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Hartmut Brombach, Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht – Jugendfreiwilligendienste in Deutschland und Großbritannien im 20. Jahrhundert, Christine G. Krüger in:

Voluntaris, page 403 - 408

Voluntaris, Volume 8 (2020), Issue 2, ISSN: 2196-3886, ISSN online: 2196-3886, https://doi.org/10.5771/2196-3886-2020-2-403

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403DOI: 10.5771/2196-3886-2020-2-403 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Dokumentationen „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ ist eine alte Journalistenweisheit. Selten traf sie mehr zu als im Fall des Ausschnitts einer Fotografie auf dem Titel des hier zu besprechenden Buches.1 Ein gut gelaunter seriöser Herr, ungefähr in den 50er/60er Jahren seines Lebens angekommen, ist umgeben von jungen Frauen, die einheitlich mit wei- ßen Schürzen über dunklen Blusen gekleidet sind und ihn anstrahlen. Aus ihren Gesichtern spricht nicht nur Freude, sondern auch ein wenig Stolz. Eine der jungen Frauen „hat die Ehre, dem Herrn eine Tasse Kaffee eingießen zu dürfen“. Um wen und was es sich bei dieser Situation handelt, erfährt man auf der dritten Innenseite des Buches: „Bundesminister Dr. Heck am 4. Mai 1965 im Kreise 1 In größerem Ausschnitt auch noch einmal auf S. 145. der Helferinnen beim Kaffeetrinken in Tübingen.“2 In diesem Bild wird ein wesentlicher Teil der Selbst- und Fremdwahrnehmung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) von seinen Anfängen in den späten 50er Jahren bis in die 70er/80er Jahre des 20. Jahrhunderts und teilweise bis heute deutlich: Freundliche junge Frauen bedienen einen gut situierten Herren, der sich in dieser Situation offenbar sehr wohlfühlt. Die Szene des Kaffeeeingießens bringt zum Ausdruck, was für viele damals ein wesentlicher Teil des FSJ war: eine „Vorschule für die Ehe“ (S. 140 ff.).3 Ohne zu viel in die Fotografie hinein zu interpretieren, stellt sie eine gelungene assoziative Einführung in das Thema dar. 2 Bruno Heck, CDU, war von 1962 bis 1968 Bundesfamilienminister. 3 Soweit nicht anders gekennzeichnet, beziehen sich alle Seitenangaben auf die hier rezensierte Publikation. REZENSIONEN Christine G. Krüger (2016) Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht – Jugendfreiwilligendienste in Deutschland und Großbritannien im 20. Jahrhundert Verlag Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 386 Seiten, EUR 59,99 ISBN: 9783525370469 404 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Rezensionen Krüger, Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht Es sind diese und andere Ambivalenzen (Emanzipation oder Gehorsam durch Dienst am nationalen Kollektiv, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit oder Einübung in die Geschlechterrolle, Partizipation oder Dienst am Gemeinwohl), die die öffentliche Wahrnehmung der Jugendfreiwilligendienste bis heute ganz wesentlich kennzeichnen und die in den bisherigen Arbeiten zu diesem Thema entweder völlig ausgeblendet oder zumindest nur kurz angerissen wurden (vgl. z. B. BMFSFJ 2015; Eberhard 2002; Rohrbach/Wüstendörfer/Arnold 1998; Slüter 2012; Schmidle/Slüter 2010). Krügers unbestreitbares Verdienst besteht darin, mit ihrer Arbeit die erste umfassende Geschichte der Jugendfreiwilligendienste in Deutschland vorgelegt und dabei diese Engagementform in die historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge eingebettet zu haben. Hinzu kommt der für eine politische Bewertung der Jugendfreiwilligendienste in Deutschland hilfreiche Vergleich mit den volunteer services in Großbritannien. Vor 1945 wurden freiwillige Tätigkeiten in Deutschland mit der Bezeichnung „Arbeitsdienst“ belegt, deren Hauptziel nach Krüger „die Erziehung zur Gemeinschaft“ (S. 75) war. Die Fähigkeit zum sozialen Ausgleich sollte gefördert werden, wobei das Vorhandensein einer sozial weitgehend homogenen bzw. organisch gewachsenen Gesellschaft von konservativen Kreisen auch schon vor der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ einerseits unterstellt wurde, gleichzeitig aber ein Ziel des Arbeitsdienstes sein sollte. So sollte einer der Christine Krügers Geschichte der Jugendfreiwilligendienste (JFD) in Deutschland und Großbritannien im 20. Jahrhundert, das der britische Historiker Eric Hobsbawm auch das „Zeitalter