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Arne Niemann, Alexander Brand, Die Europäisierung des Fußballs: Von der Umsetzung politischer Vorgaben zur Gestaltung europäischer Realitäten in:

Jürgen Mittag (ed.)

Europäische Sportpolitik, page 167 - 180

Zugänge - Akteure - Problemfelder

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8329-7894-5, ISBN online: 978-3-8452-4370-2, https://doi.org/10.5771/9783845243702-167

Series: Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e.V., vol. 82

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Die Europäisierung des Fußballs: Von der Umsetzung politischer Vorgaben zur Gestaltung europäischer Realitäten Arne Niemann/Alexander Brand Berufsfußball – wie professioneller Sport insgesamt – ist der Regelungskompetenz europäischen Rechts unterworfen. Dass diese Feststellung heute selbstverständlich anmutet, hat zweifelsohne mit dem Bosman-Urteil (1995) des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) und den nachfolgenden Debatten um das Verhältnis von sportverbandlichen und politischen Kompetenzen auf EU-Ebene zu tun. Waren bis Mitte der 1990er Jahre die Effekte der europäischen politischen Integration auf den Bereich des Sports zwar vorhanden, in ihrer Sichtbarkeit aber marginal, so haben sich spätestens mit „Bosman“ die Aufmerksamkeits- und Handlungshorizonte der relevanten Akteure dramatisch verändert. Dennoch bestand für einige Zeit eine Kluft zwischen den sich vollziehenden politisch-gesellschaftlichen Dynamiken (die Veränderung des Sports bzw. Fußballs innerhalb nationaler Kontexte als Resultat von EU- Politiken und -Rechtsprechung) und deren Erforschung. Während die Entwicklungen auf EU-Ebene relativ frühzeitig und umfangreich Beachtung fanden (u.a. Brown 2000; Foster 2000; Weatherill 2003), rückte das Wechselspiel von europäischer Integration und der Veränderung nationaler Fußballkulturen erst später ins Blickfeld (u.a. Brand/Niemann 2007; Manzenreiter/Spitaler 2011; Niemann/Garcia/Grant 2011). Eine ähnliche Entwicklung war bereits seit den 1990er Jahren auch für das Forschungsfeld europäische Integration festzustellen. Nach vier Dekaden der Beschäftigung mit politischen Integrationsdynamiken auf europäischer Ebene wandte sich die Forschung zu dieser Zeit vermehrt den jeweils nationalstaatlichen Konsequenzen und spezifisch nationalen Anpassungsprozessen infolge vorhandenen Integrationsdrucks zu. Diese Prozesse komplexen Wandels wurden in der Folge als Europäisierung bezeichnet (u.a. Ladrech 1994; Radaelli 2000). Wenn im Folgenden von der Europäisierung des Fußballs gesprochen wird, dann spielt die beschriebene Dialektik aus Transformationsdruck seitens EU-Institutionen sowie jeweils nationalen Akteurskonstellationen 167 und Umsetzungsschritten in nationalen Kontexten eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus sollen aber ebenso Wandlungsprozesse jenseits der Handlungsebene der EU-Institutionen erfasst werden. Dies erscheint insbesondere deswegen gerechtfertigt, als sich Fußball in Europa durch ein dichtes (und sich seit zwei Jahrzehnten deutlich verdichtendes) Netz transnationaler Aktivitäten auszeichnet. Es ist nicht übertrieben, in diesem Zusammenhang von einem europäischen Bezugsrahmen zu sprechen, der sich weitestgehend jenseits – wenn auch nicht vollständig entkoppelt – eines Anpassungsdrucks der EU-Institutionen herausgebildet hat (Herausbildung einer gesamteuropäischen Liga, der UEFA Champions League, sowie intensivere Netzwerkbildung zwischen europäischen (Spitzen-) Clubs, Clubvertretern und Verbandsfunktionären). Das politikwissenschaftliche Konzept der Europäisierung Die bemerkenswerte Karriere des Europäisierungs-Konzepts in der politikwissenschaftlichen Integrationsforschung begann Mitte der 1990er Jahre. Zum Teil speist sich seine Popularität dabei auch aus dem Umstand, dass es mit Hilfe dieses Konzepts möglich schien, eine Vielzahl von Wandlungsprozessen und Phänomenen politischen Wandels infolge europäischer Integration zu erfassen (Olsen 2002). Meistenteils stand Europäisierung dabei für den Wandel von Politikinhalten, Prozessen der Interessenrepräsentation, des Politikstils