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Claudia Fröhlich, Barbara Just-Dahlmann (1922-2005). Eine streitbare Juristin im Kampf für die Aufklärung von NSVerbrechen in:

Kritische Justiz (Ed.)

STREITBARE JURISTiNNEN, page 248 - 273

Eine andere Tradition

1. Edition 2016, ISBN print: 978-3-8487-0003-5, ISBN online: 978-3-8452-4449-5, https://doi.org/10.5771/9783845244495-248

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Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) Eine streitbare Juristin im Kampf für die Aufklärung von NS- Verbrechen Claudia Fröhlich „Ende April 1960 bekam ich an meiner Arbeitsstätte, der Staatsanwaltschaft Mannheim, einen Anruf aus unserem Justizministerium in Stuttgart, wonach ich mich sofort nach Ludwigsburg zur ´Zentralen Stelle´ begeben sollte, um dort Akten in polnischer Sprache, die NS-Prozesse betrafen, auszuwerten.“1 Barbara Just-Dahlmann, 38 Jahre alt und Staatsanwältin beim Jugenddezernat der Staatsanwaltschaft Mannheim, reiste am 2. Mai 1960 nach Ludwigsburg zur Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen. Die Zentrale Stelle arbeitete seit ihrer Gründung im Herbst 19582 an einer systematischen Ermittlung jener bisher von deutschen Justizbehörden nicht verfolgten Verbrechen, die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern Auschwitz, Belzec, Sobibor, Treblinka und Kulmhof, bei der Liquidation des Ghettos von Minsk oder von Einsatzkommandos und Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion begangen worden waren. Kurz bevor nun am 8. Mai 1960, fünfzehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, die als Totschlag, Körperverletzung oder Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu qualifizierenden Straftaten verjähren würden, war bei der Zentralen Stelle umfangreiches Aktenmaterial aus Polen eingetroffen, auf dessen Grundlage noch Ermittlungsverfahren eingeleitet werden konnten. Da ein Antrag des SPD- Bundestagsabgeordneten Walter Menzel zur Verschiebung der Verjährungsfristen im Rechtsausschuss keine Unterstützung gefunden hatte und 1 Barbara Just-Dahlmann/Helmut Just, Die Gehilfen. NS-Verbrechen und die Justiz nach 1945, Frankfurt a.M. 1988, 19. 2 Vgl. Annette Weinke, Eine Gesellschaft ermittelt gegen sich selbst. Die Geschichte der Zentralen Stelle Ludwigsburg 1958-2008, Darmstadt 2008; Rüdiger Fleiter, Die Ludwigsburger Zentrale Stelle und ihr politisches und gesellschaftliches Umfeld, GWU 53 (2002), 32-50. 249 auch im Bundestag zu scheitern drohte,3 musste das in Ludwigsburg eingetroffene Beweismaterial schnell ausgewertet werden. Fünf Tage lang arbeitete die in Posen geborene und deshalb fließend Polnisch sprechende Staatsanwältin Barbara Just-Dahlmann in Ludwigsburg die Quellen durch. Da für Übersetzungen die Zeit nicht mehr ausreichte, fasste Just-Dahlmann unter strafrechtsrelevanten Gesichtspunkten die Aussagen der überlebenden Augenzeugen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zusammen.4 Die Zentrale Stelle konnte schließlich umfangreiche Listen mit Namen von Beschuldigten erstellen lassen und über den Generalbundesanwalt und den Bundesgerichtshof in hunderten Fällen die Unterbrechung der Verjährung erreichen.5 Im Leben Barbara Just-Dahlmanns markierte die Abordnung nach Ludwigsburg eine Zäsur. Rückblickend beschrieb sie die Wirkung, die die Berichte der Augenzeugen auf sie hatten. Zum ersten Mal wurde Just-Dahlmann mit der Realität der nationalsozialistischen Verbrechen konfrontiert: „Das, was ich damals in diesen fünf Tagen aus den in Ludwigsburg vorhandenen Dokumenten an Schrecklichem erfuhr, wurde zum Anlass für jahrzehntelange Beschäftigung mit diesem Geschehen und hat mein und meines Mannes Leben total verändert.“6 Über fünf Jahre, bis 1966, arbeitete Barbara Just-Dahlmann ehrenamtlich für die Zentrale Stelle. Nicht nur der durch die Aussagen der Zeugen vermittelte „nachträgliche Blick in die Hölle“7 der nationalsozialistischen 3 Vgl. Weinke (Fn. 2), 39. 4 Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 19. 5 Vgl. Adalbert Rückerl, NS-Verbrechen vor Gericht. Versuch einer Vergangenheitsbewältigung, Heidelberg 1984, 153 f. 6 Helmut Just/Barbara Just-Dahlmann, „Recht und Gerechtigkeit“ – Die NS-Prozesse nach 1945. Manuskript des Vortrags vor der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 14.5.1990, in: Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte, Nachlass Barbara Just-Dahlmann, Zug. 60/2008, Nr. 54. Im Folgenden zitiert als: StadtA MA-ISG, NL BJD. Ich danke Dr. Susanne Schlösser, Abteilungsleiterin des Historischen Archivs im Stadtarchiv Mannheim, und der Benutzerreferentin Dr. Anja Gillen für die freundliche, konstruktive Hilfe bei der Nutzung des Nachlasses von Barbara Just-Dahlmann. Dem Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte danke ich für die Aufhebung der Sperrfrist, die es ermöglichte, den bis in die 1990er Jahre hinein reichenden Nachlass von Barbara Just-Dahlmann einzusehen. Den Herausgeber/innen des vorliegenden Buches und der Kritischen Justiz danke ich für die Finanzierung der Archivreise nach Mannheim. 7 Barbara Just-Dahlmann/Helmut Just, Gliederung für ein geplantes autobiografisches Buch, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 10. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 250 Gewaltverbrechen veränderte in dieser Zeit ihr Leben. Seit ihrer Abordnung nach Ludwigsburg beobachtete Just-Dahlmann auch die weitreichende Blockierung einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Justiz, Politik und Öffentlichkeit sowie die damit einhergehende Verweigerung der Anerkennung von Schuld. Vor allem der von ihr als „beschämend“ wahrgenommene Kontrast zwischen dem Ausmaß der Verbrechen und den „unverhältnismäßig niedrigen Strafen“ bei Verurteilung der Verantwortlichen in NS-Prozessen nicht als Täter, sondern als bloße Gehilfen trieb Just-Dahlmann „fast in den Abgrund“8 und riss sie für immer aus ihrem „unbeschwerten Alltag“9 heraus. Die Folge war ihre Politisierung.10 Ab 1961 kämpfte Barbara Just-Dahlmann für eine die Würde der Opfer anerkennende und die Verantwortlichen konkret benennende Aufklärung der NS-Vergangenheit. Sie wurde zu einer über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus profilierten streitbaren Juristin und engagierten Demokratin. Bis 1960: Kindheit, Studium und Staatsanwältin in Mannheim – ein „normales Leben“ Barbara Dahlmann, 1922 in Posen geboren, wuchs auf dem elterlichen Mühlengut Slonawymühle in Obornik an der Warthe auf und besuchte in Posen das Schiller-Gymnasium. Vom Einmarsch der Wehrmacht in Polen am 1. September 1939 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges fühlte sich die 17jährige, die gerade ihr Reifezeugnis erhalten hatte,11 völlig „überrollt“.12 Barbara Dahlmann begann ihr Studium der Philologie an der Universität in Breslau, immatrikulierte sich im Oktober 1940 an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau für das Studienfach Rechtswissenschaften. Ihre Erinnerung an ein „ganz normales“13 Studium 8 Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 26. 9 Vortragsmanuskript vom 17.11.1989. In: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 26. 10 Weinke (Fn. 2), 41. 11 Reifezeugnis Barbara Ingeborg Dahlmann vom 16.5.1939, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 49. 12 Handschriftlicher Lebenslauf von Barbara Just-Dahlmann, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 21. 13 Barbara Just-Dahlmann in einem Interview. Deutschlandfunk Köln, Sendung „Zwischentöne – Fragen zur Person“ am 19.2.1995. