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Cornelius F. Moriz

Markt und Teilhabe, page 1 - 6

Über Sein und Sollen in der kapitalistischen Moderne

1. Edition 2016, ISBN print: 978-3-95832-100-7, ISBN online: 978-3-7489-2664-1, https://doi.org/10.5771/9783748926641-1

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VELBRÜCK WISSENSCHAFT www.velbrueck-wissenschaft.de ISBN 978-3-95832-100-7 VELBRÜCK WISSENSCHAFT M or iz • M ar kt u nd T ei lh ab ePolitische Bemühungen, gedeihliche Lebensbedingungen wohlfahrtsstaatlich für alle zu garantieren, scheitern – so der Autor – an ihrer notorischen Fixierung auf Erwerbsarbeit. Parteiübergreifend lautet das Credo »Sozial ist, was Arbeit schafft!«. Dabei wird übersehen, dass der eigentliche Schlüssel zu sozialer Inklusion und Teilhabe in der kapitalistischen Moderne nicht in Arbeit, sondern schlicht in Geld besteht, und deshalb die in vielen Ländern zu beobachtende Verkür zung von Sozial- auf Beschäftigungspolitik oft lediglich zur Verwandlung von Erwerbslosen in erwerbstätige Arme führt, statt Armut und Ausgrenzung an sich wirksam zu verringern. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die ungleiche Verteilung der individuellen Lebens- und Teilhabechancen systematisch mit den wichtigsten, empirisch verankerten Gerechtigkeitsvorstellungen westlicher Gesellschaften zu vergleichen, um vor diesem Hintergrund die sachlichen und insbesondere normativen Vor- und Nachteile eines Bedingungslosen Grundeinkommens zu diskutieren. Cornelius Friedemann Moriz studierte Soziologie, Ethnologie und Geschichte an der Universität Freiburg i. Br. und promovierte an der Universität Basel. Dort arbeitet er als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und schreibt derzeit an einem Buch über die Soziologie der Heimat. Cornelius Friedemann Moriz Markt und Teilhabe Über Sein und Sollen in der kapitalistischen Moderne Cornelius Friedemann Moriz Markt und Teilhabe Cornelius Friedemann Moriz Markt und Teilhabe Über Sein und Sollen in der kapitalistischen Moderne VELBRÜCK WISSENSCHAFT Erste Auflage 2016 © Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2016 www.velbrueck-wissenschaft.de Printed in Germany ISBN 978-3-95832-100-7 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Der Autor dankt der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg für die Gewährung eines Stipendiums sowie dem Dissertationenfonds der Universität Basel und dem Max Geldner-Fonds der Philosophisch- Historischen Fakultät der Universität Basel für die finanzielle Unterstützung der Publikation. Inhaltsverzeichnis Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Teil I: Über die Mechanismen sozialer In- und Exklusion unter den Bedingungen der kapitalistischen Moderne 1. Die Wiederentdeckung der sozialen Frage . . . . . . . . . . . . . . . 25 1.1 Das goldene Zeitalter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 1.2 Der Untergang Arkadiens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 a) Verteilung der Vermögen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 b) Verteilung der Einkommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 c) Zunahme der Armut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Exkurs zur Konzeptualisierung von Armut. . . . . . . 41 d) Prekarität, Exklusion und die Wiederentdeckung der sozialen Frage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 2. Über die Mechanismen sozialer In- und Exklusion I – Zur Inklusivität der Erwerbsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 2.1 Zur ideologischen Inklusivität der Erwerbsarbeit . . . . . . 80 a) Vormoderne Bewertung der Arbeit . . . . . . . . . . . . . . 80 b) Zur Geschichte der modernen Glorifizierung der Arbeit 83 c) Widersprüche zwischen Ideologie und Realität der Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 d) Trotz manifester Widersprüche zwischen Ideologie und Realität: Apotheose der Arbeit in drei Dimensionen . 96 2.2 Zur praktischen Inklusivität der Erwerbsarbeit . . . . . . . 108 3. Über die Mechanismen sozialer In- und Exklusion II – Zur Inklusivität des Geldes und zur Exklusivität der Armut 119 3.1 Niklas Luhmanns Systemtheorie der In- und Exklusion 123 a) Inklusion und Exklusion in vormodernen Gesellschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 b) Inklusion und Exklusion in der modernen Gesellschaft 129 c) Zusammenfassung und Kritik . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143 3.2 Zum Primat des ökonomischen Systems. . . . . . . . . . . . . 147 a) Zahlungsfähigkeit: Existenzgrundlage des modernen Menschen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 INHALT b) Zur intersystemischen Bedeutung des Geldes für die soziale In- und Exklusion. . . . . . . . . . . . . . . . 150 c) Exklusion als intrasystemische Erfolgsbedingung der kapitalistischen Wirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 d) Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208 Teil II: Zum Problem der sozialen Gerechtigkeit unter den Bedingungen der kapitalistischen Moderne 4. Ist das fair? – Eine gerechtigkeitsethische Analyse der Mechanismen sozialer In- und Exklusion im Kapitalismus 217 4.1 Vorüberlegungen zum Maßstab der Gerechtigkeit . . . . . 217 Exkurs zur Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls 222 4.2 Über die Gerechtigkeit sozialer In- und Exklusion unter den Bedingungen der kapitalistischen Moderne . . . . . . . 244 a) Das Prinzip der Gleichheit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246 b) Das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit . . . . . . . . . . . 251 Exkurs zum verdienstethischen Naturalismus von Wolfgang Kersting . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 256 c) Das Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit . . . . . . . . . . . . . 288 d) Das Prinzip der persönlichen Freiheit . . . . . . . . . . . . 296 e) Das Prinzip der allgemeinen Vorteilhaftigkeit . . . . . . 300 f) Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313 5. Das Bedingungslose Grundeinkommen – Ein Weg aus der Misere? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319 5.1 Zur Lage des politischen Systems und den Chancen der Gerechtigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319 5.2 Zur sachlichen Adäquanz des Grundeinkommens . . . . . 327 5.3 Zur normativen Attraktivität des Grundeinkommens. . . 329 a) Verringerung der Ungleichheit. . . . . . . . . . . . . . . . . . 333 b) Erhöhung der Leistungsgerechtigkeit. . . . . . . . . . . . . 334 Exkurs zu den angenommenen Effekten eines Bedingungslosen Grundeinkommens auf die individuelle Arbeits- und Leistungsbereitschaft. . . . . . . . 340 c) Befriedigung der Grundbedürfnisse und reale Freiheit 346 d) Harmonisierung der Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . 353 e) Schluss: Das Bedingungslose Grundeinkommen als Chance der Gerechtigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357 Literaturverzeichnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363

