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Clara van den Berg, Edgar Grande, Swen Hutter, Was wird aus dem harten Kern? Auswirkungen der Corona-Krise auf das Engagement für Geflüchtete in:

Voluntaris, page 226 - 242

Voluntaris, Volume 8 (2020), Issue 2, ISSN: 2196-3886, ISSN online: 2196-3886, https://doi.org/10.5771/2196-3886-2020-2-226

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226 DOI: 10.5771/2196-3886-2020-2-226 Was wird aus dem harten Kern? Auswirkungen der Corona Krise auf das Engagement für Geflüchtete Clara van den Berg M.A, wissenschaftliche Mitarbeiterin | Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB clara.vandenberg@wzb.eu Prof. Dr. Edgar Grande Gründungsdirektor des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung | Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB | edgar.grande@wzb.eu Prof. Dr. Swen Hutter Lichtenberg-Professor für politische Soziologie und stellvertretender Direktor des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung | Freie Universität Berlin & Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB | swen.hutter@wzb.eu Zusammenfassung Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Strukturen und Formen des Engagements mit und für Geflüchtete aus, die sich nach dem Aktivierungsschub von 2015 in Deutschland herausgebildet haben? In diesem Beitrag liefern wir erste Antworten auf diese Frage. Wir stützen uns dabei auf 16 semi-strukturierte Interviews mit Engagierten aus Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg. Unsere Ergebnisse deuten an, dass die Corona- Krise bereits bestehende Herausforderungen der Zivilgesellschaft in diesem Bereich in besonderer Weise sichtbar gemacht hat. Das Engagement reduzierte sich vor der Corona- Krise auf einen harten Kern von Beteiligten – und dieser Kern wird nun an manchen Orten in seinem Bestand gefährdet. Schlagwörter: Engagement; Zivilgesellschaft; Geflüchtete; Corona-Krise; Kontaktbeschränkungen Abstract How does the corona crisis affect the structures and forms of civic engagement related to refugees that developed after the activation of German civil society in 2015? This article provides preliminary answers to the question based on 16 semi-structured interviews with activists from Bavaria, Baden-Württemberg, and Brandenburg. Our results indicate that the Corona crisis has made already existing challenges of civil society in this area particularly visible. Already before the crisis, civic engagement has been reduced to the hardcore of volunteers. In some places, this core seems endangered in its existence. Keywords: civic engagement; civil society; refugees; Corona crisis; contact restrictions 227 van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? 1. Einleitung: Krisen und Katastrophen als Sternstunden der Zivil gesellschaft? Katastrophen und Krisen sind immer eine Herausforderung für die Zivilgesellschaft. Sie führen zu unvorhergesehenen Notlagen und bringen neue Formen der Hilfsbedürftigkeit hervor. In solchen Notsituationen ist nicht nur der Staat gefordert, darin zeigen sich auch die spontane Hilfsbereitschaft und die Solidarität der Bürger*innen. Diese Solidarität lässt sich nicht anordnen, sie beruht auf dem sozialen Kapital einer Gesellschaft, also den Beziehungsnetzwerken, in die die Menschen eingebunden sind, und dem Vertrauen, das sie ihren Mitbürger*innen und den öffentlichen Institutionen entgegenbringen (vgl. Putnam 1993). Gerade in Katastrophen und Krisen zeigt sich die große Bedeutung des sozialen Kapitals und die Stärke der Zivilgesellschaft besonders deutlich – aber auch deren Grenzen. In der Corona-Pandemie spielte die Zivilgesellschaft von Beginn an eine wichtige Rolle. Nach dem Lockdown im März 2020 waren mannigfaltige Formen des solidarischen Engagements und der spontanen gegenseitigen Hilfe zu beobachten. Die Zivilgesellschaft stärkte solidarisches Verhalten, sie unterstützte Hilfsbedürftige bei der Bewältigung von Notlagen, sie vernetzte die Bürger*innen, sie artikulierte aber auch Kritik und machte auf Missstände aufmerksam (vgl. Springer 2020). In einer repräsentativen Umfrage der Universität Konstanz gaben im April und Mai 2020 rund die Hälfte der Befragten an, anderen Menschen geholfen zu haben. Zugleich belief sich der Anteil derjenigen, die Unterstützung durch andere Menschen erhalten hatten, auf etwa 16 Prozent (Koos/Bertog 2020: 3). Katastrophen und Krisen können die Zivilgesellschaft aber auch schwächen (vgl. Wang/Ganapati 2018). Diese Ambivalenz zeigte sich in der Corona-Krise besonders deutlich. Sie hat die Bürger*innen nicht nur aktiviert, sie hat die Möglichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements auch erheblich eingeschränkt – und es ist zu befürchten, dass einige dieser Einschränkungen noch längere Zeit weiter bestehen werden. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind weite Teile der Zivilgesellschaft monatelang zum Stillstand gekommen. Die Beschränkungen des öffentlichen Lebens, die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingeführt wurden, haben drastisch vor Augen geführt, dass der Zugang zum öffentlichen Raum und die Möglichkeit des gemeinsamen Handelns vor Ort für das bürgerschaftliche Engagement unverzichtbar sind. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina kam in ihrer Stellungnahme vom 13. April 2020 zu dem Ergebnis: Die aktuellen Maßnahmen zur Verlangsamung der Ansteckungen führen […] zu einer empfindlichen Schwächung der Zivilgesellschaft. […] Die Aktivitäten der Vereine – von den Sport- und Kulturvereinen über Freundes- und Fördervereine bis zu den Basisorganisationen des politischen und kirchlichen 228 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze Themenschwerpunkt: Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie Lebens – sind größtenteils eingestellt. Große Bereiche der organisierten Zivilgesellschaft existieren aktuell lediglich in digital geknüpften Netzwerken in geschrumpfter Form. Wird sich die Zivilgesellschaft von den Folgen dieser Kontaktbeschränkungen wieder erholen oder ist zu befürchten, dass das Engagement dadurch nachhaltig geschwächt wird? Wir gehen dieser Frage am Beispiel des ehrenamtlichen Engagements mit und für Geflüchtete in Deutschland nach. Die freiwilligen Hilfsangebote für Geflüchtete waren von den Kontaktbeschränkungen, die zur Eindämmung der Pandemie beschlossen wurden, in besonderer Weise betroffen. Die neue „Bürgerbewegung“, die in diesem Bereich im Herbst 2015 entstanden war, „lebt von der persönlichen Begegnung zwischen Einheimischen und Geflüchteten“ (Schiffauer 2017: 21). Sie ist deshalb in ihren Handlungsmöglichkeiten durch Kontaktverbote und den begrenzten Zugang zum öffentlichen Raum erheblich eingeschränkt. Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Strukturen und Formen des Engagements mit und für Geflüchtete, die sich nach 2015 herausgebildet haben? In diesem Beitrag möchten wir erste Antworten auf diese Frage geben. Als empirische Grundlage dienen uns qualitative Interviews mit neun freiwillig in Vereinen und Initiativen Engagierten, drei hauptamtlichen Ehrenamtskoordinator*innen und einer Integrationsbeauftragten. Sowohl die Ehren- als auch die Hauptamtlichen verfügen in ihrer Stadt über einen umfassenden Einblick in das Geflüchtetenengagement und haben dort mehrheitlich auch die Entwicklung des Engagements seit 2015 aktiv gestaltet. Die semi-strukturierten Interviews zu den Auswirkungen der Corona-Krise wurden zwischen April und August 2020 telefonisch durchgeführt. Wir ergänzen diese Interviews stellenweise um Auszüge aus der lokalen und nationalen Presseberichterstattung. Zudem können wir uns auf vier Interviews stützen, die wir kurz vor Beginn der Pandemie im Rahmen eines laufenden Verbundprojekts zur nachhaltigen Wirkung von bürgerschaftlichem Engagement mit und für Geflüchtete geführt haben.1 Unsere Ausführungen konzentrieren sich auf ausgewählte Mittelstädte in drei Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg). Diese Auswahl kann zwar keine Repräsentativität beanspruchen, auf diese Weise können aber dennoch wichtige regionale und landespolitische Unterschiede berücksichtigt werden. So war die bayerische Engagementlandschaft in der Geflüchtetenhilfe in den vergangenen Jahren durch eine Vielzahl an aktiven, lokalen Helferkreisen 1 Das Projekt „Die aktivierte Zivilgesellschaft – Eine Analyse der nachhaltigen Wirkung von bürgerschaftlichem Engagement auf Sozialkapital und Gemeinwohl“ ist ein Verbundvorhaben, an dem das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM; Projektkoordinator), das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück (IMIS) und das Zentrum für Zivilgesellschaftsforschung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) beteiligt sind. Es wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderlinie „Teilhabe und Gemeinwohl“ gefördert. Weitere Informationen finden sich auf der Projektwebseite www.aktivzivil.de. 229 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? gekennzeichnet, die sich seit 2015 mit einer zunehmend restriktiveren Asylpolitik der Landesregierung konfrontiert sahen. Im Unterschied dazu zeichnet sich Baden-Württemberg durch eine stärkere staatliche Förderung und öffentliche Anerkennung des Geflüchtetenengagements aus. Auch das Engagement in Brandenburg ist von einer weniger restriktiven Landespolitik geprägt, traf jedoch im Jahr 2015 auf eine teilweise politisierte Zivilgesellschaft, die in einigen Teilen des Bundeslandes Konflikte zwischen Gegner*innen einer offenen Asylpolitik und Unterstützer*innen sichtbar machte (siehe Heinrich-Böll-Stiftung 2016). Die folgende Analyse erfolgt in drei Schritten. Im ersten Schritt beschreiben wir, in welcher Verfassung die Zivilgesellschaft im Bereich der Geflüchtetenhilfe vor der Corona-Pandemie war. Im zweiten Schritt untersuchen wir die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Krise auf das Engagement in diesem Bereich; und im letzten Schritt beschäftigen wir uns mit den längerfristigen Folgen der Beschränkungen auf das Engagement mit und für Geflüchtete. 2. „Nur noch der harte Kern“: zivilgesellschaftliches Engagement mit und für Geflüchtete vor der Corona Pandemie Die Auswirkungen von Krisen und Katastrophen auf die Zivilgesellschaft hängen auch von deren Zustand, nicht zuletzt von der Stärke des vorhandenen sozialen Kapitals ab. Deshalb ist es wichtig zu wissen, in welcher Verfassung die Zivilgesellschaft im Bereich des Engagements mit und für Geflüchtete vor der Corona- Pandemie war. Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über die Rolle der Zivilgesellschaft in der Geflüchtetenhilfe, ihre Aktivierung im Sommer 2015 und ihre weitere Entwicklung bis zum Frühjahr 2020. Das öffentliche Bild der Geflüchtetenhilfe in Deutschland wird vor allem geprägt von der starken Aktivierung der Bürger*innen und ihrer spontanen Hilfsbereitschaft in den Anfangsjahren, insbesondere im Spätsommer 2015. Die Bilder von hunderten Menschen, die am Münchener Hauptbahnhof warteten, um die Neuankömmlinge willkommen zu heißen, gingen um die Welt. Diese spontane Solidarität mit den Menschen, die vor allem aus Konfliktgebieten über die sogenannte Balkanroute nach Westeuropa flohen, gilt in der deutschen Zivilgesellschaft als beispiellos (Schiffauer 2018: 29). Nicht umsonst wird diese Zeit auch als „Herbst der Solidarität“ bezeichnet. Nach den Ergebnissen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) waren in den Jahren 2015 und 2016 knapp ein Drittel (32 %) der deutschen Bevölkerung in mindestens einem der erfragten Bereiche mit und für Geflüchtete aktiv. Die große Mehrheit beteiligte sich mit Geld- und Sachspenden (28 %). Einen kleineren Teil machte das persönliche