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Ines Engelmann, Katrin Etzrodt, Mediale Geschlechterkonstruktion online und mögliche Ursachen. Eine Inhaltsanalyse der journalistischen in:

M&K Medien & Kommunikationswissenschaft, page 64 - 82

M&K, Volume 62 (2014), Issue 1, ISSN: 1615-634X, ISSN online: 1615-634X, https://doi.org/10.5771/1615-634x-2014-1-64

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Mediale Geschlechterkonstruktion online und mögliche Ursachen Eine Inhaltsanalyse der journalistischen Online-Berichterstattung über Politikerinnen und Politiker Ines Engelmann / Katrin Etzrodt Der Beitrag untersucht, wie Politikerinnen und Politiker in der Online-Berichterstattung konstruiert werden, wobei der Fokus auf thematischer Kontextuierung und Attribuierung liegt. Zu diesem Zweck werden verschiedene Einflussfaktoren auf die mediale Geschlechterkonstruktion diskutiert und veränderte Rahmenbedingungen des Online- Journalismus für die Geschlechterkonstruktion einbezogen. Empirisch wird die Konstruktion von Politikerinnen und Politikern in den fünf reichweitenstärksten deutschen Online-Zeitungen über ein Jahr hinweg vergleichend analysiert und mit möglichen Einflussfaktoren verknüpft. Die Befunde zeigen, dass die untersuchten Online-Zeitungen das Geschlecht von Politikerinnen und Politikern bezüglich der untersuchten Aspekte kaum unterschiedlich konstruieren. Sofern solche Unterschiede existieren, sind sie eher auf das Geschlecht von Journalistinnen und Journalisten zurückzuführen als auf die redaktionelle Linie der Online-Zeitung. Schlagwörter: Gender, Geschlechterkonstruktion, Nachrichtenauswahl, Online-Journalismus, Stereotypen Eine Frau hat das Bundeskanzleramt in Deutschland inne. Fünf der 15 Ministerien im Bundeskabinett wurden 2013 von Frauen geführt. Der Anteil weiblicher Abgeordneter im deutschen Bundestag lag 2012 bei einem Drittel1. In den Länderparlamenten sitzt ebenfalls knapp ein Drittel Frauen.2 Auf der Länderebene sind drei von 16 MinisterpräsidentInnen weiblich. Im Europaparlament sind sogar 39 der 99 deutschen Abgeordneten weiblichen Geschlechts.3 Der Frauenanteil in der Politik erhöht sich auf allen Ebenen in jeder Legislaturperiode. Frauen in der Politik gehören also zunehmend zum gesellschaftlich akzeptierten Erscheinungsbild in Deutschland. Analog dazu lässt sich fragen, wie das aktuelle mediale Erscheinungsbild von Politikerinnen im Vergleich zu den männlichen Kollegen konstruiert wird. Darüber hinaus sind Online-Medien zu einem festen Bestandteil in der journalistischen Nachrichtenproduktion geworden. Da diese Entwicklungen verhältnismäßig jung sind, steht die Forschung hier noch am Beginn. Daher geht der Beitrag im Besonderen den Fragen nach, wie Online-Medien Politikerinnen und Politiker konstruieren und wo mögliche Ursachen dafür zu suchen sind. Bislang gibt es wenige systematische Analysen, die Geschlechterbilder bzw. die Geschlechterkonstruktion verschiedener Politikerinnen und Politiker umfassend in den Medien untersuchen (Ausnahmen: Lünenborg/Röser 2012; Kahn/Goldenberg 1991; Kahn 1996). Wenn PolitikerInnen analysiert werden, handelt es sich entweder nur um 1 http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/mdb_zahlen/frauen_maenner.html [2.12.2013]. 2 http://www.lpb-bw.de/frauenanteil_laenderparlamenten.html [2.12.2013]. 3 http://www.europarl.de/www.europarl.de/de/abgeordnete/uebersicht_alphabet.