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Clara Wander, E-Learning und Digitalisierung in der Lehre in:

ZDRW Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft, page 502 - 505

ZDRW, Volume 7 (2020), Issue 4, ISSN: 2196-7261, ISSN online: 2196-7261, https://doi.org/10.5771/2196-7261-2020-4-502

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E-Learning und Digitalisierung in der Lehre Clara Wander* Die Digitalisierung bestimmt mittlerweile große Teile des Alltags, sei es im Beruf oder Privatleben. Auch vor der juristischen Welt macht sie dabei nicht Halt. Insbesondere hat sie Auswirkung auf die juristische Praxis, wie zum Beispiel die Einführung der E-Akte1, die BGH-Entscheidung zu wenigermiete.de2 oder die aktuellen Ausführungen des OLG Köln zum Verfahren zu Wolter Kluwer3 zeigen. Da das Studium auch auf das Berufsleben vorbereiten soll, müssen Jurastudierende an neue Arbeitsmethoden herangeführt werden, um sich von Anfang an im digitalisierten Rechtsberuf zurechtzufinden. Die Digitalisierung im Studium, insbesondere das E-Learning, deren Intensivierung und der richtige Umgang mit ihr, ist ein wichtiges Anliegen des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF), der Interessenvertretung der Jurastudierenden in Deutschland. Im Folgenden soll auf der Grundlage der Arbeit des BRF zunächst ein kurzer Überblick über den Begriff „E-Learning“ gegeben werden, bevor auf die wesentlichen Vor- und Nachteile des E-Learnings eingegangen wird. Abschließend wird ein Blick auf anzustrebende Ziele geworfen. E-Learning – Ein Überblick Hinter dem Begriff des E-Learnings verbirgt sich die Erlernung juristischer Inhalte durch oder mithilfe von digitalen Medien.4 Gemeint sind beispielsweise online zur Verfügung gestellte Unterlagen und Aufzeichnungen der Lehrveranstaltungen über Lernvideos und Podcasts bis zu digitalen Karteikarten, Online-Klausurenkursen und digitalen Lernstandsabfragen. Mittlerweile ist das E-Learning nicht mehr aus dem Studienalltag hinwegzudenken und begleitet angehende Juristinnen und Juristen zunehmend. Dies zeigt sich auch durch die wachsende Bedeutung der Thematik innerhalb der Studierendenvertretung. Bereits zwei Arbeitskreise des BRF beschäftigten sich mit dem E-Learning und der Digitalisierung5, und der BRF ist Partner von lex superior bei der Verleihung des „Digital Award Bestes E-Learning“. Die in A. * Clara Wander ist Referendarin am Landgericht Köln. Während ihres Studiums war sie in verschiedenen Ämtern im Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. aktiv, zuletzt war sie gewähltes Mitglied im Ausschuss für Organisation und Gremienstruktur (OmG). Alle nachfolgenden Internetquellen haben den Stand vom 16.10.2020. 1 Ein Überblick für die Einführung der E-Akte in Strafsachen findet sich unter https://www.bmjv.de/S haredDocs /Gesetzgebungsverfahren/DE/Einfuehrung_elektronische_Akte .html, das zugrundeliegende Modernisierungsgesetz in BGBl. I 2017, S. 2208 und die Materialien in BT-Drs. 18/9416. 2 BGH NJW 2020, 208. 3 OLG Köln, Urteil vom 19. Juni 2020 – 6 U 263/19. 4 Schärtl, in: ZDRW 2018, S. 336 (340); BRF/Rager, Abschlussbericht Arbeitskreis E-Learning, abrufbar unter https://bundesfachschaft.de/2018/05/abschlussbericht-arbeitskreis-e-learning/, S. 5. 5 https://bundesfachschaft.de/kuba/. 502 Werkstattbericht ZDRW 4/2020, DOI: 10.5771/2196-7261-2020-4-502 dessen Rahmen durchgeführte Digital Study6 beschäftigt sich mit den Reaktionen von Studierenden und Referendarinnen und Referendaren zur Digitalisierung der Ausbildung und zeigt, dass sich viele für den konstanten Umgang mit digitaler Lehre im Lernalltag noch nicht ausreichend vorbereitet fühlen.7 Eine Umfrage des Arbeitskreises „E-Learning“ des BRF bei Lehrenden kam außerdem zu dem Ergebnis, dass viele Dozierende vor allem PowerPoint-Folien nutzen, während sich andere Methoden wie Vorlesungsaufzeichnungen oder Podcasts noch keiner vergleichbaren Beliebtheit erfreuen.8 Der