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Ingo Erberich, Ansgar Hörster, Michael Hoffmann, Thorsten Kingreen, Hermann Pünder, Rainer Störmer, „Die Welt zu Gast in Münster“ – Die 38. Assistententagung 1998 „Frieden und Recht“ aus Anlass des Westfälischen Friedensschlusses vor 350 Jahren in:

Marcel Dalibor, Alfred G. Debus, Florian Gröblinghoff, Franziska Kruse, Konrad Lachmayer, Alexander Peters, Jörg Scharrer, Hanna Schröder, Olivia Seifert, Corinna Sicko, Isabel Stirn, Karl Stöger (Ed.)

Perspektiven des Öffentlichen Rechts, page 455 - 462

Festgabe 50 Jahre Assistententagung Öffentliches Recht

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8329-6619-5, ISBN online: 978-3-8452-3698-8, https://doi.org/10.5771/9783845236988-455

Bibliographic information
„Die Welt zu Gast in Münster“ – Die 38. Assistententagung 1998 „Frieden und Recht“ aus Anlass des Westfälischen Friedensschlusses vor 350 Jahren Ingo Erberich/Ansgar Hörster/Michael Hoffmann/Thorsten Kingreen/ Hermann Pünder/Rainer Störmer Wie alles kamI. 455 Wie alles liefII. 458 Wie es weiter gingIII. 461 Wie alles kam Die 38. Assistententagung fand vom 3. bis 6. März 1998 – erstmals – in Münster statt. Für uns Organisatoren begann sie schon wesentlich früher. Schon auf der Mainzer Assistententagung 1996 war Ingo Erberich von völkerrechtlich und verfassungsgeschichtlich informierter Seite auf den 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens im Jahre 1998 und die Eignung dieses Anlasses für eine Assistententagung hingewiesen worden. Das historische Ereignis war uns wohl ein Begriff, doch allenfalls mit Ausnahme von Ingo Erberich hatten wir doch eher oberflächliche Vorstellungen davon, was genau die Wesensmerkmale einer Assistententagung sind; noch weniger ahnten wir, was mit der Organisation auf uns zukommen würde. So richtig begann die Münsteraner Tagung wohl auf der 37. Assistententagung in München, und zwar am Abschlussabend oder, genauer gesagt, am Abschlussmorgen. 3 Uhr morgens, Münster – zumindest körperlich – noch komplett anwesend: Wir hatten zwar weder zu den gewichtigen Referaten noch zu den nicht minder bedeutsamen, zum Teil auch kaum minder langen Ko-Referaten beigetragen, aber zumindest unsere Kompetenz im Feiern und Singen nachhaltig unter Beweis gestellt. Aber von nun an hatten wir einen ständigen Begleiter: den Tagungsgong. Wie vor 350 Jahren sollte „die Welt in Münster zu Gast“ (Heinz Holzhauer) sein, wenn auch nur die wissenschaftliche Welt der Assistenten und Assistentinnen deutschsprachiger öffentlich-rechtlicher Lehrstühle, die sich einzureihen hatten in die Vielzahl der Feierlichkeiten und Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Nach der Euphorie des Münchener Abschlussabends und der stolzen I. Präsentation des Gongs an der Münsteraner Fakultät begann die eher nüchterne Folgenbewältigung. Zunächst einmal mussten wir klären, wer „wir“, das Organisatorenteam, eigentlich sind. Die erfahrenen Kollegen Rolf Eckhoff (heute Universität Regensburg), Stefan-Ulrich Pieper (mittlerweile im Bundespräsidialamt) und Arno Scherzberg (heute Universität Erfurt) waren der Habilitation bereits so nahe, dass sie als Mitorganisatoren nicht mehr in Betracht kamen. Das junge und unerfahrene, dafür aber hochmotivierte Team setzte sich wie folgt zusammen: Ingo Erberich (Mitarbeiter von Albert Bleckmann1, Lehrstuhl für Öffentliches Recht einschließlich Völker- und Europarecht), Ansgar