Content

Simon R. Bauer, Nils D. Steiner, Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union bei der Bundestagswahl 2013. Positions- und performanzbasierte Sachfragenorientierungen als Determinanten der Wahlentscheidung in:

Heiko Giebler, Aiko Wagner (Ed.)

Wirtschaft, Krise und Wahlverhalten, page 49 - 83

1. Edition 2015, ISBN print: 978-3-8487-2108-5, ISBN online: 978-3-8452-6204-8, https://doi.org/10.5771/9783845262048-49

Series: Studien zur Wahl- und Einstellungsforschung, vol. 29

Bibliographic information
PDF download Citation download Share
Teil 1 Was ist ökonomisches Wählen? Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union bei der Bundestagswahl 2013. Positions- und performanzbasierte Sachfragenorientierungen als Determinanten der Wahlentscheidung Simon R. Bauer/Nils D. Steiner Einleitung Im vorliegenden Beitrag befassen wir uns mit den Auswirkungen der Eurokrise auf die Bundestagswahl 2013 und insbesondere auf Wahlentscheidungen für die Union. Angesichts des komplexen Charakters der Eurokrise und der Omnipräsenz des Themas in der Legislaturperiode von 2009 bis 2013 (Mader 2014, s. auch die Einleitung zu diesem Band) stellt sich die Frage, welche Einflüsse auf das Wahlverhalten der Bürger drei Jahre nach Beginn der Krise theoretisch denkbar sind. Ein direkter Einfluss der Eurokrise auf das Wahlverhalten ist einerseits dann gegeben, wenn die Positionen von Bürgern zu politischen Sachfragen, die im Rahmen der Eurokrise auf der Agenda standen, deren Wahlverhalten beeinflussten. In diesem Fall haben wir es mit positionsbasiertem, sachfragenorientiertem Wahlverhalten zu tun. Das Issue „Eurokrise“ kann zweitens aber auch im Rahmen von retrospektivem, performanzbasiertem Wählen einen Einfluss auf das Wahlverhalten bei der Bundestagswahl ausgeübt haben. Dann würden Performanzurteile über das Krisenmanagement der Regierung zu einem unabhängigen Erklärungsfaktor der Wahlentscheidung. In diesem Beitrag befassen wir uns in diesem Sinn mit dem Einfluss, den einerseits Positionen zu Eurokrisen-Issues und andererseits Performanzurteile über das Management der Eurokrise durch die Bundesregierung auf Wahlentscheidungen für die CDU und CSU bei der Bundestagswahl 2013 hatten. Um den Einfluss der Eurokrise auf die Unionswahl besser zu verstehen, scheint es uns essenziell, auch nach den Determinanten der Krisenperformanzbewertungen selbst zu fragen. Dabei gehen wir einerseits davon aus, dass Bürger dann mit dem Krisenmanagement zufrieden sind, wenn sie mit den von der Bundesregierung und von der Union getragenen Maßnahmen einverstanden sind. Andererseits vermuten wir, dass Wahrneh- 1. 51 mungen des Krisenmanagements auch aus Bewertungen der Wirtschaftslage im eigenen Land abgeleitet werden können – ganz im eigentlichen Sinne des Modells des retrospektiven Wählens als Reaktion von Wählern auf Outcomes (Healy/Malhotra 2013). Diese Vermutung entstammt speziell der Perspektive der Forschung zum economic voting (s. Lewis-Beck/ Stegmaier 2000, 2007), wonach Wähler dazu neigen, aus der relativ leicht zu beobachtenden Wirtschaftslage Urteile über die generelle Leistungsfähigkeit der Regierung zu generieren (s. grundlegend Downs 1957; Fiorina 1981; Key 1966). Konkret legt diese Perspektive nahe, dass sich eine positive Bewertung des Umgangs mit der Eurokrise durch die Regierung auch aus einer Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation im Inland speisen kann, von der die deutschen Bürger unmittelbar betroffen sind. Wir betrachten den Einfluss der Eurokrise auf das Wahlverhalten auch deshalb sowohl aus einer positions- als auch aus einer performanzbasierten Perspektive, um das folgende Rätsel besser verstehen zu können: Einerseits waren die von der schwarz-gelben Bundesregierung ergriffenen Rettungsmaßnahmen für mehrere Länder der Eurozone seit 2010 stark umstritten, auch in den Reihen der eigenen Anhänger. Andererseits resultierte die Bundestagswahl in einem großen Wahlerfolg der regierenden Unionsparteien, der in der öffentlich-medialen Deutung nicht zuletzt darauf zurückgeführt wurde, dass die Bürger das Eurokrisenmanagement der Bundesregierung und insbesondere der Bundeskanzlerin als positiv wahrnahmen.1 Dass tatsächlich eine gewisse Diskrepanz zwischen den Positionen der Bürger zur Eurorettung und der Bewertung des Krisenmanagements bestand, zeigen wir im folgenden Abschnitt.2 Aus drei Gründen richten wir in diesem Beitrag unser Augenmerk auf das Wahlverhalten zugunsten der Unionsparteien und die Rolle der Bundeskanzlerin, wenn wir 1 S. z. B. Heribert Prantl (2013) im Leitartikel der Süddeutschen Zeitung zum Bundestagswahlergebnis: „[D]en Deutschen geht es gut, und sie haben das Gefühl, dass Merkel sie ordentlich durch die Euro-Krise geführt hat. (…) Merkel wird von dem wohligen Gefühl der Wähler zum Wahltriumph getragen, dass es in fast ganz Europa drunter und drüber gehe, nur nicht in Deutschland.“ 2 Vor diesem Hintergrund scheint uns der Verweis auf die Abwesenheit einer klaren Opposition zu den Rettungsmaßnahmen auf Seiten der etablierten Parteien die Frage nur teilweise zu beantworten, warum die Union trotz ihrer wenig populären Positionen in der Eurokrise ein derart gutes Wahlergebnis erreichen konnte. Darüber hinaus scheint es uns essenziell, die Rolle von positiven Performanzurteilen über das Krisenmanagement insbesondere durch die Bundeskanzlerin als wichtigen Einflussfaktor auf das Wahlverhalten sowie deren Genese einzubeziehen. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 52 den Einfluss der Eurokrise konzeptualisieren: Zunächst ist das sehr gute Ergebnis der CDU/CSU das herausragende Charakteristikum der Bundestagswahl 2013. Zweitens bezieht sich retrospektives performanzbasiertes Wählen naturgemäß auf die Amtsinhaber und im Besonderen auf die Partei des Regierungschefs (s. für Deutschland Debus et al. 2014). Drittens beziehen sich die mit dem gerade skizzierten Rätsel angesprochenen Einstellungen speziell auf die Union und Bundeskanzlerin Merkel. Viertens sind etwa Positionen zu Eurokrisen-Issues als Determinante einer Wahl der AfD schon an anderer Stelle eingehend untersucht worden (Schmitt- Beck 2014; s. a. Mader/Schoen 2015). In der empirischen Analyse dieses Beitrags greifen wir auf das Online- Wahlkampfpanel (Komponente 3) der German Longitudinal Election Study (GLES)3 und insbesondere deren Nachwahlwelle 7 zurück (Rattinger et al. 2014), die die benötigten Items zur Eurokrise enthält. In Einklang mit den oben skizzierten Überlegungen rechnen wir im empirischen Analyseteil einerseits (Ordered-Logit-)Regressionsmodelle, in denen zunächst Bewertungen des Krisenmanagements die abhängige Variable bilden, um zu ergründen, in welchem Ausmaß diese von Issue-Positionen und Einschätzungen der Wirtschaftslage geprägt sind. Erst im zweiten Schritt bildet die letztliche Wahlentscheidung (für die CDU/CSU oder eine andere Partei) die abhängige Variable der binären logistischen Regressionsmodelle. Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Im zweiten Abschnitt befassen wir uns einführend zunächst aus deskriptiver Sicht mit den uns interessierenden Einstellungen – Positionen zu Eurokrisensachfragen, Bewertungen des Krisenmanagements der Bundesregierung und Bewertungen der deutschen Wirtschaftslage. Davon ausgehend präsentiert Abschnitt drei ein theoretisches Modell des Einflusses der Eurokrise auf die Unionswahl bei der Bundestagswahl 2013, das den Einfluss von Sachfragenpositionen, Performanzurteilen und Bewertungen der Wirtschaftslage auf die Wahlentscheidung thematisiert und Hypothesen für den empirischen Teil formuliert. Der vierte Abschnitt geht auf Daten, Operationalisierungen und die statistische Analysemethoden ein. Abschnitt fünf stellt schließlich die Er- 3 Die GLES ist ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt zu den Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017, das neben weiteren Komponenten u. a. eine Reihe unterschiedlicher Umfrageprojekte beinhaltet (s. http://gles.eu/wordpress/). Geleitet wird die Studie von Hans Rattinger, Sigrid Roßteutscher, Rüdiger Schmitt-Beck, Bernhard Weßels und Christof Wolf. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 53 gebnisse der empirischen Analyse vor. Im sechsten Abschnitt reflektiert ein Fazit die Implikationen unserer Befunde. Einstellungen der Bürger zur Eurokrise: deutliche Diskrepanz bei Positionssachfragen, ausgewogene Performanzbewertungen und positive Urteile über die deutsche Wirtschaftslage Bereits in der Einleitung haben wir auf das Rätsel hingewiesen, dass eine Mehrheit der Befragten sich zwar inhaltlich gegen konkrete Maßnahmen der von der Bundesregierung verfolgten Krisenstrategie aussprach, jedoch insbesondere der Bundeskanzlerin ein im Mittel nicht überwiegend negatives, sondern in der Tendenz sogar eher positives Zeugnis über das Krisenmanagement ausstellte. Um diesen scheinbaren Widerspruch näher aufzuzeigen, richten wir in diesem Abschnitt zunächst einen deskriptiven Blick auf die Positionen der Bürger zu verschiedenen Sachfragen, die im Kontext der Eurokrise Gegenstand der öffentlichen Debatte waren, sowie auf die Zufriedenheit der Bürger mit dem Krisenmanagement. In einem zweiten Schritt befassen wir uns mit Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage, die unserer Annahme nach dieses Rätsel erhellen können. Insbesondere zeigen wir mit Zeitreihendaten auf, dass die Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 außerordentlich positiv waren. Daten zu den Einstellungen der Bürger zur Eurokrise – sowohl zu Issue-Positionen als auch zu Performanzbewertungen – sind in Tabelle 1 dargestellt. Wir berichten dabei zum einen deskriptive Statistiken aus dem Online-Wahlkampfpanel und insbesondere aus dessen Nachwahlwelle (Welle 7), die unmittelbar nach der Bundestagwahl durchgeführt wurde, eine besonders ausführliche Fragebatterie zur Eurokrise enthält und auf der auch die spätere Regressionsanalyse basieren wird.4 Zum anderen werden Daten aus dem auf einer Zufallsstichprobe basierenden Nachwahl- 2. 4 Das Wahlkampfpanel (Komponente 3 der GLES) ist eine Online-Panelbefragung mit insgesamt sieben Wellen aus einem selbstrekrutierten Online-Access-Panel. Insofern handelt es sich nicht um eine zufallsbasierte Stichprobenziehung der wahlberechtigten Bevölkerung, die eindeutige Schlussfolgerungen auf diese Grundgesamtheit erlauben würde. Obwohl die hier berichteten Daten auf einer Gewichtung zur Anpassung demographischer Kernmerkmale an den Mikrozensus (in Kombination mit einer Panelgewichtung) basieren, sind sie– insbesondere was die univariate Verteilung der Variablen betrifft – mit etwas Vorsicht zu genießen. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 54 querschnitt berichtet, der dem Online-Wahlkampfpanel in Bezug auf die Repräsentativität überlegen ist und deshalb validere Aussagen über die Verteilung von Einstellungen im Elektorat erlaubt. Eine Diskrepanz zwischen den Positionen der Bürger zur deutschen Beteiligung an den EU-Finanzhilfen und den wahrgenommenen Positionen der Bundesregierung lässt sich jedoch zunächst mittels des Wahlkampfpanels aufzeigen, in dem die Panellisten nicht nur zu ihren eigenen Positionen zur Beteiligung Deutschlands an den Finanzhilfen für verschuldete EU-Mitgliedsstaaten befragt, sondern auch gebeten wurden, ihre Einschätzung der Positionen von Parteien und Kanzlerkandidaten abzugeben. Dies erlaubt eine unmittelbare Antwort auf die Frage, inwiefern – aus Sicht der Bürger – die Positionen der Regierung mit ihren eigenen Positionen übereinstimmten. Oben in Tabelle 1 sind die Haltungen der Befragten auf einer siebenstufigen Skala dargestellt, die von „für“ bis „gegen die Beteiligung Deutschlands“ reicht. Nur ca. ein Viertel der Befragten nimmt eine eher wohlwollende Haltung gegenüber deutschen Finanzhilfen ein; mehr als die Hälfte der Befragten positioniert sich eher dagegen; fast ein Viertel spricht sich sogar maximal deutlich gegen eine deutsche Beteiligung aus. In der Zeile darunter sind die Antworten auf die Frage nach der Position der Bundeskanzlerin zu demselben Issue dargestellt: Über 80 Prozent der Befragten ordnen Merkel eine eher befürwortende Position in Bezug auf eine deutsche Beteiligung zu; fast 40 Prozent davon sehen Merkel sogar als eindeutige Befürworterin. Während die Befragten selbst also überwiegend gegen eine deutsche Beteiligung sind, sind sie sich andererseits nahezu darin einig, dass die Kanzlerin einer deutschen Beteiligung positiv gegenübersteht.5 5 Noch präziser, aber weniger anschaulich, lässt sich eine Diskrepanz auf individueller Ebene ermitteln, wenn die individuellen Positionen von Befragten ins Verhältnis zu deren eigener Wahrnehmung der Position Merkels gesetzt werden: Weniger als 10 Prozent der Befragten ordnen sich selbst einer Position zu, die eine Beteiligung stärker befürwortet als Merkel; ca. drei Viertel der Befragten sind nach ihrer eigenen Wahrnehmung stärker gegen die Beteiligung als Merkel. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 55 Tabelle 1: Issue-Positionen und Performanzbewertungen zur Eurokrise52 Simon R. Bauer/Nils D. Steiner Wahlkampfpanel – Welle 7 (Nachwahl) Beteiligung Deutschlands an den Finanzhilfen für verschuldete EU-Mitgliedsstaaten Dafür 2 3 4 5 6 Dagegen N Alle Eigene Position 3,8 % 8,5 % 14,1 % 22,2 % 15,1 % 13,0 % 23,2 % 4166 Position Merkel 39,3 % 25,9 % 16,6 % 9,9 % 4,5 % 2,3 % 1,6 % 3595 Position Union 31,4 % 28,6 % 19,1 % 10,1 % 5,4 % 2,9 % 2,6 % 3505 PID Union Eigene Position 5,1 % 10,0 % 18,3 % 25,8 % 13,1 % 12,6 % 15,2 % 947 Position Merkel 34,6 % 25,8 % 19,0 % 10,3 % 5,4 % 3,2 % 1,7 % 886 Position Union 25,4 % 29,7 % 19,9 % 10,6 % 7,5 % 4,4 % 2,5 % 871 Euro beibehalten oder Rückkehr zur D-Mark Unbedingt behalten Eher behalten Unentschlo ssen Eher Rückkehr Unbedingt Rückkehr N Alle 26,4 % 27,8 % 19,7 % 17,0 % 9,0 % 4171 PID Union 30,2 % 33,3 % 17,9 % 14,7 % 4,0 % 945 Zufriedenheit mit der Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise in den letzten vier Jahren Sehr zufrieden Zufrieden Teils/teils Unzufrieden Sehr unzufrieden N Alle Merkel 4,7 % 21,2 % 38,5 % 21,1 % 14,6 % 4137 Bundesregierung 2,4 % 18,1 % 44,1 % 24,7 % 10,6 % 4175 PID Union Merkel 14,0 % 46,0 % 29,1 % 6,0 % 5,0 % 945 Bundesregierung 7,4 % 42,8 % 39,4 % 8,0 % 2,3 % 949 Nachwahlquerschnitt Beteiligung Deutschlands an den Finanzhilfen für verschuldete EU-Mitgliedsstaaten Stimme voll und ganz zu Stimme eher zu Teils/teils Stimme eher nicht zu Stimme gar nicht zu N Alle 5,9 % 23,9 % 35,5 % 20,2 % 14,4 % 1876 PID Union 5,8 % 28,4 % 37,8 % 18,5 % 9,6 % 537 Zufriedenheit mit der Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise in den letzten vier Jahren Sehr zufrieden Zufrieden Teils/teils Unzufrieden Sehr unzufrieden N Alle Merkel 6,2 % 30,3 % 36,2 % 18,6 % 8,8 % 1837 Bundesregierung 3,6 % 24,7 % 40,4 % 22,3 % 9,0 % 1839 PID Union Merkel 14,8 % 53,4 % 25,4 % 4,7 % 1,6 % 532 Bundesregierung 8,8 % 44,8 % 34,6 % 9,3 % 2,6 % 533 Deskriptive Verteilung von positions- und performanzbasierten Sachfragenorientierungen zur Eurokrise im Wahlkampfpanel (Welle 7) und im Nachwahlquerschnitt der Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 56 GLES. Die Angaben basieren auf gewichteten Daten (Querschnitts- und Panelgewichtung für das Wahlkampfpanel, sozial- und regionalstrukturelles Gewicht mit Transformations- und Ost-West-Gewichtung für den Nachwahlquerschnitt). Dargestellt sind jeweils die gewichteten Prozentanteile an (a) allen gültigen Fällen ohne fehlende Werte auf der jeweiligen Variable und (b) an allen gültigen Beobachtungen für Befragte mit einer Parteiidentifikation mit der CDU/CSU. Sehr ähnliche Ergebnisse finden sich für die Einordnung der CDU/CSU. In nur leicht abgeschwächter Form ergibt sich der gleiche Befund einer überwiegenden Opposition auf Seiten der Befragten bei einer Wahrnehmung von Merkel und der Union als klare Befürworter auch dann, wenn nur Befragte berücksichtigt werden, die eine Parteiidentifikation mit der CDU/CSU angeben. Diese Befunde verdeutlichen, dass auch innerhalb des Unionslagers eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Präferenzen der Bürger und der wahrgenommenen Haltung der CDU/CSU und der Regierungschefin zu deutschen Finanzhilfen bestand. Sichtbar ist die im Mittel eher ablehnende Haltung der Deutschen zu den internationalen Finanzhilfen auch aus dem Nachwahlquerschnitt: Nur ca. ein Viertel der Befragten hat der Aussage „In Zeiten der europäischen Schuldenkrise sollte Deutschland EU-Mitgliedsstaaten, die starke wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten haben, finanziell unterstützen“ mindestens tendenziell zugestimmt; während über ein Drittel mindestens „eher nicht“ zustimmte. Da – trotz der mit den Finanzhilfen verbundenen Konditionen – die Politik der Bundesregierung eher als zustimmend eingeordnet werden kann, insofern sie die Finanzhilfen im Rahmen der europäischen Rettungspakete mittrug, spricht auch hieraus eine erhebliche Diskrepanz. Im Rahmen des Wahlkampfpanels wurde überdies gefragt, ob die Interviewten eine Beibehaltung des Euro oder eine Rückkehr zur D-Mark befürworteten. Zwar wollte eine absolute Mehrheit von 54,3 Prozent der (gewichteten) Befragten den Euro behalten, doch gab es auch hier eine nicht zu vernachlässigende Opposition gegenüber der deutschen Regierungspolitik: Ca. 26 Prozent der Befragten zeigten sich mindestens eher aufgeschlossen gegenüber einer Rückkehr zur D-Mark. Angesichts der Tatsache, dass keine der im 17. Bundestag vertretenen Parteien im Wahlkampf die Option einer Wiedereinführung der D-Mark vertrat, zeigt sich hier das Potenzial für die neu in die Parteienlandschaft eingetretene Alternative für Deutschland (AfD), die sich in den angesprochenen Sachfragen deutlich entgegen der Position der etablierten Parteien aufgestellt hat. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 57 Im Ganzen ergibt sich aus diesen Befragungsdaten zu den Positionen der deutschen Bürger in Bezug auf diese Eurokrisen-Sachfragen der Eindruck einer erheblichen Diskrepanz zwischen den Einstellungen der Bürger und der (wahrgenommenen) Politik der Bundesregierung. Interessanterweise sind trotz dieser Diskrepanz die Performanzbewertungen des Krisenmanagements im Aggregat nicht überwiegend negativ. Ganz unten in Tabelle 1 sind hierzu Angaben aus dem Nachwahlquerschnitt zur Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung und speziell der Bundeskanzlerin bei der Bekämpfung der Schuldenkrise aufgelistet. Für die Bundesregierung ergibt sich insgesamt eine recht neutrale Bewertung: Die Anteile positiver (28,3 Prozent) und negativer Bewertungen (31,3 Prozent) halten sich in etwa die Waage. Im Falle Merkels überwiegen hingegen die positiven Performanzurteile mit 36,5 zu 27,4 Prozent sogar recht deutlich. Diese ausgeglichenen bis sogar überwiegend positiven Performanzurteile erscheinen insofern erklärungsbedürftig, als auf der Ebene der Issues nicht von einer Kongruenz die Rede sein kann.6 Eine wichtige Aufgabe auf dem Weg zur Erklärung eurokrisenbedingter Effekte auf Wahlentscheidungen für die Union ist folglich die Auflösung dieses Rätsels. Ein Erklärungsmuster, mit dem wir uns im folgenden Abschnitt ausführlicher aus theoretischer Sicht beschäftigen, könnte mit den außergewöhnlich positiven Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland zum Zeitpunkt der Bundestagswahl zu tun haben. Um zunächst einen langfristigeren deskriptiven Blick auf diese Lagebewertungen zu werfen, betrachten wir in Abbildung 1 den Anteil derjenigen, die laut den regelmä- ßigen Umfragen des Politbarometers der Forschungsgruppe Wahlen (2014) die allgemeine wirtschaftliche Lage in Deutschland als gut bewerten. Um diese Lagebewertungen mit der objektiven Situation abzugleichen, wird diese Zeitreihe von 1996 bis zur Bundestagswahl 2013 in Abbildung 1 zunächst zwei von der Deutschen Bundesbank (2014) bezogenen zentralen Wirtschaftsindikatoren gegenübergestellt, der Arbeitslosenquote (saisonbereinigt; oben) und dem Wirtschaftswachstum (gemessen 6 Die Performanzbewertungen fallen im Wahlkampfpanel etwas negativer aus. Dies liegt allem Anschein nach an der nichtrepräsentativen Zusammensetzung des Samples. So ist die Verteilung für Befragte, die sich mit der Union identifizieren, ähnlich (s. Tabelle 1). Unionswähler sind im Wahlkampfpanel aber deutlich unterrepräsentiert: Selbst mit gewichteten Daten ergibt sich nur ein Zweitstimmenanteil von 26,7 Prozent für die Union (gegenüber einem tatsächlichen Wahlergebnis von 41,5 Prozent). Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 58 als Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres; Mitte) . Unmittelbar auffällig ist der aus früheren Studien (Steiner/Steinbrecher 2012) bekannte Befund, dass die aggregierten Bewertungen der Wirtschaftslage den objektiven Lageindikatoren recht eng folgen und dabei gleichermaßen die Entwicklung am Arbeitsmarkt wie der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung widerspiegeln. Die relative gute Lage der deutschen Wirtschaft im Vorfeld der Bundestagswahl, insbesondere des deutschen Arbeitsmarktes – die Wachstumsraten waren mit 0,4 und 0,7 Prozent in den Jahren 2012 und 2013 zwar positiv, aber eher bescheiden –, spiegelt sich in ausnehmend positiven Bewertungen der allgemeinen Wirtschaftslage: Im Monat der Bundestagswahl bewerteten 45,7 Prozent der Befragten die Lage als gut, nur 8,3 Prozent als schlecht. Zu keinem anderen Zeitpunkt des hier betrachteten Zeitraums von 1996 bis zur Bundestagswahl 2013 waren die Bewertungen auch nur ähnlich positiv. Gemessen an der objektiven Lage – insbesondere des Wirtschaftswachstums – erscheinen die Einschätzungen sogar etwas zu optimistisch. Interessanterweise könnte dies mit der deutlich schlechteren Lage in anderen europäischen Staaten zu tun haben: Neuere Forschungsbefunde zum „benchmarking across borders“ (Kayser/Peress 2012) deuten darauf hin, dass Wähler Regierungen für die Wirtschaftslage in Abhängigkeit von der internationalen Vergleichslage belohnen oder bestrafen. Nach Kayser/ Peress (2012) lässt sich dieser Befund damit erklären, dass Bewertungen der Wirtschaftslage in der Medienberichterstattung selbst davon geprägt sind, ob die wirtschaftliche Lage im internationalen Vergleich relativ gut oder schlecht ausfällt, und Wähler auf diese „gebenchmarkten“ Signale reagieren.7 Die Lage der deutschen Wirtschaft würde demnach von den Bürgen relativ zur wirtschaftlichen Lage in anderen europäischen Staaten bewertet, sodass auch deshalb die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 von den Bürgern außergewöhnlich positiv beurteilt wurde (s. a. Kayser/Leininger 2013). Evidenz zugunsten die- 7 Anekdotische Evidenz zugunsten der These, dass in der deutschen Medienberichterstattung die vergleichsweise gute Lage der deutschen Wirtschaft betont wurde, dürfte Beobachtern der deutschen Medienberichterstattung präsent sein. So war etwa von Europas „Konjunkturlokomotive Deutschland“ (Hintze 2013) die Rede. Auch die CDU-Kampagne war bemüht, von einem europäischen Vergleich zu profitieren: „Deutschland ist eines der stärksten Länder weltweit. Wer sich in Europa umsieht, weiß: Diese gute Entwicklung ist keine Selbstverständlichkeit“ (CDU 2013). Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 59 ser „Benchmarking“-These findet sich im unteren Teil von Abbildung 1: Dort ist dem Anteil derjenigen, die die Wirtschaftslage als gut bewerten, eine einfache „gebenchmarkte“ Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts gegenübergestellt, die die Differenz der Wachstumsrate des deutschen BIPs und des BIPs der EU-15 Staaten angibt. Augenfällig ist, dass diese „gebenchmarkte“ Wachstumsrate über den betrachteten Zeitraum mit den Lagebewertungen in einem deutlich engeren Zusammenhang steht als die tatsächliche Wachstumsrate (Korrelation nach Pearson von r = 0,65 vs. r = 0,37). Abbildung 1: Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland und Lagebewertungen durch die Bürger Eigene Darstellung auf Basis von Daten der Forschungsgruppe Wahlen (2014), der Bundesbank (2014) und von Eurostat (2014). Monatliche Daten; wenn mehrere Politbarometer-Umfragen in einem Monat stattgefunden haben, wurden die Werte gemittelt. Im Ergebnis bestand für die Bundestagswahl 2013 jedenfalls durch die sehr positiven Bewertungen der Wirtschaftslage für die Bundesregierung, und insbesondere die Partei der Bundeskanzlerin, auf die sich economic voting in Deutschland vornehmlich konzentriert (s. Debus et al. 2014), eine hochgradig vorteilhafte Ausgangssituation. Dass diese Lagebewertungen auch auf die Performanzbewertungen des Eurokrisenmanagements ausgestrahlt haben könnten, argumentieren wir im nächsten Abschnitt. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 60 Positions- und performanzbasierte Einflüsse der Eurokrise auf das Wahlverhalten: theoretisches Modell und Hypothesen In diesem Abschnitt diskutieren wir systematisch die verschiedenen möglichen Einflusskanäle der Eurokrise auf Wahlentscheidungen bei der Bundestagswahl 2013, entwickeln ein entsprechendes theoretisches Modell und formulieren Hypothesen, die es im späteren empirischen Teil der Arbeit zu testen gilt. Unsere Ausgangsannahme ist, dass die Eurokrise über die beiden in Abschnitt zwei behandelten Arten von Einstellungen Wahlentscheidungen beeinflussen kann, d. h. sowohl über die Positionen von Bürgern zu mit der Eurokrise verbundenen Sachfragen als auch über Leistungsbewertungen zum Umgang der amtierenden Regierung mit der Krise. Beide Aspekte lassen sich als Determinanten konzeptualisieren, die im sozialpsychologischen Michigan-Modell des Wahlverhaltens (Campbell et al. 1960) den Sachfragenorientierungen im weiteren Sinn zuzuordnen sind (Schoen/ Weins 2014: 286). Dieses Modell hat sich in seiner rezipierten Form auch in der Erklärung des bundesdeutschen Wahlverhaltens umfänglich bewährt (Kellermann 2008; Kellermann/Rattinger 2005; Schoen/Weins 2014) und enthält Sachfragenorientierungen – neben Parteiidentifikationen und Kandidatenorientierungen – als dritte wichtige Determinante von Wahlentscheidungen. Roller (1998) folgend lassen sich die angesprochenen Einstellungen einerseits als „positionsbasierte“, andererseits als „performanzbasierte Sachfragenorientierungen“ klassifizieren. Im Fall von Einstellungen zum präferierten Umgang mit der Eurokrise geht es um Sachfragenorientierungen im engeren Sinn von Richtungsoder sogenannten Positions-Issues (Stokes 1963), das heißt um Positionen von Bürgern zu kontroversen politischen Handlungsalternativen. In diesem engeren Sinn tritt Issue-Voting dann auf, wenn Wähler ihre Wahlentscheidung (auch) mit Blick auf die Übereinstimmung ihrer eigenen Sachfragenpositionen mit den Positionen von Parteien treffen. Bedingungen für die unabhängige Wirkung von Positions-Issues sind dabei die Wichtigkeit des Issues sowie die Kenntnis über die politischen Alternativen (Campbell et al. 1960: 169 ff., Schoen/Weins 2014: 287 f.). Die zugrunde liegende Annahme ist, dass Wähler sich gegen Parteien entscheiden, die in Sachfragen, die den Wählern wichtig sind, aus ihrer Sicht konträre Positionen vertreten. Insofern sich Sachfragenpositionen in der Tradition von Downs (1957) auch als Positionen in einem politischen Konfliktraum begreifen lassen, in dem Wähler sich für Parteien entscheiden, die nach ihrer Wahr- 3. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 61 nehmung ihrer eigenen Position möglichst nahe kommen, lässt sich auch von einer „räumlichen Theorie“ des sachfragenbasierten Wahlverhaltens sprechen (Clarke et al. 2009: 30). Die zweite hier relevante Form der Sachfragenorientierungen sind Performanzurteile über das Krisenmanagement der Regierung. Diese zählen als retrospektive Leistungsbewertungen zu den „performanzbasierten Sachfragenorientierungen“ (Roller 1998). Sie unterscheiden sich in ihrer Natur von Positions-Issues: Es handelt sich um sogenannte Valenz-Issues (Stokes 1963) in dem Sinne, dass eine bessere Performanz von allen Bürgern bevorzugt wird, während bei Positions-Issues gerade umstritten ist, welche Position zu bevorzugen ist. Insofern ist die Grundannahme hinter dem möglichen Einfluss von retrospektiven Leistungsbewertungen, dass sich ein positiveres Performanzurteil über die Arbeit einer Regierungspartei einheitlich in der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Wahlentscheidung zugunsten dieser Partei niederschlägt. Diejenige Theorie, nach der Wähler ihre Entscheidungen vor allem auf Basis performanzbasierter Erwägungen treffen, kann als „Valenztheorie“ des sachfragenbasierten Wahlverhaltens bezeichnet werden und der räumlichen Theorie als konkurrierendes Modell gegenübergestellt werden (Clarke et al. 2009: 44). Plausibel ist aber, dass – auch in Bezug auf das Thema Eurokrise – beide Arten von Sachfragenorientierungen eine Rolle spielen. Übertragen auf mögliche Einflusskanäle der Eurokrise bei der Bundestagswahl 2013 gehen wir also in Bezug auf eine Wahl der CDU/CSU konkret davon aus, dass (1) sich eine zustimmende Haltung von Befragten zu den einzelnen Maßnahmen der Krisenpolitik der Bundesregierung im Sinne einer geringen wahrgenommenen Issue-Distanz in der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Wahlentscheidung zugunsten der Union niederschlägt, (2) dieser Effekt mit zunehmender subjektiver Wichtigkeit des Issues an Stärke gewinnt und (3) sich eine positivere Bewertung des Krisenmanagements der Bundesregierung ebenfalls positiv auf eine Wahlentscheidung zugunsten der Union auswirkt. Jedoch können sich sowohl positions- als auch performanzbasierte Sachfragenorientierungen auf unterschiedliche Objekte beziehen und nicht – wie eben suggeriert – nur auf die Bundesregierung als Ganzes.8 In der vorliegenden Untersuchung können sich Per- 8 Während der Fokus unserer Untersuchung auf einer Wahlentscheidung für die Union liegt, würde es zunächst der grundlegenden Logik des performanzbasierten Wählens entsprechen, wenn auch die FDP als Koalitionspartner von positiven Performanzbewertungen des Krisenmanagements der gesamten Regierung profitiert Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 62 formanzbewertungen des Krisenmanagements beispielsweise auf die gesamte Regierung, spezifisch auf die Bundeskanzlerin oder auf die Union in der Bundesregierung beziehen. Letztlich sollten alle diese Performanzbewertungen positiv auf eine Unionswahl wirken. Es ließe sich argumentieren, dass im Einklang mit der überragenden Bedeutung und Präsenz Merkels bei der Krisenbekämpfung auf nationaler und vor allem europäischer Ebene sowie bei der personalisierten Wahlkampagne der Union der Effekt der Beurteilung der Krisenbekämpfung durch Merkel dominiert. Da die genaue relative Bedeutung der einzelnen Objekte aber a priori unklar ist und es uns vor allem um die umfassende Berücksichtigung der Auswirkungen der positions- und performanzbasierten Sachfragenorientierung als solche geht, verfolgen wir die Strategie, uns nicht bereits auf ein bestimmtes Objekt festzulegen, sondern unsere Hypothesen jeweils umfassend in Bezug auf diejenigen Objekte zu formulieren (und zu überprüfen), für die wir über entsprechende Daten verfügen. Auf diese Weise lassen sich die Effekte positions- und performanzbasierter Sachfragenorientierung am umfassendsten ermitteln. Zwischen den einzelnen Einstellungsobjekten eindeutig zu diskriminieren, ist hier allerdings nicht der Fokus und sollte auch generell schwerfallen, da die diese schon konzeptionell in einem sehr engen Zusammenhang stehen und sich wechselseitig institutionell bedingen. Es ergeben sich somit für die Wahlentscheidung die folgenden Hypothesen: H1: Je zustimmender die Haltung von Befragten gegenüber den einzelnen Maßnahmen der Eurokrisenpolitik der Bundesregierung (bzw. je stärker die Zustimmung zu den entsprechenden Positionen der Bundeskanzlerin und der Union), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Wahlentscheidung für die CDU/CSU. H2: Für je wichtiger Individuen einzelne Maßnahmen der Eurokrisenpolitik halten, desto stärker ist der Effekt der jeweiligen individuellen positionsbasierten Sachfragenorientierung auf die Wahlentscheidung. hätte. Studien zu performanzbasiertem economic voting in Deutschland unterstützen allerdings die Erwartung, dass positive Wahrnehmungen der Wirtschaftslage insbesondere derjenigen Partei zugutekommen, die den Kanzler bzw. die Kanzlerin stellt (Debus et al. 2014). Zudem hatte die FDP stark mit innerparteilichen Problemen zu kämpfen. Die Frage, ob und warum es bei der Bundestagswahl möglicherweise zu „getrennten Rechnungen“ zwischen den Koalitionspartnern kam, verlangt eine gesonderte Analyse (s. Schoen/Greszki 2015). Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 63 H3: Je positiver die Bewertung des Krisenmanagements durch die Bundesregierung bzw. die Bundeskanzlerin, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Wahlentscheidung zugunsten der CDU/CSU. Um den Einfluss der Eurokrise auf die Unionswahl besser zu verstehen, scheint es essenziell, auch nach den Determinanten der Performanzbewertungen selbst zu fragen. Als naheliegender Maßstab, anhand dessen das Krisenmanagement beurteilt werden könnte, kommt zunächst in Frage, ob ein Bürger mit der von der Bundesregierung (bzw. der Bundeskanzlerin) durchgeführten Politik einverstanden ist oder nicht. Lehnt ein Befragter jegliche EU-Finanzhilfen ab und befürwortet eine Rückkehr zur D-Mark, sollte er mit der Krisenpolitik der Bundesregierung weniger zufrieden sein, da er ihr in zentralen Punkten widerspricht. Abstrakt formuliert: Ein zentraler Bewertungsmaßstab für eine positive Performanzbewertung des Umgangs mit der Eurokrise ist demnach eine Übereinstimmung auf Ebene der positionsbasierten Sachfragenorientierungen zur Eurokrise.9 Davon auszugehen, dass es sich um voneinander unabhängige Einstellungen handelt, die in keiner Beziehung zueinander stehen, erschiene uns in hohem Maße fragwürdig.10 Vielmehr sind nach unserer Konzeption die Bewer- 9 Für ein ähnliches Argument, wonach Performanzbewertungen auch von positionsbasierten Sachfragenorientierungen beeinflusst sind, s. van der Brug (2004: 213). 