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Stefan Herms, Grußwort: Wissenschaft hat eine Bringschuld in:

Jörn Axel Kämmerer, Markus Kotzur, Jacques Ziller (Ed.)

Integration und Desintegration in Europa | Integration and Desintegration in Europe | Intégration et Désintégration en Europe, page 39 - 40

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8487-6131-9, ISBN online: 978-3-7489-0222-5, https://doi.org/10.5771/9783748902225-39

Series: Societas Iuris Publici Europaei (SIPE), vol. 13

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Grußwort: Wissenschaft hat eine Bringschuld Stefan Herms Gern bin ich der Bitte gefolgt, anlässlich ihrer diesjährigen Tagung ein Grußwort von Seiten der Bundeskanzler Helmut-Schmidt-Stiftung zu sprechen. Diese sechste der deutschen Politikergedenkstiftungen existiert kraft Bundesgesetz seit Januar 2017. Wir haben nicht nur den grundsätzlichen Auftrag das Andenken an das Wirken des Europapolitikers Helmut Schmidt zu wahren und fortzuentwi‐ ckeln, sondern sollen uns auch in seinem Sinne mit den europäischen und globa‐ len Herausforderungen des 21. Jahrhunderts befassen. Für uns ist es bewusste strategische Mission, diesen zukunftsgerichteten Auf‐ trag in Kooperationen mit der Wissenschaft zu erfüllen. Das Europa-Kolleg, eng verbunden mit dem Europarecht der juristischen Fakultät der Universität Ham‐ burg, ist für uns hier ein zentraler Partner. Ich freue mich, dass wir mit der SIPE- Tagung ein erstes gemeinsames Projekt realisieren können. Das Thema der Tagung ist erschreckend aktuell. Integration und Desintegrati‐ on waren zum Zeitpunkt der ersten Überlegungen zu dieser Tagung vielleicht nur akademische Überschriften – jetzt sind sie praktische Herausforderungen. Erlau‐ ben Sie mir dazu in der kurzen Zeit eines Grußwortes aus Sicht einer wissen‐ schaftlich-anwendungsorientierten Helmut-Schmidt-Stiftung eine Anmerkung: Wir hier – und Sie als zentrale Multiplikatoren im juristischen Wissenschaftsbe‐ trieb besonders – haben nicht nur die Pflicht, wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der europäischen Integration und des Europarechts zu generieren, son‐ dern – mit den Worten des langjährigen Mitglieds des Senats der Max-Planck- Gesellschaft Helmut Schmidt: Wissenschaft hat eine Bringschuld. Sie soll ihre Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft hineintragen und für ihre Wirksamkeit sorgen. Übertragen auf das Bild des sportlichen Spielfelds, sollten wir uns nicht als Zuschauer der Ereignisse, sondern als engagierte Spieler verstehen. Den wissen‐ schaftlichen Diskurs darin zu unterstützen, ist Aufgabe unserer Stiftung. Unser Europa, das wir immer als selbstverständlichen aquis communautaire wahrge‐ nommen und empfunden haben, ist gefährdet. Frau Ehrenpräsidentin Iliopoulos-Strangas, wir haben beide die bewegende Veranstaltung der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Athen an Helmut Schmidt hier in Hamburg im Rathaus erlebt. Alle waren gespannt – wird Helmut Schmidt reden? Er tat es. Er hielt vor dem Hintergrund der damaligen hitzigen Debatten zum deutsch-griechischen und -europäischen Verhältnis eine 39 geschliffen formulierte Rede über Kooperation und Solidarität in Europa. Ge‐ schichtsbewusst und zukunftsweisend. Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass auch diese Tagung in diesem Geist We‐ ge in die weitere europäische Zukunft weist und bahnt. Grußwort: Wissenschaft hat eine Bringschuld 40

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Abstract

The EU’s vulnerability to crises is not a novelty, but disintegrative trends have reached a new quality. The financial and fiscal crisis shook the Union, which had just been consolidated by the Lisbon Treaty, to its foundations. The refugee crisis becomes a heavy test of European solidarity. For the first time, a member state, the United Kingdom, wants to leave the Union and in doing so, as at least the Brexiteers argue, regain its sovereignty. Even the member states themselves are not spared from moments of disintegration. One might think of the secessionist movements in Catalonia or Scotland etc. Against this background, the SIPE Congress in Hamburg has brought together high-ranking experts from all over Europe in order to explore the tension between integration and disintegration, as well as Europe’s prospects of being “united in diversity”. The discussions paint a differentiated overall panorama of the constantly challenged integration project. With contributions by Francisco Balaguer Callejón, Roland Bieber, Jernej Letnar Černič, Jenö Czuczai, Daria de Pretis, Ian Forrester, Ece Göztepe, Ana Maria Guerra Martins, Christian Heitsch, Stefan Herms, Ann-Kathrin Kaufhold, Panos Kazakos, Markus Kotzur, Clifford Larsen, Friedrich-Joachim Mehmel, Eleftheria Neframi, Dimitrios Parashu, Argelia Queralt Jiménez, Andrea Romano, Tilman Repgen, Sebastian Scholz, Christian Starck

Zusammenfassung

Die Krisenanfälligkeit der EU ist kein Novum, doch haben desintegrative Strömungen eine neue Qualität erreicht. Die Finanz- und Fiskalkrise erschütterte die eben erst durch den Lissabonner Vertrag konsolidierte Union in ihren Grundfesten. Die Flüchtlingskrise wird zur schweren Belastungsprobe für die europäische Solidarität. Mit dem Vereinigten Königreich will erstmals ein Mitgliedstaat den Integrationsverbund verlassen und, so die Brexit-Advokaten, seine Souveränität zurückgewinnen. Auch die Mitgliedstaaten selbst bleiben von Desintegrationsmomenten nicht verschont, man denke etwa an die Sezessionsbestrebungen in Katalonien oder Schottland. Vor diesem Hintergrund hat die Hamburger Jahrestagung der SIPE hochrangige Expertinnen und Experten aus ganz Europa versammelt, um im Spannungsfeld von Integration und Desintegration auszuloten, welche Zukunftschancen Europas „Einheit in Vielfalt“ hat. Die Diskussionen zeichnen ein differenziertes Gesamtpanorama des immer neu herausgeforderten Integrationsprojekts. Mit Beiträgen von Francisco Balaguer Callejón, Roland Bieber, Jernej Letnar Černič, Jenö Czuczai, Daria de Pretis, Ian Forrester, Ece Göztepe, Ana Maria Guerra Martins, Christian Heitsch, Stefan Herms, Ann-Kathrin Kaufhold, Panos Kazakos, Markus Kotzur, Clifford Larsen, Friedrich-Joachim Mehmel, Eleftheria Neframi, Dimitrios Parashu, Argelia Queralt Jiménez, Andrea Romano, Tilman Repgen, Sebastian Scholz, Christian Starck