%20html [2.12.2013] 64 kleine bis mittlere Fallzahlen (z. B. Pfannes 2004; Scholz 2007) oder aber um größere Stichproben, in denen PolitikerInnen lediglich als Nebenprodukte abgehandelt werden (z. B. GMMP Report 2010; Magin/Stark 2010). Das Gros deutsch- und englischsprachiger Studien konzentriert sich auf einzelne Spitzenpolitikerinnen zumeist in Wahlkämpfen, die im Vergleich zu ihren männlichen Gegnern porträtiert werden (z. B. Bode/ Hennings 2012; Heldman et al. 2005; Koch/Holtz-Bacha 2008; Leidenberger/Koch 2008; Westle/Bieber 2009). Sofern Erklärungen für die Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen (und Politikern) gesucht werden, wird das Geschlecht der JournalistInnen (z. B. GMMP Report 2010) oder die politisch-redaktionelle Linie (z. B. Koch/Holtz- Bacha 2008; Wilke/Reinemann 2006) dafür verantwortlich gemacht. Online-Medien wurden unseres Wissens bisher nur in Form von Internetposts (Falk 2008) oder Blogs (Bode/Hennings 2012) verschiedener US-amerikanischer Präsidentschaftskandidatinnen und -kandidaten einbezogen. Die Defizite der bisherigen Forschung zur medialen Geschlechterkonstruktion von PolitikerInnen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Erstens wurden häufig Fallstudien untersucht. Hier ist die methodische Umsetzung einiger qualitativer Studien und die Explikation des zugrunde liegenden Verständnisses von Geschlechterrollen zu kritisieren (Lünenborg/Röser 2012: 17f.). Zudem sind die Befunde von Fallstudien nicht im Hinblick auf die Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen (und Politikern) generalisierbar (Holtz-Bacha 2008: 8). Zweitens wurden bisher primär Wahlkämpfe bzw. einzelne Wahljahre untersucht (z. B. Meeks 2012; Pfannes 2004), die Sondersituationen darstellen. Drittens gibt es bisher kaum systematische Studien zur Geschlechterkonstruktion in journalistischen Online-Medien (Ausnahme: Bode/Hennings 2012 für politische Blogs; Falk 2008 für Internetposts), die aber anderen medialen Bedingungen und damit möglicherweise auch veränderten Selektionskriterien unterliegen (vgl. Quandt 2008). Beides könnte sich auch auf die Geschlechterkonstruktion auswirken. Viertens wurden Unterschiede in der medialen Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen und Politikern bisher nicht systematisch und vergleichend durch die Kombination von Merkmalen im Journalismus zu erklären versucht. Diese Studie setzt bei den genannten Defiziten der bisherigen Geschlechterforschung an. Theoretische Überlegungen Die mediale Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen und Politikern Es wurden bereits viele verschiedene Facetten der medialen Geschlechterkonstruktion in der Politik untersucht: Präsenz (z. B. Heldman et al. 2005), Trivialisierung (z. B. Pfannes 2004), Herabsetzung (z. B. Koch/Holtz-Bacha 2008), Privatisierung/Personalisierung, thematische Kontextuierung und Attribuierung. Hier interessierten vor allem Befunde zu maskulin vs. feminin konnotierten Themen- und Attributzuschreibungen4 zu PolitikerInnen, zu deren Bewertungen (z. B. Meeks 2012) sowie zur Privatisierung/ Personalisierung (zuletzt: Bode/Hennings 2012). Als feminin wurden bisher häufig die Themen Bildung, Gesundheit, Umwelt, Frauenfragen und soziale Fürsorge konnotiert; als maskulin Wirtschaft, Außenpolitik, Verteidigung, Militär sowie Kriminalität (Meeks 2012; Jalalzai 2006; Eie 1998; Kahn/Goldenberg 1991). Diese konstruierte Einteilung rekurriert auf das Stereotyp, dass Frauen mitfühlende und familienorientierte Rollen in der Gesellschaft haben, Männer dagegen 1. 