m e n ,d ie n a ch h a lti g ke its b e zo ge n e In fo rm a tio n e n s a m m e ln : A bb il du ng 3 6: A nt ei l d er U nt er ne hm en , d ie n ac hh al ti gk ei ts be zo ge ne I nf or m at io ne n sa m m el n (i n M O E )7 16 6. Modell 2: interne Faktoren 223 Insgesamt nutzen die befragten Unternehmen in WE die verschiedenen Medien der NHB häufiger als Unternehmen in MOE (mit Ausnahme der integrierten Berichterstattung). Abbildung 36 zeigt, wie sich die Unternehmen in den CSR-Reifegrad einordnen lassen. Der CSR-Reifegrad besteht aus vier Items, die umfassen, wie unternehmerische Nachhaltigkeit in die Strategie und in das Supply Chain Management integriert sind und wie ausgeprägt die Stakeholder- Kommunikation und die CSR-Aktivitäten eines Unternehmens sind. Das CSR-Reifegradmodell umfasst vier Stufen, das mit der ersten Stufe die niedrigste Ausprägung, und mit der vierten Stufe die höchste Ausprägung darstellt. Die Unternehmen in MOE verteilen sich auf alle Reifegrade, wobei der Reifegrad 3 mit 63,3% deutlich dominiert. Etwa 18% des MOE-Samples wird in den höchsten Reifegrad und 16,6% in den zweiten Reifegrad eingestuft. 2,9% der Unternehmen aus MOE wurden in den Reifegrad 1 eingeordnet. In dem WE Sample befindet sich keines der befragten Unternehmen im ersten Reifegrad. Der Großteil der Unternehmen wurde mit 64,4% dem Reifegrad 3 zugeordnet, 28,2% dem Reifegrad 2 und 7,0% dem Reifegrad 1. Insgesamt werden die Unternehmen in MOE besser eingestuft als die Unternehmen in WE. Abbildung 36: Einteilung der Unternehmen in den CSR-Reifegrad in MOE und WE Abbildung 37 zeigt die Einteilung der Unternehmen innerhalb der einzelnen Länder. In Kroatien, Estland, Rumänien und der Slowakischen Republik ist der Anteil an Unternehmen, die im Reifegrad 4 eingestuft sind, höher als der regionale Durchschnitt. 2,9% 0,0% 16,6% 28,2% 62,2% 64,8% 18,3% 7,0% 0,0% 10,0% 20,0% 30,0% 40,0% 50,0% 60,0% 70,0% MOE WE Reifegrad 1 Reifegrad 2 Reifegrad 3 Reifegrad 3 6. Modell 2: interne Faktoren 224 Abbildung 37: Anteil der Unternehmen pro Land nach CSR-Reifegrad716 Abbildung 38 zeigt, wie stark die internen Prozesse der Unternehmen in MOE und WE ausgeprägt sind. Die Ausprägung der internen Prozesse wird anhand von Formalisierungsgrad, Grad der Routine, Grad der Zentralisierung, Grad der Nutzung eines gemeinsamen IT-System und Grad der Standardorientierung bestimmt und wird mit 1 dargestellt, wenn der Prozess gar nicht ausgeprägt ist, und mit 5, wenn der Prozess sehr ausgeprägt ist. Jeweils ein Drittel der befragten Unternehmen aus MOE haben moderat bis sehr ausgeprägte Prozesse. Der Großteil der befragten Unternehmen aus WE haben hingegen wenig (40%) bis moderat ausgeprägte Prozesse (34,8%). Abbildung 38: Ausprägung der Prozesse nach Region Während die NHB in WE in den meisten Fällen in einer eigenen CSR-Abteilung717 (54,9%) oder in der PR Abteilung (28,2%) untergebracht ist, ist die Positionierung in Unternehmen aus MOE nicht eindeutig, wie Abbildung 39 zeigt. ____________________ 716 Eigene Darstellung. 717 Nachhaltigkeitsabteilung oder HSE-Abteilung. 0,0% 10,0% 20,0% 30,0% 40,0% 50,0% 60,0% 70,0% 80,0% Aus Kr CR DL EST HU LA LT PL RO SK 1 2 3 4 7,0% 20,8% 33,4% 30,8% 7,8% 10,6% 40,0% 34,8% 13,6% 0,0% 0,0% 5,0% 10,0% 15,0% 20,0% 25,0% 30,0% 35,0% 40,0% 45,0% gar nicht ausgeprägt wenig ausgeprägt moderat ausgeprägt stark ausgeprägt sehr stark ausgeprägt MOE WE 6. Modell 2: interne Faktoren 225 Abbildung 39: Position der NHB im Unternehmen Zuletzt wurde noch eine Korrelationsmatrix aufgestellt, die die Korrelation zwischen den Charakteristika des Untersuchungssamples und dem CSR- Reifegrad bzw. der Ausprägung der Prozesse darstellt (s. dazu sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch der Mitarbeiterzahl. Abbildung 40). Signifikante Korrelationen sind zwischen dem CSR-Reifegrad und der Erstellung eines eigenständigen Berichts sowie dem CSR-Reifegrad und dem Internationalisierungsgrad des Unternehmens zu finden. Die Ausprägung der Prozesse korreliert signifikant mit der Größe des Unternehmens sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch der Mitarbeiterzahl. Abbildung 40: Korrelationen Bericht CSR- Reifegrad Grad der Routine Größe MA MNU Staatlich Börsennotiert MOE Bericht Korrelationskoeffizient 1,000 Sig. (2-seitig) N 415 CSR-Reifegrad Korrelationskoeffizient -,382** 1,000 Sig. (2-seitig) ,000 N 415 415 Grad der Routine Korrelationskoeffizient ,392** -,404** 1,000 Sig. (2-seitig) ,000 ,000 N 415 415 415 Größe Korrelationskoeffizient ,358** -,010 ,227** 1,000 Sig. (2-seitig) ,000 ,847 ,010 N 415 415 415 415 MA Korrelationskoeffizient ,198** ,022 ,398** ,643** 1,000 Sig. (2-seitig) ,000 ,648 ,000 ,000 N 415 415 415 415 415 MNU Korrelationskoeffizient ,309** 414* ,393** ,245** ,266** 1,000 Sig. (2-seitig) ,000 ,020 ,000 ,000 ,000 N 415 415 415 415 415 415 Staatlich Korrelationskoeffizient ,034 -,037 ,053 -,016 ,048 -,027 1,000 Sig. (2-seitig) ,519 ,479 ,304 ,759 ,353 ,601 N 372 372 372 372 372 372 372 Börsennotiert Korrelationskoeffizient ,084 -,024 -,014 ,205** ,244** ,147** -,234** 1,000 Sig. (2-seitig) ,086 ,629 ,778 ,000 ,000 ,003 ,000 N 415 415 415 415 415 415 372 415 MOE Korrelationskoeffizient -,276** -,116* ,044 -,421** -,349** -,180** ,103* -,122* 1,000 Sig. (2-seitig) ,000 ,018 ,374 ,000 ,000 ,000 ,047 ,013 N 415 415 415 415 415 415 372 415 415 **. Korrelation ist bei Niveau 0,01 signifikant (zweiseitig). *. Korrelation ist bei Niveau 0,05 signifikant (zweiseitig). 21,8% 11,9% 14,5% 9,3% 23,5% 13,4% 5,5% PR/Kommunikation Strategie CSR HR Finanzen Andere nn 28,2% 9,9%54,9% 2,8% 2,8% 1,4% PR/Kommunikation Strategie CSR HR Finanzen nn MOE WE 6. Modell 2: interne Faktoren 226 6.8.2 Bewertung der Gütekriterien Da ein einzelner Indikator weder den CSR Reifegrad noch den Grad der Prozessroutine hinreichend exakt erheben und abbilden kann, werden jeweils mehrere Indikatoren für die theoretischen Konstrukte aufgenommen. Mit Hilfe der konfirmatorischen Faktorenanalyse werden die Eindimensionalität und die Eignung der Items des »CSR-Reifegrads« und der »Ausprägung der Prozesse« überprüft. Die konfirmatorische Faktorenanalyse bestätigt die Eindimensionalität des Index »CSR Reifegrad«. Die Ladungen aller Items auf die Zieldimension sind größer als der im Vorfeld in Anlehnung an Hair et al. (2014) festgelegte Akzeptanzwert von 0,400 und werden mit Werten >0,500 deutlich eingehalten. Alle Aussagen laden hoch auf die Zieldimension, welche sie abbilden sollten (Kriterium der Konvergenz) und tief auf die anderen Dimensionen (Kriterium für Divergenz). Zudem wurde Cronbachs Alpha für den CSR-Reifegrad berechnet und gilt nach Backhaus et al. mit α=0,804 als akzeptabel. Auch für den Grad der Prozessroutine wird die Eindimensionalität bestätigt. Alle Werte sind >0,600 und übersteigen damit den festgelegten Akzeptanzwert. Auch hier laden alle Items hoch auf die Zieldimension und niedrig auf die andere Dimension. Cronbachs Alpha beträgt für den Grad der Prozessroutine α=0,937 und zeigt damit eine hohe Messgenauigkeit. Die Stichprobengröße mit N>300 wird als gut bezeichnet718. Generell nimmt die Stabilität der Faktorenlösung mit wachsender Stichprobengröße zu. Insgesamt geht aus den statistischen Prüfungen hervor, dass die Operationalisierung der beiden Indizes eine hohe Güte aufweist. 6.8.3 Analyse und Bezug zu den Hypothesen Um die vier Hypothesen zu testen, wurde der M-W-U-Test durchgeführt, der Aussagen darüber treffen kann, inwieweit sich die Unternehmen mit eigenständigem Nachhaltigkeitsbericht von nicht berichtenden Unternehmen und Unternehmen aus WE von Unternehmen aus MOE hinsichtlich ihrer internen Strukturen und ihres CSR-Reifegrades unterscheiden. Im ersten M-W-U-Test wird geprüft, ob sich Unternehmen mit eigenständigem Bericht von Unternehmen ohne eigenständige Berichte hinsichtlich ihres ____________________ 718 Vgl. Bühner (2011), S. 345. 