und politisch-gesellschaftlicher Strukturen und Institutionen als Ergebnis von EU-Gesetzgebung sowie politischer Entscheidungsfindung auf EU-Ebene (Radaelli 2000). Aus diesem Grund konzentrierte sich die traditionelle Erforschung von Europäisierung primär darauf, zu erklären, wann, wo, wie, warum und in welchem Ausmaß sich EU-Integration und politische Steuerung auf EU-Ebene in nationalstaatlichem Wandel niederschlug. Relativ frühzeitig wurde dabei darauf verwiesen, dass sich solcherart Wandel nicht einseitig gerichtet vollziehe, sondern Dynamiken in beide Richtungen – in nationale Kontexte hinein (topdown) und aus diesen heraus auf die EU-Ebene hin (bottom-up), ggf. mit nachfolgenden Rückwirkungen wiederum auf nationale Kontexte – umfasse (Ladrech 1994; Schmidt 2002). Zusätzlich zu diesen Formen wechselseitiger Beeinflussung zwischen EU-Ebene (top-down, oder: downloading) und der Ebene nationaler Politik (bottom-up, oder: uploading) lassen sich weitere Phänomene identifizieren, die bisher weniger im Blickfeld der Europäisierungsforschung Arne Niemann/Alexander Brand 168 standen, dennoch aber von zentraler Bedeutung für die empirische Analyse des Handlungsfeldes Fußball sind. Wir haben diese Aspekte als die gesellschaftliche/transnationale Dimension von Europäisierung bezeichnet (Brand/Niemann 2007). Gesellschaftlich bezieht sich dabei primär auf die Sphäre, in der sich Wandel ausmachen lässt – Fußball als gesellschaftliches Aktionsfeld – während transnational die Akteursschaft bezeichnet, die diesen Wandel unterstützt oder ihn zu beeinflussen sucht, also auf grenzüberschreitend agierende gesellschaftliche Akteure fokussiert. Auch wenn es falsch wäre, zu unterstellen, dass solcherart transnationale Dimensionen der Europäisierung bisher keine Rolle in der Forschung gespielt hätten, so muss doch erwähnt werden, dass eben jener Transnationalismus in den einschlägigen Arbeiten eher selten spezifiziert bzw. empirisch fassbar gemacht wird. In den meisten Fällen wird die transnationale Qualität der Prozesse stattdessen behauptet oder angenommen (u.a. Menz 2003; Winn 2003). In der Integrationsforschung hingegen haben einige Studien aus neofunktionalistischer Sicht oder der Perspektive supranationaler Governance differenzierende Beschreibungen transnationaler Dynamiken vorgelegt (u.a. Stone Sweet/Sandholtz 1997; Niemann 2006). Ihre Arbeiten blieben aber auf das Zustandekommen von Kooperation, Institutionen und Politiken auf supranationaler Ebene gerichtet, nicht auf die Erklärung von Wandlungsprozessen in nationalen Kontexten. Den nachfolgenden Ausführungen liegt folglich ein breites Verständnis von Europäisierung zugrunde. Eine engere Definition von Europäisierung bezeichnete dabei den Wandel von Politikinhalten, Prozessen der Interessenverfolgung und Interessenrepräsentation sowie Institutionen als Resultat eines Anpassungsdruckes seitens der EU. Dieser Wandel wäre primär der Gesetzgebung, Rechtsprechung und politischer Entscheidungsfindung, die auf EU-Ebene initiiert wurde, geschuldet und variiert allenfalls in dem Maße, inwieweit sich nachfolgend in innenpolitischen Kontexten deren Umsetzung voneinander unterscheidet. Ein weites Verständnis von Europäisierung betont dagegen generelle Anpassungsleistungen und Transformationsdynamiken in nationalen Kontexten, die aus dem Prozess europäischer Integration resultieren oder sich in dessen Rahmen vollziehen. Der Vorteil eines solchen Verständnisses liegt darin, dass damit sowohl das Agieren nationaler wie transnationaler Akteure im Vorfeld politischer Entscheidungsfindung bzw. Rechtsprechung auf europäischer Ebene sichtbar gemacht wird, als auch Akteursschaft jenseits politischer Integration, die dennoch europäisierend wirkt. Die Europäisierung des Fußballs 169 Auf der Grundlage eines solchen breiten Verständnisses haben wir vorgeschlagen, zwei Stränge von Europäisierung zu unterscheiden (Brand/ Niemann/Spitaler 2012). Der erste Strang umfasst sowohl den bereits angesprochenen Anpassungsdruck durch die EU (downloading) – also EuGH-Urteile, Untersuchungen und Vorgaben der Kommission etc. – als auch mannigfaltige Versuche, solche