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Zusammenfassung

Ungeachtet der noch immer schwelenden Eurokrise lag das europäische Privatvermögen 2013 bei fast 38 Billionen Dollar – das entspricht rund einem Viertel des globalen Reichtums. Gleichzeitig jedoch lebten 17 Prozent der Europäer, d. h. etwa 84 Millionen Menschen, in Armut und über 24 Prozent waren von sozialer Ausgrenzung bedroht. Dieser Widerspruch existiert nur scheinbar, denn bei genauerem Hinsehen erweisen sich diese Zahlen gerade als Resultat des erfolgreichen Operierens der Märkte. Nicht etwa die soziale Inklusion und Teilhabe eines jeden, sondern allein die Akkumulation des Kapitals ist deren Ziel. Wer dazu nichts beizutragen weiß, wird von der auf Effizienz und Leistung geeichten kapitalistischen Ökonomie systematisch exkludiert. Aufgabe der Politik wäre es nun eigentlich, dem entgegenzuwirken und gedeihliche Lebensbedingungen für alle wohlfahrtsstaatlich zu garantieren. Dass sie daran offenkundig scheitert, ist namentlich ihrer notorischen Fixierung auf Erwerbsarbeit geschuldet, wie sie etwa in dem parteiübergreifenden Credo: „Sozial ist, was Arbeit schafft!“ beispielhaften Ausdruck findet. Dadurch wird übersehen, dass der eigentliche Schlüssel zu sozialer Inklusion und Teilhabe in der kapitalistischen Moderne durchaus nicht in Arbeit, sondern schlicht in Geld besteht, und deshalb die in vielen Ländern zu beobachtende Verkürzung von Sozial- auf Beschäftigungspolitik nur allzu oft lediglich zur Verwandlung von erwerbslosen in erwerbstätige Arme führt, statt Armut und Ausgrenzung an sich wirksam zu verringern. Während die soziologische Beschreibung und Analyse der monetären Mechanismen sozialer In- und Exklusion im Fokus des ersten Teils des Buches steht, ist deren sozialphilosophische Reflexion Aufgabe des zweiten. Ziel ist es, die ungleiche Verteilung der individuellen Lebens- und Teilhabechancen systematisch mit den wichtigsten, empirisch verankerten Gerechtigkeitsvorstellungen westlicher Gesellschaften zu bewerten. Dieser Vergleich von Sein und Sollen kann dann nicht nur dazu dienen, sich zur kapitalistischen Moderne soziologisch aufgeklärt und gerechtigkeitstheoretisch reflektiert ins Verhältnis zu setzen. Er dient auch als Basis für die Diskussion der sachlichen wie normativen Vor- und Nachteile eines Bedingungslosen Grundeinkommens, das seit einigen Jahren wieder verstärkt als mögliches sozialpolitisches Instrument zur Bekämpfung von Armut und Exklusion verhandelt wird.