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Hakan Gürses, Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung in:

Markus Gloe, Tonio Oeftering (Ed.)

Politische Bildung meets Politische Theorie, page 161 - 176

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8487-3901-1, ISBN online: 978-3-8452-8229-9, https://doi.org/10.5771/9783845282299-162

Series: Votum. Beiträge zur politischen Bildung und Politikwissenschaft, vol. 1

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Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung Hakan Gürses Foucault vergessen? In seinem 1977 erschienenen Buch Oublier Foucault schlug der französische Soziologe und Philosoph Jean Baudrillard vor, den bereits zu überragender Bekanntheit gelangten Michel Foucault quasi geistig zu entsorgen. Große Zustimmung hat die Einladung indes nicht gefunden. Denn auch nach fast 40 Jahren seit dem Erscheinen des nämlichen Buches und nach gut 30 Jahren seit Foucaults Tod kann wohl niemand behaupten, dieser gehöre inzwischen zu jenen in Vergessenheit geratenen Modephilosophen, die Frankreich in regelmäßiger Folge hervorbringt. Im Gegenteil: Der Name Foucault ist im akademischen wie im politisch-aktivistischen Zusammenhang allgegenwärtig. Die große Reichweite seiner bereits veröffentlichten Bücher zeugen ebenso von dieser ungebrochenen Aktualität wie die fast jährlich auf den Markt kommenden posthumen Foucault-Publikationen – um von der enormen Fülle der Sekundärliteratur über ihn ganz zu schweigen. Freilich muss vermerkt werden, dass die pulsierende Beschäftigung mit Foucaults Denken paradoxerweise eine reglementierte Rezeption hervorgebracht hat, wie auch der Foucault-Handbuch-Mitherausgeber Rolf Parr bemerkt: „Auf einen ersten, kurzen Nenner gebracht: dass Foucault auf der einen Seite nicht nur ‚philologisch’ zum ‚Klassiker’ und damit in seinem politischen Wirkungspotenzial still gestellt wird (man könnte von ‚klassifiziert’ in Analogie zu ‚mumifiziert’ sprechen), auf der anderen, dass er nicht nur von den je eigenen disziplinären Anschlüssen bzw. Fragestellungen her wahrgenommen wird“ (Parr 2008, 1). Hans-Herbert Kögler schlägt in seiner Foucault-Einführung in dieselbe Kerbe: „Trotz der immensen Fülle der Aufsätze, Monographien und Diskussionsveranstaltungen zum Werk Foucaults hat sich die Deutung und Aufnahme seiner 1. 161 Begriffe und Ideen in einem vergleichsweise klar abgesteckten Rahmen bewegt“ (Kögler 2004, 1). Die Gründe für dieses „gegen den Strich Kanonisieren“ sind sicherlich vielfach. Dass Foucaults intellektuelle und akademische Arbeit, somit auch seine „Werke“1 nicht eindeutig einer wissenschaftlichen Disziplin zuzuordnen sind, spielt dabei zweifelsohne die wichtigste Rolle. Er hat sich weder als Philosoph noch als Historiker oder Soziologe betrachtet und wurde auch von denAngehörigen dieser Zünfte kaum dazugezählt. Die posthume Zähmung seiner Arbeit durch eine – im beiderlei Sinne des Wortes – disziplinierende Zuordnung war daher nachgerade vorprogrammiert. Ähnlich verhält es sich mit seiner Einordnung in Denkschulen: Zeit seines Lebens musste Foucault gegen das Etikett „Strukturalist“ ankämpfen – wofür er nach seinem Tod fast einstimmig „belohnt“ wurde mit dem Etikett „Poststrukturalist“.2 In der politischen Theorie, den Kultur- und Sozialwissenschaften haben sich etwa zwei Stränge herausgebildet, die als Foucaults wesentlicher Beitrag betrachtet werden. Zum Ersten handelt es sich um die sogenannte Machttheorie. Insbesondere seine Vorlesungen zu Gouvernementalität (vgl. Foucault 2004) sind in den letzten Jahren zum politiktheoretischen Kern der Foucault-Rezeption avanciert. Im angloamerikanischen Raum gibt es bereits die Forschungsrichtung „Governmentality Studies“. Zum Zweiten ist es die Methode der Diskursanalyse, die auf Foucault zurückgeführt wird, allerdings eher als Sammelbegriff für eine Reihe von unterschiedlichen Herangehensweisen in verschiedenen Disziplinen dient. In der politischen Bildung wiederum kann kaum von einer bedeutsamen Rezeption der Konzepte Foucaults gesprochen werden, dies betrifft vor allem die deutschsprachige Fachliteratur. Einzelne Ausnahmen, wie etwa ein Beitrag von Carsten Bünger zur subjektkritischen politischen Bildung (vgl. Bünger 2010), ändern nicht viel an diesem Befund. Im vorliegenden Beitrag möchte ich – auch angesichts dieser Rezeptionslage – zunächst Foucaults historisch-philosophische Vorgehensweise darlegen. Dann werde ich das Dreieck Subjekt-Macht-Wissen fokussieren, dass das Analyseraster seiner Arbeiten bildet. Anschließend will ich ver- 1 Ich stelle „Werk“ in Anführungszeichen, da Foucault selbst diesen Begriff – im Zusammenhang mit der Funktion des „Autors“ – einer strengen Kritik unterzog (vgl. Foucault 1988, 12 ff.). 