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Christian Pentzold, Praxistheoretische Prinzipien, Traditionen und Perspektiven kulturalistischer Kommunikations- und Medienforschung in:

M&K Medien & Kommunikationswissenschaft, page 229 - 245

M&K, Volume 63 (2015), Issue 2, ISSN: 1615-634X, ISSN online: 1615-634X, https://doi.org/10.5771/1615-634x-2015-2-229

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Praxistheoretische Prinzipien, Traditionen und Perspektiven kulturalistischer Kommunikations- und Medienforschung Christian Pentzold Der Artikel diskutiert den Beitrag der Praxistheorien für die kulturalistische Kommunikations- und Medienforschung. Ausgehend von sozialphilosophischen und kultursoziologischen Vorhaben, ein praxistheoretisches Paradigma zu etablieren, werden erstens dessen Basisannahmen entlang der Prinzipien Rekursivität und Relationalität erläutert. Zweitens werden praxistheoretisch reflektierte oder kongruente kommunikationswissenschaftliche Traditionen erfasst. Während zwar eine bisher nur sporadische explizite Auseinandersetzung mit Praxistheorien festzustellen ist, finden sich indessen eine Reihe von Ansätzen der Beschäftigung mit einem komplementären Programm im Rahmen der Cultural Studies und der selektiven Adaption einzelner praxistheoretisch verorteter Autoren, allen voran Bourdieu und Giddens. Drittens wird erörtert, für welche Forschungsfelder und Ansätze kulturalistischer Kommunikations- und Medienforschung die Praxistheorien Impulse geben können. Dabei werden die Perspektiven für die Analyse des Wandels kollektiver Mediennutzung, des Konstituierens alltäglichen Medienumgangs und des wechselseitigen Ausgestaltens von Medientechnologien und medienbezogenen Praktiken ausgeführt. Schlüsselwörter: Praxistheorie, Praxeologie, kulturalistische Kommunikations- und Medienforschung, medienbezogene Praktiken, Bourdieu, Giddens Einleitung* Von der „Praxis“ zu reden, ist mittlerweile in sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen, auch in den Kommunikationswissenschaften, selbst eine gern gepflegte Praxis. Dabei wird nicht immer klar, inwiefern Begriffe wie Performativität, Performanz, Praxen und Praktiken mit weiterführenden Annahmen zur praxisbezogenen Konstitution sozialen Lebens einhergehen. Als in dieser Hinsicht einschlägig wird in sozialphilosophischen und kultursoziologischen Ansätzen die Praxistheorie präsentiert. In Reckwitz’ (2003) dahingehender Synopse sowie in den Rekonstruktionsversuchen von Schatzki (1996, 2002), Schmidt (2012) und Hillebrandt (2014) werden Bourdieus Auseinandersetzung mit Habitus, sozialem Feld und praktischem Sinn sowie die von Giddens diskutierte Dualität von Struktur und das von ihm erläuterte Verhältnis von praktischem und diskursivem Bewusstsein zum programmatischen Kernbestand der praxeologischen Handlungserklärung gezählt. Als Vordenker bzw. Vertreter werden Wittgenstein und Heidegger sowie Referenzautoren, von Marx über Austin, Garfinkel und Foucault bis Taylor, Butler und Latour, auf praxistheoretisch grundlegende oder anschlussfähige Argumente hin rezipiert.1 Diese Heterogenität an Bezügen hat dazu 1. * Für hilfreiche Kommentare danke ich Claudia Fraas, Carsten Winter, Christopher Buschow und den anonymen Gutachter(inne)n. 1 Schatzki, Reckwitz und Bourdieu gebrauchen zur Selbstbezeichnung ihrer Vorhaben den Begriff „Praxistheorie“. Die Ausdrücke „Theorien sozialer Praxis“, „Praxistheorien“ und „Praxeologie“ werden hier synonym verwendet. 229 beigetragen, dass sie in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Forschungsrichtungen aufgegriffen werden. Insbesondere in Wissenschaftsforschung, Management- und Strategielehre, Innovationsforschung, Organisationswissenschaft und Konsumsoziologie befördert, so scheint es, die Disparatheit praxistheoretischer Konzepte ihre fachliche Adaption, da sie so selektiv aufgegriffen und in disziplinäre Tendenzen integriert werden können (Ortner 1984; Schäfer 2013: 13-27 m. w. N.). Bei allen Unterschiedlichkeiten berücksichtigen die einschlägigen Kategorisierungen genuin praxistheoretische Beiträge, wenn diese zum einen Praktiken als zeitlich und räumlich sequenzierte, sozial typisierte sowie körperlich und dinglich verankerte Handlungsmuster verstehen und wenn sie zum anderen annehmen, dass im Vollzug solcher Praktiken letztlich jede Form an Sozialität gründet und von hieraus zu rekonstruieren ist. Sie konvergieren also in der Annahme, so Schatzki (1996: 10), „that practices are not only pivotal objects of analysis in an account of contemporary Western society, but also the central social phenomenon by reference to which other social entities such as actions, institutions, and structures are to be understood“. Damit wird die Praxistheorie als alternative kulturtheoretische Handlungserklärung präsentiert (Reckwitz 2000: 546-617). Als solche nimmt sie in den Kommunikationswissenschaften, anders als zweck- und normorientierte Handlungsmodelle, keine grundlegende Position ein, während Ansätze, die sich am Pragmatismus oder am Interpretativen Paradigma orientieren, zwar wie die Praxistheorie eine sinnverstehende Handlungserklärung verfolgen, sich aber nicht explizit mit praxeologischen Axiomen auseinandersetzen (Göttlich 2006; Hepp 2008; Krotz 2008). Vor diesem Hintergrund hat der Beitrag drei Ziele. Erstens wird der konzeptuelle Kern der Praxistheorie über die Prinzipien Relationalität und Rekursivität knapp erörtert. Das Bestimmen konzeptueller Spezifika, hinter die ein praxistheoretisch zu nennender Ansatz nicht zurückfallen sollte, erlaubt es zu klären, inwiefern die Praxistheorie eine über andere kulturtheoretische Handlungsmodelle hinausweisende Beschäftigung mit Formen des Medienumgangs und der (medienvermittelten) Kommunikation fundieren kann. Zweitens werden Traditionen der Kommunikations- und Medienforschung erfasst, die praxistheoretisch basierte oder dazu analoge Ansätze entwickelt haben. Dabei wird fraglich, was der Beitrag der Praxistheorie wäre, der nicht schon anderweitig durch die Beschäftigung mit kongruenten Forschungsgegenständen und -konzepten geleistet ist. Drittens wird daher ausgehend von den beiden erarbeiteten Prinzipien Relationalität und Rekursivität und praxistheoretisch reflektierten Beispielstudien gezeigt, welche analytischen Perspektiven sich für die kulturalistische Kommunikations- und Medienforschung eröffnen. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf methodologische Implikationen. Unter kulturalistischer Kommunikations- und Medienforschung werden theoretische Ansätze und empirische Studien verstanden, die sich – orientiert an der Entwicklung der Cultural Studies – mit den kulturellen Bedeutungen und lebensweltlich-alltäglichen Handlungen des Produzierens und Aneignens medial repräsentierter Bedeutungsangebote in Verbindung zu Prozessen der Identitätsbildung und Regulation sowie mit dem Gestalten und Gebrauchen von Medientechnologien befassen (z. B. Winter 2001: 29-65; Adolf 2007). In ihrer kulturtheoretischen Verankerung teilen sie mit der Praxistheorie kongruente bzw. daraus bezogene Annahmen, und sie können auf eine weitergehende praxistheoretische Konzeptualisierung aufbauen, um den Wandel kollektiver Weisen der Mediennutzung, das Konstituieren alltäglichen Medienumgangs und das Herausbilden medialer Affordanzen ausgehend von medienbezogenen Praktiken zu rekonstruieren. M&K 63. Jahrgang 2/2015 230 Prinzipien Mit den Prinzipien Rekursivität und Relationalität wird die Praxistheorie als ihrem Anspruch nach separate Sozial- und Erkenntnistheorie vorgestellt. Vorweg stehen aber zwei Hindernisse: Das eine ist ihr ambivalenter Status, da sie zwar als kulturtheoretisches Paradigma postuliert wird, jedoch nicht die eine Praxistheorie existiert, sondern Praxistheorien ein uneinheitliches Feld teils übereinstimmender, teils disparater sozialtheoretischer, epistemologischer und methodologischer Konstrukte darstellen, deren Einheit nachträglich behauptet wurde. Das andere ist, dass der proklamierte „practice turn“ (Schatzki/Knorr-Cetina/von Savigny 2001) kulturtheoretische Alternativen wie Mannheims Wissenssoziologie, Elias’ Figurationstheorie oder den von Berger und Luckmann geprägten Sozialkonstruktivismus auslässt bzw., wie die auf Schütz zurückgehende Sozialphänomenologie, verkürzt (Endreß 2002; Bongaerts 2007). Beide Einwände kann der Beitrag gerade wegen ihrer fundamentalen Kritik nicht aufheben. Stattdessen werden Praxistheorien als „useful abstractions“ (Hesmondhalgh/Toynbee 2008: 3) gebraucht und ihr analytischer Ertrag anhand praxistheoretisch fundierter Perspektiven herausgearbeitet. So gesehen sind sie eine sozial- und erkenntnistheoretische Option, die komplementär zu anderen, besonders in der kulturalistischen Kommunikations- und Medienforschung aufgenommenen sinn- und bedeutungsorientierten Theorieangeboten steht, allen voran zum Symbolischen Interaktionismus sowie zu phänomenologischen und hermeneutischen Ansätzen (z. B. bereits Teichert 1972; Renckstorf 1973; Bausinger 1983; Charlton/Bachmair 1990). Rekursivität: Praktiken sind alltäglich und analytisch die vermittelnde Instanz zwischen situativem Handeln und übersituativen Strukturen Als eine Variante der Kulturtheorien nehmen Praxistheorien an, dass Absichten und Zwecke sowie Normen erst im Bezug auf Kultur Bedeutung und Handlungsrelevanz erhalten, wobei Kultur verstanden wird als übersubjektive Sinnsysteme, die subjektives Verstehen und Handeln fundieren (Reckwitz 2000: 84). Jedoch thematisieren sie, im Unterschied zu strukturalistischen oder subjektivistischen Kulturtheorien, das rekursive Hervorbringen von Praktiken als situatives Umsetzen dieser Sinnsysteme, statt holistische Wissensstrukturen oder subjektive Verstehensakte als Ausgangspunkte der Handlungserklärung zu nehmen (Schmidt 2012: 51-55). Folglich verklammert Reckwitz (2000: 565) Wissensordnungen und Praxisvollzug und erklärt: „Soziale Praktiken stellen einen Komplex von kollektiven Verhaltensmustern und gleichzeitig von kollektiven Wissensordnungen [...] sowie diesen entsprechenden Mustern von subjektiven Sinnzuschreibungen dar, die diese Verhaltensmuster ermöglichen und sich in ihnen ausdrücken“. Praxistheoretischer Referenzpunkt sind regelmäßig hervorgebrachte, über Spannen von Raum und Zeit hinweg (re-)produzierte, typisierbare und beobachtbare Handlungsverkettungen. Diese Praktiken sind, erklärt Giddens (1997: 77), nicht durch vorgängige Strukturen organisiert, sondern ihre „Strukturmomente“ sind „Medium wie Ergebnis“, weshalb Dualismen wie agency vs. structure, Mikro vs. Makro oder Statik vs. Dynamik obsolet würden. Praktiken bilden vielmehr sozusagen das Scharnier zwischen individuellem, situationalem Tun und überindividuellen, transsituativen Strukturen. Um dieser „syntagmatischen Dimension der Strukturierung“ (ebd.: 68) terminologisch Rechnung zu tragen, gebraucht Giddens den Begriff der sozialen Praktiken. Sozial intelligibel sind Praktiken darin, dass sie als routinisierte Handlungsmuster verstehbar sind, Handlungsvollzüge erwartbar machen und in Referenz auf andere Praktiken hervorgebracht werden (Schmidt/Volbers 2011). Praktiken werden damit lebensweltlich 2. 2.1 Pentzold · Praxistheorien in Kommunikations- und Medienforschung 231 und epistemologisch als Letztelemente von Sozialität aufgefasst, sodass soziale Ordnung nicht zuerst über Intentionalität, Rationalität, Normgeleitetheit oder kommunikative Verständigung erklärt wird, sondern, diesen vorausgehend, über die Reproduzierbarkeit des „ongoing accomplishment of the concerted activities of daily life“ (Garfinkel 1967: vii). Relationalität: Körper sind Träger und Dinge sind Ressourcen von Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit Das Betonen der körperlichen und dinglichen Bezüge von Praktiken unterscheidet Praxistheorien von der Mehrzahl der Handlungstheorien (Joas/Knöbl 2004: 713). Ihre Differenz liegt darin, dass sie die Beziehungen zwischen Körpern, Gegenständen und Wissensordnungen im Verhältnis zu Tätigkeiten im Vollzug verstehen. Diese in Praktiken gestifteten Relationen und Positionen sind nicht auf räumliche Gegebenheiten oder Stellungen in sozialen Netzwerken zu reduzieren. Sie prägen vielmehr als „Bezugsrahmen von und für Interaktionen“ (Giddens 1997: 39) bzw. soziale Felder (Bourdieu 1985: 9-15), wie Handelnde und Gegenstände verstanden oder gebraucht werden, wie ihnen gegenüber agiert wird, wie Praxisteilnehmer selbst handeln können und über welche relational und situational ungleich verfügbaren allokativen (Rohstoffe, materielle Produktionsmittel, erzeugte Güter) und autoritativen (Organisation von Raum, Zeit, Beziehungen und Lebenschancen) Ressourcen sie verfügen (Giddens 1997: 316). Für Bourdieu (1985: 10f.) sind diese Handlungsbefähigungen und -begrenzungen das ökonomische (materielle Ausstattung), kulturelle (Bildung) und soziale bzw. symbolische (Beziehungen, Zugehörigkeiten, Prestige) Kapital. In der einen Konsequenz sind praxiskompetente Teilnehmer „Partizipanden des Tuns“ (Hirschauer 2004: 73) und so als Träger von Handlungsfähigkeit (agency) und Gestaltungsfähigkeit (empowerment) in den körperlichen Vollzug der Praktiken eingebunden. Das Bewerkstelligen von Praktiken gründet nicht vornehmlich auf propositionalem Fakten- oder Lösungswissen, in ihnen kommt stattdessen knowing how zum Ausdruck (Schatzki 1996: 47). Dieses Wissen ist den Teilnehmenden insbesondere als Handlungsfertigkeiten und als im Vollziehen einer Praktik zuhandene Ziele, Gründe und Wertungen verfügbar, während kollektive Wissensordnungen vielfältig darauf beziehbare Kenntnisse und Überzeugungen fundieren (Reckwitz 2000: 567; Schulz- Schaeffer 2010: 334). Das Betonen des Körpers als Inkorporationsinstanz praktischer Kompetenzen steht in Kontinuität zu Wittgensteins (1953/2009: §150) Idee, Wissen als praxisabhängiges, unvollständig verbalisiertes, noch verbalisierbares „Sich-auf-etwasverstehen“ bzw. „Eine-Technik-beherrschen“ zu fassen. „Was die Handelnden über ihr Handeln und die entsprechenden Handlungsgründe wissen – ihre Bewußtheit (knowledgeability) als Handelnde – ist ihnen weitgehend in der Form des praktischen Bewußtseins präsent“, konstatiert Giddens (1997: 36; Herv. i. O.). Im Erklären des Beteiligens an Praktiken können diese impliziten Fertigkeiten weder von Teilnehmern noch von (wissenschaftlichen) Beobachtern vollständig ins sozusagen „diskursive Bewusstsein“ geholt und expliziert werden (ebd.: 57). Theoretische Form findet die Idee von Handlungs-, Denk- und Wahrnehmungsdispositionen im Bourdieu’schen Konzept des Habitus, das auf das Einüben von Praxis verweist. Um kompetent handlungsfähig zu sein, so Bourdieu (1976: 171), müssen die Handelnden mit ihren sozialisierten Körpern an Praktiken teilhaben, wodurch sie sich Dispositionen des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Bewertens einverleiben (Hillebrandt 2009: 53ff.). Für das reproduktive und kreative Beteiligen an