BRF spricht sich jedoch eindeutig für ein vielfältiges und abwechslungsvolles E-Learning aus, zumal mit der Digitalisierung des Studiums viele Vorteile einhergehen. E-Learning – Vor- und Nachteile Unter anderem spricht eine verbesserte Anschaulichkeit der gelehrten Inhalte für das E-Learning. Zwar gibt es viele verschiedene Lerntypen und nicht alle Studierenden lernen mit digitalen Medien am besten. Es gibt neben visuellen und auditiven auch kommunikative Lerntypen, die auf digitale Medien für ihr Verständnis größtenteils verzichten können. Gleichwohl sprechen diese durch die vielfältigen Möglichkeiten der Lernstoffvermittlung einen Großteil der Lerntypen an, zudem schafft das sog. scaffolding die Möglichkeit, auf individuelle Bedürfnisse im Lernprozess einzugehen.9 Durch Einsatz verschiedener Mittel und Formate kann die Lehre abwechslungsreich gestaltet werden. Außerdem bieten digitale Medien die Möglichkeit, Inhalte vereinfacht aufzuzeigen, beispielweise durch bildliche Darstellung von komplexen Problemen. Das E-Learning trägt also erheblich zur Anschaulichkeit, Vielfalt und insgesamt Qualität der Lehre und des Lernens bei. Durch die Bereitstellung digitaler Medien durch die Universitäten können Kosten für Lehrbücher, Repetitorien und weitere Unterlagen gesenkt werden und somit die Benachteiligung finanziell schwach aufgestellter Studierender reduziert werden.10 Außerdem bringt die Verwendung digitaler Materialien durch die Einsparung von Papier einen wesentlichen Vorteil im Hinblick auf Nachhaltigkeitserwägungen mit sich. Das E-Learning kann zudem einen Beitrag zum Abbau von Barrieren im Jurastudium leisten. Maschinenlesbare und barrierefreie Vorlesungsmaterialien und eBooks ermöglichen Studierenden mit Blindheit oder Sehbehinderung die Wahrnehmung der Inhalte durch Vorlese-Programme. Tonaufnahmen von Vorlesungen unterstützen dies zusätzlich. Ferner ist durch Vorlesungsaufzeichnungen ein zeitund ortsunabhängiges Studium möglich,11 was insbesondere Studierenden mit Kin- B. 6 Weitere Informationen unter https://lex-superior.com/digital-study/. 7 Spektor/Yuan, in: NJW 2020, S. 1043. 8 BRF/Rager, Abschlussbericht Arbeitskreis E-Learning, abrufbar unter https://bundesfachschaft.de/2 018/05/abschlussbericht-arbeitskreis-e-learning/, S. 9 f. 9 Nähere Ausführungen zum scaffolding finden sich in dieser Ausgabe bei Schärtl, Notwendigkeit einer digitalen Transformation des Rechtsunterrichts. 10 Beurskens, in: ZDRW 2016, S. 1 (4). 11 Schärtl, in: ZDRW 2016, S. 18 (20). ZDRW 4 | 2020 503 dern oder anderen Betreuungsaufgaben zugutekommt. Auf diese Weise leistet E- Learning einen Beitrag zur Chancengleichheit und ermöglicht weiteren gesellschaftlichen Gruppen das Jurastudium, was zu mehr Diversität im Rechtssystem beitragen kann. Nicht zuletzt ist es die Aufgabe der Hochschulen, angehende Juristinnen und Juristen umfassend auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. Dass die Digitalisierung den Rechtsberuf wesentlich prägt und auch verändern wird, steht außer Frage.12 So ist die Einführung der E-Akte erst der Anfang. Die sog. Legal Tech hat vor allem Auswirkungen auf den Anwaltsberuf, beispielsweise durch spezielle Software zur Verwaltung der kanzleiinternen Aufgaben, oder Tools zur Automatisierung von bestimmten Tätigkeiten wie der Analyse von Dokumenten.13 Dem muss in der Ausbildung Rechnung getragen werden, indem bereits jetzt auf diese Herausforderungen vorbereitet wird. Insbesondere gibt es einige studentische Initiativen zur Legal Tech, die sich mit Fragen bezüglich der Digitalisierung im Studium beschäftigen.14 Diese Initiativen tragen zur Entwicklung und Normalisierung der Digitalisierung wesentlich bei und sind damit unentbehrlich. Aber sie nehmen auch Funktionen wahr, die eigentlich die Universitäten innehaben. Diese sollten sich stärker mit Legal Tech und deren Förderung auseinandersetzen. Die Digitalisierung im Studium birgt freilich auch Gefahren für die Qualität