2 Vgl. den Beitrag von Herbert Uhl in diesem Band. Hakan Gürses 162 suchen, die Bedeutung dieser beiden Aspekte als Möglichkeit zur Anknüpfung für die politische Bildung herauszuarbeiten. Es sei hier ausdrücklich betont, dass der vorliegende Versuch nicht von der Absicht einer Systematisierung getragen ist – ich bin der Meinung, dass politische Bildung von einem Autor wie Michel Foucault viel mehr übernehmen kann als die wenigen Komponenten, die ich im Folgenden ausführen werde. Eckdaten zu Foucault Michel Foucault studierte Philosophie und Psychologie an der Pariser École normale supérieure, wo er unter anderem Schüler von Louis Althusser wurde, dessen strukturalistische Lesart des Marxismus später großen Anklang fand. Nach Leitungsfunktionen an französischen Kulturinstituten in Uppsala, Warschau und Hamburg und Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten in Frankreich (sowie in Tunesien) wurde Foucault 1970 Professor für „Geschichte der Denksysteme“ an der renommiertesten aller Hochschulen Frankreichs, am Collège de France, und blieb es bis zu seinem recht frühen Tod. Foucaults Publikationen wiesen zu Lebzeiten im Wesentlichen zwei Kategorien auf: die „großen“ Bücher und die vielen Interviews, Vorträge oder Kurztexte, die sich zumeist als jeweilige interpretatorische Hilfswerkzeuge auf diese Bücher bezogen.3 Die oft besprochenen Titel aus der ersten Kategorie lauten: Wahnsinn und Gesellschaft (1961/ dt. 1969); Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften (1966/1971); Archäologie des Wissens (1969/1973); Die Ordnung des Diskurses (1972/1974); Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses (1975/1976); Sexualität und Wahrheit (3 Bde.: 1976-1984/1983-1986). Zu diesen „großen“ kommen kleinere Bücher, die bereits erwähnten „Schriften“ und schließlich die Transkriptionen der Vorlesungen, die er am 2. 3 Letztere Schriften wurden in vielen Kompilationen erst- oder nachgedruckt und posthum in den vierbändigen Schriften (Dits et Ecrits) gesammelt (vgl. Foucault 2001-2005). Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung 163 Collège de France gehalten hat (von den 13 Bänden liegen bereits elf auf Deutsch vor).4 Foucault war ein Denker, der zwar die Rolle des allwissenden und allgegenwärtigen „allgemeinen Intellektuellen“ ablehnte und diesem einen entmystifizierten „spezifischen Intellektuellen“ entgegenhielt (vgl. Deleuze/Foucault 1977, 86-99). Dennoch hat er sich, der französischen Tradition engagierter Philosophie entsprechend, öffentlich eingemischt und politisch positioniert – insbesondere ab 1968: etwa im Rahmen der Revolten an der Reform-Universität Vincennes, als Gründungsmitglied der GIP (Gruppe zur Information über Gefängnisse), als Aktivist gegen Rassismus, für Solidarität mit spanischen Franco-GegnerInnen, mit polnischen DissidentInnen, mit der Black-Panthers-Bewegung in den USA usw.. Solche biografischen Einschnitte werden in der Foucault-Rezeption gewöhnlich mit den thematischen und methodischen Wendungen in seinem „Werk“ kurzgeschlossen, und Deutungsmodelle mit drei (etwa Fink-Eitel 1997) oder vier „Phasen“ (etwa Kögler 2004) sind bei Einführungen inzwischen üblich. Die Frage nach dem Nutzen solcher Einteilungen des gelehrten Lebens und des Werks, ja der Herstellung eines unmittelbaren Leben-Werk-Konnexes sei im Allgemeinen dahingestellt. „Phasen“ scheinen mir jedenfalls ein viel zu enges Korsett zu bilden just für die Rezeption eines „subversiven Denkens“ (vgl. Foucault 1982) wie das von Foucault, dessen Geschichtsauffassung zudem eine völlig andere war. Die Geschichte der Gegenwart schreiben „Nun, ich habe nicht vor, die Geschichte der Vergangenheit in die Begriffe der Gegenwart zu fassen“, schreibt Foucault in Überwachen und Strafen. „Wohl aber ist es meine Absicht, die Geschichte der Gegenwart zu schreiben“ (Foucault 1981, 43). In diesen Worten kommt eine Programmatik zum Ausdruck, die alle Arbeiten des Denkers durchzieht – wenn auch unter verschiedenen (figurativ verwendeten) Bezeichnungen. Für Foucault sind die Termini Archäologie, Genealogie und Kritik unterschiedliche Niveaus, die nicht nacheinander und auseinander zu entwickeln seien, sondern simultane Dimensio- 3. 