der Extreme“ genannt hat, endet – abgesehen von dem Resümee „Ausblick und Ende“ (S. 329–342) – zwar schon mit dem Epochenbruch 1989/90 und lässt damit die Resonanz der Jugendfreiwilligendienste in den östlichen Bundesländern weitgehend unberücksichtigt,4 kann aber zu Recht für sich reklamieren, alle anderen für die Jugendfreiwilligendienste entscheidenden Phasen des 20. Jahrhunderts beachtet zu haben. Sie beginnt sogar mit dem bemerkenswerten, weil kaum bekannten Hinweis auf die Ursprünge des (freiwilligen) Arbeitspflichtgedankens aus (früh-)feministischer Sicht zurzeit der Französischen Revolution, der gleichzeitig emanzipatorische wie disziplinierende Seiten umfasste (S. 29 ff.), diskutiert diesen Gedanken in Deutschland vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, die NS-Zeit bis zu den immer wieder auftauchenden Forderungen nach einer Dienstpflicht in der BRD und stellt dem die Entwicklung in Großbritannien gegenüber.5 4 Ebenso werden die – allerdings nur bedingt vergleichbaren – Freiwilligeneinsätze in der DDR nicht betrachtet. 5 Die vorliegende Rezension stellt Krügers Betrachtung der Freiwilligendienste in Deutschland in den Vordergrund und bezieht die von ihr herangezogene Entwicklung in Großbritannien nur punktuell ein. Ebenso wird in dieser Rezension auf die von Krüger dargestellte Entwicklung der Jugendgemeinschaftsdienste, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Rolle für die Entwicklung der Freiwilligendienste in Deutschland gespielt haben, kein Bezug genommen. 405 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Rezensionen Krüger, Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht Die Ende der 1950er Jahre zunächst von evangelischer Seite ins Leben gerufene, sehr bald aber auch von nicht konfessionellen und katholischen Trägern übernommene Idee eines freiwilligen sozialen Jahres, das bald zu einem bekannten Label (FSJ) wurde, sieht Krüger im Zusammenhang mit dem Ausbau des Sozialstaats. „Die Erweiterung staatlicher Sozialleistungen […] verpflichte auch zu verstärktem persönlichem Engagement“ (S. 181). Nicht zufällig wurden die heute als Care-Arbeit bezeichneten personenbezogenen sozialen Dienstleistungen als weibliche Staatsbürgerpflicht angesehen – zumal wenige Jahre zuvor mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in der BRD junge Männer in der öffentlichen Wahrnehmung ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisteten. Die verbreitete Auffassung vom FSJ als Ersatz für die Personalknappheit in den Pflegeberufen findet bei Krüger interessanterweise keine Beachtung. Wie bereits im Zusammenhang mit den Anmerkungen zum Titelfoto angedeutet, war der Gedanke des FSJ tief im traditionellen (Geschlechter-)Rollendenken verhaftet. Hinzu kam nach Krüger eine kulturkritische Einstellung zum modernen Wohlfahrtsstaat von konservativer und konfessioneller Seite, die auch von der Furcht vor einem Machtverlust der Kirchen in der Gesellschaft getragen war. Dem entgegen standen Motive wie Berufsorientierung und Demokratisierung der Gesellschaft, die jedoch erst mit steigender Arbeitslosigkeit ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre und im Zuge der antiautoritären Revolte ab 1967/68 in den Freiwilligendiensten an Bedeutung größten Gefahren für den Zusammenhalt der bestehenden Gesellschaft, dem Klassenkampfgedanken, entgegengetreten werden. In diesem Zusammenhang ist auch ein weiterer angestrebter Zweck des Arbeitsdienstes zu sehen, nämlich die Überwindung der sozialen und psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit. Zur Charakterisierung des besonderen deutschen Verständnisses von Arbeitsdienst im Vergleich zum angelsächsischen sei Krügers Feststellung zitiert: „Die in Deutschland verbreitete Überzeugung, der Staat habe ein Recht darauf, die Staatsbürger einer Erziehung zur Gemeinschaft zu unterwerfen, fand hier [in GB, Anm. d. A.] sehr viel weniger Zuspruch“ (S. 76). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam in Westdeutschland angesichts der hohen Arbeitslosigkeit zunächst die Diskussion um einen Arbeitsdienst wieder auf. Dabei war es laut Krüger weniger der fehlende Gelderwerb als vielmehr die befürchteten moralischen Folgen der Arbeitslosigkeit, die konservative und kirchliche Befürworter*innen eines Arbeitsdienstes auf den Plan riefen.6 Trotz deutlicher Mehrheiten in entsprechenden Umfragen konnten sie sich wegen der Nähe zum gerade erst überstandenen „Reichsarbeitsdienst“ und „der Abkehr vom Nationalstaat als Bezugsgröße für Vorstellungen vom Gemeinwesen“ (S. 127) jedoch nicht durchsetzen. 