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 251 im „Dritten Reich“ blendete allerdings die spezifischen Kontexte ihrer Ausbildung zur Juristin aus. Denn nach Etablierung der NS‑Herrschaft hatte sich die Situation für die immatrikulierten Frauen drastisch verändert. Die Maßnahmen gegen Juristinnen, die von Richterstellen entfernt oder nicht mehr als Anwältinnen zugelassen wurden, verschlechterten seit Mitte der 1930er Jahre deren Berufsperspektiven.14 Viele junge Studentinnen brachen deshalb ihr rechtswissenschaftliches Studium ab. Anders Barbara Dahlmann: Sie entschloss sich 1941, in Freiburg zu bleiben und nach Abschluss ihres Studiums als Juristin zu arbeiten, auch weil ihr „der väterliche kaufmännische Betrieb nicht im Geringsten lag.“15 Barbara Dahlmann gehörte damit zu einer Minderheit: Sie war eine der wenigen Frauen, die Jura studierten und sich – nach eigener Erinnerung – über ihre Zukunftsaussichten keine Gedanken machten.16 „Höhepunkte“ der Studienzeit waren für Dahlmann die Vorlesungen von Erik Wolf,17 als dessen Assistentin sie bald arbeitete. Wolf, Ordinarius für Strafrecht und Rechtsphilosophie in Freiburg, war zunächst Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie eines „Führertum(s) als Rechtsquelle“ sowie eines autoritären Staates gewesen18. Als Dahlmann 1940 ihr Studium begann, hatte Wolf sich von der NS-Ideologie distanziert. Er war aktives Mitglied der Bekennenden Kirche und des Freiburger Bonhoeffer-Kreises, und seine 1939 publizierte Studie über Große Rechtsdenker der deutschen Geistesgeschichte19 richtete sich „gegen die ideologische Instrumentalisierung des Rechts im totalen Staat“.20 Dahlmann hörte Wolfs öffentliche Abendvorlesungen über die Großen Rechtsdenker. 1943 absolvierte sie ihr Erstes Staatsexa- 14 Marion Röwekamp, Die ersten deutschen Juristinnen. Eine Geschichte ihrer Professionalisierung und Emanzipation (1900-1945), Köln/Weimar/Wien 2011, 724 f. 15 Antrag von Barbara Dahlmann, auf Ausweisung zu verzichten, vom 28.1.1947, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 3. 16 Barbara Just-Dahlmann im Interview in: Röwekamp (Fn. 14), 731. 17 Brief Barbara Just-Dahlmann an Erik Wolf (ohne Datum), in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 3. Ich danke meiner Mutter, Eleonore Ahrens, die in stundenlanger Arbeit die von Barbara Dahlmann 1944-1946 in Sütterlinschrift verfassten Briefentwürfe und Gesprächsnotizen transkribiert hat. 18 Christoph M. Scheuren-Brandes, Der Weg von nationalsozialistischen Rechtslehren zur Radbruchschen Formel. Untersuchungen zur Geschichte der Idee vom „Unrichtigen Recht“, Paderborn u.a. 2006, 76 f. 19 Erik Wolf, Große Rechtsdenker der deutschen Geistesgeschichte, Tübingen 1939. 20 Alexander Hollerbach, Erik Wolf (1902-1977), in: ders., Jurisprudenz in Freiburg. Beiträge zur Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität, Tübingen 2007, 338. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 252 men, 1944 schloss sie in Freiburg ihre von Professor Adolf Schönke21 betreute Promotion ab. Als Dahlmann im Herbst 1944 einige Monate bei ihrer Mutter auf dem Mühlengut in Obornik verbrachte, wurde die Universität zum Sehnsuchtsort. Sie pflegte einen regen Briefkontakt mit den Freunden in Freiburg und mit den Professoren Theodor Maunz,22 Adolf Schönke und Erik Wolf. An Wolf schrieb sie: „Und wenn auch das Landleben mit seinen langen Winterabenden am Kamin […] und liebgewordenen Büchern etwas sehr Schönes ist“, alles gäbe sie „1000 x für die Universität“.23 Knapp berichtete Dahlmann in ihren Briefen aus Obornik von ihrem Einsatz als Rot-Kreuz-Schwester im örtlichen Krankenhaus, von Auseinandersetzungen mit „braunen NS-Schwestern“ und von Schüssen in den nahegelegenen Wäldern.24 In den langen Briefen, die sie als „dankbare Schülerin“ an ihren „Lehrer“25 Wolf schrieb, versuchte Dahlmann gedanklich an die Freiburger Zeit anzuknüpfen und den rechtswissenschaftlichen Diskurs fortzusetzen. Wolf berichtete in seinen Briefen an Dahlmann über den Versuch des „weiter (L)ebens“ an der Universität in Freiburg. Er war erfreut über den bevorstehenden Druck seiner Arbeit über Annette von Droste-Hülshoff und die Neuauflage der „Großen Rechtsdenker“, in der er den Machtanspruch eines totalitären Führers bestreitet26 und die er 1944 als „Wunder über Wunder“ betrachtete.27 Ein Exemplar bewahrte er 21 Zur Biografie von Adolf Schönke vgl. Günther Wendt, Adolf Schönke, in: Juristen im Portrait, München 1988, 663-670. 22 Zur Biografie und Rolle von Theodor Maunz im NS-System vgl. Gerd Roellecke, Theodor Maunz und die Verantwortung des Öffentlichkeitsrechtlers, Kritische Justiz 1994, 344-354; Günter Frankenberg, Vom Schweigen der Öffentlichkeitsrechtler und ihrer Verantwortung, dieses bisweilen zu brechen, Kritische Justiz 1994, 354-357 und Franziska Hundseder, Die Ersten von morgen? „Republikaner“, DVU, NPD, Deutsche Liga, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Rechtsextremismus in Deutschland. Voraussetzungen, Zusammenhänge, Wirkungen, 1994, 228-245. 23 Brief von Barbara Just-Dahlmann an Erik Wolf (ohne Datum), in: StadtA MA- ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 3. 24 Entwurf eines Briefes von Barbara Dahlmann vom 15.10.1944, Adressat unbekannt (vermutlich an Prof. Erik Wolf), in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 49. 25 Nicht nur in den zeitgenössischen Briefen, auch im autobiografischen Rückblick bezeichnete Barbara Just-Dahlmann Erik Wolf als ihren „Lehrer“. So etwa eine handschriftliche Notiz auf einem Umschlag, in dem sie Briefe von Wolf aufbewahrte, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 3. 26 Scheuren-Brandes (Fn. 18), 80. 27 Brief von Erik Wolf an Barbara Dahlmann vom 21.9.1944, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 3. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 253 für Barbara Dahlmann in Freiburg auf. Während Wolf Anfang Dezember 1944 von der Bombardierung Freiburgs durch die britische Royal Airforce berichtete, bei der auch Studenten und Kollegen des Seminars getötet worden waren,28 bereiteten Mutter und Tochter Dahlmann die Flucht vor dem Einmarsch der Roten Armee vor. Am 20. Januar 1945 mussten sie schließlich „innerhalb von 2 Stunden (das) Mühlengut verlassen“.29 Mit einem Pferdewagen flohen die beiden Frauen aus Obornik zunächst nach Grohnde bei Hameln, im Frühjahr trafen sie in Freiburg ein.30 1945-1960: Von der Abwehr zur Wahrnehmung der Vergangenheit – Ankunft in der Bundesrepublik Im März 1945 – wenige Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und dem Zusammenbruch des NS-Regimes – widmete Erik Wolf seiner Schülerin eine kleine Karte mit dem aus der antiken griechischen Philosophie abgeleiteten Satz „Das Recht hat sich zwar nie voll verwirklicht, aber es ist immer da.“31 Barbara Just-Dahlmann hat diese Karte immer aufbewahrt. Die an die junge Juristin adressierte Aufforderung, sich auf die Suche nach Recht zu begeben, liest sich retrospektiv wie ein Motiv für ihr politisches Engagement in der Bundesrepublik. Auf „besonderen Wunsch“ von Generalstaatsanwalt Karl Siegfried Bader wurde Barbara Dahlmann im Februar 1946 als Referendarin in den badischen Justizdienst übernommen, und sie arbeitete weiterhin auch als Erik Wolfs Assistentin. Handschriftlich protokollierte Dahlmann ihre Gespräche mit ihm, die nach dem Zusammenbruch der Diktatur um die Frage eines angemessenen Umgangs mit der Vergangenheit kreisten. Bezugspunkte waren dabei sowohl konkret die Lebensgeschichte von Erik Wolf 28 Brief von Erik Wolf an Barbara Dahlmann vom 9.12.1944, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 3. 29 Antrag auf Gewährung eines Unterhaltszuschusses von Barbara Dahlmann an das badische Justizministerium vom 29.5.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 49. 30 Notiz von Barbara Just-Dahlmann, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 2. 