Hörster (Mitarbeiter von Hans-Uwe Erichsen2, Kommunalwissenschaftliches Institut), Michael Hoffmann (Mitarbeiter von Hans-Dieter Jarass, Institut für Umwelt- und Planungsrecht), Thorsten Kingreen und Rainer Störmer (Mitarbeiter von Bodo Pieroth, Institut für Öffentliches Recht und Politik) und Hermann Pünder (Mitarbeiter von Dirk Ehlers, Institut für Öffentliches Wirtschaftsrecht). Das Organisationsteam bestand damit zwar nicht aus „elf Freunden“, aber immerhin sechs zunehmend befreundeten Kollegen, die sich auch noch in einem Fußballteam „Kick and Law“ zum regelmäßigen abendlichen Kicken zusammenfanden. Das zunächst noch zarte Band der Freundschaft hielt auch, nachdem Ansgar Hörster in einem legendären Elfmeterschießen den Ball in den Münsteraner Himmel „geschrotet“ (O-Ton Hörster) hatte, ein Himmel, der scheinbar noch höher war als der Belgrader Himmel anno 1976 für Uli Hoeneß. Wenn es in einem der späteren Tagungsberichte zur Münsteraner Tagung heißt: „Die augenscheinlich gute Stimmung zwischen den Organisatoren übertrug sich von Anfang an auf die Teilnehmer, die in ungezwungener Atmosphäre auch Kritisches austauschen konnten“,3 dann war diese gute Stimmung untereinander ein konstanter Faktor während der gesamten Vorbereitung und Durchführung. Dabei lagen vom ersten groben „vorläufigen Zeitplan“ im April 1997 („Vermerk über ein Telefonat mit Frau Dr. Schweitzer, Boorberg-Verlag: Ende Mai – 1. Rundschreiben mit Themenvorschlagsliste; September – Auswahl der Referenten, 2. Rundschreiben; 20. Januar – Übersendung diverser Druckvorlagen“) bis zum letzten fein gegliederten „Ablauf- und Organisationsplan Assistententagung“ (inklusive: „Abholen der Gutscheine bei Mensa II“, „Einteilen der Studenten“, „Aufbau Tagungsbüro“ bis „Übergabe Gong“) zahllose Besprechungen, Berechnungen sowie inhaltliche und organisatorische Diskussionen. Hart gerungen wurde vor allem um die Frage, ob die traditionelle Höhe des Tagungsbeitrags beibehalten werden konnte oder angesichts des Aufwan- 1 Vgl. zu Bleckmann, Klein/Pieper/Ress (Hrsg.), Rechtsstaatliche Ordnung Europas. Gedächtnisschrift für Albert Bleckmann. Köln u.a., 2007; Coen/Höscheidt/Pieper (Hrsg.), Europa ‘93 – Auf dem Weg zur Europäischen Union. Festschrift für Prof. Dr. Dr. Albert Bleckmann zum 60. Geburtstag, Herne/Berlin 1993. 2 Vgl. zu Erichsen, Krebs (Hrsg.), Liber amirocum Hans-Uwe Erichsen. Zum 70. Geburtstag am 15. Oktober 2004, Köln u.a. 2004. 3 Suerbaum/Brüning, Frieden und Recht, DVBl 1998, 1062 (1067). 456 Ingo Erberich u.a. des und Anspruchs des Programms sowie der Unwägbarkeiten der tatsächlichen Teilnehmerzahl angehoben werden musste. Schließlich gelang es dank zahlreicher örtlicher und überregionaler Sponsoren und Unterstützer der Tagung, den Beitragssatz stabil zu halten und trotzdem weder beim Essen noch beim Rahmenprogramm zu knausern. Anfang Oktober standen dann die Auswahl der Referenten und die wesentlichen Eckpfeiler des Rahmenprogramms auf der Tagesordnung. Insgesamt neun Referate sollten sich anlässlich des 350. Jahrestages des Westfälischen Frieden unter dem Generalthema „Frieden und Recht“ mit verschiedenen Themen aus den Bereichen innerer, sozialer und äußerer Frieden beschäftigen und dabei aktuelle politische Probleme und Zukunftsfragen unserer Gesellschaft behandeln. Fast dreimal so viele Anfragen gingen ein; es gelang, einvernehmlich neun Referenten auszuwählen und die entsprechenden „Patenschaften“ zu