4 Eine Bibliografie von Foucaults originalsprachigen Texten und den deutschen Übersetzungen (bis 2013) findet sich in der Online-Zeitschrift Texturen: http://www .texturen-online.net/methodik/diskursanalyse/foucault (7.1.2016). Hakan Gürses 164 nen seiner historisch-politischen Forschung charakterisieren sollen (vgl. Foucault 1977, 47f.; Foucault 1992, 29, 39f.). Er unternimmt bei verschiedenen Anlässen den Versuch, diese Dimensionen miteinander zu vergleichen, in ihrer jeweiligen Besonderheit zu beschreiben und sie zueinander in Bezug zu setzen. Ein Beispiel aus einem seiner letzten Texte, dem zweiten Band von Sexualität und Wahrheit: „Nicht die Verhaltensweisen zu analysieren und nicht die Ideen, sondern die Problematisierungen, in denen das Sein sich gibt als eines, das gedacht werden kann und muss, sowie die Praktiken, von denen aus sie sich bilden. Die archäologische Dimension der Analyse bezieht sich auf die Formen der Problematisierung selbst; ihre genealogische Dimension bezieht sich auf die Formierung der Problematisierungen ausgehend von den Praktiken und deren Veränderungen“ (Foucault 1989, 19). Ich möchte hier – unabhängig von diesen terminologischen Unterscheidungen – versuchen, die Historizität, die in seinen Untersuchungen zum Ausdruck kommt, als eine Analysemethode zu beschreiben. Foucault hat seit Ende der 1970er Jahre mehrmals auf den berühmten kleinen Text von Immanuel Kant hingewiesen: auf dessen im Dezemberheft 1784 der Berlinischen Monatsschrift veröffentlichte Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (vgl. Foucault 1992; Foucault 1990, 35– 54). Foucault maß diesem Text große Bedeutung bei, weil darin die philosophische Frage nach der eigenen Zeit zum ersten Mal auf eine „gegenwartshistorische“ Weise gestellt werde: „In seinen anderen Texten über die Geschichte wirft Kant gelegentlich Fragen des Ursprungs auf oder definiert die innere Teleologie eines historischen Prozesses. In dem Text über Aufklärung fragt er nach der reinen Aktualität. Er versucht nicht, die Gegenwart von einer Totalität oder einer zukünftigen Vollendung aus zu verstehen. Er sucht nach einer Differenz: Welche Differenz führt das Heute im Unterschied zu dem Gestern ein?“ (Foucault 1990, 37f.). Dieser Rekurs auf die historische Differenz betrifft den Kern der historisch-philosophischen Untersuchung: Sie ist keine Geschichtsschreibung im klassischen Sinne, die darauf bedacht ist, Kontinuitäten herzustellen, die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart ausfindig zu machen, einen zielgerichteten Verlauf der Dinge zu konstruieren, nach einem Ursprung oder einem Ziel der gesellschaftlichen Phänomene Ausschau zu halten. Sie ist aber auch keine stille Struktur, keine von einer letzten Instanz (wie der Ökonomie) oder Gesetzmäßigkeit determinierte Notwendigkeit, die folgerichtig eine Prophezeiung ermöglichen würde. Im Gegenteil: Die historische Differenz ergibt sich aus Bruchstellen, aus Diskonti- Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung 165 nuitäten. Wenn Geschichte, wie es Althusser formuliert, ein Prozess ohne Subjekt ist (Althusser 1974, 64), so hat sie auch keine stets erkennbare und vorhersehbare Struktur (als Quasi-Subjekt), sondern sie ist kontingent: zwar faktisch, somit möglich, aber nicht notwendig. Einen historischen Abschnitt zu analysieren heißt, ihn im Kontext eines vorhergehenden oder nachfolgenden Einschnitts zu begreifen, und zwar als ein Ereignis. Diese historische Perspektive versteht sich als eine kritische. Sozialkritik, wie sie etwa eine bestimmte marxistische Lesart favorisiert(e), nämlich die heutigen mangelhaften (da von Ausbeutung und Klassenherrschaft vorgezeichneten) gesellschaftlichen Bedingungen mit einer alternativen, auf anderen Produktions- und Eigentumsverhältnissen beruhenden Gesellschaft zu konfrontieren (mag diese auch noch nicht verwirklicht worden sein) – dieser utopisch und normativ verfassten Kritik stellt Foucault eine andere Kritik-Konzeption gegenüber: „Dass Kritik nicht länger als Suche nach formalen Strukturen mit universaler Geltung geübt wird, sondern eher als historische Untersuchung der Ereignisse, die uns dazu geführt haben, uns als Subjekte dessen, was wir tun, denken und sagen, zu konstruieren und anzuerkennen. In diesem Sinne ist Kritik nicht transzendental, und ihr Ziel ist nicht die Ermöglichung einer Metaphysik: sie ist in ihrer Absicht genealogisch und in ihrer Methode archäologisch“ (Foucault 1990, 49). Eine Perspektive, die auf die historische Differenz gerichtet ist und eine explizit durch die Gegenwart motivierte singuläre Vergangenheit (re-)konstruieren will – diese Perspektive ist gleichermaßen nicht-hegelianisch und nicht-strukturalistisch. Es geht Foucault nicht darum, herauszuarbeiten, wie etwa ein heute gültiger wissenschaftlicher Lehrsatz oder eine für unsere Gesellschaft selbstverständliche Institution nach Irrtümern und Fehlschlägen bzw. nach inhumanen Praktiken endlich