6. Modell 2: interne Faktoren 227 CSR-Reifegrades unterscheiden. Tabelle 28 zeigt, dass es signifikante Unterschiede hinsichtlich der einzelnen Items, aber auch in dem Index zum CSR Reifegrad selbst gibt. Bezogen auf den CSR-Reifegrad sind die mittleren Ränge in allen Dimensionen bei den Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, niedriger als bei den nicht berichtenden Unternehmen. Sie haben somit einen höheren CSR-Reifegrad (1=Reifegrad 4, 4=Reifegrad 1). Das Signifikanzniveau ist sehr hoch und liegt bei p≤0,000. Tabelle 28: M-W-U-Test: Unterschiede CSR Reifegrad und eigenständiger Nachhaltigkeitsbericht719 Hinsichtlich des CSR-Reifegrades liegen signifikante Unterschiede zwischen Unternehmen aus MOE und Unternehmen aus WE vor. Die mittleren Ränge sind sowohl in allen Dimensionen als auch in dem Gesamtindex bei Unternehmen aus MOE durchweg höher als bei Unternehmen aus MOE, d.h., dass der CSR-Reifegrad in Unternehmen aus MOE höher ist als in WE (1 = niedrige Prozessroutine, 5= hohe Prozessroutine). Mit Ausnahme der CSR-Aktivitäten sind die weiteren Ergebnisse signifikant mit p<0,05. ____________________ 719 Eigene Darstellung. Ränge Bericht H Mittlerer Rang Summe der Ränge M-W-U-Test (p) Strategie 0 257 227,27 58409,00 15350,000 1 158 176,65 27911,00 (0,000) Stakeholderkommunikation 0 257 228,78 58796,50 14962,500 1 158 174,20 27523,50 (0,000) Aktivitäten 0 257 232,07 59641,00 14118,000 1 158 168,85 26679,00 (0,000) Supply Chain 0 257 227,17 58382,00 15377,000 1 158 176,82 27938,00 (0,000) CSR-Index 0 257 230,82 59322,00 14437,000 1 158 170,87 26998,00 (0,000) 14437,000 6. Modell 2: interne Faktoren 228 Tabelle 29: Unterschiede CSR Reifegrad und Region720 Weiterhin wurden Unterschiede in den Prozessen zwischen Unternehmen mit und ohne eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht geprüft. Tabelle 30 zeigt die Ergebnisse. Die mittleren Ränge sind in allen Dimensionen bei den Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, höher als bei den nicht berichtenden (1 = niedrige Prozessausprägung, 5= hohe Prozessausprägung). Damit sind Prozesse in Unternehmen mit eigenständigen Berichten stärker ausgeprägt. Alle Ergebnisse sind hoch signifikant mit p≤0,000. ____________________ 720 Eigene Darstellung. Ränge Region H Mittlerer Rang Summe der Ränge M-W-U-Test (p) Strategie 0 71 235,73 16737,00 10243 1 344 202,28 69583,00 (0,012) Stakeholderkommunikation 0 71 238,23 16914,00 10066 1 344 201,76 69406,00 (0,011) Aktivitäten 0 71 219,18 15561,50 11418,5 1 344 205,69 70758,50 (0,401) Supply Chain 0 71 243,73 17304,50 9675,5 1 344 200,63 69015,50 (0,002) CSR-Index 0 71 234,42 16643,50 10336,5 1 344 202,55 69676,50 (0,022) 6. Modell 2: interne Faktoren 229 Tabelle 30: M-W-U-Test: Unterschiede Grad der Prozessroutine und eigenständiger Bericht721 Hinsichtlich der Ausprägung der Prozesse und Unternehmen aus WE und MOE konnte nur ein signifikanter Unterschied gefunden werden, wie in Tabelle 31 dargestellt ist.722 ____________________ 721 Eigene Darstellung. 722 Mit Ausnahme des Formalisierungsgrad, der in Unternehmen aus MOE signifikant höher ist (mit p<0,05), als in WE. Bericht H Mittlerer Rang Summe der Ränge M-W-U-Test (p) GUI 0 257 175,04 44985,50 11832,500 1 158 261,61 41334,50 (0,000) ROU 0 257 181,28 46590,00 13437,000 1 158 251,46 39730,00 (0,000) CEN 0 257 188,75 48507,50 15354,500 1 158 239,32 37812,50 (0,000) IT 0 257 187,79 48262,50 15109,5 1 158 240,87 38057,50 (0,000) FORM 0 257 184,34 47375,50 14222,500 1 158 246,48 38944,50 (0,000) INdexR 0 257 181,45 46632,00 13479,000 1 158 251,19 39688,00 (0,000) 6. Modell 2: interne Faktoren 230 Tabelle 31: M-W-U-Test: Unterschiede Grad der Prozessroutine und Region723 6.9 Interpretation der Ergebnisse Das Ziel der letzten Auswertung ist es, einen Teil der Erkenntnisse, die in den Interviews gewonnen wurden, zu überprüfen. Aus den Interviews ging hervor, dass sich Unternehmen mit eigenständigem Bericht im Wesentlichen durch den CSR-Reifegrad unterscheiden und hinsichtlich ihrer internen Strukturen, die sich durch den Grad der Routine ausdrücken lassen können. Zudem wurde abgeleitet, dass Unternehmen aus WE, die deutlich häufiger einen eigenständigen Bericht veröffentlichen, zudem einen höheren CSR-Reifegrad und einen höheren Grad an Prozessstrukturen aufweisen. Die Auswertung der Fragebögen führte zu unterschiedlichen Ergebnissen, so dass nur ein Teil der Hypothesen bestätigt werden konnte. Die deskriptive Auswertung zeigt, dass etwa ein Drittel der Unternehmen einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, was sich in etwa mit der ersten Untersuchung deckt. Es wird jedoch auch deutlich, dass Unternehmen in WE anteilig stärker verschiedene Kanäle zur Veröffentlichung von nachhaltigen Informationen nutzen als Unternehmen aus MOE. Insbesondere wird das Internet als Veröffentlichungsform sehr viel stärker als in MOE genutzt. Mit der Nutzung der unterschiedlichen Informationskanäle können insgesamt verschiedene Zielgruppen adressiert werden.724 ____________________ 723 Eigene Darstellung. 724 Vgl. Isenmann (2014). Region H Mittlerer Rang Summe der Ränge M-W-U-Test (p) GUI 0 71 222,54 15800,50 11179,500 1 344 205,00 70519,50 (0,187) ROU 0 71 197,77 14041,50 11485,500 1 344 210,11 72278,50 (0,093) CEN 0 71 210,29 14930,50 12049,500 1 344 207,53 71389,50 (0,241) IT 0 71 179,70 12758,50 10202,5 1 344 213,84 73561,50 (0,056) FORM 0 71 177,26 12585,50 10029,500 1 344 214,34 73734,50 (0,015) INdexR 0 71 196,84 13975,50 11419,5 1 344 210,30 72344,50 (0,373) 6. Modell 2: interne Faktoren 231 Weniger als die Hälfte der Unternehmen, die nachhaltige Informationen im Unternehmen sammeln, nutzt diese Daten jedoch auch intern. Ein Hinderungsgrund, warum diese Informationen intern nicht genutzt werden, könnte zum einen sein, dass den nachhaltigen Informationen eine geringe Relevanz für die Entscheidungsfindung zuteil wird.725 Damit wird der Eindruck verstärkt, dass NHB nach wie vor in erster Linie eine Kommunikationsfunktion hat. Oft fehlen Unternehmen die Kenntnisse, wie nachhaltige Informationen in bestehende Managementkontrollsysteme integriert werden können.726 Hinzu kommt, dass Informationen nicht zwingend interpretierbar sind, weil sie aufgrund fehlender interner Prozess- und Arbeitsstrukturen auf unterschiedlichen Datengrundlagen basieren.727 Hinsichtlich des CSR-Reifegrades haben die deskriptiven Ergebnisse bereits das aufgezeigt, was später in den Signifikanztests bestätigt wird. Unternehmen in MOE wurden bezüglich des CSR-Reifegrades besser eingestuft als Unternehmen aus WE. Die Hypothese, dass WE Unternehmen einen höheren CSR-Reifegrad aufweisen, konnte nicht bestätigt werden. Vielmehr wurde die gegenteilige Situation dargestellt. Die deskriptive Darstellung der Anteile innerhalb der einzelnen Länder hat gezeigt, dass insbesondere Estland, Kroatien, die Slowakische Republik und Rumänien besonders hohe Werte angegeben haben. Der Anteil der MNUs in Kroatien und Rumänien und der Slowakischen Republik liegt hier mit 75% besonders hoch. Da ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Anteil an MNUs und dem CSR-Reifegrad besteht, könnte hier ein möglicher Erklärungsansatz liegen. Insbesondere wird für MNUs ein hohes CSR-Engagement aufgezeigt, da sie durch ihre internationalen Aktivitäten besonders große Auswirkungen auf eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung haben und damit besonders im Fokus der Öffentlichkeit stehen.728 Dies erklärt jedoch nicht den hohen Anteil in Estland und Rumänien, die mit ca. 50% einen durchschnittlichen Anteil an MNUs innerhalb der gesamten Stichprobe aufweisen. Verschiedene Studien bestätigen einen Anstieg der CSR-Aktivitäten in Rumänien und Estland.729 Es können jedoch keine Rückschlüsse dar- über gemacht werden, ob Unternehmen in Rumänien und Estland engagierter sind als in den anderen MOEL, so dass keine eindeutigen Aussagen getroffen werden können. ____________________ 725 Vgl. dazu auch Auswertung von Horváth et al. (im Druck a). 726 Vgl. de Villiers et al. (2016), S. 1 ff. 727 Vgl. Burritt et al. (2010), S. 829 ff. 728 Vgl. Kapitel 4.2. 729 Vgl. Popa (2015), S.1279 ff. und Dumitrescu und Simionescu (2016), S. 677 ff. 6. Modell 2: interne Faktoren 232 Die Hypothese, dass ein Unterschied in der Ausprägung der internen Prozesse zwischen Unternehmen, die einen eigenständigen Bericht veröffentlichen, und Unternehmen, die keinen veröffentlichen, besteht, konnte bestätigt werden. Bezüglich des erhöhten Aufwandes, die ein eigenständiger Bericht erfordert, werden routinierte und formalisierte Prozesse notwendig. Zwischen Unternehmen aus WE und MOE konnten jedoch keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der internen Prozesse gefunden werden. Es ist daher davon auszugehen, dass die internen Prozesse vielmehr davon beeinflusst sind, wie viel Erfahrungen im Unternehmen mit der Aufbereitung von nachhaltigen Daten vorliegt. Zwangsläufig etablieren sich routinierte interne Prozesse in der NHB in Unternehmen, die längere Erfahrungen mit der Berichterstattung haben. In anderen Unternehmen, die keine oder weniger Erfahrung haben, fehlen diese Prozesse zu Erhebung, was auch innerhalb der Interviews bestätigt werden konnte. In beiden Stichproben wird deutlich, dass die Prozesse hinsichtlich Formalisierungsgrad, Routine, Zentralisierung, Nutzung eines zentralen Datenbanksystems und Orientierung an Standardisierung im mittleren Bereich liegen. Da die NHB immer wieder mit neuen Anforderungen (z.B. neue Standards, politische Richtlinien) und neuen Themen