6 Vgl. dazu auch Reinhardt (2017), die in ihrer Geschichte des Internationalen Bundes (IB) gerade diese Motivation der Gründerväter des IB herausgearbeitet hat. 406 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Rezensionen Krüger, Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht Die öffentlich geförderten Freiwilligendienste erfuhren seit den 1990er Jahren einen großen Pluralisierungsschub im Inland und im internationalen Bereich: • 1993: Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) • 1996: Europäischer Freiwilligendienst/European Voluntary Service (EFD/EVS) • 1999: Modellprogramm Freiwilliges Soziales Trainingsjahr (FSTJ) • 2002: FSJ in der Kultur, im Sport, in der Denkmalspflege und in der Politik, zunächst als Modelle, anschlie- ßend als Regelangebote • 2004: Modellprogramm Freiwilligendienste aller Generationen (FDaG) • 2008: Weltwärts (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) • 2009: Kulturweit (Auswärtiges Amt) • 2011: Bundesfreiwilligendienst (BFD) Außerdem gab es allgemeine und Einsatzbereich-spezifische, länderbezogene Förderungen für bestimmte Bereiche wie zum Beispiel Ganztagsschulen (z. B. in Hessen und Rheinland-Pfalz). Neben einer Ausweitung der Einsatzbereiche ist auch eine Erweiterung der Zielgruppen auf Menschen ab dem 27. Lebensjahr, insbesondere auch auf Rentner*innen, festzustellen. Diese erstmals infolge des Berichts der Kommission „Impulse für die Zivilgesellschaft“ 2004 vorgebrachte Idee wurde versucht in dem Modellprogramm „Freiwilligendienste gewannen. So sind die zwischen 1968 und 1970 erstmals rückläufigen Teilnahmezahlen im FSJ sicher auch auf die Auswirkungen der Fundamentalkritik der „Neuen Linken“ an Staat und Gesellschaft zurückzuführen. Die Reaktion der Trägerorganisationen auf diese Entwicklung bestand darin, an die Stelle von Dienstideal und Ehevorbereitung jetzt eine „Anleitung zur Entwicklung eines demokratischen Lebensstils“ (S. 326) treten zu lassen. Damit wollte man sich an das Ziel der Protestbewegung anpassen und die Freiwilligendienste als „Mittel zur Gesellschaftsveränderung“ (S. 326) definieren. Auch unter dem Eindruck einer im Vergleich zur „Wirtschaftswunderzeit“ hohen Arbeitslosigkeit in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts sind die Freiwilligendienste ambivalent zu beurteilen. Bestand einerseits die Möglichkeit, das FSJ als Moratorium zu nutzen, so gab es andererseits die Befürchtung vor allem seitens der Gewerkschaften, die Freiwilligen würden als billige Arbeitskräfte mit dem Ziel des Lohndumpings oder der Arbeitsplatzeinsparung eingesetzt. Diese Befürchtung besteht bis heute fort und ist leider nicht immer von der Hand zu weisen. Ebenso mussten sich die Freiwilligendienste bis heute immer wieder gegen den Vorwurf wehren, sie dienten der Kompensation staatlicher Sozialleistungen. Vor dem Hintergrund einer seit Beginn der 1980er Jahre propagierten Politik der Kürzung im Sozialbereich ist allerdings ein Bedeutungszuwachs von Freiwilligendiensten und Ehrenamt nicht zu übersehen. 407 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Rezensionen Krüger, Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht Internationalisierung der Jugendfreiwilligendienste zu sprechen und weist auf die Kommerzialisierung in diesem Bereich ebenso hin wie auf politische Vorbehalte insbesondere gegenüber dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst. Ihr Fazit dazu lautet: „Das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Jugend in der globalen Welt zu stärken, ließ darüber hinwegsehen“ (S. 337). Zum Schluss diskutiert die Autorin auch das Thema „Arbeitsdienste“ noch einmal ausführlich und stellt deren Verständnis in Beziehung zu dem Verhältnis des Einzelnen zur Allgemeinheit (S. 337 ff.). Erziehungsinstitution einerseits und Gegenleistung für die Gewährung staatsbürgerlicher Rechte andererseits, so wurden sie anfangs diskutiert und enthielten bereits den Doppelcharakter von Disziplinierung und Emanzipation. Für die jeweilige Konzeption der Freiwilligendienste identifiziert Krüger vier Variablen: • die Geschlechterordnung, • die Militärverfassung, • die Arbeitsmarktlage