Jil Ebenig, Von der Uni auf die Straße in:

KritV Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft, page 160 - 171

KritV | CritQ | Rcrit, Volume 100 (2017), Issue 2, ISSN: 2193-7869, ISSN online: 2193-7869, https://doi.org/10.5771/2193-7869-2017-2-160

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Von der Uni auf die Straße*1 Zusammenfassung Frühzeitiges praxisorientiertes Lernen kann das Vermitteln von abstraktem Wissen in der klassischen juristischen Ausbildung ergänzen und verbessern. Der Artikel befasst sich mit sog. Street Law Programmen, in denen Studierende aufgefordert sind, eigenständig juristisches Wissen an verschiedene Zielgruppen weiterzuvermitteln. Die Erfahrungen zeigen, dass sowohl die Studierenden als auch die Zielgruppe Vorteile daraus ziehen können. Summary Practice-based learning at an early stage might be a perfect addition to the traditional legal education. The article is dealing with different kinds of the so-called Street Law programs, in which the students teach law by themselves to different target groups. The experiences in all portrayed programs show the benefits for everyone included are high. Résumé L’apprentissage précoce et basé sur l’expérience pratique peut compléter et améliorer l’acquisition d’un savoir abstrait dans la formation juridique classique. L’article s’intéresse aux programmes dits “Street Law”, qui invitent les étudiants à transmettre de manière autonome un savoir juridique à divers groupes cible. L’expérimentation démontre que autant les étudiants que les groupes ciblés en tirent profit. Der Ausbildungsweg zum Juristen bzw. zur Juristin kann sehr lang und trocken erscheinen. Die Frage, ob neben der Vermittlung des notwendigen theoretischen Wissens nicht viel eher mit der Vertiefung desselben im Rahmen praktischer Anwendung bereits im Studium begonnen werden sollte, kann durchaus gestellt werden. Eine Antwort hierauf versucht das Konzept der Clinical Legal Education (CLE)2 zu geben. Die wohl bekannteste Ausgestaltung der CLE in Deutschland sind die sog. Law Clinics. Der Tätigkeitsbereich dieser Law Clinics beschränkt sich zunächst auf die klassische * Die Autorin ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Goethe Law Clinic. 1 Dieser Artikel beruht auf Beiträgen von Kolleg*innen aus Russland, Irland und England, denen für ihre Mitwirkung großer Dank gebührt und die im Folgenden zitiert werden. 2 Zu Deutsch: die Vermittlung von abstraktem Wissen durch praktische Anwendung in der rechtlichen Ausbildung. Jil Ebenig KritV 2/2017, DOI: 10.5771/2193-7869-2017-2-160 Beratungssituation, die unter Hilfestellung von supervidierenden Anwält*innen von Jurastudierenden durchgeführt wird. 3 Daneben entwickelte sich ein weiterer Zweig der CLE: das sog. Street Law. Was zunächst nach Slang klingt – und so gar nicht nach juristischer Ausbildung – hat durchaus seinen Hintergrund: bei Street Law gehen die Studierenden „auf die Stra- ße“, also außerhalb des universitären Raumes, und halten u. a. Workshops oder offene Fragestunden für Interessierte oder Betroffene zu bestimmten Themengebieten. Die rechtliche Aufklärung richtet sich dabei nicht an Einzelpersonen und deren konkreten Fall, sondern vermittelt unterschiedlichsten Zielgruppen Grundlagen im thematisierten Rechtsgebiet. Neben dem praxisorientierten Lernen juristischen Wissens einerseits und Stärkung von Schlüsselkompetenzen andererseits liegt Street Law auch ein sozialer Gedanke zugrunde: die Aufklärung und Eingliederung der Zielgruppen des Street Law Programms über und in das Rechtssystem. Im Folgenden sollen verschiedene Street Law Modelle und Erfahrungen der Law Society of Ireland, des Letterkenny Institute of Technology (Irland), der Open University (Großbritannien), der Northern Arctic Federal University (Russland) sowie der Goethe Uni Law Clinic (Frankfurt a.M.) dargestellt und verglichen werden. Nicht nur deren Implementierung an den Fakultäten, auch die Vorteile für die Studierenden sowie für die Gesellschaft werden beleuchtet. Idee und Struktur des Street Law Die Struktur, die jedem Street Law Programm zugrunde liegt, wird stets von drei Parteien getragen: den Studierenden (Teilnehmende am Street Law Programm), der Zielgruppe (Teilnehmende am Workshop, der offenen Fragestunde) und der Institution, welche das Programm anbietet. Die Verantwortung und der Gestaltungsspielraum liegen sowohl bei der Organisation als auch während der Durchführung bei den Studierenden, allerdings durch die Bedürfnisse der Zielgruppe vordefiniert. Diese Grundstruktur kann jedoch in den unterschiedlichsten Konzepten ausgestaltet und angepasst werden und ist damit für eine Vielzahl von Rechtsgebieten und Zielgruppen anwendbar. Im Folgenden werden verschiedene Street Law Programme vorgestellt. Goethe Universität Law Clinic (Frankfurt a. M.) Die Goethe Uni Law Clinic (GLC) begann kurz nach ihrer offiziellen Eröffnung im Herbst 2016 mit ihrem Street Law Programm. 