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Dieter Ohr, Sünje Paasch-Colberg, Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: Ein Mehrebenenmodell zum Einfluss des politischkommunikativen Kontexts und der moderierenden Wirkung von Individualmerkmalen in:

Thorsten Faas, Cornelia Frank, Harald Schoen (Ed.)

Politische Psychologie, page 390 - 417

PVS Sonderheft 50

1. Edition 2015, ISBN print: 978-3-8487-1360-8, ISBN online: 978-3-8452-5441-8, https://doi.org/10.5771/9783845254418-390

Series: Sonderheft PVS

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385PVS, Sonderheft 50/2015, S. 385–412 Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: Ein Mehrebenenmodell zum Einfluss des politisch-kommunikativen Kontexts und der moderierenden Wirkung von Individualmerkmalen Dieter Ohr/Sünje Paasch-Colberg 1. Einleitung Priming ist in der Politischen Psychologie wie in der Kommunikationswissenschaft zu einem wichtigen und vieluntersuchten Mechanismus der Informationsverarbeitung und kognitiven Wirkung politischer Kommunikation avanciert (Scheufele u. Tewksbury 2007). Als Informationsverarbeitungsphänomen greift Priming generell bei Urteilsbildungen oder Evaluationen und bezeichnet einen kognitionspsychologischen Prozess, durch den die Salienz bestimmter Wissenseinheiten erhöht wird und sich in der Folge die Gewichte relevanter Entscheidungskriterien bei Individuen verschieben (Price u.Tewksbury 1997). Etwas spezifischer bezeichnet der Begriff des im Folgenden untersuchten Medien-Primings solche Priming-Prozesse, die durch Medienberichterstattung ausgelöst werden (Peter 2002, S.22); grundsätzlich wird dabei angenommen, dass die Prominenz von Ereignissen und Themen im politisch-kommunikativen Kontext (speziell in den führenden Leitmedien) bestimmt, welche bestehenden Kognitionen oder Wissenseinheiten in einer Entscheidungssituation in welchem Ausmaß relevant werden. Unser Beitrag konkretisiert Medien-Priming für die Wahlentscheidung in einer deutschen Bundestagswahl, denn empirisch sind Priming- Effekte auf das Wahlverhalten in Mehrparteien-Systemen bisher eher selten empirisch untersucht worden (Sheafer u. Weimann 2005, S.350). Durch die Berichterstattung im Wahlkampf können verschiedene akteurspezifische Überzeugungen ‚geprimt‘ werden, wie die themenspezifische Kompetenz von Parteien oder die Orientierungen gegenüber deren Spitzenkandidaten. Wir untersuchen das sog. Kandidaten-Priming, wonach Kandidatenorientierungen als Folge personalisierter Berichterstattung im Wahlkampf wichtiger für die Wahlentscheidung werden (z. B. Mendelsohn 1996; Schoen 2004, S.324; Dragojlovic 2011). Denn einerseits gibt es zum Kandidaten-Priming im Kontext deutscher Wahlkämpfe bisher noch wenig empirische Evidenz; andererseits gilt dieses als eine empirisch besonders bedeutsame Variante des Primings (Gidengil et al. 2002, S.77). Bemerkenswert ist schließlich die Forschungslücke zum moderierenden Einfluss von Individualmerkmalen auf Priming-Prozesse in der Wahlforschung: Wahrscheinlichkeit und Stärke von Priming-Prozessen werden in der Literatur als von verschiedenen Bedingungen (contingent conditions) abhängig gesehen, etwa dem Politikinteresse, dem Vorwissen über Politik, der Intensität und Dauer der Mediennutzung oder der Aufmerksamkeit, mit der politische Kommunikation wahrgenommen wird; auch komplexere, auf mehrere Indikatoren gründende Konzepte PROZESSE POLITISCHER INFORMATIONSVERARBEITUNG 386 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung wie „political awareness“ (Zaller 1992) oder „need for orientation“ (Matthes 2006) spielen in der Analyse des Primings eine wichtige Rolle als moderierende Größen auf der Individualebene. So unstrittig es ist, dass Priming konditional zu verstehen ist, so wenig eindeutig sind bislang die empirischen Befunde zum Einfluss der genannten Merkmale (z. B. Miller u. Krosnick 1996; Iyengar u. Kinder 2010[1987]). Und besonders in der deutschen Wahlforschung steht die Auseinandersetzung mit der konditionalen Natur politischer Informationsverarbeitung und dem Zusammenspiel von Individualmerkmalen und Wahlverhalten noch weitgehend aus (Schmitt-Beck 2012, S.14-15). Unser Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Zuerst stellen wir den Forschungsstand zum Priming im Allgemeinen und zum Kandidaten-Priming im Speziellen sowie zu ausgewählten Moderatorvariablen der Individualebene dar; zudem wird auf die jüngere theoretische Diskussion von Priming eingegangen. Darauf aufbauend entwickeln wir ein Mehrebenenmodell des Kandidaten-Primings, das drei Variablengruppen enthält: In einem ersten Teil sind dies verschiedene Aspekte der Berichterstattung in Presse und Fernsehen zu den Spitzenkandidaten während des Wahlkampfes, die als kommunikativer (Makro-)Kontext den potentiellen Informationsinput des einzelnen Wählers beschreiben. Der zweite Teil des Gesamtmodells umfasst eine Variante des Michigan-Modells der Wahlentscheidung, darunter die Wahlabsicht, (kürzerfristige) Orientierungen gegenüber Kandidaten und Parteien sowie zuletzt die Parteiidentifikation. Dritter Teil des Modells sind zentrale Individualmerkmale, welche als moderierende Größen einbezogen werden. Datengrundlage unserer Mehrebenenanalysen ist die German Longitudinal Election Study (GLES) zur Bundestagswahl 2009; die ‚Inputseite‘ des Kandidaten-Primings erfassen wir mittels detaillierter Inhaltsanalysen, die für deutsche Qualitätszeitungen und die Bild-Zeitung sowie für die wichtigsten TV-Nachrichtensendungen täglich während der engeren Wahlkampfzeit durchgeführt wurden; für die Analyse der Priming-Prozesse bei den Wählern ziehen wir die Rolling- Cross-Section-Studie der GLES heran, die es uns erlaubt, Priming-Effekte in feiner zeitlicher Differenzierung zu modellieren und gleichzeitig die Einflüsse der wichtigsten „contingent conditions“ systematisch zu testen. 2. Priming: Theorie und Forschungsstand 2.1 Theoretische Modelle des Primings Priming wird in der Literatur häufig als Folgeffekt von individuellem Agenda Setting interpretiert und in theoretischer Hinsicht als dessen Weiterentwicklung verstanden (vgl. z. B. Iyengar et al. 1982; Scheufele 2000); beide Konzepte gelten daher als theoretisch verwandt (Peter 2002). Zwei Perspektiven der theoretischen Erklärung von Priming-Effekten lassen sich unterscheiden (vgl. auch im Folgenden Paasch-Colberg 2014, S.68-87): Häufig wird Priming mithilfe kognitionspsychologischer Modelle erklärt und gilt als ein eher kurzfristiger, kognitiver Zugänglichkeitseffekt, der unbewusst ablaufe. In der neueren Literatur wird dagegen auf Zwei-Prozess-Modelle der Informationsverarbeitung verwiesen, mit denen neben kurzfristigen auch längerfristige und bewusster erfolgende Priming-Prozes- 387 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: se erklärbar seien. Dazu passt die Beobachtung, dass der Salienzbegriff in der Literatur nicht einheitlich definiert ist, sondern mit zwei verschiedenen Bedeutungen in Verbindung gebracht wird: Neben kognitiver Zugänglichkeit wird Salienz auch im Sinne von Wichtigkeit oder Zentralität gebraucht (Eichhorn 1996, S.89-90; Takeshita 2006, S.277). Der ersten Perspektive zuzurechnen ist das Modell von Price und Tewksbury (1997) zur Erklärung von Agenda Setting, Priming und Framing, das in der Priming-Literatur weit verbreitet ist. Die Autoren konzipieren das menschliche Gedächtnis als nicht-hierarchisches Netzwerk von Kognitionen und Affekten; durch externe Stimulierung werde die kognitive Zugänglichkeit und Abrufbarkeit dieser Wissenseinheiten erleichtert. Aufgrund des Netzwerk-Charakters könnten auch benachbarte Wissenseinheiten durch einen Stimulus aktiviert werden (Price u. Tewksbury 1997, S.185-188, 192). Zentral sei schließlich die applicability oder Anwendbarkeit: Ein Stimulus aktiviere nur solche Wissenseinheiten, deren zentrale Eigenschaften mit denen des Stimulus übereinstimmen; für Urteilsbildungen würden nur Wissenseinheiten tatsächlich verwendet, die aktiviert und inhaltlich auf das Urteilsobjekt anwendbar sind (Price u. Tewksbury 1997, S.190, 193).1 Wissenseinheiten könnten temporär zugänglich werden, wenn sie entweder vor kurzem oder wiederholt durch einen anwendbaren Stimulus aktiviert wurden. Einheiten, die stetig aktiviert werden und damit in verschiedenen Subnetzwerken eingebunden sind bzw. eine zentrale Position im Netzwerk aufweisen, seien dagegen chronisch zugänglich (Price u. Tewksbury 1997, S.188-190). Solche chronisch zugänglichen Einheiten gelten auch als „general habits of thinking“ (Price u. Tewksbury 1997, S.199). Das Zugänglichkeitsmodell