Klaus Neumann, Das Journal of Refugee Studies. Ein Beitrag zur Geschichte eines Forschungsfeldes in:

Z'Flucht. Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung, page 140 - 157

Z’Flucht, Volume 1 (2017), Issue 1, ISSN: 2509-9485, ISSN online: 2509-9485, https://doi.org/10.5771/2509-9485-2017-1-140

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Klaus Neumann Das Journal of Refugee Studies. Ein Beitrag zur Geschichte eines Forschungsfeldes Abstract Das Journal of Refugee Studies (JRS) ist die wichtigste internationale Fachzeitschrift im Bereich der Flüchtlingsforschung. Seine Gründung im Jahr 1988 trug maßgeblich zur Konsolidierung der Flüchtlingsforschung als eigenständiges Forschungsfeld bei. In diesem Aufsatz reflektiere ich die 29jährige Geschichte des JRS. Ich interessiere mich insbesondere für den Anspruch des JRS, fächerübergreifend zu sein, für seine Reputation als Forum für politikrelevante, angewandte Forschung und für die Rolle, die Flüchtlingen in der Zeitschrift eingeräumt wurde. Ausgehend von der Überlegung, dass heute im JRS in erster Linie über Flüchtlinge geschrieben wird, schlage ich vor, ein Experiment aus den Anfangsjahren des JRS zu wiederholen und Flüchtlinge (wieder) selbst zu Wort kommen zu lassen. Ausgehend von meiner Lektüre der letzten 29 Jahrgänge des JRS gebe ich der Hoffnung Ausdruck, dass in einer neugegründeten Fachzeitschrift wie der Z’Flucht theoretisch ambitionierten Aufsätzen, deren Erkenntnisse auf einer breiten empirischen Basis beruhen, gebührend Platz eingeräumt wird, und dass AutorInnen zu einer rigoros selbstkritischen Herangehensweise an ihre Themen ermutigt werden. Schlagworte: Journal of Refugee Studies, Flüchtlingsforschung The Journal of Refugee Studies: A Contribution to the History of a Field Abstract The Journal of Refugee Studies is the most important international academic journal in the field of refugee studies/forced migration studies. Its establishment in 1988 helped to consolidate refugee studies as a distinct field of study. In this article, I reflect on the 29-year history of that journal, focusing on its interdisciplinary reach, its role as a forum for applied research, and its attempt to feature the voices of refugees. I argue that the journal has published the outcomes of research about refugees (rather than research conducted by or done in collaboration 140 Zeitschrift für Flüchtlingsforschung 1. Jg. (2017), Heft 1, S. 140 – 157, DOI: 10.5771/2509-9485-2017-1-140 with refugees), and suggest that it would be worth repeating the founding editor’s experiment to let refugees speak about – and conceptualise and theorise – their experience. I suggest that a new journal such as Z’Flucht may want to privilege the publication of articles that are ambitious in their scope. It could also learn from one of the strengths of the Journal of Refugee Studies and encourage authors to reflect on their practice as researchers and writers. Keywords: Journal of Refugee Studies, refugee studies, forced migration studies Einleitung Als ein international anerkanntes interdisziplinäres Forschungsfeld – mit seinen eigenen Forschungsinstituten, Kongressen, Graduiertenprogrammen, Buchreihen und Zeitschriften – gibt es die Flüchtlingsforschung seit den 1980er Jahren (Black 2001: 59–60; Chatty/Marfleet 2013: 1; Kleist 2015: 151). Besonders wichtig für die Konsolidierung dieses Feldes war die Gründung des Journal of Refugee Studies (JRS) im Jahr 1988. Die Gründung der Z’Flucht bietet eine Gelegenheit, die Geschichte des JRS zu reflektieren und dadurch den Wandel des Forschungsfeldes Refugee Studies in den letzten knapp drei Jahrzehnten zu beleuchten. Bei dieser Geschichte ist es wichtig im Auge zu behalten, dass sich auch das JRS in ein bereits bestehendes Forschungsumfeld einfügte. Sozial-, Geistes- und RechtswissenschaftlerInnen, die sich ausgiebig mit Flüchtlingsfragen beschäftigten, gab es schon lange vor der Gründung des JRS (Skran/Daughtry 2007). Schon in den 1930er, 1940er und 1950er Jahren erschienen wichtige Gesamtdarstellungen zur Flüchtlingsproblematik, die zum Teil auch heute noch lesenswert sind (u.a. Simpson 1940; Vernant 1953; Stoessinger 1956; Proudfoot 1957). Disziplinär ausgerichtete Fachzeitschriften, insbesondere in der Rechtswissenschaft, der Politologie, der Soziologie und der Ethnologie, waren durchaus an Flüchtlingsfragen interessiert; bereits 1939 gab der amerikanische Erziehungssoziologe Francis J. Brown eine Ausgabe der Annals of the American Academy for Political and Social Science zum Thema Flüchtlinge heraus. Interdisziplinäre Zeitschriften, die sich dem Studium der Migration verschrieben hatten, veröffentlichten Aufsätze, in denen es nicht so sehr allgemein um MigrantInnen als vielmehr speziell um Flüchtlinge ging. Hier sind zu nennen insbesondere Migration (seit 1961; 1963 umbenannt in International Migration) und die International Migration Review (seit 1966), die 1981 ein wegweisendes Doppelheft unter dem Titel »Refugees Today« veröffentlichte, aber auch das Journal of Ethnic and Migration Studies (seit 1971) und Ethnic and Racial Studies (seit 1978). 