entdeckt, erfunden oder entwickelt wurde. Es geht auch nicht darum zu zeigen, warum eine Wahrheit derlei lange auf ihre Entdeckung gewartet hat, die Humanisierung einer Institution nicht in jener, sondern erst in diesem Zeitalter möglich werden konnte. Foucault fragt in seinen Büchern nicht nach Wahrheit, auch nicht nach deren mühsamem Weg zum Durchbruch, sondern versucht, das als Wahrheit Akzeptierte und die „Tatsache seines Akzeptiertseins“ auf das hin verständlich zu machen, „was es akzeptabel macht – nicht im Allgemeinen, sondern eben dort, wo es akzeptiert ist: das heißt, es in seiner Positivität erfassen“ (Foucault 1992, 34). Vom Faktum der Akzeptiertheit zum System der Akzeptabilität – so bezeichnet Foucault sein historisches Verfahren (ebd.). Hakan Gürses 166 Dass sich eine solche historische Analyse an „Singularitäten“ halten muss, liegt auf der Hand. Foucault wurde deshalb oft vorgeworfen, er beschreibe unbewegliche Bilder, ohne jede Erklärung, ohne Analyse der Übergänge, kurz: ohne jede Kausalität. Erklärungsverfahren, die Kausalität an folgende drei Bedingungen knüpfen, lehnt Foucault tatsächlich ab (ebd., 36): 1. Abzielen auf eine tiefe, einzige und letzte Instanz (Ökonomie, Demografie usw.); 2. pyramidenförmiges Zurückführen auf einen einzigen Ursprung; 3. Unausweichlichkeit oder Notwendigkeit der Kausalität. Seine Analyse von Positivitäten, sagt Foucault, sei jedoch alles andere als eine Beschreibung ohne Kausalbegründungen; nur gehe es hier darum, ein Kausalnetz zu entfalten, das eben netzförmig konzipiert ist statt pyramidisierend, tiefenstrukturiert oder nötigend: ein Kausalnetz der Effekte, Beziehungen, Verkettungen, Interaktionen, Überlagerung heterogener Prozesse usw. „Im Gegensatz zur Zurückführung einer vielfältigen Nachkommenschaft auf eine einzige gewichtige Ursache handelt es sich hier um eine Genealogie: es handelt sich darum, die Erscheinungsbedingungen einer Singularität in vielfältigen bestimmenden Elementen ausfindig zu machen und sie nicht als deren Produkt, sondern als deren Effekt erscheinen zu lassen“ (ebd., 37). Subjekt-Macht-Wissen als Analyseraster Überwachen und Strafen beginnt mit der Darstellung der grausamen und öffentlich zur Schau gestellten körperlichen Marter eines Delinquenten in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Dieser folgt das lange Zitat aus dem Reglement für ein Haus junger Gefangener in Paris, in dem die Bestrafung einen ganz anderen „Stil“ aufweist als der erste – obwohl zwischen den beiden Praktiken kaum ein Jahrhundert liegt. Foucault beschreibt anschlie- ßend diesen Einschnitt in der Strafpraxis, der in den USA und in vielen europäischen Staaten fast gleichzeitig eingesetzt hat: in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Anstatt aber die darauffolgende Geschichte des Gefängnisses wie üblich als einen Prozess der stets fortschreitenden Humanisierung zu analysieren, wirft er einen ungewöhnlichen Blick auf diese Bruchstelle: Die Transformation der Strafmethoden soll von einer „politischen Technologie des Körpers“ her untersucht werden, „aus der sich viel- 4. Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung 167 leicht eine gemeinsame Geschichte der Machtverhältnisse und der Erkenntnisbeziehungen ablesen lässt“ (Foucault 1981, 34). Macht und Wissen – ein symbiotisches Gebilde, ein Komplex. Durch seine Auffassung gibt Foucault dem redensartlich gewordenen Spruch „Wissen ist Macht“ von Francis Bacon eine völlig andere Wendung . Weder die Bedeutung der beiden Wörter noch deren Verhältnis zueinander entsprechen in Foucaults Verwendung dem gängigen Verständnis. Foucault distanziert sich von der verbreiteten Ansicht, dass Wissen nur als Wissenschaft und Macht nur als Repression auftritt. Es könne etwa ein Wissen vom Körper geben, das nicht mit der Wissenschaft von seinen Funktionen identisch sei. Es könne aber auch eine Meisterung seiner Kräfte geben, die mehr sei als die Fähigkeit zu dessen Besiegung: „dieses Wissen und diese Meisterung stellen die politische Ökonomie des Körpers dar“ (ebd., 37). Es handelt sich um eine Mikrophysik der Macht, deren Verständnis, so Foucault, das Abschiednehmen von folgenden Vorstellungen erfordert: 1. Die Macht sei etwas, was man (eine soziale Gruppe, eine Klasse, einige Personen) besitzt. 2. Die Macht sei in einer bestimmten Anzahl von Elementen und im Wesentlichen in Staatsapparaten lokalisiert. 3. Die Macht sei immer einer – historisch oder analytisch vorgängigen – Produktionsweise untergeordnet. 