erfährt auch Kritik: Scheufele hält die Übertragung der Priming-Modelle der Psychologie auf Medien-Priming für problematisch; die Stimuli der psychologischen Priming-Experimente würden der hohen Komplexität von Medienberichterstattung nicht gerecht (Scheufele 2004, S.36-37). Roskos- Ewoldsen et al. kritisieren zudem, dass in den psychologischen Experimenten sehr viel kürzere Zeitspannen untersucht werden als in den Studien zum Medien- Priming (Roskos-Ewoldsen et al. 2002, S.105-106, 108; Roskos-Ewoldsen et al. 2009, S.84). Andere Autoren diskutieren, dass empirisch beobachtbare Priming-Effekte tatsächlich auch Lerneffekte sein könnten: So informiere die Berichterstattung im Wahlkampf über Themen und die Positionen von Parteien und/oder Kandidaten zu diesen Themen; auf diese Weise könne das Wissen der Rezipienten verändert werden: Der Rezipient übernehme die Position der präferierten Partei oder des präferierten Kandidaten und ändere daher seine Bewertung eines Akteurs oder seine Wahlabsicht – nicht aber zwangsläufig aufgrund von Priming (z. B. Lenz 2009, S.822-823; ähnlich auch Jenkins 2002, S.391-392). Mit Verweis auf den uneinheitlichen Forschungsstand zum Einfluss individueller Moderatorvariablen (wie Politikinteresse, Involvierung, Mediennutzung) auf 1 Innerhalb dieses Modells kann Framing als ein applicability-Effekt verstanden werden: Werden durch die Berichterstattung kontinuierlich zwei Konzepte miteinander in Verbindung gebracht, so werden diese auch im Kopf der Rezipienten zunehmend vernetzt (Price u. Tewksbury 1997, S.197-198). 388 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Auftreten und Stärke der Agenda Setting-Effekte wird vor allem in der jüngeren Literatur auch die Ansicht vertreten, dass Priming auf unterschiedlichen kognitiven Prozessen basiere. So plädiert Schemer (2009) für ein integratives Modell von Priming: Mit Verweis auf Zwei-Prozess-Modelle der Informationsverarbeitung nimmt er an, dass Persönlichkeitsmerkmale (Motivation, kognitive Fähigkeit) den Prozess der Informationsaufnahme und -verarbeitung entscheidend beeinflussen. Mediale Informationen würden demnach entweder systematisch oder heuristisch verarbeitet; die daraus resultierenden kognitiven Medienwirkungen wie Priming seien entsprechend unterschiedlich zu interpretieren. Priming-Effekte, die aufgrund aufmerksamer Rezeption und systematischer, aktiver Informationsverarbeitung auftreten, beruhten auf explizitem Wissen und nicht lediglich auf kognitiver Verfügbarkeit; derartiges Priming sei demnach eher als systematischer Lerneffekt einzuordnen. Freilich seien auch Medienwirkungen möglich, die bei heuristischer Verarbeitung gleichsam automatisch aufträten und auf einer Verfügbarkeitsheuristik beruhten (Schemer 2009, S.45-69). Des Weiteren neige ein Teil der Rezipienten vermutlich eher zu heuristischer Mediennutzung, während eine zweite Gruppe die Medieninhalte eher systematisch verarbeite; in beiden Gruppen seien Priming- Effekte zu erwarten, die sich allerdings in ihrem Wesen oder ihrer Qualität unterschieden (Schemer 2009, S.68). Auf derartige Unterschiede verweisen auch die in Abschnitt 2.3 diskutierten Ergebnisse zum moderierenden Einfluss von Individualmerkmalen auf den Priming-Prozess. 2.2 Medien Priming: Empirischer Forschungsstand Grundannahme des Medien-Primings ist, dass eine intensive Berichterstattung die Salienz eines Themas oder Objektes beim Rezipienten erhöht und es in der Folge für Bewertungen oder eine Urteilsbildung wichtiger wird (Roskos-Ewoldsen et al. 2009, S.75; Paasch-Colberg 2014, S.20-21). Priming kann deswegen mit beachtlichen Wirkungen politischer Kommunikation verbunden sein, ohne dass bestehende Einstellungen oder Überzeugungen in ihrer Richtung geändert werden (Mendelsohn 1996, S.113); in Abgrenzung zu persuasiven Medienwirkungen gilt Priming daher als ein kognitiver Medieneffekt (Peter 2002, S.21). Medien-Priming ist empirisch wiederholt nachgewiesen worden und zwar sowohl in kontrollierten Laborexperimenten (z. B. Iyengar et al. 1982; Iyengar et al. 1984; Valentino 1999; Miller u. Krosnick 2000; Valentino et al. 2002; Holbert et al. 2003; McGraw u. Ling 2003; Holbrook u. Hill 2005; Lee 2010) und Feldstudien (z. B. de Vreese 2004; Togeby 2007; van der Brug et al. 2007; Valenzuela 2009; Kim et al. 2010; Smith u. Tolbert 2010) als auch in Zeitreihenanalysen auf der Aggregatebene (z. B. Kepplinger u. Brosius 1990; Willnat u. Zhu 1996; Zeh u. Hagen 1999; Quiring 2003, 2004); dabei fanden sich Priming-Effekte für verschiedene Themen und abhängige Variablen. Auch eine Meta-Analyse von über 60 empirischen Studien zeigt einen signifikant positiven Einfluss des Medien- Stimulus auf Bewertungen und Verhalten (Roskos-Ewoldsen et al. 2007, S.65). Besonders häufig empirisch untersucht ist der Einfluss der Berichterstattung über ein Thema auf die Bewertung von Politikern (v. a. des US-Präsidenten) (Peter 2002). 389 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: Sowohl hinsichtlich der unabhängigen als auch der abhängigen Variablen kann in der jüngeren empirischen Forschung eine Ausdifferenzierung der Forschungsfragen beobachtet werden (Paasch-Colberg 2014, S.29-34): So gibt es inzwischen einige Studien, die Priming-Effekte auf die Wahlentscheidung in Mehrparteien- Systemen empirisch untersuchen. Sheafer und Weimann (2005) demonstrieren für mehrere Knesset-Wahlen Priming-Effekte auf die individuelle Wahlabsicht und das aggregierte Wahlergebnis; eine Reihe anderer Untersuchungen belegt Priming im Kontext kanadischer Unterhauswahlen (Johnston et al. 1992; Mendelsohn 1996; Gidengil et al. 2002; Valenzuela 2009). Priming-Effekte in deutschen Wahlen wurden bisher v. a. auf der Aggregatebene untersucht (Kepplinger u. Brosius 1990; Brosius u. Kepplinger 1992; Zeh u. Hagen 1999; Quiring 2003, 2004), während Studien auf der Individualebene noch selten sind (Schoen 2004; Reinemann et al. 2013; Paasch-Colberg 2014). Andere jüngere Studien widmen sich dem Kandidaten-Priming, indem die Einflüsse der medialen Sichtbarkeit von Politikern beleuchtet werden. Aufgrund zunehmend personalisierter Wahlkampagnen sei Kandidaten-Priming im Wahlkampf in der Regel empirisch bedeutsamer als Issue-Priming (Gidengil et al. 2002, S.78). Mendelsohn vermutet, dass Kandidaten-Priming insbesondere durch Fernsehberichterstattung bewirkt werde, weil Politik im Fernsehen überwiegend episodisch ‚geframt‘ und personalisiert erzählt werde (Mendelsohn 1996, S.113). Für die kanadische Unterhauswahl 1988 kann Mendelsohn empirisch zeigen, dass die Kandidateneigenschaften über die Dauer der Wahlkampagne an Erklärungskraft für die Wahlabsicht gewinnen, während der Einfluss der Parteiidentifikation schwächer wird (Mendelsohn 1996, S.117-118). Auch Gidengil et al. (2002, S.88) können einen solchen Kandidaten-Priming-Effekt für die kanadischen Wahlen 1993 und 1997 empirisch nachweisen. Datengrundlage beider Studien ist eine Rolling-Cross-Section-Befragung. Kritisch anzumerken ist, dass die Autoren keine Medieninhaltsdaten zur Argumentation heranziehen, so dass Medien-Priming- Effekte bei Individuen nur in einem indirekten Sinn geprüft werden. Zum Kandidaten-Priming im Kontext deutscher Wahlkämpfe gibt es bisher nur die empirische Untersuchung von Schoen (2004), die sechs Bundestagswahlen zwischen 1980 und 1998 einschließt: Kandidaten-Priming wird mittels logistischer Regressionen auf die Wahlabsicht zugunsten der SPD bzw. der Union geschätzt. Ein Interaktionsterm aus der Kandidatenpräferenz und einer Zeit-Variablen soll schätzen, ob die Kandidatenorientierung im Verlauf des Wahlkampfes als Entscheidungskriterium an Bedeutung gewinnt. Es ergeben sich einige empirische Hinweise auf eine gestiegene Bedeutung der Kandidatenpräferenz für die Wahlentscheidung im Verlauf des Wahlkampfes (Schoen 2004, S.341). Auch an dieser Studie mag man kritisieren, dass weder Medieninhalte noch die Mediennutzung der Befragten berücksichtigt und somit Medienwirkungen nur indirekt geprüft werden. 2.3 Priming Effekte und Individualmerkmale In der deutschen Wahlforschung werden die konditionale Natur individueller Informationsverarbeitung und besonders der moderierende Einfluss von Individualmerkmalen auf das individuelle Wahlverhalten bisher weitgehend ausgeblendet 390 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung (Schmitt-Beck 2012, S. 14). In der Priming-Forschung existieren dagegen einige theoretische Annahmen über den Einfluss individueller Merkmale; so gelten etwa das Politikinteresse, das Wissen über Politik sowie die Intensität und Aufmerksamkeit der Mediennutzung als wichtige Einflüsse auf Wahrscheinlichkeit und Stärke von individuellen Priming-Effekten. Der empirische Forschungsstand zum Einfluss dieser moderierenden Variablen ist allerdings uneinheitlich, was auch auf die Existenz verschiedener Wirkungsprozesse von Priming hinweisen mag (siehe 2.1). Systematische Forschung zum Zusammenspiel verschiedener Moderatorvariablen liegt bisher so gut wie gar nicht vor (Paasch-Colberg 2014, S.77-82). Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick zum empirischen Forschungsstand (vgl. auch Paasch-Colberg 2014, S.77-82), werden dabei aber nur auf diejenigen Merkmale Bezug nehmen, für die uns in unserer Datenbasis (siehe 3) geeignete Indikatoren zur Verfügung stehen. Die Befunde zum Einfluss der individuellen Mediennutzung auf die Stärke von Priming-Effekten sind widersprüchlich: Während es einerseits empirische Evidenz für einen positiven Moderatoreffekt dieser Variablen gibt (Pan u. Kosicki 1997, S.21), wird andererseits ein negativer moderierender Einfluss der Mediennutzung (Krosnick u. Brannon 1993, S.972) oder kein systematischer Einfluss gefunden (Goidel et al. 1997, S.308). Auch für das Politikinteresse ergibt sich in der Zusammenschau der empirischen Befunde ein uneinheitliches Bild: Einige Studien finden keine Hinweise auf einen Einfluss dieses Merkmals, das allerdings auch auf unterschiedliche Weisen operationalisiert wird (für Politik-Involvierung: Iyengar u. Kinder 2010[1987], S.92-94; für Interesse an der Wahl: Goidel et al. 1997, S.308; für einen Index der Aufmerksamkeit für Politik: van der Brug et al. 2007, S.132-133). Eine andere Studie ergibt, dass Personen mit geringem Politikinteresse die stärksten Priming- Effekte aufweisen (de Vreese 2004, S.56-59). In Anlehnung an Zaller (1992) wird schließlich auch die Hypothese vertreten, dass der Einfluss des Politikinteresses auf den Priming-Effekt nicht-linear sei und sich Medienwirkungen v. a. bei moderatem Interesse zeigten: Die Studie von Dragojlovic kann diese Hypothese für das Merkmal political awareness (Interesse an und Zuwendung zu Politik) empirisch bestätigen (Dragojlovic 2011, S.1000-1002); in der Untersuchung von Valenzuela wird die Annahme eines nicht-linearen Einflusses für zwei der vier Indikatoren von Politik-Involvierung (Wissen über Politik, Diskussionsfreude) gestützt; für den Indikator Politikinteresse ergibt sich dagegen ein negativer Moderatoreffekt (Valenzuela 2009, S.765-766). In der Agenda Setting-Forschung rückten Individualmerkmale und deren Intervention im Agenda Setting-Prozess schon früher in den Fokus (vgl. zusammenfassend Hügel et al. 1992, S.143-144; Rössler 1997, S.163-165); entsprechend ist auch der empirische Forschungsstand deutlich umfassender. Doch obwohl Agenda Setting und Priming in der Literatur sehr einmütig als verwandte kognitionspsychologische Prozesse gelten (Peter 2002, S.21), bauen die zwei Forschungsstränge nicht systematisch auf den Erkenntnissen des jeweils anderen Forschungsprogramms auf (vgl. für diese Kritik auch Paasch-Colberg 2014, S.34); in der Priming-Forschung werden die Befunde zum (moderierenden) Einfluss von Individualmerkmalen im Agenda Setting daher kaum wahrgenommen. 391 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: In der Agenda Setting-Forschung gilt das Orientierungsbedürfnis (need for orientation, NFO) als entscheidendste Randbedingung auf der Individualebene (McCombs 2004, S.53-67), welches die Intensität und die Aufmerksamkeit der Mediennutzung und damit indirekt auch die Wahrscheinlichkeit und Stärke von Agenda Setting-Effekten beeinflusse (Rössler 1997, S.178-181). Ein positiver Einfluss des NFO auf individuelles Priming spreche eher für eine bewusste Informationsverarbeitung und damit gegen das Zugänglichkeitsmodell (Paasch-Colberg 2014, S.79). Theoretisch wird der NFO als ein latentes, zweidimensionales Konstrukt verstanden, das durch die manifesten Konstrukte der Relevanz einer Information und der Unsicherheit gegenüber ihrem Gegenstand bestimmt werde (McCombs u. Weaver 1973, S.4; Weaver 1977, S.109). Relevanz wird in der Forschungspraxis häufig durch das Individualmerkmal Politikinteresse operationalisiert, wobei auf verschiedene Indikatoren zurückgegriffen wird (McCombs u. Weaver 1973, S.6-7; Hügel et al. 1992, S.149; Rössler 1997, S.272-273; Camaj u. Weaver 2013, S.1448). Das zweite Konstrukt der Unsicherheit wird auch durch die (Abwesenheit von) Parteiidentifikation und/oder Wahlabsicht gemessen (McCombs u. Weaver 1973, S.6-7; Weaver 1977, S.112, 118, 171-191; Hügel et al. 1992, S.149; Camaj u. Weaver 2013, S.1448). Diese Operationalisierung ist allerdings als zu pauschal kritisiert worden (Rössler 1997, S.181-182; Matthes 2006, S.427). Eine gängige Typologie differenziert drei Ausprägungen des Orientierungsbedürfnisses, wobei die Relevanz für die Stärke des NFO verglichen mit der Unsicherheit als wichtiger eingeschätzt wird: schwacher NFO bei geringer Relevanz (unabhängig von der Unsicherheit), moderater NFO bei hoher Relevanz und geringer Unsicherheit, starker NFO bei hoher Relevanz und großer Unsicherheit (McCombs u. Weaver 1973, S.4-5; Weaver 1977, S.109; Camaj u. Weaver 2013, S.1448). Neuere Befunde weisen daraufhin, dass die Relevanz für die Stärke des NFO auch empirisch von größerer Bedeutung ist als die Unsicherheit (Matthes 2006, S.439). Für einen positiven Zusammenhang zwischen Orientierungsbedürfnis und Mediennutzung gibt es einige empirische Evidenz (McCombs u. Weaver 1973, S.7; Weaver 1977, S.110-112; Hügel et al. 1992, S.152-153; Rössler 1997, S.302, 312-319; Paasch-Colberg 2014, S.252-258); auch der positive Einfluss auf die Stärke des individuellen Agenda Setting-Effektes konnte wiederholt nachgewiesen werden (McCombs u. Weaver 1973, S.8; Weaver 1977, S.113-114; Rössler 1997, S.312-319; Matthes 2008, S.449). Andere Studien liefern dagegen Hinweise auf einen nicht-linearen bzw. einen negativen Zusammenhang zwischen NFO und Agenda Setting (McLeod et al. 1974, S.154-155; Camaj u. Weaver 2013, S.1453- 1454, 1459). 3. Analyseansatz, Hypothesen und Daten Wenn wir im Folgenden das Kandidaten-Priming empirisch in den Blick nehmen, dann besteht die Grundidee unseres Analyseansatzes darin, am täglichen Informationsinput für die Wähler anzusetzen, zu analysieren, inwieweit sich dieser über die Tage des Wahlkampfes hinweg verändert und sodann zu bestimmen, wie sich 392 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung diese Variation auf die politischen Präferenzen individueller Wähler auswirkt. Dabei sind unsere Indikatoren zum Inhalt der Medienberichterstattung (s. u.) während des Wahlkampfes keine echten Individualmerkmale, sondern Aggregatmerkmale, die für jeden Tag des Wahlkampfes für jeden Befragten denselben Wert annehmen: „The main comparison is (…) between different media environments or information environments“ (Sheafer 2007, S.29). Methodisch gesehen untersuchen wir mithin die Hypothese des Kandidaten-Primings mit einem mehrebenenanalytischen Ansatz – mit den Inhalten der Medienberichterstattung zu den Spitzenpolitikern an jedem Wahlkampftag als kontextuelle Merkmale und den Bewertungen und Präferenzen der Wähler als Individualvariablen. Aufgrund des bisher referierten theoretischen und empirischen Forschungsstandes können die folgenden Erwartungen für die empirischen Analysen abgeleitet werden. Dabei nehmen wir grundsätzlich an, dass im Bundestagswahlkampf 2009 Kandidaten-Priming-Effekte zu beobachten sind. Hypothese 1: Je stärker ein Kandidat in der Medienberichterstattung präsent ist, desto wichtiger wird infolgedessen die Bewertung des Kandidaten als Kriterium der Wahlentscheidung eines Individuums. Darüber hinaus soll auch der Einfluss einiger zentraler Moderatorvariablen auf der Individualebene untersucht werden, um den Prozess, der dem Priming zugrunde liegt, vertiefend charakterisieren zu können. Aufgrund des uneinheitlichen Forschungsstandes können wir dazu nicht immer explizite Hypothesen ableiten. Hinsichtlich des Politikinteresses legt es das RAS-Modell von Zaller (1992) aus theoretischer Sicht nahe, Medienwirkungseffekte, mithin auch Priming-Effekte, nicht-linear zu konzipieren; Priming-Effekte würde man folglich besonders bei mittlerem Politikinteresse erwarten. Empirisch sind die diesbezüglichen Befunde zum Einfluss des Politikinteresses auf den Priming-Prozess freilich eher disparat, was sich auch bei den Studien zeigte, in denen das Politikinteresse den Relevanzaspekt des latenten Orientierungsbedürfnisses (NFO) messen sollte (s. 2.3). Wir formulieren zum Einfluss des