1. Klaus Neumann | Das Journal of Refugee Studies Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 141 Streng genommen ist das JRS nicht die älteste Fachzeitschrift, die sich dem Thema Flüchtlinge verschrieben hat. Die erste Ausgabe der kanadischen Zeitschrift Refuge erschien – mitsamt einem Vorwort des damaligen Premierministers Pierre Trudeau – bereits 1981. Doch zu diesem Zeitpunkt war Refuge noch keine wissenschaftliche Fachzeitschrift, sondern vielmehr ein Informationsbulletin. Anders als das JRS hatte Refuge ursprünglich auch nicht den Anspruch, ein internationales Publikum zu erreichen. Nur der Untertitel – Le bulletin d’actualités canadien sur les réfugiés – versprach, dass sich diese anfangs sogar sechsmal im Jahr erscheinende Zeitschrift mit Flüchtlingen beschäftigen würde; der Titel Refuge (laut Schriftleiter »un lieu où l’on se retire pour échapper à un danger ou pour se mettre en sûreté« (Refuge 1981: 1)) bezog sich auf einen ganz bestimmten Zufluchtsort, Kanada. Der Refugee Survey Quarterly (RSQ), der 1982 unter dem Titel Refugee Abstracts ins Leben gerufen wurde, war ebenfalls ursprünglich keine wissenschaftliche Zeitschrift, sondern ein vom Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) finanziertes Organ, das der Verbreitung relevanter Materialien dienen sollte.1 Inzwischen haben sich im englischsprachigen Raum neben JRS, RSQ und Refuge andere Zeitschriften etabliert, die hauptsächlich wissenschaftliche Aufsätze zum Thema Flüchtlinge veröffentlichen. Die wichtigste und international angesehenste ist das International Journal of Refugee Law (das nur ein Jahr nach dem JRS 1989 gegründet wurde); in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat außerdem das Journal of Immigrant and Refugee Studies (seit 2002). Im Folgenden will ich mich auf vier Aspekte konzentrieren. Erstens reflektiere ich über das übergreifende Thema des JRS. Hierbei beziehe ich mich sowohl auf Äußerungen seiner Herausgeber als auch auf den tatsächlichen Inhalt der Zeitschrift. Zweitens gehe ich der Frage nach, inwieweit das JRS disziplinübergreifend war und ist. Drittens diskutiere ich den Vorwurf, den KritikerInnen gegen- über der im JRS repräsentierten Flüchtlingsforschung wohl am häufigsten vortragen, nämlich dass es sich dabei in erster Linie um angewandte, politikrele- 1 Refugee Abstracts bzw. der RSQ wandelte sich von einem vom International Refugee Integration Resource Center herausgegebenen Mitteilungsblatt, in der die Texte internationaler Vereinbarungen, Literaturlisten und Tagungsberichte veröffentlicht wurden, zu einer konventionellen Fachzeitschrift. Diese Metamorphose ging schrittweise und nur sehr langsam vor sich. Selbst als der RSQ Ende der 1990er Jahre die ersten wissenschaftlichen Aufsätze veröffentlichte (bezeichnenderweise zur gleichen Zeit, als der UNHCR begann, wissenschaftliche Aufsätze unter dem Titel New Issues in Refugee Research zu veröffentlichen), geschah dies in der Rubrik ›Reports‹. 2002 wurde dann eine Rubrik ›Articles‹ geschaffen, doch anfangs veröffentlichte der RSQ nur Aufsätze zu Themenschwerpunkten. Die erste offene Ausgabe des RSQ erschien erst 2011. Forumsbeiträge 142 Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 vante Forschung handelt. Schließlich widme ich mich der Frage, inwieweit Flüchtlinge selbst im JRS zu Wort gekommen sind. Refugee Studies als Forschungsfeld Die erste Ausgabe des JRS enthielt einen einführenden Artikel des Herausgebers Roger Zetter, der vorher im Bereich der Development Studies gearbeitet hatte und dessen Forschung sich mit griechisch-zypriotischen Flüchtlingen beschäftigte. Er hob hervor, dass es dem JRS nicht nur um Flüchtlinge im Sinne des Artikels 1 der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gehe, sondern dass »refugees« auch »displaced persons« oder »asylum seekers« sein könnten (Zetter 1988: 5). Der Flüchtlingsbegriff der Gründer des JRS entspricht am ehesten dem Konzept der »persons of concern« des UNHCR (siehe Crisp 2009). Zwar wollte Zetter Menschen, die in erster Linie aus freien Stücken MigrantInnen wurden, ausgeklammert wissen, doch war nie ganz klar, wie die Redaktion des JRS systematisch zwischen Flüchtlingen und Nicht-Flüchtlingen unterscheiden wollte. Laut Zetter war es das eigentliche Anliegen der Zeitschrift »to explore the rich research agenda established by the label ›refugee‹«. In der Folgezeit veröffentlichte Zetter selbst zwei Aufsätze, die sich explizit mit dem »label ›refugee‹« auseinandersetzten (Zetter 1991; 2007); der erste avancierte zu einem der am häufigsten zitierten Aufsätze der englischsprachigen Flüchtlingsforschung. Wie sich in den nächsten Jahren zeigen sollte, deckten die Aufsätze, die im JRS publiziert wurden, in der Tat das gesamte Spektrum derjenigen ab, die sich auf der Flucht befinden oder befanden. Eine Durchsicht der letzten 29 Jahre des JRS zeigt aber auch, dass die Zeitschrift bestimmte Themenbereiche bevorzugte und andere au- ßen vor ließ. Das hat zum Teil mit der Sprachkompetenz ihrer AutorInnen zu tun. So widmen sich unter den mehr als 600 bislang im JRS erschienenen Aufsätzen nur vier ausschließlich der Flüchtlingsproblematik in Deutschland (Wong 1991; Bosswick 2000; Holian 2012; Hinger et al. 2016).2 Zum Teil ist die Schwerpunktbildung eine Konsequenz der politischen Ökonomie des Wissenschaftsbetriebes; unter den 136 in den letzten fünf Jahrgängen (2012 bis 2016) veröffentlichten 2. 2 Daraus ließe sich ein Argument für eine eigene deutschsprachige Zeitschrift ableiten; die relativ geringe Aufmerksamkeit, die der Flüchtlingsproblematik in Deutschland (und Österreich) im JRS geschenkt wurde, legt aber auch nahe, dass sich deutschsprachige ForscherInnen – z.B. im Vergleich mit ihren KollegInnen in den skandinavischen Ländern – mit der Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse auf Englisch bislang eher schwertaten. Abgesehen von den hier erwähnten vier Aufsätzen erschien im JRS auch ein Text, den die Herausgeber nicht als ›Article‹ sondern als ›Research Note‹ klassifizierten (Anderson 2001). Klaus Neumann | Das Journal of Refugee Studies Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 143 Aufsätzen beschäftigen sich vier mit dem Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in westlichen Ländern und elf mit Refugee Resettlement in Australien, aber kein einziger mit Binnenvertriebenen in Kolumbien.3 Im Vergleich zur Zahl der vom UNHCR registrierten Konventionsflüchtlinge, Binnenvertriebenen