4. Die Macht produziere innerhalb der Ordnungen der Erkenntnis nie etwas anderes als ideologische Wirkungen (Foucault 1976b, 114; vgl. auch Foucault 1981, 38 ff.).5 Im Laufe der weiteren Bücher distanziert sich Foucault zunehmend von weiteren Aspekten des landläufigen Machtbegriffs. Im ersten Band von Sexualität und Wahrheit (Foucault 1979, 113 ff.) betont er, dass die Analyse der Macht nicht den Staat, das Gesetz und die Herrschaft voraussetzen und sich darauf fokussieren dürfe – diese seien Endformen. Die Macht hingegen müsse als Vielfalt von Kräfteverhältnissen verstanden werden. Sie dienen als Basis für weitreichende und den gesamten Gesellschaftskörper durchlaufende Spaltungen. „Diese bilden dann eine große Kraftlinie, die die lokalen Konfrontationen durchkreuzt und verbindet – aber umge- 5 Die von Foucault erwähnte Terminologie legt nahe, diese Kritik vor allem als an marxistische Macht- bzw. Herrschaftsauffassung gerichtet zu lesen – besonders in der von Althusser geprägten Spielart. Hakan Gürses 168 kehrt bei diesen auch Neuverteilungen, Angleichungen, Homogenisierungen, Serialisierungen und Konvergenzen herbeiführen kann“ (ebd., 115). Foucault spricht von der Allgegenwärtigkeit der Macht, die sich „in jeder Beziehung zwischen Punkt und Punkt“ erzeugt: „Nicht weil sie alles umfasst, sondern weil sie von überall kommt, ist die Macht überall“ (ebd., 114). Zwei weitere Einsichten kommen hinzu, die für das Verständnis der politischen Perspektive in Foucaults Schriften von großer Bedeutung sind. Erstens: Machtbeziehungen sind zugleich intentional und nicht-subjektiv. Jede Macht entfalte sich in einer Reihe von Absichten und Zielsetzungen, so Foucault, was aber nicht bedeute, eine regierende Kaste, eine oder mehrere Gruppen, die die Staatsapparate kontrollieren oder ökonomische Entscheidungen treffen, hätten das Machtnetz in der Hand. „Die Rationalität der Macht ist die Rationalität von Taktiken [...]“ (ebd., 116). Zweitens: „Wo es Macht gibt, gibt es auch Widerstand. Und doch oder vielmehr gerade deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb der Macht“ (ebd.).6 Wie bereits erwähnt, ist bei Foucault auch das Verhältnis von Macht und Wissen anders konzipiert als üblich: In seinen Schriften ist oft von einem Komplex oder vom „Nexus von Macht-Wissen“ zu lesen. „Denn nichts kann als Wissenselement auftreten, wenn es nicht einem System spezifischer Regeln und Zwänge konform geht – etwa mit dem System eines bestimmten wissenschaftlichen Diskurses in einer bestimmten Epoche [...]. Umgekehrt kann nichts als Machtmechanismus funktionieren, wenn es sich nicht in Prozeduren und Mittel-Zweck-Beziehungen entfaltet, welche in Wissenssystemen fundiert sind. Es geht also nicht darum, zu beschreiben, was Wissen ist und was Macht ist und wie das eine das andere unterdrückt oder missbraucht, sondern es geht darum, einen Nexus von Macht-Wissen zu charakterisieren, mit dem sich die Akzeptabilität eines Systems – sei es das System der Geisteskrankheit, der Strafjustiz, der Delinquenz, der Sexualität usw. – erfassen lässt“ (Foucault 1992, 33). Gegen die gängige Annahme, Foucault habe sich vor allem mit der Frage nach Macht befasst, schreibt dieser Ende der 1970er Jahre, weder die Analyse der Macht noch die Ausarbeitung von Grundlagen dafür stellten das Ziel seiner Arbeit der letzten 20 Jahre dar: „Meine Absicht war es vielmehr, eine Geschichte der verschiedenen Verfahren zu entwerfen, durch 6 In einem kurzen Text mit dem Titel Wie wird Macht ausgeübt? geht Foucault auf nahezu alle Aspekte der Frage ein, was er unter Macht verstehe und wie er sie analysiere (vgl. Foucault 1999b). Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung 169 die in unserer Kultur Menschen zu Subjekten gemacht werden“ (Foucault 1999a, 161). Seine Arbeit habe sich mit drei Weisen der Objektivierung befasst, die Menschen in Subjekte verwandeln: Erstens durch die Wissenschaften, die ein sprechendes Subjekt (Philologie, Linguistik), ein produktives Subjekt (Ökonomie) und ein „Leben“ (Naturgeschichte, Biologie) konstruiert haben. Dann die Objektivierung des Subjekts durch „Teilungspraktiken“: Aufteilung in Verrückte und geistig Normale, in Kranke und Gesunde, in Kriminelle und Anständige. Drittens die Art und Weise, in der ein Mensch sich selbst in ein Subjekt verwandelt: vor allem am Beispiel der Sexualität. „Nicht die Macht, sondern das Subjekt ist deshalb das allgemeine Thema meiner Forschung. Aber die Analyse der Macht ist selbstverständlich unumgänglich. Denn wenn das menschliche Subjekt innerhalb von Produktions- und Sinnverhältnissen steht, dann steht es zugleich auch in sehr komplexen Machtverhältnissen“ (ebd., 161f.). Somit ist, neben Macht und Wissen, das dritte Glied angesprochen, das zum komplexen Analyseraster in Foucaults