4 Die Idee hierzu war bereits in den Planungsanfängen der GLC im Jahr 2015 gegeben. Zur ersten Umsetzung kam es A. I. 3 s. Artikel von Eva-Bettina Trittmann in diesem Heft. 4 Das Street Law Programm steht also nicht unmittelbar allen Studierenden der Goethe Uni Frankfurt offen, sondern knüpft grundsätzlich an die Teilnahme an der GLC an. Nach zwei Ausbildungsjahrgängen beläuft sich die Zahl derzeit auf 18 Studierende. Von der Uni auf die Straße 161 dann in Zusammenarbeit mit einer ehrenamtlichen Organisation, die zur Vorbereitung ihrer Teilnehmer*innen auf die Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen einen Workshop über die rechtlichen Grundlagen des Asylverfahrens wünschte. Zielgruppe waren hier also nicht Asylsuchende selbst oder deren Angehörige, also unmittelbar Betroffene. Vielmehr war das Ziel haupt- und ehrenamtlich Helfenden in der Flüchtlingshilfe einen Überblick zu verschaffen und sie in ihrer täglichen Arbeit mit Geflüchteten zu unterstützen. Die Street Law Workshops der GLC werden von den Studierenden selbst vorbereitet, erarbeitet und durchgeführt. Der Zielgruppe sollen durch die Workshops praxisnah und anschaulich komplexe Rechtsthematiken erklärt werden, damit sie sich sicherer im Umgang mit Betroffenen fühlt und zu allgemeinen Fragen später selbst Stellung nehmen kann. Je nach Größe der Gruppe5 und Dauer6 variiert die Ausgestaltung des Workshops. Dabei hat sich eine interaktive Durchführung und oft auch an Fallbeispielen orientierte Präsentation in allen Rahmenbedingungen bisher bewährt. Vor der Implementierung eines solchen Street Law Workshops erhalten die Studierenden selbst eine thematische Schulung. Diese wird von Praktiker*innen durchgeführt, was die universitäre Ausbildung7 ergänzt. Mit diesem Wissen erarbeiten die Studierenden dann Materialien für den Street Law Workshop. Die fertigen Materialien werden zunächst intern präsentiert, um Inhalte, Layout, Darstellung und Vortragstechnik zu optimieren, bevor der Street Law Workshop dann gehalten wird. Die erarbeiteten Materialien werden allen Teilnehmer*innen der GLC online zur Verfügung gestellt und bei erneuter Durchführung des Workshops überarbeitet und aktualisiert. Der GLC dienen die Workshops dazu, neue Kooperationen mit Organisationen herzustellen und auf das Beratungsangebot der GLC8 aufmerksam zu machen. Hauptberufliche und ehrenamtliche Helfende verweisen bei Fragen, die sie nicht beantworten können, an die GLC. Ratsuchende erfahren so oft erst von unserer Einrichtung und können dann auch persönlich beraten werden. Und auch die Studierenden profitieren: Der Austausch mit Fachfremden fördert das kritische Bewusstsein für die Rechtsmaterie und verhilft den Studierenden zu einer praxisnäheren Sichtweise. Da im Vorfeld die konkreten Inhalte und Schwerpunkte des Workshops festgelegt werden müssen, genügt es nicht das erlernte Wissen lediglich wiederzugeben. Stattdessen muss darauf geachtet werden, welche Informationen die Zielgruppe benötigt und in welcher Form diese vermittelt werden können. Die Studierenden setzen sich differenzierter mit einem Rechtsgebiet auseinander, wenn sie dieses später anderen erklären müssen, wodurch auch wichtige inhaltliche Grundlagen besser von den Studierenden gelernt werden. Bei der Durchführung des Workshops bauen sie dann ihre Fähigkeit aus, vor Publikum ein komplexes Thema verständlich darzustellen sowie auf unvorhergesehene Fragen souverän zu reagieren. 5 Die Anzahl der Zuhörer belief sich in der bisher größten Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Start ins Deutsche“ an der Goethe Universität Frankfurt auf ca. 90 Teilnehmende. 6 Je nach Anfrage, bisher zwischen 1 ½ und 3 Stunden. 7 Alle Studierenden der GLC durchlaufen ein einjähriges Ausbildungsprogramm; s. Artikel von Eva-Bettina Trittmann in diesem Heft. 8 s. Artikel von Eva-Bettina Trittmann in diesem Heft. 162 Jil Ebenig Northern Arctic Federal University (Russland) Die Northern Arctic Federal University (NArFU) wurde im Jahr 2010 gegründet und ist stets bemüht, ihre Lehrmethoden zu optimieren. 9 Das Street Law Programm existiert bereits seit vier Jahren an der NArFU und ist damit im Vergleich zu den anderen hier vorzustellenden Projekten eines der am längsten laufenden Programme. The Northern Arctic Federal University, Russia In the Northern Arctic Federal University the Street Law program was launched around 5 years ago. Street Law program was an optional activity for students. Then we had approximately 15 students. But 2 years ago our University launched a new discipline “Project Activity” that is obligatory for all second years students. So, we decided to involve Street Law Program (Legal Promotion) in the discipline “Project Activity”. In the framework of this discipline students design small projects that are focused on legal information and promotion among unprotected people (school students, juvenile inmates, children in difficult life situation). Now we have around 60 students every year. Our Street Law program involve law students teaching secondary school students of ordinary secondary schools, rehabilitation centers and