verteilen. Bei der Organisation des Rahmenprogramms, das Empfänge durch die Oberbürgermeisterin der Stadt Münster, den Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes für das Land Nordrhein-Westfalen und des Landesjustizministers sowie eine Diskussionsveranstaltung beim Deutsch-Niederländischen Korps vorsah, halfen die vielen guten und zum Teil persönlichen Kontakte, die über die Organisatoren oder die Fakultät bestanden. Auf der seinerzeit noch nicht selbstverständlichen eigenen Internetseite wurde, laufend aktualisiert, über die Fortschritte berichtet; am 15. Oktober 1997 wurde das Programm veröffentlicht. Für kurzfristige Aufregung sorgte dann Anfang Januar 1998 die plötzliche und recht unvermittelte Absage einer Referentin. Über persönliche Kontakte von Hermann Pünder vermittelt sprang Christian Duve als Referent für den Themenbereich „Mediation als Mittel der Konfliktbewältigung“ ein und „rettete“ die Bandbreite des wissenschaftlichen Programms, allerdings mit der Konsequenz, dass damit der Frauenanteil auch bei den Referenten auf „Null“ sank; ein Umstand, der allseits bedauert wurde. Die Anmeldungen verliefen mit über 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv und die letzten organisatorischen Vorbereitungen („Wie viele Schnittchen pro Teilnehmer brauchen wir für den Empfang? Reichen drei oder sollen es nicht doch lieber fünf sein? Wie sieht denn unser Finanzplan aktuell aus?“) wurden getroffen. Dazu gehörte die Entscheidung, für die Organisatoren wie für die Referenten eine „Tagungskrawatte“ als Ausdruck der Corporate Identity (seinerzeit durchaus in Mode gekommen, die „CI“, nicht die Krawatte) zu besorgen (schlichtes Dunkelblau mit dem Wappen der Stadt Münster). Intensiv hatten wir auch über die Möglichkeit eines „roten Fadens“ diskutiert, der die Tagung durchziehen sollte. Die Moderations-, Vorstellungs-, Danksagungs- und Redeparts waren längst vergeben, als die Idee aufkam, die persönlichen Erlebnisse von Fabio Chigi, dem päpstlichen Gesandten bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, in die Tagung „einzuflechten“. Die Aufzeichnungen und Beschreibungen von Land und Leuten in Münster und Umgebung waren anlässlich des Jubiläums in dem Buch „Münster und West- „Die Welt zu Gast in Münster“ – Die 38. Assistententagung 1998 „Frieden und Recht“ 457 falen zur Zeit des Westfälischen Friedens – geschildert durch den Päpstlichen Gesandten Fabio Chigi“4 neu publiziert worden. Anschaulich beschreibt er den Alltag der Menschen in der Region, erzählt von schlechten Straßen, vom schlechten Wetter, vom Wohnen, von der Viehhaltung in der Stadt, von Essen und Trinken der Westfalen und natürlich von den Auswirkungen des Krieges und den landespolitischen Verhältnissen. Das Buch erwies sich als wahre Fundgrube für Hintergründiges und Wortwitziges rund um den Tagungsort und manche Vorurteile über die Westfalen. Von der Begrüßung über die Einführung der jeweiligen Referate bis zum Abschlussabend konnte die Moderation durchgängig um Zitate von Fabio Chigi gesponnen werden. Seine lebendigen Verse über „Mimigarda“ zeigen, dass sich Münster in den vergangenen 350 Jahren verändert („An beiden Seiten der Straße liegt oft dicker Schmutz, ja sogar Misthaufen dampfen hier vor sich hin“), aber auch einige bemerkenswerte Konstanten aufzuweisen hat („Du bist das Schmuckstück Westfalens, Mimigarda, und trotzdem habe ich Dich als Heimat des Regens bezeichnet. Bitte verzeih! Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieses Urteil nicht unberechtigt ist, denn seit sechs Jahren bin ich nun schon hier und habe Dich nur im Dauerregen erlebt“). Wie alles lief Münster nennt sich gerne „Stadt des Rechts“, da die Stadt eine der größten juristischen Fakultäten Deutschlands beherbergt und darüber hinaus auch der Sitz zahlreicher Gerichte, nicht zuletzt des Verfassungsgerichtshofes und des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen ist. Wie vor 350 Jahren war Münster auch 1998 die „Hauptstadt des Regens“, was durch Dauerregen während der gesamten (!) Tagung nachhaltig unter Beweis gestellt wurde. Immerhin wirkte sich das auch auf die rechtswissenschaftliche Theorienbildung aus: So kreierte Thilo Marauhn die Rechtsfigur des „Umbrella[s] im geltenden Völkerrecht“. Passend zum Anlass begann die Assistententagung im Friedenssaal des Rathauses mit einem Empfang der Oberbürgermeisterin der Stadt Münster, Marion Tüns. Auch im wissenschaftlichen Programm stand der Westfälische Frieden zunächst im Mittelpunkt. Am ersten Tagungstag referierte Bardo Fassbender über „Die verfassungsgeschichtliche und die völkerrechtliche Bedeutung des Westfälischen Friedens“.5 Nach der geschichtlichen Einordnung des Friedensschlusses behandelte er die umstrittene Bedeutung des Westfälischen Friedens für die Entwicklung des Völkerrechts. Sowohl die Einordnung als Epochenbe- II. 4 Galen (Hrsg.), Münster 1997. 5 Vgl. die veröffentlichte Fassung: Die verfassungsgeschichtliche und die völkerrechtliche Bedeutung des Westfälischen Friedens von 1648, in: Erberich u.a. (Hrsg.), Frieden und Recht, Stuttgart u.a. 1998 (Band zur 38. Assistententagung Öffentliches Recht), S. 9 ff. 458 Ingo Erberich u.a. ginn des modernen Völkerrechts als auch die Qualifizierung als Verfassung der Staatengemeinschaft beurteilte er eher kritisch. Fragen der Religionsfreiheit behandelten Markus Winkler unter dem Gesichtspunkt „Toleranz als Verfassungsprinzip?“6 und Winfried Bausback unter dem Thema „Der internationale Schutz der Religionsfreiheit und die freiheitlich-demokratische Grundordnung“.7 Winkler kam zu dem Ergebnis, dass es ein die gesamte Verfassung durchziehendes Toleranzprinzip nicht gebe. Bausback stellte eine Verlagerung innerstaatlicher Grundrechtsprobleme in das Ausland fest, weil der internationale Schutz gegenüber dem innerstaatlichen Rechtsschutz zum Teil deutlich aufgewertet worden sei. Das Thema „Sozialer Friede als Voraussetzung für den inneren Frieden“ wurde von Ralf Kleindiek beleuchtet,8 der anhand zahlreicher Beispiele seine – in der Diskussion lebhaft und kontrovers behandelte – Interpretation des Sozialstaatsgedankens entwickelte. Der zweite Tagungstag begann mit einem Grußwort des Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs und des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen, Michael Bertrams. In seiner Rede skizzierte er sein Verständnis von Verfassungsgerichtsbarkeit im Spannungsverhältnis von Recht und Politik. Anschließend behandelte Christian Duve die bis dahin vornehmlich allenfalls im Zivilrecht und nicht annähernd im heutigen Umfang praktizierten Möglichkeiten von „Mediation als Mittel der Konfliktbewältigung“9 und schilderte anhand ausgewählter Beispiele die kognitiven, strukturellen und strategischen Hindernisse sowie die Erfolgschancen von Einigungsprozessen. Im Rahmen des Referats „Interessenausgleich im Verwaltungsorganisationsrecht“ untersuchte Matthias Ruffert10 die These von der Einheit der Verwaltung und die verschiedenen Ansätze und Möglichkeiten, Interessenaggregation und Interessenausgleich zu gewährleisten. Völkerrechtliche Aspekte standen bei dem Referat von Michael Cottier („Völkerrechtliche Verantwortlichkeit für Kriegsverbrechen in internen Konflikten“)11 und im gemeinsamen Beitrag von Andreas L. Paulus und Daniel-Erasmus Khan („Gemeinsame Werte in der Völkerrechtsgemeinschaft?