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Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist, Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy Frauen in wissenschaftlichen Laboren in:

Lutz Hagen, Corinna Lüthje, Farina Ohser, Claudia Seifert (Ed.)

Wissenschaftskommunikation, page 213 - 228

Die Rolle der Disziplinen

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8487-3289-0, ISBN online: 978-3-8452-7642-7, https://doi.org/10.5771/9783845276427-213

Series: Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation, vol. 1

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Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy Frauen in wissenschaftlichen Laboren Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist Einleitung: #TimHunt und #distractinglysexy Am 8. Juni 2015 wendete sich die Wissenschaftsjournalistin Connie St Louis im Rahmen einer Konferenz in Südkorea in einer über das soziale Netzwerk Twitter publizierten Nachricht an ihre Follower*innen. In ihrem Tweet ging es um die Rede des dort geladenen britischen Biochemikers und Nobelpreisträgers Tim Hunt. Sie zitierte und kommentierte seine Äu- ßerung zu Frauen in den MINT-Wissenschaften (STEM) und konkret zu Frauen in biochemischen Laboren („3 things happen when they [girls] are in the lab: you fall in love with them, they fall in love with you, and when you criticize them they cry“). Der Tweet wurde von zwei Kolleg*innen, die ebenfalls anwesend waren, direkt retweeted, also auch an deren Twitter-Netzwerk weitergeleitet. Diese Praxis des Kommentierens auf wissenschaftlichen Tagungen ist mittlerweile weltweit etabliert und immer häufiger anzutreffen (Leßmöllmann, 2012; Webb, 2016). Ausgehend von diesen wenigen Nachrichten, entspann sich in den folgenden Tagen und Wochen ein globaler Diskurs1, der mit den Hashtags #TimHunt sowie #distractinglysexy2 (eine Referenz auf Hunts weitere Äußerung, er favorisiere wegen der möglichen Ablenkung von der wissenschaftlichen Tätigkeit „single-sex labs“) zunächst in den sozialen Medien und darüber hinaus in der medialen Berichterstattung weltweit bekannt wurde. Die Funktionslogik des Microblogging-Dienstes Twitter ist hierbei grundlegend für das Entstehen und die Struktur des Diskurses. Bei Twitter 1. 1 Unter Diskurs verstehen wir mit Keller: Einen „Komplex von Aussageereignissen und darin eingelassenen Praktiken, die über einen rekonstruierbaren Strukturzusammenhang miteinander verbunden sind und spezifische Wissensordnungen der Realität prozessieren“ (Keller, 2005, S. 230). . 2 Für eine ausführliche Erörterung zu #distractinglysexy siehe Stehling 2017. 213 bestehen Beiträge aus maximal 140 Zeichen und werden mittels der elementaren Operation des Hashtags („#“) mit einer Zeichenkette als Schlagwort verknüpft (z.B. Thimm, Dang-Anh & Einspänner-Pflock, 2012). Durch die Referenzierung mittels der Hashtags #distractinglysexy und/ oder #TimHunt wurden die Tweets thematisch und potentiell diskursgenerierend organisiert. Die Funktion des Retweetens („RT“) ermöglicht die weitere Verbreitung der Nachrichten innerhalb der individuellen Netzwerke, der Struktur von Nutzer*innen und deren Follower*innen, in Twitter. Durch die Etablierung von Hashtags wird aber auch das Referenzieren und Verteilen in andere soziale Medien möglich. Für #TimHunt und #distractinglysexy war insbesondere auch Facebook bedeutsam. Indem die individuellen kommunikativen Handlungen der Nutzer*innen unter Anwendung eines Hashtags mit zivilgesellschaftlichem bzw. politischem Kontext verbunden werden, können wir diese Artikulation eines gemeinsamen Interesses als Ad-Hoc-Öffentlichkeiten konzeptualisieren (Bruns & Burgess, 2011). Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie kurzfristig und nicht durch (medien-)organisatorische Strukturen geregelt eine öffentliche Debatte formieren und somit sofort akute Ereignisse thematisieren. Für #TimHunt und #distractinglysexy ist dies prototypisch der Fall; auch weil der Diskurs und seine Hashtags sofort breit von sich teils widerstreitenden Positionen aufgegriffen werden. Verglichen mit der Vielzahl von Hashtags und Diskursen auf Twitter, die kaum einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden, sind die Ereignisse im Juni 2015 bemerkenswert. Unter #distractinglysexy wurden im Zeitraum von einem Monat (8.6.-8.7.2015) 115.000 Tweets generiert. Weltweit griffen in der Folge On- und Offline-Medien die Ereignisse und die Thematik auf und generierten einen globalen Mediendiskurs. Besonders im Zentrum standen die in den sozialen Netzwerken geposteten Kommentare und Fotos von Wissenschaftler*innen. Diese (zumeist weiblichen) Personen sind vor allem in ihrem beruflichen Umfeld (z.B. im Labor, im Forschungfeld, im Krankenhaus usw.) und in der entsprechenden Kleidung ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit (z.B. beim Experimentieren, beim Vermessen, beim Operieren usw.) zu sehen. Dabei wurde, wie anhand des Beispielbilds zu sehen ist, zumeist in ironischer Form der Hashtag #distractinglysexy verwendet. Häufig enthalten ist zudem auch der Verweis auf #TimHunt. Indem die Personen in den mit ihren spezifischen Tätigkeiten verbundenen Berufsbekleidungen (Laborkittel, Schutzanzug, Mundschutz usw.) zu sehen sind, werden die visuellen Repräsentationen hinsichtlich einer vergeschlechtlichen Körperlichkeit sehr reduziert. Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist 214 Die somit produzierten Widersprüche zu Hunts Aussage („ablenkend sexuell“) erzeugen eine Bandbreite von humorvollen und ironischen Einblicken in die wissenschaftliche Praxis jenseits geschlechterspezifischer wissenschaftlicher Alltagspraxis. Abbildung 1: Screenshot eines exemplarischen Tweets zu #distractinglysexy von Daniele Spitzer. Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt 215 Im weiteren Verlauf des in den sozialen wie etablierten Medien zirkulierenden Diskurses wurde eine vielschichtige Auseinandersetzung entfacht, in der verschiedene, teils heftig widerstreitende Positionen, artikuliert wurden. Im Zuge der Berichterstattung gab es etwa kritische Stimmen hinsichtlich der Nichtweiterbeschäftigung bzw. Nichtverlängerung des Fellowships von Hunt an seiner britischen Universität infolge der lautgewordenen Kritik an seinen Äußerungen. Connie St Louis, als diejenige, die den Diskurs mit ihrem Tweet begonnen hat, wurde scharf persönlich angegriffen und teils auch diffamiert. Es meldeten sich zudem sowohl in den sozialen Netzwerken, als auch in der Presselandschaft Stimmen, die einem „Twitter-Hetzmob“ eine gezielte Aktion unterstellen (Pössel, 2015). Das zentrale Thema der Debatte ist zunächst, der Zugang von Frauen zu wissenschaftlichen Laboren und davon ausgehend Geschlechtergerechtigkeit. Es geht aber auch um Fachkultur und Auftreten etablierter (männlicher) und kritisierender (weiblicher) Akteure in öffentlichen Debatten. Der Diskurs ist, im Kontext der Wissenschaft, als zivilgesellschaftlich bedeutungsvolles Feld zu verorten. Der Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy tangiert in hohem Maße die mediale Kommunikation und die Verhandlungen der Geschlechterverhältnisse in der Wissenschaft. In diesem Sinne ist der Gegenstand dieses Beitrages auch Ausdruck einer Verquickung von Mediendiskursen mit kommunikativen Verhandlungen spezifischer gesellschaftlicher Felder, wie dem der Wissenschaft. Im Folgenden betrachten wir zunächst grundlegend aktuelle Fragestellungen, Konzepte und Befunde zur Entwicklung der Wissenschaftskommunikation 2.0 und zu Geschlechterdiskursen. Vor diesem Hintergrund wird eine empirische Studie vorgestellt, die mittels einer Onlinebefragung den Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy exploriert. Mit dem Fokus auf Lesarten der Menschen wird eine theoretische Perspektive auf aktive Rezeption und Aneignung von Medien, die ihre Bedeutung erst in der sozialen Zirkulation – etwa in Diskursen – entfalten, eingenommen (Mikos, 2009). Ebenfalls werden Überlegungen angestellt, wie digitale und transmediale Diskurse um Geschlechterverhältnisse im Feld der Wissenschaftskommunikation und darüber hinaus verortet sowie zukünftig weitergehender untersucht werden können. Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist 216 Hintergrund: Wissenschaftskommunikation, Geschlechterdiskurse und Medienwandel Der Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy ist in zweierlei Hinsicht relevant für eine kommunikationswissenschaftliche Analyse: Er thematisiert zum einen explizit das Feld der Wissenschaft, im Speziellen die dortige kommunikative Verhandlung von Geschlecht. Zum anderen wurde der Diskurs durch spezifische und vergleichsweise neue Formen digitaler Wissenschaftskommunikation in Gang gebracht, nämlich den Microblogging- Dienst Twitter bzw. seine Nutzung im Kontext einer wissenschaftlichen Konferenz. Wissenschaftskommunikation, einschließlich informeller Kommunikation, ist in hohem Maße Medienkommunikation und unterliegt einem fortwährenden Wandel (Lüthje, 2014). Wissenschaftskommunikation heute ist vielfältig (Bonfadelli, Fähnrich, Lüthje, Milde, Rhomberg & Schäfer 2017): Sie beinhaltet – ganz klassisch – neben der Kommunikation von Wissenschaft in Fachpublikationen und Konferenzen, in der Politik, Wirtschaft und Kampagnen auch deren Verhandlung in den etablierten (Massen-)Medien und in sozialen Medien. Für die Nutzung sozialer Medien wird seit einigen Jahren auch der Begriff der Wissenschaftskommunikation 2.0 als eine Anwendung des Web 2.0 gebraucht, womit die These einhergeht, dass neue Interaktions- und Vernetzungsmöglichkeiten von Wissenschaftskommunikation geschaffen werden, z.B. in Form von Wissenschaftsblogs (z.B. Littek, 2012). Der Diskurs um #TimHunt ist dabei schwierig anhand von „klassischen“ Schemata wie der Differenzierung zwischen wissenschaftsinterner und wissenschaftsexterner Kommunikation (Lüthje, 2014) einzuordnen. Vielmehr offenbart dieser, wie neue transmediale Kommunikationsphänomene unser Verständnis von Wissenschaftskommunikation – als meist strategisch geplant, formalisiert und nur in Teilen öffentlich verhandelt – verändern. Die Kommunikation im Kontext von #TimHunt und #distractinglysexy beinhaltet Elemente interner wie externer Kommunikation, speist sich aus direkten Interaktionssituationen (z.B. im Kontext eines Konferenzvortrages), Netzkommunikation in sozialen Medien sowie globaler Berichterstattung in verschiedenen etablierten Massenmedien. Bemerkenswert dabei ist, dass im Zuge des Diskurses um #TimHunt und #distractinglysexy das Thema der Wissenschaft eine große und breite globale Öffentlichkeit erfuhr. Die Ausgangsproblematik, nämlich kontroverse Äußerungen zum Zugang von Frauen zu wissenschaftlichen Laboren, wurde zügig mit umfassenderen Fragen von Geschlechtergerechtigkeit und 2. Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt 217 dem Umgang von (männlichen und weiblichen) Akteur*innen in öffentlichen Debatten verknüpft. Damit verbindet der Diskurs gesellschaftliche Felder und stellt Wissenschaft als zivilgesellschaftlich bedeutungsvolles Thema ins Zentrum. Vor diesem Hintergrund ist es von Bedeutung, die Rolle der sozialen Medien für die Herstellung von Öffentlichkeit sowie die veränderten Dynamiken von Mediendiskursen auch für eine Konzeption von Wissenschaftskommunikation heranzuziehen. Die sozialen Medien und insbesondere Twitter sind hinsichtlich der Herstellung von Öffentlichkeit und Partizipation bedeutsam (z. B. Einspänner-Pflock, Dang-Anh & Thimm, 2014). Die partizipatorischen Potentiale von sozialen Medien in gesellschaftlichen Debatten verändern dabei auch das Verhältnis von etablierten Medien und digitaler Kommunikation und sind bedeutsam für ein Verständnis des Wandels von Öffentlichkeit(en) (Frass, Meier & Pentzold, 2013). Empirische Ergebnisse weisen darauf hin, dass soziale Medien Probleme thematisieren, die von den etablierten Medien (zunächst) übersehen werden (z.B. Rogstad, 2016). Rogstad (2016) spricht daher von einem „intermedia agenda setting“ zwischen Twitter und den „Mainstreammedien“. Von gro- ßer Bedeutung sind dabei Bilder und audiovisuelle Elemente: Sie tragen zu einer transmedialen Entfaltung von Diskursen über Plattformen und Sprachgrenzen hinweg bei. Die Verbindung und Konvergenz zwischen medialen Formen und Produktionsweisen wird insbesondere international vielfältig diskutiert, wo die Frage der Entgrenzung von transmedialen Medientexten thematisiert wird (Jenkins, Ford & Green, 2013; Frass, Meier & Pentzold, 2013). In sozialen Medien wird Geschlechterwissen transportiert und es werden Geschlechterverhältnisse verhandelt. Dabei ist insbesondere von Interesse, inwieweit gesellschaftlich produzierte (Geschlechter-)Differenz im Wechselspiel von strukturellen und inhaltlichen Ebenen der Kommunikation (re-)konstruiert und dekonstruiert wird (Knaut, 2016). Eine diskursanalytische Untersuchung der Sexismus-Debatte in Deutschland 2014 offenbarte, dass der auf Twitter unter dem Hashtag #aufschrei initiierte Austausch zu Alltagssexismus die Relevanz des Themas in die Mainstream- Medien brachte und von diesen aufgegriffen wurde (Drüeke, 2015; Gesenger & Thiele, 2014). Exemplarisch für Twitter zeigt eine norwegische Studie, dass Themen, die in den etablierten Medien übersehen werden, wie unter anderem Gender Equality, dort besondere Aufmerksamkeit erfahren und dadurch auch indirekt wieder auf die Agenda gelangen können (Rogstad, 2016). Insofern kann sozialen Medien das Potential der Ermächti- Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist 218 gung für Frauen und marginalisierte Gruppen zugesprochen werden. Hinsichtlich der Artikulation und Partizipation von Menschen, die sich in sozialen Medien queer-feministisch engagieren, belegen Studien aber gleichzeitig auch, dass sich diese in besonderer Weise angreifbar machen (Eckert, 2017). Frauen erfahren online verschiedene Formen von Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Missbrauch, etwa durch gewaltvolle Sprache oder durch explizite Drohungen (Banet-Weiser, 2015; Banet-Weiser & Miltner, 2016). Dokumentiert sind auch Formen von Selbstzensur und Abwesenheit aus kommunikativen Feldern, etwa wenn sich Akteur*innen bewusst nicht an Diskussionen und Produktionskontexten beteiligen (Eckert, 2017). Wissenschaft ist ein sozial konstruiertes Feld (Lüthje, 2014), welches nicht von den gesellschaftlichen Verhandlungen und Kämpfen um Bedeutung abgeschottet ist. Im Feld Wissenschaft gilt es daher, Geschlechterverhältnisse und -diskurse zu beleuchten und zu verstehen, wie Geschlechter auch Wissenschaft ‚macht‘ (Paulitz, 2012). Inwieweit hier nun soziale Medien als Impulsgeber und Sichtbarmacher von Auseinandersetzungen fungieren, soll exemplarisch am Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy Frauen in wissenschaftlichen Laboren betrachtet werden. Empirische Exploration: Onlinebefragung in wissenschaftsnahen Netzwerken Forschungsansatz und Methoden Vor diesem Hintergrund war es unser Ziel, einen transmedialen Diskurs besser zu verstehen, der verbunden mit digitaler Wissenschaftskommunikation entstanden ist, und hiervon ausgehend global zirkulierte und die Geschlechterverhältnisse in der Wissenschaft als ein relevantes und umstrittenes Thema sichtbar machte. Besonders interessierte uns dabei das individuelle Erleben von Menschen und deren Beurteilen des Mediendiskurses um die Äußerungen von Tim Hunt zu Frauen in der Wissenschaft. In der Studie ging es uns darum, die Perspektive von Menschen und deren Lesarten bzw. Partizipation an und Bewertung des Diskurses zu beleuchten, für die dieser einen direkten lebensweltlichen Bezug hatte. Im Kontrast zur Mehrzahl der vorliegenden Studien legten wir damit den empirischen Fokus nicht vordergründig auf Medieninhalte und Produktionskon- 3. 3.1. Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt 219 texte von digitalen Diskursen, sondern auf die Bewertung durch die Rezipient*innen. Drei Anliegen waren für die Konzeption der Studie wichtig: Erstens die Exploration, zweitens die Nähe zum Ereignis (situativ) sowie drittens die globale Dimension des Diskurses. Da es sich um ein bis dato wenig betrachtetes und hinsichtlich der Verknüpfung (wissenschafts-)kommunikativer Praktiken bemerkenswertes Diskursphänomen handelt, sollte zunächst eine Exploration des Gegenstandes ermöglicht werden. Dabei war die Nähe zum Ereignis zum einen zeitlich von Bedeutung, zum anderen war es von Interesse auch die Perspektiven von Menschen zu erfassen, für die der Diskurs einen direkten lebensweltlichen Bezug hat. Des Weiteren sollte die globale Dimension des Diskurses Berücksichtigung finden. Hierfür wurde ein Fragebogen konzipiert, der explorative Fragen zur Mediennutzung im Kontext des Diskurses sowie zur Bewertung der Ereignisse und zum medialen Diskurs enthielt. Der Fragebogen wurde deutsch- und englischsprachig online verfügbar gemacht mit dem Ziel, zügig an die Ereignisse anzuschließen und in relativ kurzer Zeit ein Sample von Menschen mit Bezug zum akademischen Diskurs um Frauen in der Wissenschaft zu erreichen. Es wurde eine Onlinebefragung (n=255) in deutsch- und englischsprachigen Netzwerken durchgeführt. Die Befragung fand zeitnah zu den auslösenden Geschehnissen und unmittelbar zum Höhepunkt des Diskurses im Netz von Juni bis Juli 2015 statt. Es wurde ausgehend von den Netzwerken der Autor*innen vor allem in universitären Netzwerken sowie wissenschaftsnah per Medien und über die sozialen Medien Facebook und Twitter verteilt (z.B. über den Gesamtverteiler „alle wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Professor*innen einer Universität“). Um einen hohen Grad an Anonymität sicherzustellen, waren verschiedene Angaben zur Person nur optional (z.B. Forschungseinrichtung/Universität). Es lassen sich daher nur bedingt Rückschlüsse auf die Distributionswege der Onlinebefragung ziehen. Die Befragung bestand aus geschlossenen und offenen Fragen. Die quantitativen Daten wurden einer statistischen Auswertung unterzogen. Die offenen Eingaben wurden mit dem Verfahren des „Thematischen Kodierens“ (Flick, 2007) kategorisiert. Die Stichprobe hatte einen Frauenanteil von 69,4% (n=172), als männlich definierten sich 29,4 % (n=73) und als Inter* 1,2 %. Das durchschnittliche Alter betrug 37 Jahre (Median 33 Jahre). 76% der befragten Menschen waren selbst in der Wissenschaft tätig, dieser Wert ist bei Frauen (77%) und Männern (75%) annähernd gleichverteilt. Fast 90% der Befrag- Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist 220 ten hatten einen Hochschulabschluss, so dass wir von einem Sample mit hohem Anteil von deutsch- und englischsprachigen Akademiker*innen (bei insgesamt 178 deutsch und 77 englisch ausgefüllten Fragbögen) sprechen können. Quantitative Ergebnisse: Transmediale Quellen und geschlechterdifferente Bewertung des Diskurses Die Auswertung der quantitativen Daten der Onlinebefragung ermöglicht einen Überblick, wie die Befragten von dem Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy gehört hatten. Die englischsprachigen Teilnehmer*innen hatten zu 50% auch über Twitter von dem Diskurs erfahren. Die befragten Akademiker*innen nutzen Twitter überproportional häufig (ARD/ ZDF-Onlinestudie 2014 geht von 7% Twitter-Nutzer*innen in der Gesamtbevölkerung aus, Eimeren & Frees, 2014). Nahezu die Hälfte aller befragten Personen gab an, auch über persönliche Kontakte zu dem Thema informiert bzw. darauf aufmerksam gemacht worden zu sein. In Tabelle 1 und Grafik 1 wird zudem der virale Charakter der Debatte deutlich: 77,6% der Teilnehmer*innen hörten erstmalig von der Debatte über persönliche Gespräche und/oder soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, 58,8% des Samples erfuhren hiervon auch durch Onlinenachrichten. 3.2. Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt 221 58,8%18,0% 5,1%10,2% 34,1%20,0% 23,5% 00% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70%Onlinenachrichten Zeitung (Print)Fernsehen RadioFacebook Twitterpersönliche Kontakte Abbildung 2: Wie haben Sie von der Diskussion erfahren? (Beide Geschlechter, absolute Verteilung in Prozent, n=255) Wie in Tabelle 1 ersichtlich, zeigt sich auf die Frage, wo von diesem Diskurs gehört wurde, einerseits eine klare Dominanz von Onlinenachrichten, andererseits erfuhren auch 54,1% der Befragten in sozialen Medien von diesem Diskurs. In Hinblick auf die unterschiedlichen Quellen nach Geschlecht fallen jedoch deutliche Unterschiede auf: So erfuhren 40,7% der Frauen über den Diskurs auf Facebook, bei den Männern hingegen waren es nur 20,5%. Diese erfuhren viel eher darüber in Onlinenachrichten oder in der Zeitung. Tabelle 1: Wie haben Sie von der Diskussion erfahren? (Mehrfachauswahl möglich). % (Frauen) % (Männer) % (Gesamt) N (Gesamt) Onlinenachrichten 55,2 65,8 58,8 150 Zeitung (Print) 14,0 24,7 18,0 46 Fernsehen 3,5 6,8 5,1 13 Radio 9,3 11,0 10,2 26 Facebook 40,7 20,5 34,1 87 Twitter 19,2 21,9 20,0 51 persönliche Kontakte 25,6 17,8 23,5 60 Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist 222 Die Ergebnisse deuten auf die (trans)mediale Zirkulation der Debatte hin. Es zeigt sich ein Geschlechterunterschied: Im Sample haben sich Frauen häufiger aktiv über die Thematik ausgetauscht als Männer. In der Untersuchung wurden neben der ersten Quelle der Information auch die individuellen Selbsteinschätzungen in der Debatte erfragt. Hierzu konnten die Teilnehmer*innen aus fünf möglichen Antwortoptionen über die persönliche Sichtweise zu der Debatte eine auswählen (siehe Tabelle 2). Um einen möglichen Zusammenhang verschiedener Prädiktoren auf dieses Antwortverhalten zu analysieren, wurde mittels eines Chi-Quadrat- Tests auf signifikante Unterschiede hinsichtlich der Determinanten Altersgruppe, Sprache (Deutsch/Englisch) und in Abhängigkeit davon, ob die Personen in der Wissenschaft tätig waren oder nicht, geachtet. Es zeigte sich hinsichtlich der Einschätzung des Diskurses in den Daten keine bedeutsame Differenz zwischen den deutsch- und englischsprachigen Teilnehmer*innen, den in der Wissenschaft tätigen gegenüber dort nicht tätigen Personen und auch nicht hinsichtlich des Alters. Tabelle 2: Eigene Einschätzung zur Position im Sachverhalt (n=255; *p<0,05 **p <0,001). Item männlich weiblich gesamt Ich finde Tim Hunts Äußerungen problematisch und finde die Reaktionen darauf nachvollziehbar.* 29,9% 53,6% 46,2% Ich finde Tim Hunts Äußerungen problematisch und finde aber die Reaktionen darauf überzogen. 34,3% 32,0% 32,7% Ich finde Tim Hunts Äußerungen nicht problematisch und daher die Reaktionen darauf überzogen.** 29,9% 6,5% 11,7% Ich finde die Diskussion auf beiden Seiten nicht relevant. * 9,0% 3,3% 5,4% Ich finde beide Seiten irgendwie nachvollziehbar. 3,0% 4,6% 4,0% Ein signifikanter Unterschied wird allerdings bei der Bewertung des Sachverhaltes basierend auf dem Geschlecht deutlich: Während über 50% der weiblichen Befragten angaben, dass Sie die Äußerungen von Tim Hunt problematisch und daher die Reaktionen darauf auch nachvollziehbar finden, waren es bei den männlichen Befragten knapp weniger als ein Drittel (30%). Allerdings gaben auch 30% der Männer an, dass sie die Debatte nicht problematisch finden und daher die Reaktionen für überzogen halten. Bei den Frauen stimmten hier 7% zu (Tabelle 2). Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt 223 Diese beiden Ergebnisse der Befragung verdeutlichen erneut die unterschiedlichen und potentiell konkurrierenden Lesarten des Diskurses rund um #TimHunt und #distractinglysexy. Qualitative Ergebnisse: Auseinandersetzungen um Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft Die qualitative Analyse der offenen Antworten offenbart insgesamt eine differenzierte Auseinandersetzung der Befragten mit den Bemerkungen von Tim Hunt auf der einen Seite und dem Mediendiskurs um #TimHunt und #distractinglysexy auf der anderen Seite. Neben den quantitativen Daten zeigen die offen erhobenen Meinungen und Einschätzungen die Komplexität der Debatte. Sie ermöglichen es, eine konkurrierende Meinungsvielfalt offenzulegen