und • die Sozialverfassung (S. 337). Die konkrete historische Ausprägung dieser Variablen hat die Gestalt der Freiwilligendienste bestimmt. Abschließend bleibt festzustellen, dass Krügers Verdienst weit über eine bloße Darstellung der historischen Entwicklung der Jugendfreiwilligendienste in Deutschland und Großbritannien hinausgeht. Sie öffnet den Leser*innen die Augen für Zusammenhänge, die über die bekannten aller Generationen“ (FDaG) umzusetzen, scheiterte jedoch an Unstimmigkeiten in Finanzierungsfragen zwischen Bund und Ländern. Tatsächlich realisiert werden konnte die Einbeziehung von Menschen jenseits des Jugendalters erst mit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes 2011, als sich auch Freiwillige über 27 Jahren melden konnten und in größerer Zahl meldeten. In dem Schlusskapitel „Ausblick und Fazit“ fasst die Autorin ihre wichtigsten Ergebnisse zusammen. Sie weist auf die in Deutschland gestiegene Bedeutung von Freiwilligendiensten und Ehrenamt im Zusammenhang mit der seit den 1980er Jahren propagierten „Krise des Sozialstaats“ hin und sieht darin einen wesentlichen Grund für die gestiegene Wertschätzung der Freiwilligendienste in Verbindung mit einer erheblichen Zunahme der öffentlichen Förderung. Seit dieser Zeit findet auch die Idee der Trisektoralität – Staat, Wirtschaft und (Zivil-)Gesellschaft – verstärkten Widerhall im sozialpolitischen Diskurs. Dass die verstärkte Diskussion um freiwilliges Engagement keinesfalls auf Deutschland begrenzt war, zeigen Initiativen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union.7 Im Anschluss an die Zusammenfassung dieser Entwicklung kommt Christine Krüger noch einmal auf die 7 Das Jahr 2001 erklärte die UNO zum „Internationalen Jahr der Freiwilligen“, das Jahr 2011 die EU zum „Europäischen Freiwilligenjahr …“ Das BMFS- FJ setzte 2003 die Kommission „Impulse für die Zivilgesellschaft“ ein und der Deutsche Bundestag veröffentlichte 2002 die Ergebnisse der von ihm etablierten Enquetekommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“. 408 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Rezensionen Literaturverzeichnis BMFSFJ – Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2015): Abschlussbericht zur gemeinsamen Evaluation des Gesetzes über den Bundesfreiwilligendienst (BFDG) und des Gesetzes zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten (JFDG), Frankfurt am Main/Offenbach/Köln. Eberhard, Angela (2002): Engagement für andere und Orientierung für sich selbst, München. Reinhardt, Marion (2017): Die Gründungsgeschichte des Internationalen Bundes, Frankfurt am Main. Rohrbacher, Andrea, Wüstendörfer, Werner und Thomas Arnold (1998): Untersuchung zum Freiwilligen Sozialen Jahr, Stuttgart/Berlin/Köln. Slüter, Uwe (2012): Jugendfreiwilligendienste – Herausforderungen und Positionen, Freiburg/Br. Schmidle, Marianne und Uwe Slüter (2010): Das Freiwillige Soziale Jahr zeigt Wirkung, Freiburg/Br. Hartmut Brombach Leiter der Abt. Freiwilligendienste und Bürgerschaftliches Engagement beim IB a.D. und Mitherausgeber von Voluntaris hartmut.brombach@voluntaris.de Fragen nach der Motivation der Freiwilligen, ihrer Bedeutung für die bundesdeutsche Demokratie oder dem Verhältnis von Freiwilligendiensten zur Erwerbsarbeit weit hinausgehen. Auch deshalb sei dieses Buch allen Interessierten dringend zur Lektüre empfohlen. Die gesamte Arbeit ist nicht nur inhaltlich äußerst dicht, sondern verarbeitet in ihren fast 400 Seiten auch eine große Materialfülle. Das erleichtert die Lektüre dieser sehr verständlich geschriebenen Publikation nicht immer, ist aber für eine Habilitationsschrift nicht untypisch. Gleichwohl sollte das Buch zur Pflichtlektüre insbesondere all derer werden, die beruflich mit den Jugendfreiwilligendiensten zu tun haben. Leider dürfte der Umfang des Buches viele abschrecken, mehr aber noch der Preis von 70 Euro. Die Autorin, der Verlag, aber vor allem die Träger von Jugendfreiwilligendiensten sollten gemeinsam darüber nachdenken, wie die Inhalte dieser Monografie pädagogischen Mitarbeiter*innen und anderen Trägervertreter*innen bekannt gemacht werden können, ohne sie mit dem hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand zu belasten. Wer in diesem Bereich arbeitet, sollte auch über die historischen Hintergründe und Zusammenhänge der Jugendfreiwilligendienste informiert sein.