juvenile corrections about everyday law and helping to develop important professional civic skills. Law students create their own mini projects that focus on legal promotion and enhancing legal awareness of juvenile. In the framework of their own projects, they specify topic, design and conduct civic classes and other activities (for example, mock trials, quizzes, actions, surveys, etc.). The most popular topics for project are “The Constitution”, “The Human Rights and Freedoms”, “Family Law”, “Offense: Why it is Dangerous”, “Animal Protection” etc. Designing civic classes, we use interactive methods and technics (different brainstorming, discussions, mock trials, role-playing games, work in a small group, problem-solving cases, etc.). Working on Street Law program our legal clinic has realized three projects: “You are a Citizen! You are a Patriot!”, “Let’s Start Up a Business!” “Your Rights in Your Hands” and one project “You Should Know Constitution” has been implemented now. These local socially oriented projects are aimed to legal informing and awareness among school students and one of these is focused on children in difficult life situation. Evaluation of the results of these projects indicates that the young generation has become interested in human rights, rules of law and legal system. Working on projects realization we collaborate with ordinary schools, rehabilitation centers, juvenile corrections, NGOs (Center of Development of Legal Clinics (CODOLC), Association of Russian Layers), local authorities (for example, Civil Registration Office). Hauptzielgruppe sind Jugendliche und Schüler, u.a. in Hauptschulen, Reha-Zentren sowie Jugendgefängnissen. Langfristiges Ziel ist es, der Gesellschaft frühzeitig einen Überblick über das russische Rechtssystem zu verschaffen und das Rechtsbewusstsein der Gesellschaft zu schärfen. Auch die Resozialisierung und Rückführung der Jugendlichen in die Gemeinschaft soll gestärkt werden. Dementsprechend sind beliebte Themenschwerpunkte u.a. die russische Verfassung, die Aufklärung über die eigenen Rechte sowie die Unterstützung der persönlichen beruflichen Entwicklung durch das Unterprojekt „Let’s Start Up a Business!“. Statt Workshops bereiten die Studierenden hier Unterrichtsstunden, Scheinprozesse,10 Quiz‘ o.ä. vor. Thema sowie Layout werden eigenständig entwickelt sowie präzisiert. II. 9 http://www.narfu.ru/en/university/introducing/history/. 10 Hierzu schlüpfen die Teilnehmer*innen in verschiedene am Prozess beteiligte Rollen und führen einen fiktiven Gerichtsprozess. Von der Uni auf die Straße 163 Die Rückmeldung der Studierenden und der Erfolg des Programms führten schließlich dazu, dass die ehemals freiwillige Teilnahme für alle Studierenden verpflichtend Teil des Lehrplans wurde. After first year, we have conducted survey among student (approximately 70 students were interviewed) and asked them the following questions: 1) Is it necessary the introduction of “Project Activity” in academic process? And why? The answers were the following: a) “yes” (100% of the respondents); b) “to acquire new skills”; c) “to do something useful for people”; d) “to express oneself and make prospects for future”. 2) Are you satisfied with the discipline? The answers were the following: a) “yes” (90% of the respondents); b) “no” (10% of the respondents); c) “I didn’t expect it would be so interesting”; d) “I have got only positive emotions”; e) “we learned a lot”. 3) What did you like in the preparation and implementation of projects? The answers were the following: a) “awareness that our work is useful for people”; b) “turning ideas into reality”; c) “a work in groups”, d) “distribution of duties”; e) “creative freedom and new skills”; f) “communication with audience”. 4) What have you learned? The answers were the following: a) “designing projects, formulating aims and objectives”; b) “designing presentation”; c) “explaining difficult issues in a simple way”; d) “a work in groups”. What have you acquired? The answers were the following: a) “new skills”; b) “public speaking skills”. 5) What would you advise to teachers? The answers were the following: a) “everything is good”; b) “more practical lessons”; c) “more recommendations for realization of projects”; d) “to help students to find funding for realization of projects”; e) “to collaborate with other institutes and organizations”. Vera Gulina – Associate professor of the Northern Arctic Federal University (Higher School of Economic, Management and Law) and coordinator of the Street Law Programm of the Legal Clinic Law Society of Ireland (Irland) Die Law Society of Ireland ist die Vereinigung der Anwält*innen in Irland, die neben der Ausbildung von Rechtsanwält*innen auch das repräsentative und regulierende Organ der Anwaltschaft darstellt. Nach dem Studium muss in Irland ein zweijähriges Praktikum absolviert werden, bevor man als Anwalt bzw. Anwältin zugelassen wird. Begleitend wird ein sog. Professional Practice Course (PPC I und II) bei der Law Society