Content

Michael Gebel, Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich. Die Rolle von Bildungs- und Arbeitsmarktinstitutionen in:

Josef Schmid, Karin Amos, Josef Schrader, Ansgar Thiel (Ed.)

Governance und Interdependenz von Bildung, page 13 - 36

Internationale Studien und Vergleiche

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8487-3810-6, ISBN online: 978-3-8452-8108-7, https://doi.org/10.5771/9783845281087-13

Series: Wirtschafts- und Sozialpolitik, vol. 17

Bibliographic information
13 Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich. Die Rolle von Bildungs- und Arbeitsmarktinstitutionen Michael Gebel 1. Ein Mikro-Makro-Modell des Übergangs von Bildung in Arbeit Überall in Europa sind junge Erwachsene von Risiken der Arbeitsmarktexklusion und Beschäftigungsunsicherheit im Übergangsprozess vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt betroffen. Diese Befunde zeigen sich sowohl, wenn man das Ausmaß der Arbeitsmarktexklusion über Arbeitslosenquoten misst, als auch, wenn man das Messkonzept Not in Education, Employment or Training (NEET) verwendet. NEET erfasst alle jungen Erwachsenen, die sich nicht in Ausbildung, Arbeit oder Training befinden (vgl. Eurofound 2014). Es erweitert also den klassischen Indikator der Jugendarbeitslosigkeitsquote um die Gruppe auch der entmutigten erwerbslosen Jugendlichen, die nicht mehr nach Arbeit suchen. Zudem werden inaktive junge Erwachsene erfasst, die wegen familiärer Aufgaben oder wegen gesundheitlicher Einschränkungen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Als objektives Maß für die Beschäftigungsunsicherheit wird in empirischen Studien oft die Befristung des Arbeitsvertrags verwendet (vgl. Baranowska/Gebel 2010; Blossfeld et al. 2008). Aus Lebensverlaufsstudien ist bekannt, dass Integrationsprobleme beim Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt „Narben“ oder zumindest „temporäre Blessuren“ im Lebenslauf der betroffenen Menschen hinterlassen (vgl. Gebel 2010; Luijkx/Wolbers 2009). Aus politischer Perspektive betrachtet, stellt sich die Frage, wie diese kritischen Lebensereignisse für junge Erwachsene mit gezielten Maßnahmen und Reformen eingedämmt und abgemildert werden können. In theoretischen Modellen wird die Benachteiligung von jungen Erwachsenen durch Informationsprobleme beim Allokationsprozess auf dem Arbeitsmarkt, dem sogenannten Matching, erklärt. Der Idee des Matchings zufolge wird der Arbeitsmarkt als Ort interpretiert, an dem Bewerber/innen und offene Stellen zueinander finden müssen (vgl. Granovetter 1981; Sørensen/Kalleberg 1981). Der Matching-Prozess ist insbesondere Michael Gebel 14 beim Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt erschwert. Den jungen Bewerber/inne/n, die gerade das Bildungssystem verlassen haben, fehlt es an Informationen über freie Stellen und deren Charakteristika. Die Arbeitgeber sind sich unsicher über die Produktivitätsmerkmale der Bewerber/innen und darüber, inwieweit diese für die ausgeschriebene Stelle noch ein spezifisches Training durchlaufen müssten. Diese beidseitigen Friktionen verlangsamen und erschweren das Matching von Bewerber/inne/n und Jobs. Die jungen Bewerber/innen versuchen den Friktionen entgegenzuwirken, indem sie bestimmte produktivitätsrelevante Signale, zum Beispiel Bildungsabschlüsse, erwerben. Die Signalkraft der Bildungsabschlüsse hängt entscheidend von der institutionellen Struktur des Bildungssystems ab (vgl. Gebel/Noelke 2011). Individuelle, durch das Elternhaus und Sozialisationserfahrungen geprägte Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen die Suchintensität des Bewerbers/der Bewerberin und die Bewertung seitens der Arbeitgeber. Darüber hinaus werden die Einschätzung eines Bewerbers/einer Bewerberin und seine/ihre individuellen Chancen durch askriptive Merkmale wie Geschlecht, ethnische Herkunft und gesundheitliche Einschränkungen beeinflusst. Arbeitgeber versuchen, durch Befristungsregelungen im gegebenen institutionellen Rahmen Stellen teilweise so zu gestalten, dass sie Bewerber/innen probehalber einstellen und bei fehlender Passung leicht wieder entlassen können. Diese Flexibilität wird aufseiten der Arbeitgeber von der Arbeitsmarktregulierung bestimmt. Diese mikrosoziologischen Erklärungsansätze können jedoch lediglich die generelle Benachteiligung von Jugendlichen am Arbeitsmarkt erklären. Als zweiter zentraler Befund zeigt sich in allen empirischen Studien, unabhängig vom verwendeten Messkonzept, dass Integrationsprobleme von jungen Erwachsenen zwischen den europäischen Ländern stark variieren. Um diese Muster zu erklären, fokussiert die europäisch-komparative Forschung auf strukturelle und institutionelle Erklärungsfaktoren (vgl. Müller/Gangl 2003).1 Länderspezifische Unterschiede im strukturellen und institutionellen Kontext, in den die individuellen Lebensverläufe und speziell der Übergangsprozess vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt eingebettet sind (vgl. Mayer 2004), gelten als Ursachen für die unterschiedlichen Integrationschancen. ____________________ 1 Gemäß den Mikro-Makro-Modellen (Mehrebenenmodellen) der Lebensverlaufsforschung gestaltet der institutionelle und strukturelle Kontext die individuellen Lebensverläufe (vgl. Mayer 2004). Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 15 Die bisherigen komparativen Studien sind größtenteils auf den europäischen Vergleich begrenzt. Wegen der im Vergleich zu anderen Ländern relativ homogenen strukturellen Bedingungen in Europa spielen die institutionellen Bedingungen hier eine große Rolle. Entsprechend beschränkt sich der folgende Überblick auf institutionelle Bedingungen des Bildungssystems und des Arbeitsmarktes. Dennoch sollten auch im europäischen Kontext die makrostrukturellen Bedingungen nicht unterschätzt werden. Empirische Studien, die für den strukturellen Kontext in multivariaten Analysen kontrolliert haben, zeigen, dass insbesondere die makroökonomischen Bedingungen, beispielsweise anhand des Wirtschaftswachstums gemessen, die Chancen von Arbeitsmarkteinsteiger/inne/n erheblich beeinflussen (vgl. Gangl 2001; Gebel/Giesecke 2016) und für Länderunterschiede mitverantwortlich sind (vgl. Müller/Gangl 2003; Müller 2005; Wolbers 2007). Die empirische Evidenz des Einflusses weiterer struktureller Faktoren ist gemischt. Gangl (2002) findet in seinen Analysen zum Beispiel keinen Einfluss der Jugendkohortengröße auf die Beschäftigungschancen. Widersprüchliche Befunde lassen sich des Weiteren bezüglich der ökonomischen Globalisierung dokumentieren (vgl. Lange et al. 2014; Gebel/Giesecke 2016; Blossfeld et al. 2008). Eine weitere Motivation für die Fokussierung auf die institutionellen Rahmenbedingungen liegt darin, dass diese leichter als der strukturelle Kontext durch politische Maßnahmen und Reformen steuer- und veränderbar sind. Die Untersuchung der Wirkungen der institutionellen Rahmenbedingungen erlaubt es darum auch zu beurteilen, welche Gestaltungsspielräume die Politik hat, um die erfolgreiche Integration von jungen Erwachsenen in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Ziel dieses Beitrags ist es, den aktuellen Forschungsstand zur Rolle des Bildungssystems (Abschnitt 2) und der Arbeitsmarktinstitutionen (Abschnitt 3) strukturiert zusammenzufassen und kritisch zu kommentieren. Bildungsinstitutionen werden getrennt nach Sekundarstufe (2.1) und Tertiärstufe (2.2) besprochen. Auf der Seite der Arbeitsmarktinstitutionen wird zwischen Gewerkschaften (3.1), der aktiven Arbeitsmarktpolitik (3.2), Mindestlöhnen (3.3) und der Arbeitsmarktregulierung (3.4) unterschieden. Auf Letzterer liegt auch der Fokus, da hier der Forschungsstand am umfangreichsten ist. Generell werden zu den einzelnen Bildungs- und Arbeitsmarktinstitutionen zunächst die theoretischen Wirkungsmechanismen erläutert und dann der empirische Forschungsstand zusammengefasst. Die Übersicht konzentriert sich auf europäisch-komparative Studien, die versuchen, den Ein- Michael Gebel 16 fluss institutioneller Faktoren in Mehrebenenanalysen zu quantifizieren. Darüber hinaus werden Länderstudien diskutiert, die innovative Forschungsdesigns verwenden, um den Einfluss von Institutionen zu modellieren. 