Engagement vor Ort (6 %) sowie die Beteiligung 230 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze Themenschwerpunkt: Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie an Unterschriftenaktionen oder Demonstrationen (5 %) aus (vgl. Alscher/Priller/ Burkhardt 2018: 380). Schiffauer (2017: 13) schätzte, dass sich in dieser Zeit über fünf Millionen Bürger*innen in circa 15.000 Projekten und Initiativen engagierten. Viele der neu gebildeten Projekte und Initiativen unterscheiden sich bewusst vom Engagement in Vereinen. Im Vergleich zum traditionellen Ehrenamt kennzeichnet das Engagement mit und für Geflüchtete laut einer Studie von Hamann u. a. (2016: 8) eine starke basisdemokratische Selbstorganisation mit flachen Hierarchien. Exemplarisch zeigt sich dies bei den Unterstützerkreisen in Oberbayern. Diese Unterstützerkreise sind unter anderem gekennzeichnet durch: Diversität unter den Netzwerkmitgliedern, flache Hierarchien, wenig Kontrolle, große Dynamik, Eigenverantwortlichkeit, Spontanität und Flexibilität (vgl. Herrmann 2018: 9). „Letztendlich“, so das Fazit der Studie von Hermann (2018: 10), „verbindet nur eine Mailliste diese Menschen“. In diesen Organisationsstrukturen zeigt sich der allgemeine Strukturwandel der Zivilgesellschaft, der dadurch gekennzeichnet ist, dass feste, dauerhafte Bindungen an Vereine, Verbände und Parteien an Bedeutung verlieren, während gleichzeitig neue, flexiblere Formen des Engagements entstehen (vgl. Enquetekommission 2002). Ein differenzierter Blick auf die Engagementlandschaft im Bereich Flucht und Migration zeigt, dass der Aktivierungsschub auch die formelle Zivilgesellschaft erfasste. So ist um 2015 ein Teil des ehrenamtlichen Engagements innerhalb von bestehenden Vereinen, Verbänden und Kirchgemeinden entstanden. Diese erweiterten etwa im Sport- und Kulturbereich häufig ihre üblichen Leistungen und Angebote, um so auch Geflüchtete miteinzubeziehen (vgl. Aumüller 2016: 4; Priemer/Krimmer/Labigne 2017: 38 ff.). Bereits 2016 reagierten allerdings viele Initiativen und Vereine auf Veränderungen im Bereich der Geflüchtetenhilfe mit einer Verlagerung und Neuausrichtung der Tätigkeitsbereiche und Themenfelder (vgl. Institut für Demoskopie Allensbach 2017: 15 ff.). Ging es in der Anfangsphase vorwiegend um die Überwindung der drängendsten Versorgungs- und Unterbringungsprobleme, sind im Jahr 2016 eher Fragen der Bleibeperspektive und Integration von Geflüchteten in den Vordergrund gerückt. Ein immer größerer Umfang des Engagements entfiel auf Behördengänge, um bei Asylanträgen oder der Wohnungssuche zu unterstützen. Eine Untersuchung der Willkommensinitiativen in Brandenburg zeigt, dass dort viele Ehrenamtliche informell die Funktion von Integrationsbegleiter*innen übernahmen (Lemmermeier/Gartz 2018: 4). Ein wichtiges Merkmal der weiteren Entwicklung ist der starke Rückgang des Engagements. Die Einschätzung Schiffauers (2017: 13), dass sich das Engagement „sowohl in Hinsicht auf Qualität als auch auf Quantität seit dem Herbst 2015 auf hohem Niveau stabilisiert“ habe, bestätigt sich in der Folgezeit nicht. Spätestens im 231 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? Jahr 2017 begann die „neue Bürgerbewegung“ zu schrumpfen. Am Beispiel Oberbayerns lässt sich dies wiederum exemplarisch zeigen. Dort entstanden allein im Landkreis Weilheim-Schongau bis 2015 28 Unterstützerkreise zur Betreuung von Geflüchteten. Bereits im Jahr 2017 nahm die Zahl der darin aktiven Helfer*innen von 900 auf 660 ab. Bezogen auf die einzelnen Unterstützerkreise hieß dies: Von durchschnittlich 50 Teilnehmern der ersten Unterstützerkreistreffen, engagierten sich dann tatsächlich etwa 25. Aus verschiedenen Gründen beendeten etwa 10 ihren Einsatz für Flüchtlinge nach ein bis zwei Jahren. Zurück blieben 10 Engagierte und 5 Unterstützer auf Abruf (Herrmann 2018: 18). Die Gründe für den Rückgang an Ehrenamtlichen sind vielfältig und bisher noch nicht ausreichend erforscht. Er hatte nur bedingt etwas damit zu tun, dass die Zahl der Geflüchteten zurückging und die drängendsten Versorgungs- und Unterbringungsprobleme gemeistert waren (vgl. Erler/Prytula/Grotheer 2018: 12). Vorliegende Untersuchungen wie die Engagement-Studie des Allensbach-Instituts (2017: 38) sowie eine Studie zur Entwicklung und Nachhaltigkeit von Willkommensinitiativen von Gesemann, Seidel und Mayer (2019: 34 ff.) deuten darauf hin, dass Schwierigkeiten mit Behörden sowie eine Überforderung mit der Freiwilligenarbeit bei einigen Ehrenamtlichen Frustration und Enttäuschung ausgelöst haben. Der Eindruck, dass die bestehenden rechtlichen und bürokratischen Hürden die erfolgreiche Integration von Geflüchteten beeinträchtigen und ihr Einsatz nicht zu den erhofften Erfolgen führte, sorgte sowohl unter den freiwillig Engagierten als auch unter den Geflüchteten für erhebliche Frustration. Ein Befragter in der Studie von Herrmann (2018: 21) bringt diese Frustration der Helfer*innen prägnant zum Ausdruck: „Wir wollten mit den Flüchtlingen kochen und essen, Feste vorbereiten, Ausflüge machen. Dafür ist gar keine Zeit mehr. Nur noch Formulare ausfüllen und Behördengänge!