politischen Regelungsabsichten auf europäischer Ebene aus nationalen Kontexten heraus zu gestalten und zu beeinflussen (uploading). Davon zu unterscheiden ist ein zweiter Strang von Europäisierungsdynamiken, der sich aus transnationalen Verflechtungsprozessen speist, die parallel ablaufen, wie etwa die Herausbildung transnationaler Lobbynetzwerke (u.a. die frühere G-14, jetzt ECA) oder aber die Schaffung einer de facto gesamteuropäischen Fußballliga, der Champions League (crossloading). Dieses zweigliedrige Konzept von Europäisierung richtet seine Aufmerksamkeit wie bereits betont auf Prozesse des Wandels in nationalen Kontexten; das Hauptaugenmerk liegt also darauf, wie sich nationale Fußballkulturen in zentralen organisatorischen Aspekten (Spielermarkt, Transfersystem, TV-Vermarktung, Spielbetrieb und Interessenrepräsentation) europäisieren. Da, wie geschildert, nicht allein EU-induzierter Wandel untersucht werden soll, ist Europäisierung in unserem Verständnis nicht gleichzusetzen mit „EU-isierung“ (Wallace 2000). Sie unterscheidet sich auch von allgemeineren Konzepten wie Harmonisierung oder Konvergenz, wenn auch die Angleichung nationaler Verhältnisse an einen paneuropäischen Standard eine mögliche Konsequenz von Europäisierung darstellt. Dennoch unterstreichen empirische Befunde – jenseits des Sports (Caporaso/Jupille 2001; Héritier et al. 2001) wie auch in Bezug gerade auf europäische Fußballkulturen (Niemann/Garcia/Grant 2011) –, dass Europäisierungsdynamiken mit einer teils ganz unterschiedlichen Wahrnehmung von Handlungsspielräumen seitens nationaler, gesellschaftlicher und politischer Akteure verbunden sind und folglich zu erheblich voneinander abweichenden Ergebnissen führen. Fußball als Gegenstand von Europäisierungsdynamiken – Fünf Analysedimensionen Im Folgenden sollen schlaglichtartig jene Zusammenhänge skizziert werden, die in der bisherigen Forschung als relevant für die Europäisierung des deutschen Fußballs identifiziert und analysiert wurden (Brand/ Arne Niemann/Alexander Brand 170 Niemann 2007, 2011). An einigen Stellen werden die Befunde mit denen aus anderen Länderanalysen angereichert (u.a. Niemann/Brand/Spitaler 2011; die Länderstudien in: Niemann/Garcia/Grant 2011), um einerseits die nationenübergreifende Anwendbarkeit der Kategorien zu verdeutlichen und andererseits auch empirisch zu verdeutlichen, dass Europäisierung durchaus in unterschiedliche Konsequenzen münden kann. Die einleitend beschriebene Unterscheidung zwischen zwei Strängen der Europäisierung aufgreifend widmen wir uns dabei drei Dynamiken des downbzw. uploading (Bosman I: Nationalitätenfrage, Bosman II: Neues Transferregime, TV-Vermarktung) sowie zwei crossloading-Phänomenen (Champions League sowie transnationales Lobbying durch die G-14, jetzt European Club Association, ECA). Das Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 1995 bildet dabei gleichsam den Ausgangspunkt unserer Überlegungen. Auch wenn die Überraschung, die es seinerzeit bei den nationalen Sportverbänden auslöste, eine selbst verschuldete gewesen sein mag (im deutschen Fall kursierte im Vorfeld wenigstens eine Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums, in der bereits absehbare Szenarien diskutiert wurden1), ist es nicht übertrieben, in diesem Urteil eine Zeitenwende des (Profi-)Sports zu sehen. Bis dato galt die landläufige Meinung, dass Fußball, neben anderen Sportarten, in seinen zentralen konstitutiven Elementen (Organisation, Regelwerk etc.) Regulierungsmaterie von autonomen Sportverbänden, Dachverbänden und Vereinen sei (Croci 2001, 2). Während der 1990er Jahre aber setzte sich zunehmend die Ansicht seitens EU-Institutionen durch, dass maßgeblich Profifußball als eine unternehmerische Aktivität durch die Regelwerke der Europäischen Gemeinschaften gebunden sei. Das Bosman- Urteil bestand dabei aus zwei generellen Vorgaben: Zum Ersten stellte es fest, dass das existierende Transfersystem mit Ablösezahlungen für vertragsfreie Spieler gegen die Arbeitnehmerfreizügigkeit (EGV, Art. 48) verstoße und reformiert werden müsse; zum Zweiten wies es darauf hin, dass Restriktionen bezüglich des Einsatzes