Arbeiten gehört. Anschlüsse an Foucault Was kann Foucaults zur Subversion neigende, keiner wissenschaftlichen Disziplin eindeutig zuzuordnende, die Grenzen der akademischen Forschung sprengende politische Theorie (die strenggenommen auch keine ist) zur politischen Bildung beitragen – just zu einem Fach, das wahrscheinlich an einem Zuviel an staatstragender Trägheit leidet? Womöglich liegt die Antwort darauf in der Frage selbst enthalten. Die brennenden Probleme der politischen Bildung erblicke ich heute im Fehlen einer grundlegenden Reflexion des Politischen, somit – wie auch von den Herausgebern des vorliegenden Buches konstatiert – der Politischen Theorie; dem Fehlen einer Perspektivität, die zwar im Beutelsbacher Konsens als „Interesse“ umschrieben, aber vom vorherrschenden provinzialistischen Universalismus zumeist ausgeblendet wird; dem Fehlen eines globalen Blickwinkels, dem die nationalstaatlich verfasste Grundlegung des Fachs die Sicht verdeckt; schließlich dem Fehlen einer kritischen Herangehensweise, die nicht in einer normativen Theorie zu Doktrin er- 5. Hakan Gürses 170 starrt.7 Als Frage formuliert: Ist eine zugleich kritische und nicht-normativtheoretisch verfahrende, zugleich perspektivische und globale politische Bildung möglich? Foucaults Beitrag zur politischen Bildung könnte in einer Antwort darauf bestehen. „Alle meine Bücher“, sagte Foucault in einem Interview, „sind, wenn Sie so wollen, kleine Werkzeugkisten. Wenn die Leute sie aufmachen wollen und diesen oder jenen Satz, diese oder jene Idee oder Analyse als Schraubenzieher verwenden, um die Machtsysteme kurzzuschließen, zu demontieren oder zu sprengen, einschließlich vielleicht derjenigen Machtsysteme, aus denen diese meine Bücher hervorgegangen sind – nun gut, umso besser“(1976a, 53). Die Inhalte dieser Kisten bedürfen keiner Didaktik, keiner pädagogischen oder andragogischen Vermittlung – sie sind gewissermaßen zielgerichtet, aber zweckfrei. Die Übertragung von Foucaults Konzeptionen in die politische Bildung muss nicht in erster Linie „inhaltlich“ geschehen. Zweifelsohne sind seine Studien zur Strafjustiz, zu psychiatrischen Einrichtungen, zur Sexualität, zur „Regierungskunst“ und zu konkreten Machtformen (Bio-Macht, Pastorat, Neoliberalismus usw.) von ungebrochener Bedeutung und Präsenz für die Politiktheorie der Gegenwart. In ihrer Terminologie, ihrer Spezifität, ihrem ungewöhnlichen Aufbau sind diese allerdings für politische Bildung nicht leicht zu rezipieren, da schwer „didaktisierbar“ (was freilich nicht „keineswegs“ bedeutet). Wenn wir die Werkzeugkisten von Foucault durchwühlen, werden uns heute vor allem seine Verfahrensweise (und nicht nur seine zeitlichen Einteilungen, seine episteme genannten paradigmatischen Kontexte oder die von ihm beschriebenen einzelnen diskursiven Formationen) und sein Analyseraster (und nicht nur seine bereits aufgezählten Untersuchungsgegenstände wie Sexualität und Strafjustiz) auffallen. Mein Vorschlag lautet daher: Es ist einen Versuch wert, folgende Bestandteile der Foucaultschen Perspektive, Konzeptionen, Termini und Verfahren der politischen Bildung zugänglich zu machen: 1) Das Programm „die Geschichte der Gegenwart zu schreiben“; 2) die dazu nötigen historisch-philosophischen Verfahren Archäologie, Genealogie und Kritik; 7 In verschiedenen Aufsätzen habe ich versucht, diese Probleme auszuführen: vgl. Aydt/Gürses 2008; Gürses 2008; Gürses 2015. Zur Frage einer nicht-normativtheoretischen Kritik vgl. Gürses 2010. Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung 171 3) das Dreieck Subjekt-Macht-Wissen, das als eine netzförmige Folie auf Diskurse, Praktiken und Institutionen zu legen ist, um an ihnen das Politische sichtbar machen und sie einer historisch (statt normativtheoretisch) verfahrenden Kritik unterziehen zu können. „Staatstragende“ politische Bildung betrachtet die Geschichte – überspitzt formuliert – als ein Regal voller Lehrbücher; man braucht demnach nur hinzugreifen und die bereits ausgearbeiteten Schlussfolgerungen vor den Zielgruppen auszubreiten, und schon „lernt man aus der Geschichte“. Ohne Zweifel ist just im Umgang mit der Zeitgeschichte, im Besonderen mit dem Nationalsozialismus und der Shoah, ein normativer (affirmativer) Verweis auf die demokratische Ordnung, auf ethische „Standards“ wie Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Gleichheit, auf ein „Nie wieder!