der Lehre und ist daher mit Vorsicht zu genießen. Kernpunkt der juristischen Ausbildung stellt die Vermittlung der juristischen Methodik dar, um sich den Umgang mit immer neuen und sich verändernden Sachverhalten anzueignen. Diese Methodik erlernt sich jedoch nicht durch bloßes Auswendiglernen von Schemata und „Problemen“, sondern durch konstante Übung, um ein juristisches Gespür zu entwickeln. Darauf muss das E-Learning reagieren, weshalb sich digitale Lernmaterialien nicht bloß auf die Auflistung bestimmter Inhalte beschränken dürfen. Das E- Learning darf nicht zu einer schematisierten Lehre führen. Vielmehr muss weiterhin der Schwerpunkt der Ausbildung auf die Anwendung der vermittelten Inhalte und die kritische Einordnung dieser gelegt werden. Das kann jedoch auch durch E- Learning möglich gemacht werden, indem zum Beispiel nicht nur digitale Karteikarten mit Lösungsschemata angeboten werden, sondern auch die juristische Falllösung durch Videos und Podcasts beigebracht und dabei die gesellschaftlichen Auswirkungen vermittelt werden. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass die universitäre Ausbildung maßgeblich von der aktiven Teilnahme der Studierenden lebt. Durch ausnahmsloses E-Learning kann der soziale Aspekt der Lehre stark leiden.15 Trotz zunehmender Möglichkeiten im Bereich der Digitalisierung darf vor allem die Vermittlung von zwischenmenschlichen Fähigkeiten nicht vernachlässigt werden. Dies geschieht nach wie vor am besten durch direkten Kontakt zwischen 12 Susskind, Tomorrow’s Lawyers: An Introduction to Your Future, S. xvii, 2017. 13 Was ist Legal Tech?, https://www.legal-tech.de/was-ist-legal-tech-ffi/. 14 Ein Überblick findet sich unter https://mkg-jura-studis.de/studentische-legal-tech-initiativen/. 15 Zwickel, in: ZDRW 2020, S. 128. 504 Werkstattbericht Lehrenden und Studierenden und Studierenden untereinander. E-Learning kann Vorlesungen und weitere Veranstaltungen nicht ersetzen, diese aber unterstützen, diversifizieren und sogar verbessern. Gute Lehre findet insbesondere dann statt, wenn sie durch didaktisch starkes Personal konzipiert und durchgeführt wird. E-Learning – Ein Blick in die Zukunft Die Auswirkungen von Digitalisierung und E-Learning auf das Jurastudium werden sich mit der Zeit zeigen. Bereits jetzt stellen sie aber schon einen wichtigen Aspekt in der Ausbildung dar, mit dem sich die Studierenden viel beschäftigen. Dies zeigt sich schon allein an der bestehenden Beschlusslage des BRF zu diesem Thema. So wird hier unter anderem vorgeschlagen, dass die Digitalisierung fester Bestandteil des Studiums wird, wie beispielsweise durch die Einführung von spezifischen Lehrveranstaltungen oder verpflichtenden Schlüsselqualifikationen.16 Diese können der frühzeitigen Erlernung spezifischer Fähigkeiten für die Nutzung von Lega Tech-Modalitäten dienen, allerdings können auch abwechslungsvolle Methoden des E-Learnings vermittelt werden, um die Studierenden in diesem Bereich zu unterstützen. Außerdem wäre es wünschenswert, dass noch mehr Methoden des E- Learnings einen Platz im Lernalltag finden. Lehrende sollten verschiedene Wege ausprobieren und für den jeweiligen Studienabschnitt die passenden Medien wählen. Dies würde zu einer größeren Vielfalt und zu einer Verbesserung der Lehre führen. Möglichst alle Studierende mit verschiedenen Lerntypen sollten durch die Möglichkeiten, die das E-Learning bietet, angesprochen werden. Bei all dem muss aber beachtet werden, dass dies nicht zu einer erheblichen zusätzlichen Belastung der Studierenden in einem bereits jetzt sehr umfangreichen Studium führen darf. Solange dies gewährleistet wird, ist die Digitalisierung für die Ausbildung von modernen und verantwortungsbewussten Juristinnen und Juristen unerlässlich. C. 16 Beschlussbuch der 8. Bundesfachschaftentagung 2019, abrufbar unter https://bundesfachschaft.de/w p-content/uploads/2019/06/Beschlussbuch-Hannover-2019.pdf, S. 7. ZDRW 4 | 2020 505