31 Karte von Erik Wolf vom 10.3.1945, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 3. Ich danke Prof. Hans-Peter Schneider, Direktor des Deutschen Instituts für Föderalismusforschung, für die Hilfe bei der historischen Verortung des Satzes. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 254 wie auch eine kollektive deutsche Schuld: Wolf bekannte seine persönliche Schuld, für die seine „Tätigkeit in der B.K. [Bekennenden Kirche, d. Aut.]“ „kein Ausgleich“ gewesen sei,32 und er kritisierte die „Unbußfertigkeit“33 der Deutschen, die er beobachtete, als im Spätsommer 1946 in Nürnberg der von den Alliierten initiierte Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher stattfand und die Mehrheit der Deutschen zwar die Aburteilung der politischen Führungsspitze des NS-Staates begrüßte, sich aber dem „Nürnberger Lehrprozess“ und der Aufdeckung des „verbrecherischen Charakters des ganzen NS-Regimes und seiner Ideologie“ verweigerte.34 Auf der Suche nach einem Neuanfang vermisste Wolf ähnlich wie Karl Jaspers eine differenzierte Debatte über Schuld und Verantwortung. Er kritisierte eine vielfach zu beobachtende bloße Restauration als strukturellen Fehler, das „deutsche Volk (baue)… allein eine neue Fassade auf“.35 Dahlmann und Wolf tauschten sich über Literatur und Filme aus, gelegentlich vertrieb man sich die Zeit mit Gesellschaftsspielen.36 1948 legte Dahlmann ihr Zweites Juristisches Staatsexamen ab, im Oktober 1953 ernannte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Gebhard Müller, die inzwischen mit dem Juristen Helmut Just verheiratete Barbara Just- Dahlmann zur Staatsanwältin.37 Als Barbara Just-Dahlmann Ende April 1960 zur Zentralen Stelle nach Ludwigsburg abgeordnet und dort mit dem Ausmaß der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen konfrontiert wurde, stellte sie fest, dass sie – trotz der Gespräche mit Wolf, trotz der Lektüre von Eugen Kogons 1946 publizierter Analyse des Systems der Konzentrationslager Der SS-Staat und trotz ihres Interesses an den Nürnberger Prozessen38 – wie die Mehrheit der Deutschen die Vergangenheit auf Distanz gehalten hatte. Margarete und Alexander Mitscherlich beschrieben dieses Phänomen in ihrer Studie über Die Unfähigkeit zu trauern als eine die Vergangenheit abweh- 32 Barbara Just-Dahlmann, Gesprächsprotokoll vom 28.8.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 4. 33 Ebd. 34 Anneke de Rudder, „Warum das ganze Theater?“. Der Nürnberger Prozeß in den Augen der Zeitgenossen, Jahrbuch für Antisemitismusforschung 6 (1997), 219. 35 Barbara Just-Dahlmann, Gesprächsprotokoll vom 28.8.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 4. 36 Barbara Just-Dahlmann, Gesprächsprotokoll vom 8.8.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 4. 37 Ernennungsurkunde, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 27. 38 Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 33. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 255 rende „Technik der Entwirklichung“.39 Mit dem Wahrnehmen der NS- Vergangenheit war auch bei Just-Dahlmann keine kathartische Wirkung verknüpft, die eine aufklärende Auseinandersetzung mit den Funktionsweisen der Diktatur und den von Deutschen verübten Verbrechen bewirkte. Statt zurück, blickte man nach vorn. Barbara Just-Dahlmann und ihr Ehemann Helmut Just, Richter am Landgericht in Mannheim, richteten sich im prosperierenden Land des „Wirtschaftswunders“40 ein. „Man dachte an den Wiederaufbau der eigenen Existenz“, erklärten beide später in einem Vortrag.41 Seit 1954 war Just-Dahlmann bei der Staatsanwaltschaft Mannheim tätig und die Abordnung nach Ludwigsburg erreichte die Juristin „mitten in einem Umzug innerhalb Mannheims“.42 Selbstkritisch stellte sie 1962 fest, dass „wir uns nach 1945 […] nicht auseinandergesetzt haben.“43 Zu den ersten Urteilen in NS-Prozessen, die Just-Dahlmann Anfang der 1960er Jahre, durch „die Schilderung von […] Einzelerleben“ der polnischen Augenzeugen für „das in seinen Dimensionen unfaßbare Grauen“44 sensibilisiert, zur Kenntnis nahm, gehörte das gegen Dr. Otto Bradfisch. Im Juli 1961 verurteilte das Landgericht München den Führer des Einsatzkommandos (EK) 8 wegen Beihilfe zum Mord in 15.000 Fällen zu zehn Jahren Haft. Das EK 8 hatte 1941/42 unter Führung Bradfischs Erschießungsaktionen in der Sowjetunion durchgeführt. Obwohl das Gericht Bradfisch als überzeugten Nationalsozialisten bezeichnete und feststellte, dass er eigenhändig an den Erschießungsaktionen teilgenommen hatte, kam es zu dem Ergebnis, Bradfisch habe nicht mit eigenem Täterwillen gehandelt, sondern bloß fremde Taten unterstützt. Das Gericht betrachtete die NS-Machthaber Hitler, Himmler und Heydrich als Haupttäter, die die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Osteuropas angeordnet hatten. 39 Alexander und Margarete Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, München 1991, 44. 40 Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 17. 41 Vortragsmanuskript von Helmut Just und Barbara Just-Dahlmann, „Recht und Gerechtigkeit“ – Die NS-Prozesse nach 1945. Vortrag vor der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 14.5.1990, in: StadtA MA-ISG, NaL BJD, Zug. 60/2008, Nr. 54. 42 Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 19. 43 Vortrag von Barbara Just-Dahlmann: Versäumte Bewältigung der Vergangenheit, 1962, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 9. Hervorhebung im Original. 44 Ebd. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 256 Für Just-Dahlmann war nicht nachvollziehbar, dass das Gericht „trotz einer Zahl von 15 000 Ermordeten – nicht einmal die für Beihilfe vorgesehene Höchststrafe von 15 Jahren“ Haft verhängte.45 Nach diesem Urteil sammelte Just-Dahlmann jeden Hinweis auf die von westdeutschen Gerichten in den NS-Prozessen vollzogene und von der Wissenschaft erst in den 1990er Jahren systematisch erfasste sanktionsmildernde und von Verantwortung entlastende Gehilfenjudikatur.46 1961: Profilierung als streitbare Juristin für die Aufklärung von NS- Verbrechen – kein „Berufsalltag“ mehr Den Entschluss, aktiv zu werden, fasst Barbara Just-Dahlmann nur wenige Tage nachdem ihr in Ludwigsburg das Ausmaß der NS-Verbrechen und die Dimensionen der von der westdeutschen Justiz bisher nicht aufgeklärten Straftaten klar geworden waren und Israel zudem ankündigte, Adolf Eichmann vor Gericht zu stellen. Im Juli 1960 schrieb sie an den SPD- Bundestagsabgeordneten Adolf Arndt, dass ganze Komplexe von NS-Verbrechen noch nicht strafrechtlich geahndet seien und deren Bearbeitung wegen der dünnen personellen Besetzung der Zentralen Stelle kaum zu leisten sei. Arndt, der schon die Initiative seines Fraktionskollegen Walter Menzel zur Verlängerung der Verjährungsfrist nicht unterstützt hatte,47 beurteilte die Situation anders. Auf eine Einladung nach Ludwigsburg reagierte er nicht. Auch ein Gespräch mit dem Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags, Carlo Schmid, blieb erfolglos.48 Barbara Just-Dahlmann nutzte deshalb einen Vortrag am 29. November 1961 im Rahmen einer Tagung zum Thema Politische Prozesse heute an der Evangelischen 45 Barbara Just-Dahlmann/Helmut Just, Anfrage an die Strafrechtslehrer zu der Rechtsprechung (1963), in: Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 164; zum Verfahren gegen Bradfisch vgl. Kerstin Freudiger, Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen, Tübingen 2002, 177 ff. 46 Zum Beispiel: Freudiger (Fn. 45); Michael Greve, Der justitielle und rechtspolitische Umgang mit den NS-Verbrechen in den 60er Jahren, Frankfurt a.M. 2001; Bettina Nehmer, Täter als Gehilfen? Zur Ahndung von Einsatzgruppenverbrechen, in: Kritische Justiz (Hrg.), Die juristische Aufarbeitung des Unrechts-Staats, Baden-Baden 1998, 635-668. 47 Vgl. Marc von Miquel, Ahnden oder amnestieren? Westdeutsche Justiz und Vergangenheitspolitik in den sechziger Jahren, Göttingen 2004, 195. 