1.1 4 Nachfolgend sprechen wir aus Platzgründen von maskulinen und femininen Themen, ohne ein konstruktivistisches Grundverständnis aufzugeben. Engelmann/Etzrodt · Mediale Geschlechterkonstruktion online 65 Rollen als Brotverdiener und Beschützer (Rudman/Kilianski 2000). Ältere Studien stellten fest, dass Politikerinnen häufiger mit weichen bzw. femininen Themen verbunden werden, Politiker dagegen mit harten bzw. maskulinen Themen (z. B. Kahn/Goldenberg 1991; Kahn 1996). In der aktuellen Berichterstattung werden die Geschlechter zwar weniger stark thematisch unterschiedlich verortet, aber die differenzielle Konstruktion bleibt vorhanden (Bode/Hennings 2012; Jalalzai 2006; Koch/Holtz-Bacha 2008; Meeks 2012). Subtilere Formen geschlechtsspezifischer Darstellungen werden an Attribuierungen zu Politikerinnen und Politikern festgemacht, die – wie bereits die Themen – als typisch maskulin und feminin konnotiert werden. Typisch feminine Zuschreiben waren bisher z. B. Schwäche, Irrationalität, Emotionalität, Passivität, Abhängigkeit, gute Moral, Gemeinschaft, Weichheit, Leidenschaft, Ehrlichkeit/Integrität, Charme und Altruismus. Typisch maskuline Zuschreibungen waren Führungsqualitäten/Durchsetzungsvermögen, Rationalität, Entscheidungsfreudigkeit, Aggressivität, Unabhängigkeit, Gefühlskälte, Aktivität, schlechte Moral, Individualität, Härte und Emotionslosigkeit (Magin/Stark 2010; Meeks 2012). Dass diese Zuschreibungen nicht adäquat zum biologischen Geschlecht sind und sogar exzessiv gegenläufig sein können, zeigte zuletzt Meeks’ (2012: 183ff.) Studie für die USA. Hier erhielten die Kandidatinnen für Senatoren- und Präsidentschaftsämter (1999-2008) nicht nur doppelt so viel maskuline wie feminine Merkmalszuschreibungen, sondern auch im Vergleich zu den männlichen Kollegen häufiger maskuline Zuschreibungen. Die Verteilung zugeschriebener femininer und maskuliner Attribute allein ist jedoch wenig aussagekräftig, da man mit jedem Attribut PolitikerInnen auf- oder abwerten kann. So können z. B. Emotionen benutzt werden, um Politikfähigkeit in Frage zu stellen – Scholz (2007: 14) wies dies für Politikerinnen nach –, sie können aber gleichermaßen dafür stehen, Politik „menschlich zu präsentieren”, wie Pantti (2007: 31) für Politiker zeigen konnte. Empirische Befunde im Wahlkontext zeigen insgesamt negativere Bewertungen für Spitzenpolitikerinnen im Vergleich zu -politikern (Heldman et al. 2005; Kahn/Goldenberg 1991). Bewertungen für Politikerinnen sind vor allem dann negativer, wenn sie mit politischen Aktivitäten, Kompetenzen oder maskulinen Themen verbunden werden, dagegen positiver bei feminin konnotierten Themen (z. B. Heldman et al. 2005). Neben Attributzuschreibungen werden PolitikerInnen auch in verschiedene Kontexte gesetzt. Hier ist die Befundlage für die Darstellung in privaten Kontexten (z. B. Familie, Elternschaft) im Vergleich zu beruflichen bzw. öffentlichen Kontexten jedoch weniger eindeutig. Einige Studien attestieren eine stärkere private oder personalisierte Kontextuierung von Politikerinnen im Vergleich zu Politikern (Bode/Hennings 2012; Westle/Bieber 2009). Andere Befunde weisen auf eine zunehmend ausgeglichene Berichterstattung oder sogar eine stärkere Privatisierung der Männer hin (Drinkmann/Caballero 2007; Heldman et al. 2005; Leidenberger/Koch 2008). Private Aspekte können in thematischen Zusammenhängen (z. B. private Geschichten zum Eheleben oder zur Gesundheit) oder einzelnen Attributen auftreten (z. B. Alter, familiäre Situation wie „die Ehefrau“, Hobby wie „der Golfspieler XY“). Welche Ursachen für die mediale Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen und Politikern verantwortlich sein können, diskutieren