Zusammenfassung

Die Digitalisierung bestimmt mittlerweile große Teile des Alltags, sei es im Beruf oder Privatleben. Auch vor der juristischen Welt macht sie dabei nicht Halt. Insbesondere hat sie Auswirkung auf die juristische Praxis, wie zum Beispiel die Einführung der E-Akte1, die BGH-Entscheidung zu wenigermiete.de2 oder die aktuellen Ausführungen des OLG Köln zum Verfahren zu Wolter Kluwer3 zeigen. Da das Studium auch auf das Berufsleben vorbereiten soll, müssen Jurastudierende an neue Arbeitsmethoden herangeführt werden, um sich von Anfang an im digitalisierten Rechtsberuf zurechtzufinden. Die Digitalisierung im Studium, insbesondere das E-Learning, deren Intensivierung und der richtige Umgang mit ihr, ist ein wichtiges Anliegen des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF), der Interessenvertretung der Jurastudierenden in Deutschland. Im Folgenden soll auf der Grundlage der Arbeit des BRF zunächst ein kurzer Überblick über den Begriff „E-Learning“ gegeben werden, bevor auf die wesentlichen Vor- und Nachteile des E-Learnings eingegangen wird. Abschließend wird ein Blick auf anzustrebende Ziele geworfen.

References

Abstract

The journal “Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft (ZDRW)” is a journalistic forum for all aspects of the academic discourse about the teaching and learning of the law and legal studies. It opens and consolidates the perspective of research with regard to teaching and thus contributes new knowledge to the debate about legal studies and university didactics.

ZDRW thus forges links between general university didactics, specialized legal didactics and legal studies. Horizons are thus broadened on both sides and different perspectives enabled with regard to teaching and learning the law. This signifies an interdisciplinary approach since in addition to legal studies, other disciplines are called on to contribute their own knowledge on teaching and learning processes. These include general higher education didactics, psychology, neurosciences and educational science, sociology and other specialized higher education didactics able to contribute towards specialized teaching in legal studies.

ZDRW addresses all phases and aspects of legal education, providing general assistance for the improvement of both teaching and learning. To this end, apart from academic articles, a practical teaching forum is planned which will present ideas and discussions of detailed concepts for events and courses of study as well as individual didactical methods, thus providing impulses and points of connection for the individual teaching activities of our readers at various levels.

Website: www.zdrw.nomos.de

Zusammenfassung

Die „Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft (ZDRW)“ stellt ein publizistisches Forum für alle Aspekte der wissenschaftlichen Befassung mit der Lehre und dem Lernen des Rechts und der Rechtswissenschaft dar. Sie eröffnet und verstetigt die Forschungsperspektive auf die Lehre und bringt damit neue Erkenntnisse in den rechtswissenschaftlichen und hochschuldidaktischen Diskurs ein.

Die ZDRW schlägt damit Brücken zwischen der allgemeinen Hochschuldidaktik, der rechtswissenschaftlichen Fachdidaktik und der Rechtswissenschaft. So werden wechselseitig Blickwinkel erweitert und verschiedene Perspektiven auf das Lehren und Lernen von Recht und Rechtswissenschaft eröffnet. Damit ist bereits ein interdisziplinärer Anspruch benannt, da neben der Rechtswissenschaft selbst auch jene Disziplinen aufgerufen sind, die ihrerseits Erkenntnisse zu Lehr-Lern-Prozessen anbieten, diese einzubringen. Hierzu zählen neben der allgemeinen Hochschuldidaktik, der Psychologie, den Neuro- und Erziehungswissenschaften sowie der Soziologie auch andere Hochschulfachdidaktiken, von deren Erfahrungen die rechtswissenschaftliche Fachdidaktik profitieren kann.

Die ZDRW nimmt alle Phasen und Aspekte der Ausbildung in den Blick und gibt allen Hilfestellung, die Lehre und damit das Lernen zu verbessern. Hierfür ist neben den wissenschaftlichen Beiträgen ein lehrpraktisches Forum vorgesehen, das von der Vorstellung und Diskussion ausführlicher Veranstaltungs- oder auch Studiengangskonzepte bis zur Präsentation einzelner didaktischer Methoden auf vielen Ebenen Anregungen und Anknüpfungspunkte für die eigene Lehrtätigkeit der Leser bietet.

Homepage: www.zdrw.nomos.de