2. Die Rolle von Bildungsinstitutionen Wie im ersten Kapitel bereits erläutert wurde, ist Bildung eine zentrale Ressource im Matching-Prozess. Arbeitgeber können Bildungszertifikate als kostengünstige Signale für die noch unbekannten Variablen Produktivität und Trainingskosten der Bewerber/innen nutzen (vgl. Thurow 1975; Arrow 1973). Bewerber/innen können ihre Chancen durch den Erwerb von passenden Bildungszertifikaten steigern, indem sie ihre Produktivität signalisieren (vgl. Spence 1973) oder konkrete Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben, die ihre Produktivität erhöhen (vgl. Becker 1964). Valide und differenzierbare Bildungszertifikate reduzieren die Transaktionskosten im Matching-Prozess. Die Signalwirkung und Vertrauenswürdigkeit von Bildungszertifikaten wiederum hängt von der institutionellen Ausgestaltung des Bildungssystems ab. Bedingt durch den Forschungsstand und die rapide Bildungsexpansion in vielen europäischen Ländern wird zwischen der institutionellen Ausgestaltung des sekundären und des tertiären Bildungssystems differenziert (vgl. Gebel/Noelke 2011). 2.1 Die institutionelle Ausgestaltung des sekundären Bildungssystems Länder unterscheiden sich im Differenzierungsgrad sekundärer Bildungssysteme. Dieser wird über den Grad der Stratifizierung gemessen. Stratifizierung entsteht durch die frühzeitige Selektion und Aufteilung von Schüler/inne/n innerhalb und zwischen sekundären Bildungsgängen, zwischen denen wenig Mobilität herrscht und die unterschiedliche Chancen auf den Zugang zu höherer Bildung eröffnen (vgl. Allmendinger 1989; Kerckhoff 1995; Shavit/Müller 1998). Es wird erwartet, dass eine frühzeitige und klare Differenzierung die Signalkapazität von Bildungsabschlüssen verstärkt und damit den Arbeitsmarkteinstieg erleichtert. Neben der Stratifizierung werden Bildungssysteme nach deren Standardisierung unterschieden. Standardisierung misst, inwieweit Bildungsgänge gemeinsamen, transparenten Standards folgen (vgl. ebd.). Standardisie- Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 17 rung sollte das Vertrauen von Arbeitgebern in die Signalkraft von Bildungsabschlüssen erhöhen. Die zentrale institutionelle Unterscheidung im sekundären Bildungssystem ist die zwischen allgemeinbildenden und beruflichen Ausbildungsabschlüssen (vgl. ebd.). Allgemeinbildende Bildungsgänge bereiten auf eine Fortsetzung der Bildungskarriere im tertiären Bildungssystem vor, berufliche Ausbildungsabschlüsse hingegen auf den direkten Arbeitseinstieg. Erstere vermitteln allgemeine Fähigkeiten, die leicht zwischen Berufen übertragbar sind. Im Gegensatz dazu qualifizieren Letztere für spezifische Berufe und sind folglich nur bedingt übertragbar. In Ländern mit allgemeinbildendem Sekundarschulsystem ist die Ausbildung vom Arbeitsmarkt entkoppelt und spezifische berufliche Fähigkeiten werden erst im Beruf erlernt. In Ländern mit einem starken beruflichen Sekundarschulsystem sollte der Arbeitsmarkteinstieg leichter sein, da Arbeitgeber nicht für Trainingskosten aufkommen müssen: Sie können bereits berufsspezifisch qualifizierte Bewerber/innen einstellen. Bezüglich der beruflichen Ausbildungsabschlüsse ist es wichtig zu unterscheiden, ob die berufliche Ausbildung in Vollzeit in Schulen oder dual, d. h. als Kombination von schulischer Ausbildung und Lehre am Arbeitsplatz, organisiert ist (vgl. Shavit/Müller 1998, 2000). In der schulischen beruflichen Ausbildung werden tendenziell mehr allgemeine Fähigkeiten vermittelt. Es fehlen oftmals eine konkrete Orientierung am Arbeitsmarkt und die Praxiserfahrung am Arbeitsplatz, wodurch die Gefahr steigt, dass nur veraltetes spezifisches Wissen vermittelt wird. Im dualen Ausbildungssystem (z. B. in Deutschland und Dänemark) können sich die Arbeitgeber bereits während der praktischen Trainingsphase in der Firma ein Bild von dem Bewerber/der Bewerberin machen (sog. Screening-Prozess) oder bei externen Bewerber/inne/n darauf vertrauen, dass sie bereits über berufsspezifische Qualifikationen verfügen (vgl. Breen 2005). Dies reduziert die Selektions- und erwarteten Trainingskosten, wodurch der Matching-Prozess erleichtert wird. Die Passung der Bildungsgänge zu den Erfordernissen im Arbeitsmarkt hängt auch davon ab, ob die Arbeitgeber in die Organisation der beruflichen Ausbildung involviert sind. Dies ist im dualen System gewährleistet, da das praktische Training in Firmen stattfindet. In schulischen beruflichen Ausbildungssystemen können alternativ Arbeitgebervertreter/innen in die Lehrplangestaltung eingebunden werden (vgl. Shavit/Müller 1998). Um die Hypothesen zu den Wirkungen des Bildungssystems zu überprüfen, entwarf eine der Forschungstraditionen Ländertypologien: In einer komparativen Studie mit den USA, Norwegen und Deutschland findet bei- Michael Gebel 18 spielsweise Allmendinger (1989), dass in stratifizierten Systemen der Zusammenhang von individueller Bildung und Berufsprestige im ersten Job besonders stark ist und in standardisierten Systemen weniger Jobmobilität in der Frühkarriere vorkommt. Ausgehend von den Studien von Marsden (1990) und Maurice et al. (1986) bestätigt Gangl (2001) in einer westeuropäisch-komparativen Studie auf Basis von Daten des European Labour Force Survey (EU-LFS) 1992 bis 1997, dass Länder mit sogenannten Occupational Labour Market-Systemen (OLM) durch einen hohen Signalwert von Bildung charakterisiert sind und daher der Arbeitsmarkteinstieg leichter ist. Dies wird auf die hohe Standardisierung der beruflichen Ausbildung und der starken Arbeitsmarktorientierung der dualen Ausbildung (z. B. in Deutschland und Österreich) bzw. der schulischen beruflichen Ausbildung (z. B. in Dänemark und den Niederlanden) zurückgeführt. Der Arbeitsmarkteinstieg in Ländern mit sogenannten Internal Labour Market-Systemen (ILM), d. h. mit auf eine allgemeine Bildung ausgerichteten Bildungssystemen (z. B. in Frankreich und Großbritannien), ist dagegen erschwert. Die besonders problematische Lage von Arbeitsmarkteinsteiger/inne/n in Südeuropa wird durch das Zusammenwirken eines ILM-Systems mit einem – wegen des Kündigungsschutzes – stark polarisierten Insider- Outsider-Arbeitsmarktes erklärt (s. auch Abschnitt 3). Durch Einbeziehung der osteuropäischen Länder zeichnen Saar et al. (2008) mit Daten des EU-LFS 2004 ein noch differenzierteres Bild, das eine starke Heterogenität von mittel- und osteuropäischen Ländern aufzeigt. Das machte es notwendig, das der Länderklassifikation zugrunde liegende theoretische Erklärungsmodell zu erweitern. Brzinsky-Fay (2007) überprüft die Länderklassifikation anhand von Sequenzdatenanalysen auf Basis von Längsschnittdaten des European Community Household Panel (ECHP) aus den 1990er Jahren. Es zeigt sich, dass zwar der Anteil von Beschäftigungs- und Bildungsperioden in OLM- Ländern größer ist. Gleichzeitig scheint der Arbeitsmarkteinstieg in nördlichen ILM-Ländern (z. B. Frankreich und Großbritannien) schneller zu gelingen. Dies widerspricht teilweise den theoretischen Erwartungen und Befunden auf Basis von Querschnittsdaten. Die auf Länderklassifikationen basierenden empirischen Studien leiden unter der hohen Komplexität, die sich durch die Heterogenität innerhalb von Länderclustern, durch deviante Fälle und durch die Erweiterung der Analysestichprobe auf eine größere Länderanzahl ergibt. Selbst wenn sich die erwarteten Muster bestätigen, bleibt unklar, bei welcher konkreten institutionellen Dimension des Bildungssystems die Ursachen liegen. Dies Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 19 erschwert die Ableitung konkreter politischer Handlungsempfehlungen zur Restrukturierung des Bildungssystems. Zudem ist es nicht möglich, den Einfluss weiterer institutioneller und struktureller Faktoren konstant zu halten, wodurch es zu falschen kausalen Schlussfolgerungen kommen kann und die Rolle des Bildungssystems überbetont wird. Als Alternative verwendet eine andere empirische Forschungstradition quantitative Makroindikatoren zur Messung einzelner institutioneller Dimensionen und struktureller Faktoren. Diese erlauben es in multivariaten Verfahren, die Wirkungen einzelner Faktoren von anderen Einflüssen zu trennen. So findet Breen (2005) unter Kontrolle der makroökonomischen Bedingungen in einer ländervergleichenden Analyse mit Makrodaten, dass die Jugendarbeitslosigkeit umso geringer ist, je größer der Anteil der Schüler/innen im betreffenden Land in dualer Ausbildung ist. In einer Studie mit Mikrodaten zu 13 entwickelten Ländern liefern Shavit und Müller (1998) mit einem Mehrebenendesign robuste Evidenz dafür, dass eine hohe Stratifizierung und berufliche Spezifizität des Bildungssystems besonders starke Effekte von individuellen Bildungsabschlüssen auf die Chancen beim Arbeitsmarkteintritt mit sich bringen. Standardisierung hingegen hat keinen eigenständigen Effekt. Bezüglich beruflicher Ausbildung zeigt sich, dass sie als „Sicherheitsnetz“ wirkt, welches vor Arbeitslosigkeit und niedrigqualifizierten Jobs schützt. Aber sie verbaut auch die Zugangschancen zu prestigeträchtigen Jobs, die den Absolvent/inn/en tertiärer Bildung vorbehalten bleiben. Diese beiden Effekte, die sich mit Mikrodaten nachweisen lassen, sind – im Sinne einer sogenannten Cross-Level-Interaktion aus der Mehrebenenanalyse – insbesondere in den Ländern ausgeprägt, die ein berufliches Ausbildungssystem mit hoher beruflicher Spezifizität vorweisen. Müller (2005) kann diese Ergebnisse mit Daten des Ad-hoc-Moduls School-towork transitions aus dem EU-LFS 2000 bestätigen. Mit denselben Daten kann Wolbers (2007) nachweisen, dass in Ländern mit dualem Ausbildungssystem der Arbeitsmarkeintritt schneller verläuft. Entgegen der Erwartung zeigt sich der Vorteil jedoch nur für die niedrigsten Bildungsgruppen. Zudem kann Wolbers (2007) bestätigen, dass in Ländern mit dualem Ausbildungssystem Berufseinsteiger/innen einen geringeren Berufsstatus erreichen. Auch diese indikatorenbasierten ländervergleichenden Studien leiden unter dem Problem, dass die gefundenen Effekte der Bildungsinstitutionen verzerrt sein können, wenn für konfundierende Drittvariablen auf der Makroebene (wie z. B. andere institutionelle Einflüsse und strukturelle Faktoren) nur unzureichend kontrolliert werden kann. Diese Problematik Michael Gebel 20 wird dadurch verschärft, dass die Studien auf der Makroebene nur ein Querschnittsdesign haben und wegen der niedrigen Länderzahl nur eine begrenzte Zahl von Makrovariablen aufgenommen werden kann. Eine dritte Alternative sind empirische Studien, die versuchen, die Wirkung von Bildungsinstitutionen auf der Mikroebene nachzuweisen. Dabei werden Absolvent/inn/en berufsschulischer Programme und dualer Ausbildungsprogramme innerhalb eines Landes miteinander verglichen. Auf der Mikroebene stellt sich die neue Herausforderung, dass in vielen Ländern die berufliche Ausbildung stigmatisiert ist und vor allem benachteiligte Jugendliche in beruflichen Ausbildungsprogrammen landen (vgl. Arum/Shavit 1995). Diese soziale Selektivität muss berücksichtigt werden, um Selektionseffekte von den kausalen Effekten der besuchten Bildungsgänge zu trennen. Zumindest ansatzweise lässt sich dies auf der Mikroebene durch die Kontrolle von konfundierenden Drittvariablen lösen. Wegen der großen Fallzahlen liegen im Gegensatz zur Schätzung auf der Makroebene keine Restriktionen bezüglich der Zahl von Drittvariablen vor. Für Westeuropa zeigen solche Studien, dass die duale Ausbildung im Vergleich zur berufsschulischen Ausbildung die Arbeitslosigkeitsrisiken zu Beginn der Karriere reduziert (vgl. Winkelmann 1996; Parey 2009). Dies geschieht aber nicht langfristig und es können auch keine Lohnunterschiede nachgewiesen werden (vgl. Parey 2009). Die Aussagekraft westeuropäischer Studien leidet jedoch darunter, dass sich die berufsschulischen und dualen Ausbildungsprogramme in ihrer Fachausrichtung und Dauer häufig stark unterscheiden. Zudem ist der Vergleich von beruflicher Ausbildung und allgemeiner Sekundarbildung in Ländern wie Deutschland erschwert, in denen berufliche Ausbildungsabsolvent/inn/en oft länger im Bildungssystem verbleiben, da sie die berufliche Ausbildung im Anschluss an die allgemeine Sekundarbildung absolvieren. Mittel- und osteuropäische Länder bieten einen geeigneteren Kontext, um die Effekte auf der Mikroebene zu identifizieren. Beispielsweise existieren in Polen und Kroatien dual und schulisch organisierte berufliche Ausbildungsgänge, die dieselbe Dauer haben und sich nur in Organisationsform – schulisch versus dual – unterscheiden. Empirische Studien in Polen und Kroatien hierzu zeigen, dass die Berufsausbildung Vorteile im Vergleich zur allgemeinen Sekundarausbildung mit sich bringt, unabhängig davon, ob sie schulisch oder dual organisiert ist (vgl. Kogan et al. 2011). In einem Ländervergleich kommen Kogan et al. (2011) zudem zu dem Schluss, dass berufliche Ausbildung unabhängig von ihrer Organisationsform Vorteile beim Arbeitsmarkteintritt schafft. Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 21 Ein innovativer vierter Ansatz wird in der Studie von Noelke und Horn (2014) umgesetzt. Die Autoren nutzen die Veränderung der institutionellen Struktur der Berufsbildung im postsozialistischen Ungarn, wo es zu einem Rückgang des dualen Ausbildungssystems zugunsten des berufsschulischen Ausbildungssystems kam. Mithilfe von Difference-in-differences-Schätzern, die Probleme zeitkonstanter unbeobachtbarer Heterogenität und allgemeiner Zeittrends lösen, zeigen die Autoren, dass die Verlagerung der Ausbildung von den Firmen in die Schulen die Arbeitslosigkeit von Absolvent/inn/en beruflicher Ausbildung erhöhte. Es zeigen sich jedoch keine Effekte auf die Klassenposition. Die Ergebnisse wurden durch zahlreiche Sensitivitätsanalysen abgesichert. 