Politikinteresses deswegen (lediglich) eine Forschungsfrage: Forschungsfrage 1: Inwiefern modifiziert das Politikinteresse das Kandidaten-Priming? Lassen sich in Abhängigkeit des Politikinteresses unterschiedlich starke Kandidaten-Priming-Effekte nachweisen? Eindeutiger vorhersagbar sind mutmaßliche Moderationseffekte für die Merkmale der Existenz einer Parteiidentifikation (als zweites manifestes Konstrukt des NFO), der Intensität der politischen Mediennutzung und der Aufmerksamkeit der politischen Mediennutzung: So mag man vor dem Hintergrund der empirischen Befunde zum Orientierungsbedürfnis (NFO) im Rahmen der Agenda Setting-Forschung (s. 2.3) die Ausprägung „keine Parteiidentifikation“ als Unsicherheit im Hinblick auf die Wahlentscheidung ansehen, die aus dieser Sicht eine Grundlage für verstärkte Priming-Effekte darstellen sollte. Die gleiche Erwartung ergibt sich aus der Perspektive des Michigan-Modells, denn bei den politisch Unabhängigen rücken fast zwangsläufig die kürzerfristigen Bestimmungsgründe der Wahlentscheidung in den Vordergrund. Insofern sollte die Medienberichterstattung zu den Spitzenkandidaten 393 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: gerade bei politisch nicht gebundenen Wählern auf eine erhöhte Resonanz stoßen. Unsere Erwartung lautet damit: Hypothese 2: Kandidaten-Priming ist dann stärker, wenn keine Parteiidentifikation vorliegt. Was die Intensität der Mediennutzung angeht, so sind die bisher vorliegenden empirischen Befunde nicht eindeutig (vgl. 2.3); dennoch scheint aus theoretischem Blickwinkel nur eine Erwartung plausibel, nämlich die, dass das Priming umso stärker ausfällt, je intensiver Medien wahrgenommen werden. Denn beide Mechanismen des Medien-Primings, Verfügbarkeit und Bedeutsamkeit, setzen ein Mindestmaß an Rezeption der Medien voraus. Dieses Argument gilt dann in gleicher Weise für die Aufmerksamkeit, mit der die Medienberichterstattung verfolgt wird. Als Hypothesen können somit formuliert werden: Hypothese 3a: Bei intensiver Mediennutzung zeigen sich stärkere Kandidaten-Priming-Effekte. Hypothese 3b: Bei aufmerksamer Mediennutzung zeigen sich stärkere Kandidaten-Priming-Effekte. Diese Hypothesen und Forschungsfragen werden mithilfe dreier Datensätze der German Longitudinal Election Study (GLES), die zur Bundestagswahl 2009 erhoben wurden, untersucht und geprüft: die Medieninhaltsanalysen Fernsehen und Print und die Rolling-Cross-Section-Befragung (RCS).2 Die RCS-Befragungen ermöglichen es, für jeden der 60 Tage vom 29. Juli bis zum 26. September eine repräsentative Zufallsauswahl deutscher Wahlberechtigter zu analysieren, wobei die Stichprobengröße an den meisten Tagen rund 100 beträgt; insgesamt wurden 6.008 Interviews vor der Wahl durchgeführt. In der RCS-Befragung wurden alle zentralen Konstrukte des Michigan-Modells mit den Standardfragen der Wahlforschung erhoben (Parteien- und Kandidatenorientierung, Parteiidentifikation, Wahlabsicht); der Fragebogen umfasst zudem einige für die Priming-Forschung relevante Individualmerkmale, welche die Stärke von Priming-Effekten beeinflussen könnten: das Politikinteresse, die Intensität und die Aufmerksamkeit der Mediennutzung zur politischen Information (vgl. GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2013; zu den Deskriptivstatistiken für sämtliche Variablen aus der RCS-Befragung s. Anhang, Tabelle A1; zu den Frageformulierungen s. Anhang). Für jeden der 60 Tage liegt ein identischer Satz an Variablen vor. Dies ist eine we- 2 Die genannten Datensätze tragen die folgenden Kennungen: Rattinger, Hans, Roßteutscher, Sigrid, Schmitt-Beck, Rüdiger, Weßels, Bernhard (2013): Rolling Cross-Section-Wahlkampfstudie mit Nachwahl-Panelwelle (GLES 2009). GESIS Datenarchiv, Köln. ZA5303 Datenfile Version 6.0.0, doi:10.4232/1.11604; Rattinger, Hans, Roßteutscher, Sigrid, Schmitt-Beck, Rüdiger, Weßels, Bernhard (2012): Wahlkampf-Medieninhaltsanalyse, Printmedien (GLES 2009). GESIS Datenarchiv, Köln. ZA5307 Datenfile Version 1.0.0, doi:10.4232/1.11387; Rattinger, Hans, Roßteutscher, Sigrid, Schmitt-Beck, Rüdiger, Weßels, Bernhard (2010): Wahlkampf-Medieninhaltsanalyse, Fernsehen (GLES 2009). GESIS Datenarchiv, Köln. ZA5306 Datenfile Pre-Release1.0 doi:10.4232/1.10366. Die Daten wurden von GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften aufbereitet, dokumentiert und zugänglich gemacht. Die Fernseh-Inhaltsanalyse wurde im Auftrag der GLES von der Göfak Medienforschung GmbH konzipiert und durchgeführt. 394 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung sentliche Voraussetzung für die empirische Analyse von Effekten des Kandidaten- Primings in einem longitudinalen Untersuchungsdesign, da so, auf der Basis vollkommen übereinstimmender Erklärungsmodelle der Wahlentscheidung, geprüft werden kann, in welchem Ausmaß sich die Erklärungsgewichte der Kandidatenorientierungen über die Zeit hinweg verschieben. Für die Fernseh-Inhaltsanalyse wurde über die 91 Tage vor der Bundestagswahl (28. Juni bis 26. September 2009) eine Vollerhebung der Hauptnachrichtensendungen der vier reichweitenstärksten Fernsehsender in Deutschland durchgeführt (ARD Tagesschau, ZDF heute, RTL aktuell, Sat.1 Nachrichten). Im Untersuchungszeitraum wurden 364 Nachrichtensendungen mit insgesamt 4.564 thematisch klassifizierbaren Beiträgen untersucht; 1.395 dieser Beiträge weisen einen Bezug zu deutscher Bundespolitik auf und/oder thematisieren einen deutschen politischen Akteur. Für die folgenden Analysen wird auf diese Beiträge mit Politikbezug zurückgegriffen. Die Inhaltsanalyse der Printmedien erstreckt sich auf den Zeitraum vom 29. Juni bis zum 26. September 2009 und basiert auf einer dreistufigen Stichprobenziehung: Auf Stufe eins wurden die fünf wichtigsten überregionalen Qualitätszeitungen ausgewählt (Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, die tageszeitung) sowie die auflagenstärkste deutsche (Boulevard-)Zeitung (BILD). Auf der zweiten Stufe wurden relevante Ressorts bestimmt: die Titelseite der Zeitung, für die BILD zusätzlich die Seite 2, für die SZ und die FR zusätzlich die Meinungsseite und für die taz die Seite „Meinung & Diskussion“. Untersucht wurden auf der dritten Stufe schließlich alle Artikel, die sich auf deutsche Bundespolitik beziehen oder in denen deutsche bundespolitische Akteure vorkommen (2.323 Artikel) (GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften 2012, S.1-5). Da für die folgenden Analysen nur Fernsehbeiträge mit Politikbezug berücksichtigt werden (siehe oben), können die hier untersuchte Fernseh- sowie die Print-Stichprobe als strukturgleich gelten.3 Die Präsenz oder Thematisierung politischer Akteure wurde in beiden Inhaltsanalysen identisch erfasst: Auf der Ebene der Beiträge bzw. Artikel wurde das Auftreten der Spitzenkandidaten der Bundestagsparteien (in Wort und/oder Bild) verschlüsselt. Auch die Bewertung politischer Akteure wurde in beiden Inhaltsanalysen erhoben: Für jeden Beitrag oder Artikel wurde dazu die Gesamttendenz in Bezug auf die drei erstgenannten politischen Akteure kodiert (GESIS Leibniz- Institut für Sozialwissenschaften 2012, S.41-47; GöfaK Medienforschung GmbH 2010, S.55-60). Kandidaten-Priming werden wir nachfolgend für die beiden Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier untersuchen. Für die empirischen Analysen haben wir die Daten der Inhaltsanalysen auf Tagesebene aggregiert und gleichzeitig die letzten 60 Tage vor dem Wahltag ausgewählt, da die RCS-Befragung genau diesen Zeitraum umfasst; dabei wird zwischen den einzelnen Fernsehsendungen bzw. Tageszeitungen nicht differenziert. Damit ergibt sich als ein Indikator für die Fokussierung auf die Kanzlerkandidaten die Anzahl der Beiträge bzw. Artikel pro Tag, in denen der Kandidat in Wort und/oder Bild (an erster bis 3 Zu den Reliabilitäten der TV- und der Print-Inhaltsanalysen vgl. GöfaK Medienforschung GmbH (2010, S.7-26) und GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (2012, S.6-20). 