konfrontiert wird, findet zwangsläufig eine dynamische Anpassung statt, die dazu führt, dass sich die internen Prozesse der NHB noch nicht vollständig etabliert haben.730 Während Formalisierungsgrad und Routine als moderat bewertet wurden, wurde die Etablierung eines zentralen IT-Systems für die Datensammlung und -verwertung (oder Datenbank) eher als schwach ausgeprägt bewertet. Die Datensammlung erfolgt nicht zentralisiert. Es wird dann entweder auf verschiedene Datenbanken zurückgegriffen, die die geforderten Informationen beinhalten, oder eine lokale Datenbank wird von dem NHB Beauftragten zum Zeitpunkt der Erstellung eines Berichts erstellt.731 Der Prozess der Datensammlung ist somit stark fehleranfällig. Die mittelmäßige Prozessausprägung könnte weiterhin ein mögliches Indiz dafür sein, dass der Zweck, der mit der Berichterstattung verfolgt wird, auch nur mäßig relevant ist. Nach Bennett et al. (2013) sind die Prozesse umso besser ausgeprägt, je wichtiger der Zweck oder der praktische Nutzen für das Unternehmen ist.732 Die Ausprägung der internen Prozesse korreliert positiv mit der Größe des Unternehmens und mit der Internationalisierung eines Unternehmens. Mit steigender Größe und Internationalisierung steigt auch die Anforderung ____________________ 730 Vgl. Bennett et al. (2013), S. 34. 731 Vgl. Kapitel 6.3.3. 732 Vgl. Bennett et al. (2013). 6. Modell 2: interne Faktoren 233 an die NHB, so dass ein gewisser Grad an z.B. formalisierten Prozessen erforderlich wird und damit erklärbar ist. Die NHB unterscheidet sich jedoch in Unternehmen aus WE von Unternehmen aus MOE darin, dass sie sich innerhalb der Unternehmen in unterschiedlichen Abteilungen befindet. Damit werden auch die Erkenntnisse der Interviews bestätigt. Während die NHB in der Mehrheit der Unternehmen in WE in einer eigenständigen Nachhaltigkeitsabteilung733 positioniert ist, befindet sich die NHB in MOE häufig im Bereich »Finance und Accounting«. Schaltegger und Zvezdov (2012) haben festgestellt, dass eine eigenständige Abteilung, die für die sozialen und Umweltaktivitäten verantwortlich ist, eher in der Lage ist, betroffene Abteilungen zu koordinieren, Informationen zentral zu sammeln und einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.734 Bennett et al. (2013) befürworten hingegen eine enge Verbindung zu den Accounting- und Controlling-Abteilungen. Sie betonen, dass so die Integration und Inklusion der nachhaltigen Dimensionen besser gelingt.735 6.10 Limitationen Das Untersuchungsmodell 2 hat zum Ziel, die Fragen, wie sich interne Faktoren der NHB unterscheiden und ob sie einen Einfluss auf den Nachhaltigkeitsbericht haben, zu beantworten. Da es bisher erst wenige Erkenntnisse zu den internen Faktoren gab, wurde als Forschungsmethode eine Triangulation, d.h. eine Kombination aus qualitativer und quantitativer Methode, gewählt. Zunächst wurden innerhalb von Experteninterviews mögliche interne Faktoren identifiziert, die dann mit einem Fragebogen überprüft wurden. Bei beiden Untersuchungsmethoden liegen Einschränkungen vor, die bei der Interpretation der Ergebnissen berücksichtig werden sollten: Einhergehend mit jedem induktiven Forschungsansatz sollten Verallgemeinerungen der Ergebnisse natürlich nur mit Vorsicht gemacht werden. Auch wenn anschließend ein Teil der Erkenntnisse quantitativ geprüft wurde, sind die anderen Implikationen, die aus den Interviews abgeleitet wurden, nicht zwingend verallgemeinerungsfähig. Zudem ist die Vergleichbarkeit von Ergebnissen der Experteninterviews immer schwierig. Dies ____________________ 733 Oder CSR-Abteilung, HSE-Abteilung. 734 Vgl. Schaltegger und Zvezdov (2012). 735 Vgl. Bennett et al. (2013). 6. Modell 2: interne Faktoren 234 liegt zum einen an dem »geringen Verallgemeinerungs- und Standardisierungsgrad des individualen Zugangs zum Forschungsobjekt«736. Aufgrund der offeneren Interviewgestaltung weisen die einzelnen Transkripte eine größere Variationsbreite auf. Anders als bei standardisierten Methoden ist kein direkter Vergleich möglich. Interviews müssen daher interpretativ stark reduziert werden, was häufig mit einem Informationsverlust einhergeht.737 Zum anderen können sprachliche Probleme die Vergleichbarkeit der Interviews mindern. Die Interviews wurden vor Ort in der jeweiligen Landessprache von unterschiedlichen Personen geführt. Die Transkripte wurden dann unter Berücksichtigung der Bedeutungsäquivalenz738 in die englische Sprache übersetzt. Dennoch besteht die Gefahr, dass Inhalte anders als im Ursprungstext dargestellt sind. Weiterhin wurden Unternehmen aus verschiedenen Branchen interviewt. Ein Teil der produzierenden Unternehmen hat die gesetzliche Verpflichtung, Umweltberichte auf Betriebsebene vorzulegen.739 Es könnte daher sein, dass manche Unternehmen aus der herstellenden Industrie oder aus der Energieproduktion betroffen sind und durch diese Anforderungen beeinflusst werden. Dennoch geben die gesetzlichen Richtlinien nicht vor, wie die internen Prozesse der NHB zu gestalten sind, welches die Limitation abschwächt. Wie bereits im ersten Modell muss auch hier unbedingt einbezogen werden, dass es sich bei den Ergebnissen aus den Experteninterviews, aber auch aus der Fragebogenuntersuchung lediglich um eine Momentaufnahme der Berichtspraxis handelt. Gerade in Bezug auf die neue EU Direktive sind Änderungen im Berichtsverhalten zu erwarten, die langfristig auch die internen Strukturen verändern werden. Eine weitere Limitation wird darin gesehen, dass in beiden Modellen der zweiten Untersuchung der Fokus auf große Unternehmen gelegt wird, so dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf KMU nicht ohne weiteres möglich ist. Bezüglich des Fragebogens sind auch einige Einschränkungen zu nennen. Zum einen konnten nicht alle Erkenntnisse aus den Interviews geprüft werden, nur ein kleiner Teil wurde in den Fragebogen aufgenommen. Auf- ____________________ 736 Pickel und Pickel (2009), S. 462. 737 Vgl. Pickel und Pickel (2009). 738 Mit Hilfe der Vorgaben zur exotisierenden Übersetzung. 739 So z.B. die Stahlindustrie in Deutschland. 6. Modell 2: interne Faktoren 235 grund der Problematik des Key Informant Bias und der sozialen Erwünschtheit kann nicht unbedingt davon ausgegangen werden, dass alle Unternehmen wahrheitsgemäß geantwortet haben. Die Bestimmung des CSR-Reifegrads kann besser anhand objektiver Kriterien bewertet werden. Der Fragebogen wurde aus Kapazitätsgründen nicht in allen Ländern zum gleichen Zeitpunkt versendet, was zu minimalen Verzerrungen der Antworten führen könnte. Nicht in allen Ländern konnte eine gleich hohe Anzahl an Antworten generiert werden. 6.11 Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft Aus den Ergebnissen und Limitationen der zweiten Untersuchung lassen sich Implikationen für Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftspolitik ableiten. 6.11.1 Implikationen für die Wirtschaftspolitik Die Vorgaben der neuen EU Direktive 2014/95/EU sind unkonkret und überlassen den Unternehmen viel Gestaltungsspielraum. Dies ist auf der einen Seite auch notwendig, da Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen auch verschiedenen Informationsbedürfnissen ihrer Anspruchsgruppen gegenüberstehen. Die Direktive kann jedoch auf der anderen Seite dazu führen, dass insbesondere Unternehmen, die vorher keinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben, mit der Erstellung eines Berichts überfordert sind, da ihre internen Prozesse für die NHB noch nicht entsprechen ausgebaut sind. Der GRI oder auch der deutsche Nachhaltigkeitscodes stellen einen Leitfaden für die Berichterstattung zur Verfügung, der Angaben über die erforderlichen oder gewünschten Inhalte macht. Jedoch fehlen Unternehmen Informationen, die über den Inhalt hinausgehen. Im Rahmen der EU-Direktive müssten die Unternehmen einen Leitfaden zur Verfügung gestellt bekommen, der z.B. Informationen darüber enthält, wie interne Prozesse systematisch für die NHB umgestellt werden können. Darüber hinaus gibt es den Unternehmen Orientierung, wenn Standards vorgegeben werden, wie Daten zu den relevanten Themen, wie z.B. CO²-Emmissionen vorgegeben 6. Modell 2: interne Faktoren 236 werden740, was gleichzeitig zu einer Erhöhung der Vergleichbarkeit der Daten führt. Mit der EU-Direktive werden Unternehmen zwar dazu aufgefordert, »nicht-finanzielle« Informationen zu veröffentlichen. Letztlich sollte diese Art der Berichtspflicht jedoch auch mit einer hohen Qualität einhergehen, die jedoch nur durch eine Prüfung sichergestellt werden kann. Im Zuge der EU-Direktive ist daher zu überlegen, ob eine Prüfungspflicht zudem eingeführt werden soll, wenngleich von einer verpflichtenden Standardisierung abgeraten wird.741 6.11.2 