und AsylbewerberInnen erscheinen im JRS ungleich mehr Aufsätze zu Europa, Nordamerika und Australien als zu Asien, Afrika und Lateinamerika sowie mehr zu AsylbewerberInnen als zu Konventionsflüchtlingen.4 Das JRS hatte nicht nur den Anspruch, die Flüchtlingskategorie kritisch unter die Lupe zu nehmen, sondern auch, neue Begriffe auszuprobieren oder die Bezeichnung ›Flüchtling‹ neu zu definieren. Letzterem ist die Zeitschrift allerdings kaum gerecht geworden. Das wäre auch nur dann möglich gewesen, wenn man nicht gleichzeitig auf der Möglichkeit einer strikten Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und anderen MigrantInnen bestanden hätte. Die Frage, ob eine solche Unterscheidung sinnvoll ist, wurde neu diskutiert, als der Begriff ›Refugee Studies‹ selbst zur Debatte stand. Mitte der 1990er Jahre kam der Begriff ›Forced Migration Studies‹ als Alternative oder als Ergänzung zu ›Refugee Studies‹ auf. Im Jahr 1994 gründeten AkademikerInnen, die in der Flüchtlingsforschung tätig waren, ihre erste Berufsorganisation; bezeichnenderweise hieß sie International Association for the Study of Forced Migration – das Wort ›refugees‹ tauchte im Namen nicht auf. Zwei Jahre später brachte der Berghahn-Verlag den ersten Band seiner neuen Reihe Refugee and Forced Migration Studies heraus. Die Frage, ob ›Forced Migration Studies‹ ›Refugee Studies‹ ersetzen sollte, wurde auch im JRS über Jahre hinweg intensiv und kontrovers diskutiert (siehe u.a. Hathaway 2007; Chimni 2009; Van Hear 2012). Die Tatsache, dass das JRS seinen Namen nicht änderte, kann als Indiz dafür angesehen werden, dass letztendlich ›Forced Migration Studies‹ zwar als brauchbarer Oberbegriff akzeptiert wurde, dass die HerausgeberInnen der Zeitschrift aber die 1988 von ihnen kreierte 3 Unter den 63,91 Millionen »persons of concern«, die der UNHCR am 31. Dezember 2015 zählte, waren nur 57.594 Personen in Australien, aber 6.941.212 Personen in Kolumbien; der UNHCR zählte zum gleichen Zeitpunkt insgesamt 98.400 unbegleitete oder von ihren Eltern getrennte minderjährige Asylsuchende (UNHCR 2017; 2016: 44). 4 Zur Verdeutlichung hier weitere Zahlen: Von den 63,91 Millionen »persons of concern« unter dem UNHCR am 31. Dezember 2015 befanden sich ein knappes Drittel in Afrika, knapp die Hälfte in Asien und knapp ein Zehntel in Europa, Nordamerika und Australien. Am 31. Dezember 2010 erfasste der UNHCR knapp 34 Millionen »persons of concern«, von denen sich fast ein Drittel in Afrika, knapp die Hälfte in Asien und etwas mehr als ein Zehntel in Europa, Nordamerika und Australien aufhielten (UNHCR 2016: 60; 2011: 21). Zwischen März 2012 (Jahrgang 25, Nummer 1) und Dezember 2016 (Jahrgang 29, Nummer 4) erschienen im JRS insgesamt 50 Aufsätze, die sich ausschließlich mit »persons of concern« in Afrika oder Asien beschäftigten, aber 51 Aufsätze, in denen es um »persons of concern« in Europa, den USA, Kanada oder Australien ging. Forumsbeiträge 144 Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 und besetzte Nische nicht aufgeben wollten. HerausgeberInnen und AutorInnen der Zeitschrift benutzten aber zunehmend den Begriff ›forced migration‹, wenn sie auf das vom JRS beackerte Forschungsfeld verweisen wollten.5 Forschungsprojekte werden bisweilen mit der Begründung gerechtfertigt, dass ihren Gegenständen bislang nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Doch selbst 1988 wäre es verwegen gewesen zu behaupten, dass die Wissenschaft Flüchtlinge zu wenig beachten würde. Heute könnte man sogar den entgegengesetzten Schluss ziehen: Seit vielen Jahren sind Flüchtlingsfragen ein vergleichsweise beliebtes Thema für JuristenInnen, Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen und MedizinerInnen. Einige Flüchtlingsgruppen erfahren eher ein Zuviel, als ein Zuwenig an akademischer Zuwendung. Beispielsweise konnten (bis Mitte des Jahres 2016) 1.451 Veröffentlichungen und unveröffentlichte Magister- und Doktorarbeiten allein zum Thema ›Resettlement von Flüchtlingen in Australien‹ gezählt werden (Neumann 2016). Mehr als die Hälfte dieser Texte stammen aus den letzten zehn Jahren. Fast zehn Prozent aller Texte beschäftigen sich mit Flüchtlingen aus dem Südsudan, obwohl der Anteil von Menschen sudanesischer Abstammung nicht nur an der australischen Gesamtbevölkerung, sondern auch unter den im Nachkriegsaustralien angesiedelten Flüchtlingen sehr gering ist. Flüchtlinge, die aufgrund ihrer Herkunft als besonders benachteiligt gelten, teilen hier das Schicksal anderer marginalisierter und einfach identifizierbarer Bevölkerungsgruppen (wie z.B. Obdachlose), deren Angehörige scheinbar nicht für sich selbst sprechen können und die Gegenstand staatlicher und wissenschaftlicher Observation werden. Eine fächerübergreifende Zeitschrift? In der Einleitung der ersten Ausgabe des JRS skizzierte Zetter die Absichten, die mit der Gründung der Zeitschrift verbunden waren. Sie sollte erstens dazu dienen, ein sich herausbildendes Forschungsfeld zu konsolidieren und es von der Peripherie ins Zentrum des akademischen Betriebs zu rücken. Zweitens erhoffte sich Zetter eine Vertiefung theoretischer Erkenntnisse. Als Beispiele theoretischer Arbeiten, die die neue Zeitschrift zu veröffentlichen hoffte, nannte er: »exploring the many characteristics of rapid social change; revealing the complexity of hostmigrant interrelationships; analysing the disjunctive and paradoxical patterns of responses and behaviours in individuals and groups afflicted by refugee status; tackling the prodigious 3. 5 Zum Beispiel 2012 verwies der damalige (und derzeitige) JRS-Herausgeber Khalid Koser (2012: 1) auf die Hingabe seiner Mitherausgeberin »to the journal and to the field of forced migration«. Klaus Neumann | Das Journal of Refugee Studies Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 145 agenda of public policy and legal matters; and addressing important philosophical questions on equity, on distributive and procedural justice, on rights and blameworthiness.