ausländischer Spieler insofern gegen EU-Recht verstießen und illegal seien, als sie unzulässig gegenüber sog. EU-Ausländern diskriminierten (Foster 2000, 42). Beide Aspekte des Urteils und die nachfolgende Umsetzung von Maßnahmen trugen zu einer Europäisierung des deutschen Fußballs bei, wenn auch in unterschiedli- 1 Diesen Hinweis verdanken wir Walfried König, langjähriges Mitglied der Konferenz der Sportminister der Länder sowie zahlreicher Ausschüsse und Kommissionen der KMK und der SMK. Die Europäisierung des Fußballs 171 chem Maße und auf verschiedene Art und Weise. Den sichtbarsten Niederschlag fand die zweite Vorgabe, die zu einer deutlichen Veränderung des Spielermarktes im deutschen Berufsfußball führte (Bosman I: Nationalitätenfrage); aber auch hinsichtlich der eingeforderten Reform des Transfersystems (Bosman II) lassen sich Prozesse aufzeigen, in die der deutsche Fußball involviert war. Aus Perspektive des deutschen Fußballs sind im Hinblick auf die Nationalitätenfrage dabei vor allem zwei Aspekte von Interesse: Was erklärt die vergleichsweise progressive Umsetzung der Vorgaben des EuGH im deutschen Fall? (Schließlich liberalisierte man die einschlägigen Klauseln nicht nur dergestalt, dass nunmehr keine Restriktionen für EU-Ausländer, sondern für UEFA-Ausländer gelten sollten.) Darauf aufbauend lässt sich danach fragen, welche Konsequenzen aus Anpassungsdruck seitens der EU-Ebene und der spezifischen Umsetzung im deutschen Fall resultierten. Konsultiert man Zeitzeugen und Verbandsvertreter, die zu jener Zeit an den Entscheidungen beteiligt waren, so wird von deren Seite des Öfteren auf die spezifische sozio-politische Situation nach Ende des Ost-West- Konfliktes sowie den Kontext voranschreitender europäischer Einigung verwiesen (siehe dazu genauer: Brand/Niemann 2007, 188f.), wenn es darum geht, die Liberalisierungsleistung zu erklären, die weit über die Vorgaben des Bosman-Urteils hinaus ging. Ebenso wird bisweilen darauf verwiesen, dass man gute Kontakte zu den zentral- und osteuropäischen UEFA-Mitgliedsverbänden etabliert hatte und diese nicht im Sinne einer Zwei-Klassen-Lösung außen vor lassen wollte. Schließlich wird auch angeführt, dass eine Öffnung des deutschen (Profi-)Spielermarktes für Spieler aus allen 51 anderen UEFA-Mitgliedsländern auch verhindert habe, dass man von absehbaren Klagen seitens betroffener Spieler aus den EU assoziierten Ländern überzogen werden konnte. Andererseits muss aber in Betracht gezogen werden, dass die progressive Rücknahme von Restriktionen einem ökonomischen Kalkül folgte. So war mit der Außerkraftsetzung der Ablösezahlungen für vertragsfreie Spieler eine zentrale Quelle der Refinanzierung versiegt, während vergleichsweise strikte Lizensierungsauflagen die Vereine zum Sparen zwangen. Die Öffnung des Spielermarktes gerade gen Mittel- und Osteuropa hatte unter diesem Blickwinkel eine kompensatorische Wirkung, als es nun möglich war, unbegrenzt Spieler etwa aus der Balkanregion zu verpflichten, für die weniger investiert werden musste. Wenig überraschend führten sowohl die Vorgaben von Bosman I als auch deren Umsetzung zu einem tiefgreifenden Wandel der Zusammenset- Arne Niemann/Alexander Brand 172 zung der Mannschaften im deutschen Profifußball. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre bis Mitte der 2000er Jahre stieg der Anteil der sogenannten UEFA-Ausländer von ca. 12 auf 38%, währenddessen der prozentuale Anteil deutscher Spieler von 80 auf 50% sank (vgl. für genauere Daten: Brand/Niemann 2011, 62). Nicht allein jedoch die progressive Umsetzung des Urteils im deutschen Kontext ist erwähnenswert, sondern auch der Fakt, dass sich im Fahrwasser der Entscheidung (und spätestens seit den eher bescheidenen Auftritten der Nationalmannschaft Ende der 1990er Jahre) die Einsicht durchsetzte, dass die Veränderung des Spielermarktes auch dazu geführt habe, dass es in Deutschland an talentierten Nachwuchsspielern mangele, die für die Nationalmannschaft spielberechtigt waren. Insofern stellen die forcierte Einrichtung von Nachwuchsleistungszentren als Teil der Lizensierungsbestimmungen für Profimannschaften seit Beginn der 2000er