Implikationen für die Wissenschaft Die Untersuchung hat verschiedene interne Einflussfaktoren, die einen Einfluss auf die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts haben, identifiziert und untersucht, ob diese eine Auswirkung auf die Ver- öffentlichung eines eigenständigen Beritts haben. Es wurde jedoch nicht untersucht, wie interne Faktoren auf die Inhalte und Qualität der Berichte wirken. Weiterhin wurden andere interne Faktoren, wie z.B. die persönliche Motivation der Personen, die den Nachhaltigkeitsbericht erstellen, aufgenommen, die sicherlich auch eine Wirkung auf die NHB haben, so dass in diesem Bereich weitere Forschungslücken zu finden sind. Weiterhin bleibt die Frage offen, welche Hindernisse dazu führen, dass die Hälfte der Unternehmen intern keine nachhaltigkeitsrelevanten Informationen nutzen, obwohl sie vorliegen. Aus einem Interview ging hervor, dass der Großteil der gesammelten Informationen nur für die externe Berichterstattung erhoben wird und nur wenige »Schlüsselindikatoren« für z.B. strategische Entscheidungen genutzt werden. Es wäre daher interessant zu analysieren, wie groß die Schnittmenge der Informationen bzw. KPIs ist, die für die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts und für interne Zwecke genutzt werden, und ob sich die Prozesse z.B. der Datenerhebung ähneln. Damit können auch Erkenntnisse gewonnen werden, wie Unternehmen ökologische und soziale Informationen mit finanziellen Informationen nutzen können. Im Fokus dieser Untersuchung stehen große Unternehmen. Eine Analyse der internen Strukturen zur NHB in KMU wäre daher interessant, da sich ____________________ 740 Auch hier existieren verschieden Möglichkeiten, CO² zu messen. 741 Vgl. dazu Kapitel 5.9.2. 6. Modell 2: interne Faktoren 237 diese wahrscheinlich von großen Unternehmen unterscheiden, nicht nur hinsichtlich der Datenaufnahmen, sondern auch der internen Datenverwendung. Da noch zu wenig konkrete Kenntnisse über die internen Prozesse der NHB vorliegen, empfehlen sich weiterhin qualitative Forschungsdesigns wie Fallstudien und Interviews. Best Practice Beispiele, wie interne Berichtsprozesse ausgestaltet sind, können anderen Unternehmen Hilfestellung geben, die Berichtstrukturen zu verbessern. 6.11.3 Implikationen für die Wirtschaft Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Unternehmen aus MOE noch eher verhalten verschiedene Kommunikationskanäle für die NHB nutzen. Die Nutzung verschiedener Medien ermöglicht eine gezieltere Ansprache verschiedener Zielgruppen und sollte daher stärker genutzt werden. Um die Nutzung nachhaltiger Informationen für interne Zwecke zu erhöhen, müssen die internen Prozesse der NHB stabilisiert werden. Mit wachsender Erfahrung in der Berichterstattung sind die Unternehmen mehr und mehr dazu in der Lage, auch intern damit zu steuern. Eine wichtige Voraussetzung für eine gute NHB ist eine zentrale Datenbank oder ein zentrales IT-System für die NHB. Um eine unvollständige Datenerfassung bereits am Entstehungsort zu vermeiden, sind klare Datendefinitionen und interne Qualitätsprozesse notwendig. Sind die Inhalte klar definiert, können Verantwortungen und jeweilige Erhebungszeiträume festgelegt werden. Eine gemeinsame Datenbank würde insbesondere für stark diversifizierte oder multinationale Unternehmen einen Mehrwert bringen, da die Datensammlung durch die Verteilung erschwert wird. Der Prozess der Datensammlung kann u.a. wegen fehlender Formalisierung oder unterschiedlichen Datenerhebungsmethoden vielen Fehlerquellen unterliegen, die Auswirkungen auf die Ergebnisse haben können. Um Fehlerquellen zu reduzieren, ist nicht nur ein hoher Grad der Formalisierung der Prozesse erforderlich. Interne Audits, die die Datenerhebung analysieren, können zudem zu einer Erhöhung der Qualität der Informationen führen. Bennet et al. (2013) empfehlen daher, den Prozess der NHB an den Berichtsprozess der Finanzberichterstattung anzulehnen oder zu integrieren. 239 7. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung Die vorliegende Arbeit stellt den derzeitigen Stand der NHB in MOE und WE vor und widmet sich den folgenden drei Forschungsfragen: Wie und in welchem Ausmaß unterscheidet sich die NHB von Unternehmen innerhalb der MOEL und von Unternehmen in Westeuropa? Welchen Einfluss haben sozio-kulturelle und politisch-ökonomische Determinanten auf die Ausprägungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung? Wie unterscheiden sich die internen Faktoren der NHB in MOE und WE und welchen Einfluss haben diese auf den Nachhaltigkeitsbericht? Entsprechend des deskriptiven Teilziels wird zunächst eine Literaturauswertung im Kontext des betrachteten Forschungsgegenstands vollzogen. In Kapitel 2 werden zunächst Grundlagen zur NHB erläutert. Dabei wird deutlich, dass der Begriff NHB mehr als nur den externen Bericht meint. Weiterhin wird das Thema Nachhaltigkeit bzw. CSR im mittel- und osteuropäischen Kontext beleuchtet. Es wird deutlich, dass die MOEL durch ihre sozialistische Vergangenheit und die darauf folgende Transformation einen anderen Zugang zu CSR haben als WEL. Der Stand der Forschung zur NHB in MOE zeigt zudem deutlich, dass erst wenige Kenntnisse zur NHB in MOE vorliegen. Darüber hinaus zeigt der Stand der Forschung, dass Unterschiede in der NHB oftmals auf Unternehmenscharakteristika und Brancheneinfluss untersucht wurden. Dabei wurden jedoch landesspezifische und unternehmensinterne Determinanten oftmals vernachlässigt. Um die Forschungsfragen zu beantworten, wurden zwei Untersuchungsmodelle aufgestellt. Für die Untersuchung der ersten beiden Forschungsfragen wurde eine Inhaltsanalyse der Berichte der jeweils 50 größten Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa und Westeuropa durchgeführt. Die Inhaltsanalyse wird entlang der von Rössler definierten Phasen (s. dazu Kapitel 5) ausgerichtet. Zunächst wurden die Berichte hinsichtlich ihrer Unterschiede im Ausmaß, Qualität und Schwerpunktsetzung untersucht. Die Unterschiede hinsichtlich Ausmaß und Qualität wurden durch Signifikanztests bestätigt. Um herauszufinden, ob Unterschiede auf landesspezifische Determinanten zurückgeführt werden können, wurden auf Basis des NBS Konzepts relevante Determinanten aus dem politischen System, aus dem Finanzsystem, 7. Zusammenfassung 240 aus dem Beschäftigungs- und Bildungssystem und aus dem kulturellen System dargestellt und entsprechend Hypothesen abgeleitet. Anschließend wurden die Hypothesen mit einer logistischen Regression getestet. Tabelle 32: Zusammenfassung des Hypothesen Modell 1742 Getestete Hypothesen Bestätigt ja/nein H1: Die NHB in MOE ist unterschiedlich H 1a: Unternehmen in WE veröffentlichen mehr Nachhaltigkeitsberichte als in MOE H 1b: Die Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen aus WE haben eine höhere Qualität (hinsichtlich Standard und Vollständigkeit) als die Berichte von Unternehmen aus MOE 743 H2a: Unternehmen aus Ländern, deren Gesetze und Regulierungen einen stärkeren Wettbewerb fördern, sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen H2b: Unternehmen aus Ländern mit eine höheren Dichte an Zivilgesellschaftsorganisationen sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. H3a. Unternehmen aus Ländern mit einer hohen Marktorientierung sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. H3b. Unternehmen aus Ländern mit einem hohen Anteil an FDI sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen ____________________ 742 Eigene Darstellung. 743 Bestätigt für Nutzung des Standards, doch nicht für Vollständigkeit des Berichts. 7. Zusammenfassung 241 Getestete Hypothesen Bestätigt ja/nein H4a. Unternehmen aus Ländern mit einem hohen Anteil an gewerblichen Investitionen für die Tertiärbildung sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen H4b: Unternehmen aus Ländern, die über wenig qualifiziertes Fachpersonal verfügen, sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen H5b: Unternehmen aus Ländern mit einem höheren Grad an Machtdistanz sind weniger geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen H5a: Unternehmen aus Ländern mit einem höheren Grad an Kollektivismus sind eher geneigt, einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen H6a: Unternehmen aus Ländern mit einem höheren Grad an wirtschaftlicher Entwicklung veröffentlichen eher Nachhaltigkeitsberichte =bestätigt, = nicht bestätigt. Tabelle 32 zeigt eine Zusammenfassung der Hypothesen und ihre Ergebnisse. Aufgrund dieser Ergebnisse zur Hypothesentestung können die beiden Forschungsfragen wie folgt beantwortet werden: Die NHB unterscheidet sich hinsichtlich des Ausmaßes, der Schwerpunktsetzung und des Standardisierungsgrads, jedoch nicht hinsichtlich der Vollständigkeit. Weiterhin können Unterschiede in der NHB durch landesspezifische Determinanten erklärt werden. Es konnte für alle Ebenen des NBS Konzepts (Politik, Finanzen, Beschäftigungs- und Bildung und Kultur) ein Einfluss gezeigt werden. Die Ergebnisse des ersten Untersuchungsmodells wurden anschließend diskutiert und Implikationen für Wirtschaft, Wirtschafpolitik und Wissenschaft abgeleitet. In einem zweiten Untersuchungsmodell wird die dritte Forschungsfrage beantwortet. Das Modell kombiniert zwei Methoden der empirischen Sozialforschung (sog. Methodentriangulation). Zunächst werden Experteninterviews als qualitative Methode durchgeführt. Auf Basis der Ergebnisse wurden Hypothesen abgeleitet und ein Fragebogen für eine standardisierte Befragung konstruiert, womit eine quantitative Methode zum Einsatz kommt. 