« (Zetter 1988: 2) Drittens schließlich sollte das JRS einen multidisziplinären Zugang fördern, denn: » A much more closely integrated application of the theories and methods of social, political and medical sciences is required« (Zetter 1988: 2). Zetters Beispiele möglicher theoretischer Arbeiten legen nahe, dass er abgesehen von der Medizin sechs Disziplinen im Auge hatte: Ethnologie, Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpsychologie, Rechtswissenschaft und Philosophie. In der relevanten englischsprachigen Literatur waren HistorikerInnen und GeographInnen bis dahin kaum in Erscheinung getreten; insofern war es nicht überraschend, dass Zetter ihre Disziplinen oder Fragestellungen nicht erwähnte.6 DemographInnen und ÖkonomInnen hingegen hatten einen wesentlichen Beitrag zur Migrationsforschung geleistet und deshalb ist die Tatsache, dass Zetter ihren möglichen Beitrag nicht berücksichtigte, beachtenswert. Es fehlten auch die Medien-, Literatur- und Kulturwissenschaften, die, so hätte man annehmen können, gerade für Zetter von Interesse gewesen wären, da sich seine eigenen Beiträge zur Flüchtlingsforschung vor allem mit Fragen der Benennung bestimmter Menschen als Flüchtlinge beschäftigten. Wie sieht es nun tatsächlich mit dem Anspruch des JRS aus, die Flüchtlingsforschung disziplinübergreifend abzudecken? Die erste Ausgabe der Zeitschrift enthielt abgesehen von Zetters Beitrag drei Aufsätze, die das angestrebte Spektrum der neuen Zeitschrift repräsentierten: einen Aufsatz des Philosophen Howard Adelman (1988) über den Unterschied zwischen Asyl und Zuflucht, einen Artikel des Ethnologen Nicholas Tapp (1988) über die Hmong und einen Beitrag des Soziologen Robert L. Bach (1988) über die Ansiedlung indochinesischer Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten. Ethnologie und Soziologie waren auch in der Folge prominent vertreten, während vielversprechende Ansätze in den Geisteswissenschaften, einschließlich der Philosophie, kaum Eingang in die Zeitschrift fanden. Trotz der beinahe zeitgleichen Gründung des International Journal of Refugee Law veröffentlichte das JRS auch Aufsätze aus dem Bereich der Rechtswissenschaften. In den letzten Jahren haben HistorikerInnen (mit Recht) beklagt, dass die Flüchtlingsforschung oft ohne eine fundierte historische Perspektive auskommt (z.B. Marfleet 2007); es ist aber anzuerkennen, dass das JRS vor allem un- 6 Das soll nicht heißen, dass historische Fragestellungen keine Beachtung fanden. Hier sind insbesondere die Arbeiten der Politikwissenschaftlerin Louise Holborn zu nennen, die eine Geschichte der International Refugee Organization sowie eine Geschichte der ersten 25 Jahre des UNHCR schrieb (Holborn 1956; 1975). Forumsbeiträge 146 Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 ter Zetter eine Vielzahl historischer Themen abdeckte. Insgesamt hat das JRS mit den Jahren eher mehr als weniger Fachrichtungen angezogen (siehe auch Zetter 2000: 351–352). Das zunehmende Interesse an Flüchtlingen als Opfer traumatischer Erfahrungen (z.B. Fassin/d’Halluin 2007) schlug sich in der Tatsache nieder, dass die Zahl der Beiträge von PsychologInnen und PsychiaterInnen, die in den Anfangsjahren so gut wie gar nicht im JRS vertreten waren, zunahm. Praxisorientierte Forschung Zetter (1988: 3–4) hatte sich von der Gründung des JRS erhofft, dass sie akademischer Auftragsarbeit für Regierungen und internationale Organisationen einen unabhängigen wissenschaftlichen Standpunkt entgegensetzen würde. Doch trat das Gegenteil ein, denn das JRS wurde auch zu einem wichtigen Forum für die Ergebnisse politikrelevanter Auftragsforschung. Die Auseinandersetzung um die Politikrelevanz der Flüchtlingsforschung fand sowohl auf den Seiten des JRS (z.B. Bakewell 2008) als auch außerhalb (z.B. Scalettaris 2007) statt und war oft der Gegenstand von Diskussionen auf Fachtagungen. Hier ging es nicht so sehr darum, dass FlüchtlingsforscherInnen häufig für internationale Organisationen (vor allem den UNHCR), Hilfsorganisationen und Regierungen tätig sind. Es stellte sich vielmehr die Frage, inwieweit solche Tätigkeiten die Forschungsergebnisse beeinflussen und ob allgemein das Bemühen der Flüchtlingsforschung, praxisorientiert zu sein, sie in gewisser Weise kompromittierte. Die im JRS publizierenden WissenschaftlerInnen mögen nicht imstande sein, sich über eine Definition des Begriffs ›refugee‹ zu einigen. Sie mögen auch die Arbeit des UNHCR ganz unterschiedlich bewerten. Aber sie sind sich in der Regel einig, dass die materielle, soziale und rechtliche Lage von Flüchtlingen (wer auch immer diese seien) verbessert werden muss, dass Fluchtursachen bearbeitet werden müssen und dass die Forschung bei der Bewältigung dieser Aufgaben gefragt ist (siehe z.B. Stein 1981a; Turton 2003); nur wenn es um die Strategien geht, mit deren Hilfe Flüchtlinge bessergestellt werden können, gehen die Meinungen weit auseinander. In der Regel bleibt diese Grundhaltung ungesagt. Doch sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des JRS. Noch nie hat das JRS zum Beispiel einen Aufsatz veröffentlicht, dessen AutorInnen fordern, dass Staaten besser daran täten, Asylsuchende generell abzuweisen und sie nach australischem Muster zu Abschreckungszwecken in Strafkolonien zu konzentrieren. Ich vermute, die Zeitschrift wird einen solchen Aufsatz auch in der voraussehbaren Zukunft nicht veröffentlichen. Hier hält der Konsens einer von ihrem An- 4. Klaus Neumann | Das Journal of Refugee Studies Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 147 spruch her engagierten