Jahre und die Restriktion von Spielgenehmigungen für Nicht-EU-Ausländer im semiprofessionellen bzw. Amateurbereich den anderen Teil der Medaille dar. Fasst man beide Entwicklungen zusammen, so ergibt sich der Befund, dass Anpassungsdruck und Umsetzung der EU- Vorgaben im Verbund zu einer Transformation des Spielermarktes im Sinne einer faktischen Europäisierung im deutschen Fußball geführt hat. Ähnliche Dynamiken lassen sich auch für andere nationale Kontexte beobachten, und zwar unabhängig davon, ob wie im Falle Deutschlands frühzeitig über die Vorgaben des Bosman-Urteils hinaus liberalisiert wurde (vgl. den Fall Österreich: Niemann/Brand/Spitaler 2011) oder erst mit zeitlicher Verzögerung (vgl. den Fall Italien: Croci/Porro/Russo 2011). Varianz hingegen lässt sich hinsichtlich der temporär etablierten Mechanismen zum Gegensteuern in der Nachwuchsförderung feststellen: Insbesondere die österreichischen Modelle – die sog. 9+9-Regel sowie der „Österreicher- Topf“, der Einsatzzeiten österreichischer Spieler prämiert – standen hier unter dem Verdacht, nicht mit EU-Vorgaben konform zu sein (Niemann/ Brand/Spitaler 2011, 192f.). Zudem lässt sich anhand des Falles Frankreichs beobachten, dass sich in einem traditionell offenen Spielermarkt durch die europaweite Umsetzung des Bosman-Urteils nicht automatisch ebenso der Anteil ausländischer Spieler erhöhte (Ranc/Sonntag 2011, 103-106). Der zweite Aspekt des Bosman-Urteils (eigentlich der hauptsächliche), demzufolge das existierende Transfer- und Ablöseregime im Widerspruch zur Arbeitnehmerfreizügigkeit stand, bietet hingegen Anschauungsunterricht für die aufkeimende Lobbyarbeit seitens nationaler Fußballverbände Die Europäisierung des Fußballs 173 sowie der großen Dachverbände UEFA und FIFA auf europäischer Ebene. Parrish (2003) hat die zugrunde liegende Dynamik mit der Formation von Akteurskoalitionen, die für jeweils unterschiedliche Verständnisse und Interessen stehen (advocacy coalitions), verglichen. Während EuGH und in der Folge maßgeblich die Europäische Kommission auf eine Reform des Transfersystems drängten und im Jahr 2000 schließlich mit einem Nachfolgeurteil drohten (Croci 2001, 7), formierten sich die genannten Verbände in Opposition, insbesondere um eine puristische Auslegung von Marktund Wettbewerbsrecht zu verhindern. Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs verlegten sich dabei auf eine Doppelstrategie. Einerseits versuchten sie, gute Kontakte mit den entsprechenden Kommissariaten zu kultivieren, andererseits übten sie Druck auf nationale politische Entscheidungsträger aus, um mit deren Hilfe den aus ihrer Sicht desaströsen Konsequenzen der Einführung normaler Marktmechanismen im Fußball entgegenzusteuern. Inhaltlich ging es dabei vornehmlich um die beiden Themen Vertragsstabilität (auf deren Basis die Operabilität von Ligen/Vereinen sichergestellt wurde) sowie Ausbildungsentschädigungen als legales Nachfolgeinstrument der alten Ablösezahlungen, die Freizügigkeit ermöglichen, gleichzeitig aber Anreize zur Nachwuchsförderung setzen sollten. Dass sich die deutschen Verbandsfunktionäre erfolgreich mit Hilfe der von ihnen auserkorenen Spitzenpolitiker durchsetzten – man beachte das gemeinsame Statement von Bundeskanzler Schröder und Premierminister Blair im Vorfeld des Gipfels von Nizza 2000 zur besonderen gesellschaftlichen Rolle des Sports – führte schließlich zum Abrücken der Kommission von ihren Maximalforderungen. Sie akzeptierte die beiden zentralen Forderungen (Vertragsstabilität und Ausbildungsentschädigungen) und Wettbewerbskommissar Monti dankte schließlich FIFA-Präsident Blatter für dessen Reformeifer derart, dass der Eindruck entstehen konnte, die Kommission hätte nur in beratender Funktion am Reformwerk der FIFA teilgehabt (Croci/Forster 2004, 16). Deutsche Verbandsfunktionäre waren in diesem Sinne im politischen Prozess, der zur teilweisen Revision des Transfersystems führte, federführend und gestalterisch tätig, indem sie Lobbyarbeit zugunsten ihrer Interessen leisteten und die weiterführenden Ambitionen der Kommission einhegten. Eine ähnliche Herausbildung von Akteurskoalitionen ließ sich auch