und eine Bandbreite von individuellen Positionen gegenüberzustellen. Die Befragten hatten in von ihnen ausformulierten Texten ihre Positionierung und Einschätzung zum Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy formuliert. Das gesammelte Material wurde mittels des Verfahrens des „Thematischen Kodierens“ (Flick, 2007) zunächst fallweise mit induktiv gewonnenen Codes versehen. Diese wurden dann in weiteren Codierschritten verfeinert, gruppiert und fallübergreifend thematisch sortiert. Es wurden folgende zentrale Kategorien ermittelt: Die Befragten thematisieren als zentrales Element des Diskurses Frauen (women). In ihren Schilderungen steht als Ausgangspunkt zumeist ihre persönliche Situation und die Frage, wie der Diskurs um #TimHunt diese sichtbar macht. Zudem fokussieren die Befragten in ihren Aussagen die Wissenschaft (science, academia). Dabei beziehen sie sich teils allgemein auf das Forschungsfeld oder konkretisieren, häufig entsprechend ihrer eigenen Lebens- und Erfahrungswelt, ihre Aussagen hinsichtlich der Disziplinen, etwa Naturwissenschaften (science) und Geisteswissenschaften (humanities). Hiervon ausgehend nimmt der überwiegende Teil der Teilnehmer*innen eine persönliche Einschätzung der Situation von Frauen in der Wissenschaft vor, die zumeist auch eine konkrete Positionierung zum Diskurs um #TimHunt beinhaltet. Diese Positionen variieren ebenso hinsichtlich des Grads der Schärfe. Überwiegend wird aber vom Diskurs ausgehend die Lage der Frauen in der Wissenschaft kritisiert. Und es werden – teils globale, teils differenzierte – persönliche Meinungen zu Geschlechterverhält- 3.3 Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist 224 nissen und Ungleichheiten in der Wissenschaft geäußert. In den Erläuterungen zu den Äußerungen von Tim Hunt und deren Folgen, gibt es zudem einige Verweise auf die Spezifika von Generationen von Wissenschaftler*innen. Ebenso wird der Umgang mit Humor thematisiert und dabei sehr unterschiedlich argumentiert, ob Hunts Äußerungen als Witz gelten oder inwieweit die „witzigen Äußerungen“ typische Formen alltäglichen Sexismus sind. Die Frage nach Job und angeblichem Existenzverlust von Tim Hunt als zentraler Person und inwieweit dies von medial aufgenommen Diskursen abhängig ist, wird gleichfalls angeführt. An diesen beiden letztgenannten Kategorien lässt sich exemplarisch auch die Aufnahme des (massen)medial geführten Diskurses in die subjektiven Lesarten und Argumentationsmuster nachvollziehen. Eine weitere zentrale Kategorie bildete der Aspekt Medien und soziale Medien, deren Rolle ein Teil der Befragten für die Geschehnisse reflektiert: Es werden etwa Referenzen gemacht zur Besonderheit von Diskursen in sozialen Medien, z.B. mit expliziter Erwähnung von Termini wie „Twitter Shitstorm“. Ebenso werden Verweise auf andere Diskurse gemacht, z.B. der Hinweis „Brüderle“, auf die Rolle des Politikers im in Kapitel 2 erwähnten #aufschrei-Diskurs. Kritisch äußern sich einige Befragte zudem zu Fragen der Diskurskultur, z.B. in dem sie das Phänomen einer „Skandalisierung“ ansprechen. Diskussion und Ausblick: Transmediale Wissenschaftskommunikation und transmediale Geschlechterdiskurse Die Studie demonstriert exemplarisch für das Feld der Wissenschaft, wie in einem heftig zirkulierenden transmedialen Diskurs gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse verhandelt werden. Die empirischen Ergebnisse ermöglichen einen Einblick in die transmedialen Nutzungskontexte des wissenschaftsnahen Samples sowie in die Meinungen der Befragten zu Geschlechterverhältnissen und -ungleichheiten in wissenschaftlichen Disziplinen. Hiervon ausgehend gilt zu fragen, wie transmediale Wissenschaftskommunikation und mit dieser verbundene Diskurse theoretisch und methodisch zukünftig noch weitergehender und umfassender untersucht werden können. Dabei gilt es auch die unterschiedlichen Referenzen zwischen zeitlich versetzt auftretenden Ad-hoc-Diskursen zu beleuchten und zu konzeptualisieren. Ebenfalls