Wissenschaftsgemeinde. Kontrovers werden dagegen die Rolle staatlicher Institutionen und internationaler Organisationen diskutiert, d.h. derjenigen, die nicht nur beanspruchen, für die Verbesserung der Lage von Flüchtlingen zuständig zu sein, sondern auch einen Großteil der Flüchtlingsforschung finanzieren. Refugee Voices In der Vorgeschichte der Flüchtlingsforschung als eigenständiges Forschungsfeld nimmt der intellektuelle Beitrag von Flüchtlingen einen wichtigen Platz ein. Unter den ersten WissenschaftlerInnen, die über die Flüchtlingsproblematik schrieben, waren Menschen, die aus dem vom nationalsozialistischen Deutschland beherrschten Europa geflohen waren. Louise Holborn zum Beispiel (siehe Fußnote 6) war 1934 in die Vereinigten Staaten emigriert. Einige dieser im Exil wissenschaftlich tätigen Frauen und Männer schrieben über ihre eigenen Erfahrungen, auch in akademischen Zeitschriften. Der Wirtschaftswissenschaftler Eduard Heimann etwa, der 1933 in die USA geflohen war und an der New School lehrte, ver- öffentlichte 1939 einen Aufsatz in der bereits erwähnten Ausgabe der Annals of the American Academy of Political and Social Science (Heimann 1939). Einen ähnlichen Beitrag verfasste die heute bekannteste und einflussreichste Theoretikerin der Flüchtlingsforschung vor 1983: 1943 veröffentlichte Hannah Arendt (1943) in der Zeitschrift Menorah den Aufsatz »We Refugees«. Arendt hatte Deutschland 1933 verlassen und war acht Jahre später in die USA gelangt. Ihr Hauptwerk The Origins of Totalitarianism (Arendt 1951), in der sie sich u.a. mit dem Rechtsanspruch rechtloser (da staatenloser) Flüchtlinge beschäftigte, beeinflusste Generationen von PolitikwissenschaftlerInnen und PhilosophInnen. Einer der einflussreichsten KommentatorInnen und GestalterInnen des internationalen Asylrechts, der Jurist Paul Weis, stammte ursprünglich aus Wien und war 1939 nach Großbritannien geflohen. John Stoessinger, der Autor von The Refugee and the World Community (Stoessinger 1956) und einer Autobiografie, in der er u.a. über seine Fluchterfahrungen schrieb (Stoessinger 2014), floh 1939 aus Österreich und gelangte über die Tschechoslowakei und Schanghai in die USA. Nicht alle dieser für die Anfänge der Flüchtlingsforschung bedeutenden EmigrantInnen flohen vor den Nationalsozialisten. Eugene Kulischer, ein Demograph, der den Begriff ›displaced person‹ prägte und zwei wichtige Werke zur Zwangsmigration während und infolge des Zweiten Weltkriegs schrieb (Kulischer 1943; 1948), war ursprünglich ein russischer Flüchtling, der 1920 nach Deutschland 5. Forumsbeiträge 148 Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 floh. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten fand er auf dem Umweg über Dänemark, Frankreich, Spanien und Portugal in den USA Zuflucht. Egon Kunz, der Autor mehrerer Bücher über Flüchtlinge in Australien und einiger international einflussreicher Aufsätze (insbesondere Kunz 1973; 1981), floh 1948 aus Ungarn, nachdem die Kommunisten dort die Macht ergriffen hatten, und reiste ein Jahr später mithilfe der International Refugee Organization von Deutschland nach Australien aus. Diese Liste ließe sich fortsetzen. Auch in den Anfängen der deutschsprachigen Flüchtlingsforschung spielten Menschen mit Flucht- oder Emigrationserfahrungen eine Rolle. Claudio Kazys Cirtautas, der Autor des später auch ins Englische übersetzten Buches Porträt des Heimatlosen (Cirtautas 1950), kam ursprünglich aus Litauen; der Völkerrechtler Otto Kimminich, der wichtigste Repräsentant der bundesdeutschen Flüchtlingsforschung in den 1960er und 1970er Jahren, war ein Sudetendeutscher, der infolge der Beneš-Dekrete aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden war.7 In der Generation der ForscherInnen, die in den 1980er Jahren Refugee Studies etablierten, waren Flüchtlinge kaum vertreten. Und doch war es dem JRS ein gro- ßes Anliegen, Flüchtlinge selbst zu Wort kommen zu lassen. Das hatte zum einen damit zu tun, dass in den 1970er und 1980er Jahren Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen versuchten, Mitgliedern von benachteiligten sozialen Gruppen Gehör zu verschaffen. Zum anderen lag es daran, dass in der Flüchtlingsforschung EthnologInnen, deren Disziplin zunehmend Wert auf die angemessene Repräsentation ihrer Forschungssubjekte legte, eine relative große Rolle spielten. Das JRS hatte deshalb eine eigene Sektion Refugee Voices, der in der ersten Ausgabe der Zeitschrift eine programmatische Aussage vorangestellt wurde, in der es u.a. hieß: »JRS intends to publish, as frequently as possible, a section devoted to refugees speaking directly about their experiences. Whilst the format will vary according to contexts, sources and translation requirements, we seek personal accounts, expressions and interpretations of refugee identity.« (Jonas 1988: 74) Doch sofern es einen solchen Aufruf bereits vor der Veröffentlichung der ersten Ausgabe des JRS gegeben hatte, war er ohne Ergebnis verhallt, denn der erste in der Sektion veröffentlichte Beitrag war ein Nachdruck eines Artikels der Journalistin Maggie Jonas über den somalischen Schriftsteller (und Flüchtling) Nuruddin Farah, der vorher im New African Magazine erschienen war.8 Zwar kommt 7 Zur Rolle Kimminichs als Vertreter von Vertriebeneninteressen und als jemanden, der sich als Verfechter von internationalen Menschenrechten (einschließlich des Rechts auf Asyl) verstand, siehe Wildenthal (2012: 105–131). 