7. Zusammenfassung 242 Sinn dieser Methodenkombination ist es, einen offenen Zugang zum Thema zu gewährleisten. Da hinsichtlich der internen Faktoren innerhalb der NHB kaum etwas bekannt war, können innerhalb der Interviews diese Faktoren ermittelt werden. Mit der darauf folgenden quantitativen Erhebung können die Ergebnisse validiert werden. Weiterhin erlaubt die Methodentriangulation den Ausgleich von Schwächen einer Methode durch die Stärken der anderen Methode.744 Die Interviews sollen Aufschluss darüber geben, wie sich die NHB intern unterscheidet, und ob es interne Hindernisse oder Anreize gibt, die die Ver- öffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts beeinflussen. Da es kaum Anhaltspunkte für die internen Einflussfaktoren gibt, ist die Befragung eher explorativer Natur und wird in vier Themenkomplexen des Interviewleitfadens umgesetzt. Es wurden mindesten zwei Interviews pro Land durchgeführt. Die insgesamt 20 geführten Interviews werden nach dem qualitativ orientierten Verfahren von Meuser und Nagel ausgewertet.745 Am Ende des Verfahrens stehen die Auswertung und die anschließende Interpretation der Interviewergebnisse. Die wichtigsten Punkte beinhaltet Tabelle 33 Tabelle 33: Zusammengefasste Ergebnisse und Interpretation der Interviews Ergebnis Interpretation Definition und Relevanz von Nachhaltigkeit im Unternehmen Die Definition von unternehmerischer Nachhaltigkeit bezieht sich auf offizielle Definitionen und ähnelt sich daher entsprechend Unterschiede in den Aktivitäten Keine regionalen Unterschiede in Bezug auf die Definition von Nachhaltigkeit Unterschiede im CSR- Reifegrad zwischen berichtenden und nicht-berichtenden Unternehmen ____________________ 744 Vgl. Kapitel 6.1. 745 Vgl. Meuser und Nagel (1991), S. 441 ff.; Meuser und Nagel (1997), S. 481 ff. und Kapitel 6.1.2. 7. Zusammenfassung 243 Ergebnis Interpretation Motivation Motivation: Legitimität, Reputation Informationsforderung von Investoren und Rating Agenturen Global Compact Mitglied Demotivation: Fehlende Leserschaft Zu hohe Kosten Keine regionalen Unterschiede in Bezug zur Motivation Interne Nutzung der Daten wird nicht als Motivation genannt, Bericht wird lediglich als Kommunikationsinstrument genutzt Weitgehende Übereinstimmung der Ergebnisse in der Literatur zur NHB Prozesse der NHB NHB ist im Sinne einer Matrixstruktur aufgebaut, es gibt ein NHB- Team oder einen NHB- Verantwortlichen, der den Prozess der NHB organisiert NHB ist teilweise in eigener Nachhaltigkeitsabteilung oder in PR/Kommunikation verankert Prozesse sind unterschiedlich gestaltet, was sich im Grad der Formalisierung, Routine und IT-Nutzung widerspiegelt. Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, weisen besser ausgeprägte interne Prozesse auf Zukunftsvision Es ist ein steigender Trend hinsichtlich der Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten zu erkennen Der Trend führt zu einer faktenorientierten Berichterstattung Unternehmen, die keinen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen und eine Veröffentlichung auch in Zukunft nicht planen, sehen darin lediglich einen Modetrend. Unternehmen, die in naher Zukunft oder erst 7. Zusammenfassung 244 Ergebnis Interpretation kürzlich einen Bericht veröffentlicht haben, erwarten weiterhin eine steigende Anzahl an Berichten und eine steigende Relevanz der Themen Unternehmen, die langjährige Erfahrung haben, sehen, dass die Nachhaltigkeitsberichte die nächste Stufe erreicht hat und eine inhaltliche Optimierung der Berichte fokussiert wird Auf Basis der Ergebnisse wurden die vier Unterschiedshypothesen abgeleitet, die sich auf den CSR Reifegrad und den Grad der Routine der internen Prozesse beziehen. Für die Hypothesentests wurden Daten in Form eines Fragebogens gesammelt. Die Auswertung der 415 ausgefüllten Fragebogen erfolgte zunächst deskriptiv. Weiterhin wurden die Unterschiedshypothesen mit dem M-W-U-Test geprüft. Die Ergebnisse der Hypothesentests werden in Tabelle 34 zusammengefasst. 7. Zusammenfassung 245 Tabelle 34: Zusammenfassung Hypothesen Modell 2 Getestete Hypothesen Bestätigt ja/nein Unternehmen mit einem eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht weisen einen höheren CSR Reifegrad auf als Unternehmen ohne eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht Unternehmen aus WE haben einen höheren CSR-Reifegrad als Unternehmen aus MOE Unternehmen mit eigenständiger Nachhaltigkeitsberichterstattung weisen eine höhere Prozessausprägung hinsichtlich Formalisierung, Routine und Zentralisierung auf. Unternehmen aus WE weisen eine höhere Prozessausprägung hinsichtlich Formalisierung, Routine und Zentralisierung auf als Unternehmen aus MOE. =bestätigt, = nicht bestätigt. Aufgrund der genannten Ergebnisse kann die dritte Forschungsfrage wie folgt beantwortet werden: Unternehmen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer internen Prozesse, der Ausprägung ihrer CSR-Aktivitäten und ihrer Zukunftsvorstellungen. Es konnte festgestellt werden, dass Unternehmen, die einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, einen höheren CSR-Reifegrad und eine höhere Ausprägung der internen Prozesse aufweisen als Unternehmen, die keinen Bericht veröffentlichen. Nach der Ergebnisdiskussion des zweiten Untersuchungsmodells wurden Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft abgeleitet. Mit der Arbeit wird die am Anfang formulierte Forschungslücke geschlossen. Die Forschung zur NHB wird um eine empirische Studie bereichert, die die bisher in dieser Hinsicht vernachlässigte Region MOE fokussiert. Es hat sich gezeigt, dass die Veröffentlichung eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts in beiden Regionen noch nicht so weit verbreitet ist, wie allgemein angenommen wird. Es ist mit einem Anstieg der eigenständigen Nachhaltigkeitsberichte in MOE zu rechnen. 7. Zusammenfassung 246 Um die Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichte zu steigern, muss der Grad der Standardisierung und Vollständigkeit der Berichte erhöht werden. Trotz der EU Direktive 2014/95/EU, die keinen neuen Standard vorschreibt, und eines neuen Berichtsstandards, dem GRI 4.0, ist keine Veränderung zu erwarten. Aus beiden Untersuchungen hat sich ergeben, dass der Nachhaltigkeitsbericht in erster Linie als Kommunikationsinstrument eingesetzt wird und somit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Mit dem verstärkten Einsatz von digitalen Medien eröffnen sich neue Gestaltungsmöglichkeiten, die eine Integration in bestehende interne Berichtsprozesse ermöglichen und von den Unternehmen genutzt werden sollten. Unternehmen beider Regionen stehen damit viele Potenziale zur Verbesserung der NHB offen, die in den Limitationen und Implikationen verdeutlicht werden. 