“)12 im Mittelpunkt. Cottier stellte fest, dass trotz Ansätzen einer Strafbarkeit aufgrund Völkergewohnheitsrechts Klarheit durch die Errichtung eines Ständigen Internationalen Gerichtshofes zu erzielen sei. Paulus, der zugleich für den verhinderten Khan sprach, betonte insbesondere die Herausforderung an die Weltgemeinschaft und das internationale Recht, einen übergreifenden Wertekonsens weiter zu verfolgen und Konfliktlösungsverfah- 6 In: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 53 ff. 7 Veröffentlicht als: Freiheitlich demokratische Grundordnung und internationaler Schutz der Religionsfreiheit, in: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 85 ff. 8 Vgl. Kleindiek, Sozialer Friede als Voraussetzung für den inneren Frieden. Die Bundesrepublik Deutschland als sozialer Staat, in: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 117 ff. 9 In: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 135 ff. 10 In: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 157 ff. 11 In: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 183 ff. 12 In: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 215 ff. „Die Welt zu Gast in Münster“ – Die 38. Assistententagung 1998 „Frieden und Recht“ 459 ren wie -organisationen zu entwickeln. Den Einsatz der Bundeswehr in Albanien im März 1997 bildete den Hintergrund des Referats von Manfred Baldus zum Thema „Extraterritoriale Interventionen der Bundeswehr zur Rettung von fremden und deutschen Staatsangehörigen“.13 Diese Maßnahme sei völkerrechtlich unbedenklich, aber verfassungsrechtlich unzulässig gewesen. Das repräsentative Münsteraner Schloss war Veranstaltungsort sowohl des wissenschaftlichen Programms als auch des Empfangs am zweiten Abend durch den Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Fritz Behrens. Er betonte in seiner Ansprache die Bedeutung der Justiz bei der Erfüllung der friedensstiftenden Funktion des Rechts und stellte die neuen Herausforderungen, die auf die Justiz bei der Bewältigung der Krise des Sozialstaats heraus. Bei dem Empfang waren auch zahlreiche Hochschullehrer der Juristischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zugegen und unterstrichen damit die Bedeutung und hohe Wertschätzung der seit langem etablierten Assistententagung. Am letzten Tagungstag fanden die Referate und Diskussionen außerhalb der Universität statt. Die Assistententagung war zu Gast beim Deutsch-Niederländischen Korps in Münster. Dessen Rechtsberater Detlef P. Petersen stellte zunächst die „Verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Problemstellungen eines binationalen Verbandes“ dar. Daran schloss sich eine Podiumsdiskussion zum Thema „Aktuelle Probleme internationaler Einsätze der Bundeswehr“ an, die von Generalleutnant Karsten Oltmanns (Kommandierender General des Deutsch-Niederländischen Korps), Winfried Nachtwei (MdB), Ruprecht Polenz (MdB) und Helmuth Prieß (Oberstleutnant a.D.) engagiert geführt wurde. Wohl