8 In der dritten Ausgabe des JRS wurde sogar ein autobiographischer Aufsatz veröffentlicht, der bereits 1975 (wenn auch auf Deutsch) erschienen war (Grossmann 1975; 1988). Klaus Neumann | Das Journal of Refugee Studies Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 149 Farah in dem Porträt selbst zu Wort, doch ist der Aufsatz über ihn und nicht von ihm. Auch in den folgenden Jahren kamen Flüchtlinge nur in einigen wenigen Artikeln in der Sektion ohne Vermittlung zu Wort. In den ersten vier Jahren des JRS erschienen insgesamt neun Beiträge in der Sektion. In den nächsten zehn Jahren waren es nur noch insgesamt fünf. Ein Beitrag erschien noch im Jahr 2003 und der bislang letzte vier Jahre später. Häufiger als vor 29 Jahren werden Flüchtlinge heute in akademischen Aufsätzen zitiert. Derlei Zitate sind nicht immer moderiert. Manchmal sind sie nicht einmal das Ergebnis der Fragen von ForscherInnen. Ein gutes Beispiel ist ein lesenswerter Aufsatz, deren AutorInnen die Graffiti, die beim Versuch des illegalen Grenzübertritts aufgegriffene Flüchtlinge in einer belgischen Polizeiwache hinterlassen haben, untersuchen (Derluyn et al. 2014). Aber wenn die Aussagen von Flüchtlingen zitiert werden, dann werden sie immer kommentiert; die Wissenschaft behält das letzte Wort. Flüchtlinge werden heutzutage in der englischsprachigen sozialwissenschaftlichen Forschung seltener als ›informants‹ und öfter als ›participants‹ bezeichnet. Doch der Schein trügt; Forschung mit Flüchtlingen (die nicht bloß ein Mittel ist, das es Forschern ermöglicht, über Flüchtlinge zu schreiben) wird zwar regelmäßig gefordert, ist aber in der Praxis eher eine Seltenheit. Das soll nicht heißen, dass Flüchtlinge keinerlei Beiträge zur Flüchtlingsforschung leisteten. Im Gegenteil: im englischsprachigen Raum sind gerade unter den DoktorandInnen und PostdoktorandInnen viele (ehemalige) Flüchtlinge. Sie schreiben oft über ›ihre‹ Flüchtlingsgruppe. Doch sie tun dies als AkademikerInnen (die oft gegenüber ihren KollegInnen den Vorteil haben, dass sie mit der Sprache und Kultur ›ihrer‹ Gruppe eng vertraut sind). Das macht solche Arbeiten nicht zu ›refugee voices‹. Was heute fehlt, sowohl im JRS als auch in der englischsprachigen Flüchtlingsforschung allgemein, ist ein Dialog zwischen denen, die über Flüchtlinge schreiben, und denen, die sich als Flüchtlinge identifizieren. Es fehlt die Art von fruchtbarer Auseinandersetzung, die beispielsweise Hannah Arendts Aufsatz über die Flüchtlingserfahrung anstieß.9 Abschließende Bemerkungen Das JRS ist immer noch die wichtigste internationale Fachzeitschrift im Bereich der Flüchtlingsforschung. Um den Stand der Forschung zu erfassen, hat es nie genügt, nur das JRS zu lesen; heute ist dies allerdings sicherlich weniger der Fall als 6. 9 Zugegebenermaßen geschah dies in der Forschung erst lange nach der Erstveröffentlichung von Arendts Aufsatz. Forumsbeiträge 150 Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 etwa vor 20 Jahren. Das liegt an der stetigen Zunahme relevanter Forschung; diese Zunahme kann auch zum Teil wenigstens auf die Intensivierung und Diversifizierung der Fluchtproblematik seit den späten 1980er Jahren zurückgeführt werden (Zetter 2000: 349–351). Nicht nur gibt es andere Zeitschriften, die mit dem JRS konkurrieren; es gibt auch eine große Anzahl von Zeitschriften, die sich um verwandte Forschungsfelder, wie zum Beispiel Menschenrechte und Migration, kümmern. Refugee Studies/Forced Migration Studies ist in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem inzwischen schwer überschaubaren Forschungsfeld geworden (Mason 1999; 2007). Das bereits erwähnte Doppelheft der International Migration Review von 1981 enthielt eine Bibliographie zur Flüchtlingsforschung (Stein 1981b). Sie hat mehr als 900 Einträge. Doch nur sieben der aufgelisteten Texte sind nicht auf Englisch (fünf sind auf Französisch und zwei auf Litauisch). Seit 1981 hat sich die Flüchtlingsforschung internationalisiert. Zum einen sind sich ForscherInnen heute eher bewusst, was außerhalb ihres eigenen Sprachraums an relevanter Forschung publiziert wird. Zum anderen veröffentlichen WissenschaftlerInnen zunehmend auf Englisch, anstatt in ihrer jeweiligen Muttersprache. Das wird auch deutlich, wenn man die Inhaltsverzeichnisse der letzten 29 Jahrgänge des JRS analysiert; in der Zeitschrift sind heute häufiger als in den 1980er und 1990er Jahren AutorInnen aus dem nicht-angelsächsischen Sprachraum vertreten. Während das JRS 1988 beanspruchen konnte, die Refugee Studies im angloamerikanischen Raum zu repräsentieren, ist sie heute eine international führende Fachzeitschrift mit einer globalen Leserschaft und AutorInnen, für die Englisch die offensichtliche Lingua Franca ist. Das JRS hat sich um die Beförderung einer Debatte um die Verwendung der Bezeichnung ›refugee‹ verdient gemacht – nicht zuletzt unter seinem ersten Herausgeber Roger Zetter. Diese Debatte hätte sicher vertieft werden können, wenn Medien-, Kultur- und LiteraturwissenschaftlerInnen an ihr teilgenommen hätten und wenn das Augenmerk nicht nur auf internationalen Organisationen und Ländern im angloamerikanischen Raum gelegen hätte. Hier wie auch im Hinblick auf andere Problemfelder war das JRS nicht fächerübergreifend und nicht international genug. Eine Debatte darum, was genau Flüchtlinge von anderen MigrantInnen unterscheidet, ist dagegen im JRS kaum geführt worden. Dafür gab es gute Gründe. Den meisten der AutorInnen des JRS kam es gelegen, dass die Kategorie ›refugees‹ im Titel der Zeitschrift im Verständnis ihrer GründerInnen und HerausgeberInnen weit über die in der Genfer Flüchtlingskonvention verankerte Definition hinausging (interessanterweise ohne dabei die historische Bedingtheit dieser Defi- Klaus Neumann | Das Journal of Refugee Studies Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 151 nition hervorzuheben). Wenn es Diskussionen um den Inhalt des Begriffs gab, dann waren das zumeist Versuche, die völkerrechtliche Definition aus dem Jahre 1951 zu erweitern. Da das der Arbeit der Zeitschrift zugrundeliegende Verständnis des Flüchtlingsbegriffs