2.2 Die institutionelle Ausgestaltung des tertiären Bildungssystems Die bisherige europäisch-komparative Forschung hat sich auf die Rolle der institutionellen Ausgestaltung der sekundären Bildung für die Entstehung der Länderunterschiede fokussiert. Dies war in einer Zeit gerechtfertigt, in der der Großteil der Arbeitsmarkteinsteiger/innen sekundäre oder niedrigere Bildungsniveaus vorzuweisen hatte und die Gruppe der Tertiärabsolvent/inn/en eine kleine homogene Gruppe mit besonders guten Arbeitsmarktchancen darstellte (vgl. Shavit/Müller 1998). Angesichts der starken Expansion und Differenzierung des tertiären Bildungssystems rückt dieser Sektor jedoch verstärkt in den Mittelpunkt der Forschung (vgl. Gerber/Cheung 2008). In der öffentlichen Diskussion und aus theoretischer Perspektive wird oft die These vertreten, dass die starke Bildungsexpansion im Tertiärbereich zu verstärkten Arbeitsmarktproblemen unter Hochschulabsolvent/inn/en geführt habe. In der europäisch-komparativen Forschung gibt es erstaunlich wenige Versuche, diese Hypothese im Länder- und Zeitvergleich zu überprüfen. Eine Ausnahme bildet die Untersuchung von Gangl (2002), die nachweist, dass die Bildungsexpansion ceteris paribus zu einem Rückgang des Berufsstatus der Hochschulabsolvent/inn/en geführt hat. Der negative Effekt der Bildungsexpansion kann jedoch durch einen ähnlich starken positiven Effekt der Zunahme hochqualifizierter Jobs, die im Rahmen des berufsstrukturellen Wandels zu beobachten ist, kompensiert werden. Zudem zeigt sich, dass die Bildungsexpansion nicht mit einer erhöhten Jugendarbeitslosigkeit einhergeht. In der europäisch-komparativen Forschung finden die Auswirkungen der Diversifikation des Hochschulsektors mehr Beachtung. Reimer et al. Michael Gebel 22 (2008) können nachweisen, dass die Differenzierung innerhalb des Hochschulsystems umso mehr an Bedeutung gewinnt, je expandierter der terti- äre Bildungssektor ist. Die institutionelle Struktur des tertiären Bildungssektors wird anhand der vertikalen und horizontalen Differenzierung erfasst (vgl. Noelke et al. 2012). Die vertikale Differenzierung im Hochschulsektor zeigt sich durch die unterschiedlichen Niveaus der Bildungsabschlüsse, die erreicht werden können (vgl. Shwed/Shavit 2006). Durch die Bologna-Reform wurde diese vertikale Differenzierung verstärkt, da sie eine klare hierarchische und sequenzielle Gliederung von Bachelor, Master und PhD mit sich brachte. Die horizontale Differenzierung ergibt sich auf jeder Bildungsstufe aus dem Grad der berufsspezifischen Ausrichtung der einzelnen Studienfachrichtungen (vgl. van de Werfhorst 2002). Es wird vermutet, dass eine starke Ausrichtung des Studiums auf einen konkreten Beruf den Arbeitsmarkteinstieg erleichtert. Berufsverbände unterstützen dies häufig, da sie in die Gestaltung solcher Studiengänge involviert sind. Auch Pflichtpraktika, Referendariate und andere praktische Ausbildungselemente (z. B. das praktische Jahr im Medizinstudium) verbinden die entsprechenden Studiengänge mit der Berufswelt. Die horizontale Differenzierung wird in einigen Ländern noch dadurch verstärkt, dass viele der berufsspezifischen Studiengänge in beruflichen Fachhochschulen angeboten werden, die institutionell von Universitäten getrennt sind (vgl. van de Werfhorst 2004). Hingegen wird sie in einigen Ländern aufgeweicht, wenn Studiengänge neben dem Hauptfach starke und differenzierte Nebenfachstrukturen enthalten (vgl. ebd.). In Analogie zur Messung von Institutionen im Sekundarschulbereich wurden Länderklassifikationsschemata auch für tertiäre Bildungssysteme entwickelt. Beispielsweise kommt Leuze (2007) in ihrem deutschbritischen Vergleich zu dem Schluss, dass der Zusammenhang von Tertiärbildung und Arbeitsmarktchancen wegen des stärker beruflich orientierten Hochschulsektors in Deutschland ausgeprägter ist. Van de Werfhorst (2004) kategorisiert die Hochschulsysteme der Niederlande, Norwegens und Österreichs und zeigt, dass in den Niederlanden die horizontale Differenzierung, gemessen am Studienfach, den stärksten Einfluss auf Arbeitsmarktchancen hat. Bisher mangelt es an europäisch-komparativen Studien, die in Anknüpfung an die Studien zur Sekundarbildung die institutionellen Charakteristika der tertiären Bildungssysteme mit quantitativen Indikatoren erfassen und in Mehrebenenanalysen den Einfluss auf den Arbeitsmarkteintritt analysieren. Dies liegt daran, dass die starke Expansion und Differenzierung Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 23 des tertiären Bildungssystems ein neues soziales Phänomen ist. Entsprechend fehlt es sowohl an vergleichenden Makrodaten zu seiner institutionellen Struktur als auch an europäisch-komparativen Mikrodaten, die die tertiären Bildungsabschlüsse differenziert erfassen würden. Zudem stünde dieser Forschungsansatz vor der Herausforderung, dass sich die institutionelle Struktur in vielen Ländern im Zuge der Bologna-Reform stark ver- ändert hat. Dies bietet jedoch auch die Chance, die zeitliche Variation auf der Makroebene neben der Ländervariation zu nutzen. Eine Alternative bieten empirische Studien, die versuchen, die Wirkung von tertiären Bildungsinstitutionen auf der Mikroebene nachzuweisen (vgl. van der Velden/Wolbers 2007). Noelke et al. (2012) nutzen dazu Mikrodaten aus fünf mittel- und osteuropäischen Ländern und finden, dass die Differenzierung einen starken Einfluss auf den beruflichen Statuserwerb im ersten Job hat. Der höchste Berufsstatus wird von universitären Masterabsolvent/inn/en erreicht, gefolgt von universitären Bachelorabsolvent/inn/en. Das niedrigste Niveau wird für Absolvent/inn/en beruflich orientierter Fachhochschulen erreicht. Auf gleichem Bildungsniveau zeigt sich, dass tendenziell die professionsorientierten Studiengänge den höchsten Berufsstatus und schnelle Berufseinstiege verzeichnen. Absolvent/ inn/en akademisch orientierter Studiengänge erfahren in den meisten untersuchten Ländern den langsamsten Arbeitsmarkteinstieg. Neuere Studien erforschen die institutionellen Veränderungen, die sich durch die Privatisierung und Vermarktlichung von Hochschulbildung ergeben. Beispielsweise untersuchen Gebel und Baranowska-Rataj (2012) die so entstandene institutionelle Differenzierung im polnischen und ukrainischen Hochschulsektor. Basierend auf Mikrodaten finden die Autor/inn/en einen Trade-off zwischen einem höheren Berufsstatus und einem langsameren Arbeitsmarkteintritt für Studierende mit dem Privileg, ein staatlich statt durch Studiengebühren finanziertes Studium zu absolvieren. Die geringsten Arbeitsmarktchancen haben Absolvent/inn/en des stark expandierten privaten Hochschulsektors in Polen. Die durch Privatisierung und Vermarktlichung entstandenen Ungleichheiten sind jedoch geringer als jene, die sich durch die bereits bestehende horizontale und vertikale Differenzierung ergeben. Michael Gebel 24 3. Die Rolle von Arbeitsmarktinstitutionen 3.1 Gewerkschaften Gewerkschaften können den Arbeitsmarkteinstieg von Jugendlichen direkt und indirekt beeinflussen. Einerseits wird argumentiert, dass Gewerkschaften in zentralisierten Systemen mit kollektiven Lohnverhandlungen (und unter der Voraussetzung, dass kooperative Beziehungen zu Arbeitgeberverbänden bestehen) förderliche Bedingungen für die Arbeitsmarktintegration junger Erwachsener schaffen (vgl. Müller/Gangl 2003; Soskice 1999). Dies kann eine moderate Lohnpolitik, die Förderung harmonisierter Trainingsstandards und das aktive Engagement der Arbeitgeber/innen im dualen Ausbildungssystem