belegt. Seit 2013 können ca. 40 Studierende des PPC I am Street Law Programm teilnehmen. Das Programm befindet sich zwar außerhalb des üblichen Lehrplans, die Teilnahme wird aber mit einem Zertifikat belohnt. Zielgruppe sind hier Schüler*innen im Alter von 16/17 Jahren in sog. DEIS11 Schulen. Die ausführenden Studierenden übernehmen jeweils zu zweit acht Unterrichtsstunden in einer der vier teilnehmenden Schulen. Ziel des Unterrichts ist, das Verständnis der Heranwachsenden für die Beziehung zwischen Recht und Gesellschaft zu fördern, für ihre Rechte und für soziale Gerechtigkeit zu stärken. III. 11 Delivering Equality of Opportunity in schools ist ein Programm der Regierung in Irland, welches Nachteile mancher Bevölkerungsschichten beim Zugang zu (Aus)Bildung ausgleichen und Chancengleichheit herstellen will. Für mehr Informationen, s. http://www.education.ie/en/Schools-Colleges/Services/DEIS-Delivering-Equality-of-Opportunity-in- Schools-/. 164 Jil Ebenig The Law Society of Ireland The concept of Street Law (https://www.lawsociety.ie/Public/Transition-year-programmes/Street- Law/) at the Law Society of Ireland is essentially a legal literacy programme where since 2013, approximately 40 Law students from the Professional Practice Course “PPC1 (In Ireland, the law students trainees are at the start of their Professional Practice Course I (PPCI) at the Law Society and for most of them this is the beginning of their 2 year traineeship. A full explanation of the routes to qualification as a solicitor in Ireland can be found https://www.lawsociety.ie/Public/Become-a-Solicitor/are selected and paired up to lead eight teaching sessions at one of our participating DEIS schools to transition year (TY) students in the 16/17 age group. For the TY students it aims to raise their awareness of the law and society, their rights and social justice issues and to socialise them about the potential for a career in law. It is also about sowing an ethic of public service and civic professionalism in trainee solicitors, demonstrating to them the positive contribution they can make to the community. A core component of the programme is the orientation weekend that prepares students ahead of their teaching placement. Offered each September and run in collaboration with our colleagues from the Street Law Clinic at Georgetown, this orientation weekend exposes students to the learner centered methodology that underpins Street Law. We aim to build ‘belief, capacity and community’ in our trainee group over the training weekend, and promote the positive dual benefit of Street Law for all stakeholders thus, empowering the students in relation to the law related content on the one hand and upskilling the trainee lawyers delivering the training in terms of employing the activity based, participatory teaching methodology. Whilst this is an elective programme that operates outside the main curriculum we have developed a Street Law Certificate for students. From an assessment perspective, the students are obliged to complete various tasks that they post on the online course platform including sharing an original lesson plan, posting reflections on their teaching experiences and a final assignment. Bevor die Studierenden ihre Unterrichtskonzepte entwickeln, nehmen sie an einer einführenden mehrtägigen Veranstaltung teil, welche in Zusammenarbeit mit der Street Law Clinic an der Georgetown University veranstaltet wird, an der ihnen verschiedene Lehrmethoden beigebracht sowie das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden soll. Im Nachgang jedes Durchgangs stellen die Studierenden ihre Materialien und Erfahrungen für nachfolgende Jahrgänge online. Von der Uni auf die Straße 165 The positivity of the student experience is highlighted by increasing numbers of applicants annually as well as student feedback in final evaluations. Our law students consistently recognise the impact Street Law has on their personal and professional development. They have identified improvements in the following areas arising from their Street Law experience; ● Confidence ● Planning & Preparation ● Team work ● Explaining the law in lay person terms ● Substantive legal knowledge ● Presentation skills ● Ability to think on ones feet Anecdotal evidence from our initial findings have indicated that Street Law can have a potential transformative effect and leads to an increased commitment to pro bono and a heightened sense of positive professional identity, in terms of their public interest responsibility as lawyers. The Law Society of Ireland is the educational, representative and regulatory body of the solicitors’ profession in Ireland, and currently the exclusive provider of training programs for solicitors. From this unique institutional perspective Street Law has provided a number of positive outcomes as it aligns with our mission of public outreach, access to law and promoting a positive image of solicitors in the general community. The social justice ethos of Street Law can be evidenced in