395 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: dritter Stelle) thematisiert wird. Gleiches wurde für die Bewertungen vorgenommen: Pro Tag und Kandidat wurde die Anzahl positiver und die Anzahl negativer Beiträge/Artikel berechnet. Wir haben bewusst darauf verzichtet, innerhalb der Mediengattungen, also zwischen einzelnen Zeitungen oder zwischen einzelnen TV-Nachrichtensendungen, zu differenzieren, da es bei Medien-Priming zuallererst um die (mediale) Sichtbarkeit von Akteuren geht. Für die bloße Sichtbarkeit dürften aber, anders als bei anderen möglichen Medienwirkungen, Eigenschaften der Kommunikationsquelle wie etwa deren Glaubwürdigkeit nur eine untergeordnete Rolle spielen, weswegen eine separate Analyse einzelner Medien aus diesem Blickwinkel nicht sinnvoll erscheint.4 4. Empirische Analysen 4.1 Wahlabsicht, Kandidatenbewertung und Medienpräsenz der Kandidaten In diesem Abschnitt wird Kandidaten-Priming im Wahlkampf 2009 empirisch geprüft; angenommen wird, dass eine zunehmende mediale Sichtbarkeit der Kandidaten im Wahlkampfverlauf die Einstellungen zu diesen Kandidaten (also die Kandidatenorientierungen) für die individuelle Wahlentscheidung wichtiger werden lässt. Je mehr Angela Merkel bzw. Frank-Walter Steinmeier in der Medienberichterstattung präsent sind, desto wichtiger sollte deren Bewertung im Elektorat als Kriterium der Wahlentscheidung zugunsten der CDU/CSU bzw. SPD werden (Hypothese 1). Bezugsrahmen unserer Analysen ist eine Variante des Michigan-Modells der Wahlentscheidung, das drei Erklärungsfaktoren der Wahlentscheidung enthält: Parteienorientierungen und Kandidatenorientierungen als eher kürzerfristige, summarische Bewertungen und die Parteiidentifikation als längerfristig-stabile, emotional grundierte Bindung an eine Partei (Campbell et al. 1960). Die Parteienund Kandidatenorientierungen sollen dabei alle relevanten kurzfristigen Wahrnehmungen und Bewertungen von Parteien und Spitzenkandidaten erfassen, darunter etwa Kompetenzeinschätzungen der beiden Akteursgruppen in der Wählerschaft. Mit Blick auf potentiell als Moderatorvariablen für die Stärke des Kandidaten-Primings wirkende Individualmerkmale führen wir für das Politikinteresse, die Existenz einer Parteiidentifikation, die Intensität der politischen Mediennutzung und die Aufmerksamkeit bei der politischen Mediennutzung Tests durch (Forschungsfrage 1, Hypothesen 2, 3a, 3b). Operationalisiert werden die Parteienorientierungen mittels der Skalometer- Bewertung der Parteien, in gleicher Weise die Kandidatenorientierungen über die Skalometer-Bewertung der Kanzlerkandidaten; für die Parteiidentifikation verwenden wir die Standardfrage der deutschen Wahlforschung und bilden daraus zwei 0-1-kodierte Variablen (Parteiidentifikation zu CDU oder CSU bzw. zur SPD, Referenzgruppe sind politisch Unabhängige sowie die an eine kleinere Partei Ge- 4 Die fehlenden Werte in den Zeitreihen der Tageszeitungen (Sonntage) wurden jeweils ersetzt. In Anlehnung an Krause und Fretwurst (2007, S.179) haben wir eine Imputation angewandt, bei der fehlende Werte mit einer Zufallsvariable ersetzt werden, die den Mittelwert und die Standardabweichung der umliegenden sechs Werte einschließt. 396 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung bundenen). Damit entspricht unsere Konkretisierung des Michigan-Modells – Parteiidentifikation als längerfristige Größe, Parteien- und Kandidatenorientierungen als kürzerfristige Erklärungsfaktoren – sowohl konzeptuell als auch operational fast exakt derjenigen von Schoen (2004). Das Politikinteresse erfassen wir mittels eines additiven Indexes, bestehend aus dem allgemeinen Interesse an Politik und dem Interesse am Wahlkampf; für die individuelle Mediennutzung verwenden wir einen additiven Index, der das Verfolgen der TV-Nachrichten und die Lektüre der Tageszeitung kombiniert; die Aufmerksamkeit wird ebenfalls über einen additiven Index operationalisiert, in dem die Aufmerksamkeit den TV-Nachrichten gegenüber und die Aufmerksamkeit bei der Zeitungslektüre zusammengefasst werden (zu den Details der Kodierung vgl. die Legenden der Tabellen 1, 3a bis 3c, Fußnote 7). Abbildung 1 zeigt die Entwicklungen unserer beiden abhängigen Variablen, der Wahlabsicht für die CDU/CSU und für die SPD, während des Wahlkampfes,5 Abbildung 2 die Bewertungen der beiden Kanzlerkandidaten in der Wählerschaft, an deren Einfluss auf die Wahlabsicht über die Tage des Wahlkampfes hinweg wir etwaige Effekte des Kandidaten-Primings festmachen (gleitende Durchschnitte in beiden Abbildungen, Stützbereich jeweils drei Tage). Abbildung 1: Wahlabsicht CDU/CSU und SPD während des Wahlkampfes 5 Die Unentschlossenen („weiß nicht“ bei der Wahlabsichtsfrage) sind einbezogen; deren Anteil liegt im Mittel der Tage bei rund 30 Prozent und wird mit dem nahenden Wahltag nicht systematisch kleiner. Sollte die Validität der Wahlabsichtsfrage mit der Nähe zum Wahltag steigen, so würde dies grundsätzlich zur Folge haben, dass sich die Effekte der erklärenden Variablen (etwaige Priming-Effekte eingeschlossen) genauer schätzen lassen (King et al. 1994, S.163; s. auch Schoen 2004, S.328). 397 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: Abbildung 2: Gesamtbewertung Merkel und Steinmeier während des Wahlkampfes Die zentrale erklärende Größe für das Kandidaten-Priming ist die Präsenz der Kandidaten in der Medienberichterstattung im Wahlkampfverlauf. Wir unterscheiden drei Varianten dieser Präsenz: erstens das Auftreten der Kandidaten in den Fernsehnachrichten, zweitens in der Berichterstattung der Tageszeitungen und schließlich drittens beide Präsenzformen zusammengenommen, die in der Summe einen guten Schätzer für den massenmedialen Gesamtinput eines Wahlkampftages darstellen. In den Abbildungen 3a und 3b ist für Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier angegeben, wie häufig beide Kandidaten an jedem Tag des Untersuchungszeitraums in der medialen Berichterstattung vorkommen. Dabei fällt zweierlei auf: Zum einen ist das Niveau der Medienpräsenz in Fernsehen und Presse bei der Amtsinhaberin – wie zu erwarten – deutlich höher; sie erscheint an mehreren Tagen mehr als 15-mal, an einigen Tagen sogar mehr als 20-mal, während ihr Konkurrent an den meisten Tagen nur auf einstellige Häufigkeiten kommt. Zum anderen steigert sich die Medienpräsenz bei Angela Merkel noch einmal zum Wahltag hin; bei Frank-Walter Steinmeier lässt sich hingegen keine solche Zunahme feststellen. Ließe sich nun für Angela Merkel zeigen, dass ihre Bewertung unter den Wählern umso wichtiger für die Wahlentscheidung wird, je näher die Wahl rückt, so könnte das Muster in Abbildung 3a eine empirische Basis für einen möglichen Priming-Effekt darstellen: Eine zum Wahltag hin stärkere Hervorhebung der Politikerin fände ihre Entsprechung in einem wachsenden Gewicht ihrer Bewertung für die Parteienwahl. 398 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Abbildung 3a: Präsenz Merkel in Presse und Fernsehnachrichten Abbildung 3b: Präsenz Steinmeier in Presse und Fernsehnachrichten Anmerkung: In beiden Abbildungen ist für das Fernsehen und die Presse zusammengenommen die Anzahl der Beiträge bzw. Artikel pro Tag wiedergegeben, in denen der Kandidat/die Kandidatin thema tisiert wird; Anpassungslinie: Loess (Epanechnikov). 4.2 Multilevel Analysen von Priming Effekten im Bundestagswahlkampf 2009 Die Schätzungen der Multilevel-Modelle wurden mit HLM (6.02) durchgeführt. Tabelle 1 dokumentiert die beiden Ausgangsmodelle für die Wahlabsicht zugunsten von CDU/CSU bzw. SPD. Dabei enthält der obere Teil der Tabelle die (mittleren) Effekte von Parteienorientierungen, Kandidatenorientierungen und Partei- 399 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: identifikation über alle Wahlkampftage, während im unteren Teil der Tabelle die Varianzkomponenten darüber informieren, in welchem Maß die Effekte der Erklärungsgrößen über die knapp zwei Monate des Wahlkampfes hinweg variieren. Alle drei Bestimmungsgrößen der Wahlabsicht haben die erwarteten Effekte: So macht eine Parteiidentifikation für die SPD die Wahl dieser Partei wahrscheinlicher, gleiches gilt für eine positive Bewertung der SPD und eine positive Bewertung Frank-Walter Steinmeiers; umgekehrt senken eine Parteiidentifikation für die Union, eine positive Bewertung von CDU/CSU und von Angela Merkel die Wahrscheinlichkeit, SPD zu wählen. Die einzige Ausnahme bildet die Bewertung des Herausforderers, die keinen signifikanten (negativen) Einfluss auf die CDU-Wahl hat.6 Tabelle 1: Erklärung der Parteienwahl, Basismodelle Wahlabsicht CDU/CSU Wahlabsicht SPD Interzept -3,007*** -3,197*** Bewertung CDU/CSU 0,353*** -0,103*** Bewertung SPD -0,089*** 0,386*** Bewertung Merkel 0,276*** -0,071** Bewertung Steinmeier 0,022 0,248*** PID CDU/CSU 1,818*** -0,901*** PID SPD -0,735*** 2,053*** Varianzkomponenten d.f. d.f. u0 0,159 ** 58 0,067 58 Bewertung CDU/CSU 0,010 58 0,001 58 Bewertung SPD 0,001 58 0,019 58 Bewertung Merkel 0,021** 58 0,008 58 Bewertung Steinmeier 0,003 58 0,031* 58 PID CDU/CSU 0,117 58 0,089 58 PID SPD 0,378 58 0,130 58 N 4912 4912 Anmerkung: Eigene Berechnungen; ***: signifikant, ≤ 0,01; **: signifikant, ≤ 0,05; *: signifikant, ≤ 0,10; Binäre logistische Multilevel Regression; eingetragen ist im oberen Teil der Tabelle jeweils der logistische Regressionskoeffizient, im unteren Teil die geschätzte Varianz dieser Koeffizienten über die 59 Tage hinweg; Antwortkategorien und Kodierung Wahlabsicht CDU/CSU: 1 „CDU oder CSU als Partei genannt“, 0 „andere Partei wird bei Wahlabsicht ge nannt“ oder Angabe von „weiß nicht“ (zur Wahlabsichtsfrage hinzugefügt haben wir die sehr kleine Zahl der Briefwahlangaben); Wahlabsicht SPD analog; Bewertung CDU/CSU: 5 „halte überhaupt nichts von der Partei“, 5 „halte sehr viel von der Partei“; Bewertung SPD analog; Bewertung Angela Merkel: 5 „halte über haupt nichts von der Politikerin“, 5 „halte sehr viel von der Politikerin“; Bewertung Frank-Walter Steinmeier analog; PID CDU/CSU: 1 „CDU oder CSU als Identifikations Partei genannt“, 0 „andere Partei genannt“ oder „keine Parteiidentifikation“ oder Angabe von „weiß nicht“; PID SPD analog; Referenzgruppe: Befragte ohne Parteiidentifikation oder mit Identifikation zu einer kleineren Partei oder mit Angabe von „weiß nicht“. 