im Falle der Vermarktungsmodelle für die TV-Übertragung von Fußballspielen ausmachen. Hier initiierte wiederum die Kommission eingangs der 2000er Jahre einen politischen Prozess, indem sie eine Untersuchung zur Praxis der Vergabe der TV-Übertragungsrechte in Deutschland anstrengte. Arne Niemann/Alexander Brand 174 Hintergrund waren wettbewerbsrechtliche Bedenken gemäß EGV, Art. 81 (1), gegen das sog. Zentralvermarktungsmodell. Während der deutsche Fußballverband (ebenso wie die UEFA, die sich einer ähnlichen Untersuchung im Hinblick auf die Zentralvermarktung der Champions League ausgesetzt sah) im Verbund mit der Mehrzahl der Profivereine darauf drang, dieses Modell aus Gründen der Solidarität und Überlebensfähigkeit der kleineren Klubs von den üblichen wettbewerbsrechtlichen Regelungen auszunehmen, bestanden auf Seiten der Kommission und wohl auch einiger Großklubs Bedenken, ob es sich dabei nicht um eine unbotmäßige Beschränkung des Wettbewerbs handele. Während DFB/DFL und die überwiegende Mehrzahl der Profivereine maßgeblich für eine wie oben begründete Befreiung gemäß EGV, Art. 81 (3), plädierten, favorisierten (wenigstens zeitweise) Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen eine dezentrale Vergabe der Übertragungsrechte. Aus dieser erhofften sie sich höhere individuelle Einnahmen und in der Folge ein Mehr an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber europäischen Konkurrenten (etwa aus England, wo dank mehrfacher Erlöse trotz Zentralvermarktung größere Einnahmen möglich waren, oder aus Italien, wo Großklubs bis 2010 von der dezentralen Vermarktung profitierten). Insbesondere der Schulterschluss zwischen DFB und UEFA sowie deren gemeinsame Lobbyarbeit bei der Kommission erwiesen sich insofern als erfolgreich, als die Kommission ihre Untersuchung 2005 einstellte und ein Zentralvermarktungssystem mit einigen dezentralen Elementen (Wettbewerb um zentrale vermarktete Rechte, Onlinerechte) als wettbewerbsrechtlich in Ordnung bzw. der besonderen gesellschaftlichen Funktion des Sports angemessen akzeptierte. In Deutschland wurde die Akzeptanz aller Klubs durch stillschweigende Nebenvereinbarungen erkauft, die es etwa Bayern München erlaubten, de facto Mehreinnahmen gegenüber einem reinen Zentralvermarktungssystem zu erzielen (Kruse/Quitzau 2003, 13f.). Neben den genannten Dynamiken, die allesamt dem Mix aus policy downloads von der EU-Ebene und policy uploads aus nationalen Kontexten entsprechen, lassen sich jedoch noch andere Prozesse der Europäisierung des deutschen Fußballs ausmachen. Als wegweisend kann in dieser Hinsicht die Gründung der UEFA Champions League gelten und damit die faktische Etablierung einer europäischen Liga. Der markante Unterschied zwischen dem Vorgängermodell, dem Pokal der Landesmeister, also dem jährlichen Pokal-Wettbewerb nationaler Champions, und der Champions League (CL) sind dabei die Rekrutierungsmechanismen sowie der teilwei- Die Europäisierung des Fußballs 175 se Ligabetrieb, die in Kombination für eine vergleichsweise hohe Konstanz eines nicht unerheblichen Teils des Teilnehmerfeldes sowie die gestiegene Häufigkeit des Aufeinandertreffens von einigen Großklubs sorgen; es ist dies ein Effekt, der sich durch erfolgreiche Teilnahme an der Champions League für die betreffenden Vereine über Zeit verstärkt (vgl. dazu Pawlowski et al. 2010: 199). Der zentrale Mechanismus, der europäisierende Wirkung entfaltet, ist folglich der einer Verdichtung der Handlungszusammenhänge zwischen Spielern, Funktionären und Anhängern europäischer Spitzenklubs. Dieser wird, nicht zuletzt auch im deutschen Fall, über die finanzielle Lukrativität einer erfolgreichen Champions League-Teilnahme vermittelt. Für die 2000er Jahre lassen sich so einige Beispiele finden, in denen die CL-Einnahmen die nationalen Einnahmen (v.a. angesichts der begrenzten Möglichkeiten eines Zentralvermarktungssystems) deutlich überstiegen (vgl. u.a. Brand/Niemann 2011, 68). Weitere europäisierende Wirkungen der europäischen Spitzenliga mögen dabei auch in solchen Aspekten wie der zugeschriebenen Attraktivität des Wettbewerbs – um als ein Klub auf Topniveau wahrgenommen