the expansion of our Street Law Clinic through a number of collaborations with marginalised community groups such as the prison law programme for young detainees in Wheatfield Prison (in partnership with the Solas and their Compass Programme http://www.solasproject.ie/prison-programme/). While in 2016, we piloted programme with Mercy Law Resource Centre, who advocate for the homeless or those at risk of homelessness. Again, these initiatives showcase the multifaceted benefits of Street Law, with educational and social benefits for both the law students facilitating the lessons and the participants from the community. The various programmes play an invaluable role in socialisation the idea of a more diverse legal profession and demonstrating potential pathways to a career in law. Freda Grealy, John Lunney – solicitors at the Law society with the responsibility for managing the Street Law Clinic Mittlerweile ist das Programm ausgedehnt worden. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen ist ein sog. Prison Law Programm für jugendliche Häftlinge sowie eine Beratungsstelle für Obdachlose und Bedürftige entwickelt und aufgebaut worden. Letterkenny Institute of Technology (Irland) Das Letterkenny Institute of Technology (LYIT) ist eine Universität im Nordwesten Irlands mit etwa 3.000 Studierenden. Um diesen die besten Zukunftsaussichten zu bieten, achtet das LYIT bei seinen Lehrmethoden darauf, Fähigkeiten zu vermitteln, die später auf dem Arbeitsmarkt relevant sind.12 Bereits 2012 wurden praxisbezogene Module eingeführt, die Simulationen und Praktika enthielten. Aufgrund der positiven Resonanz begann das LYIT im Jahre 2015 mit der Entwicklung eines Street Law Programms: die juristische Ausbildung sollte durch praktische Erfahrungen aufgebessert IV. 12 https://www.lyit.ie/aboutus/. 166 Jil Ebenig werden. Ähnlich dem Konzept der Law Society sind hier Schüler die Zielgruppe. Allerdings bietet das LYIT Street Law bereits während des Grundstudiums an. In Gruppen von zwei Personen übernehmen die Studierenden zehn Unterrichtsstunden an Schulen. Über einen Zeitraum von fünf Wochen soll sodann zweimal wöchentlich Unterricht über verschiedene Bereiche des Rechts gehalten werden. Im Anschluss wird das erlernte Wissen auf die Probe gestellt, indem mit allen teilnehmenden Schulen Gerichtsprozesse spielerisch simuliert werden. Themen sind u. a. Menschenrechte, Sportrecht oder Arbeitsrecht. Erfahrungen, Stundenpläne o.ä. können auf einer eigenen Website13 geteilt und diskutiert werden. Letterkenny Institute of Technology (LYIT) Letterkenny Institute of Technology (LYIT), situate in the North West of Ireland with a particular focus on the region, is a third level institution involved in the provision of legal education. The current offerings include an LLB and a BA in Law and Criminal Justice however a recent development in both programmes was a particular emphasis on the provision of clinical legal education. This originated in a programmatic review undertaken in 2012 where various new modules were added to the programmes, such as alternative dispute resolution with a focus on the use of simulation and a work placement module. The success of these modules in developing the transferable skills of the law students together with a desire from the lecturers involved to enhance these offerings to include some real-world interaction led to an interest in the Street Law module. In 2015 an opportunity arose to develop the Street Law module in LYIT. However while the new module introduced intended to replicate to a large extent the models featured elsewhere it was distinguishable by two particular features. Firstly while the Law Society of Ireland do provide Street Law in the professional courses (i.e. at postgraduate level) there is no other provider of Street Law and none at all at undergraduate level in Ireland, and secondly funding was secured for development of the module on the basis it included and developed digital resources. Wie bei der GLC oder der Law Society ist die Teilnahme am Programm freiwillig und erfolgt außerhalb der anrechenbaren Prüfungsleistungen. Das Projekt wurde im Wintersemester 2016/2017 erstmals durchgeführt und erhielt durchweg positive Rückmeldungen der teilnehmenden Schulen, insbesondere hinsichtlich der Scheinprozesse. Auch die Studierenden profitieren in großem Umfang von dem Street Law Programm und berichten von der Weiterentwicklung ihrer Präsentationsfähigkeiten, Planungsweitsicht und Organisationsgeschickes, aber auch von größerem Selbstbewusstsein im Anschluss an das Programm. 