“ Im Fall der oberbayerischen Unterstützerkreise kommt ein weiterer Faktor hinzu: Die zunehmend restriktivere Asylpolitik der bayerischen Landeregierung seit Dezember 2016. Die Studie von Herrmann kam Ende des Jahres 2017 zu einem eindeutigen Ergebnis: „Hauptgrund, sich nicht mehr für Geflüchtete einzusetzen, ist mit Abstand der Ärger über die bayerische (Flüchtlings-)Politik“ (Hermann 2018: 28). Die Fallstudie von Hermann (2018) hat auch gezeigt, dass unter den weiterhin aktiven Helfer*innen eine erhebliche Frustration besteht: Vielen Unterstützern macht dieses Ehrenamt gar nicht mehr wirklich Freude. Das wäre aber zu erwarten gewesen, denn natürlich soll das Ehrenamt Spaß machen, einen emotional positiv stärken. Warum engagiert man sich sonst im Sportverein, in der Blaskapelle, in der kirchlichen Jugendgruppe, beim Heimat- und Trachtenverein? Mehr als die Hälfte der etwa 600 Ehrenamtlichen im Landkreis ist eher frustriert als erfreut in ihrem Ehrenamt. Kombiniert 232 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze Themenschwerpunkt: Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie mit dem teilweise überaus großen zeitlichen Engagement ist die Gefahr des Ausgebranntseins, das Gefühl der Überforderung sehr groß. […] Nur knapp 10 Prozent erfahren rundum Freude in der Unterstützung der Geflüchteten (Hermann 2018: 24). Daran hat sich in der Folgezeit wenig geändert. Auch die Ergebnisse unserer eigenen Studie machen deutlich, dass in Baden-Württemberg und Bayern viele freiwillig Engagierte schon vor Ausbruch der Pandemie aufgrund der strengen Asylpolitik und der mangelnden Erfolge in diesem Bereich frustriert und überfordert waren (E3, E5).2 Besonders die oftmals vergeblichen Bemühungen um Arbeitsgenehmigungen und die Beschaffung von Wohnraum für Geflüchtete haben zu einer Resignation unter vielen Beteiligten geführt. Viele Ehrenamtliche sind aufgrund der politischen Gegebenheiten frustriert, denn bei den Hauptthemen für Geflüchtete in Esslingen – Wohnen und Arbeit – können die Ehrenamtlichen nicht mehr weiterhelfen. Es besteht eine große Hoffnungslosigkeit unter den Ehrenamtlichen, denn es gibt wenig Möglichkeiten, Arbeitsgenehmigungen zu erwirken und auch sehr wenig, aber teuren Wohnraum, der für Geflüchtete nicht infrage kommt (E3, Baden-Württemberg). Laut einem Engagierten aus Bayern, der durch seine Netzwerkarbeit seit Jahren mit zahlreichen bayerischen „Helferkreisen“ in Kontakt steht, verbessert sich die Lebenssituation vieler Geflüchteter kaum; allenfalls bei Menschen, die einen positiven Asylbescheid und die Arbeitserlaubnis erhalten. Zahlreiche Geflüchtete würden vergeblich auf ein Ergebnis im Asylverfahren warten oder einen negativen Bescheid immer wieder anfechten. Zu Anfang hatten viele Ehrenamtliche das Gefühl, dass sie in Bayern politisch noch etwas erreichen können […]. Nun ist seit 2018 eine Resignation und Hoffnungslosigkeit unter den Ehrenamtlichen und Geflüchteten eingetreten (E5, Bayern). Diesen Eindruck teilt auch einer unserer Interviewpartner aus Brandenburg, der verdeutlicht wie zentral die politische Unterstützung auf kommunaler und bundespolitischer Ebene für die Zivilgesellschaft sein kann. Es ist unklar, warum das Engagement eingebrochen ist, doch liegt dies vermutlich zum einen an der Überforderung der Ehrenamtlichen und zum anderen an der mangelnden Unterstützung der Zivilgesellschaft. Die Kehrtwende in der Asylpolitik der Bundesregierung hat auch dazu geführt, dass sich Ehrenamtliche entmutigt fühlten. Merkel hatte zunächst eine schützende 2 Wir zitieren die Interviewten in anonymisierter Form als E1 bis E16. 233 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? Hand über die Ehrenamtlichen gehalten, doch danach standen tausende Ehrenamtliche im Regen (E13, Brandenburg). Der Rückzug aus dem Engagement für und mit Geflüchteten hat sich bis 2020 fortgesetzt. Viele Unterstützerkreise bestanden Anfang des Jahres 2020, vor dem Einsetzen der Corona-Pandemie, daher nur noch aus einem harten Kern an freiwillig engagierten Personen. Hinsichtlich des Fortbestands der Initiativen und Netzwerke selbst kommen Gesemann, Seidel und Mayer (2019: 17) zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte der 137 befragten Initiativen ihren Fortbestand als gesichert und 17 Prozent als anwachsend einschätzen. Die Ergebnisse machen jedoch auch deutlich, dass ein Viertel der Initiativen ihre Entwicklung als rückläufig und sieben Prozent sogar als bedroht sehen. Exemplarisch zeigt sich die Konzentration auf den harten Kern im Landkreis Weilheim-Schongau. Zwar bestanden dort im Frühjahr 2020 noch 27 der 28 Unterstützerkreise. Aber: „Manchmal sind sie schon sehr geschrumpft, dass man nicht mehr unbedingt von Kreisen reden kann, sondern vielleicht von Pärchen“ (E14). Insgesamt lässt sich basierend auf ersten Studien und unseren eigenen Interviews festhalten, dass sich die Zivilgesellschaft zur Unterstützung Geflüchteter bereits vor der Corona-Krise sowohl qualitativ als auch quantitativ gewandelt hatte. Während die Phase der Aktivierung im Sommer und Herbst 2015 durch Nothilfe und erste Betreuungsangebote für Geflüchtete gekennzeichnet war, rückten anschlie- ßend Aufgaben der längerfristigen Betreuung und Unterstützung bei Integrationsfragen in den Vordergrund. Gleichzeitig ist das Aktivierungsniveau deutlich gesunken. Vielerorts ist das freiwillige Engagement „auf einen harten Kern“ (E6) geschrumpft. Die zunehmende Bürokratisierung der Unterstützungstätigkeiten und die schwierige Zusammenarbeit mit Behörden haben zudem zu einer erheblichen Frustration unter den weiterhin aktiven Engagierten geführt. 3. Das eingeschränkte Engagement mit und für Geflüchtete in Zeiten von Corona Die Corona-Krise „traf“ daher auf ein geschwächtes, aber weiterhin vielfältiges zivilgesellschaftliches Engagement mit und für Geflüchtete. Im Großteil der Initiativen und Netzwerke engagierte sich ein deutlich kleinerer Kreis an Helfer*innen mit großem Einsatz in einer Vielzahl von Tätigkeitsbereichen. Wie wirkte sich nun die Corona-Krise auf das lokale Engagement in der Geflüchtetenhilfe aus? Um diese Frage zu beantworten, stellt dieser Beitrag auf Grundlage der Interviews und ergänzenden Presseberichte in einem ersten Schritt die unmittelbar spürbaren Konsequenzen vor. Diese beziehen sich im Wesentlichen auf den Einbruch des Engagements aufgrund von Kontaktbeschränkungen und der Vorsicht der Engagierten, die zu den Risikogruppen zählen. In einem zweiten Schritt richten wir den 234 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze Themenschwerpunkt: Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie Blick auf den Umgang mit der Pandemie sowie die möglichen langfristigen Folgen für das Geflüchtetenengagement. In unseren Interviews wird sehr deutlich, dass die eingeführten Kontaktbeschränkungen zu Beginn der Pandemie das Engagement mit und für Geflüchtete sehr stark beeinträchtigten. Die Folgen werden besonders an den Besuchsverboten in den Asylunterkünften sichtbar, die häufig einen zentralen Ort für das Engagement darstellen (E1, E2). So bringt es eine der Interviewten aus Bayern auf den Punkt: „Es war unheimlich schwierig, weil der Zutritt zu den Unterkünften verboten war“ (E7). Laut einer Interviewten aus Baden-Württemberg haben die Maßnahmen im öffentlichen Raum das Engagement gänzlich „lahmgelegt“ (E2). Diese Grundstimmung spiegelt sich in fast all unseren Interviews wider: das Zugangsverbot in den Asylunterkünften stellte das größte Hindernis für die Ehrenamtlichen dar (E1, E2, E3, E4, E5, E6, E7, E8, E12). Durch den Verlust des persönlichen Kontakts mit Geflüchteten und des zentralen Orts der Begegnung fehlten den Ehrenamtlichen zwei wesentliche Grundlagen für ihr Engagement. Zu Anfang der Maßnahmen im März kam es zu einer totalen Pause. Da die Unterkünfte geschlossen waren, fand für einige Monate kein Engagement mehr statt (E12, Brandenburg). Die Zugangsverbote zu den Aufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünften für Geflüchtete wurden nicht zuletzt mit dem hohen Ansteckungsrisiko für die Bewohner*innen begründet. Aufgrund der Enge in den Unterkünften ist es dort kaum möglich, die gebotenen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. In einer größeren Zahl von Unterkünften gab es Infektionsfälle; im baden-württembergischen Ellwangen steckten sich in der dortigen Landeserstaufnahmestelle beispielsweise mehr als die Hälfte der 600 Bewohner*innen und mehr als 30 Beschäftigte mit dem Corona-Virus an. Einer Studie der Universität Bielefeld zufolge lag das Ansteckungsrisiko für Bewohner*innen von Aufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünften bei 17 Prozent (vgl. Uhlmann 2020: 14). Gerade für die Geflüchteten war diese Form der kollektiven Quarantäne besonders belastend, denn „der psychosoziale Stress ist für Menschen, die möglicherweise traumatisiert, verunsichert und in Sorge sind, besonders groß“ (Michael Knipper, zitiert nach Uhlmann 2020: 14). Zugespitzt formuliert: In der ersten Phase der Corona-Krise war die Hilfsbedürftigkeit der Geflüchteten besonders groß – und die Möglichkeiten der Helfer*innen, sie zu unterstützen, besonders gering. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der freiwillig Engagierten aufgrund ihres Alters in der aktuellen Corona-Pandemie zur Risikogruppe gehört. Da die Gruppe der über 60-Jährigen in den befragten Initiativen meist den größten Teil der Ehrenamtlichen ausmacht, haben viele Engagierte speziell im Frühjahr 2020 direkte gemeinschaftliche Kontakte gemieden (E1, E2, E3, E4, E5, E6, E7, E8). 235 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? Da viele der Ehrenamtlichen über 50 bis 60 Jahre oder Rentner sind, hat sich die Mehrheit der Ehrenamtlichen aus dem persönlichen Kontakt mit Geflüchteten zurückgezogen (E1, Baden-Württemberg). Die Kontaktbeschränkungen haben dazu geführt, dass viele Ehrenamtliche sich komplett zurückgezogen haben. Viele ältere Ehrenamtliche sind aufgrund ihres Alters vorsichtig und nehmen weder an Treffen mit Ehrenamtlichen teil, noch besuchen sie die Unterkünfte. Es wird kaum möglich sein, diese Ehrenamtlichen wieder zu mobilisieren (E5, Bayern). Zusammenfassend deuten unsere qualitativen Interviews darauf hin, dass sowohl die eingeschränkten Besuchsregelungen in den Unterkünften als auch die Vorsicht der älteren Ehrenamtlichen die Bedingungen für das Geflüchtetenengagement stark erschweren. Eine Ausnahme unter den analysierten Fällen stellen zwei Initiativen und ein Verein in Brandenburg dar, die einen niedrigeren Altersdurchschnitt der Engagierten aufweisen (E12, E11). Laut einer Interviewten hat eine Brandenburger Initiative neue Freiwillige dazugewonnen, die sich durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens mehr Austausch in ihrer Nachbarschaft wünschten. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich Ehrenamtliche aus der Initiative zurückziehen. Eher im Gegenteil, denn viele Ehrenamtliche fühlen sich durch die Corona-Beschränkungen ein wenig abgeschnitten und möchten so vor Ort aktiver sein (E11, Brandenburg). Als Folge der Corona-Beschränkungen haben nach zehn von zwölf Interviewten viele Angebote für Geflüchtete, wie Sprach- und Begegnungscafés, interkulturelle Treffs und Deutschkurse, pausiert (E1, E2, E3, E4, E5, E7, E8, E9, E11, E12). Während einige interkulturelle Cafés in Bayern laut einer Ehrenamtlichen (E7) im Juli langsam wieder öffneten, sind diese Treffpunkte nach Auskunft von mehreren Befragten in ihrer Region weiterhin stillgelegt (E1, E3, E4, E5). Da die Pandemie trotz der teilweisen Öffnung des öffentlichen Raums auch die zweite Jahreshälfte 2020 und voraussichtlich 2021 bestimmen wird, verhalten sich viele Ehrenamtliche zum Zeitpunkt unserer Interviews noch vorsichtig. Sie suchen vielfach (noch) nicht den persönlichen Austausch mit anderen Ehrenamtlichen und Geflüchteten, sondern halten sich weiterhin zurück (E1, E3, E5, E7, E8). Eine Freiwilligenkoordinatorin aus Baden-Württemberg (E1) weist zudem darauf hin, dass nicht nur Asylunterkünfte und Cafés schließen mussten, sondern auch „wichtige Infrastruktur“ wie Stadtbibliotheken und andere Orte der Begegnung (u. a. Mehrgenerationenhäuser oder Familienzentren). Bei der Unterstützung Geflüchteter werden an diesen Orten häufig die kostenlosen Räumlichkeiten für ehrenamtliche Deutschkurse oder Angebote für Familien und Kinder genutzt. Sie gehören somit vielerorts zur sozialen Infrastruktur und dienen als Begegnungs- und Austauschraum. 