niemand ahnte seinerzeit, dass Auslandseinsätze der Bundeswehr nach dem 11. September 2001 derart massiv zunehmen würden.14 Die Vorträge der Tagung waren eingebettet in ein buntes und abwechslungsreiches Rahmenprogramm, das eine Theateraufführung („Slawen“ von Tony Kushner) sowie Führungen durch die Stadt, die Schausammlung zur Geschichte der Stadt Münster und durch die Sonderausstellung zum 30-jährigen Krieg vorsah. Mit der Übergabe des Tagungsgongs ging die 38. Assistententagung auf die Zielgerade. Der Abschlussabend, der traditionell durch ausgelassene Geselligkeit und ironisch-satirische Nachlese bestimmt ist, fand im urigen Mühlenhof in einem benachbarten Freilichtmuseum statt. Die pointengespickte lustige Aufbereitung der Tagung übernahmen die Münchener Oliver Lepsius, Johannes Möller, Markus Möstl und Christian Waldhoff, die sich nicht nur ebenfalls Fabio Chigi bedienten, sondern diesem der Tagung entsprechend einen Assistenten namens Fabino Chigino hinzudichteten und mit viel Humor und musi- 13 In: Erberich u.a. (Fn. 5), S. 259 ff. 14 Vgl. zum wehrverfassungsrechtlichen Parlamentsvorbehalt Steiger, in diesem Band, S. 89 (91 ff.). 460 Ingo Erberich u.a. kalischer Untermalung von Nicole („Ein bißchen Frieden“) Eindrücke und Bonmots der vergangenen Tage verarbeiteten. Über die 38. Assistententagung Öffentliches Recht in Münster haben Markus Kaltenborn, Martin Müller und Gerrit Brauser-Jung, Melanie Pesch, Franz Reimer, Joachim Suerbaum und Christoph Brüning sowie Marcus Jurij Vogt berichtet.15 Wie es weiter ging Der Staffelstab war weitergegeben nach Zürich, wo die Assistententagung 1999 als 39. „Assistierendentagung“ stattfinden sollte. Selbstverständlich waren wir auch in Zürich zugegen, nicht zuletzt, um die Tagung beim Abschlussabend in humoristischer Weise aufzuarbeiten und dem Züricher „OK“ (Organisationskomitee) den Dank aller Teilnehmer für die arbeitsreiche und gelungene Ausrichtung zu überbringen. Die satirische Zusammenfassung des Tagungsverlaufs, der besonderen Stilblüten, Zitate und Diskussionsbeiträge erfolgte diesmal in Form eines fiktiven Briefes eines Teilnehmers an dessen Mutter und mündete in einer Gesangseinlage der Vorjahresausrichter. Dem Ausrichtungsort entsprechend wurde der Reigen der drei eigens getexteten Songs mit einer Neuinterpretation des „Heidi“-Liedes eröffnet: „Assistenten, unsere Welt sind die Tagungen. Assistenten, denn hier können wir wichtig sein. – Referate, Diskussionen und blablabla. Assistenten, das brauchen wir zum Glücklichsein. – Drei Wochen vor der Tagung sitzt Assilein daheim, verfasst nen Diskussionsbeitrag, ein Staatsrechtslehrer klein. – Er klimpert mit den Normen fein, er schwelgt in Theorien, will endlich mal Professor sein, die Blicke auf sich ziehn…“ Auf Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ schmetterte der Münsteraner Männerchor stimmgewaltig „Wir warn noch niemals in Zürich, wir warn noch niemals in der Schweiz, wir sind aus Münster, wo der Dauerregen fällt. Wir warn noch niemals in Zürich, wir spürten immer diesen Reiz, einmal verrückt sein ohne Rücksicht auf das Geld.