48 Vgl. Weinke (Fn. 2), 42. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 257 Akademie Loccum, um nun öffentlich auf Probleme der Arbeit der Zentralen Stelle aufmerksam zu machen und die von westdeutschen Gerichten – wie im Fall Bradfisch – vollzogene exkulpierende und strafmildernde Verwandlung von Verantwortlichen der NS-Verbrechen in bloße Gehilfen zu problematisieren. Just-Dahlmanns Vortrag gipfelte in der öffentlichkeitswirksamen, griffigen und die Judikatur skandalisierenden Formulierung „Ein Toter gleich zehn Minuten Gefängnis“.49 Der Loccumer Vortrag wurde ein „nationales Medienereignis.“50 Regionale und überregionale Zeitungen berichteten, die Süddeutsche Zeitung sprach von einem „Paukenschlag“.51 Barbara Just-Dahlmann hatte provoziert, und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Justiz kritisierten den öffentlichen Auftritt der Staatsanwältin scharf. Drei Mal war der „Fall Just- Dahlmann“ Gegenstand von Debatten im baden-württembergischen Landtag, in deren Verlauf Just-Dahlmann als Person und Frau angegriffen und ihre Kompetenz als Juristin in Frage gestellt wurde. Sie musste persönliche Diffamierungen ebenso ertragen wie die öffentliche Ankündigung von Justizminister Wolfgang Haußmann, man prüfe, ob aus ihrem Verhalten „dienstrechtliche Folgerungen“ zu ziehen seien. Obwohl der Minister schließlich vor dem Landtag erklären musste, dass Verhalten und Vortrag von Just-Dahlmann nicht mehr beanstandet werden und der baden-württembergische Innenminister Hans Filbinger ihr Anfang April 1962 mitteilte, sie sei rehabilitiert,52 blockierte Generalstaatsanwalt Albert Woll als Dienstvorgesetzter von Barbara Just-Dahlmann noch Mitte der 1960er Jahre eine Beförderung wegen ihrer „Haltung“.53 49 Barbara Just-Dahlmann sprach in Loccum ohne Manuskript. Überliefert ist eine Mitschrift der Evangelischen Akademie: Der Vortrag in Loccum, in: Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 40 ff (hier 45). 50 Vgl. die detaillierte Rekonstruktion der öffentlichen und politischen Reaktionen auf den Vortrag bei Weinke (Fn. 2), 40-60, 40. 51 Süddeutsche Zeitung Nr. 297, Dezember 1961. 52 Weinke (Fn. 2), 53, 56. 53 Am 14.1.1964 sendet Just-Dahlmann ihre Bewerbung um eine ausgeschriebene Stelle der Ersten Staatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Mannheim an das Justizministerium. Am 30.7.1964 lehnte Generalstaatsanwalt Albert Woll die Beförderung von Just-Dahlmann mit einer vernichtenden Beurteilung ihrer Arbeit ab. Erst nach Interventionen, etwa von Hans Anschütz, wird Just-Dahlmann im Juli 1965 zur Ersten Staatsanwältin ernannt. Vgl. Bewerbung von Barbara Just-Dahlmann vom 14.1.1964, Stellungnahme von Generalstaatsanwalt Albert Woll vom 30.7.1964, Stellungnahme von Hans Anschütz an das Justizministerium Baden- Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 258 Warum wurde Barbara Just-Dahlmann derart zum enfant terrible der westdeutschen Justiz, dass sogar jene Akteure sie kritisierten, denen die Aufklärung der NS-Vergangenheit durchaus ein Anliegen war – wie etwa Justizminister Haußmann als Mitinitiator der Zentralen Stelle oder Erwin Schüle als deren Leiter, der Barbara Just-Dahlmann nach Loccum nicht unterstützte,54 wohl wissend, dass ihre Kritik an der schlechten personellen Ausstattung der Behörde berechtigt war? Konkretion als Methode – Kritik der Gehilfenjudikatur Durch die detaillierten Berichte der Augenzeugen sensibilisiert, machte Barbara Just-Dahlmann in Loccum und in den mehr als 70 Vorträgen, die sie in den folgenden Jahren hielt, das erzählerische Prinzip der Konkretion zur Methode.55 Just-Dahlmann ging davon aus, dass weder Statistiken noch „nackte Zahlen“ oder „juristisch-nüchtern angedeutete Fakten“ die Realität der NS-Verbrechen „bewusst“ machen – im Mitscherlichen Sinne aufklären – konnten.56 Zwar benutzte Just-Dahlmann nie die Begrifflichkeit von Margarete und Alexander Mitscherlich, gleichwohl zielten ihre Vorträge auf eine kathartische Wirkung in deren Sinne. Deshalb referierte sie in Vorträgen genau, wie Menschen im „Dritten Reich“ vergast wurden, wie Einsatzgruppen mordeten, wie Erschießungsaktionen durch Polizeibataillone abliefen oder wie Säuglinge und Kinder in Konzentrationslagern ermordet wurden. Sie schilderte „die Grausamkeiten beim Räumen der Ghettos“ oder den Ablauf von „medizinischen Versuchen […] an Menschen“.57 Dieses Prinzip konkreter Erzählung fokussierte – inhaltlich – auf die Grausamkeit der NS-Vernichtungspolitik, die sich nicht mehr nur einzelnen kriminellen Exzesstätern zuschreiben ließ. Damit stellte Just-Dahlmann das in den 1950er Jahren in Urteilen westdeutscher Gerichte, in der Württemberg vom 6.10.1964 und die Ernennungsurkunde in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 27. 54 Vgl. Weinke (Fn. 2), 57 f. 55 Weinke spricht von dem „Prinzip der Anschaulichkeit“. Weinke (Fn. 2), 43. 56 Vortragsmanuskript von Helmut Just und Barbara Just-Dahlmann, „Recht und Gerechtigkeit“ – Die NS-Prozesse nach 1945. Vortrag vor der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 14.5.1990, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 54. 57 Vgl. etwa Vortrag 1962, StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 9 und die weiteren überlieferten Vortragsmanuskripte im Nachlass. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 259 medialen Berichterstattung und von politischen Akteuren etablierte Bild vom NS-Staat in Frage. Dieses beschrieb den Nationalsozialismus als Herrschaftssystem, das von einer kleinen Führungsclique um Hitler verantwortlich regiert und von wenigen Exzesstätern umgesetzt worden war. Die Mehrheit der Deutschen – wie Bradfisch als Führer eines Einsatzkommandos – sei schuldlos verstrickt worden. Just-Dahlmann rückte dagegen ähnlich wie Hannah Arendt mit dem 1964 formulierten Begriff von der Banalität des Bösen58 die systemstabilisierende Funktion der Handlungen aller Akteure im NS-Staat in den Blick. Die Wirkung der narrativen Konkretion wurde dabei verstärkt, weil Just-Dahlmann mit der Schilderung der Vernichtungspolitik in den von Deutschland besetzten Gebieten im Osten über Anfang der 1960er Jahre noch weitgehend tabuisierte Verbrechen berichtete. Auch die Kritik der Gehilfenjudikatur zielte in diesem Zusammenhang nicht bloß auf die Unverhältnismäßigkeit zwischen der Dimension der Verbrechen und den niedrigen Strafen. Sie richtete sich ebenfalls gegen eine Interpretation des NS-Staates, die die Tatbeiträge der Deutschen marginalisierte. Öffentlicher Diskurs als Methode Barbara Just-Dahlmann erhob als zweites methodisches Prinzip den öffentlichen Diskurs zu einer Basisnorm des demokratischen Rechtsstaates. Mit ihrem Vortrag in Loccum wollte sie „die Öffentlichkeit und die Justiz auf[…]rütteln“,59 und sie nutzte deshalb auch Gespräche mit anwesenden Journalisten, um ihre Kritik auf die mediale Agenda zu setzen. Für die über 70 Vorträge, die Just-Dahlmann in den 1960er Jahren oft gemeinsam mit ihrem Ehemann hielt, reiste sie zu Kirchengemeinden, Bildungseinrichtungen oder Tagungen. Sie schrieb Beiträge für Rundfunk- und Fernsehsendungen. In einem Interview anlässlich des Juristentags 1968 in Nürnberg begründete Just-Dahlmann ihre Strategie: „Ich halte sehr viel von den öffentlichen Publikationsmitteln und finde, daß in einer Demokratie gerade Presse, Rundfunk und Fernsehen ein au- ßerordentliches wichtiges Instrument sind, um die Meinungsbildung einer breiteren Öffentlichkeit zu ermöglichen. … wie ich überhaupt dafür bin, 58 Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, München/Zürich 1986 (zuerst 1964). 59 Vortragsmanuskript von Helmut Just und Barbara Just-Dahlmann (Fn. 49), 39. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 260 alles, was irgendwie möglich ist, möglichst öffentlich zu betreiben, um … den mündigen Staatsbürger möglichst bald und möglichst schnell zu bekommen.“60 Das Engagement von Just-Dahlmann zielte darauf, das Handeln der Judikative dem Prinzip öffentlicher Kommunikation und damit letztendlich der Kontrolle des Bürgers als dem Souverän zu unterstellen. Diese Auffassung stieß bei vielen etatistisch orientierten Juristen und Rechtswissenschaftlern auf Unverständnis. Nur Wenige solidarisierten sich mit Just- Dahlmann. Oberstaatsanwalt Gerhard Koch etwa, in Hamburg mit NS- Verfahren befasst, verteidigte ihren Loccumer Vortrag als einen Beitrag zur Realisierung der für demokratische Rechtsstaatlichkeit wichtigen öffentlichen Debatten. Mit einer elfseitigen Eingabe an den Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg forderte Koch im Februar 1962 die Rehabilitierung Just-Dahlmanns: „Es dürfte auf der Hand liegen“, schrieb Koch, „daß in einer Demokratie solche alarmierenden, an den Lebensnerv des Rechtsstaates rührenden Tatsachen dem Volk nicht wie einem unmündigen Kinde verschwiegen werden dürfen, wenn nicht die Demokratie zur Farce werden soll.“61 Kritik der personellen Restauration Mit ihrem Loccumer Vortrag hatte Just-Dahlmann schließlich auch provoziert, weil sie die in der Bundesrepublik vollzogene personelle Integration der ehemaligen Träger des NS-Systems in die Institutionen der Demokratie zum Thema machte. Sie schilderte – und eine dpa-Meldung sorgte für ein bundesweites öffentliches Agendasetting –, dass durch ihre NS-Vergangenheit belastete Angehörige der Polizei die Arbeit der Zentralen Stelle behinderten. Angehörige der Polizei warnten etwa zur Fahndung ausgeschriebene Beschuldigte.62 Dass die ehemaligen Funktionäre des NS-Staates auch als Richter in der westdeutschen Justiz aktiv die justizielle Aufklärung blockierten oder die Negation des Rechts zum Widerstand gegen 60 Manuskript des Interviews von Ansgar Skriver mit Barbara Just-Dahlmann am 20.9.1968. Sendung: Kritisches Tagebuch. WDR, III. Programm, in: StadtA MA- ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 13. 61 Brief von Gerhard Koch an den Petitionsausschuss des Landtags Baden-Württemberg vom 27.2.1962, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 8. 62 Vgl. Mitschrift des Vortrags, in: Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 43. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 261 den NS-Staat durchsetzten,63 nahm Just-Dahlmann Anfang der 1960er Jahre nicht wahr. So skandalisierte sie zwar die Urteile in NS-Strafverfahren, in Übereinstimmung mit der zeitgenössischen Wahrnehmung hatte aber auch Just-Dahlmann die „Problematik der personellen Belastung im Justizdienst“ als eine Ursache für die Gehilfenjudikatur nicht im Blick.64 Hatte sie die bereits Ende 1959 erstmals in Karlsruhe gezeigte Ausstellung Ungesühnte Nazijustiz,65 die öffentlichkeitswirksam über die berufsbiographischen Kontinuitäten der westdeutschen Justiz aufklärte, wahrgenommen? Erst 1995 erfuhr Just-Dahlmann jedenfalls,66 dass Generalstaatsanwalt Albert Woll, der Mitte der 1960er Jahre ihre Beförderung behindert hatte, selbst belastet war. Als Beisitzer hatte Woll in den Jahren 1943 bis 1945 an 27 Sitzungen des Sondergerichts Mannheim teilgenommen.67 Barbara Just-Dahlmann – eine engagierte Demokratin Gegen Widerstände und mit negativen Konsequenzen für die eigene Berufsbiografie machte Barbara Just-Dahlmann den Umgang der westdeutschen Justiz mit den NS-Verbrechen zum Thema des öffentlichen Diskurses. Barbara Just-Dahlmann gehörte zu den Wenigen und oft als „Nestbeschmutzer“ Diffamierten, die „der Amnestierung und Integration der vor- 63 Vgl. Claudia Fröhlich, Freispruch für Bonhoeffers Richter. Personelle Kontinuität als strukturelle Hypothek für die Rechtsprechung in der Bundesrepublik am Beispiel des NS-Juristen und Richters am BGH Ernst Mantel, in: Wette/Perels (Hg.), „Mit reinem Gewissen“. Wehrmachtrichter in der Bundesrepublik und ihre Opfer, Berlin 2011, 242-262; dies., Restauration. Zur (Un-)Tauglichkeit eines Erklärungsansatzes westdeutscher Demokratiegeschichte, in: Glienke/Paulmann/Perels (Hg.), Erfolgsgeschichte Bundesrepublik? Die Nachkriegsgesellschaft im langen Schatten des Nationalsozialismus, Göttingen 2008, 17-52. 64 Weinke (Fn. 2), 44. 65 Vgl. Stephan A. Glienke, Die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ (1959-1962), Baden-Baden 2008. 66 Notiz von Barbara Just-Dahlmann, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 27. 67 Antrag der Zentralspruchkammer Nordbaden zur Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Albert Woll vom 1.12.1948, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 27. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 262 maligen Anhänger des Dritten Reiches“68 eine kritische Vergangenheitspolitik entgegensetzten. Als engagierte Demokratin69 trat sie für eine Aufklärung der NS-Vergangenheit als Voraussetzung für die Etablierung des demokratischen Rechtsstaates ein. In dieser Perspektive war die strafrechtliche Delegitimierung des NS-Unrechtsstaates, die Benennung von Verantwortlichen und die Erinnerung an die Opfer als „Bewältigung der Vergangenheit“ Voraussetzung für die „Bewältigung der Zukunft“. Aus der Erinnerung an die Diktatur und die nationalsozialistischen Verbrechen sollten Konsequenzen für die Gestaltung des politischen Gemeinwesens gezogen werden. Barbara Just-Dahlmann vertraute nicht auf eine bloß institutionelle Demokratisierung; ihr Engagement gründete auf der Idee, dass der Transformationsprozess von der Diktatur zur Demokratie die politische Kultur umfassen müsse. In den Fokus der Juristin rückten dabei insbesondere die öffentliche Kommunikation über Angelegenheiten des Rechts sowie die Rolle des Staatsbürgers als Subjekt von Staatlichkeit und Politik. Ihr tätig vorgelebtes Engagement forderte die Bürger der Demokratie auf, in Auseinandersetzung mit der Geschichte die Fähigkeit zur verantwortungsvollen Partizipation zu lernen und die Demokratie zu ihrer eigenen Angelegenheit zu machen. Als streitbare Juristin, Staatsbürgerin und engagierte Demokratin hat Barbara Just-Dahlmann die im Übergang von Diktatur zur Demokratie notwendige „partizipatorische Revolution“ (Max Kaase) vorgelebt. Sie leistete einen Beitrag zu jener Nachgeschichte des Nationalsozialismus, die heute auch international als vorbildliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gelobt wird. Just-Dahlmann profitierte dabei von der Unterstützung Weniger. Als sie wegen ihres Loccumer Vortrags im Dezember 1961 in das Stuttgarter Justizministerium zitiert wurde, bereitete sie etwa der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer darauf vor, dass Schüle ihr nicht helfen werde. Der Präsident des Mannheimer Landgerichts, Hans Anschütz, intervenierte bei Just-Dahlmanns Vorgesetzten als ihre Beförderung behindert wur- 68 Norbert Frei, Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS- Vergangenheit, München 1997, 397. 69 Den auf die Geschichte der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit bezogenen analytischen Begriff „engagierte Demokraten“ habe ich gemeinsam mit Michael Kohlstruck formuliert. Vgl. Claudia Fröhlich/Michael Kohlstruck (Hg.), Engagierte Demokraten. Vergangenheitspolitik in kritischer Absicht, Münster 1999. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 263 de.70 Just-Dahlmann betrachtete diese Akteure als ihre „stillen Freunde“.71 Ein systematischer Blick auf die Geschichte der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit macht sichtbar, dass hier die Netzwerke der seit Anfang der 1950er Jahre aktiv für eine Vergangenheitspolitik in kritischer Absicht engagierten Demokraten wirksam wurden. Barbara Just-Dahlmann war seit 1961 ein Mitglied dieses Netzwerkes. 