13 www.streetlaw.ie. Von der Uni auf die Straße 167 This has led to the development of a unique version of Street Law in LYIT. The pilot for this module was completed in Semester One of the academic year 2016/17 and involved the delivery of eight lessons in two schools by volunteer students who participated in the programme on a non-credit bearing basis and as an extracurricular activity. During that time the module was accredited and the accredited version of the module was delivered for the first time in Semester Two of 2016/17. In both the pilot and the accredited version the students delivered the lessons in pairs. This involved the students preparing and delivering two lessons per week to transition year students over five weeks in areas of law including Human Rights, Sport and the Law, Cyberbullying and Young Workers’ Rights. Four schools were involved and in the sixth week all students attended LYIT where they participated in two mock trials. The feedback from the schools was excellent where the exposure to the law and legal system was warmly received, but they were particularly impressed by the interactive methodology applied in the teaching which facilitated the personal development of the pupils especially through taking part in the Mock Trials. The third level students were unanimous in agreement that the experience developed and enhanced their presentation skills, their planning and organisational skills and their capacity to think on their feet as well as building confidence. All of this is recorded on the website developed for this purpose which will serve both as a repository of all Street Law lesson plans and also as an interactive medium where students can post their reflections on the experience using the blog at www.streetlaw.ie. Siobhan Cullen, Brónagh Heverin – Law Lecturers at LYIT, having both practised as Solicitors and have research interests in aspects of Clinical Legal Education. They are joint co-ordinators of the Street Law clinic at Letterkenny Institute of Technology. The Open University (Großbritannien) Die The Open University (OU) ist die größte Universität Großbritanniens für Bachelor-Studiengänge. Ihr selbst ausgewiesenes Ziel ist es, Chancengleichheit beim Zugang zu universitärer Ausbildung herzustellen und die Ausbildung durch neue und innovative Methoden stetig zu verbessern.14 Im Rahmen dessen entwickelt sie zurzeit ebenfalls ein Street Law Programm. Das Projekt „Open Justice“ soll als pro bono Initiative der sozialen Mission der OU Rechnung tragen und beruht derzeit auf drei Säulen: „Justice in Action“, einer Online Beratungsstelle sowie der öffentlichen Rechtsbildung. Ähnlich der GLC bietet die OU zukünftig also neben der rechtlichen Beratung auch Street Law Workshops an. Interessant ist, dass nicht nur die unmittelbare Interaktion in Schulen, Gefängnissen oder Bürgergruppen geplant ist, sondern auch die Möglichkeit bestehen soll, die Workshops online durchzuführen. Dadurch könnte eine noch größere Reichweite des Angebots erzielt werden. V. 14 http://www.open.ac.uk/about/main/mission. 168 Jil Ebenig The Open University The Open University (OU) is the UK’s largest provider of undergraduate legal education in the UK and has approximately 6000 registered law students studying full or part time via supported distance learning. As part of the OU’s social justice mission, the OU Law School is currently developing a new pro bono initiative: Open Justice. The project has three related aims; a credit bearing module called Justice in Action, an online legal advice clinic and public legal education activities. The project will launch full in October 2017 but a number of pilot projects are taking place in the spring and summer of 2017. Open Justice aims to provide OU law students with the opportunity to engage in Street Law projects in schools, colleges, prisons and community groups or in an equivalent online setting. Students will be able to gain academic credit for participation in these projects by completing Justice in Action. Our conception of Street Law programmes is that they do not focus on providing traditional individual advice and support. Rather they help improve levels of legal literacy amongst the audience and thus assist them in making better informed decisions about accessing their legal rights and addressing the legal dimensions of their problems. The presentations are designed to meet the needs and interests of the particular group so ideally the topic and mode of delivery should be decided together with the community group making up the audience. To this end the Open Justice project is running Street Law activities in schools which outline the law related to social media and in prisons covering legal issues relating to the disclosure of criminal records in employment settings and the law related to developing a small business. Ziel der OU ist es im Rahmen der rechtlichen Schulungen die Zielgruppe zu befähigen, mit einem rechtlichen Grundverständnis (eventuell) bessere Entscheidungen zu treffen und ihre Probleme besser einschätzen zu können. Die für die Planung des Programms Verantwortlichen an der OU erhielten durchweg positive Rückmeldungen im universitären Kontext. Dadurch, dass Studierende ihre fachlichen Fähigkeiten praxisnah vertiefen und einbetten können und nebenbei auch ihre Schlüsselkompetenzen (sog. soft skills) während des Studiums trainieren, ließen sich etwaige Bedenken am Konzept ausräumen. Von der Uni auf die Straße 