“ Das besondere Preisgefühl am Tagungsort Zürich war auch Thema im dritten Song. Zur Melodie von Abba „Money, Money, Money“ beklagten sie „Der Assistent wird schlecht bezahlt. Ob Frau, ob Mann, das ist egal. Doch hier bei euch, da merkt man’s erst: Einhundert Franken (so viel betrug die III. 15 Vgl. Kaltenborn, NWVBl 1999, 402 ff.; Müller/Brauser-Jung, Frieden und Recht, DÖV 1998, 726 ff.; Pesch, 38. Assistententagung Öffentliches Recht vom 3. bis 6. März 1998 in Münster, ThürVBl 1998, 155 ff.; Reimer, NWVBl 5/1998, IV ff. = VBlBW 6/1998, III ff.; Suerbaum/Brüning, Frieden und Recht, DVBl 1998, 1062 ff.; Vogt, Frieden und Recht, JZ 1998, 611 f. „Die Welt zu Gast in Münster“ – Die 38. Assistententagung 1998 „Frieden und Recht“ 461 Tagungsgebühr) schmerzt. Wir fragen uns: was macht ihr denn mit unserem Assistierendengeld?“ Von den zehn Referenten der Münsteraner Tagung habilitierten sich sieben. Baldus lehrt an der Universität Erfurt, Fassbender und Khan an der Universität der Bundeswehr in München, Ruffert an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Paulus ist Ordinarius an der Georg-August-Universität Göttingen, seit März 2010 Mitglied des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts. Bausback hat eine Professur an der Bergischen Universität Wuppertal inne und ist seit 2008 Mitglied des Bayerischen Landtags. Winkler wurde 2009 habilitiert und ist derzeit Lehrstuhlvertreter an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a.M. Cottier ist in den diplomatischen Dienst im „Swiss Foreign Affairs Department“ eingetreten. Duve ist Partner in der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in Frankfurt. Kleindiek ist im Bundesjustizministerium tätig. Nach dem gemeinsamen Auftritt in der Schweiz trennten sich die Wege der Münsteraner Organisatoren allmählich, sowohl räumlich als auch disziplinär. Die akademische Laufbahn als Hochschullehrer haben Thorsten Kingreen und Hermann Pünder eingeschlagen. Thorsten Kingreen habilitierte sich 2001 und hat den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Gesundheitsrecht an der Universität Regenburg inne. Hermann Pünder habilitierte sich 2002 und ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht (einschließlich Europarecht), Verwaltungswissenschaften und Rechtsvergleichung an der Bucerius Law School in Hamburg. Ingo Erberich ist in Köln als Partner in der Rechtsanwaltsgesellschaft Luther tätig. Michael Hoffmann zog es in das Bundesamt für Strahlenschutz nach Salzgitter, wo er derzeit als Abteilungspräsident tätig ist. Rainer Störmer ging in die Verwaltungsgerichtsbarkeit und ist seit 2008 Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Allein Ansgar Hörster blieb im Münsterland heimisch, ging in die Kommunalverwaltung und ist mittlerweile Kreisdirektor beim Kreis Borken. Im Herzen sind wir aber alle Münsteraner geblieben, und Freunde von Fabio Chigi, unserem treuen Tagungsbegleiter. 462 Ingo Erberich u.a.

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References

Zusammenfassung

Seit nunmehr 50 Jahren treffen sich die wissenschaftlichen Mitarbeiter/-innen und Assistent/-innen der Fachrichtung Öffentliches Recht aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Jahr für Jahr, um Fragen ihrer Disziplin zu diskutieren. Über die Behandlung von Themen der Zeit hinaus wurden von Anfang an grundlegende Betrachtungen angestellt. Dies aufgreifend bietet die Festgabe zum 50jährigen Bestehen der Assistententagung Öffentliches Recht nicht nur eine Retrospektive, die die Inhalte der Tagungen wiedergibt und die Geschichte dokumentiert. Vielmehr spiegeln die Beiträge die Diskussionen und Fragestellungen der letzten fünf Dekaden wider und zeigen so die damaligen – sowie in Anknüpfung daran – die heutigen Perspektiven auf.