1946: Biografische Spurensuche – Engagement in der Evangelischen Studentengemeinde Eine biografische Spurensuche zeigt, dass Dahlmann die tätige Haltung einer engagierten Demokratin früh geübt hatte. Als Vertrauensstudentin der Evangelischen Studentengemeinde Freiburg veröffentlichte sie im Herbst 1946 eine Resolution, mit der sich die Studentengemeinde in der innerkirchlich strittigen Frage der zukünftigen Organisation und theologischen Ausrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) positionierte. Hans Asmussen, Leiter der Kirchenkanzlei des Rats der EKD reagierte auf die Resolution der Studentengemeinde mit einem Brief an Erik Wolf, dessen „engere Mitarbeiterin“ Dahlmann „sei“. Asmussen kritisierte die veröffentlichte Stellungnahme jedoch nicht inhaltlich. In den Fokus seiner Kritik rückte vielmehr das Kommunikationsverhalten der Studentengemeinde. Asmussen sprach der Studentengemeinde die Kompetenz ab, zu der seit Januar 1946 geführten Grundsatzdiskussion über die künftige Verfassung der EKD Stellung beziehen zu können. Sie sei „nicht in der Lage, die Werte und Gewichte abzumessen, die in der augenblicklichen Debatte auf dem Spiele stehen.“72 Anders als Asmussen lobte Martin Niemöller, damals stellvertretender Ratsvorsitzender und Leiter des Außenamtes der EKD, in seinem Schreiben an Dahlmann das Engagement der Studentengemeinde. Die Stellungnahme trage dazu bei, dass sich die Debatte um die Struktur der EKD als „Frage unseres gemeindlichen Zusam- 70 Vgl. Weinke (Fn. 2), 52, und Schreiben von Hans Anschütz an das Justizministerium vom 6.10.1964; Schreiben von Hans Anschütz an Generalstaatsanwalt Albert Woll vom 8.12.1964, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 27. 71 Vermerk von Barbara Just-Dahlmann vom 24.4.1998, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 27. 72 Brief von Hans Asmussen an Erik Wolf vom 4.11.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 5. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 264 menlebens […] von innen her […] in den Vordergrund schiebt“. Die Studenten etablierten eine neue „reale Kirche“ gegen die „klerikale und bürokratische Überfremdung“ „unserer ganzen Kirche“.73 Niemöller deutete das Engagement der Studentengemeinde im Sinne der Confessio Augustana als gelebte Kirche, die „Gemeinde der durch den Glauben zur Freiheit Berufenen“74 sei. Der Konflikt zwischen Asmussen, Dahlmann und Niemöller zeigt: In der Evangelischen Kirche wurden – wie in Justiz, Politik und Öffentlichkeit – nach der Zäsur von 1945 und in der Transformationsphase von der autoritären Diktatur zur Demokratie die Regeln von Kommunikation und Partizipation neu ausgehandelt; in der EKD musste insbesondere das Verhältnis von einzelnem Christ und Kirchenleitung neu definiert werden. Auch in den Gesprächen, die Dahlmann und Wolf zu dieser Zeit führten, diskutierten sie mit Blick auf die Situation während des „Dritten Reiches“ das zwischen einzelnem Christ und „Obrigkeit“ bestehende Verhältnis. Insbesondere die in Römer 13 formulierte und in den Augen vieler Christen den Widerstand gegen die NS‑Herrschaft verbietende Aufforderung „Jedermann soll sich denen unterordnen, die die Regierungsgewalt ausüben. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott kommt“ legten Dahlmann und Wolf nicht als Legitimation bedingungsloser Unterordnung aus.75 Vielmehr habe jeder Christ angesichts einer möglichen unrechtmäßigen Herrschaft, wie sie in der Offenbarung 13 im Bild des „Tieres aus dem Abgrund“ definiert wird, die Verpflichtung und das Recht, verantwortungsvoll die Rechtmäßigkeit der Ausübung von Macht und Herrschaft zu prüfen. Barbara Dahlmann bezog diese Position auf die Gegenwart und machte sie in ihrer leitenden Funktion bei der Evangelischen Studentengemeinde zum Handlungsmaßstab von gelebtem Glauben und Partizipation. In einem Brief an Asmussen rechtfertigte sie die Intervention der Evangelischen Studentengemeinde, die als verantwortungsvoll handelnder Akteure nicht nur berechtigt, sondern aufgefordert sei, ihre Stimme zu erheben. Dahlmann schrieb an Asmussen: „Wir möchten jedoch … auf den Vorwurf, nicht zu derartigen Erklärungen berufen zu sein, erwidern, dass wir glauben, dass es letzten Endes doch die Ge- 73 Brief von Martin Niemöller an Barbara Dahlmann vom 30.11.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 5. 74 Ebd. 75 Barbara Just-Dahlmanns Gesprächsprotokoll vom 28.8.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 4. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 265 meinden sind, die über das, was ihr Bekenntnis ist, etwas aussagen dürfen und sollen.“76 1963-1966: Justiz als Arena kritischer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Öffentlichkeit, Evangelische Kirche und Justiz waren also schon Mitte der 1940er Jahre die Handlungsarenen, in denen sich Barbara Just-Dahlmann bewegte, und auch ihr seit den 1960er Jahren geleistetes Engagement für eine kritische Aufklärung der NS-Vergangenheit ist in diesem institutionellen Dreieck zu verorten. Im Sinne des von Karls Jaspers 1946 in der Schuldfrage postulierten notwendig differenzierten Umgangs mit Vergangenheit, wählte Just-Dahlmann je spezifische Mittel, um in den verschiedenen Arenen die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu initiieren. Juristen und Strafrechtler forderte sie zum wissenschaftlichen Diskurs heraus. Gemeinsam mit Ehemann Helmut Just entwarf Just-Dahlmann etwa im März 1963 für den Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ein Schreiben an die Strafrechtler der deutschen Universitäten.77 Die Initiative, die Strafrechtswissenschaftler zu einer systematischen Analyse der Gehilfenjudikatur zu motivieren, scheiterte allerdings. Nur neun Strafrechtler beantworteten das Schreiben, unter ihnen die mit dem Thema bereits befassten Claus Roxin oder Günter Spendel. Ein zweiter Brief im März 1965 löste eher abwehrende Reaktionen der Strafrechtler aus.78 „Eigentlich schon resigniert“, aber nach einem Gespräch mit dem Tübinger Rechtswissenschaftler Jürgen Baumann neu motiviert,79 wendeten sich Barbara Just-Dahlmann und ihr Ehemann im Februar 1965 an die Redaktionen der juristischen Fachzeitschriften, um 76 Brief von Barbara Dahlmann im Namen der evangelischen Studentengemeinde Freiburg an Asmussen vom 11.11.1946, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 5. Unterstreichung im Original. 77 Nachdruck in: Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 160 ff. 78 Vgl. Ebd. 191. Vgl. die Briefe der Strafrechtswissenschaftler in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 8. 