169 Providing public legal education through the delivery of tailored presentations on a legal topic is an increasingly frequent part of UK law school’s pro bono activity, although only a minority of such programmes are formally assessed. The popularity of Street Law in UK law schools can be explained by a number of factors. There is a connection between public legal education and social justice, Street Law programmes do help to promote access to justice. Also, from the point of view Universities who wish to provide student opportunities develop student employability skills, Street Law provides an accessible and efficient solution. Street Law presentations do not involve the provision of individual legal advice so the attendant burdens that come with providing such advice, such as supervision by qualified lawyers, ensuring confidentiality and professional indemnity insurance, do not apply. Most Street Law programmes in the UK are based around face to face delivery of presentations. However there is a potential for more Street Law style activity to take place in an online environment. The use of information technology is of particular relevance for Open Justice given the OU’s model of distance learning education. Technology has become an increasingly significant factor in the delivery of legal education, legal services and in the adjudication of civil disputes. This is an area with potential to provide innovative solutions to increase access to legal advice and also to disseminate public legal education so as to raise levels of legal capacity. Open Justice is therefore exploring ways to develop Street Law style projects in an online environment using internet broadcasting technologies such as Facebook Live to reach a wider audience. There are some concerns regarding how such activity fits within the academic law curriculum and how it is possible to properly assess student participation in Street Law activities. In our experience we have had the full support of our faculty in developing these projects. The opportunities for students to develop transferrable skills and to be able to contextualise their understanding of the academic curriculum are recognised as significant advantages which have outweighed any potential concerns. Hugh McFaul – Lecturer in Law, The Open University Fazit und Ausblick Die gemeinsame Idee von Street Law wird in jedem einzelnen Konzept – trotz der unterschiedlichen juristischen Ausbildung und der involvierten Rechtssysteme – deutlich: Die Studierenden sollen nicht nur Recht lehren, sondern bereiten das Lehrkonzept zudem selbst vor. Zielgruppen sind überwiegend gesellschaftlich schwache und/ oder sozial benachteiligte Gruppen. Die Aufklärung der Gesellschaft über das Rechtssystem kann nicht nur helfen mehr soziale Gerechtigkeit herbeizuführen, sondern erhöht auch die Chancen der Integration, sei es von Ausländern, sei es von straffälligen Jugendlichen usw. Zuhörende äußerten sich bisher ausschließlich positiv über ihre Teilnahme an den Street Law Programmen und vermerkten ein gestiegenes Verständnis des Rechtssystems sowie einen Zuwachs an rechtlichem Selbstvertrauen. Das Lob der Teilnehmer*innen, welches die Studierenden teils unmittelbar erreichte, stärkte die Motivation für weitere Projekte und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Die Rückmeldungen der Studierenden zeigt in allen Fällen, dass sie nicht nur selbstbewusster im Umgang mit dem Recht wurden, sondern auch Schlüsselqualifikationen erlernten, die in der klassischen Ausbildung zu kurz kommen. Die Zusammenarbeit mit anderen fördert neben der Fähigkeit zum Teamwork und Präsentieren auch in erheblichem Umfang selbständiges Denken. Zudem hilft es den Studierenden ihr rechtliches Wissen in einen praktischen Kontext einordnen zu können. B. 170 Jil Ebenig Die Arbeit mit Hilfebedürftigen und juristischen Laien führte vielfach dazu, dass die Studierenden ihre Verantwortung als Jurist*innen erstmals wahrnahmen. Positiv hervorzuheben ist, dass die meisten Street Law Programme bereits an die Lehrkonzepte der Institutionen geknüpft sind, teils bereits sogar als festes Element des Lehrprogramms. Obwohl in den unterschiedlichen Ausbildungsformen zu Jurist*innen neben dem Studium jeweils auch ein zweijähriges Praktikum, Referendariat o. ä. vorgesehen wird, in denen ebenfalls praktische Kenntnisse vermittelt werden sollen, wird die Notwendigkeit gesehen, bereits früher mit dem Erwerb dieser Fähigkeiten zu beginnen – oder diese durch Street Law zu ergänzen. Das könnte sich zumindest zum Teil daraus ergeben, dass die dem Studium nachgehenden praktischen Ausbildungen ausschließlich auf bestimmte Berufsziele (bspw. Anwalt bzw. Anwältin) ausgerichtet sind, obwohl die Tätigkeitsfelder von Jurist*innen vielfältiger sind. Es bleibt zu hoffen, dass Street Law stärker in das Lehrprogramm einbezogen und als Studienleistung anerkannt wird, um den Anreiz zur Teilnahme für die Studierenden zu erhöhen. Denn: Besser lernt, wer selbst erklärt! Von der Uni auf die Straße 171