Praktiken relevant wird der Habitus, indem er das Praxisvermögen 2.2 M&K 63. Jahrgang 2/2015 232 vorstrukturiert und handlungsleitende Anschauungsweisen, Klassifikationen und Bewegungsmuster generiert (Bourdieu 1987). In der anderen Konsequenz werden Dinge als Ressourcen von Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit verstanden. Sie müssen kompetent gehandhabt werden und sind damit, praxistheoretisch gesehen, eingebunden in das „Verhältnis des praktischen Verstehens“ (Reckwitz 2008b: 154). Im Unterschied zu Technik- und Mediumtheorien, die Gegenstände entweder als frei interpretierbare Texte oder als determinierende vergegenständlichte Kräfte verstehen, bedingen sie, praxistheoretisch gesehen, Praktiken nicht durch ihre Deutung oder von ihnen ausgehende Sachzwänge, sondern weil sie in ihrer Materialität und Funktionalität kompetent gehandhabt werden müssen. Ihre handlungsermöglichenden und -beschränkenden Einflüsse erwachsen also relativ zu den mit Praktiken verfolgten Vorhaben, dazu benötigten Fertigkeiten und damit verbundenen Deutungen und Bewertungen (Schatzki 2002: 71). Folglich bleibt die Akteursähnlichkeit von Gegenständen eine Zuschreibung von Handlungsfähigkeit, ohne dass sie über handlungsbefähigendes Können und Wissen sowie eine „Einsicht in und ein Urteil über die praktische Situation, in der sie eingesetzt werden soll[en]“ (Hörning 2001: 165), verfügen. Traditionen Die Reflexion praxistheoretischer Argumente bzw. praxistheoretisch kongruenter Positionen erfolgt in der Kommunikations- und Medienforschung in drei miteinander verbundenen Traditionen: Erstens werden mit Bezug zu den Cultural Studies praxistheoretisch komplementäre Analysen von Produktions- und Aneignungspraktiken durchgeführt. Hier und in anderen Forschungsrichtungen werden zweitens dem praxistheoretischen Spektrum zugerechnete Autoren selektiv rezipiert, insbesondere Bourdieu und Giddens. Schließlich finden sich drittens Beiträge, die sich explizit praxistheoretisch positionieren. Für die an den Cultural Studies orientierte kulturalistische Kommunikations- und Medienforschung existieren bereits zahlreiche Überblicke, weshalb sie hier nur kursorisch behandelt wird (z. B. Hepp/Winter 2008; Durham/Kellner 2012). Dagegen gibt es bislang kaum Anläufe, die disparaten praxeologischen Referenzen in ein entsprechendes Forschungsprogramm zu bringen. Komplementäre Ansätze: Cultural Studies und Medienanalyse Die Cultural Studies nehmen in einigen Rekonstruktionsversuchen als zeitlich parallele und inhaltlich kongruente kulturtheoretische Richtung selbst einen Platz im Feld der Praxistheorien ein, zumal sie auf praxistheoretisch verortbare Autoren rekurrieren (Reckwitz 2008a: 100; Hillebrandt 2014: 18-26). Der von Hall und Williams kommende Anstoß geht dahin, die Wechselwirkungen und Dominanzverhältnisse im En- und Decodieren kultureller Repräsentationen „through the articulation of connected practices“ (Hall 1973/1999: 508) zu studieren. Der Fokus liegt dabei auf Alltagskulturen und dem alltäglichen Hervorbringen von Bedeutungen im Zusammenspiel semantisch-inhaltlicher und medial-materialer Ebenen kultureller Artikulation. Kultur sei dabei, wie Hall (1980: 30; Herv. i. O.) rückblickend erklärt, keine nachträgliche Reflexion gesellschaftlicher Praxis, sondern integraler Aspekt und also „itself a practice – a signifying practice – and had its own determinate product: meaning“. Mit dieser Annahme verbunden ist zum einen das Hinwenden zu lokalen und kontingenten statt universalen und dauerhaften Wissensordnungen, womit eine Gemeinsamkeit mit der praxistheoretischen Ausrichtung auf Differenzen von Handlungs- und 3. 3.1 Pentzold · Praxistheorien in Kommunikations- und Medienforschung 233 Sinnmustern zwischen und innerhalb von Praxisfeldern, einzelnen Praxisteilnehmern sowie Kollektiven besteht (Reckwitz 2000: 617). In beiden werden Kategorien wie Geschlecht, Klasse oder ethnische Zugehörigkeit nicht als empirische Einheiten substantialisiert, sondern die fortlaufenden und veränderungsoffenen kulturellen Prozesse untersucht, in denen diese hervorgebracht werden. Zum anderen ist damit die Auseinandersetzung mit dem Herstellen und Aneignen medienvermittelter Inhalte und medialer Technologien in Alltagspraktiken verknüpft (Hörning/Reuter 2008: 120f.). Die entsprechende praxistheoretisch anschlussfähige Orientierung findet sich besonders in der Nachfolge von de Certeaus (1988: 16) Beschäftigung mit den „abertausend Praktiken“ der kunstfertig-widerständigen Aneignungstaktiken polysemer Medientexte (Silverstone 1989; Winter 2007). Selektive Adaptionen: Bourdieu und Giddens als Referenzen der Kommunikationsund Medienforschung Die zweite Traditionslinie bilden Adaptionen einzelner, zum praxistheoretischen Kanon gezählter Autoren. Kommunikationswissenschaftlich besonders intensiv werden dabei Bourdieu und Giddens rezipiert, während andere praxistheoretisch relevante Beiträge, wie von Garfinkel, Foucault und Latour, vergleichsweise selten aufgegriffen werden. Auf Garfinkels Ethnomethodologie beziehen sich vor allem konversationsanalytische Arbeiten zum situativen kommunikativen Aneignen von Medieninhalten. Foucaults Vorstellungen zur Gouvernementalität werden mehrheitlich in diskursanalytischen Studien des Durchsetzens hegemonialer Deutungsmuster etwa in Bezug zu Geschlechterverhältnissen, sozialen Ungleichheiten oder ethnischen Unterschieden mobilisiert. Latour und die mit ihm verbundene Aktor-Netzwerk-Theorie sind vor allem in Untersuchungen sozialer und materieller Aspekte von Medientechnologien in Gebrauch. Auf Bourdieu beziehen sich kommunikationswissenschaftliche Vorhaben, welche die lebensweltliche Relevanz von Medieninhalten im Verhältnis zu Praxisformen, subjektivem Sinnverstehen und soziostrukturellem Kontext erklären wollen. Das analytische Potenzial des Habitus-Konzepts liegt dabei in der doppelten Bedeutung von Habitus als Produkt und Erzeugungsprinzip alltagskultureller Praktiken. In den Kommunikationswissenschaften wird es entsprechend eingesetzt, um das Ausbilden von Präferenzen für Medienangebote, das Wahrnehmen, Beurteilen und Aneignen von Medieninhalten sowie das Bewerten von Formen der Mediennutzung und -produktion zu verstehen. Zudem wird Bourdieus Begriff des sozialen Feldes mobilisiert, um die Entwicklung des Journalismus bzw. der Public Relations hinsichtlich feldspezifischer Kapitalien, Kommunikationsformen, der Interaktion von Handlungslogiken gesellschaftlicher Sphären und berufsständischer Selbstverständnisse zu erfassen (Übersichten bei Weiß 2009; Wiedemann/Meyen 2013; Park 2014; Wiedemann 2014). Die Annahme einer Dualität von strukturgeprägten und -prägenden Handlungsmustern liegt der kommunikationswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Giddens’ Strukturationstheorie zugrunde (Banks/Riley 1993). Besonders intensiv diskutiert wird sie in Studien des adaptiven Einsatzes von Kommunikationstechnologien in Organisationen und damit verknüpftem organisationalem Wandel sowie überhaupt des kommunikativen Konstituierens von Organisationsstrukturen und -entscheidungen (z. B. Taylor/Van Every 2000; McPhee/Zaug 2006). Auf die Strukturationstheorie wird weiterhin referiert, um das Reproduzieren von Öffentlichkeit im einander bedingenden Zusammenspiel von Kommunikationsstrukturen und Kommunikationshandlungen zu erklären (Weder 2008; Webster 2011). Giddens’ (1979: 44) Überlegungen zum Aufrechterhalten sozialer Ordnung als „continuous flow of