Mit Grußworten von

Prof. Dr. Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts; SC a.D. Univ.-Prof. Dr. Gerhart Holzinger, Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofes; Dr. Lorenz Meyer, Präsident des Schweizerischen Bundesgerichts

und Beiträgen von

Prof. Dr. Ralf B. Abel | Prof. Dr. Michael Bothe | Dr. Sigrid Boysen | Ferry Bühring | Marcel Dalibor | Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas von Danwitz | Prof. Dr. Christoph Degenhart | Götz Wolfgang Deventer | Prof. Dr. Horst Dreier | Ingo Erberich | PD Dr. Claudio Franzius | Prof. Dr. Dres. h.c. Jochen Abr. Frowein | Prof. Dr. Bernd-Christian Funk | Prof. Dr. Max-Emanuel Geis | Prof. Dr. Dr. Christoph Grabenwarter | Holger Grefrath, M. Jur. (Oxon.) | Florian Gröblinghoff | Prof. Dr. Klaus Grupp | Prof. Dr. Dirk Heckmann | Prof. Dr. Markus Heintzen | PD Dr. Tobias Herbst | Prof. Dr. Sebastian Heselhaus | Dr. Michael Hoffmann | Dr. Jochen Hofmann-Hoeppel | Prof. Dr. Dr. h.c. Alexander Hollerbach | Dr. Ansgar Hörster | Prof. Dr. Matthias Jestaedt | Prof. Dr. Michael Kilian | Prof. Dr. Thorsten Kingreen | Axel Knabe | Prof. Dr. Raoul Kneucker | Prof. Dr. Peter Knoepfel | Prof. Dr. Wolfgang Köck | Prof. Dr. Dr. Klaus König | Prof. Dr. Stefan Korioth | Dr. Matthias Kötter | Prof. Dr. Peter Krause | Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Werner Krawietz | Sebastian Lutz-Bachmann | Anita Lührs | Prof. Dr. Dieter Kugelmann | PD Dr. Konrad Lachmayer | Anne-Kathrin Lange | Prof. Dr. Hans-Werner Laubinger, M.C.L. | PD Dr. Kai von Lewinski | Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz, LL.M. (Harvard) | Prof. Dr. Joseph Marko | Dr. Matthias Mayer | Dr. Florian Meinel | Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn | Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo von Münch | Prof. Dr. Gert Nicolaysen | Dr. Jakob Nolte | Dr. Niels Petersen, M.A. (Columbia) | Prof. Dr. Dr. h.c. Rainer Pitschas | Prof. Dr. Hermann Pünder, LL.M. (Iowa) | Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Püttner | Prof. Dr. Michael Reinhardt, LL.M. (Cantab.) | Dr. Kay-Uwe Rhein | Prof. Dr. Michael Ronellenfitsch | Dr. Konrad Sahlfeld, LL.M. | Dr. Jan Philipp Schaefer | Prof. Dr. Arndt Schmehl | Michaela Schmidt-Schlaeger | Dr. Klaus Ulrich Schmolke, LL.M. (NYU) | Kristina Schönfeldt | Dr. Sabrina Schönrock | Prof. Dr. Dr. h.c. (Athen) Ekkehard Schumann | Dr. Ute Spies | Prof. Dr. Heinhard Steiger, LL.M. (Harvard) | Prof. Dr. Walter Stoffel | Prof. Dr. Karl Stöger, MJur | Dr. Rainer Störmer | Ass.-Prof. Dr. Armin Stolz | Dr. Jörg Philipp Terhechte | Dr. Emanuel Towfigh | Prof. Dr. Christian Waldhoff | Prof. Dr. Astrid Wallrabenstein | Prof. Dr. Bodo Wiegand-Hoffmeister