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References
BMFSFJ – Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2015): Abschlussbericht zur gemeinsamen Evaluation des Gesetzes über den Bundesfreiwilligendienst (BFDG) und des Gesetzes zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten (JFDG), Frankfurt am Main/Offenbach/Köln.
Eberhard, Angela (2002): Engagement für andere und Orientierung für sich selbst, München.
Reinhardt, Marion (2017): Die Gründungsgeschichte des Internationalen Bundes, Frankfurt am Main.
Rohrbacher, Andrea, Wüstendörfer, Werner und Thomas Arnold (1998): Untersuchung zum Freiwilligen Sozialen Jahr, Stuttgart/Berlin/Köln.
Slüter, Uwe (2012): Jugendfreiwilligendienste – Herausforderungen und Positionen, Freiburg/Br.
Schmidle, Marianne und Uwe Slüter (2010): Das Freiwillige Soziale Jahr zeigt Wirkung, Freiburg/Br.

Zusammenfassung

Voluntaris – Zeitschrift für Freiwilligendienste ist eine wissenschaftlich orientierte Informations-, Diskussions- und Dokumentationsschrift für den Bereich Freiwilligendienste. Sie richtet sich an Akteure aus Wissenschaft und Praxis und fördert damit den Austausch zwischen akademischen und anwendungsbezogenen Perspektiven auf Freiwilligendienste. Sie wendet sich an folgende Leser- und Autorenschaft:

  • Forscher/innen, Lehrpersonal und Studierende an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die sich mit Themen und Fragestellungen rund um Freiwilligendienste beschäftigen

  • Verantwortliche Mitarbeiter/innen und Engagierte in Träger- und Partnerorganisationen, Einsatzstellen, Verbänden, Ministerien, Parteien, Kirchen, Stiftungen und Freiwilligenvereinigungen in Deutschland und den Partnerländern

  • Pädagogische Fachkräfte und Trainer/innen, die Freiwillige auf ihren Dienst vorbereiten, begleiten oder in ihrem Engagement nach dem Dienst unterstützen

  • Weitere gesellschafts-, jugend-, sozial- und entwicklungspolitische Organisationen, die im Kontext von Freiwilligendiensten tätig sind

  • Ehemalige, aktuelle und zukünftige Freiwillige, die sich tiefergehend für die Thematik interessieren.