conduct“ und so zur Kohäsion und 3.2 M&K 63. Jahrgang 2/2015 234 Reproduzierbarkeit musterhafter Praktiken, die sich in Referenz auf Praktiken formieren, werden wiederum von Studien aufgegriffen, die vermittels des wechselseitigen Generierens von kontinuierlich ablaufenden, seriell strukturierten Medienangeboten und zyklisch-routinierten Gewohnheiten, sich Medien zuzuwenden, das Herstellen kollektiver Erfahrungen trotz disperser Publika erklären (Scannell 1988; Morley 1992: 287; Moores 2005: 9-34). Insgesamt ist für diese Adaptionen bezeichnend, dass entsprechend fachlicher und gegenstandsbezogener Orientierungen Aspekte aufgegriffen werden, während andere wenig Beachtung finden. Bei Bourdieu sind dies die Auseinandersetzung mit Habitus, sozialem Kapital und sozialem Feld und bei Giddens die Dualität von Struktur als ein Konzept der Strukturationstheorie, während auf Bourdieus Überlegung zum praktischen Sinn, Giddens’ Diskussion von praktischem und diskursivem Bewusstsein sowie auf das praxeologische Axiom des basalen lebensweltlichen und epistemologischen Status von Praktiken nur vereinzelt referiert wird. Explizite Anwendungen: Medienbezogene Praktiken Eine dritte Traditionslinie kann aus weitgehend unverbundenen Ansätzen, die explizit auf Praxistheorien rekurrieren, zusammengesetzt werden. Unter den Vorzeichen einer kulturalistischen Kommunikations- und Medienforschung erklärt Couldry (2004, 2012), dass ein praxistheoretisches Herangehen weder nach klaren Medieneffekten noch nach den politischen und ökonomischen Determinanten der Medienherstellung fragt. Statt die Zusammenhänge zwischen Form und Inhalt von Medientexten, Mustern des Medienkonsums und individuellen Verhaltensänderungen auf funktionalistische Erklärungen zurückführen zu wollen, fragt er (2004: 118): „What types of things do people do in relation to media? And what types of things do people say in relation to media?“. So gebraucht er den Verweis auf Praxistheorien dazu, die strukturellen Dimensionen von Medien als diskursive Texte, als Technologien und als Organisationen sowie das Erzeugen, Verbreiten, Rezipieren und Aneignen medienvermittelter Bedeutungsangebote ausgehend von beobachtbaren Handlungsmustern zu verstehen: „media“, fasst er zusammen, „are best understood as a vast domain of practices“ (2012: 44). Die Aufgabe einer so orientierten Medienanalyse wäre, die Heterogenität medienbezogener Praxis zwar zu akzeptieren, aber zu rekonstruieren, wie medienkommunikative Prozesse in einzelnen, benennbaren und unter zu klärenden Umständen miteinander verknüpften Praktiken hervorgebracht werden. Dazu schlägt Couldry (ebd.: 35) eine Klassifizierung medienbezogener Handlungsmuster vor in erstens Praktiken mit direktem Medienbezug, die damit das klassische Gegenstandsfeld kommunikationswissenschaftlicher Mediennutzungs- und Medienproduktionsforschung umfassen. Zweitens nennt er Praktiken, die Medien einbeziehen, ohne dass die Handlungsabsichten direkt auf deren Nutzung bzw. Gestaltung gerichtet sind, worunter mindestens in westlichen Gesellschaften die Mehrheit alltäglicher und professioneller Praxisfelder fallen würde, in denen Medien verfügbar sind. Schließlich nennt er drittens Praktiken, deren Möglichkeitsbedingungen durch Medien konditioniert sind, womit auf Mediatisierung als verschiedentlich postulierten, historisch diskontinuierlich und kulturell disparat verlaufenden sozialen Meta-Prozess verwiesen ist. Im Rahmen der kulturalistischen Medien- und Kommunikationsforschung liegt für Göttlich (2010: 29) der Grund, Medien als „Durchgangspunkte sozialer Praktiken“ zu verstehen, gerade in Mediatisierungsprozessen. In ihrem Verlauf sollen sich medienvermittelte Kommunikationsformen vervielfältigt haben, Medien seien verschiedentlich in den Alltag eingedrungen, und überhaupt würden Medien eine gestiegene Orientierungs- 3.3 Pentzold · Praxistheorien in Kommunikations- und Medienforschung 235 funktion für die alltägliche Lebensführung haben. Im entsprechenden „Alltag der Mediatisierung“ (ebd.: 23) transportierten die so zentraler für das Sozialgeschehen werdenden Medien nicht allein Botschaften, sondern sie bedingten das Entstehen und Tradieren der Mehrheit kurrenter Praxisformen. Deren praxisbezogene Analyse sollte, so Göttlich (ebd.: 30), das Verhältnis zwischen dem kreativen Formieren neuer Praktiken und deren routinisierter Reproduktion sowie die dabei involvierten Medienartefakte berücksichtigen (auch Hörning/Reuter 2008: 117-121; Postill 2010: 12). Mit anderen Schwerpunkten diskutiert Raabe (2008, 2009) den kommunikationswissenschaftlichen Ertrag einer praxistheoretischen Perspektive. Kommunikation als soziale Praxis verstanden impliziert demnach, sie weder als Informationsvermittlung noch als Ausdruck rationalen Abwägens zu sehen, sondern kommunikative Vermittlungs- und Verständigungsvorgänge gerade im Zusammenspiel von Gewohnheitsbildung sowie dazu notwendigen kommunikativen Kompetenzen und Reflexionsschleifen, um Verstehen rekursiv herzustellen, zu studieren. Analog zur Überlegung von Couldry, die Totalität praktischer Vollzugswirklichkeit auf separate Praktiken zurückzuführen, fordert Raabe (2008: 374-375) Kommunikationspraktiken und damit verbundene handlungspraktische Fertigkeiten, Deutungs- und Wahrnehmungsmuster zu identifizieren, durch deren Verkettung sich gesellschaftliche Handlungssphären konstituieren, wie etwa durch Praktiken der Public Relations, des Journalismus, des Gaming oder Crowdsourcing. Diese Kommunikationspraktiken sind, so Craig (2005: 38), wiederum Gegenstand meta-kommunikativer Praktiken, in denen ihre Voraussetzungen, Bedingungen und Konsequenzen reflektiert werden würden. Als solche bildeten sie die akademische Disziplin der Kommunikationswissenschaften, so wie die Politikwissenschaft die Praktiken der Politik oder die Literaturwissenschaft literarische Praktiken zum Gegenstand hätten. Perspektiven Im Folgenden werden von den erläuterten Prinzipien her praxistheoretisch fundierte analytische Perspektiven aufgemacht. Damit ist kein definitives Spektrum abgesteckt, sondern es werden drei Richtungen erfasst, die an Forschungsfelder der kulturalistischen Kommunikations- und Medienforschung anschließen und in publizierten empirischen Studien dokumentiert sind. Das in den drei Perspektiven anvisierte Vorhaben, Formen des Medienumgangs und damit einhergehende weitergreifende soziale Veränderungsprozesse auf die Vollzugswirklichkeit medienbezogener Praktiken zurückzuführen, geht vom performativen Ausdruck von Sinnverstehen aus. Damit werden Handlungsakte als intelligible exemplarische Praxisvollzüge von den Teilnehmenden angezeigt bzw. lassen sich als solche von Beobachtern identifizieren (Schatzki 1996: 109f.; Reckwitz 2000: 615; Schmidt 2012: 240).2 Ausgehend vom Prinzip der Rekursivität ist die erste praxistheoretische Perspektive darauf orientiert, die Transformation kollektiver Weisen der Mediennutzung auf Ver- änderungen der geteilten Praxisformen zurückzuführen. Konkret wird sie von Studien eingenommen, die den medienbezogenen Wandel professioneller Praxisgemeinschaften rekonstruieren. Entsprechend dem Prinzip der körperlichen Relationalität liegt der zweiten Perspektive daran, alltäglichen Medienumgang über sprachlich vermitteltes, reflexives Lernen sowie nicht verbalisiertes, körperlich-motorisches Einüben handlungspraktischen Könnens zu bestimmen. Dieser Richtung folgen Studien, die die Medien- 4. 