236 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze Themenschwerpunkt: Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie Aus den Interviews geht außerdem hervor, dass sich einige Ehrenamtliche im Sommer 2020 wieder untereinander und gemeinsam mit Geflüchteten in Gärten oder öffentlichen Parks zusammengefunden haben. Es ist aber noch ungeklärt, ob und wie diese Aktivitäten wieder in die Innenräume verlegt werden können (E1, E4, E5, E7, E8). Dies kommt in der folgenden Aussage einer Ehrenamtlichen aus Baden- Württemberg zum Ausdruck: Bei gutem Wetter haben die Ehrenamtlichen erste Angebote, wie Sprachkurse und das Begegnungscafé, im Freien organisiert; dies wird jedoch im Herbst problematisch. Feste und andere Veranstaltungen, die zur festen Routine gehören, wie zum Beispiel das Sommerfest, mussten abgesagt werden (E4, Baden-Württemberg). Inwiefern konnten digitale Kommunikationsmittel den Verlust an persönlichen Kontakten und analogen Orten der Vernetzung ausgleichen? Aus den Interviews geht hervor, dass sich fast alle Initiativen und Vereine im Februar und März 2020 spontan auf die neue Situation eingerichtet haben. Insgesamt neun von zwölf Befragten berichten in den Interviews, wie sie ihre Kommunikation auf Telefon und digitale Nachrichtendienste (wie WhatsApp oder Telegram) umgestellt haben, um die persönlichen Verbindungen zu erhalten (E1, E2, E3, E4, E6, E8, E9, E11, E12). Die Helfer, die persönlich mit den Geflüchteten in Kontakt stehen, konnten die Unterkünfte für einige Monate nicht mehr besuchen. Über WhatsApp und Telefonate wurde nur bedingt Kontakt gehalten (E6, Bayern). Auch ein Blick in die Presseberichterstattung zwischen März und Juni 2020 zeigt, dass sich diese Tendenzen zur digitalen Kommunikation in vielen deutschen Städten beobachten ließen (u. a. Friedrich 2020; Goebel 2020; Nordbayern 2020; Wejsada 2020). Während diese Umstellung zunächst Hoffnungen weckte, dass das Engagement mit digitalen Medien in ähnlicher Weise weitergeführt werden könnte, zeigen die Interviews, dass diese den Verlust des persönlichen Miteinanders nicht ausgleichen konnten. Eine Ehrenamtliche aus Bayern (E7) bestätigt, dass digitale Wege der Kommunikation keinesfalls einen Ersatz für die gewohnten Treffen darstellen: „Es ist schwierig, den Kontakt mittels digitaler Medien aufrechtzuerhalten, denn dieser kann die persönliche Begegnung nicht ersetzen.“ Der Mediendienst Integration weist in einem Lagebericht von Mitte Juni ebenfalls darauf hin, dass die Arbeit mit und für Geflüchtete ohne persönliche Kontakte große Hürden überwinden muss. Eine Vielzahl an Angeboten, wie medizinische und psychotherapeutische Hilfe oder rechtliche Beratungen, wurden demnach stark zurückgefahren – eine digitale und telefonische Unterstützung sei kein Ausgleich für persönliche Begegnungen. Dieser Eindruck wird auch in einem Großteil unserer Interviews in Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg vermittelt, in denen häufig schon zu Beginn des Gesprächs darauf hingewiesen wird, dass das 237 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? Engagement in den ersten Monaten der Pandemie fast gänzlich ruhen musste (E1, E2, E3, E4, E5, E6, E7, E8, E12). Zudem verweist ein Ehrenamtlicher auf die mangelnde digitale Infrastruktur in den Unterkünften: Da es in dezentralen Unterkünften kein Internet gibt und die Geflüchteten auf ihren Handys kaum an Lernangeboten teilnehmen können, wurden Deutschund Integrationskurse seit März nicht mehr angeboten (E5, Bayern). Die zitierten Aussagen verdeutlichen, dass sich in den vergangenen Monaten wenige Möglichkeiten eröffnet haben, auf persönlicher Ebene Beziehungen zu Geflüchteten zu pflegen und zu verfestigen. Wie eingangs beschrieben, sind jedoch gerade die sozialen Beziehungen zwischen Geflüchteten und Ehrenamtlichen eine wesentliche Bedingung für das Engagement im lokalen Rahmen. 4. Wie geht es weiter? Langfristige Auswirkungen der Corona Krise auf das Engagement mit und für Geflüchtete Wie wirken sich die beschriebenen Entwicklungen auf das künftige Engagement mit und für Geflüchtete in Deutschland aus? In welcher Weise verstärkt es die beschriebenen Trends des Rückgangs und Tätigkeitswandels in diesem Bereich? Basierend auf den geführten Interviews skizzieren wir im Folgenden mögliche Entwicklungsperspektiven aus Sicht der befragten Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen. Zunächst geben die vorliegenden Befunde Anlass zu der Annahme, dass das Geflüchtetenengagement durch die Corona-Krise weiter geschwächt wird. Die Krise könnte in diesem Bereich des zivilgesellschaftlichen Engagements einen weiteren Demobilisierungsschub bewirken. Diese Befürchtung äußern einige der Interviewten. Vor allem die Befragten aus Bayern und Baden-Württemberg beschreiben den Zustand der Geflüchtetenhilfe seit Beginn der Pandemie bis zum August 2020 als äußerst schwierig (E1, E2, E3, E4, E5, E8). Da das Engagement in vielen Städten und Gemeinden im Frühjahr 2020 für einige Monate vollkommen zum Erliegen gekommen ist, äußern mehrere Interviewpartner*innen die Sorge, dass einige der Engagierten Corona als Gelegenheit sehen, um sich dauerhaft zurückziehen (E1, E2, E3, E5, E7, E12). Ich befürchte […], dass einige Ehrenamtliche nach Corona nicht mehr zurückkommen und das Ehrenamt aufgeben. Gründe dafür sind Überforderung, Frustration, fehlende Anerkennung ihres Engagements und eine Überlastung (E2, Baden-Württemberg). Wichtig hierbei ist, dass die Corona-Krise zwar der Anlass für den Rückzug aus dem Engagement sein mag, aber nicht die Ursache. Das folgende Zitat aus der Studie von Hermann (2018: 1) dürfte die Motivationslage einiger Helfer*innen in den 238 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze Themenschwerpunkt: Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie vergangenen Jahren gut auf den Punkt bringen: „Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich vor zwei Jahren die Flüchtlingsarbeit nicht begonnen. Jetzt einfach aufhören geht aber auch nicht“. Mit Corona scheint sich dies geändert zu haben. Eine hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorin aus Baden-Württemberg befürchtet, dass einige Freiwillige ihr Engagement aufgeben: „Hier ist die Corona- Pandemie der Aufhänger für einige Ehrenamtliche, über einen Ausstieg nachzudenken. Es bleibt insgesamt eine Verunsicherung: ‚Kann ich das noch?