umfassen. Gegenteilig wird argumentiert, dass Gewerkschaften primär die Interessen der Arbeitsmarktinsider repräsentieren, deren Beschäftigungsverhältnisse sichern und hohe Lohnabschlüsse durchsetzen, was sich zuungunsten der Arbeitsmarkteinsteiger/innen auswirkt (vgl. Bertola et al. 2007; Lindbeck/Snower 1989; van der Velden/ Wolbers 2003). Empirische Studien mit komparativen Daten im Mehrebenendesign zeigen für Westeuropa, dass ein starker Gewerkschaftseinfluss – gemessen über den Bindungsgrad von Kollektivverträgen und über den gewerkschaftlichen Organisationsgrad – keinen Einfluss auf die Risiken von Arbeitslosigkeit und befristeter Beschäftigung für Jugendliche hat (vgl. van der Velden/Wolbers 2003). Bertola et al. (2007) finden allerdings, dass ein hoher gewerkschaftlicher Organisationsgrad Beschäftigungsverluste bei Jugendlichen bewirkt. Baranowska und Gebel (2010) weiten die Untersuchung auf mittel- und osteuropäische Länder aus, wo ein starker Gewerkschaftseinfluss (hier gemessen über den Bindungsgrad von Kollektivverträgen) dazu führt, dass Jugendliche im Vergleich mit Erwachsenen höheren Befristungsrisiken ausgesetzt sind, also die Insider-Outsider- Spaltung am Arbeitsmarkt vertieft. 3.2 Aktive Arbeitsmarktpolitik Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik (AAMP) sind eine Arbeitsmarktinstitution, die als relevant für die Arbeitsmarktintegration junger Erwachsener gesehen wird. Im öffentlichen Diskurs und auf der politischen Agenda wird die AAMP als entscheidendes institutionelles Werkzeug gesehen, um Probleme auf dem Arbeitsmarkt für junge Erwachsene Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 25 zu lösen. Hinter der AAMP steht ein Bündel an Maßnahmen, zum Beispiel Unterstützung bei der Jobsuche, Trainingsmaßnahmen und geförderte Beschäftigungsmaßnahmen. Die AAMP ist von der passiven Arbeitsmarktpolitik zu trennen, die auf die finanzielle Unterstützung von Jugendlichen durch das System der Arbeitslosenversicherung setzt. Die Heterogenität der AAMP ist eine Herausforderung (vgl. Heckman et al. 1999), der sich die empirische Forschung in zwei Traditionen annähert. Zum einen versuchen Evaluationsstudien, mit Mikrodaten und Verfahren der modernen Kausalanalyse die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen zu messen. Eine Darstellung und Kritik dieser zahlreichen Studien würde einen eigenständigen Beitrag verlangen. Es lassen sich zu dieser Forschungsrichtung aber Metastudien anführen, die die Ergebnisse vieler Evaluationsstudien quantitativ zusammenfassen. Verschiedene solcher Metastudien zeichnen ein weniger positives Bild, als es der öffentliche Diskurs und der politische Aktionismus erwarten lassen. Beispielsweise kommt Kluve (2010: 915) zu dem Schluss: „programs targeting youths are significantly less likely to be effective“. Auch Taru (2016) betont in seiner Übersicht, dass viele Evaluationsstudien keine positiven Effekte von AAMP zeigen. Alternativ wird versucht, die Wirkung von AAMP auf der Makroebene zu bestimmen. Dazu fließen Makroindikatoren zu Ausgaben, Teilnehmendenzahlen und Programmstrukturen der AAMP in Mehrebenenanalysen ein. Beispielsweise finden Russell und O’Connell (2001) in einer Studie mit individuellen Längsschnittdaten des ECHP, dass die Wiederbeschäftigungschancen für arbeitslose Jugendliche umso höher sind, je mehr Geld ein Land für die AAMP ausgibt. Aus methodischer Perspektive haben solche Makroebenenstudien den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den Evaluationsstudien auf der Mikroebene Verdrängungs- und Substitutionseffekte berücksichtigen. Gehemmt werden sie vom Endogenitätsproblem, da sich die Ausgaben, Teilnehmendenzahlen und Programmstrukturen der AAMP auf Länderebene in Reaktion auf die Probleme am Arbeitsmarkt verändern. 3.3 Mindestlöhne Mindestlöhne werden als Instrument eingesetzt, um der Niedriglohnbeschäftigung entgegenzuwirken und über Lohnpolitik Sozialpolitik zu betreiben. Als ungewollte Nebenwirkung werden jedoch negative Beschäftigungseffekte vermutet. Dies sollte insbesondere junge Erwachsene Michael Gebel 26 betreffen, die eher als Arbeitsmarkteinsteiger/innen im Niedriglohnsegment beschäftigt sind, wohingegen ältere Arbeitnehmer/innen von der Senioritätsentlohnung profitieren. Hohe Mindestlöhne reduzieren zudem die Anreize für Jugendliche, in hohe Bildung zu investieren, da die relativen Bildungsrenditen sinken. In einer Makro-Panel-Datenanalyse zeigen beispielsweise Neumark und Wascher (2004), dass höhere Mindestlöhne mit Beschäftigungsverlusten von Jugendlichen einhergehen. Es sind bisher keine europäisch-komparativen Mehrebenenanalysen zur Wirkung von Mindestlöhnen bekannt, da Mindestlöhne bisher in der soziologischen Forschung zum Arbeitsmarkteintritt von Jugendlichen ausgeblendet wurden. Folglich besteht hierzu noch erheblicher Forschungsbedarf in der soziologischen komparativen Forschung. 3.4 Arbeitsmarktregulierung In der Forschung steht die Arbeitsmarktregulierung im Mittelpunkt der Analysen zu den Wirkungen von Arbeitsmarktinstitutionen. Es wird argumentiert, dass je stärker der Kündigungsschutz für unbefristete Arbeitsverträge ist, desto größer die Nachteile für junge Erwachsene als Arbeitsmarkteinsteiger/innen seien (vgl. Lindbeck/Snower 1989; Müller/Gangl 2003). Arbeitgeber stehen Neueinstellungen kritisch gegenüber, da sie die hohen Kündigungskosten im Fall einer Entlassung fürchten. Dies trifft insbesondere auf Neueinstellungen von Arbeitsmarkteinsteiger/inne/n zu, deren Produktivität und Trainingskosten nur schwer abzuschätzen sind. Ein starker Kündigungsschutz für unbefristete Verträge reduziert zudem die allgemeine Mobilität am Arbeitsmarkt, sodass weniger freie Stellen für Einsteiger/innen entstehen. Aus theoretischer Perspektive lassen sich auch positive Wirkungen des Kündigungsschutzes auf die Arbeitsmarktlage Jugendlicher ableiten. Ein starker Kündigungsschutz stabilisiert die Beschäftigungsverhältnisse und schützt junge Arbeitsmarkteinsteiger/innen vor Jobverlust. Esping- Andersen (2000) argumentiert aber, dass für Jugendliche eher der negative Effekt der reduzierten Einstellungsquoten den positiven Effekt der reduzierten Entlassungsquoten dominiert. Effekte des Kündigungsschutzes lassen sich auch bezüglich der Befristungsrisiken von jungen Erwachsenen erwarten. Erstens ist zu erwarten, dass ein strikter Kündigungsschutz Anreize für Arbeitgeber schafft, Arbeitsmarkteinsteiger/innen in befristete Jobs einzustellen, um die hohen potenziellen Kündigungskosten im Fall einer möglichen Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 27 Entlassung abzuwenden: Befristete Verträge gehen mit deutlich niedrigeren Kündigungskosten einher, wenn der Vertrag zum zeitlichen Vertragsende aufgelöst wird. Für Arbeitgeber ist es attraktiv, ein solches Segment mit befristeten Beschäftigungsverhältnissen aufrechtzuerhalten, um in Krisenzeiten flexibel zu sein und mit Personalanpassungsmaßnahmen reagieren zu können (vgl. Polavieja 2003). Zweitens können Arbeitgeber befristete Verträge als Screening-Mechanismen für Einsteiger/innen einsetzen, deren Produktivität und Trainingskosten nur schwer einschätzbar sind, und bei schlechter Matching-Qualität die Beschäftigungsverhältnisse wieder auflösen (vgl. Korpi/Levin 2001). Drittens können Arbeitgeber mit befristeten Verträgen Anreize setzen, indem sie einen späteren unbefristeten