2 Ausführlich dazu schon die Beschäftigung mit der Performativität sozialen Lebens bei Goffman und Austin. Für eine Zusammenfassung vgl. Willems (2000). M&K 63. Jahrgang 2/2015 236 bezogenheit des Alltags nicht mit dem Wirken medienvermittelter Botschaften allein begründen, sondern sie ausgehend vom regelmäßigen häuslichen Einbeziehen von Medientechnologien und -inhalten erfassen. Vom Prinzip der dinglichen Relationalität abgeleitet zielt die dritte Perspektive darauf zu verstehen, welche Handlungsoptionen im Zusammenspiel körperlicher Kompetenzen, kollektiver Wissensordnungen und medientechnologischer Varianten entstehen und bestehen bleiben. In dieser Perspektive auf soziomaterielle Affordanzen analysieren Studien das wechselseitige Ausgestalten und Stabilisieren von Medientechnologien und medienbezogenen Praktiken. Wandeln kollektiver Mediennutzung In dieser Perspektive werden Medien nicht als Faktoren sozialer Transformation vorausgesetzt, sondern es sind gerade die „centering processes“ (Couldry 2012: 23) zu rekonstruieren, mittels derer sie zu wesentlichen Handlungsressourcen im Wandel kollektiver Weisen der Mediennutzung werden (Mikos 2005: 83). Mit dieser Maßgabe untersuchten Driessens und Kollegen (2010) Personalisierung als Aspekt der Mediatisierung von Politik. Im Unterschied zu Studien, die sich dabei auf Nachrichten als Medienformat und auf Wahlkämpfe als Phasen des politischen Betriebs und der politischen Kommunikation konzentrierten, setzten ihre Interviews am Tagesgeschäft flämischer Politiker an, um zu bestimmen, welche Praktiken diese in direkter und indirekter Relation zu Medien ausübten. Die so eingenommene Perspektive auf den medienbezogenen Wandel professioneller Praxisgemeinschaften hatte den gesamten Alltag der Politiker im Blick, weil, wie Couldry (2004: 121) erklärt, „it distances us from the normal media studies assumption that what audiences do (‚audiencing’) is a distinctive set of practices rather than an artificially chosen ‚slice’ through the daily life that cuts across how they actually understand the practices in which they are engaged“. Statt die mediale Prominenz von Politikern und ihres öffentlichen und privaten Lebens als Resultat einer funktionalen Medienlogik zu sehen, in der einzelne Akteure und das politische System den medialen Anforderungen an Präsenz, Inszenierung, Terminierung und professioneller Arbeitsweise entsprachen, verfolgte die Studie die rekursiven Tätigkeiten, mit denen Teilnehmer am Praxisfeld Politik auf die von ihnen wahrgenommenen medialen Repräsentationen ihrer Person und ihres Handlungsfeldes als auch auf die als relevant erachteten medienbezogenen Aktivitäten und Repräsentationen anderer Politikerpersönlichkeiten und den daraus abgeleiteten Zugzwängen reagierten. Personalisierung entwickelte sich folglich weder als systemische Anpassung durch das Reflektieren erwarteter medialer Erwartungen noch durch kalkulierte Einzelentscheidungen, sondern sie wurde in Praktiken hervorgebracht, so Driessens und Kollegen (2010: 321-322), mittels derer Politiker versuchten, im Bezug auf die von ihnen reflektierten medialen und berufsfeldbezogenen Entwicklungen erstens ihr Image zu gestalten, zweitens Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Tätigkeiten sowie Handlungssphären zu definieren und drittens den Einfluss der Medien auf ihre Tätigkeiten bzw. Handlungsmöglichkeiten und den politischen Betrieb insgesamt zu kontrollieren. Entsprechend bedienten flämische Politiker ihr öffentliches Bild als kompetente und emsige „Aktentaschen-Politiker“ dadurch, dass sie medienwirksam vermehrt mündliche parlamentarische Anfragen stellten, während der Parlamentspräsident diese Betätigung limitieren wollte, um die Arbeitsfähigkeit der Ausschüsse und des Plenums nicht zu korrumpieren. Das strategische Ergreifen bzw. Vermeiden medienbezogener Praktiken war darüber hinaus geprägt durch geschlechtliche Unterschiede, etwa indem Politikerinnen die Sorge äußerten, der mediale Fokus auf ihre politische Betätigung könnte ein negatives Image als amts- oder machtversessene Karrieristinnen befördern, so dass sie quasi als 4.1 Pentzold · Praxistheorien in Kommunikations- und Medienforschung 237 Ausgleich Einladungen zu Unterhaltungsprogrammen annahmen. Zudem wurde Praxisbeteiligung reglementiert, beispielsweise als die Abgeordneten des rechtspopulistischen Vlaams Belang nicht nur von der Regierungsbeteiligung, sondern auch von populären Medienangeboten ausgeschlossen wurden. Der praxistheoretische Impuls für die Analyse des Wandels kollektiver Weisen der Mediennutzung liegt in dieser Perspektive darin, die involvierten Akteurskonstellationen als Praxisgemeinschaften zu untersuchen, die sich rekursiv im Verhältnis zu den als relevant wahrgenommenen medialen Angeboten und Anforderungen konstituieren und transformieren. Anders als bei den häufig studierten makrostrukturellen politischen und ökonomischen Herstellungs- und Rezeptionsverhältnissen, arbeitsteiligen Abhängigkeits- und kulturellen Dominanzbeziehungen von Medienproduktion und -nutzung liegt der Fokus hier auf der handlungspraktischen Mikroebene des Formierens und Ver- änderns kollektiver Mediennutzung ausgehend von geteilten Formen medienbezogener Praxis. Als Praxisgemeinschaften werden sie, wie Lave und Wenger (1991) schon ausführen, durch Einüben von Bewegungsabläufen, (kommunikativen) Wissens- und Erfahrungsaustausch und das Aufbauen fachlicher Identitäten konstituiert, und sie transformieren sich ausgehend vom sozial erwartbaren Praxisvollzug und der differenzierten Praxisbeteiligung. Für das Rekonstruieren professioneller Praktiken ist es hilfreich, mit Schatzki (1996: 91-110) zwei Praxistypen zu unterscheiden. Integrative Praktiken begründen lebensweltlich separate Handlungssphären wie die der Politik. Sie werden im Rekurs auf drei Arten an Wissensordnungen konstituiert und können entlang dieser Dimensionen rekonstruiert werden: Einmal durch (partielles) Erfassen handlungspraktischen Wissens, dann durch Bestimmen mehr oder weniger kodifizierter Regeln und schließlich durch Ermitteln der mit einer Praktik verfolgbaren Absichten und Pläne sowie des damit verbundenen affektuell-motivationalen Wissens. Disperse Praktiken finden sich dagegen in verschiedenen Handlungsfeldern, etwa als Praktiken des Beschreibens, Zeigens, Fragens oder Erklärens. In eine geordnete, sinnhafte Form gebracht werden sie allein durch das handlungspraktische Wissen, kompetent teilzunehmen und das Verrichten einer Praktik zu identifizieren und gegebenenfalls angemessen und gekonnt zu reagieren, so dass ihre Rekonstruktion ausgehend von diesen häufig implizit bleibenden Wissensbeständen erfolgen muss (Giddens 1997: 74; Couldry 2012: 40). Die Auseinandersetzung mit dem Wandel von Praktiken wiederum geht davon aus, dass das Realisieren dieser Ordnungen in Bewegungs- und Verstehensspielräumen variabel ist (Shove/Pantzar/Watson 2012; Schäfer 2013: 38-44). Praktiken sind zugleich wiederholend als auch erzeugend, wenn kontingente Bedingungen berücksichtigt werden müssen, weil die Zeitlichkeit ihres Vollziehens Zukunftsungewissheiten und potenzielle Sinnverschiebungen mit sich bringt und Kreativität notwendig machen kann. Konstituieren häuslichen Medienumgangs Diese Perspektive begrenzt die Bedeutung von Medien für den häuslichen Alltag nicht auf den Einfluss der von ihnen vermittelten Inhalte, sondern führt ihre Präsenz zurück auf ihren Anteil am Durchführen von Praktiken im Tagesablauf und so, wie Bausinger (1983: 24) erklärt, an der „Bedingungsstruktur gelebten Lebens“. Mit dieser Orientierung untersuchten Pink und Mackley (2013) in einer ethnografischen Studie von zwanzig britischen Haushalten den Umgang mit Medien im Herrichten des Zuhauses entsprechend der tageszeitlichen Beschäftigungen und erwartungsgemä- ßen Handlungsrahmen. Dies umfasste auf der einen Seite das Wahrnehmen medienvermittelter Inhalte, das einen Teil gemeinsam oder allein vollzogener häuslicher Aktivitä- 4.2 M&K 63. Jahrgang 2/2015 238 ten bildete bzw. parallel und mit variabler Aufmerksamkeitszuwendung zu anderen Verrichtungen erfolgte. Medien beeinflussten in dieser Hinsicht häusliche Abläufe, indem das Rezipieren und Aneignen von Informations- und Unterhaltungsangeboten zum Spektrum gewöhnlich daheim durchgeführter Tätigkeiten gehörte und mehr oder weniger große Anteile am hier verfügbaren Zeitbudget einnahm. Medieninhalte konnten zudem reflexiv auf alle Aspekte des häuslichen Lebens bezogen werden und so das Ausgestalten von räumlichen Einrichtungen, temporalen Strukturen, Beziehungen und Aktivitäten informieren. Auf der anderen Seite bildeten Medien als Gegenstände eine erfahrungsmäßige und für gewöhnlich unhinterfragte Dimension des Zuhauses, das entsprechend ihrer Verfügbarkeit als mehr oder weniger „ordentlich“ erlebt wurde.3 Mittels „mundane and not usually spoken about routines of everyday living“, so Pink und Mackley (2013: 678), „media are engaged for affective and embodied ways of making the home ‚feel right’.“ Entsprechend beobachteten sie beispielsweise morgens und abends durchgeführte Praktiken des An- bzw. Ausschaltens von Mediengeräten, die mit wiederkehrenden Beschäftigungen wie An- und Ausziehen, Licht löschen oder Aufräumen einhergingen und darauf gerichtet waren, mit deren materialer Form und technologischer Funktionalität umzugehen, um das häusliche Umfeld als behaglich zu erleben. Der praxistheoretische Impuls für die kulturalistische Kommunikations- und Medienforschung zum alltäglichen Medienumgang liegt in dieser Perspektive darin, die insbesondere im Kontext des Domestizierungsansatzes erfolgte Analyse des Diffundierens und Kontextualisierens von Medien auf die Einbettung ihrer materialen und symbolischen Aspekte in bestehende, und eventuell von ihnen veränderte, häusliche Routinen zu fokussieren (Morley 2000: 86-90; Moores 2012). Die Vorgänge, durch die Medien geläufige Bestandteile der sozialen Wirklichkeit werden, lassen sich folglich nicht als separate, vom übrigen Alltagsgeschehen zu trennende Formen des Medienumgangs eingrenzen, in denen Inhalte bzw. Technologien aufgenommen werden und häuslicher Alltag reziprok angepasst wird (Röser 2007: 15; Hartmann 2013: 21-24). Der praxistheoretische Impuls geht vielmehr dahin, die „mediale Phänomenologie des Alltags“ (Scannell 1995) nicht medienzentriert, sondern ausgehend von der Breite häuslich für gewöhnlich durchgeführter Praktiken zu studieren und hiervon zu rekonstruieren, inwiefern der Umgang mit Medieninhalten bzw. -technologien mit alltäglichen Verrichtungen einhergehen kann, darin eingebunden ist, unbedingt erfolgt oder gemieden wird (Bird 2010; Woodstock 2014). Erst durch diese differenzierte Verknüpfung einzeln identifizierbarer Alltagspraktiken mit Medien als technischen Geräten und kommunikativen Inhalten realisiert sich auf einer handlungspraktischen Ebene die Kontinuität und Transformation des Haushalts als eines „media-saturated“ (Couldry 2012: 40) Handlungsraums. Instruktiv für das Rekonstruieren des Zustandekommens regelmäßigen Medienumgangs ist die Unterscheidung in Gewohnheiten und Routinen, denn das Erwerben von Praxis- und so Medienumgangskompetenz muss nicht allein als homologes Umsetzen regelmäßiger Handlungsvollzüge geschehen. Während Bongaerts (2007: 256) Gewohnheiten im Sinne Bourdieus als vorreflexives körperliches Einstellen von Handlungsweisen sieht, sind Routinen für ihn wiederholte Tätigkeiten, die ursprünglich bewusst trainiert wurden und denen dabei Reflexionen zugrunde lagen. Mit Berger und Luckmann (1969/2004: 56f.) kann bei diesem ehedem bewussten Handeln, das zur Routine geworden ist, von „Habitualisierung“ gesprochen werden. Entsprechend sind alltägliche Praktiken nicht per se konservatorisch, so als ob sie bestehende Muster der Mediennutzung 3 Zur Gewährung erwartungssicherer Häuslichkeit anschlussfähig ist Giddens’ Überlegung zur ‚ontologischen Sicherheit’. Vgl. Hartmann (2013: 112-114). Pentzold · Praxistheorien in Kommunikations- und Medienforschung 239 und Haushaltsorganisation eher erhielten als veränderten. Vielmehr können das Ausbilden von Gewohnheiten, deren Regelmäßigkeit erst nachträglich zu bestimmen ist, und das Einüben von Routinen, die reflexiv gestaltbar sind, differenziert werden. Häuslicher Medienumgang umfasst damit sowohl Formen des iterativen Fortdauerns von Handlungsmustern und damit tradierter Sinnmuster als auch des Neu- oder Umgestaltens medienbezogener Aktivitäten, wobei solche Transformation stets wieder performativ auf der Basis stabil bleibender Praxisregelmäßigkeiten und nicht durch einen Bruch mit allen Bewegungs- und Denkmustern zu erreichen ist. Während im Routinisieren die Kompetenzen, Regeln und Ziele, die mit dem Vollzug integrativer Praktiken einhergehen, expliziert und bewusst erlernt werden können, verläuft das gewohnheitsmäßige Umsetzen vor allem disperser Praktiken über das Einüben von Fertigkeiten, bei dem sprachlich vermitteltem Wissen eine nachgeordnete Rolle zukommt. Ausgestalten medialer Affordanzen Für diese Perspektive folgen der Umgang mit Medien als materiellen Objekten und ihre praxisbeeinflussenden und von der Praxis beeinflussten „Prägekräfte“ (Hepp 2013: 49) weder vergegenständlichten technologischen Imperativen noch gehen sie in sozialem enactment auf. Vielmehr gründen sie im wechselseitigen Ausgestalten und Stabilisieren von Medientechnologien und medienbezogenen Praktiken (Schulz-Schaeffer 2000: 64-84; Hörning/Reuter 2008: 120f.). Eine Möglichkeit, diese praxistheoretische Sicht auf das wechselseitige Bedingen von Praktiken und sozial gemachten und gebrauchten Medientechnologien zu vertiefen, ist das Konzept der affordances bzw. Affordanzen, das in der Technik- und Mediensoziologie rezipiert wurde (Zillien 2008; Lievrouw 2014). Affordanzen von Medientechnologien sind für Hutchby (2001: 447) die „possibilities that they offer for action“, was Schmidt (2012: 63) mit „Gebrauchsgewährleistungen“ übersetzt. Anders als im ursprünglich wahrnehmungspsychologischen Konzept von Gibson (1982) angedacht, braucht der funktionale Angebotscharakter von Objekten nicht invariant zu sein und muss nicht in jedem Fall direkt erfasst werden können. Praxistheoretisch verstanden gründen vielmehr ihre Affordanzen im (im-)materialen Aufbau und im praktischen Gebrauch, der lern- und erfahrungsabhängig von Fertigkeiten, Vorhaben und Handlungssituationen bedingt ist. Die Gestaltung von Medientechnologien verweist demnach zwar häufig auf geplante Vorzugsnutzungsmuster, doch aktualisiert sich das Repertoire potenzieller Ermöglichungen oder Beschränkungen erst im handlungspraktischen Umgang und der aktualisierten Relation von Teilnehmern, Technologien und Praktiken (Bloomfield/Latham/Vurdubakis 2010). Erreicht der Umgang mit Objekten eine reflexive Stufe, kann zudem versucht werden, Affordanzen im Verhältnis zu Leitbildern und technischen Entwürfen zu verhandeln und zu manipulieren, wie die Studien zur sozialen Konstruktion