zu werden, reichen nationale Erfolge allein nicht mehr aus, sondern ist stete CL-Teilnahme ein Muss – sowie die wachsende Kosmopolitisierung der Anhängerschaft (King 2000), auch qua TV-Berichterstattung vermittelt, gehören. In Hintergrundinterviews mit Offiziellen deutscher Großklubs jedenfalls deutet sich ein solcher Wandel der Aufmerksamkeitshorizonte an. Schließlich darf in diesem Zusammenhang auch nicht übersehen werden, dass es in den letzten anderthalb Dekaden zur Herausbildung und zu vermehrten Aktivitäten transnationaler Netzwerke im Fußball gekommen ist. Das vielleicht prominenteste Beispiel hierfür lieferte die sog. G-14 (bis 2008, jetzt mit deutlich gewandelten Strukturen die ECA). 2000 gegründet, um als Lobbyorganisation von bis zu 18 europäischen Großklubs Einfluss auf die politische Regulierung des Profifußballs in Europa zu nehmen, vertrat sie bis zu ihrer Auflösung 2008 dezidiert die Interessen der beteiligten Vereine als Unternehmen. In diesem Sinne wurde sie nicht nur als Ansprechpartner seitens der Kommission in wettbewerbsrechtlichen Fragen akzeptiert, sie bestärkte bisweilen die Kommission in deren Ansinnen, den Fußball aus unternehmerischer Perspektive zu reformieren (Ducrey et al. 2003, 34). So wurde die G-14 als Quasi-Dachverband interessierter Arbeitgeber in den Verhandlungen zwischen FIFA und Kommission zur Reform des Transferregimes geladen. Nicht zuletzt Bayern Münchens Interessen (daneben gehörten von deutscher Seite Borussia Dort- Arne Niemann/Alexander Brand 176 mund und Bayer Leverkusen der Gruppe an) wurden dabei an prominenter Stelle von Karl-Heinz Rummenigge vertreten, der Führungspositionen in der G-14 wahrnahm und auch der Nachfolgeorganisation ECA vorsteht. In diesem Zusammenhang interessant zu beobachten ist auch, dass einstmals in die Gruppe hineinwirkende Mechanismen der (unternehmerischen) Gruppensolidarität jenseits nationaler Betrachtungswinkel, die in Interviews von einigen beteiligten Klubfunktionären angeführt wurden (Brand/ Niemann 2007. 195f.), ab Mitte der 2000er Jahre zerbröselten. Bis dahin wurde die G-14 genutzt, etwa um übereinstimmende Interessen hinsichtlich der Vermarktung der CL gegenüber UEFA zu artikulieren oder Abstellforderungen für die Teilnahme von Spielern an großen internationalen Turnieren durchzusetzen. Sobald aber federführend Bayern München etwa auf die Einführung eines salary cap bzw. anderer Maßnahmen drängte, um seine Wettbewerbssituation und die anderer deutscher Klubs gegenüber den europäischen Konkurrenten zu verbessern, änderten sich die Koalitionen. Es erfolgte ein scheinbarer Schulterschluss zwischen zumindest einigen deutschen Vertretern und der UEFA gegenüber anderen Spitzenvereinen. Ausdruck dieses abflauenden Konsenses war nicht zuletzt die Auflösung der G-14, die Neugründung der weitaus inklusiveren ECA (unter deutschem Vorsitz) sowie die sich unmittelbar anschließende Verabschiedung der Financial Fairplay-Regeln seitens der UEFA, die die zukünftige CL-Teilnahme unter den Vorbehalt einigermaßen ausgeglichener Finanzen zu stellen suchen. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass solcherart transnationale Netzwerkbildung einen entscheidenden Beitrag zur Europäisierung des deutschen Fußballs geleistet hat und dass die Vernetzung, Koalitionsbildung und Kultivierung gemeinsamer Standpunkte quer zu nationalen Befindlichkeiten – wenn auch prekär bzw. zeitlich begrenzt – einen wichtigen Ansatzpunkt zur Erforschung von Europäisierung jenseits EU-induzierten Anpassungsdrucks bietet. Europäisierung in Form identitären Wandels – Becoming (more) European through Football? In allen fünf beschriebenen Handlungsfeldern und Analysedimensionen lässt sich aufzeigen, dass das Agieren gesellschaftlicher Akteure und die transnationale Beeinflussung politischer wie sportverbandlicher Aushandlungen den Kern von Wandlungsprozessen in Form von Europäisierung Die Europäisierung des Fußballs 177 ausmacht. Wandel stellt sich dabei nicht allein durch das Ausbalancieren des Anpassungsdrucks von Seiten europäischer Institutionen ein, sondern auch über die Nutzung von Handlungsspielräumen und die Etablierung von