Arbeitsvertrag in Aussicht stellen (vgl. Güell 2000). Dieser Anreiz ist besonders groß, wenn ein starker Kündigungsschutz für die unbefristeten Verträge besteht. Theoretisch zu trennen vom Kündigungsschutz für unbefristete Verträge sind die Auswirkungen befristeter Verträge und der Zeitarbeit. Es ist zu erwarten, dass deren schwächere Regulierung zu höheren Befristungsquoten bei Arbeitsmarkteinsteiger/inne/n führt (vgl. Gebel/Giesecke 2016). Der Effekt auf die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist hingegen unklar (vgl. Gebel 2010; Gebel/Giesecke 2016). Gemäß der Integrationsperspektive führt eine schwächere Regulierung befristeter Verträge und der Zeitarbeit zur Entstehung neuer Jobs, was zu einem Sinken der Arbeitslosenquote führt: Eher als unbefristete Stellen sind Arbeitgeber gewillt, befristete Jobs und Zeitarbeitsjobs zu schaffen, da diese leicht wieder abgebaut werden können, falls es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommt. Ein weiteres Argument für die Integrationsperspektive ist, dass Arbeitgeber befristete Verträge und Zeitarbeit im Sinne von Screening- Perioden nutzen können, was den Matching-Prozess erleichert und damit die Arbeitslosenquote bei Arbeitsmarkteinsteiger/inne/n reduziert. Die Segmentationsperspektive aber hebt hervor, dass der verstärkte Einsatz von befristeten und Zeitarbeitsjobs lediglich zu Ketten solcher Verträge führe – ohne Perspektive auf unbefristete Jobs. Damit ginge dann ein höheres Arbeitslosigkeitsrisiko einher. Ob die Integrations- oder die Segmentationsperspektive Recht behält, kann nur in empirischen Studien überprüft werden. In der empirischen Forschung zur Arbeitsmarktregulierung lassen sich verschiedene methodische Ausrichtungen unterscheiden. Neben dem Versuch, Ländertypologien gemäß der Regulierung am Arbeitsmarkt zu definieren und empirisch zu testen (vgl. Gangl 2001; Saar et al. 2008), wurden vor allem quantitative Makroindikatoren zur Messung der Arbeitsmarktre- Michael Gebel 28 gulierung genutzt. Beispielsweise finden Esping-Andersen (2000) und Breen (2005) anhand von Makrodaten, dass das Risiko, arbeitslos zu sein, in Ländern mit starkem Kündigungsschutz für Jugendliche im Vergleich zu Erwachsenen deutlich höher ist als in Ländern mit geringem Kündigungsschutz. Im Sinne eines Mikro-Makro-Interaktionseffekts ergibt sich bei Breen zudem, dass der Effekt des Kündigungsschutzes abgemildert wird, wenn in einem Land ein starkes berufliches Ausbildungssystem existiert. Diese Studien beschränken sich auf einen Querschnittsvergleich auf Länderebene. Das zusätzliche Potenzial von Mehrebenenanalysen nutzen Lange et al. (2014) und können zeigen, dass ein starker Kündigungsschutz mit höheren Arbeitslosigkeits- und Befristungsrisiken einhergeht. Auch dieser Studie hängt aber die methodische Schwäche an, dass auf Makrodatenebene die Paneldatenstruktur nicht adäquat genutzt wurde. Es gibt auch Studien, die europäisch-komparative individuelle Längsschnittdaten verwenden, um den Effekt der Arbeitsmarktregulierung auf die Karrieremobilität von jungen Erwachsenen zu analysieren. Auf Basis von individuellen Längsschnittdaten des ECHP finden Russell und O’Connell (2001), dass ein starker Kündigungsschutz die Wiederbeschäftigungschancen von jungen Arbeitslosen reduziert. Gangl (2003) kann mit Daten des Ad-hoc-Moduls School-to-work transitions des EU-LFS 2000 zeigen, dass ein starker Kündigungsschutz die Aufwärts- und Abwärtsmobilität in der Frühkarriere reduziert. Mit den gleichen Daten kommt Wolbers (2007) zu dem Schluss, dass die Suchdauer nach dem ersten Job in Ländern mit starkem Kündigungsschutz länger ist. Allerdings ist in diesen Ländern auch nach einem ersten Job das Risiko geringer, arbeitslos oder inaktiv zu werden. Diese Befunde bestätigen die Hypothesen, dass ein starker Kündigungsschutz den Arbeitsmarkteinstieg erschwert, aber gleichzeitig bestehende Beschäftigungsverhältnisse stabilisiert. Zwar haben diese Studien den Vorteil, dass dynamische Analysen auf der Mikroebene durchgeführt werden, aber die Identifikation des Effekts der Arbeitsmarktregulierung basiert weiterhin auf einem Querschnittsvergleich. Die bisher vorgestellten Studien beschränken ihre Messungen der Arbeitsmarktregulierung auf die Gesamtauswahl des OECD-Index Employment Protection Legislation (EPL) oder auf die Dimension des Kündigungsschutzes für unbefristete Verträge. Wie zuvor erläutert wurde, ist es aus theoretischer Perspektive aber wichtig, zwischen dem Kündigungsschutz für unbefristete Verträge (z. B. Anstellungs- und Entlassungsregeln, Ankündigungsregeln, Abfindungszahlungen) und der Regulierung von befristeten Verträgen (z. B. Regelungen zur Erneuerung und maximalen Dauer von befristeten Arbeitsverträgen, Regulierung von Zeit- Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 29 arbeitsfirmen) zu differenzieren. Der EPL-Index erlaubt dies auch, da er die beiden Dimensionen mit einem detaillierten Indikatorensystem differenziert erfasst. Da beide Dimensionen nur schwach miteinander korreliert sind, ist eine Aufnahme beider Dimensionen in einem multivariaten Analysemodell möglich (vgl. Gebel/Giesecke 2016). Erst neuere empirische Arbeiten nehmen die Differenzierung tatsächlich vor. Basierend auf Daten des EU-LFS 2004 für 23 Länder zeigen Baranowska und Gebel (2010) in einer Mehrebenenanalyse, dass weder der Kündigungsschutz für unbefristete Verträge noch die Regulierung von befristeten Verträgen die Länderunterschiede im relativen Befristungsrisiko von Jugendlichen (im Vergleich mit Erwachsenen mittleren Alters) erklären. Ihre Studie beschränkt sich jedoch wiederum nur auf eine Querschnittsbetrachtung auf der Makroebene. Neuere Studien verwenden zusätzlich die Zeitdimension auf der Makroebene, was validere kausale Schlüsse zulässt. Beispielsweise nutzt Noelke (2015) Modelle mit fixen Ländereffekten und Difference-indifferences-Schätzern für Makro-Paneldaten von 16 westeuropäischen Ländern und den USA für die Periode von 1980 bis 2008. Diese Modelle erlauben es, für zeitkonstante unbeobachtbare Heterogenität auf der Länderebene und im Difference-in-differences-Ansatz zusätzlich für gemeinsame Zeittrends zu kontrollieren. Dies ist eine substanzielle Verbesserung gegenüber den Vorgängerstudien, die den Effekt der Arbeitsmarktregulierung ausschließlich in einer Querschnittsbetrachtung von Ländern messen. Noelke (2015) findet in den verschiedenen Modellspezifikationen keine robuste Evidenz für eine Wirkung des Kündigungsschutzes unbefristeter Verträge auf die Beschäftigungschancen von Jugendlichen. Die Deregulierung befristeter Verträge und der Zeitarbeit hingegen führt zu einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit und einem Rückgang der Beschäftigungsquote von Jugendlichen. Gebel und Giesecke (2016) nutzen Dreiebenenmodelle (Individuen, Länder, Zeitperioden) mit fixen Ländereffekten, um für zeitkonstante unbeobachtbare Heterogenität auf der Länderebene zu kontrollieren. Basierend auf Mikrodaten des EU-LFS aus 19 west- und mitteleuropäischen Ländern für die Zeitperiode 1992 bis 2012 finden sie, dass die Deregulierung befristeter Beschäftigung und der Zeitarbeit zu einem Anstieg befristeter Beschäftigung, aber nicht zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit junger Erwachsener geführt hat. Für geringqualifizierte junge Männer zeigt sich sogar ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Folglich hat die partielle Michael Gebel 30 Deregulierung, die in vielen westeuropäischen Ländern umgesetzt wurde,2 nicht die Probleme am Jugendarbeitsmarkt gelöst. Ein weiterer Befund ist, dass ein Abbau des Kündigungsschutzes unbefristeter Verträge die Befristungsrisiken junger Erwachsener reduziert, ohne gleichzeitig die Arbeitslosigkeitsrisiken zu erhöhen. Offensichtlich kann die Arbeitsmarktintegration junger Erwachsener dadurch verbessert werden, dass der Kündigungsschutz der unbefristeten Verträge (der „Insider“) abgebaut wird. 4. Zusammenfassung Das Ziel dieses Beitrags war es, den Forschungsstand zur Wirkung von Bildungs- und Arbeitsmarktinstitutionen auf den Arbeitsmarkteintritt von jungen Erwachsenen systematisch zusammenzufassen und die methodischen Ansätze kritisch zu kommentieren. Zwar liegen zahlreiche europäisch-komparative Analysen vor, dennoch gibt es noch größere Forschungslücken, beispielsweise bezüglich der Wirkung der institutionellen Struktur des tertiären Bildungssystems oder von Mindestlöhnen. Die vorliegenden Arbeiten zeichnen kein einheitliches Bild der Wirkungen von Bildungs- und Arbeitsmarktinstitutionen, insbesondere bezüglich des beruflichen Ausbildungssystems und der Arbeitsmarktregulierung. Die divergierenden Befunde lassen sich auf die unterschiedlichen Zeitperioden, Länderstichproben und Analyseverfahren zurückführen. Anstatt die teilweise widersprüchlichen Studienergebnisse als gleichwertig zu beachten, hat die methodische Kritik in diesem Beitrag gezeigt, dass man sehr wohl bezüglich der Güte der Analyseverfahren differenzieren kann. Insbesondere auf der Makroebene verwenden neuere empirische Studien überzeugendere Designs, die Reformen im Bildungssystem und der Arbeitsmarktregulierung als Alternative oder in Ergänzung zum Ländervergleich nutzen. Diese Ansätze ermöglichen es wegen der größeren Fallzahlen, mehr Makrovariablen zu verwenden oder auch für zeitkonstante unbeobachtbare Ländermerkmale zu kontrollieren. Damit erlauben sie es, intern validere Schlüsse zu ziehen. Trotz der Verwendung fortgeschrittener Methoden, die neben der Länder- auch die Zeitdimension auf der Makroebene verwenden, leidet die ____________________ 2 Bei dieser partiellen Deregulierung wurden nur die befristete Beschäftigung und die Zeitarbeit dereguliert. Der Kündigungsschutz für unbefristete Verträge (der „Insider“) blieb unverändert. Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 31 empirische Forschung weiterhin unter großen Datenproblemen. Es mangelt an europäisch-komparativen Längsschnittdaten auf der Mikroebene, die es erlauben würden, die Dynamik des Arbeitsmarkteintritts wiederholt über verschiedene Kohorten hinweg zu beobachten. Die Entwicklungstendenz ist düster, da die European Union Statistics on Income and Living Conditions (EU-SILC) als einzige europäische Panelstudie die schon geringe Qualität des ECHP eher noch unterbietet. Ihr auf vier Jahre begrenztes, rotierendes Paneldesign erschwert dynamische Analysen auf der Mikroebene. Außerdem sind die Fragen zur sozialen Herkunft, zum Bildungserwerb und zur Beschäftigung extrem knapp an der Zahl und sehr undifferenziert ausgeführt. Es bleibt zu hoffen, dass langfristig eine bessere Datenbasis europäisch-komparativer Längsschnittdaten geschaffen wird, auf deren Basis überzeugende Antworten auf politisch hochrelevante Forschungsfragen gegeben werden können. Literatur Allmendinger, Jutta (1989): Educational systems and labor market outcomes. In: European Sociological Review 5 (3). 231–250. Arrow, Kenneth J. (1973): Higher education as a filter. In: Journal of Public Economics 2 (3). 193–216. Arum, Richard/Shavit, Yossi (1995): Secondary vocational education and the transition from school to work. In: Sociology of Education 68 (3). 187–204. Baranowska, Anna/Gebel, Michael (2010): The determinants of youth temporary employment in the enlarged Europe: Do labour market institutions matter? In: European Societies 12 (3). 367–390. Becker, Gary S. (1964): Human capital. A theoretical and empirical analysis, with special reference to education. New York: Columbia University Press. Bertola, Giuseppe/Blau, Francine D./Kahn, Lawrence M. (2007): Labor market institutions and demographic employment patterns. In: Journal of Population Economics 20 (4). 833–867. Blossfeld, Hans-Peter/Buchholz, Sandra/Bukodi, Erzsébet/Kurz, Karin (Hrsg.) (2008): Young workers, globalization and the labor market. Cheltenham: Edward Elgar. Breen, Richard (2005): Explaining cross-national variation in youth unemployment. Market and institutional factors. In: European Sociological Review 21 (2). 125– 134. Brzinsky-Fay, Christian (2007): Lost in transition? Labour market entry sequences of school leavers in Europe. In: European Sociological Review 23 (4). 409–422. Esping-Andersen, Gøsta (2000): Who is harmed by labour market regulations? Quantitative evidence. In: Esping-Andersen, Gøsta/Regini, Marino (Hrsg.): Why deregulate labour markets. Oxford: Oxford University Press. 66–98. Michael Gebel 32 Eurofound (2014): Mapping youth transitions in Europe. Luxembourg: Publications Office of the European Union. Gangl, Markus (2001): European patterns of labour market entry. A dichotomy of occupationalized versus non occupationalized systems? In: European Societies 3 (4). 471–494. Gangl, Markus (2002): Changing labour markets and early career outcomes. Labour market entry in Europe over the past decade. In: Work, Employment and Society 16 (1). 67–90. Gangl, Markus (2003): The only way is up? Employment protection and job mobility among recent entrants to European labour markets. In: European Sociological Review 19 (5). 429–449. Gebel, Michael (2010): Early career consequences of temporary employment in Germany and the United Kingdom. In: Work, Employment and Society 24 (4). 641– 660. Gebel, Michael/Baranowska-Rataj, Anna (2012): New inequalities through privatization and marketization? An analysis of labour market entry of higher education graduates in Poland and Ukraine. In: European Sociological Review 28 (6). 729– 741. Gebel, Michael/Giesecke, Johannes (2016): Does deregulation help? The impact of employment protection reforms on youths’ unemployment and temporary employment risks in Europe. In: European Sociological Review 32 (4). 486–500. Gebel, Michael/Noelke, Clemens (2011): The transition from school to work in Central and Eastern Europe: theory and methodology. In: Kogan, Irena/Noelke, Clemens/Gebel, Michael (Hrsg.): Making the transition. Education and labor market entry in Central and Eastern Europe. Stanford (CA): Stanford University Press. 29– 57. Gerber, Theodore P./Cheung, Sin Y. (2008): Horizontal stratification in postsecondary education – forms, explanations and implications. In: Annual Review of Sociology 34. 299–318. Granovetter, Mark S. (1981): Toward a sociological theory of income differences. In: Berg, Ivar (Hrsg.): Sociological perspectives on labor markets. New York: Academic Press. 11–47. Güell, Maia (2000): Fixed-term contracts and unemployment. Industrial Relations Section Working Papers No. 433. Heckman, James J./LaLonde, Robert J./Smith, Jeffrey A. (1999): The economics and econometrics of active labor market programs. In: Ashenfelter, Orley/Card, David (Hrsg.): Handbook of labor economics. Amsterdam: North Holland. 