von Technologien demonstrierten. In der kulturalistischen Kommunikations- und Medienforschung wurde das Affordanzkonzept eingesetzt, um zu erklären, wie sich soziale Kommunikationsformen und Medientechnologien wechselseitig herausbilden (Schmidt 2011: 65; Nielsen 2012). Mit dieser Blickrichtung wurde das fortlaufende Gestalten und Deuten von Kommunikationstechnologien als „technologies-in-practice“ (Orlikowski 2000: 407) in Managemententscheidungen und organisationalen Routinen von Wirtschaftsunternehmen untersucht. Davon ausgehend rekonstruierte Graves (2007: 340-344), wie Nachrichtenblogs als Genre von Weblogs entstanden, indem etablierte, aber nicht-öffentliche journalistische Tätigkeiten des Filterns, Vergleichens, Gegenprüfens und Bewertens nachrichtlicher Fakten, die als redaktionelle Praktiken dem publizierten Text vorausgingen, mit den 4.3 M&K 63. Jahrgang 2/2015 240 in Weblogs programmierten Funktionalitäten nachträglich, öffentlich, auf Dauer und mit Quellen umgesetzt wurden. Darauf aufbauend untersuchte Siles (2012) die Genese von Weblogs als Prozess der Variation und Stabilisierung. Er beschrieb, wie in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gebräuchliche Nutzungsmuster von Webseiten als private Tagebücher, Distributionsportale persönlicher Texte und Linksammlungen zunehmend alle mittels einer chronologisch geführten Webseite erledigt werden konnten. Im Gegenzug gestalteten die Anbieter die hierzu populäre Blogger-Software aus, um das Erledigen dieser Praktiken zu vereinfachen und die Software am Markt durchzusetzen, was in der Folge bedeutete, dass sich die hiermit gebräuchlichen Nutzungsformen als verständliche, geteilte und erwartbare Praktiken des Bloggens etablierten. Was der Analyse von Affordanzen indessen fehlt, ist ein differenziertes Verständnis von Medien als Objekten und Inhalten. Ausgehend von Williams (1990) nutzt der Domestizierungsansatz diese Unterscheidung und analysiert Medien als materiale Gegenstände und Vermittler symbolisch codierter Botschaften, die in beiden Aspekten Stufen des Kommodifizierens, Aneignens und Umwandelns durchlaufen (z. B. Silverstone 1994). Die praxistheoretische Perspektive auf mediale Affordanzen kann diese „doppelte Artikulation“ von Medien als kulturellen Bedeutungsträgern aufgreifen, ohne einen sozialen und materialen Determinismus einzunehmen und ohne, wie am Domestizierungsansatz kritisiert, neue Medien zu bevorzugen. Vielmehr werden ausgehend vom alltäglichen Medienumgang das Variieren und Stabilisieren medialer Affordanzen als mediengeschichtlich betrachtet häufig kontinuierlich, praktisch gesehen aber immer wieder kontingent zu erbringende, rekursive Relation von medienvermittelten Inhalten, der Form bzw. Funktionalität von Medientechnologien und medienbezogenen Praktiken erfasst (Siles/Boczkowski 2012; Hartmann 2013: 117ff.). Ausblick: Methodologie praxistheoretischer Kommunikations- und Medienforschung In diesem Beitrag wurde erstens das Feld der Praxistheorien entlang der Prinzipien Rekursivität und Relationalität als kulturtheoretische Handlungserklärung präsentiert. Im Sichten praxistheoretisch informierter bzw. kongruenter Ansätze der Kommunikationsund Medienforschung wurde argumentiert, dass die vergleichsweise sporadische explizite Auseinandersetzung mit Praxistheorien durch die vorweggenommene Beschäftigung mit einem komplementären Programm im Rahmen der Cultural Studies und durch die selektive Adaption kanonischer Autoren zu begründen ist. Die drittens vorgestellten Perspektiven für die kulturalistische Medien- und Kommunikationsforschung dienen dazu, Untersuchungen des Wandels kollektiver Weisen der Mediennutzung, des gewohnheitsmäßigen und routinisierten häuslichen Medienumgangs und des Ausgestaltens medialer Affordanzen auf medienbezogene Praktiken zurückzuführen. Abschließend wird hier ein Ausblick auf methodologische Implikationen unter der praxeologischen Prämisse eines reflexiven Forschungsstils gegeben. Als methodologisches Prinzip meint Reflexivität, dass jedes praxeologische Vorhaben, so Bourdieu, gemäß der „epistemologischen Wachsamkeit“ (1988: 52) seine Bedingungen reflektieren muss, denn, wie er später erklärt, die „Praxis hat eine Logik, die nicht die der Logik ist, und folglich läuft man bei jeder Anwendung der logischen Logik auf die praktische Logik Gefahr, die Logik, die man beschreiben möchte, mit Hilfe des Instruments, das man zu ihrer Beschreibung verwendet, zu zerstören“ (1998: 146f.). Auf die Kommunikationswissenschaft übertragen bedeutet dies, so Raabe (2008: 377), dass der Realitätsstatus der (re-)konstruierten Forschungsgegenstände sowie der Gebrauch alltagsvernünftiger Vorstellungen zu reflektieren wären. Wesentlicher Schritt in Bourdieus Bemühen, eine pra- 5. Pentzold · Praxistheorien in Kommunikations- und Medienforschung 241 xeologische Untersuchungshaltung zu formulieren, ist das Übertragen des Praxisgedankens auf die wissenschaftlichen Prozeduren selbst und die Forderung, ihre Dispositionen und Evidenzen zu objektivieren. Kongruent zu diesem praxeologischen Forschungsstil folgt die methodologische Haltung der Cultural Studies dem Anspruch, dass sich Theoriekonstruktion und Forschungsprozess gegenseitig bedingen, so dass zum einen empirische Sachverhalte erst durch theoretische Perspektiven zugänglich werden und zum anderen Theorien kontextbezogen aus der Forschungspraxis hervorgehen. Weiterhin analog zu praxeologischen Überlegungen zur reflexiven Wissenschaftspraxis steht ihre Forderung nach einer gegenstandsnahen, verstehenden empirischen Forschung, die sich selbst als „bestimmte Art von intellektueller Praxis“ (Grossberg 1999: 55) begreift und ihre disponierte Erkenntnishaltung hinterfragt (Winter 2008: 81f.). Im Blick auf die Traditionen kulturtheoretisch fundierter Kommunikations- und Medienforschung und ihrer Weiterführung abseits praxistheoretischer Ambitionen werden abschließend die Leerstellen der entworfenen Perspektiven deutlich. Dies betrifft erstens das Verständnis kommunikativer Praktiken und die Frage, was sie von anderen sinnhaften und Sinn ausdrückenden sozialen Praktiken unterscheidet. Zweitens ist der Zusammenhang zwischen dem Habitualisieren medienbezogener Praktiken, den Formen ihrer Institutionalisierung als erwartbare und legitime Tätigkeiten sowie dem Objektivieren von Medienensembles und dem Typisieren von Praxisteilnehmern eingehender zu analysieren. Zu leisten wäre dabei drittens der Anschluss an das Feld handlungsund kulturtheoretischer Ansätze der Sozialforschung, wie zum Beispiel an den in der kulturalistischen Kommunikations- und Medienforschung vermehrt aufgenommenen und fortgeführten sozialen bzw. neuerlich auch kommunikativen Konstruktivismus (Keller/Knoblauch/Reichertz 2013). Dazu zählt schließlich auch die Beachtung der von Elias angestellten Überlegungen zu interdependenten Handlungen und Beziehungen, wie sie in der Analyse kommunikativer Figurationen aufgegriffen wurden (Hepp/Hasebrink 2014). Literatur Adolf, M. (2007): Die Medienkulturwissenschaft der Cultural Studies. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 32(4), 66-89. Banks, S./Riley, P. (1993): Structuration Theory as an Ontology for Communication Research. In: Deetz, S. (Hg.): Communication Yearbook 16. London: Routledge, 167-196. Bausinger, H. (1983): Alltag, Technik, Medien. In. Pross, H./Rath, C.-D. (Hg.): Rituale der Medienkommunikation. 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Abstract