“ als Moral aus der Geschichte unerlässlicher Bestandteil, ja Fundament politischer Bildung. Dieser historische Aspekt darf aber nicht zu einem moralischen Daumenkino aus Sinnbildern verkommen. Politische Bildung muss zunächst – im Sinne des Horkheimerschen „Existanzialurteils“ – die politische Wirklichkeit beschreiben, und diese Beschreibung kann nur dann wirklich als Kritik erfolgen, wenn die Wirklichkeit selbst in mehrfacher Hinsicht historisch kontextualisiert wird. Hierzu erforderliche Kontexte wären etwa: die Kontingenz der Ordnung, der die Erkenntnis der Wirklichkeit (auch: die Bildung) selbst angehört; das „Gewordensein“ der Gesellschaftsformation, in der die RezipientInnen der politischen Bildung leben und sich sowie ihre soziale Umgebung wahrnehmen; die „Richtung“ jeder historischen Schau (im Sinne von „Gerichtet-Sein“) und vor allem die Veränderbarkeit der Ordnungen, Verhältnisse und Dinge: auch der gegenwärtigen. Geschichte ist ein umkämpftes Feld; kollektives (kulturelles) Gedächtnis ist Schauplatz politischer Kämpfe. Ist also die politische Bildung an einer historisch generierten und in historischer Perspektive zu vermittelnden Erkenntnis des Politischen interessiert und soll sie über die starre Akzeptanz des Vorhandenen und über (Durchhalte-)Parolen hinausgehen, kann sie nützliche Anleihen finden in der Foucaultschen Programmatik der „Geschichte der Gegenwart“ (der historischen Differenz). Historizität und Geschichte sind indes keineswegs idente Entitäten. Die historische Dimension der Geschichte wird durch zwei geschichtsphilosophische Grundfehler zerstört, die zumeist in Kombination auftreten: (Mono-)Kausalität und Finalität. Michel Foucaults Ablehnung pyramidenförmiger „Tiefenstrukturen“, die als „letzte Instanz“ eine reduktionistischmonokausale Rolle in Gesellschaftstheorien einnehmen, habe ich weiter Hakan Gürses 172 oben erwähnt. Auch teleologische Geschichtsphilosophien, die ihre Gegenwartsanalyse an einem „Ausgang“ der Geschichte (etwa: Ende der Klassenkämpfe und somit der Klassen) ausrichten, sind keineswegs mit dem Denken von Foucault vereinbar. Seine unterschiedlichen Verfahrensweisen, die er – zugegebenermaßen etwas beliebig und stellenweise auch schwer verständlich – unter den Namen Archäologie, Genealogie oder Kritik subsumiert hat, weisen allesamt eine methodologische Gemeinsamkeit auf: Sie fokussieren nicht auf „Endformen“ (Staat, Herrschaft, Wahrheit, wissenschaftliche Lehrsätze, Fortschritt usw.), sondern auf Strukturen, Prozesse und Kämpfe, in denen singuläre Ereignisse sich zu solchen Endformen (qua Effekten) verflochten haben und als solche für sich Universalität beanspruchen. Diese historischen Verfahrensweisen eignen sich hervorragend für die Vermittlung des Politischen. Die politische Bildung kann sich mit deren Hilfe Fragen widmen wie: Welche politischen Theorien sind im Zusammenhang welcher Kämpfe entstanden? Was bedeutete etwa Gleichheit im 18. Jahrhundert für unterschiedliche soziale Klassen? Welche Gruppen wurden und werden im Laufe der Geschichte von welchen Rechten ausgeschlossen? Welche Transformationen von Machtformen hängen mit politischen und sozialen Emanzipationen (etwa von Frauen) zusammen? Seit wann reden wir von einem Abendland als Gegenstück zum Morgenland? Das Politische ist kein Phänomen, das allein und vornehmlich auf dem Feld manifest wird, das wir gemeinhin als „Politik“ bezeichnen. Oft findet das politische Ereignis nicht im Parlament statt, nicht einmal auf der „Straße“, auf einer Demonstration; seine Wirkung findet keinen unmittelbaren Ausdruck in der Gesetzgebung oder in der Gestalt einer Einrichtung. Manchmal ist es eine neue Mode, manchmal die Anhäufung bestimmter Vokabeln in der Alltagssprache, bisweilen eine philosophische „Wende“ oder ein wissenschaftlicher „Paradigmenwechsel“ – an diesen Konstellationen von Subjekt-Macht-Wissen können wir das Politische in seiner Transformation ablesen. Dieser Analyseraster von Foucault kann jedenfalls dabei helfen, den Horizont der politischen Bildung zu erweitern – indem wir das Politische in ihrem Wechselspiel mit dem Dreieck Subjekt- Macht-Wissen herausarbeiten. Ich bin der Überzeugung, dass diese aufgezählten Aspekte der Foucaultschen Arbeit allesamt einen guten Beitrag leisten könnten, die aktuellen Probleme unseres Fachs – wenn nicht zu lösen, so zumindest – in den Blick zu kriegen. Michel Foucault (1926-1984): Foucaults Werkzeugkisten und politische Bildung 173 Literatur: Althusser, Louis (1974): Lenin und die Philosophie. Reinbek bei Hamburg. Aydt, Sabine/Gürses, Hakan (2008): Politische Sprache der kulturellen Pluralität. Herausforderungen an eine interkulturell orientierte politische Bildung. In: Klepp, Claudia/Rippitsch, D. (Hrsg.): 25 Jahre Universitätslehrgang Politische Bildung in Österreich. Wien, S. 257-266. 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References