Gestaltungsfähigkeit. Wandel lässt sich ebenso nicht linear auf die Durchsetzungschancen europäischer Institutionen gegenüber (trans-)nationalen Akteuren reduzieren; vielmehr bauen gesellschaftliche Akteure grenzüberschreitend eigene Handlungszusammenhänge auf, die sowohl Europäisierungsdynamiken beeinflussen als auch aus sich heraus europäisierend wirken. Eine der zentralen Anschlussfragen, die sich aus der bisherigen Analyse ergibt, ist die nach den Konsequenzen auf Ebene der Fans, Zuschauer, Konsumenten und generell Fußballinteressierten. Verändern gewandelte Spielermärkte die Einstellungsmuster derer, die emotionale Ressourcen in den Fußball investieren, hinsichtlich der Frage nach „Wir-Gefühl“ bzw. Abgrenzung gegenüber „den Anderen“? Führt die Etablierung eines europäischen Wettbewerbs mit Ligaformat auch zum Wandel der Bezugsrahmen derer, die das Abschneiden ihrer Mannschaft nunmehr regelmäßiger auch auf europäischer Ebene verfolgen? Tritt eine Art Normalisierungseffekt dergestalt ein, dass als Nebenprodukt der Europäisierung der Governance des Fußballs europäische Perspektiven auch auf der Ebene gesellschaftlicher Identitäten gegenüber exklusiv nationalen Sichtweisen an Raum gewinnen? Erste interessante Befunde zu solchen Phänomenen wie „transnational fandom“ (Millward 2011, 79f), Fanidentitäten der Anhänger von regelmäßigen CL-Teilnehmern (Levermore/Millward 2007) oder auch (nicht repräsentative) Umfragen zur Attraktivität der Champions League in Deutschland (Kicker 2011: 68% der Befragten bewerteten die CL mit der Schulnote „1“ bei einem Notenschnitt von „1,47“ im Vergleich zu „2,8“ im Jahre 2001) deuten in diese Richtung. Bibliografie Brand, Alexander/Niemann, Arne (2007): Europeanisation in the Societal/Trans-National Realm: What European Integration Studies Can Get Out of Analysing Football, in: Journal of Contemporary European Studies 3, 181-201. Brand, Alexander/Niemann, Arne (2011): Germany: Between Modest Adjustment and System Transformation, in: Arne Niemann et al. (Hg.): The Transformation of European Football, Manchester, 59-79. 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Abstract

In the EU’s Member States, the influence of the single market has made a decisive contribution to sport losing its right to act independently of the constitution using its own rules and regulations, the clearest example of which is the so-called Bosman ruling. At the same time, however, the initiatives and interventions of EU institutions plus the fact that sport was embedded into the Treaty of Lisbon have given sport a great deal of impetus on a European level. Against this backdrop, a growing number of people involved in sports have begun to take a keener interest in policymaking in Brussels, while at the same time an increasing number of conflicts of interest have emerged in sport.

This book not only provides an overview of the most important stages in the development of European sports policy, but also examines the key problem areas and figures involved in it. In addition, it highlights academic approaches to and analytical perspectives on Europe’s policy on sport.

Zusammenfassung

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat der Einfluss des Binnenmarkts – am deutlichsten sichtbar geworden im sogenannten Bosman-Urteil – entscheidend dazu beigetragen, dass der Sport keine „extrakonstitutionelle“ Sonderrolle mit eigenen Regulierungsmechanismen beanspruchen kann. Zugleich wurden durch die Initiativen und Interventionen der EU-Organe sowie die Verankerung des Sports im Vertragswerk von Lissabon zahlreiche sportbezogene Impulse auf europäischer Ebene gegeben. Vor diesem Hintergrund widmen mittlerweile immer mehr Akteure des Sports ihre Aufmerksamkeit der Politikgestaltung in Brüssel, während sich zugleich eine zunehmende Zahl von Interessenkonflikten im Sport abzeichnet.

Der Band vermittelt sowohl einen Überblick über die wichtigsten Etappen europäischer Sportpolitik als auch eine Bestandsaufnahme der zentralen Problemfelder und Akteure des Politikfelds. Darüber hinaus untersucht er wissenschaftliche Zugänge und Analyseperspektiven europäischer Sportpolitik.