Abstract

Practice-based learning at an early stage might be a perfect addition to the traditional legal education. The article is dealing with different kinds of the so-called Street Law programs, in which the students teach law by themselves to different target groups. The experiences in all portrayed programs show the benefits for everyone included are high.

Zusammenfassung

Frühzeitiges praxisorientiertes Lernen kann das Vermitteln von abstraktem Wissen in der klassischen juristischen Ausbildung ergänzen und verbessern. Der Artikel befasst sich mit sog. Street Law Programmen, in denen Studierende aufgefordert sind, eigenständig juristisches Wissen an verschiedene Zielgruppen weiterzuvermitteln. Die Erfahrungen zeigen, dass sowohl die Studierenden als auch die Zielgruppe Vorteile daraus ziehen können.

Résumé

L’apprentissage précoce et basé sur l’expérience pratique peut compléter et améliorer l’acquisition d’un savoir abstrait dans la formation juridique classique. L’article s’intéresse aux programmes dits “Street Law”, qui invitent les étudiants à transmettre de manière autonome un savoir juridique à divers groupes cible. L’expérimentation démontre que autant les étudiants que les groupes ciblés en tirent profit.

References

Abstract

The CritQ provides a forum for open, interdisciplinary-oriented, intradisciplinary-informed critical jurisprudence grounded in the theory-praxis dialogue. As a European law journal the CritQ reflects the required legal adjustments towards societal, political, and systemic directives in Europe. The list of editors that counts the law schools of the University of Luxembourg and Goethe-University Frankfurt am Main among them, has been prominently enhanced with pioneers of European jurisdiction (Marc Jaeger, Vincent Lamanda, Dean Spielmann, Sir John Thomas, Andreas Voßkuhle).

The European public is conveyed by language, thus the CritQ presents articles in German, English, and French.

Zusammenfassung

Seit 1986 stellte sich die neu erschienene KritV als Forum offener, interdisziplinär orientierter, intradisziplinär informierter und im Theorie-Praxis Dialog fundierter kritischer Jurisprudenz dar.

Das Rechtssystem, einst bezogen auf nationale Grenzen, hat sich vertikal und horizontal ausdifferenziert. Die KritV als europäische Rechtszeitschrift soll in Zukunft die Anpassungen des Rechts an gesellschaftliche, politische und systemische Steuerungsbedürfnisse in Europa intensiv widerspiegeln.

Die Liste der Herausgeber ist durch wichtige Köpfe europäischer Rechtsprechung erweitert worden (Marc Jaeger, Vincent Lamanda, Dean Spielmann, Sir John Thomas, Andreas Voßkuhle). Auch die juristische Fakultät der Universität Luxembourg steht gleichberechtigt neben Herausgebern aus dem Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe Universität in Frankfurt/Main.

Europäische Öffentlichkeit kann nur durch vielfältige Sprachen vermittelt werden. Die KritV präsentiert deshalb Artikel in deutscher, englischer und französischer Sprache. Eine vielsprachige und in verschiedenen Rechtskulturen orientierte Herausgeberschaft verbürgt Originalität und Qualität angenommener Beiträge.