10 Eine weitere konkurrierende Annahme bestünde darin, dass die Kausalität umgekehrt verläuft und Bürger Sachfragenpositionen aus Performanzbewertungen ableiten. Nach dieser Logik würde ein Bürger aus einer Zufriedenheit mit der Performanz ableiten, dass die getroffenen Maßnahmen offenbar zielführend waren, und ihnen im Nachhinein zustimmen. Da im vorliegenden Fall die Maßnahmen aber während der Legislaturperiode besonders breit in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert wurden und Bürger sich eine Meinung bilden konnten, bevor (als alternativer Maßstab der Performanzbewertung, s. unten) die Resultate der ergriffenen Rettungsmaßnahmen auch nur im Ansatz klar waren, spricht vieles für einen Effekt der positionsbasierten Sachfragenorientierungen auf die Performanzbewertung. Für diese Annahme sprechen auch die Ergebnisse von Rudnik und Schoen (in diesem Band), die sich eingehender mit den Bestimmungsfaktoren von Positionen zu EU-Finanzhilfen beschäftigen und zu dem Ergebnis gelangen, dass diese vor allem auf abstraktere Policy-Prädispositionen zurückgeführt werden können. In dem Ausmaß, in dem positionsbasierte Sachfragenorientierungen aber doch endogen gegenüber Performanzbewertungen sind, überschätzen wir den tatsächlichen Effekt der Issue-Positionen auf Performanzbewertungen und unterschätzen den Effekt konkurrierender Determinanten der Performanzurteile. Insofern wird der weiter unten dokumentierte Befund, dass insbesondere Einschätzungen der Wirtschaftslage in Deutschland einen starken Effekt aufweisen, durch die Möglichkeit einer solchen umgedrehten Kausalität nicht in Frage gestellt – im Gegenteil. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 64 tungen der Krisenperformanz den Positionen kausal nachgelagert und als Mediatorvariable zur letztlichen Wahlentscheidung anzusehen. Dabei sollte analog zum moderierenden Effekt der Wichtigkeit der Sachfragen auf die Wahlentscheidung ein spezifisches Issue einen stärkeren Effekt auf die Performanzbewertung ausüben, wenn es für wichtig erachtet wird. Gleichzeitig sollten performanzbasierte Sachfragenorientierungen als Leistungsbewertungen auch aus der Bewertung von Outcomes resultieren (Roller 1998: 179). Dies entspricht der eigentlich zentralen Vorstellung des Modells des retrospektiven Wählens, nach der Bürger die Situation in verschiedenen Politikfeldern evaluieren und daraus Urteile über die Leistungsfähigkeit der Regierung ableiten, an denen sie schließlich im letzten Schritt ihre Wahlentscheidung ausrichten (Downs 1959; Fiorina 1981; Healy/Malhotra 2013; Key 1966). Ein Großteil der Literatur konzentriert sich dabei auf die Wirtschaftslage als zentrale retrospektive Performanzdimension und damit auf das sogenannte economic voting, wonach Regierungen für eine gute wirtschaftliche Lage an den Wahlurnen belohnt und für eine schlechte Lage bestraft werden (Lewis-Beck/Stegmaier 2000, 2007). Die Literatur zum retrospektiven Wählen und speziell zum economic voting geht dabei davon aus, dass Outcomes – und speziell die wirtschaftliche Lage – auch für begrenzt informierte Wähler relativ leicht zu evaluieren seien. Wird die Regierung für verantwortlich für die wirtschaftliche Lage gehalten (s. Giebler/Wagner 2014), lassen sich aus diesen Evaluationen wiederum relativ einfach Urteile über die Performanz der Regierung ableiten. Im Einklang mit diesen Überlegungen lässt sich argumentieren, dass die Lage der deutschen Wirtschaft Wählern einen einfachen Maßstab zur Bewertung des Krisenmanagements bietet. Demnach würde der Bundesregierung und der Bundeskanzlerin dann eine gute Performanz in der Bekämpfung der Eurokrise attestiert, wenn die Wähler die Lage der deutschen Wirtschaft als gut bewerten. Dies erscheint zum einen aus theoretischen Gründen plausibel, da erstens aus informationstechnischer Sicht davon auszugehen ist, dass die Bürger mit der wirtschaftlichen Situation in Deutschland gut vertraut sind. Zweitens ist zu erwarten, dass die deutschen Bürger an einer guten wirtschaftlichen Situation in Deutschland ein besonders starkes Interesse haben und sie deshalb zu einem zentralen Maßstab erheben, wenn es darum geht, zu beurteilen, ob Deutschland von der Bundesregierung und der ihr vorstehenden Bundeskanzlerin gut durch die Krise geführt wurde. Schließlich steht diese Argumentation auch in Einklang mit dem zentralen Befund der Literatur zum economic voting, Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 65 dass die nationale Wirtschaftslage eine besonders wichtige Determinante der generellen Zufriedenheit mit dem Handeln einer amtierenden Regierung darstellt. Zum anderen liegt hier eine mögliche Lösung des in Abschnitt zwei beschriebenen Rätsels: Da die deutsche Wirtschaft relativ gut durch die Eurokrise gekommen ist und sich dies auch in positiven Wahrnehmungen der Wirtschaftslage niedergeschlagen hat, könnten diese Wahrnehmungen zu einer wohlwollenden Bewertung des Krisenmanagements beigetragen und somit eine mögliche Unzufriedenheit auf Basis der aufgezeigten Diskrepanzen bei Eurokrisen-Issues verhindert haben. Allerdings war das Krisenmanagement sicher nicht exklusiv mit dem Ziel verbunden, für eine gute wirtschaftliche Lage in Deutschland zu sorgen. Ein weiterer naheliegender Beurteilungsmaßstab auf der Ebene wirtschaftlicher Outcomes ist die wirtschaftliche Lage in Europa insgesamt. Aus dieser Sicht würden optimistischere Urteile über die wirtschaftliche Lage in Europa zu positiveren Perfomanzbeurteilungen des Krisenmanagements der Bundesregierung führen. Aus einer konzeptionellen Sicht ließe sich möglicherweise sogar argumentieren, dass hierin ein geeigneterer Bewertungsmaßstab für den Erfolg der Bekämpfung der Eurokrise läge. Aus den oben genannten Gründen zur unmittelbaren Betroffenheit der Bürger gehen wir aber davon aus, dass Wahrnehmungen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland einen deutlich stärkeren Effekt auf Krisenperformanzbewertungen haben sollten als Wahrnehmungen der Lage in Europa insgesamt. Bezüglich der Performanzbewertungen als abhängige Variable ergeben sich mithin die folgenden drei Hypothesen: H4: Die Zustimmung von Befragten zu den einzelnen Maßnahmen der Eurokrisenpolitik der Bundesregierung (bzw. zur Position der Bundeskanzlerin und der Union) hat einen positiven Effekt auf die Bewertung des Krisenmanagements der Bundesregierung bzw. Bundeskanzlerin (der ggf. von der Wichtigkeit des Issues moderiert wird). H5: Je positiver die Bewertung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in Deutschland, desto positiver ist die Bewertung des Krisenmanagements der Bundesregierung bzw. Bundeskanzlerin. H6: Je positiver die Bewertung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in Europa, desto positiver ist die Bewertung des Krisenmanagements der Bundesregierung bzw. Bundeskanzlerin. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 66 Daten und Modelle Da unser theoretisches Modell Effekte auf zwei abhängige Variablen spezifiziert, sehen wir für die empirische Analyse zwei Untersuchungsschritte vor. Zunächst sollen die Determinanten der Bewertung des Krisenmanagements identifiziert werden. Dabei befassen wir uns konkret sowohl mit den Determinanten der Zufriedenheit mit der Performanz Merkels als auch mit der Performanz der gesamten Bundesregierung und gehen entsprechend der oben formulierten Hypothesen auch von homogenen Effekten auf beide Performanzvariablen aus. In diesem Schritt soll ermittelt werden, wie stark die Bewertungen der Krisenperformanz einerseits von Issue-Positionen, andererseits von der Einschätzung wirtschaftlicher Outcomes beeinflusst werden. Im zweiten Schritt unserer empirischen Analyse wenden wir uns der Wahlentscheidung als abhängiger Variable zu. Hierbei ist zu beachten, dass nach unserem Modell potenzielle Effekte von Positions-Issues zur Krisenpolitik und Wahrnehmungen der wirtschaftlichen Lage auf die Wahlentscheidung über die Mediatorvariable Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement (zumindest partiell) vermittelt sind. Dies birgt Implikationen für die empirische Schätzung: Wir schätzen Modelle mit und ohne Krisenperformanzbewertungen, um zu überprüfen, wie die Effekte der uns interessierenden Variablen zwischen diesen Modellen variieren. Nach der Logik unseres Modells lässt sich z. B. der (Gesamt-)Effekt der Eurokrisen- Issues auf die Wahlentscheidung nur in einem Modell ermitteln (siehe H1 und auch H2), das nicht für das Krisenmanagement kontrolliert. Um aber den Effekt von Krisenmanagementbewertungen auf die Wahlentscheidung selbst zu ermitteln (H3), muss diese Variable natürlich ins Modell aufgenommen werden. Gleichzeitig lässt sich so ermitteln, ob die uns interessierenden Variablen unter Kontrolle der Performanzbewertungen noch einen Effekt aufweisen, die Wahlentscheidung also zusätzlich über den indirekten Effekt hinaus, der über die Performanzbewertungen vermittelt wird, auch direkt beeinflussen. In unserer Analyse verwenden wir Daten der oben bereits vorgestellten Nachwahlbefragungswelle 7 des Online-Wahlkampfpanels. Bewertungen des Krisenmanagements, die abhängige Variable im ersten Analyseschritt, werden über die in Abschnitt zwei bereits behandelte Frage zur Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung bzw. der Bundeskanzlerin bei der Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise auf einer fünfstufigen ordinalen Skala erfasst. Entsprechend werden im ersten Analyseschritt Orde- 4. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 67 red-Logit-Regressionsmodelle berechnet. Zur leichteren Interpretation präsentieren wir im Ergebnisteil in grafischer Form durchschnittliche marginale Effekte auf die Wahrscheinlichkeit, dass Befragte mit dem Krisenmanagement „sehr zufrieden“ sind. Die abhängige Variable bei der Analyse der Wahlentscheidung unterscheidet zwischen der (berichteten) Wahl der CDU/CSU (1) oder einer anderen Partei (0) mit der Zweitstimme. Entsprechend schätzen wir ein binäres logistisches Regressionsmodell. Zur leichteren Interpretation präsentieren wir – für diesen Schritt in tabellarischer Form – durchschnittliche marginale Effekte auf die Wahrscheinlichkeit einer Unionswahl. Sachfragenpositionen zur Eurokrise werden zum einen über die in Abschnitt zwei angesprochene Frage nach der Haltung der Interviewten zur Kontroverse um die Beibehaltung des Euro oder eine Rückkehr zur D- Mark operationalisiert. Zum anderen nutzen wir die Fragen zur Beteiligung Deutschlands an den EU-Finanzhilfen, um – ganz im Sinne der räumlichen Theorie des sachfragenorientierten Wahlverhaltens – Distanzvariablen zu konstruieren. Speziell erfassen wir den (absoluten) Abstand zwischen der eigenen Position und der wahrgenommenen Position der Bundeskanzlerin bzw. der Union. Wir müssen für dieses Issue also nicht einheitlich annehmen, dass die Befragten die Position der Bundeskanzlerin/Union als zustimmend wahrnehmen, sondern können auf Basis der eigenen Angaben prüfen, ob eine größere wahrgenommene Distanz mit weniger Zufriedenheit einhergeht. Schließlich wurde im Wahlkampfpanel auch die Wichtigkeit des Themas „deutsche Finanzhilfe für verschuldete EU-Mitgliedsstaaten“ auf einer fünfstufigen Skala ermittelt. Um Hypothese 2 prüfen zu können, spezifizieren wir einen multiplikativen Interaktionsterm aus der Issue-Distanz (EU-Finanzhilfe) und deren wahrgenommener Wichtigkeit. Nach Hypothese 2 (bzw. 4) sollte mit zunehmender Wichtigkeit der negative Effekt der Issue-Distanz (absolut) größer werden. Die unabhängigen Variablen zur Bewertung der Wirtschaftslage wurden über eine Frage nach der allgemeinen Beurteilung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage in Deutschland bzw. Europa ermittelt, die Befragte auf einer fünfstufigen Skala, die von „sehr schlecht“ bis „sehr gut“ reicht, beantworten