6 Nicht in das Erklärungsmodell aufgenommen wurden Indikatoren für die Zugehörigkeit zu sozialen Großgruppen wie etwa die Konfession oder die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Solche Merkmale spielen nach wie vor eine Rolle für das Wahlverhalten, doch beeinflussen diese, in dem Sinne eines „funnel of causality“ (Campbell et al. 1960), das Wahlverhalten in erster Linie indirekt, über intervenierende und der Wahlabsicht unmittelbar vorgelagerte Größen wie die Parteienund Kandidatenorientierungen. Insofern dürften wir die wesentlichen direkten Effekte auf die Wahlabsicht modelliert haben. 400 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Die Varianzen speziell der Effekte der Kandidatenorientierungen haben besondere Relevanz für das Testen von Priming-Effekten: Denn nur wenn die Effekte der Kandidatenorientierungen sich über die Wahlkampfzeit hinweg verändern, gibt es empirischen Spielraum für das Kandidaten-Priming. Wie Tabelle 1 zeigt, existiert dieser Spielraum: So ist die Varianzkomponente für den Effekt der Bewertung Angela Merkels (Wahlabsicht CDU/CSU) auf dem 5-Prozent-Niveau signifikant von null verschieden, die entsprechende Varianz bei Frank-Walter Steinmeier (Wahlabsicht SPD) immerhin noch auf dem 10-Prozent-Niveau. Wenn wir annehmen, dass der Kommunikationsinput eines Wahlkampftages Einfluss auf die Kriterien der Wahlentscheidung nehmen kann, dann braucht es eine gewisse Zeit, bis Individuen diese Information aufnehmen und verarbeiten. Dies gilt sowohl für die direkte Mediennutzung während des Wahlkampfes als auch für die interpersonale Kommunikation im Anschluss an eine Nachrichtensendung oder die Lektüre eines Zeitungsartikels. Welche konkrete Zeitspanne den Prozess des Medien-Primings am besten beschreibt, lässt sich kaum im Lichte der Literatur beantworten, da es zur Frage des Wirkungsintervalls zum einen noch keine systematische Untersuchung gibt und zum anderen die Ergebnisse nicht eindeutig sind (Arendt 2013, S.348; Roskos-Ewoldsen et al. 2009, S.81). Auch die Meta-Analyse von Roskos-Ewoldsen et al. liefert diesbezüglich keine eindeutigen Hinweise (Roskos-Ewoldsen et al. 2007, S.71; Paasch-Colberg 2014, S.75-76). Die richtige Wahl des Time-Lags ist wichtig, weil eine zu kurze Zeitspanne nur einen Teil des Wirkungsprozesses erfassen und so die Gesamtwirkung unterschätzen würde; eine zu lange Spanne würde ebenfalls eine Unterschätzung des Priming-Effekts bedeuten, weil der Medienimpuls dann bereits wieder verblasst sein könnte. In der empirischen Literatur zum Medien-Priming finden sich Studien ohne Zeitverzögerung als auch solche mit Time-Lags von einigen Wochen. Wir haben in den nachfolgenden Analysen sämtliche Medienvariablen mit einem Time-Lag von einem Tag in die Analyse einbezogen. Die Wahl dieser Wirkungsspanne dürfte mit Blick auf die beiden theoretischen Wirkungsmechanismen des Primings, der Verfügbarkeit und der Bedeutsamkeit, einigermaßen neutral sein – nicht zu kurz, sodass die Verfügbarkeitsannahme begünstigt würde und nicht zu lang, sodass die Bedeutsamkeitshypothese bevorteilt würde. Zudem dürften damit auch noch Gespräche im persönlichen Umfeld, die an die Medienrezeption anknüpfen, in den Priming-Prozess einfließen. Durch diese Festlegung des Time-Lags um einen Tag reduziert sich die Anzahl der Tage bei den inhaltsanalytischen Daten und der RCS-Befragung auf 59; mit dem 29. Juli 2009 fällt der erste Tag der RCS-Befragung weg, der mit nur 22 Befragten den deutlich kleinsten Stichprobenumfang aufweist. Bereits am zweiten Erhebungstag umfasst die Stichprobe 31 Befragte, um sich danach sehr schnell einem täglichen Umfang von rund 100 Befragten anzunähern. Getestet wurde, ob sich bei der Erklärung der CDU/CSU-Wahl gemäß Hypothese 1 ein Priming-Effekt für die Bewertung Angela Merkels finden lässt und dem entsprechend, ob Priming bei der SPD-Wahl für die Bewertung Steinmeiers nachweisbar ist: Je höher die Präsenz Angela Merkels in der Medienberichterstattung (des Vortages), desto stärker sollte ihre Bewertung in der Wählerschaft Eingang in die Wahlentscheidung finden. Gleiches wird für die Medienpräsenz Frank-Walter Steinmeiers und für den Effekt seiner Wählerbewertung auf die Parteienwahl er- 401 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: wartet. Methodisch gesehen handelt es sich dabei um einen Cross Level-Interaktionseffekt, der den Kontext der Medienberichterstattung einerseits und die Bewertung des jeweiligen Kandidaten andererseits einschließt. Tabelle 2 weist sämtliche Interaktionseffekte aus. Für die Medienpräsenz Angela Merkels insgesamt (TV und Presse) sowie für ihre Präsenz in der Presseberichterstattung finden wir jeweils signifikante, den Einfluss der Wählerbewertung Merkels verstärkende Effekte. Damit zeigt sich ein erster systematischer Hinweis auf relevante Effekte des Kandidaten-Primings, wenn auch durchgängig nur für die Amtsinhaberin. Gleichzeitig haben wir getestet, ob sich die Bewertung Merkels in ihrem Einfluss mit der Nähe zum Wahltag systematisch verändert, indem wir (alternativ) eine Zeitvariable als eine die Merkel-Bewertung moderierende Größe einbezogen haben. Der entsprechende Interaktionseffekt ließ sich allerdings nicht statistisch absichern. Tabelle 2: Effekte des Kandidaten-Primings β Bewertung Merkel β Bewertung Steinmeier TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,005**(1) -0,000 TV Merkel bzw. Steinmeier 0,004 0,005 Merkel bzw. Steinmeier, negativ -0,029** -0,035 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,006** -0,002 Merkel bzw. Steinmeier, negativ 0,000 -0,005 N 4912 4912 Anmerkung: Eigene Berechnungen; ***: signifikant, ≤ 0,01; **: signifikant, ≤ 0,05; *: signifikant, ≤ 0,10; Binäre logistische Multilevel Regression; eingetragen ist jeweils der logistische Regressionskoeffizient, der den Effekt der betreffenden Medienvariablen auf den Einfluss angibt, den die Bewertung Angela Merkels bzw. Frank Walter Steinmeiers auf die Wahl von CDU/CSU bzw. SPD ausübt. (1) Lesehilfe: Jede (weitere) Nennung Angela Merkels in Fernsehen oder Presse verstärkt den Effekt der Bewertung Angela Merkels auf die Logits der Wahl von CDU/CSU um 0,005 Einheiten. Dieser verstär kende Effekt ist auf dem 5 Prozent Niveau signifikant (zweiseitiger Test). Der Priming-Hypothese entgegen steht der negative Moderationseffekt bei den negativen Bewertungen Angela Merkels in der TV-Berichterstattung (-0,029), was inhaltlich gerade eine die Wählerbewertung Merkels abschwächende Wirkung bedeuten würde. Wir haben keine substantielle Erklärung für diesen Effekt und tendieren dazu, ihm keine große Bedeutung zuzumessen, ist er doch unter allen durchgeführten Schätzungen für sämtliche Wähler und für Teilgruppen der einzige Effekt mit dem ‚falschen‘ Vorzeichen. Im Folgenden dokumentieren wir, ob und in welchem Maß Priming-Effekte eine Änderung erfahren, wenn als eine (zusätzliche) Bedingung das Politikinteresse, die Existenz einer Parteiidentifikation, die Intensität oder die Aufmerksamkeit bei der Mediennutzung eingeführt wird. Für das Politikinteresse haben wir lediglich eine Forschungsfrage formuliert, da die bisherigen empirischen Befunde nicht 402 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung einheitlich sind. Folgt man Zaller (1992) und seinen theoretischen Überlegungen im Rahmen des RAS-Modells, dann sollte Priming am ehesten bei mittlerem Politikinteresse vorkommen. Im Einklang mit der Folgerung aus dem RAS-Modell ist der Befund, wonach bei schwachem