Der institutionalisierte Dauerstreit

Theologie und Dissens in Kants Der Streit der Fakultäten

Eva Bucher
1. Edition 2017 Series:  Studien zu Religion, Philosophie und Recht Volume 3
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Abstract

Is religion compatible with enlightenment, and what role does theology play in this issue? Kant’s ‘Streit der Fakultäten’ (Contest of the Faculties) comes to the conclusion that the eternal debate about religion does not necessarily have to be an obstacle to enlightenment, but that its institutionalisation is the best hope for freedom, for without criticism there can be no progress and a lack of critique only gives rise to misconceptions. However, appraisals of Kant’s work by F.W.J. Schelling, Jacques Derrida and Judith Butler demonstrate that even the rules of this debate are contentious. Who stipulates them, for example? In this way, criticism of religion is itself confronted with criticism. Who has the power to shape this debate in a reasoned manner? Viewing this problem from the perspective of the theory of antagonism shows that enemies can become opponents and that war can develop into debate. However, whether progress and freedom can result from civilised debate and reforms or whether achieving them proves to be a bitter struggle—or not at all—is open to discussion.

Zusammenfassung

Verträgt sich Religion mit Aufklärung? Was für eine Rolle spielt die Theologie dabei? Kants Der Streit der Fakultäten kommt zu dem Schluss, dass der unendliche Streit um die Religion nicht zwangsläufig zum Problem für die Aufklärung werden muss, sondern seine Institutionalisierung die beste Hoffnung für Freiheit ist: Ohne Kritik kein Fortschritt, ohne Streit bloß Irrglaube. F.W.J. Schellings, Jacques Derridas und Judith Butlers Auseinandersetzung mit Kants Werk zeigen jedoch auch, dass dabei auch die Regeln des Streites strittig werden müssen: Wer legt die Regeln fest? So wird die Kritik an Religion selbst zwangsläufig mit Kritik konfrontiert: Wer hat die Macht über den vernünftigen Diskurs? Eine antagonismustheoretische Perspektive auf dieses Problem zeigt: Aus Feinden können Gegner werden und aus Krieg Streit. Doch ob sich Fortschritt und Freiheit aus braven Debatten und Reformen oder als harter Kampf einstellt – oder eben überhaupt nicht – ist eine offene Frage.