‘“ (E2). Viele Ehrenamtliche haben die Zeit der Kontaktverbote und der sozialen Distanzierung genutzt, „um sich auszuruhen, aber auch, um ihr Engagement ganz grundsätzlich zu überdenken“ (E2). Eine andere Befragte schätzt die Situation wie folgt ein: „Die Gelegenheit, mit dem Engagement aufzuhören, ist jetzt besonders günstig“ (E2). Aus Bayern berichtet ein Ehrenamtlicher, der mit einer großen Zahl von Helferkreisen in Kontakt steht, dass einige Initiativen ihr Engagement im Frühjahr 2020 vollständig beendet haben: „Ein paar Helferkreise in Bayern standen schon vor Corona kurz vor dem Ende und haben sich im Verlauf der letzten Monate ganz aufgelöst“ (E5). In diesen Fällen bestätigt sich die Befürchtung, dass die Corona- Beschränkungen zu einer weiteren Schwächung und einen Rückgang des Engagements führen können. Die dominante Leseart, dass das Engagement mit und für Geflüchtete durch die Corona-Krise weiter geschwächt wird, wird allerdings nicht von allen Befragten geteilt. Andere Akteur*innen betonen eher, dass es sich bei den Ehrenamtlichen, die sich in ihren Städten in den Initiativen und Vereinen engagieren, ohnehin nur noch um den „harten Kern“ handelt (E6, E10, E12). Dieser Kern an Engagierten würde sich auch zukünftig in der Geflüchtetenhilfe einsetzen und, so die Befragten, es sich aufgrund der aktuellen Situation kaum anders überlegen. Eine Interviewpartnerin aus Brandenburg (E12) führt zudem an, dass ihr Verein die ersten Monate der Pandemie verwendet hat, um Aktivitäten zu überdenken, die ehrenamtliche Arbeit umzustrukturieren und neue Projekte anzuschieben. Für diese zukunftsgerichteten Strategiefragen sei vorher kaum Zeit gewesen. Dieser Interpretation der Krise als Reflexions- bzw. Regenerationsphase schließt sich auch eine hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorin aus Baden-Württemberg (E2) an, die darauf hinweist, dass sich die Ehrenamtlichen „mal von ihrem Engagement ausruhen“ möchten, und sie sich gut vorstellen könne, dass einige Freiwillige in dieser Zeit Kraft und Energie für ihr Ehrenamt gesammelt hätten. Neben der Demobilisierungs- und Regenerationsperspektive legen andere Aussagen der Interviewten eine mögliche Neuausrichtung des Engagements nahe. Während die Nutzung des öffentlichen Raums zwischenzeitlich stark eingeschränkt war und das gewohnte Engagement gewissermaßen stillstand, haben sich einige Initiativen und Vereine neue Betätigungsfelder erschlossen. Zwei Entwicklungen konnten wir in diesem Bereich feststellen. 239 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? Zum einen setzten sich einige Initiativen und Unterstützerkreise für Menschen ein, die von der Pandemie und den Einschränkungen zu deren Bekämpfung stark betroffen waren. So sammelten freiwillig Engagierte laut zweier Befragter (E2, E7) Laptop- und Computerspenden für Schüler*innen, die während des Homeschoolings auf verbesserte technische Ausstattung angewiesen waren. Zudem schufen verschiedene Gruppen Einkaufsdienste für Risikogruppen. Zwei Befragte aus Baden-Württemberg und Brandenburg (E1, E11) berichten, dass sich im Frühjahr viele Engagierte bereit erklärten, Einkäufe für ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen zu erledigen. Diese Beispiele decken sich auch mit den von uns recherchierten Presseberichten. Demnach haben Initiativen der Geflüchtetenhilfe in verschiedenen Städten neue Angebote wie Einkaufsdienste geschaffen oder kostenlose Alltagsmasken für Mitbürger*innen genäht (u. a. vgl. Süddeutsche Zeitung 2020; Märkische Allgemeine Zeitung 2020; Ströbele 2020; Landsberg 2020). In Erkrath bei Düsseldorf schloss sich beispielsweise eine Geflüchteteninitiative dem neu gegründeten Nachbarschaftsbündnis „Corona“ an, um die lokale Tafel zu unterstützen. Diese hatte im März kurzfristig aus Vorsicht geschlossen, um ihre älteren Engagierten nicht zu gefährden. Um die Angebote der Tafel weiter am Leben zu halten, schuf das Bündnis mit rund 40 Beteiligten ein Ersatzangebot für die Lebensmittelausgabe (vgl. Garcia 2020). Zum anderen wird in mehreren Interviews ersichtlich, dass vor allem Ehrenamtliche aus Bayern und Baden-Württemberg im Verlauf des letzten Jahres begonnen haben, sich vermehrt mit der Situation von Geflüchteten auf den griechischen Inseln und in der Türkei zu beschäftigen (E3, E4, E5, E6, E7). Im Zuge dessen haben sich einige der Initiativen dazu entschieden, das Städtebündnis der Seebrückenbewegung „Sicherer Hafen“ zu unterstützen. Für die Planung dieses Projekts stand laut den Interviewten gerade während des pausierenden Engagements vor Ort in den letzten Monaten mehr Zeit zur Verfügung: „Seit Corona haben die Ehrenamtlichen wieder mehr Zeit sich für die Initiative der Seebrücke ‚Sichere Häfen‘ einzusetzen“ (E6, Bayern). In Oberbayern beispielsweise haben sich verschiedene Helferkreise einem breiteren Bündnis angeschlossen, das versucht, die Städte in ihren Landkreisen zu „sicheren Häfen“ zu machen (E6, E7). Auch in Baden-Württemberg gibt es laut zwei Interviewten vergleichbare Bestrebungen (E3, E4). Während das primäre Ziel nicht darin besteht, dem Rückgang an Engagierten entgegenzuwirken, besteht unter einigen Befragten dennoch die Hoffnung, dass sich diese Reorientierung positiv auf das Engagement der lokalen Helferkreise und Initiativen auswirkt. 