sollten.11 11 Für die wirtschaftliche Lage in Deutschland wäre alternativ eine retrospektive Bewertung verfügbar (Veränderung in den letzten „ein bis zwei Jahren“), für die europäische Lage jedoch nicht, sodass wir nur mit dem aktuellen Indikator eine homogene Messung gewährleisten können. Auch aus inhaltlichen Gründen ziehen Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 68 Zusätzlich berücksichtigen wir in beiden Arten von Modellen etablierte Kontrollvariablen. Zum einen sind dies demografische Merkmale, die in der deutschen Wahlforschung als Prädiktoren der Wahlentscheidung eine Rolle spielen: Variablen für Alter, Geschlecht, Bildung, Konfession, Gewerkschaftsmitgliedschaft sowie eine Dummy-Variable für Ostdeutschland.12 Darüber hinaus wird für die Selbstpositionierung auf der Linksrechts-Skala kontrolliert, um die möglichen Effekte einer generellen ideologischen Orientierung zu erfassen. Hierbei spezifizieren zusätzlich einen quadrierten Term, um potenziell einen nichtlinearen Effekt aufzugreifen.13 Ferner wird ein Set an Dummy-Variablen für die Parteiidentifikation eingeschlossen.14 Deren Berücksichtigung erscheint auch gemäß den Annahmen des Michigan-Modells besonders wesentlich. Die langfristig gebildeten Einstellungen haben potenziell den Effekt eines Wahrnehmungsfilters für kurzfristige Sachfragenorientierungen, wonach Einstellungsobjekte tendenziell positiver beurteilt werden, wenn diese zur eigenen Parteiidentifikation passen (Campbell et al. 1960: 185 f., Schoen/Weins 2014: 251). Im vorliegenden Fall mildert die Berücksichtigung der Parteiidentifikation etwaige Endogenitätsprobleme, die z. B. durch eine parteipolitische gefärbte Wahrnehmung des Krisenmanagements und der Wirtschaftslage (s. Gerber/Huber 2010) auftreten könnten. Um die Robustheit unserer Befunde zu prüfen, berücksichtigen wir überdies mit Variablen zur Kandidatenwir die aktuelle Lagebewertung vor, da diese implizit auch die Veränderung beinhaltet und insgesamt besser reflektiert, ob die Bürger mit dem derzeitigen Status quo zufrieden sind. Auf diese Weise wird unseres Erachtens eine genauere Umsetzung des grundlegenden Modells des economic voting erreicht, wonach „the citizen votes for the government if the economy is doing alright; otherwise the vote is against“ (Lewis-Beck/Stegmaier 2000: 183). 12 Schoen/Weins (2014) diskutieren die theoretische Rolle soziodemografischer Merkmale innerhalb des Michigan-Modells. Empirisch wird regelmäßig auf die Konfession und Gewerkschaftsmitgliedschaft als nach wie vor möglicherweise relevante Cleavages in Deutschland hingewiesen. Die Kontrolle für das ostdeutsche Wahlgebiet deutet auf die regelmäßig untersuchte Heterogenität des west- und ostdeutschen Wahlverhaltens hin (siehe z. B. Weßels et al. 2013). 13 Ein entsprechender umgedreht u-förmiger Zusammenhang würde sich z. B. ergeben, wenn Individuen an beiden Extrempolen eine Tendenz hätten, mit dem Krisenmanagement unzufriedener zu sein. 14 Dieses unterscheidet zwischen keiner Parteiidentifikation (Referenzkategorie) sowie einer Identifikation mit der Union, SPD, FDP, Linkspartei, den Grünen oder einer sonstigen Partei. Letztere Residualkategorie umschließt alle Parteien, die in der Legislaturperiode bis 2013 im Bundestag nicht vertreten waren (inklusive der AfD). Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 69 orientierungen die dritte Gruppe der Determinanten aus dem Michigan- Modell. Speziell nutzen wir Fragen zu Vertrauenswürdigkeit und Sympathie bezogen auf Merkel. Wir kontrollieren gezielt für diese zugeschriebenen persönlichen Kandidateneigenschaften als konkurrierende Determinanten von Performanzbewertungen und Wahlentscheidungen (s. Schoen/ Greszki 2014) – vermeiden daher bewusst einen umfassenderen Indikator der Zufriedenheit mit Merkel wie das Skalometer, das selbst von der wahrgenommenen Krisenperformanz beeinflusst sein sollte. Alle unabhängigen Variablen sind zur einfacheren Interpretation und Vergleichbarkeit auf den Wertebereich von 0 bis 1 skaliert. Die Regressionen berücksichtigen jeweils Gewichte.15 Die Schätzung der im Folgenden berichteten Regressionsmodelle ist jeweils auf diejenigen Fälle beschränkt, die in allen relevanten Variablen keine fehlenden Werte aufweisen (n = 2179), um eine bessere Vergleichbarkeit der Ergebnisse über die Modelle hinweg zu gewährleisten. Empirische Analyse Entsprechend den zwei vorgesehenen Analyseschritten ist dieser Abschnitt in zwei Unterabschnitte gegliedert. Zunächst werden Befunde zu den Determinanten von Krisenperformanzbewertungen präsentiert, bevor im zweiten Schritt Effekte auf die letztendliche Wahlentscheidung betrachtet werden. Positionen zu Eurokrisen-Issues und Wahrnehmungen der Wirtschaftslage als Determinanten der Bewertung des Krisenmanagements In Abbildung 2 sind die Ergebnisse der Ordered-Logit-Regressionen zur Erklärung der Krisenperformanzbewertungen in Form von durchschnittli- 5. 5.1 15 Wir verwenden ein Gewicht zur Anpassung an den Mikrozensus, das wir (durch Multiplikation) mit dem Panelausfallgewicht für Welle 7 kombiniert haben. Die im Folgenden berichteten Schätzergebnisse fallen durchweg sehr ähnlich aus, wenn auf eine Gewichtung ganz verzichtet wird. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 70 chen marginalen Effekten aufgeführt.16 Die dargestellten Koeffizienten geben jeweils an, wie sich die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit, dass Befragte „sehr zufrieden“ mit dem Krisenmanagement der Bundeskanzlerin bzw. der Bundesregierung sind, im Durchschnitt über die beobachteten Fälle hinweg ändert, wenn man die unabhängigen Variablen von ihrem Minimum (0) auf ihr Maximum (1) anhebt. Für Hypothese 4 finden wir eine deutliche Bestätigung: Die Befürwortung einer Rückkehr Deutschlands zur D-Mark führt zu einer geringeren Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement Angela Merkels und der Bundesregierung. Ebenfalls deutliche negative Effekte zeigen die beiden Indikatoren der Issue-Distanz zu Merkel bzw. zur Union.17 Je größer die Distanz zwischen der eigenen Position zu europäischen Finanzhilfen und der wahrgenommenen Position der Bundeskanzlerin bzw. der Union, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer guten Krisenperformanzbewertung.18 Die Bewertung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland hat in beiden Modellen den stärksten geschätzten Effekt auf die Krisenperformanzbewertungen. Gemäß den theoretischen Erwartungen und konsistent mit den vorherigen Befunden ist die Entwicklung der Wirtschaftslage in Europa zwar signifikant positiv, aber eine weniger tragende Determinante. Im Modell für die Bundeskanzlerin ist der Effekt knapp nicht mehr signifikant. Damit erfahren auch die Hypothesen 5 und 6 deutliche Bestätigung. 16 Klassische Tabellen mit den Ergebnissen aller Regressionsschätzungen finden sich in einem begleitenden Anhang (www.nomos-shop.de/24354). 17 Hierbei handelt es sich um den durchschnittlichen marginalen Effekt. Da wir einen Interaktionseffekt spezifiziert haben, variiert dieser Effekt mit der subjektiven Wichtigkeit (s. u.). 18 Hierbei ist anzumerken, dass Issue-Distanzen grundsätzlich in beide Richtungen auftreten können, das heißt, dass man sowohl eine größere Zustimmung zu den europäischen Finanzhilfen aufweisen als auch eine stärker ablehnende Haltung als das jeweilige Bezugsobjekt einnehmen kann. Empirisch hat sich jedoch gezeigt, dass weniger als ein Zehntel der Befragten die Finanzhilfen aus ihrer Sicht stärker befürwortet als die Bundeskanzlerin (siehe auch Fußnote 5). Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 71 Abbildung 2: Durchschnittliche marginale Effekte auf die Bewertung des Krisenmanagements durch Merkel und durch die Bundesregierung Eigene Darstellung geschätzter durchschnittlicher marginaler Effekte mit 95 %-Konfidenzintervallen auf Basis einer Ordered-Logit-Regression; Daten aus dem Wahlkampfpanel der GLES (Welle 7). Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 72 Abbildung 3 stellt die durchschnittlichen marginalen Effekte der Issue- Distanz auf die Wahrscheinlichkeit einer maximalen Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement für verschiedene Ausprägungen der Wichtigkeit des Themas Finanzhilfen dar und bestätigt unsere Erwartung, dass mit steigender Wichtigkeit die absolute Größe der geschätzten Effekte deutlich ansteigt. Während für Individuen, denen das Issue überhaupt nicht wichtig ist, die Distanz keinen statistisch signifikanten Effekt aufweist, ändert sich bei einem Individuum, dem das Issue sehr wichtig ist, die Wahrscheinlichkeit, „sehr zufrieden“ mit dem Krisenmanagement zu sein, mit der Distanz um bis zu ca. 12 Prozentpunkte (Merkel) bzw. 7 Prozentpunkte (Bundesregierung).19 Abbildung 3: Konditionale Effekte der Positionen zur EU-Finanzhilfe auf die Krisenperformanz in Abhängigkeit von der subjektiven Wichtigkeit des Issues Eigene Darstellung geschätzter konditionaler durchschnittlicher marginaler Effekte mit 95 %-Konfidenzintervallen auf Basis einer Ordered-Logit-Regression; Daten aus dem Wahlkampfpanel der GLES (Welle 7). Bezüglich der Kontrollvariablen finden sich für beide abhängigen Variablen die deutlichsten und konsistentesten Effekte für eine Parteiidentifikation mit der CDU/CSU sowie die Links-rechts-Selbsteinstufung. Eine vorhandene Parteiidentifikation mit der CDU/CSU führt demnach zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer positiven Krisenperformanzbewertung und Befragte bewerten das Krisenmanagement mit höherer Wahrschein- 19 Für beide abhängigen Variablen unterscheiden sich diese konditionalen Effekte auch statistisch signifikant voneinander. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 73 lichkeit positiv, wenn sie sich weiter rechts auf der ideologischen Skala einstufen.20 Die hier berichteten Befunde sind robust gegenüber einer zusätzlichen Berücksichtigung von Sympathie- und Vertrauenswürdigkeitsurteilen über die Bundeskanzlerin (s. Anhang). Dabei zeigt sich, dass insbesondere die Vertrauenswürdigkeit ebenfalls einen substanziellen Effekt auf Krisenperformanzbewertungen ausübt. Determinanten der Wahlentscheidung In diesem Abschnitt wenden wir uns in einem zweiten Schritt der Wahlentscheidung zu, die mithilfe binär-logistischer Regressionsmodelle analysiert wurde. In Tabelle 2 sind die durchschnittlichen marginalen Effekte auf die Wahrscheinlichkeit einer Wahlentscheidung für die CDU/CSU auf Basis fünf verschiedener Modellspezifikationen des logistischen Regressionsmodells abgetragen. In den ersten beiden Modellen richten sich die Sachfragenorientierungen auf das Bezugsobjekt Angela Merkel. Während in Modell 1 die Issue-Distanz zu Merkel aufgenommen wurde, ergänzen wir Modell 2 um die entsprechende Krisenperformanzbewertung. Ein äquivalentes Vorgehen ergibt sich für die Modelle 3 und 4 für diese beiden unabhängigen Variablen bezogen auf die Union bzw. Bundesregierung. Wir schätzen die Effekte dieser Variablen zunächst getrennt, da eine gemeinsame Schätzung durch den starken bivariaten Zusammenhang dieser Konstrukte erschwert wird.21 Im Gesamtmodell 5 fügen wir die vier Variablen dennoch zusammen, um zu versuchen, deren relative Bedeutung zu ermitteln. 5.2 20 Die Wahrscheinlichkeit einer positiven Bewertung steigt dabei monoton mit einer Positionierung weiter rechts. Es finden sich also keinerlei Hinweise auf einen umgedreht u-förmigen Zusammenhang. 21 Die beiden Distanzvariablen korrelieren mit 0,88, die Performanzbewertungen mit 0,75. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 74 Tabelle 2: Durchschnittliche marginale Effekte auf die Wahrscheinlichkeit einer Wahl von CDU/CSU basierend auf binär-logistischen Regressionsmodellen 70 Simon R. Bauer/Nils D. Steiner Tabelle 2: Durchschnittliche marginale Effekte auf die Wahrscheinlichkeit einer Wahl von CDU/CSU basierend auf binär-logistischen Regressionsmodellen Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 EU-Finanzhilfe: Issue-Distanz Merkel −0,11*** −0,069* −0,051 (0,029) (0,030) (0,043) 0,23*** 0,15*** (0,038) (0,037) −0,10*** −0,044 0,0082 (0,030) (0,030) (0,046) 0,32*** 0,23*** (0,043) (0,046) 0,022 0,038 0,014 0,011 0,027 (0,040) (0,039) (0,039) (0,038) (0,038) −0,045 −0,019 −0,053+ −0,013 −0,0013 (0,032) (0,032) (0,032) (0,032) (0,032) 0,13** 0,053 0,13** 0,011 −0,0033 (0,047) (0,048) (0,047) (0,049) (0,048) 0,15** 0,14** 0,15** 0,099* 0,11* (0,049) (0,051) (0,049) (0,048) (0,049) 0,18*** 0,14*** 0,18*** 0,15*** 0,13*** (0,014) (0,015) (0,014) (0,015) (0,015) −0,16*** −0,15*** −0,16*** −0,15*** −0,14*** (0,027) (0,026) (0,027) (0,025) (0,024) −0,12+ −0,14* −0,12+ −0,14* −0,15** (0,065) (0,059) (0,065) (0,059) (0,056) −0,17** −0,16** −0,17** −0,15** −0,15** (0,053) (0,051) (0,054) (0,052) (0,050) −0,10* −0,094* −0,10* −0,090* −0,085* (0,042) (0,040) (0,042) (0,040) (0,039) −0,066 −0,048 −0,066 −0,053 −0,050 (0,058) (0,058) (0,057) (0,055) (0,058) 0,21*** 0,16*** 0,20*** 0,17*** 0,16*** (0,041) (0,045) (0,041) (0,041) (0,042) 0,017 0,0091 0,019 0,018 0,012 (0,021) (0,021) (0,021) (0,020) (0,021) 0,030 0,023 0,030 0,028 0,025 (0,020) (0,020) (0,020) (0,019) (0,019) 0,046** 0,038* 0,046** 0,041** 0,039* (0,017) (0,017) (0,017) (0,016) (0,016) 0,027 0,023 0,021 0,023 0,025 (0,031) (0,030) (0,031) (0,031) (0,030) 0,0093 0,015 0,010 0,0054 0,0083 (0,020) (0,020) (0,020) (0,019) (0,019) −0,025 −0,019 −0,027 −0,032+ −0,025 (0,020) (0,020) (0,020) (0,019) (0,019) −0,0015 −0,0045 0,0012 −0,0019 −0,0061 (0,020) (0,018) (0,020) (0,019) (0,019) Krisenperformanz Merkel EU-Finanzhilfe: Issue-Distanz Union Krisenperformanz Bundesregierung EU-Finanzhilfe: Wichtigkeit Rückkehr D-Mark Bewertung wirt. Lage Deutschland Bewertung wirt. Lage Europa PID Union PID SPD PID FDP PID Grüne PID Linke PID Sonstige Links-rechts-Position Realschulabschluss Abitur Weiblich Alter Katholisch Evangelisch Gewerkschaftsmitgliedschaft Ostdeutschland −0,016 −0,015 −0,017 −0,014 −0,013 (0,018) (0,017) (0,018) (0,017) (0,017) N 2179 2179 2179 2179 2179 Pseudo-R² (McKelvey & Zavoina) 0,63 0,66 0,62 0,67 0,69 Dargestellt sind durchschnittliche marginale Effekte (mit zugehörigen Standardfehlern in Klammern) auf die Wahrscheinlichkeit einer Wahl der CDU/CSU berechnet auf Ba- Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 75 sis einer binär-logistischen Regression zur Erklärung der Wahlentscheidung. Die Referenzkategorien bilden männliche Befragte mit maximal Hauptschulabschluss, die keiner Religionsgemeinschaft oder einer anderen als der katholischen oder evangelischen Konfession angehören und keine Parteiidentifikation aufweisen. Alle Variablen sind auf den Wertebereich 0–1 skaliert, Signifikanzniveaus: + p < 0,10; * p < 0,05; ** p < 0,01; *** p < 0,001. Da wir von der Möglichkeit ausgehen, dass die Effekte der Zustimmung zu EU-Finanzhilfen sowie der Bewertung der wirtschaftlichen Lage auf die Wahlentscheidung über die Krisenperformanzbewertungen vermittelt sind, wollen wir sehen, welche Effekte sich ergeben, wenn wir zunächst nicht für die Mediatorvariable Krisenperformanzbewertungen kontrollieren. Für die entsprechenden Schätzungen ohne Performanzbewertung (Modelle 1 und 3) zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Wahlentscheidung für die Union sowohl mit einer geringen Issue-Distanz hinsichtlich der EU-Finanzhilfen (im Mittel) sowie mit einer positiveren Sicht auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland und Europa signifikant ansteigt. Diese Effekte stehen in Einklang mit Hypothese 1, wonach die positionsbasierten Sachfragenorientierungen zur Eurokrise im Sinne eines Distanzmodells die Wahlentscheidung für die Union beeinflussen. Bezogen auf die Frage, ob die D-Mark als Währung wiedereingeführt werden sollte, ergibt sich zusätzlich ein wie erwartet negativer Effekt; dieser ist allerdings nicht statistisch signifikant. Wird für die Krisenperformanzbewertungen kontrolliert (Modelle 2 und 4) verlieren die Effekte der Issue-Distanzen erheblich an Bedeutung. Lediglich für die Issue-Distanz zu Merkel wird in Modell 2 weiterhin ein positiver Effekt geschätzt. Die Krisenmanagementbewertungen selbst weisen in Einklang mit Hypothese 3 starke positive Effekte auf, die sogar grö- ßer sind als diejenigen einer Parteiidentifikation mit der Union sowie der Links-rechts-Position. In diesem Sinne waren Performanzbewertungen zum Umgang mit der Eurokrise ein entscheidender Prädiktor der Unionswahl bei der Bundestagswahl 2013. Zusammen mit den Ergebnissen bezüglich der Determinanten der Krisenmanagementbewertungen unterstützt dieser Befund die Annahme, dass die Wirkung der Positions-Issues zu einem überwiegenden Teil über jene Performanzbewertungen vermittelt wird. Auch die Befunde zu den Bewertungen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage über die geschätzten Modelle hinweg unterstützen diese Lesart: So verliert der geschätzte durchschnittliche Effekt der Bewertungen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland in Modellen mit Krisenmanagementbewertungen vollständig seine Signifikanz, auch wenn er sein Vorzei- Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 76 chen behält; bezogen auf die europäische Wirtschaftslage werden die geschätzten Effekte lediglich etwas kleiner. Hinsichtlich der Wichtigkeit der Positions-Issues werden in Abbildung 4 – analog zu Abbildung 2 – konditionale Effekte der Positionen zur EU- Finanzhilfe auf die Wahrscheinlichkeit einer Wahl der CDU/CSU dargestellt. Hypothese 2, wonach eine größere Wichtigkeit der Sachfrage auch die Stärke des Effekts auf die Wahlentscheidung beeinflusst, wird tendenziell bestätigt. Sowohl für das Bezugsobjekt Merkel als auch für die Bundesregierung lässt sich feststellen, dass der konditionale Effekt der Distanz erst ab einer mittleren Wichtigkeit statistisch signifikant wird und der Grö- ße nach mit der subjektiven Wichtigkeit ansteigt.22 Abbildung 4: Konditionale Effekte der Positionen zur EU-Finanzhilfe auf die Wahrscheinlichkeit einer Wahl der CDU/CSU in Abhängigkeit von der subjektiven Wichtigkeit des Issues Eigene Darstellung geschätzter konditionaler durchschnittlicher marginaler Effekte mit 95 %-Konfidenzintervallen auf Basis einer logistischen Regression; Daten aus dem Wahlkampfpanel der GLES (Welle 7). Im Gesamtmodell 5 haben die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Bundeskanzlerin sowie mit der Bundesregierung noch eigenständige, positive und signifikante Effekte, obwohl beide Einstellungen in einem 22 Im Falle Merkels ist der Interaktionsterm im Regressionsmodell statistisch signifikant (Modell 1), im Fall der Bundesregierung jedoch nicht (Modell 3), sodass sich nur im ersten Fall tatsächlich belastbare Evidenz zugunsten einer Interaktion findet. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 77 sehr engen Zusammenhang stehen. Dass die geschätzten Koeffizienten im Vergleich zu den Modellen 2 und 4 jeweils kleiner sind, ergibt sich genau aus dieser starken Kollinearität der Variablen. Die Effekte sind auch ähnlich groß, sodass sich nicht feststellen lässt, ob die Bewertung eines der Bezugsobjekte dominiert. Weitere substanziell bedeutsame Prädiktoren sind – über die verschiedenen Modelle hinweg – die Links-rechts-Position sowie die verschiedenen Parteiidentifikationen. Letztere zeigen in Bezug auf die Unionswahl erwartungsgemäße Effekte. Die Links-rechts-Position hat einen deutlichen linearen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit der Unionswahl, wonach ein Befragter mit einer höheren Wahrscheinlichkeit die Union wählt, wenn er sich weiter rechts im Spektrum einordnet.23 Zusammen mit den bestätigten Hypothesen 4 bis 6 aus dem ersten Analyseschritt wird also unsere Argumentation gestützt, wonach (1) performanzbasierte Sachfragenorientierungen über das Krisenmanagement einen erheblichen Einfluss auf Wahlentscheidungen für die Union haben und (2) über diese performanzbasierten Sachfragenorientierungen Effekte der vorgelagerten positionsbasierten Sachfragenorientierungen und Wahrnehmungen der Wirtschaftslage vermittelt werden. Dies trifft sowohl in Bezug auf Angela Merkels Krisenmanagement als auch auf das der Bundesregierung zu. Wenn man für die im Michigan-Modell bedeutsamen Kandidatenorientierungen Sympathie und Vertrauenswürdigkeit kontrolliert, bleiben die hier berichteten Befunde erhalten (siehe Anhang). Auch hierbei zeigt sich ein zusätzlicher starker Effekt der Vertrauenswürdigkeit Merkels. Fazit In diesem Beitrag sind wir von der Beobachtung ausgegangen, dass die deutschen Bürger hinsichtlich der Bewertung der europäischen Krisenhilfen gespalten waren, ihnen mehrheitlich sogar ablehnend gegenüberstanden. Die Positionierungen der regierenden Unionsparteien und ihrer Bundeskanzlerin zu den Krisenhilfen wurden dagegen vorwiegend als deutlich zustimmend wahrgenommen. Obwohl damit eine Diskrepanz zwischen den Positionen der Bürger und den wahrgenommenen Positionen der Bundesregierung bestand, stellten die Bürger im Aggregat in Bezug auf das 6. 23 Auch für diese Modelle finden wir keine Hinweise auf Nichtlinearität: Die Wahrscheinlichkeit einer Unionswahl nimmt mit einer Positionierung weiter rechts nicht nur monoton, sondern nahezu konstant zu. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 78 Krisenmanagement eine neutrale (Bundesregierung) bis positive Bilanz (Bundeskanzlerin) aus. Außerdem ging die Union als klare Gewinnerin aus der Bundestagswahl 2013 hervor. Das von uns in diesem Beitrag entwickelte zweistufige Modell zum Einfluss positions- und performanzbasierter Sachfragenorientierungen zur Eurokrise auf Wahlentscheidungen für oder gegen die Union hilft diese Gemengelage besser zu verstehen. Tatsächlich wurde die Bekämpfung der Eurokrise durch die Bundesregierung und die Bundeskanzlerin weniger positiv beurteilt, wenn Bürger auf der Ebene der positionsbasierten Sachfragenorientierungen nicht mit den von der Bundesregierung mitgetragenen Maßnahmen einverstanden waren. Dieser Effekt wird umso stärker, für je wichtiger das Issue europäische Finanzhilfen von den Befragten erachtet wurde. In diesem Sinne waren positionsbasierte Sachfragenorientierungen nicht irrelevant für die Bewertungen des Krisenmanagements. Gleichzeitig speisten sich die Krisenmanagementbewertungen aber nicht exklusiv aus den Sachfragenpositionen, sondern auch aus Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage, die – insbesondere in Bezug auf die Lage in Deutschland – ebenfalls eine entscheidende Rolle spielten. Mit der Bewertung der wirtschaftlichen Lage konnten Bürger auf eine Einstellung zurückgreifen, die mit vergleichsweise geringem kognitivem Aufwand zu bilden ist, um die Performanz der Regierung in einer zu großen Teilen wirtschaftlich geframeten Krisenentwicklung in rückblickender Perspektive zu bewerten. Empirisch zeigt sich, dass der Effekt von Einschätzungen der Wirtschaftslage auf die Performanzurteile dabei in der Tendenz sogar stärker ist als derjenige von Positionen zu Eurokrisen-Issues. Die Krisenperformanzbewertungen selbst zeigen in den Modellen zur Erklärung der Wahlentscheidung für die Unionsparteien wiederum durchgängig einen robusten und starken Einfluss. Wird für diese Bewertungen kontrolliert, verlieren die Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage und Distanzen zu Eurokrisen-Issues weitgehend ihren zuvor gezeigten Einfluss auf die Wahlentscheidung für die Union. Dies suggeriert, dass diese Einstellungen größtenteils vermittelt und im Sinne der oben beschriebenen Effekte über die Krisenperformanzbewertung auf die Wahlentscheidung wirken. Die sehr positiven Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland scheinen demnach mit dafür verantwortlich, dass das Krisenmanagement trotz der Diskrepanzen auf der Sachfragenebene im Aggregat nicht negativ beurteilt wurde und die Union bei den Wahlen von relativ wohlwollenden Urteilen über die Performanz bei der Bekämpfung der Eurokrise profitieren konnte. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 79 Dieses Ergebnis unterstützt die Annahme, dass die Eurokrise ihren akuten Charakter, der im eigentlichen Wortsinn einer Krise inhärent ist, verloren hatte. Die Bürger in Deutschland waren nie direkt von negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Eurokrise betroffen; zudem hatte sich die Debatte nach den hektischen Vorjahren 2013 merklich beruhigt. Bemerkenswerterweise liegt nahe, dass die wirtschaftlichen Lagebewertungen in Deutschland im Sinne eines internationalen Benchmarking auch deshalb derart positiv ausgefallen sind, weil die Situation der Wirtschaft in anderen europäischen Staaten teilweise deutlich schlechter war. Dass die in der Legislaturperiode klar vorhandene Kontroverse über die richtige Krisenmanagementstrategie auf die Wahl der Union gegenüber dem Einfluss der Wirtschaftslage einen eher nachrangigen Einfluss ausgeübt hat, mag auch mit den ähnlichen Positionen der etablierten Parteien sowie mit der Wahlkampfstrategie der Union zu tun haben, die Krise nur noch am Rande zu diskutieren und insbesondere auf die Erfolge in der Wirtschaftsentwicklung zu verweisen. Es wäre für zukünftige Arbeiten lohnenswert, insbesondere das relative Verhältnis von positions- und performanzbasierten Einstellungen zur Eurokrise als Erklärungsfaktor für Wahlabsichten im Verlauf der zurückliegenden Legislaturperiode zu überprüfen. Es wäre zu erwarten, dass insbesondere in der von kurzfristigen EU-Gipfeln und Ad-hoc-Maßnahmen geprägten Krisenhochzeit in den Jahren 2010 und 2011 positionsbasierte Sachfragenorientierung stärker eine Rolle spielten, zumal die erhöhte Salienz in diesem von der Krise medial dominierten Zeitraum eine Einstellungsbildung erheblich vereinfachte. Was sind die breiteren Implikationen des Befundes, dass die deutschen Wähler das Krisenmanagement auch stark aus der Perspektive einer Bewertung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland beurteilt haben? Einerseits kann die Outcome-Zentrierung von Wählern positiv gesehen werden, insofern sich daraus Anreize für Politiker ergeben können, auch unpopuläre Maßnahmen im Vertrauen darauf zu treffen, dass sie bei der nächsten Wahl weniger nach der Popularität dieser Maßnahmen selbst und stärker nach den sich daraus möglicherweise ergebenden positiven Ergebnissen beurteilt werden. Aus dieser Sicht wären die Rettungspakete als zunächst unpopuläre Maßnahmen zu sehen, die aber einen Beitrag zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in Europa geleistet und damit auch negative Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft verhindert haben. Zugespitzt gesagt: Die Union als tragende Regierungspartei wäre aus dieser Perspektive zu Recht dafür belohnt worden. Andererseits sieht sich das Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 80 Modell des retrospektiven Wählens der Schwierigkeit ausgesetzt, dass es zwar für Wähler relativ einfach sein mag, ihr Wahlverhalten an der wirtschaftlichen Lage auszurichten – ob Wähler allerdings in der Lage sind, kompetent einzuschätzen, in welchem Ausmaß tatsächlich die Politik der Regierung für diese Lage verantwortlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Insofern sie das aber nicht sind, steht die Rationalität retrospektiven Wählens im Sinne einer wirklich gerechten Belohnung bzw. Bestrafung in Frage (s. Achen/Bartels 2004; Healy et al. 2010). Literatur Achen, Christopher. H./Bartels, Larry M. (2004): Musical Chairs. Pocketbook Voting and the Limits of Democratic Accountability. Arbeitspapier präsentiert auf dem Annual Meeting der American Political Science Association, Chicago, 2.–5. September 2004. Clarke, Harold D./Sanders, David/Stewart, Marianne C./Whiteley, Paul F. (2009): Performance Politics and the British Voter. Cambridge: Cambridge University Press. CDU (2013): CDU-Kampagne zur Bundestagswahl 2013. URL: http://www.cdu.de/reg ierungsprogramm (letzter Zugriff am 13.5.2014). Campbell, Angus/Converse, Philip E./Miller, Warren E./Stokes, Donald E. (1960): The American Voter. New York: Wiley. Debus, Marc/Stegmaier, Mary/Tosun, Jale (2014): Economic Voting under Coalition Governments. Evidence from Germany. In: Political Science Research and Methods 2 (1), S. 49–67. Deutsche Bundesbank (2014): Zeitreihen-Datenbanken. URL: http://www.bundesbank. de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/zeitreihen_datenbank.html (letzter Zugriff am 8.5.2014). Downs, Anthony (1957): An Economic Theory of Democracy. New York, NY: Harper and Row. Eurostat (2014): Statistics. URL: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eur ostat/home (letzter Zugriff am 13.5.2014). Fiorina, Morris P. (1981): Retrospective Voting in American National Elections. New Haven: Yale University Press. Forschungsgruppe Wahlen (2014): Politbarometer. Langzeitentwicklung: Wirtschaft und Soziales, Allgemeine Wirtschaftslage. URL: http://www.forschungsgruppe.de/U mfragen/Politbarometer (letzter Zugriff am 8.5.2014). Gerber, Alan S./Huber, Gregory A. (2010): Partisanship, Political Control, and Economic Assessments. In: American Journal of Political Science 54 (1), S. 153–173. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 81 Giebler, Heiko/Wagner, Aiko (2014): It’s the responsibility, stupid! Determinanten der individuellen Verantwortlichkeitszuschreibung zwischen Europäischer Union und nationaler Regierung für die wirtschaftliche Lage. In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 8 (2), S. 123–142. Healy, Andrew/Malhotra, Neil (2013): Retrospective Voting Reconsidered. In: Annual Review of Political Science 16 (1), S. 285–306. Healy, Andrew J./Malhotra, Neil/Mo, Cecilia H. (2010): Irrelevant Events Affect Voters’ Evaluations of Government Performance. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 107 (29), S. 12804–12809. Hintze, Martin (2013): Konjunkturlokomotive Deutschland zieht Europa aus der Rezession. In: manager magazin online vom 14.8.2013. URL: http://www.manager-m agazin.de/politik/konjunktur/euro-zone-beendet-rezession-aufschwung-wacklig-a-9 16565.html (letzter Zugriff am 13.5.2014). Kayser, Mark. A./Leininger, Arndt (2013): A Benchmarking Forecast of the 2013 Bundestag Election. URL: http://www.researchgate.net/publication/254147383_A_Ben chmarking_Forecast_of_the_2013_Bundestag_Election/file/5046351fb85610a92c.p df (letzter Zugriff am 4.6.2014). Kayser, Mark A./Peress, Michael (2012). Benchmarking across Borders: Electoral Accountability and the Necessity of Comparison. In: American Political Science Review 106 (3), S. 661–684. Kellermann, Charlotte (2008): Trends and Constellations. Klassische Bestimmungsfaktoren des Wahlverhaltens bei den Bundestagswahlen 1990–2005. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft. Kellermann, Charlotte/Rattinger, Hans (2005): Round up the Usual Suspects. Die Bedeutung klassischer Bestimmungsfaktoren der Wahlentscheidung bei den Bundestagswahlen 1994 bis 2002. In: Gabriel, Oscar W./Weßels, Bernhard/Falter, Jürgen W. (Hrsg.): Wahlen und Wähler. Analysen aus Anlass der Bundestagswahl 2002. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 189–212. Key, Valdimer Orlando (1966): The Responsible Electorate. Rationality in Presidential Voting, 1936–1960. Cambridge: Belknap Press of Harvard University Press. Lewis-Beck, Michael S./Stegmaier, Mary (2000): Economic Determinants of Electoral Outcomes. In: Annual Review of Political Science 3 (1), S. 183–219. Lewis-Beck, Michael S./Stegmaier, Mary (2007): Economic Models of Voting. In: Dalton, Russell J./Klingemann, Hans-Dieter (Hrsg.): The Oxford Handbook of Political Behavior. Oxford/New York: Oxford University Press, S. 518–537. Mader, Matthias (2014): The German Federal Election, September 2013. In: Electoral Studies 34, S. 353–356. Mader, Matthias/Schoen, Harald (2015): Chancellor Merkel, the European Debt Crisis and the AfD: An Analysis of Voting Behaviour in the 2013 Federal Election. In: D’Ottavio, Gabriele/Saalfeld, Thomas (Hrsg.): Germany after the 2013 Elections: Breaking the Mould of Post-Unification Politics? Farnham: Ashgate, S. 89–109. Prantl, Heribert (2013): Die Triumphantin. In: Süddeutsche Zeitung vom 23.9.2013. Simon R. Bauer/Nils D. Steiner 82 Rattinger, Hans/Roßteutscher, Sigrid/Schmitt-Beck, Rüdiger/Weßels, Bernhard/Wolf, Christof (2014): Wahlkampf-Panel (GLES 2013), 20.6.–4.10.2013. Köln: GESIS Datenarchiv. ZA5704 Datenfile Version 2.0.0. Doi:10.4232/1.11934. Roller, Edeltraud (1998): Positions- und performanzbasierte Sachfragenorientierungen und Wahlentscheidung. Eine theoretische und empirische Analyse aus Anlaß der Bundestagswahl 1994. In: Kaase, Max/Klingemann, Hans-Dieter (Hrsg.): Wahlen und Wähler. Analysen aus Anlaß der Bundestagswahl 1994. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 173–219. Schmitt-Beck, Rüdiger (2014): Euro-Kritik, Wirtschaftspessimismus und Einwanderungsskepsis. Hintergründe des Beinah-Wahlerfolges der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Bundestagswahl 2013. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen 45 (1), S. 94–112. Schoen, Harald/Greszki, Robert (2014): A Third Term for a Popular Chancellor. An Analysis of Voting Behaviour in the 2013 German Federal Election. In: German Politics 23 (4), S. 251–267. Schoen, Harald/Greszki, Robert (2015): Gemeinsames Regieren, getrennte Rechnungen. Bürgerurteile über die Regierung Merkel II und Wahlverhalten 2013. In: Zohlnhöfer, Reimut/Saalfeld, Thomas (Hrsg.): Politik im Schatten der Krise. Eine Bilanz der Regierung Merkel. Wiesbaden: Springer VS, S. 25–48. Schoen, Harald/Weins, Cornelia (2014): Der sozialpsychologische Ansatz zur Erklärung von Wahlverhalten. In: Falter, Jürgen W./Schoen, Harald (Hrsg.): Handbuch Wahlforschung (2. Aufl.). Wiesbaden: Springer VS, S. 241–329. Steiner, Nils D./Steinbrecher, Markus (2012): Wirtschaft und Wahlverhalten in Westdeutschland zwischen 1977 und 2007. Wer sind die ökonomischen Wähler? In: Schmitt-Beck, Rüdiger (Hrsg.): Wählen in Deutschland. Sonderheft 45 der Politischen Vierteljahresschrift (PVS). Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 321–344. Stokes, Donald E. (1963): Spatial Models of Party Competition. In: American Political Science Review 57 (2), S. 368–377. van der Brug, Wouter (2004): Issue Ownership and Party Choice. In: Electoral Studies 23 (2), S. 209–233. Weßels, Bernhard/Schoen, Harald/Gabriel, Oscar W. (Hrsg.) (2013): Wahlen und Wähler. Analysen aus Anlass der Bundestagswahl 2009. Wiesbaden: Springer VS. Eurokrise, Economic Voting und der Erfolg der Union 83