1865–2097. Kerckhoff, Alan C. (1995): Institutional arrangements and stratification processes in industrial societies. In: Annual Review of Sociology 15. 323–347. Kluve, Jochen (2010): The effectiveness of European active labor market programs. In: Labour Economics 17 (6). 904–918. Kogan, Irena/Noelke, Clemens/Gebel, Michael (Hrsg.) (2011): Making the transition. Education and labor market entry in Central and Eastern Europe. Stanford (CA): Stanford University Press. Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 33 Korpi, Tomas/Levin, Henrik (2001): Precarious footing. Temporary employment as a stepping stone out of unemployment in Sweden. In: Work, Employment and Society 15 (1). 127–148. Lange, Marloes de/Gesthuizen, Maurice/Wolbers, Maarten H. J. (2014): Youth labour market integration across Europe. The impact of cyclical, structural, and institutional characteristics. In: European Societies 16 (2). 194–212. Leuze, Kathrin (2007): What makes for a good start? Consequences of occupationspecific higher education for career mobility: Germany and Great Britain compared. In: International Journal of Sociology 37 (2). 29–53. Lindbeck, Assar/Snower, Dennis J. (1989): The insider-outsider theory of employment and unemployment. Cambridge (MA): MIT Press. Luijkx, Ruud/Wolbers, Maarten H. J. (2009): The effects of non-employment in early work-life on subsequent employment chances of individuals in the Netherlands. In: European Sociological Review 25 (6). 647–660. Marsden, David (1990): Institutions and labour mobility. Occupational and internal labour markets in Britain, France, Italy and West Germany. In: Brunetta, Renato/ Dell’ Aringa, Carlo (Hrsg.): Labour relations and economic performance. Basingstoke: Macmillian. 414–438. Maurice, Marc/Sellier, François/Silvestre, Jean-Jacques (1986): The social foundations of industrial power. A comparison of France and Germany. Cambridge (MA): MIT Press. Mayer, Karl U. (2004): Whose lives? How history, societies and institutions define and shape life courses. In: Research in Human Development 1 (3). 161–187. Müller, Walter (2005): Education and youth integration into European labour markets. In: International Journal of Comparative Sociology 46 (5). 461–485. Müller, Walter/Gangl, Markus (2003): The transition from school to work. A European perspective. In: Müller, Walter/Gangl, Markus (Hrsg.): Transitions from education to work in Europe. The integration of youth into EU labour markets. Oxford: Oxford University Press. 1–22. Neumark, David/Wascher, William (2004): Minimum wages, labor market institutions, and youth employment. A cross-national analysis. In: ILR Review 57 (2). 223–248. Noelke, Clemens (2015): Employment protection legislation and the youth labour market. In: European Sociological Review 32 (4). 471–485. Noelke, Clemens/Gebel, Michael/Kogan, Irena (2012): Uniform inequalities. Institutional differentiation and the transition from higher education to work in postsocialist Central and Eastern Europe. In: European Sociological Review 28 (6). 704–716. Noelke, Clemens/Horn, Daniel (2014): Social transformation and the transition from vocational education to work in Hungary. A differences-in-differences approach. In: European Sociological Review 30 (4). 431–443. Parey, Matthias (2009): Vocational schooling versus apprenticeship training – evidence from vacancy data. (unveröffentlichtes Manuskript) Michael Gebel 34 Polavieja, Javier G. (2003): Temporary contracts and labour market segmentation in Spain. An employment-rent approach. In: European Sociological Review 19 (5). 501–517. Reimer, David/Noelke, Clemens/Kucel, Aleksander (2008): Labor market effects of field of study in comparative perspective. An analysis of 22 European countries. In: International Journal of Comparative Sociology 49 (4–5). 232–256. Russell, Helen/O’Connell, Philip J. (2001): Getting a job in Europe. The transition from unemployment to work among young people in nine European countries. In: Work, Employment and Society 15 (1). 1–24. Saar, Ellu/Unt, Marge/Kogan, Irena (2008): Transition from educational system to labour market in the European Union. A comparison between new and old members. In: International Journal of Comparative Sociology 49 (1). 31–59. Shavit, Yossi/Müller, Walter (Hrsg.) (1998): From school to work. A comparative study of educational qualifications and occupational destinations. Oxford: Oxford University Press. Shavit, Yossi/Müller, Walter (2000): Vocational secondary education. Where diversion and where safety net? In: European Societies 2 (1). 29–50. Shwed, Uri/Shavit, Yossi (2006): Occupational and economic attainments of college and university graduates in Israel. In: European Sociological Review 22 (4). 431– 442. Sørensen, Aage B./Kalleberg, Arne L. (1981): An outline of a theory of matching persons to jobs. In: Berg, Ivar (Hrsg.): Sociological perspectives on labor markets. New York: Academic Press. 49–74. Soskice, David (1999): Divergent production regimes. Coordinated and uncoordinated market economies in the 1980s and 1990s. In: Kitschelt, Herbert/Lange, Peter/Marks, Gary/Stephens, John D. (Hrsg.): Continuity and change in contemporary capitalism. Cambridge: Cambridge University Press. 101–135. Spence, Michael (1973): Job market signaling. In: Quarterly Journal of Economics 87 (3). 355–374. Taru, Marti (2016): Overview of meta-analysis of active labour market programs. In: EXCEPT Working Papers No 5. Tallinn: Tallinn University. Thurow, Lester C. (1975): Generating inequality. Mechanisms of distribution in the U.S. economy. New York: Basic Books. van der Velden, Rolf/Wolbers, Maarten H. J. (2003): The integration of young people into labour market. The role of training systems and labour market regulation. In: Müller, Walter/Gangl, Markus (Hrsg.): Transitions from education to work in Europe. The integration of youth into EU labour markets. Oxford: Oxford University Press. 186–211. van der Velden, Rolf/Wolbers, Maarten H. J. (2007): How much does education matter and why? The effects of education on socio-economic outcomes among schoolleavers in the Netherlands. In: European Sociological Review 23 (1). 65–80. van de Werfhorst, Herman (2002): Fields of study, acquired skills and the wage benefit from a matching job. In: Acta Sociologica 45 (4). 287–303. Der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich 35 van de Werfhorst, Herman (2004): Systems of educational specialization and labor market outcomes in Norway, Australia, and the Netherlands. In: International Journal of Comparative Sociology 45 (5). 315–335. Winkelmann, Rainer (1996): Employment prospects and skill acquisition of apprenticeship-trained workers in Germany. In: Industrial and Labor Relations Review 49 (4). 658–672. Wolbers, Maarten H. J. (2007): Patterns of labour market entry. A comparative perspective on school-to-work transitions in 11 European countries. In: Acta Sociologica 50 (3). 189–210.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Wir beobachten eine zunehmende Internationalisierung des Bildungswesens. Welche Effekte haben Bildungsexporte? Wie lassen sich Interdependenzen zwischen Bildungspolitik und anderen Politikfeldern, z.B. mit der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, analysieren? Welche Determinanten und Dynamiken lassen sich im (inter-)nationalen Vergleich identifizieren?