expansiv und dehnbar war, gab es letztendlich auch keinen Grund, den Namen der Zeitschrift nach Aufkommen des Konzepts der ›forced migration‹ zu ändern. Darüber hinaus aber ging es in Diskussionen im JRS in erster Linie um Notlagen, Bedürfnisse und deren Befriedigung durch den UNHCR, Hilfsorganisationen oder staatliche Stellen und allgemeiner darum, wie aus Flüchtlingen Nicht-Flüchtlinge werden und seltener um die Menschenrechte von Flüchtlingen und um deren (politische) Rechtsansprüche. Hier gibt es meines Erachtens wichtige Unterschiede in der Perspektive zwischen den Refugee Studies in angelsächsischen Ländern und der deutschsprachigen Flüchtlingsforschung. Ein zugegebenermaßen vereinfachender Vergleich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und meiner Wahlheimat Australien kann diese illustrieren. Während in der Bundesrepublik Otto Kimminichs Arbeiten über das deutsche und internationale Asylrecht (angefangen mit Kimminich 1962) den wohl wichtigsten Grundstein der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Flüchtlingsproblematik legten, waren in Australien – einem Land ohne verfassungsmäßig verbriefte Grundrechte, aber mit einer langen Tradition des Resettlement – die Forschungen der Soziologin Jean Martin, insbesondere ihr Buch Refugee Settlers (Martin 1965) über die Integration von Displaced Persons, grundlegend. Inwieweit ist Flüchtlingsforschung ausschließlich Forschung über Flüchtlinge? Sind andere Subjekte nicht ähnlich relevant, um die Flüchtlingsproblematik zu verstehen: die MitarbeiterInnen internationaler Hilfsorganisationen beispielsweise, SchlepperInnen und FluchthelferInnen oder die MitarbeiterInnen von Einwanderungsbehörden? In Deutschland wird zurzeit viel darüber geforscht, wie Flüchtlinge am besten und schnellsten integriert werden können. Aber geht es hier nicht auch darum, wie diejenigen gesellschaftlich integriert werden können, die entweder lautstark fordern, dass Flüchtlinge sich sofort und bedingungslos integrieren müssen oder die es am liebsten sähen, wenn die Integration von Flüchtlingen hinfällig würde, weil sie abgeschoben werden? Nicht nur in Deutschland hat sich die Flüchtlingsforschung in den letzten Jahren ausgiebig mit AktivistInnen und Ehrenamtlichen, die sich bei der Betreuung von Flüchtlingen engagieren, beschäftigt und die Analyse des Milieus, aus dem heraus Flüchtlingsheime angezündet und flüchtlingsfeindliche Facebook-Kommentare verfasst werden, der Rechtsextremismusforschung überlassen. Forumsbeiträge 152 Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 Die Frage, ob die im JRS veröffentlichte Flüchtlingsforschung zu sehr Auftragsforschung für westliche Regierungen und internationale Organisationen ähnelt, ist zwar des Öfteren thematisiert worden, doch ihre abschließende Beantwortung steht noch aus. Das ist nicht zuletzt deshalb der Fall, weil der enge Begriff ›policy relevance‹ eine Auseinandersetzung um die politische Ökonomie der Flüchtlingsforschung erschwert hat. Hier sei etwa auf die Tatsache verwiesen, dass sozialwissenschaftliche Forschung von staatlichen und nicht-staatlichen Förderungsmitteln abhängig ist und dass manche Themen als förderungswürdiger als andere gelten. Außerdem haben kritische und selbstkritische Bestandsaufnahmen wissenschaftlicher Praxis und Diskursbildung, wie sie z.B. Liisa Malkki (1995) forderte, eher am Rande des Forschungsfeldes stattgefunden. Das Ansinnen des JRS, Flüchtlinge in der Rubrik Refugee Voices selbst zu Wort kommen zu lassen, war letztendlich ein Fehlschlag. Es wäre meines Erachtens den Versuch wert, dieses Experiment wiederaufleben zu lassen. Wie könnte eine Flüchtlingsforschung aussehen, in der Flüchtlinge Mitspracherecht haben – in der es z.B. nicht nur um die Fremdbezeichnung Flüchtlinge geht, sondern in der der Anspruch von Flüchtlingen, keine Flüchtlinge (mehr) zu sein, ernst genommen wird? Wie könnte eine Flüchtlingsforschung aussehen, in der nicht nur die Flüchtlingen zustehenden oder vorenthaltenen Rechte ein Thema sind, sondern auch die Rechte, die Flüchtlinge ungeachtet von einklagbarem internationalen Recht selbst einfordern? Auch in anderer Hinsicht hat eine neugegründete Zeitschrift die Möglichkeit, aus der bald dreißigjährigen Geschichte des JRS zu lernen. Das JRS hatte den Anspruch, ein Forum für Grundlagenforschung zu sein, räumte aber in der Folgezeit praxisorientierten und politikrelevanten Aufsätzen einen großen Raum ein. Dazu kam, dass die empirische Basis einzelner Artikel geschrumpft ist und dass theoretisch ambitionierte Aufsätze seltener geworden sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Zeit, die AkademikerInnen im angelsächsischen Wissenschaftsbetrieb für das Verfassen eines Artikels zur Verfügung haben, in den letzten drei Jahrzehnten geschrumpft ist. Für die Z’Flucht könnte sich die Frage stellen, inwieweit sie solchen Trends entgegensteuern möchte. Eine der Stärken des Journal of Refugee Studies ist es, dass AutorInnen ermuntert wurden (und werden), kritisch über ihre Arbeit und über ihr Forschungsfeld zu reflektieren. Ich wünsche mir, dass die Z’Flucht einen ähnlich selbstkritischen Zugang zu ihrem Gegenstand wählt. Sie hat dabei die Möglichkeit, die historische Veröffentlichungspraxis des JRS und anderer englischsprachiger Zeitschriften im Bereich der Refugee Studies kritisch – und ausführlicher, als dass dies im Rahmen dieses kurzen Aufsatzes geschehen konnte – unter die Lupe nehmen zu kön- Klaus Neumann | Das Journal of Refugee Studies Z'Flucht 1. Jg., 1/2017 153 nen. Ich wünsche mir auch, dass die Z’Flucht von ihren AutorInnen eine rigoros selbstkritische Herangehensweise an ihre Themen verlangt. Und bei alledem wünsche ich ihr von Australien aus viel Glück. 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Abstract