Chapter Preview

References
Achen, Christopher. H./Bartels, Larry M. (2004): Musical Chairs. Pocketbook Voting and the Limits of Democratic Accountability. Arbeitspapier präsentiert auf dem Annual Meeting der American Political Science Association, Chicago, 2.-5. September 2004.
Clarke, Harold D./Sanders, David/Stewart, Marianne C./Whiteley, Paul F. (2009): Performance Politics and the British Voter. Cambridge: Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/CBO9780511596872.009
CDU (2013): CDU-Kampagne zur Bundestagswahl 2013. URL: <http://www.cdu.de/regierungsprogramm> (letzter Zugriff am 13.5.2014).
Campbell, Angus/Converse, Philip E./Miller, Warren E./Stokes, Donald E. (1960): The American Voter. New York: Wiley.
Debus, Marc/Stegmaier, Mary/Tosun, Jale (2014): Economic Voting under Coalition Governments. Evidence from Germany. In: Political Science Research and Methods 2 (1), S. 49-67.
Deutsche Bundesbank (2014): Zeitreihen-Datenbanken. URL: http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/zeitreihen_datenbank.html (letzter Zugriff am 8.5.2014).
Downs, Anthony (1957): An Economic Theory of Democracy. New York, NY: Harper and Row.
Eurostat (2014): Statistics. URL: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home (letzter Zugriff am 13.5.2014).
Fiorina, Morris P. (1981): Retrospective Voting in American National Elections. New Haven: Yale University Press.
Forschungsgruppe Wahlen (2014): Politbarometer. Langzeitentwicklung: Wirtschaft und Soziales, Allgemeine Wirtschaftslage. URL: http://www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Politbarometer (letzter Zugriff am 8.5.2014).
Gerber, Alan S./Huber, Gregory A. (2010): Partisanship, Political Control, and Economic Assessments. In: American Journal of Political Science 54 (1), S. 153-173. https://doi.org/10.1111/j.1540-5907.2009.00424.x
Giebler, Heiko/Wagner, Aiko (2014): It’s the responsibility, stupid! Determinanten der individuellen Verantwortlichkeitszuschreibung zwischen Europäischer Union und nationaler Regierung für die wirtschaftliche Lage. In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 8 (2), S. 123-142.
Healy, Andrew/Malhotra, Neil (2013): Retrospective Voting Reconsidered. In: Annual Review of Political Science 16 (1), S. 285-306. https://doi.org/10.1146/annurev-polisci-032211-212920
Healy, Andrew J./Malhotra, Neil/Mo, Cecilia H. (2010): Irrelevant Events Affect Voters’ Evaluations of Government Performance. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 107 (29), S. 12804-12809. https://doi.org/10.1073/pnas.1007420107
Hintze, Martin (2013): Konjunkturlokomotive Deutschland zieht Europa aus der Rezession. In: manager magazin online vom 14.8.2013. URL: <http://www.manager-magazin.de/politik/konjunktur/euro-zone-beendet-rezession-aufschwung-wacklig-a-916565.html> (letzter Zugriff am 13.5.2014).
Kayser, Mark. A./Leininger, Arndt (2013): A Benchmarking Forecast of the 2013 Bundestag Election. URL: http://www.researchgate.net/publication/254147383_A_Benchmarking_Forecast_of_the_2013_Bundestag_Election/file/5046351fb85610a92c.pdf (letzter Zugriff am 4.6.2014).
Kayser, Mark A./Peress, Michael (2012). Benchmarking across Borders: Electoral Accountability and the Necessity of Comparison. In: American Political Science Review 106 (3), S. 661-684.
Kellermann, Charlotte (2008): Trends and Constellations. Klassische Bestimmungsfaktoren des Wahlverhaltens bei den Bundestagswahlen 1990-2005. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft.
Kellermann, Charlotte/Rattinger, Hans (2005): Round up the Usual Suspects. Die Bedeutung klassischer Bestimmungsfaktoren der Wahlentscheidung bei den Bundestagswahlen 1994 bis 2002. In: Gabriel, Oscar W./Weßels, Bernhard/Falter, Jürgen W. (Hrsg.): Wahlen und Wähler. Analysen aus Anlass der Bundestagswahl 2002. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 189-212.
Key, Valdimer Orlando (1966): The Responsible Electorate. Rationality in Presidential Voting, 1936-1960. Cambridge: Belknap Press of Harvard University Press. https://doi.org/10.4159/harvard.9780674497764
Lewis-Beck, Michael S./Stegmaier, Mary (2000): Economic Determinants of Electoral Outcomes. In: Annual Review of Political Science 3 (1), S. 183-219. https://doi.org/10.1146/annurev.polisci.3.1.183
Lewis-Beck, Michael S./Stegmaier, Mary (2007): Economic Models of Voting. In: Dalton, Russell J./Klingemann, Hans-Dieter (Hrsg.): The Oxford Handbook of Political Behavior. Oxford/New York: Oxford University Press, S. 518-537. https://doi.org/10.1093/oxfordhb/9780199270125.003.0027
Mader, Matthias (2014): The German Federal Election, September 2013. In: Electoral Studies 34, S. 353-356. https://doi.org/10.1016/j.electstud.2013.12.004
Mader, Matthias/Schoen, Harald (2015): Chancellor Merkel, the European Debt Crisis and the AfD: An Analysis of Voting Behaviour in the 2013 Federal Election. In: D’Ottavio, Gabriele/Saalfeld, Thomas (Hrsg.): Germany after the 2013 Elections: Breaking the Mould of Post-Unification Politics? Farnham: Ashgate, S. 89-109.
Prantl, Heribert (2013): Die Triumphantin. In: Süddeutsche Zeitung vom 23.9.2013.
Rattinger, Hans/Roßteutscher, Sigrid/Schmitt-Beck, Rüdiger/Weßels, Bernhard/Wolf, Christof (2014): Wahlkampf-Panel (GLES 2013), 20.6.-4.10.2013. Köln: GESIS Datenarchiv. ZA5704 Datenfile Version 2.0.0. Doi:10.4232/1.11934.
Roller, Edeltraud (1998): Positions- und performanzbasierte Sachfragenorientierungen und Wahlentscheidung. Eine theoretische und empirische Analyse aus Anlaß der Bundestagswahl 1994. In: Kaase, Max/Klingemann, Hans-Dieter (Hrsg.): Wahlen und Wähler. Analysen aus Anlaß der Bundestagswahl 1994. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 173-219.
Schmitt-Beck, Rüdiger (2014): Euro-Kritik, Wirtschaftspessimismus und Einwanderungsskepsis. Hintergründe des Beinah-Wahlerfolges der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Bundestagswahl 2013. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen 45 (1), S. 94-112.
Schoen, Harald/Greszki, Robert (2014): A Third Term for a Popular Chancellor. An Analysis of Voting Behaviour in the 2013 German Federal Election. In: German Politics 23 (4), S. 251-267.
Schoen, Harald/Greszki, Robert (2015): Gemeinsames Regieren, getrennte Rechnungen. Bürgerurteile über die Regierung Merkel II und Wahlverhalten 2013. In: Zohlnhöfer, Reimut/Saalfeld, Thomas (Hrsg.): Politik im Schatten der Krise. Eine Bilanz der Regierung Merkel. Wiesbaden: Springer VS, S. 25-48. https://doi.org/10.1007/978-3-658-05213-3_2
Schoen, Harald/Weins, Cornelia (2014): Der sozialpsychologische Ansatz zur Erklärung von Wahlverhalten. In: Falter, Jürgen W./Schoen, Harald (Hrsg.): Handbuch Wahlforschung (2. Aufl.). Wiesbaden: Springer VS, S. 241-329.
Steiner, Nils D./Steinbrecher, Markus (2012): Wirtschaft und Wahlverhalten in Westdeutschland zwischen 1977 und 2007. Wer sind die ökonomischen Wähler? In: Schmitt-Beck, Rüdiger (Hrsg.): Wählen in Deutschland. Sonderheft 45 der Politischen Vierteljahresschrift (PVS). Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 321-344.
Stokes, Donald E. (1963): Spatial Models of Party Competition. In: American Political Science Review 57 (2), S. 368-377. https://doi.org/10.2307/1952828
van der Brug, Wouter (2004): Issue Ownership and Party Choice. In: Electoral Studies 23 (2), S. 209-233. https://doi.org/10.1016/S0261-3794(02)00061-6
Weßels, Bernhard/Schoen, Harald/Gabriel, Oscar W. (Hrsg.) (2013): Wahlen und Wähler. Analysen aus Anlass der Bundestagswahl 2009. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-01328-8_1

Abstract

The volume investigates the relationship between the economy and political behavior as well as attitudes in the light of the economic crisis from different perspectives. The main result indicates that the saying „It’s the economy, stupid!“ has to be refined: there is NO TYPICAL economic voter. Rather, one needs to take into account different combinations of types of voters, economic as well as contextual factors. With regard to political parties and politicians, relevant differences regarding the economy and the related political measures lead to significant variations regarding electoral competition. Especially in the context of the economic crisis, the consequences for both the satisfaction with democracy and social cleavages have to be taken into account. All in all, the different chapters criticize as well as refine the current theory of economic voting.

With contributions by:

Tarik Abou-Chadi, Simon Bauer, Daniela Braun, Thorsten Faas, Heiko Giebler, Sascha Huber, Jürgen Maier, Nicolas Merz, Agatha Rudnik, Carmen Schmidt, Sebastian Schneider, Harald Schoen, Thomas Schübel, Alexander Staudt, Markus Steinbrecher, Nils Steiner, Markus Tausendpfund, Markus Tepe, Aiko Wagner

Zusammenfassung

Dieser Band hinterfragt aus verschiedenen Perspektiven die Beziehung zwischen Ökonomie und politischem Verhalten und Einstellungen vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise. Innovative Analysen einer Vielzahl von Datenquellen ergeben, dass der Satz „It’s the economy, stupid!“ mehrfach differenziert werden muss: DEN ökonomischen Wähler gibt es nicht.

Vielmehr gilt es, verschiedene Kombinationen von Wählertypen, Aspekten der Wirtschaft sowie Kontexten zu berücksichtigen. Auch in Hinblick auf Parteien und Politikern ergeben sich für den Wählerwettbewerb relevante Unterschiede in der Bedeutung von Ökonomie und den damit verbundenen politischen Maßnahmen. Gerade vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise müssen zudem deren Folgen in den Blick genommen werden, sowohl für die Demokratiezufriedenheit als auch für gesellschaftliche Konfliktlinien. In der Summe liefern die Kapitel sowohl Kritik an als auch eine Weitereinwicklung der Theorie des ökonomischen Wählens.

Mit Beiträgen von:

Tarik Abou-Chadi, Simon Bauer, Daniela Braun, Thorsten Faas, Heiko Giebler, Sascha Huber, Jürgen Maier, Nicolas Merz, Agatha Rudnik, Carmen Schmidt, Sebastian Schneider, Harald Schoen, Thomas Schübel, Alexander Staudt, Markus Steinbrecher, Nils Steiner, Markus Tausendpfund, Markus Tepe, Aiko Wagner