5. Schlussfolgerungen Die Corona-Pandemie hat die bereits bestehenden Probleme und Herausforderungen der Zivilgesellschaft im Bereich des Engagements mit und für Geflüchtete 240 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze Themenschwerpunkt: Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie in besonderer Weise sichtbar gemacht hat. Das Engagement war schon vor der Corona-Pandemie auf einen harten Kern von Ehrenamtlichen geschrumpft – und dieser Kern wird nun an manchen Orten in seinem Bestand gefährdet. Die Ergebnisse unserer qualitativen Interviews zur derzeitigen Situation der Geflüchtetenhilfe in der Corona-Krise lassen sich in drei (vorläufigen) Befunden zusammenfassen. Erstens: Durch das Zugangsverbot in den Asylunterkünften und dem eingeschränkten Kontakt zwischen Unterstützer*innen und Geflüchteten ist die wichtigste Grundlage für das Geflüchtetenengagement zunächst gänzlich weggebrochen. Zweitens: Da eine Mehrheit der Ehrenamtlichen aufgrund ihres höheren Alters zur Risikogruppe zählt, treffen viele Beteiligte Vorsichtsmaßnahmen und pausieren ihr Engagement aus Sorge vor einer Erkrankung. Drittens: Die Nutzung von digitalen Kommunikationswegen hat zwar dazu beigetragen, dass bestehende Kontakte zu einem Mindestmaß erhalten werden können, sie scheint jedoch nicht geeignet zu sein, um den Verlust von persönlichen Kontakten und gewohnten Treffen auszugleichen. Hinsichtlich der Entwicklungsperspektiven des zivilgesellschaftlichen Engagements mit und für Geflüchtete zeichnen unsere Interviews ein eher pessimistisches Bild. Die Feststellung, dass in diesem Bereich „die Bereitschaft zu helfen ungebrochen ist“ (Springer 2020: 170), kann durch unsere Befunde nicht bestätigt werden. Viele der Befragten äußern die Sorge, dass die Corona-Krise das Engagement nachhaltig schwächen bzw. ganz zum Erliegen bringen wird. Grund für den Rückzug ist aber zumeist nicht der erzwungene Stillstand des Engagements, sondern eine bereits zuvor bestehende Erschöpfung und Frustration bei den Engagierten. Zugespitzt formuliert: Der bereits vor der Pandemie auf den „harten Kern“ zusammengeschrumpfte Kreis an Engagierten ist an einigen Orten in seiner Substanz gefährdet. Neben dieser häufig geäußerten Befürchtung zur weiteren Entwicklung des Engagements im Bereich der Geflüchtetenhilfe skizzierten unsere Befragten allerdings auch andere Perspektiven. Diese manchenorts bereits erkennbaren Tendenzen deuten auf das Beharrungsvermögen der noch Aktiven und eine Neuausrichtung des Engagements hin. Aufgrund der Dynamik und Unsicherheit der momentanen Situation können unsere Ergebnisse und Thesen zur Entwicklung der Zivilgesellschaft in diesem Bereich allerdings nur vorläufigen Charakter haben. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg deuten zudem an, dass die Zusammensetzung und Altersstruktur der Engagierten sowie deren bisherigen Erfahrungen mit der Politik vor Ort wichtige Bedingungen dafür sind, wie viel und welche Art von Engagement die Herausforderungen der Corona-Krise überstehen wird. 241 Voluntaris, Jg. 8, 2/2020, Aufsätze van den Berg, Grande & Hutter, Was wird aus dem harten Kern? 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Abstract

How does the corona crisis affect the structures and forms of civic engagement related to refugees that developed after the activation of German civil society in 2015? This article provides preliminary answers to the question based on 16 semi-structured interviews with activists from Bavaria, Baden-Württemberg, and Brandenburg. Our results indicate that the Corona crisis has made already existing challenges of civil society in this area particularly visible. Already before the crisis, civic engagement has been reduced to the hardcore of volunteers. In some places, this core seems endangered in its existence.

Zusammenfassung

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Strukturen und Formen des Engagements mit und für Geflüchtete aus, die sich nach dem Aktivierungsschub von 2015 in Deutschland herausgebildet haben? In diesem Beitrag liefern wir erste Antworten auf diese Frage. Wir stützen uns dabei auf 16 semi-strukturierte Interviews mit Engagierten aus Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg. Unsere Ergebnisse deuten an, dass die Corona-Krise bereits bestehende Herausforderungen der Zivilgesellschaft in diesem Bereich in besonderer Weise sichtbar gemacht hat. Das Engagement reduzierte sich vor der Corona-Krise auf einen harten Kern von Beteiligten - und dieser Kern wird nun an manchen Orten in seinem Bestand gefährdet.

References
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Zusammenfassung

Voluntaris – Zeitschrift für Freiwilligendienste ist eine wissenschaftlich orientierte Informations-, Diskussions- und Dokumentationsschrift für den Bereich Freiwilligendienste. Sie richtet sich an Akteure aus Wissenschaft und Praxis und fördert damit den Austausch zwischen akademischen und anwendungsbezogenen Perspektiven auf Freiwilligendienste. Sie wendet sich an folgende Leser- und Autorenschaft:

  • Forscher/innen, Lehrpersonal und Studierende an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die sich mit Themen und Fragestellungen rund um Freiwilligendienste beschäftigen

  • Verantwortliche Mitarbeiter/innen und Engagierte in Träger- und Partnerorganisationen, Einsatzstellen, Verbänden, Ministerien, Parteien, Kirchen, Stiftungen und Freiwilligenvereinigungen in Deutschland und den Partnerländern

  • Pädagogische Fachkräfte und Trainer/innen, die Freiwillige auf ihren Dienst vorbereiten, begleiten oder in ihrem Engagement nach dem Dienst unterstützen

  • Weitere gesellschafts-, jugend-, sozial- und entwicklungspolitische Organisationen, die im Kontext von Freiwilligendiensten tätig sind

  • Ehemalige, aktuelle und zukünftige Freiwillige, die sich tiefergehend für die Thematik interessieren.