247 Anhang 1 Hinweise zum Datenschutz Forschungsprojekt: »Nachhaltigkeitsberichterstattung in Zentral- und Osteuropa« Zusicherung der Anonymität der Aufzeichnungen -- Information für die Befragten -- Die Durchführung der Studie geschieht auf der Grundlage der Bestimmungen des Datenschutzgesetzes. Die Interviewerin und alle Mitarbeiter/innen im Projekt unterliegen der Schweigepflicht und sind auf die Einhaltung des Datengeheimnisses verpflichtet, d.h., sie dürfen außerhalb der Projektgruppe mit niemandem über die erhobenen Interviews sprechen. Der Datenschutz verlangt, dass wir Sie über unser Vorgehen informieren und Ihre ausdrückliche Genehmigung einholen, um das Interview auswerten zu können. Die Datenschutzbestimmungen verlangen auch, dass wir Sie noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass aus einer Nichtteilnahme keine Nachteile entstehen. Sie können auch bei einzelnen Fragen Antworten verweigern. Wir sichern Ihnen folgendes Verfahren zu, damit Ihre Angaben nicht mit Ihrer Person in Verbindung gebracht werden können: Wir gehen sorgfältig mit dem Erzählten um: Wir nehmen das Gespräch auf Band auf, weil man sich so viel nicht auf einmal merken kann. Das Band wird abgetippt und Sie können die Abschrift bekommen, wenn Sie dies möchten. Die Abschrift wird nicht veröffentlicht und ist nur projektintern für die Auswertung zugänglich. Ausschnitte werden nur zitiert, sofern eine Identifikation der Person ausgeschlossen ist. Wir anonymisieren, d.h. wir verändern alle Personen-, Unternehmens-, Orts- und Straßennamen. Sofern wir Ihren Namen und Ihre Telefonnummer erfahren haben, werden diese Angaben in unseren Unterlagen anonymisiert und nur bei Ihrer ausdrücklichen Zustimmung für den Projektzeitraum sicher verwahrt (für den Fall der Klärung von Rückfragen). Die von Ihnen unterschriebene Erklärung zur Einwilligung in die Auswertung wird gesondert aufbewahrt. Sie Anhang 1 248 dient einzig und allein dazu, bei einer Überprüfung durch den Datenschutzbeauftragten nachweisen zu können, dass Sie mit der Auswertung einverstanden sind. Sie kann mit Ihrem Interview nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Wir bedanken uns für Ihre Bereitschaft, uns ein Interview zu geben! Bei Fragen, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Projektleiterin Judith M. Pütter auf. Datum: Unterschrift für das Projekt durch Interviewer/in: Judith M. Pütter, IPRI gGmbH, Königstraße 5, 70173 Stuttgart; Tel.: +49- 711-620 3468-8010, jpuetter@ipri-institute.com 249 Anhang 2 Interview-Leitfaden Interview Start: Please record the interview Mention Name of interviewee, position, company, place and date Exemplary Interview Start: Before we start with the interview I would like to briefly tell you what it is all about. The study seeks to provide information about the status quo and the development of sustainability and sustainability reporting in CEE with examining the differences. During the conversation I will ask you several open questions. I further request you to tell me everything about the priory mentioned issues regarding sustainability reporting since every data is relevant and important for my report. We would like to record the interview on tape. This has the advantage that I will be able to follow the conversation in a more effective and easier way, so that I can understand better what's being said. The interview will take approximately 1 hour. Of course we will maintain your personal data and interview material strictly confidential und anonymous. It will not be given to third parties without our prior permission. Is everything clear to you? Do you have any further questions? Anhang 2 250 Central Question 1 There is no simple definition of 'sustainability'. It can be an idea, a property of living systems, a manufacturing method or a way of life. In fact, there may be as many definitions of sustainability as there are people trying to define it. How do you and your company understand sustainability? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Importance of sustainability To find out how broadly or narrowly our respondent understands sustainability ICE BREAKER What kind of sustainability issues do managers at your company perceive as critical? What is your company’s definition of sustainability? Do you personally agree with this definition? Is there a regional definition of sustainability Do Environmental issues Economic issues Social issues concern your company in any way? Provide examples of such issues. Central Question 2 When did your company start with sustainability initiatives? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Importance of sustainability To find out if the company has already sustainability initiatives and what kind of sustainability initiatives ICE BREAKER Anything else your company did to contribute to the society, environment, economy? Do the initiatives persist? Which ones and why? Anhang 2 251 Central Question 3 What are the impacts of these initiatives?? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Importance of sustainability How do you measure those impacts? Central Question 4 There are various possibilities to report about initiatives in the field of sustainability. Few companies report in current reports, other use media and press releases... . Does your company generate information about issues discussed and if so, what kind of sustainability data is generated? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Importance of sustainability Did the company report about their initiatives and their understanding of sustainability e.g. in current reports (annual report, sustainability/CR/CSR report, integrated reporting), in media during interviews, as an advert, in leaflets or letters to employees or customers etc.? Did your company report about their initiatives and their understanding of sustainability e.g. in current reports, in media during interviews, as an advert, in leaflets or letters to employees or customers etc.? How do you communicate with your stakeholders (e.g. customers, suppliers, etc) about your activities? Ask for archives Anhang 2 252 Central Question 5a (in the case, the interviewed company is publishing a sustainability report) Why do you publish a separate sustainability report? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Reasons for Sustainability Reporting (external reporting) What is the motivation behind? Do regulations have an effect on the form/content of sustainability reporting? What are the benefits of sustainability reporting in the form of a separate sustainability report? What are the costs of sustainability reporting in the form of a separate sustainability report? Is there a payoff? Central Question 5b (in the case, the interviewed company is not publishing sustainability data) Why do you not publish sustainability reports? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Reasons for Sustainability Reporting (external reporting) What are the common challenges? What is the motivation behind? Do regulations have an effect on the form/content of sustainability reporting? What is it? What are the benefits of sustainability reporting (as part of an annual report)? What are the costs of sustainability reporting? Is there a payoff? Anhang 2 253 Central Question 6a (in the case, the interviewed company is publishing sustainability data) Which factors drive your company to publish external sustainability reports? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Reasons for Sustainability Reporting (external reporting) Are there any internal pressures (e.g. by employees) for external sustainability reporting? Is external pressure applied to your company (e.g. by competitors or customers?) Who is interested in your sustainability activities? Who are the addressees (internal and external)? Which of these groups and/or events have the biggest impact on sustainability reporting? Central Question 6b (in the case, the interviewed company is not publishing sustainability data) Which factors keeps your company off to publish external sustainability reports? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Reasons for Sustainability Reporting (external reporting) Is internal pressure applied to your company (e.g. by employees?) Is external pressure applied? (e.g. by competitors or customers?) Is anybody interested in your sustainability activities? Which of these groups and/or events have the biggest impact on sustainability reporting? Anhang 2 254 Central Question 7 How is the process of sustainability reporting organized? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Process Sustainability Reporting Who (person or department) is involved in the process of Sustainability Reporting (especially the accounting function)? Who is responsible for sustainability reports? Who prepares the data? Is the process centralized around a single department/system or across several departments/systems? To which extent is the information generation process formalized? Is CSR integrated with financial reporting? Central Question 8 Does your company cooperate with external subjects in the field of sustainability reporting? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Process Sustainability Reporting Which stakeholders are involved in the process? Do you use services from consultancy companies? Is your company a member of any platform that connects companies with the interest in sustainability reporting? Anhang 2 255 Central Question 9 Which changes do you expect regarding sustainability reporting? Content Issues Questions to ensure maintenance Enquiries Future Which aspects are important (regulation, expectation of stakeholders) Do you think sustainability reporting is a growing trend? In what form will sustainability data be reported in the future? How will you response to it? 257 Anhang 3: Online-Fragebogen Dear Survey Participant, Interest in sustainability and its implications for business has increased steadily. It is increasingly recognised that sustainability not only poses ethical issues but also has direct implications for economic performance. The development of the regulatory framework of markets, technical and organisational innovations, and new societal and consumer perceptions, have changed the business context and the determinants of corporate success. The aim of the survey is to explore the processes involved in generating sustainable business information. As the study will be carried out in eleven Western- Central- and Eastern European countries, we will be able to explore how different countries are dealing with the additional information needs required in order to manage the increasingly topical issue of sustainability. With your participation you support an international research project. With the results we are able to draw and compare the status quo of sustainability reporting in Europe. The results will provide the status quo of each country and managerial guidance sustainability reporting in Europe. Participants who are interested in the results of the study can leave their e-mail address at the end of the questionnaire. The results will be sent to you approximately in the last quarter of 2015. The questionnaire should take about 15 minutes of your time and consists of three parts. Your responses are voluntary and will be confidential. Responses will not be identified by individual. All responses will be compiled together and analyzed as a group. The survey is part of the project «CSR-Reporting in Central- and Eastern Europe”. It is conducted by a research team of eleven countries (http://www.csr-reporting.org/index.php/researchconsortium.html). Coordinator is the International Performance Research Institute located in Stuttgart, Germany (www.ipri-institute.com). If you have any questions or concerns, please contact Judith M. Pütter jpuetter@ipri-institute.com; +49 - 711 - 6203268 – 8010 Thank you very much! Anhang 3 258 1.1 Corporate Sustainability Corporate sustainability is defined as a process which aims to integrate the systematic management of the environmental and social aspects of business together with the economic aspects, both to achieve sustainable business development for the company. Please indicate which statements express your company’s situation best regarding … ...Corporate Sustainability Please choose only one of the following: • Sustainability is not relevant • Sustainability is mainly a PR / Marketing concept • Sustainability is a strategic management responsibility and task (e.g. integrated in incentive system) • Sustainability is implemented as an organisation principle and is involved in the whole corporate management ...Sustainability Strategy Please choose only one of the following: • There is no sustainability strategy • There is a sustainability strategy but it is not related to the corporate strategy • Sustainability strategy is part of the corporate strategy • Sustainability strategy is the main content of the corporate strategy 1.2 Corporate Sustainability Please indicate which statements express your company’s situation best regarding … ...Stakeholder Communication Please choose only one of the following: • There is no stakeholder communication / dialogue • Irregular and incident-driven stakeholder communication /dialogue • Regular top-down stakeholder dialogue • Regular bottom-up and top-down stakeholder dialogue ...Sustainable Activities / Practices Anhang 3 259 Please choose only one of the following: • There are no sustainable activities/practices • Sustainable activities/practices are unsystematic and isolated • Sustainable activities/practices are systematic and refer to our strategy • Sustainable activities/practices are involved in (almost) every part of the value chain ...Requirements on Supply Chain Please choose only one of the following: • There are no specific requirements • Acting social and environmental responsible along the supply chain is partially required • Acting social and environmental responsible along the chain is expected and required, but there is no own standard entire supply • Acting social and environmental responsible along the entire supply chain is required. Own standards often exceed the normal requirements. 1.3 Sustainability Accounting Please indicate which statements express your company’s situation best regarding … ...Sustainability Accounting Please choose only one of the following: • Sustainable outcomes are not collected • Outcomes are single and isolated collected and analyzed • Outcomes are collected and analyzed by a sustainability accounting system that is linked with strategic objectives /goals • Outcomes are collected and analyzed by a sophisticated sustainability accounting system as the basis for all corporate decisions Anhang 3 260 The term ‘sustainability accounting’ is used here to refer to the process of the collection, analysis and communication of sustainability-related information. This is any information that is needed for, or that is related to, corporate sustainability management. It can include both new types of information and sometimes also information which may already have been generated and used for some time before the term ‘sustainability’ became common usage (e.g., on legal compliance with employment laws). 2.1 Spectrum of Information How balanced is the information collected regarding environmental and social aspects? Please choose only one of the following: • Information collected is only on environmental issues • Information collected is mainly on environmental issues • Information spectrum is balanced between environmental and social issues • Information collected is mainly on social issues • Information is collected only on social issues How balanced is the information collected regarding engineering related themes (e.g. production optimization or energy efficiency) and softer aspects (e.g. employee satisfaction) Please choose only one of the following: • Information collected is only on engineering related themes • Information collected is mainly on engineering related themes • Information spectrum is balanced between engineering related themes and softer aspects • Information collected is mainly on softer aspects • Information collected is only on softer aspects Anhang 3 261 2.2 Involvement Who decides what aspects are covered within sustainability reporting? Please choose all that apply: • Operational managers • Accounting specialists • Sustainability managers • Senior management • Others Who collects the data for sustainability reporting? Please choose all that apply: • Operational managers • Accounting specialists • Sustainability managers • Senior management • Other: Where is sustainability reporting located in your company? Please choose all that apply: • Sustainability department (or CSR-department) • PR/Communication department • HR department • Strategy • Finance & Accounting department • Other: Anhang 3 262 3.1 Sustainability Reporting Processes Sustainability Information generating processes are differently organized, please answer the following questions: Please choose the appropriate response for each item: Not at all To a very little extent To a slight extent To a moderate extent To a great extent To which extent are reporting guidelines (e.g. GRI- Guidelines) relevant for sustainability accounting?* To which extent are sustainability data routinely generated?* To which extent is the process of sustainability accounting centralized around a single department?* To which extent is the process of sustainability accounting centralized around a single information system* To which extent is the information generation process formalized?