79 Brief von Barbara Dahlmann an Karl S. Bader vom 11.7.1964, in: StadtA MA- ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 8. Jürgen Baumann hatte sich zu diesem Zeitpunkt in mehreren Texten mit den NS-Prozessen beschäftigt, vgl. etwa Jürgen Baumann, Beihilfe bei eigenhändiger voller Tatbestandserfüllung, NJW, 1963, S. 561-565 und ders., Die strafrechtliche Problematik der nationalsozialistischen Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 266 eine „gründliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der ´Beihilferechtsprechung´“ zu initiieren.80 Doch die Reaktionen waren wieder ernüchternd. Die Redaktion der Monatsschrift für Deutsches Recht meinte, „(f)ür eine systematische Behandlung der Frage […] ist vielleicht der Zeitpunkt noch nicht gekommen“, und die Juristenzeitung signalisierte zwar Bereitschaft, in NS-Prozessen verkündete Urteil zu veröffentlichen und von Strafrechtlern kommentieren zu lassen, hatte aber Schwierigkeiten, Autoren zu gewinnen.81 Seit September 1964 kämpften Barbara Just-Dahlmann und Helmut Just dafür, den Verlauf der Verfahren zu den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen zum Thema eines Juristentags zu machen. Zwei Jahre lang mussten die beiden Juristen „mühsame Überzeugungsarbeit“82 leisten, bevor am 27. September 1966 auf dem Juristentag in Essen eine Sonderveranstaltung zum Thema „Probleme der Verfolgung und Ahndung von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen“ stattfand.83 Noch am Vormittag hatten Akteure aus den Landesjustizverwaltungen versucht, die Veranstaltung zu verhindern, und aus Protest gab der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, Fritz Werner, seine Mitgliedschaft im Präsidium des Deutschen Juristentags auf.84 Seit 1972: „Nur noch mit den Opfern von Auschwitz zusammen“ – Israel- Reisen als Bewältigung von Vergangenheit und Zukunft Kritische Aufklärung der Vergangenheit bedeutete für Just-Dahlmann auch Erinnerung an die Opfer. Seit 1963 engagierte sich Barbara Just- Dahlmann als Mitglied der Arbeitsgruppe Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Sie positionierte sich in vielen Vorträgen als Christin, die aus dem „Versagen“ der Kirche im „Dritten Reich“ Gewaltverbrechen, in: Henkys, Die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. Geschichte und Gericht, Stuttgart/Berlin 1964, 267-321. 80 Briefe von Barbara Just-Dahlmann und Helmut Just im Februar 1965 an die Redaktionen in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 8. 81 Vgl. Auszüge aus den Briefen in Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 179, 185. 82 Notiz von Barbara Just-Dahlmann, ohne Datum, vermutlich Februar 1966, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 8. 83 Vgl. Just-Dahlmann/Just (Fn. 1), 215 ff. 84 Vgl. Helmut Kramer, Barbara Just-Dahlmann – „Ludwigsburg öffnete uns schockartig die Augen, Ohren und Herzen“, in: Fröhlich/Kohlstruck (Fn. 69), 210. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 267 „gegenüber allen, die gemordet und gequält worden sind,“85 den Anspruch eines Erinnerns ableitete, das zur Beschäftigung mit den überlebenden Opfern und dem Staat Israel verpflichtete. Zur Leitlinie ihres Engagements wurde der Satz des katholischen Theologen Johann Baptist Metz „Wir Christen kommen niemals hinter Auschwitz zurück, über Auschwitz hinaus aber kommen wir … nicht mehr allein, sondern nur noch mit den Opfern von Auschwitz zusammen“.86 Seit 1972 unternahmen Barbara Just- Dahlmann und ihr Ehemann mehr als 30 Reisen nach Israel, zunächst allein, später leiteten sie Reisegruppen. In Israel praktizierten Just-Dahlmann und Just ein die Opfer anerkennendes Erinnern. Im Mittelpunkt ihrer Aufenthalte standen so Begegnungen mit Privatpersonen, Gespräche mit politischen Akteuren, Gottesdienstbesuche oder Gespräche mit Soldaten. Ziel waren stets eine „Vertiefung unserer Kenntnisse dieses Landes“87 und bedingungslose Solidarität mit Israel. 1974: Im Netzwerk der engagierten Demokraten – Solidarisierung mit Beate Klarsfeld Mit ihrer auf die Etablierung demokratischer Rechtsstaatlichkeit zielenden Methode, Vorgänge der Justiz zum Gegenstand des öffentlichen Diskurses zu machen, stieß die engagierte Demokratin Barbara Just-Dahlmann im Sommer 1974 erneut an die Grenzen des Regelsystems der institutionalisierten justitiellen Kommunikation. Diesmal traf sie der Vorwurf unangemessener „Urteilsschelte“. In einer Sendung der Reihe Christen im Alltag im Süddeutschen Rundfunk solidarisierte sich Barbara Just-Dahlmann im Juli 1974 mit Beate Klarsfeld und qualifizierte deren Verurteilung durch ein Kölner Gericht als unangemessen. 85 Vortrag von Barbara Just-Dahlmann: Versäumte Bewältigung der Vergangenheit, 1962, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 9. 86 Barbara Just-Dahlmann zitiert Metz zum Beispiel in einer Sendung im Deutschlandfunk im Juni 1988. Manuskript, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 21. 87 Barbara Just-Dahlmann, Aufzeichnungen während der Israel-Reise im Oktober 1973, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 19; im Nachlass finden sich viele ausführliche Reisetagebücher von Barbara Just-Dahlmann. Vgl. auch Barbara Just-Dahlmann, Der Kompaß meines Herzens. Begegnung mit Israel, Freiburg im Breisgau 1984. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 268 Beate Klarsfeld und ihr Ehemann Serge Klarsfeld hatten im März 1971 versucht, Kurt Lischka zu entführen. Laut eines Ende 1965 von der Ludwigsburger Zentralen Stelle vorgelegten Berichts gehörte Lischka zu den Hauptbeschuldigten im sogenannten Frankreich-Komplex. Von März 1942 bis August 1944 waren deutschen Deportationsverbrechen in Frankreich 75000 Juden zum Opfer gefallen. Lischka war in Abwesenheit wegen Beteiligung von einem französischen Gericht zwar verurteilt worden, eine Strafverfolgung in Deutschland war wegen der Sperrklausel im 1955 geschlossenen Überleitungsvertrag allerdings ausgeschlossen. Lischka lebte unbehelligt in Köln. Beate Klarsfeld, die als deutsches Aupair-Mädchen in Paris mit der NS-Vergangenheit und den während der NS-Zeit begangenen Verbrechen konfrontiert worden war und sich danach intensiv mit der Geschichte befasst hatte, hatte in vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen gegen die Blockierung der Strafverfolgung von NS-Verbrechen protestiert und die personellen Kontinuitäten NS-belasteter Politiker in Deutschland skandalisiert.88 1968 hatte sie mit der Ohrfeige Kurt Georg Kiesingers öffentlich skandalisiert, dass Deutschland von einem Kanzler regiert wurde, dem im „Dritten Reich“ als stellvertretendem Abteilungsleiter für Rundfunkfragen im Auswärtigen Amt der Abhördienst unterstanden hatte und der über die Judenverfolgung und -vernichtung informiert war.89 Dass sich die Staatsanwältin Just-Dahlmann mit der in Deutschland als „Nazijägerin“90 stigmatisierten Klarsfeld solidarisierte und ihre Bewunderung für deren politisches Engagement zum Ausdruck brachte, löste Kritik aus. Just-Dahlmann reagierte mit einem Brief an den Generalstaatsanwalt in Karlsruhe. Noch einmal begründete sie die Relevanz des für die Justiz und die Rechtsprechung wichtigen öffentlichen Diskurses. Dabei wurde deutlich, dass Just-Dahlmann Rechtsprechung als ein soziales und historisches Konstrukt verstand, das es permanent durch selbstreflexive Kritik zu überprüfen gelte. Ein Urteil, so argumentierte Just-Dahlmann, sei nichts „Heiliges“, kein „´heiliger Spruch´ mit Unfehlbarkeitsan- 88 Vgl. Rita Thalmann, Beate Klarsfeld – „Ich will, daß meine beiden Kinder drauf stolz sind, eine deutsche Mutter zu haben.“, in: Fröhlich/Kohlstruck (Fn. 69), S. 289 ff. 89 Dazu vorab: Beate Klarsfeld, Le sommeil trouble de l`Allemagne, Combat vom 21.7.1967. 90 Thalmann (Fn. 88), 292. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 269 spruch“.91 Einmal mehr hatte sich die Mannheimer Juristin mit ihrer öffentlichen „Meditation“ zum Fall Beate Klarsfeld als kritische Akteurin in der eigenen Profession profiliert. Seit 1970: Ehrungen Viele engagierte Aufklärer der NS-Vergangenheit blieben – wenn auch in teilweise hohen Ämtern in den Institutionen der Bundesrepublik tätig – Außenseiter der Gesellschaft, deren Arbeit selten, erst posthum oder vor allem im Ausland gewürdigt wurde. Die streitbare Juristin Barbara Just- Dahlmann wurde seit den 1970er Jahren vielfach ausgezeichnet. Sie erhielt 1970 die Theodor-Heuß-Gedenkmedaille, 1980 wurde sie mit dem Moses-Mendelssohn-Preis des Berliner Senats geehrt, 1985 bekam sie die Hedwig-Burgheim-Medaille, 1988 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse oder 1994 die Herrmann-Maas-Medaille. Auch in Israel wurden Barbara Just-Dahlmann und ihr Ehemann ausgezeichnet.92 Gegen Widerstände und Kritik setzte sich die Juristin auch innerhalb der Justiz durch. Seit 1980 war sie Direktorin des Amtsgerichts in Schwetzingen.93 Wie lässt sich die ambivalente Rolle Barbara Just-Dahlmanns als enfant terrible und seit den 1970er Jahren vielfach Ausgezeichnete erklären? Zwei Faktoren scheinen von Bedeutung zu sein: Just-Dahlmanns politische Positionierung als Liberale und ihre habituelle Konsensfähigkeit. Während etwa die als „Nazijägerin“ stigmatisierte Beate Klarsfeld oft mit erhobener Faust und schreiend porträtiert wurde, zeigten Fotos Just-Dahlmann als formal den gesellschaftlichen Regeln entsprechend auftretende Frau. Auf dem Juristentag in Nürnberg 1968 präsentierte sie sich den Kameras neben dem Bundesminister der Justiz und späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann.94 Als Liberale publizierte Just-Dahlmann in etablierten Verlagen und Sammelbänden, wie dem von der Vorsitzenden der Theodor-Heuss-Stiftung, Hildegard Hamm-Brücher, herausgegebenen 91 Stellungnahme von Barbara Just-Dahlmann an Generalstaatsanwalt in Karlsruhe vom 6.8.1974, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 21. 