Abstract

“We need to base political education on political philosophy again.”

Micha Brumlik

Brumlik’s demand forms the basis of this volume because it is yet to be fulfilled, and political education still lacks a certain degree of theory. On the one hand, this is due to a reluctance in teaching methodology circles to make a concerted effort to address challenging theoretical issues. On the other, there are very few contributions from the field of political theory that see any necessity in contributing something to political education.

In order to fill this theoretical gap in political education and allow it to benefit from the potential inherent in political theory, this book contains contributions by authors from both fields. Their mutual goal is to ask political theorists and schools of political thought which aspects of political theory can be used to ensure successful political education.

With contributions by

Andreas Eis, Werner Friedrichs, Markus Gloe, Michael Görtler, Hakan Gürses, Juliane Hammermeister, Klaus-Peter Hufer, Sebastian Huhnholz, Tim Kraski, Bettina Lösch, Reinhard Mehring, Tobias Müller, Tonio Oeftering, Fritz Reheis, Regina Retter, Sven Rößler, Thomas Saretzki, Astrid Séville, Armin Scherb, Harald Schmidt, Christian Schwaabe, Herbert Uhl, Benedikt Widmaier

Zusammenfassung

„Wir sollten politische Bildung auf den Boden der politischen Philosophie zurückholen.“

Micha Brumlik

Brumliks Forderung ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes, denn sie ist nach wie vor unerfüllt und der Politischen Bildung muss noch immer ein Theoriedefizit attestiert werden. Das liegt zum einen in der mangelnden Bereitschaft der Fachdidaktik begründet, sich ernsthaft mit anspruchsvollen theoretischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Andererseits gibt es nur wenige Beiträge aus der Politischen Theorie, die ihrem Selbstverständnis nach etwas zur Politischen Bildung beizutragen haben.

Um dieses Theoriedefizit zu bearbeiten und das Potential Politischer Theorie für die Politische Bildung freizulegen, versammelt dieser Band Autorinnen und Autoren aus beiden Bereichen. Ihr gemeinsames Ziel besteht darin, Politische Theoretikerinnen und Theoretiker sowie „Schulen“ politischer Theorie daraufhin zu befragen, welche Impulse für eine gelingende Politische Bildung ausgehen können.

Mit Beiträgen von

Andreas Eis, Werner Friedrichs, Markus Gloe, Michael Görtler, Hakan Gürses, Juliane Hammermeister, Klaus-Peter Hufer, Sebastian Huhnholz, Tim Kraski, Bettina Lösch, Reinhard Mehring, Tobias Müller, Tonio Oeftering, Fritz Reheis, Regina Retter, Sven Rößler, Thomas Saretzki, Astrid Séville, Armin Scherb, Harald Schmidt, Christian Schwaabe, Herbert Uhl, Benedikt Widmaier