Politikinteresse Kandidaten-Priming überhaupt nicht anzutreffen ist, dies sowohl für Merkel als auch für Steinmeier (Tabelle 3a). Signifikante Priming-Effekte finden sich für Angela Merkel in der Gruppe derjenigen mit mittlerem Politikinteresse, dabei für die mediale Berichterstattung insgesamt (TV und Presse) sowie für das Fernsehen. Freilich zeigt sich auch bei starkem Politikinteresse ein signifikanter Interaktionseffekt für die Hervorhebung Merkels in der Presseberichterstattung. Insgesamt entspricht damit das Effektmuster für die Moderatorvariable des Politikinteresses mit Einschränkungen dem theoretisch begründeten, nicht-linearen Muster des RAS-Modells. Sowohl im Lichte eines höheren Orientierungsbedürfnisses, falls eine Parteiidentifikation nicht vorliegt, als auch aus Sicht des Michigan-Modells wird man stärkere Priming-Effekte dann erwarten, wenn keine Parteiidentifikation vorliegt (Hypothese 2). Für beide Perspektiven zeigen sich empirische Belege in unseren Ergebnissen (Tabelle 3b): Signifikante Priming-Effekte gibt es (hinsichtlich der Bewertung Merkels) durchgängig nur bei den politisch nicht Gebundenen, und dies jeweils für die Medienberichterstattung insgesamt, die Berichterstattung des Fernsehens und die der Presse. Keine eindeutigen Hinweise auf einen das Priming moderierenden Effekt finden wir für die Intensität der Mediennutzung während des Wahlkampfes (Hypothese 3a). Immerhin sind bei intensiver Medienrezeption alle drei Merkel-Variablen fast auf dem 10-Prozent-Niveau signifikant (ohne Tabelle). Da wir für unsere Priming- Hypothese verstärkende Interaktionseffekte erwarten und somit eine gerichtete Hypothese testen, mag man den zweiseitigen Test als einen im statistischen Sinn konservativen Test ansehen. Insofern liefert das empirische Muster für die individuelle Mediennutzung einen schwachen Hinweis auf dessen moderierende Wirkung im Einklang mit den theoretischen Erwartungen.7 Überzeugender entsprechen den Erwartungen (Hypothese 3b) hingegen die Befunde für die Aufmerksamkeit bei der Rezeption von TV-Nachrichten und dem Lesen der Tageszeitung (Tabelle 3c): Bei einer überdurchschnittlichen Aufmerksamkeit bei der Medienrezeption erfährt der Effekt der Merkel-Bewertung durch die Präsenz von Angela Merkel in Fernsehen und Presse eine Verstärkung im Sinne der Priming-Annahme; ebenso zeigt sich dieser Verstärkungseffekt für die Präsenz in der Presseberichterstattung. 7 Die Rezeption der Medienberichterstattung erfassen wir über einen additiven Index, bestehend aus den Indikatoren Rezeption ARD-Nachrichten, ZDF-Nachrichten und dem Lesen der Tageszeitung (zu den Frageformulierungen s. den Anhang). Kodiert haben wir wie folgt: 0 „an keinem Tag Rezeption“, 7 „an sieben Tagen Rezeption“; für die konditionale Analyse haben wir unterschieden in „niedrige“ Intensität der Rezeption (≤ 2,78 Tage = Mittelwert) und „hohe“ Intensität (> 2,78 Tage). 403 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: Tabelle 3a: Kandidaten-Priming und Politikinteresse β Bewertung Merkel β Bewertung Steinmeier Politikinteresse schwach TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,002 -0,003 TV Merkel bzw. Steinmeier -0,002 0,010 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,004 -0,007 N 1081 1081 Politikinteresse mittel TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,007* 0,009 TV Merkel bzw. Steinmeier 0,018** 0,013 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,004 0,009 N 1174 1174 Politikinteresse stark TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,005 -0,005 TV Merkel bzw. Steinmeier -0,000 -0,002 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,007* -0,007 N 2657 2657 Anmerkung: Eigene Berechnungen; ***: signifikant, ≤ 0,01; **: signifikant, ≤ 0,05; *: signifikant, ≤ 0,10; Binäre logistische Multilevel Regression; eingetragen ist jeweils der logistische Regressionskoeffizient, der den Effekt der betreffenden Medienvariablen auf den Einfluss angibt, den die Bewertung Angela Merkels bzw. Frank Walter Steinmeiers auf die Wahl von CDU/CSU bzw. SPD ausübt; Politikinteresse: Additiver Index aus den beiden Indikatoren des allgemeinen Politikinteresses und des Interesses am Wahlkampf (zu den Frageformulierungen s. den Anhang); 0 „überhaupt kein Politikinteresse“, 4 „sehr starkes Politikinteresse“; < 2 = „schwach“, 2 = „mittel“, > 2 = „stark“. 404 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Tabelle 3b: Kandidaten-Priming und Parteiidentifikation β Bewertung Merkel β Bewertung Steinmeier Keine Parteiidentifikation (1) TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,012** -0,004 TV Merkel bzw. Steinmeier 0,018* -0,010 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,011** -0,003 N 1446 1446 Parteiidentifikation (1) TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,002 0,001 TV Merkel bzw. Steinmeier -0,002 0,006 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,004 -0,001 N 3466 3466 Anmerkung: Eigene Berechnungen; ***: signifikant, ≤ 0,01; **: signifikant, ≤ 0,05; *: signifikant, ≤ 0,10; Binäre logistische Multilevel Regression; eingetragen ist jeweils der logistische Regressionskoeffizient, der den Effekt der betreffenden Medienvariablen auf den Einfluss angibt, den die Bewertung Angela Merkels bzw. Frank Walter Steinmeiers auf die Wahl von CDU/CSU bzw. SPD ausübt; (1) Bei den Modellen für Befragte ohne Parteiidentifikation wurden nur die Parteien und die Kandida tenbewertungen als erklärende Variablen einbezogen; bei den Modellen für Befragte mit Parteiidenti fikation wurde für die Parteibindung zur CDU/CSU und zur SPD kontrolliert. 405 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: Tabelle 3c: Kandidaten-Priming und Aufmerksamkeit bei der Medienrezeption β Bewertung Merkel β Bewertung Steinmeier Aufmerksamkeit bei Medienrezeption niedrig TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,002 0,006 TV Merkel bzw. Steinmeier 0,002 0,002 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,002 0,008 N 2124 2124 Aufmerksamkeit bei Medienrezeption hoch TV und Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,008** -0,005 TV Merkel bzw. Steinmeier 0,009 0,004 Presse Merkel bzw. Steinmeier 0,009** -0,009 N 2645 2645 Anmerkung: Eigene Berechnungen; ***: signifikant, ≤ 0,01; **: signifikant, ≤ 0,05; *: signifikant, ≤ 0,10; Binäre logistische Multilevel Regression; eingetragen ist jeweils der logistische Regressionskoeffizient, der den Effekt der betreffenden Medienvariablen auf den Einfluss angibt, den die Bewertung Angela Merkels bzw. Frank Walter Steinmeiers auf die Wahl von CDU/CSU bzw. SPD ausübt; Aufmerksamkeit bei Medienrezeption: Additiver Index aus beiden Indikatoren Aufmerksamkeit bei Re zeption der TV Nachrichten und Aufmerksamkeit beim Lesen der Tageszeitung (0 „überhaupt nicht auf merksam“, 3 „sehr aufmerksam“; zu den Frageformulierungen s. den Anhang); für die konditionale Ana lyse haben wir unterschieden in „niedrige“ (≤ 1,68 = Mittelwert) und „hohe“ Aufmerksamkeit (> 1,68). 5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung Priming kann als ein genereller Mechanismus der Informationsverarbeitung und Urteilsbildung verstanden werden, der sich prinzipiell auf jedes denkbare Urteilsobjekt beziehen kann und (insbesondere im Kontext moderner Demokratien und Wahlkämpfe) in erster Linie durch massenmediale Inhalte ausgelöst werden dürfte. Dieser Beitrag widmet sich spezifisch dem Kandidaten-Priming im Wahlkampf, das v. a. für deutsche Wahlen bisher so gut wie nicht untersucht wurde. Mit dem moderierenden Einfluss von Individualmerkmalen wird zudem eine zweite Forschungslücke der (deutschen) Wahlforschung in den Blick genommen. Wie die Zusammenschau der entsprechenden kommunikationswissenschaftlichen Befunde zeigt, ist der Forschungsstand zur Konditionalität von Priming-Effekten recht uneinheitlich. Mit der aktuellen Diskussion des theoretischen Verständnisses von Priming sind die widersprüchlichen Befunde allerdings gut vereinbar, wird doch in der jüngeren Literatur das Priming als ein Effekt aufgefasst, der auf zwei verschiedenen Informationsverarbeitungsprozessen beruhen und entweder als kognitiver Zugänglichkeitseffekt oder als systematischer Lerneffekt verstanden werden kann. 406 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung In der empirischen Analyse dieses Beitrags wurde Kandidaten-Priming im deutschen Bundestagswahlkampf 2009 geprüft und empirisch nachgewiesen. Unsere Analyse geht über bisherige empirische Arbeiten zum Kandidaten-Priming im Wahlkampf (Mendelsohn 1996; Gidengil 2002 et al; Schoen 2004) insofern hinaus, als