92 Vgl. die Sammlung von Urkunden und Medaillen in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6). 93 Die Ernennung zur Direktorin des Amtsgerichts Schwetzingen erfolgte am 21.12.1979. Urkunde in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 27. 94 Foto in StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 57/1996, Nr. 64. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 270 Buch Auftrag und Engagement der Mitte.95 Die von Just-Dahlmann und Just in Israel praktizierte Solidarität mit den überlebenden Opfern der NS- Vernichtungspolitik fiel zudem in jene Zeit, in der seit dem Regierungswechsel 1969 mit Willy Brandt zum ersten Mal ein Bundeskanzler das Ende des „Dritten Reichs“ öffentlich als Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus deutete und offensiv für die – von Just-Dahlmann praktizierte – Aussöhnung mit den Opfern nationalsozialistischer Verfolgung warb. Was bleibt? Die Gehilfen und die Geschichte von Barbara Just-Dahlmann als Einspruch gegen eine westdeutsche Erfolgsgeschichte 1988 dokumentierten Barbara Just-Dahlmann und Helmut Just in dem Buch Die Gehilfen. NS-Verbrechen und die Justiz nach 1945 ihre Geschichte. Es erschien im Frankfurter Verlag athenäum, aber auch der Campus Verlag hatte die Publikationspläne „in jeder Hinsicht“ unterstützt. Campus-Lektor Adalbert Hepp bewertete Die Gehilfen als notwendigen Einspruch gegen die sich in den 1980er Jahren vollziehende Relativierung und Normalisierung der NS-Geschichte und ihrer Nachgeschichte.96 Die Gehilfen, zwei Jahre vor der Wiedervereinigung Deutschlands publiziert, fungierte aber vor allem als ein Gegenpol zu der anlässlich des 50. Jahrestags der Gründung der Bundesrepublik Ende der 1990er Jahre von der Wissenschaft auch mit Blick auf den Umgang mit der NS-Vergangenheit bilanzierten Erfolgsgeschichte Westdeutschlands. „Die Gehilfen“ sowie die Geschichte der engagierten Demokratin und streitbaren Juristin Barbara Just-Dahlmann dokumentieren die oft übersehene oder als Kollateralschaden marginalisierte Seite dieser Erfolgsgeschichte: Mit der in den NS- Verfahren vollzogenen Gehilfenjudikatur und der personellen Reintegration des NS-Personals in die westdeutschen Institutionen wurden Rechtsstaat und Demokratie beschädigt.97 Barbara Just-Dahlmann hat als streit- 95 Barbara Just-Dahlmann, Eckwerte liberalen Handelns, in: Hamm-Brücher (Hg.), Auftrag und Engagement der Mitte. Eckwerte der Demokratie in der Bundesrepublik, München 1974, 77 ff. 96 Brief von Adalbert Hepp vom 11.11.1986 an Barbara Just-Dahlmann, in: StadtA MA-ISG, NL BJD (Fn. 6), Zug. 60/2008, Nr. 21. 97 Joachim Perels, Die Nachwirkungen der NS-Diktatur im demokratischen Rechtsstaat. Einleitung, in: ders., Das juristische Erbe des „Dritten Reiches.“ Beschädigungen der demokratischen Rechtsordnung, Frankfurt a.M./New York 1999, 11 ff. Barbara Just-Dahlmann (1922-2005) 271 bare Juristin in vielen Konflikten für einen aufklärenden Umgang mit der NS-Vergangenheit und für die Anerkennung der Würde der Opfer gekämpft. Als engagierte Demokratin hat sie damit verantwortungsvolle politische Partizipation tätig vorgelebt und einen wichtigen Beitrag zur Etablierung des Staatsbürgers als Subjekt in der Demokratie geleistet. Sie gehörte zur Minderheit der kritischen Köpfe in der Bundesrepublik, die die Aufklärung der NS-Vergangenheit gegen eine von der Justiz, Politik und Öffentlichkeit vollzogene Abwehr und Blockierung zur Erfolgsgeschichte gemacht haben. Porträts streitbarer Juristinnen und Juristen 272

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Abstract

„Critical Lawyers in Germany“, volume 2, is the sequel of the 1988 book “Critical Lawyers in Germany. A different tradition”. Just like its precursor, it comprises biographical profiles of late attorneys, judges and legal scholars, but it also includes interviews with contemporary witnesses of more recent legal movements. The volume presents theorists and practitioners who have actively intervened in socio-political debates since 1945, especially in the controversies following the 1960s and 70s, and who have stood up for ideas of participatory democracy and an inclusive understanding of law and the Constitution. The volume covers diverse voices of legal critique, also those that are hardly known or almost forgotten. The selection of biographical portraits and interviews broadens the spectrum of critical legal thinkers and activists covered in volume 1. Volume 2 adds perspectives, locations and practices of critique, following the lines and actors of social movements, institutional activism and public interest litigation in Germany.

<b>With contributions to:</b>

Alfred Apfel · Otto Bauer · Margarete Berent · Sebastian Cobler · Franz-Josef Degenhardt · Hedwig Dohm · Eugen Ehrlich · Helga Einsele · Winfried Hassemer · Werner Holtfort · Barbara Just-Dahlmann · Franz Kafka · Leopold Kohr · Anna Mackenroth · Marie Munk · Nora Platiel · Diether Posser · Marie Raschke · Helmut Ridder · Wiltraut Rupp-v. Brünneck · Magdalene Schoch · Jürgen Seifert · Helmut Simon · Kurt Tucholsky · Edda Weßlau

Zusammenfassung

„Streitbare JuristInnen (Band 2)“ ist die Fortsetzung des Bandes „Streitbare Juristen. Eine andere Tradition“ aus dem Jahre 1988 und umfasst Porträts von bereits verstorbenen JuristInnen und Interviews mit ZeitzeugInnen. Thematisch liegt der Schwerpunkt auf Personen, die nach 1945 aktiv an gesellschaftspolitischen Debatten teilgenommen haben, insbesondere an Kontroversen seit „1968“, die zu Kristallisationspunkten der Rechtspolitik wurden und die für ein demokratisches und inklusives Rechts- bzw. Verfassungsverständnis eingetreten sind. Dabei kommt eine breite Vielfalt an Stimmen der Rechtskritik zu Wort, auch RepräsentantInnen kritischer Strömungen, die weniger bekannt oder fast vergessen sind. Die Auswahl der Porträtierten und der InterviewpartnerInnen erweitert den Querschnitt an streitbaren JuristInnen, die schon im ersten Band vorgestellt wurden, und damit auch die Formen, Praxen und Orte der Streitbarkeit. Ein Fokus liegt auf rechtspolitischen und zivilgesellschaftlichen Bewegungen der Bundesrepublik, auf KritikerInnen der Zeitgeschichte, die aktiv in rechtspolitische Kontroversen interveniert und die sich in wissenschaftlichen, rechtlichen und politischen Institutionen rechtspolitisch engagiert haben.

<b>Mit Beiträgen über:</b>

Alfred Apfel · Otto Bauer · Margarete Berent · Sebastian Cobler · Franz-Josef Degenhardt · Hedwig Dohm · Eugen Ehrlich · Helga Einsele · Winfried Hassemer · Werner Holtfort · Barbara Just-Dahlmann · Franz Kafka · Leopold Kohr · Anna Mackenroth · Marie Munk · Nora Platiel · Diether Posser · Marie Raschke · Helmut Ridder · Wiltraut Rupp-v. Brünneck · Magdalene Schoch · Jürgen Seifert · Helmut Simon · Kurt Tucholsky · Edda Weßlau