muss der Kontext von Wissenschaft, Wissenschaftskommunikation und Wissensproduktion/-praxis hinsichtlich der 4. Wissenschaftskommunikation auf Twitter: Lesearten zum Diskurs um #TimHunt 225 (Geschlechter-)Verhandlung in Gesellschaften betrachtet werden. Im Angesicht einer, in Bezug auf das Geschlecht, anhaltend ungleichen Beteiligung und Repräsentation von Wissenschaftler*innen aber auch hinsichtlich weiterer intersektionaler Ungleichheitsdimensionen (Walgenbach, 2012) ist eine zentrale Herausforderung, diese Zustände zu analysieren, zu kommunizieren und zu diskutieren und damit zu deren nachhaltigen Ver- änderung beizutragen. Aktuelle Beispiele für transmediale Diskurse wie #ILookLikeAnEngineer (#Aufschrei im Silicon Valley), #Mansplaining, #DressLikeAWoman sowie #NotAskingForIt können hinsichtlich ihrer Spezifik aber auch hinsichtlich ihrer Referenzen untereinander bzw. zu weiteren Diskursen betrachtet werden. Jeweils können ähnliche aber auch differente Bezüge für das Feld der Wissenschaftskommunikation ausgearbeitet werden. Für zukünftige Analysen ist es weiterhin von Interesse, die Bedeutung von Humor im Rahmen von Diskursen und deren transmedialer Verbreitung von Twitter und anderen sozialen Medien sowie hin zu den etablierten Medien zu betrachten (Highfield, 2015; Rogstad, 2016). Insbesondere für #distractinglysexy haben visuelle Repräsentation, die memetisch Verbreitung im Netz fanden, eine große Bedeutung (Brantner, Lobinger & Stehling, 2016, Stehling 2017). Der Diskurs um #TimHunt und #distractinglysexy Frauen in wissenschaftlichen Laboren ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur Überschneidungen, sondern integrale Querverbindungen transmedialer Wissenschaftskommunikation und transmedialer Geschlechterdiskurse bestehen. Die Verhandlung von gesellschaftlichen Verhältnissen beziehen spezifische Felder mit ein, etwa #TimHunt das Feld der Wissenschaft, und können diese vergleichsweise unvorhersehbar und plötzlich ins Scheinwerferlicht der sozialen Medien, der globalen Berichterstattung sowie in die Alltagsdiskurse von Menschen weltweit bringen. Dabei deuten die empirischen Ergebnisse darauf hin, dass die konkreten Bezüge zur Lebens- und Erfahrungswelt der Menschen bedeutsam sind und zwar auch hinsichtlich der persönlichen Erfahrung von Differenz (Frauen im akademischen Umfeld bewerten den Diskurs kritischer als Männer). Besonders für eine nachhaltige Reflexion für ein Feld wie die Wissenschaft ist es zudem von großer Bedeutung, auch langfristig Diskurse etwa um Verhandlung von Geschlecht und Sexismus (Shipman, 2015) zu reflektieren. Dabei ist es besonders wichtig, die Rolle von ermächtigenden sowie auch widerstreitenden Impulsen durch digitale Kommunikation und soziale Medien zu ver- Christine Linke, Stephan O. Görland, Skadi Loist 226 stehen, sowie transmediale Qualität von Diskursen, auch in globalen Zusammenhängen zu berücksichtigen. Literatur Banet-Weiser, S. (2015). Popular misogyny: A zeitgeist. Culture Digitally. Verfügbar unter: http://culturedigitally.org/2015/01/popular-misogyny-a-zeitgeist/ (abgerufen 20. Juli 2017). Banet-Weiser, S. & Miltner, K. (2016): #MasculinitySoFragile: Culture, structure and networked misogyny. Feminist Media Studies 16(1): 171–174. Brantner, C., Lobinger, K. & Stehling, M. (2016). Meme als Diskursintervention. Visuelle Körperrepräsentationen im Diskurs um Sexismus am Beispiel von #distractinglysexy. Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der FG Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht, Universität Hamburg, 1.-2. Oktober 2016. Bruns, A. & Burgess, J. 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Zusammenfassung

Wissenschaftskommunikation ist von einem Kommunikationspluralismus geprägt, der auf den beiden Aspekten Adressat und Kommunikationskanal basiert. Dieser Band beleuchtet, welche Rolle die spezifischen Anforderungen, Denklogiken, Erkenntnisobjekte und Routinen unterschiedlicher Disziplinen für die Wissenschaftskommunikation spielen.