This paper discusses the contribution of theories of practice to culturalistic communication and media research. Starting from ambitions in social philosophy and cultural sociology to establishing a praxeological paradigm, its premises are explained along the principles of recursivity and relationality. Then, applications in communication study reflecting on or aligning with practice theory are registered. It is shown that the comparably sporadic intake is anticipated through the engagement with a complementary programme in the context of cultural studies, and a selective adoption of authors commonly associated with practice theory, in particular Bourdieu and Giddens. In conclusion, impulses stemming from practice theory for approaches and areas of culturalistic communication and media research are explored. In order to do so, the perspectives for analysing the transformation of collective media use, the constitution of the everyday handling of media and the mutual formation of media technologies and media-related practices are explicated.

Zusammenfassung

Der Artikel diskutiert den Beitrag der Praxistheorien für die kulturalistische Kommunikations- und Medienforschung. Ausgehend von sozialphilosophischen und kultursoziologischen Vorhaben, ein praxistheoretisches Paradigma zu etablieren, werden erstens dessen Basisannahmen entlang der Prinzipien Rekursivität und Relationalität erläutert. Zweitens werden praxistheoretisch reflektierte oder kongruente kommunikationswissenschaftliche Traditionen erfasst. Während zwar eine bisher nur sporadische explizite Auseinandersetzung mit Praxistheorien festzustellen ist, finden sich indessen eine Reihe von Ansätzen der Beschäftigung mit einem komplementären Programm im Rahmen der Cultural Studies und der selektiven Adaption einzelner praxistheoretisch verorteter Autoren, allen voran Bourdieu und Giddens. Drittens wird erörtert, für welche Forschungsfelder und Ansätze kulturalistischer Kommunikations- und Medienforschung die Praxistheorien Impulse geben können. Dabei werden die Perspektiven für die Analyse des Wandels kollektiver Mediennutzung, des Konstituierens alltäglichen Medienumgangs und des wechselseitigen Ausgestaltens von Medientechnologien und medienbezogenen Praktiken ausgeführt.

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Zillien, N. (2008): Das Affordanzkonzept in der Mediensoziologie. Sociologia Internationalis 46, 161-181.

Abstract

Medien & Kommunikationswissenschaft provides a forum for discussion of media and communications related issues as well as for analyses of current media developments from various perspectives that are directed to all kinds of media. The journal reflects the latest trends in research and public discussion of media.

Medien & Kommunikationswissenschaft primarily addresses scholars, journalists, media organisations, the press, radio and tv broadcaster, film, tv, and video production companies, organisations, and teachers.

Website: www.m-und-k.nomos.de

Zusammenfassung

Medien & Kommunikationswissenschaft bietet ein Forum zur Diskussion medien- und kommunikationsbezogener Fragen sowie für Analysen der Medienentwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven und für alle Medien. Medien & Kommunikationswissenschaft spiegelt damit die Trends der Forschung und der öffentlichen Diskussion um die Medien wider. Die Zeitschrift hat einen Jahresumfang von ca. 600 Seiten und enthält Aufsätze, Berichte, Dokumente, Diskussionsbeiträge, Rezensionen sowie eine Zeitschriftenlese und eine Literaturübersicht.

Medien & Kommunikationswissenschaft wendet sich an Wissenschaftler, Journalisten, Medien-Organisationen, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Film-, Fernseh-, Videoproduktionsunternehmen, Verbände, Lehrer, Pressewesen, Medienpolitiker.

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