The Journal of Refugee Studies is the most important international academic journal in the field of refugee studies/forced migration studies. Its establishment in 1988 helped to consolidate refugee studies as a distinct field of study. In this article, I reflect on the 29-year history of that journal, focusing on its interdisciplinary reach, its role as a forum for applied research, and its attempt to feature the voices of refugees. I argue that the journal has published the outcomes of research about refugees (rather than research conducted by or done in collaboration with refugees), and suggest that it would be worth repeating the founding editor’s experiment to let refugees speak about - and conceptualise and theorise - their experience. I suggest that a new journal such as Z’Flucht may want to privilege the publication of articles that are ambitious in their scope. It could also learn from one of the strengths of the Journal of Refugee Studies and encourage authors to reflect on their practice as researchers and writers.

Zusammenfassung

Das Journal of Refugee Studies (JRS) ist die wichtigste internationale Fachzeitschrift im Bereich der Flüchtlingsforschung. Seine Gründung im Jahr 1988 trug maßgeblich zur Konsolidierung der Flüchtlingsforschung als eigenständiges Forschungsfeld bei. In diesem Aufsatz reflektiere ich die 29jährige Geschichte des JRS. Ich interessiere mich insbesondere für den Anspruch des JRS, fächerübergreifend zu sein, für seine Reputation als Forum für politikrelevante, angewandte Forschung und für die Rolle, die Flüchtlingen in der Zeitschrift eingeräumt wurde. Ausgehend von der Überlegung, dass heute im JRS in erster Linie über Flüchtlinge geschrieben wird, schlage ich vor, ein Experiment aus den Anfangsjahren des JRS zu wiederholen und Flüchtlinge (wieder) selbst zu Wort kommen zu lassen. Ausgehend von meiner Lektüre der letzten 29 Jahrgänge des JRS gebe ich der Hoffnung Ausdruck, dass in einer neugegründeten Fachzeitschrift wie der Z’Flucht theoretisch ambitionierten Aufsätzen, deren Erkenntnisse auf einer breiten empirischen Basis beruhen, gebührend Platz eingeräumt wird, und dass AutorInnen zu einer rigoros selbstkritischen Herangehensweise an ihre Themen ermutigt werden.

References
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Abstract

Zeitschrift für Flüchtlingsforschung, The German Journal for Refugee Studies (Z’Flucht) is a new peer-reviewed journal which publishes academic works from diverse disciplines on questions related to forced migration and refugee studies. The journal is published twice a year by Nomos publishing house in association with the German Refugee Research Network (Netzwerk Flüchtlingsforschung) and is edited by Marcel Berlinghoff, J. Olaf Kleist, Ulrike Krause and Jochen Oltmer.

Z’Flucht provides a forum for exchange in the field of forced migration and refugee studies through empirical studies, theoretical reflections and methodological discussions. By means of international, regional or national studies, scholar may tackle questions related to the conditions, forms and consequences of forced migration and displacement, protection of refugees and efforts towards durable solutions, such as (re)integration or resettlement. Moreover, refugees’ activities and strategies utilized to contend with their experiences may be analysed. The journal includes all categories of people who have been forcibly displaced or who have fled from their homes due to violence and examines related debates, discourses, practices and concepts. As such topics can be explored from diverse perspectives, the journal places special emphasis on interdisciplinary discussions and comprises various disciplines, including law, sociology, history, politics, philosophy, ethnology, psychology, geography and economics, linguistics and literary studies.

As displacement and forced migration not only represent a growing field of research but also a broad political and practical area, this journal aims to promote the exchange between academia and practice.

Z’Flucht publishes works in three categories: academic articles, forum articles and literature reviews.

Academic articles present research findings on specific questions related to forced migration and refugees which are methodically and theoretically reflected, and consider and further the current state of research in this field. These articles undergo a double-blind peer review and are limited to 80,000 characters (including spaces). Forum articles can include shorter (field) research reports, address theoretical, methodological, conceptual and ethical questions of research or relate to current discussions in forced migration and refugee studies. Manuscripts from practitioners are welcome. The editors of the journal review all forum articles, which are limited to 35,000 characters (including spaces). Literature reviews can relate to individual or a number of new publications from the last two years which discuss aspects of forced migration and refugee studies. In view of the journal’s interdisciplinary focus, publications which cover several fields are preferred. Individual reviews are limited to 6,000 characters (including spaces), while multiple books reviews should be no longer than 20,000 characters (including spaces).

The journal predominantly publishes works written in German, but studies written in English and French may be considered.

Zusammenfassung

Die Zeitschrift für Flüchtlingsforschung (ZFlucht) ist ein neues peer-reviewed journal, das sich explizit als trans- und interdisziplinäres Organ versteht und danach strebt, als „Informationsknoten“ der wissenschaftlichen Community die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung in der Flüchtlingsforschung sichtbar zu machen und diese langfristig voranzutreiben.

Die ZFlucht zielt darauf, herausragende wissenschaftliche Beiträge zu den Themen Flucht, Vertreibung und anderen Formen der Gewaltmigration sowie zum Flüchtlingsschutz und zur (Re-)Integration von Flüchtlingen zu veröffentlichen. Inhaltlich relevante Beiträge können sich auf globale, regionale, nationale und lokale Entwicklungen sowie auf theoretische Auseinandersetzungen beziehen.

Die Zeitschrift ist an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis angesiedelt. Sie richtet sich explizit an Sozial-, Kultur-, Rechts- und GeisteswissenschaftlerInnen und zudem an BerufspraktikerInnen und EntscheidungsträgerInnen in Politik, Verwaltung, Verbänden und (internationalen) Nichtregierungsorganisationen sowie an Ehrenamtliche, Freiwillige und Fach- und Führungskräfte der Sozialen Arbeit.

Die in der ZFlucht veröffentlichten Manuskripte werden einem doppelt anonymisierten Begutachtungsverfahren (double-blind peer review) unterzogen: Eine anonymisierte Fassung des Aufsatzmanuskripts wird von mindestens zwei externen GutachterInnen geprüft. Das Periodikum möchte zur Etablierung sowie zur nachhaltigen Verankerung der Forschung über Zwangs- und Gewaltmigration im weitesten Sinne im deutschsprachigen Raum beitragen. Einzelne Beiträge erscheinen in englischer Sprache.

Die ZFlucht veröffentlicht Beiträge in den drei Rubriken „Aufsätze“, „Forum“ und „Literaturbericht“.

Die Rubrik „wissenschaftliche Aufsätze“ bietet die Möglichkeit zur Veröffentlichung der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung. Die Rubrik „Forum" beinhaltet unterschiedliche Beiträge wie Praxis- und Forschungsberichte, Kommentare, Debattenbeiträge und Tagungsberichte. Im „Literaturbericht“ werden Rezensionen zu thematisch passenden Werken veröffentlicht.