dass explizit die Inhalte der Medienberichterstattung im Wahlkampf einbezogen wurden. Während Priming-Analysen ohne Daten zur Medienberichterstattung nur indirekte Rückschlüsse auf Priming-Effekte erlauben, konnten wir direkt prüfen, ob Veränderungen in der medialen Präsenz von Spitzenkandidaten Veränderungen im Gewicht von Kandidatenorientierungen für die Wahlentscheidung der einzelnen Wähler nach sich ziehen. Die Ergebnisse zeigen, dass es im Wahlkampf 2009 Kandidaten-Priming gab, das auf Medieninhalte zurückzuführen ist. Die Tatsache, dass wir Priming-Effekte nur für die Amtsinhaberin, nicht aber für den Herausforderer gefunden haben, mag darauf hindeuten, dass Priming erst ab einem bestimmten Niveau der Medienpräsenz erfolgt (vgl. die Abbildungen 3a und 3b). Hinsichtlich der drei verschiedenen Medieninhaltsvariablen (Präsenz der Kandidaten in der Presse, den Fernsehnachrichten und in beiden Medien zusammen) sind die Befunde für die gesamte Stichprobe sehr plausibel: Für die CDU/CSU- Wahlabsicht und die Bewertung Angela Merkels zeigt sich ein signifikant positiver Priming-Effekt für ihre Präsenz in der Presse sowie in beiden Medien zusammengenommen, nicht aber für ihre Präsenz allein im Fernsehen. Dieses Ergebnis widerspricht zwar der Annahme Mendelsohns (1996), nach der Kandidaten-Priming v. a. durch die stärker personalisierte Fernsehberichterstattung zu erwarten sei (vgl. 2.2). Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Selektions- und Präsentationslogik von Presse und Fernsehen erscheint uns das Ergebnis aber gerade einleuchtend: Im Wahlkampf ist eine zunehmende Personalisierung der Fernsehnachrichten wenig wahrscheinlich, weil das Fernsehen generell stark auf Politiker fokussiert; in der Presseberichterstattung ist dagegen durchaus ein gewisser Spielraum für Personalisierung im Wahlkampfverlauf vorhanden. Des Weiteren haben wir für einige wichtige Individualmerkmale untersucht, in welchem Maß diese die Wirkung des medialen Kontextes zu den Spitzenkandidaten auf die Kriterien der Wahlentscheidung zu modifizieren vermögen: Für das Merkmal Politikinteresse können zwei Effekte bei mittlerem und ein Effekt bei starkem Interesse identifiziert werden. Man könnte diese Befunde in der Zusammenschau (vorsichtig) als Hinweis auf einen nicht-linearen Einfluss des Politikinteresses auf die Stärke individueller Priming-Effekte interpretieren. Bemerkenswert ist auch, dass ein moderierender Einfluss auf Priming überzeugender für die Aufmerksamkeit als für die Intensität der politischen Mediennutzung nachgewiesen werden konnte. Dieses Ergebnis spricht dafür, dass die identifizierten Priming-Effekte eher auf einem aktiven Lernprozess basieren und weniger auf einem kognitiven Zugänglichkeitseffekt. Denn für eine tiefe, systematische Informationsverarbeitung ist eine aufmerksame Medienrezeption wichtiger als eine intensive (d. h. häufige) Mediennutzung, die durchaus nebenbei und wenig aufmerksam stattfinden kann. Hätten sich dagegen Priming-Effekte bei häufiger Mediennutzung gezeigt, so würde dies eher für reine Zugänglichkeitseffekte sprechen. Insgesamt liefert damit dieser Beitrag neue Erkenntnisse zur Konditionalität individueller Priming-Effekte: Kandidaten-Priming kann im Wahlkampf 2009 407 Ohr/Paasch-Colberg | Kandidaten-Priming in Wahlkämpfen: eher auf die Politikberichterstattung der Presse zurückgeführt werden, zudem zeigt sich Priming eher für Wähler mit aufmerksamer politischer Mediennutzung, mit großer Unsicherheit (d. h. ohne Parteiidentifikation) und mit mittlerem (oder starkem) Politikinteresse. Damit spricht unsere Studie dafür, Priming nicht als (bloßen) kognitiven Zugänglichkeitseffekt zu verstehen, wie es lange Konsens gewesen ist. Dies ist auch für die normative Bewertung von Priming entscheidend, geht es bei der theoretischen Erklärung von Priming doch letztlich um die Frage, mit welcher Bewusstheit Wähler politische Informationen verarbeiten und politische Urteile treffen. Literatur Arendt, Florian. 2013. News Stereotypes, Time, and Fading Priming Effects. 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X ¯ s Wahlabsicht CDU/CSU 5119 0 1 0,256 0,436 Wahlabsicht SPD 5119 0 1 0,177 0,381 Bewertung CDU/CSU 5896 -5 5 0,600 2,719 Bewertung SPD 5882 -5 5 0,759 2,484 Bewertung Merkel 5933 -5 5 2,199 2,514 Bewertung Steinmeier 5796 -5 5 1,037 2,413 Parteiidentifikation CDU/CSU 5746 0 1 0,246 0,431 Parteiidentifikation SPD 5746 0 1 0,212 0,409 Index Politikinteresse 5986 0 4 2,280 0,975 Index Medienrezeption 5984 0 7 2,775 1,966 Index Medienaufmerksamkeit 5746 0 3 1,677 0,692 Frageformulierungen, RCS 2009 Bewertung der Parteien „Was halten Sie so ganz allgemein von den einzelnen Parteien? Benutzen Sie dafür bitte wieder das Thermometer von +5 bis -5 mit einem Nullpunkt in der Mitte. +5 bedeutet, dass Sie sehr viel von der Partei halten; -5 bedeutet, dass Sie überhaupt nichts von der Partei halten. Mit den Werten dazwischen können Sie Ihre Meinung abstufen. … Was halten Sie von der CDU?“. Bewertung der Kanzlerkandidaten (analog zu Bewertung der Parteien) Parteiidentifikation „In Deutschland neigen viele Leute längere Zeit einer bestimmten politischen Partei zu, obwohl sie auch ab und zu eine andere Partei wählen. Wie ist das bei Ihnen: Neigen Sie – ganz allgemein gesprochen – einer bestimmten Partei zu? Und wenn ja, welcher?“. 412 PVS, Sonderheft 50/2015 Prozesse politischer Informationsverarbeitung Politikinteresse, allgemein „Einmal ganz allgemein gesprochen: Wie stark interessieren Sie sich für Politik – sehr stark, ziemlich stark, mittelmäßig, weniger stark oder überhaupt nicht?“. Interesse am Wahlkampf „Und wie stark interessiert Sie speziell der gerade laufende Wahlkampf zur bevorstehenden Bundestagswahl – sehr stark, ziemlich stark, mittelmäßig, weniger stark oder überhaupt nicht?“. Mediennutzung während des Wahlkampfes „Im Wahlkampf gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man sich über das aktuelle politische Geschehen in Deutschland informieren kann. Beginnen wir mit den Tageszeitungen. Lesen Sie gelegentlich oder regelmäßig die BILD-Zeitung? Falls ja: An wie vielen Tagen haben Sie in der vergangenen Woche politische Berichte in der BILD-Zeitung gelesen?“. „Kommen wir nun zu den Nachrichtensendungen im Fernsehen. Beginnen wir mit den Nachrichtensendungen der ARD, also der Tagesschau und den Tagesthemen: An wie vielen Tagen haben Sie in der vergangenen Woche die Tagesschau oder die Tagesthemen der ARD gesehen?“. Aufmerksamkeit bei der Rezeption von Berichten über Politik während des Wahlkampfes „Wie aufmerksam waren Sie beim Lesen der … alles in allem für Berichte über die Parteien und den Wahlkampf – sehr aufmerksam, aufmerksam, weniger aufmerksam oder überhaupt nicht aufmerksam?“. „Als Sie Nachrichten im Fernsehen gesehen haben, wie aufmerksam waren Sie da alles in allem für Berichte über die Parteien und den Wahlkampf – sehr aufmerksam, aufmerksam, weniger aufmerksam oder überhaupt nicht aufmerksam?“.

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References

Zusammenfassung

37 Experten aus Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und Medizin leisten eine Bestandsaufnahme politisch-psychologischer Forschung in den Themenfeldern „Persönlichkeit und Politik“, „Emotionen, Affekte & Politik“, „Gruppenpsychologie“, „Informationsverarbeitung“ und „Politische Theorie“. Kleinster gemeinsamer Nenner der politisch-psychologischen Forschungsperspektive ist das Akteurskonzept des homo psychologicus, dessen (politisches) Handeln von Kognitionen, Eigenschaften, Motivationen und Emotionen beeinflusst wird. Werden attraktive Bundestagskandidaten gewählt? Begünstigt eine narzisstische Persönlichkeitsprägung von Staatsoberhäuptern die (zwischenstaatliche) Konflikteskalation? Stärkt der vermehrte Kontakt zu anderen europäischen Staatsbürgern die Identifizierung mit Europa?

Antworten auf solche spannenden Fragen liefern die 21 Beiträge.

Mit Beiträgen von:

Kathrin Ackermann, Benedikt Backhaus, Hanja Blendin, Jan Eric Blumenstiel, Klaus Brummer, Hans-Joachim Busch, Thorsten Faas, Sven-Eric Fikenscher, Cornelia Frank, Markus Freitag, Konstantin Leonardo Gavras, Nathalie Giger, Sascha Huber, Lena Jaschob, David Johann, Markus Klein, Christian Kandler, Johannes Marx, Sabrina Jasmin Mayer, Anja Mays, Marco Meyer, Dieter Ohr, Sünje Paasch-Colberg, Maria Preißinger, Dorothea Prell, Tino Prell, Ulrich Rosar, Gerald Schneider, Harald Schoen, Sven Stadtmüller, Bernhard Stahl und Marco Steenbergen, Markus Steinbrecher, Florian Stöckel, Kathrin Thomas, Christine Tiefensee, Reinhard Wolf.