* Anhang 3 263 3.2 Channel of Sustainability Reporting Which channel is used for sustainability reporting? Please choose all that apply: • None • Annual Report • Web-based report (e.g. Homepage) • Internet-based reports (Interactive reports) • Stand Alone Sustainability Report • Integrated Report • Internal reports (e.g. as a basis for decision making) • Intranet • Other: 4.1 Basic Questions Which industry describes your operation best? • Manufacturing • Wholesale and retail trade • Information and Communication • Electricity, gas, steam and air condition • Construction • Other: Please indicate the number of full-time employees of your company Please choose only one of the following: • 1-250 • 251-500 • 501 - 1000 • 1.001 - 5000 > 5.000 Please indicate your company's turnover in 2014 Please choose only one of the following: • 1 - 50 mio. € • 51 - 100 mio. € Anhang 3 264 • 101 - 500 mio. € • > 500 mio. € Is your company primarily devoted to... Please choose only one of the following: • extract raw materials? • elaborate intermediate products/services? • elaborate final products/services? • Other Is your company primarily devoted to… Please choose only one of the following: • B2B products/services? • B2C products/services? • B2B and B2C products/services? • Other Please indicate the ownership form of your company Please choose only one of the following: • Privately held • Privately held - family owned • Publicity traded • State owned • Partly state-owned Does your company belong to a multinational enterprise? Please choose only one of the following: • Yes, company operates in less than 5 countries • Yes, company operates in 5 or more countries • No, local company In which department do you work in? * 265 Literaturverzeichnis Abbott, W. F., & Monsen, R. J. (1979). On the measurement of corporate social responsibility: Self-reported disclosures as a method of measuring corporate social involvement. 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Bis heute liegt eine große Anzahl an Studien über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von europäischen Unternehmen vor. In den meisten dieser Studien werden nur westeuropäische Länder berücksichtigt. Mehr als ein Drittel der 28 EU-Länder liegt jedoch in Mittel- und Osteuropa. Aufgrund fehlender empirischer Untersuchungen liegen nur wenige Kenntnisse über den jetzigen Stand zur Nachhaltigkeitsberichterstattung vor. Es können kaum Rückschlüsse zur Verbreitung gemacht werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung mittelund osteuropäischer Unternehmen. Um einen Vergleich zu ermöglichen, wird die Untersuchung um zwei westeuropäische Länder ergänzt. Die Arbeit kann grob in zwei Teile aufgeteilt werden: Zur Darstellung des Status quo und zur Aufdeckung von Unterschieden in der Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde im ersten Teil eine Inhaltsanalyse bei den jeweils 50 größten Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa und Westeuropa durchgeführt. Um herauszufinden, ob Unterschiede auf landesspezifische Determinanten zurückgeführt werden können, wurden auf Basis des National Business System Konzepts relevante Determinanten abgeleitet und ihre Wirkung auf die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts untersucht. Im zweiten Teil wurden mit Hilfe von Experteninterviews unternehmensinterne Faktoren aufgedeckt, die einen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen haben. In einer Umfrage wurde überprüft, ob sich die internen Faktoren zwischen Unternehmen, die berichten, und Unternehmen, die nicht berichten, unterscheiden. Ferner wurde analysiert, ob sich diese regional unterscheiden. Zentrale Ergebnisse dieser Studie sind, dass • sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung innerhalb Mittel- und Osteuropas und auch im Vergleich zu Westeuropa hinsichtlich Ausmaß, Qualität und Schwerpunktsetzung unterscheidet. • landesspezifische Faktoren, wie z.B. Dichte der Zivilgesellschaftsorganisationen eines Landes oder Anteil der qualifizierten Fachkräfte, einen Einfluss auf die NHB haben • sich interne Faktoren, wie interne Berichtsprozesse, zwischen den Unternehmen unterscheiden, für diese jedoch keine regionalen Unterschiede gefunden werden konnten. Die Ergebnisse werden eingehend diskutiert. Aus den Erkenntnissen der Untersuchungen werden entsprechend Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft abgeleitet. Abstract Over the past two decades environmental sustainability and corporate responsibility have received significant attention. In order to build and maintain a strong corporate identity, enterprises and their leaders increasingly acknowledge the need to act and develop their business responsibly and viably. As part of this trend a growing number of enterprises publishes sustainability reports to make their practices, initiatives and value propositions transparent. However, despite this development and in stark contrast to financial reporting, publishing a sustainability report is still largely voluntary and differs in frequency, form, quality and quantity nationally and internationally. To date a large number of studies concerning sustainability reporting of European enterprises is available, with most focusing on companies and countries located in Western Europe. More than two thirds of all 28 European Union countries, however, lie in Central and Eastern Europe. Empirical studies concentrating on corporate sustainability and sustainability reporting in these countries are still scarce, and solid insights regarding the prevalence of sustainability efforts and reports are lacking. The present thesis therefore investigates the sustainability reporting practice of enterprises in Central and Eastern Europe. In order to compare with existing prevailing knowledge, we also include corporate sustainability reporting from two Western European countries in this study. The study contains two parts. The first part describes the current state of sustainability reporting as practiced by the 50 largest enterprises in Central and Eastern Europe and Western Europe, respectively. Similarities and differences in content and focus are carefully revealed by analyzing the reports in detail. In order to establish whether the differences are largely country specific or not, determinants based on National Business System are derived and used to examine their impact on the publication of sustainability reports. The second part investigates enterprise specific factors that influence the decision to publish sustainability reports through expert interviews. A survey was designed and analyzed to determine whether enterprise specific factors differ between businesses that publish sustainability reports and those that do not. The main findings are the following insights: • Corporate sustainability reporting within Central and Eastern Europe and in comparison to Western Europe differs drastically in scope, quality and focus. • Country specific factors such as the number or density of civil society organizations and the fraction of highly qualified personnel in the workforce strongly influence practice and attitude towards sustainability reporting. • Enterprise internal factors that impact sustainability reporting such as internal processes and internal reports vary across businesses but not across different geographic regions. The thesis furthermore discusses the findings and their implications for economic policy, business principles and economic theory in detail in this thesis

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich erstmalig mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen aus 13 West-, Mittel- und Osteuropäischen Ländern. Die Arbeit kann in zwei Teile aufgeteilt werden: Zur Darstellung des Status quo und zur Aufdeckung von Unterschieden in der Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde im ersten Teil eine Inhaltsanalyse bei den jeweils 50 größten Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Westeuropa durchgeführt.

Im zweiten Teil wurden mit Hilfe von Experteninterviews unternehmensinterne Faktoren aufgedeckt, die einen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen haben. In einer Umfrage wurde überprüft, ob sich die internen Faktoren zwischen Unternehmen, die berichten, und Unternehmen, die nicht berichten, unterscheiden. Ferner wurde analysiert, ob sich diese regional unterscheiden.

Aus den Erkenntnissen der Untersuchungen werden entsprechend Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft abgeleitet.

References

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich erstmalig mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen aus 13 West-, Mittel- und Osteuropäischen Ländern. Die Arbeit kann in zwei Teile aufgeteilt werden: Zur Darstellung des Status quo und zur Aufdeckung von Unterschieden in der Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde im ersten Teil eine Inhaltsanalyse bei den jeweils 50 größten Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Westeuropa durchgeführt.

Im zweiten Teil wurden mit Hilfe von Experteninterviews unternehmensinterne Faktoren aufgedeckt, die einen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen haben. In einer Umfrage wurde überprüft, ob sich die internen Faktoren zwischen Unternehmen, die berichten, und Unternehmen, die nicht berichten, unterscheiden. Ferner wurde analysiert, ob sich diese regional unterscheiden.

Aus den Erkenntnissen der Untersuchungen werden entsprechend Implikationen für Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Wissenschaft abgeleitet.