wir nachfolgend aus unterschiedlichen Perspektiven. Mögliche Ursachen der medialen Geschlechterkonstruktion Aus sozialpsychologischer Perspektive lässt sich der Prozess der medialen Informationsverarbeitung mit der permanenten Orientierung an erkannten (geschlechter-)stereoty- 1.2 M&K 62. Jahrgang 1/2014 66 pen Mustern erklären. Geschlechterstereotype sind keine Beschreibungen konkreten Verhaltens, sondern kognitive Strukturen, die sozial geteiltes Wissen über die charakteristischen Merkmale für beide Geschlechter enthalten (Eckes 2008: 178). Über dieses Wissen verfügen einzelne Individuen (z. B. Journalisten, Politiker), es ist aber zumindest teilweise auch gruppenspezifisch (z. B. Redaktionen) und gesellschaftlich geteilt. Erklären lässt sich sozial geteiltes Wissen über Geschlechterstereotype u. a. mit der sozialen Rollentheorie (Eagly et al. 2000). Menschen neigen demnach dazu anzunehmen, dass Frauen und Männer diejenigen Merkmale aufweisen, die für ihre jeweiligen sozialen Rollen – insbesondere ihre Familien- und Berufsrollen – typisch sind. Untersucht wird also, inwiefern veränderte soziale Rollen in der Gesellschaft auch zu veränderten Stereotypen führen. Studien in den USA und Deutschland zeigen, dass Frauen zunehmend maskuline Attribute wie Kompetenz und Dominanz zugeschrieben werden, wobei die Zuschreibungen typisch femininer Attribute, wie z. B. Einfühlsamkeit und Hilfsbereitschaft, nicht in gleichem Maße abnehmen (Wilde/Diekman 2005; Überblick: Sczesny et al. 2007). Zu klären wäre folglich, ob und inwieweit die zugeschriebenen Gemeinsamkeiten und Unterschiede auch medial konstruiert werden. Magin & Stark (2010) erbrachten bereits empirische Belege dafür, dass sich geschlechtsgebundene Stereotype in der Berichterstattung über Frauen und Männer zumindest teilweise auflösen (vgl. die Kritik bei Maier/Lünenborg 2012: 72, FN 7). Mögliche Erklärungen für die Entstehung dieser Stereotype aus der kommunikationswissenschaftlichen Geschlechterforschung lassen sich nach Klaus (2005: 14ff.) in drei Paradigmen unterteilen, die in unserer Untersuchung einen unterschiedlichen Stellenwert haben: 1. Der Gleichheits- bzw. Repräsentationsansatz untersucht, „durch welche gesellschaftlichen und individuellen Mechanismen – Diskriminierung und Sozialisationsvorgänge – Frauen in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten behindert werden“ (ebd.: 46). In Medieninhalten wird dies durch die quantitative Unterrepräsentanz von Frauen einerseits gegenüber Männern, andererseits gegenüber ihrem eigentlichen Vorhandensein in der Realität empirisch belegt. 2. Der Differenzansatz legt den Fokus auf die verschiedenen (differenten) Lebenswelten von Frauen und Männern. Bezogen auf Medieninhalte bedeutet dies, nach Ver- änderungen des Frauenbildes im Zeitverlauf zu fragen oder danach, ob sich der gesellschaftliche Wandel in den Lebensbedingungen und den Lebensvorstellungen von Frauen auch medial widerspiegelt (ebd.: 51). 3. (De−)konstruktivistische Ansätze betrachten die kulturelle Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit, wobei sie kritisch auf die Vermischung von biologischem Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (gender) Bezug nehmen. Das soziale Geschlecht wird als Konstruktion verstanden, die das Resultat von Handlungen und Zuschreibungen ist (ebd.: 19), wobei es sich um einen Prozess fortwährender Selbstund Fremdkonstruktion handelt (ebd.: 21). Demzufolge bilden auch Medien nicht (die ungleichen) gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse ab, sondern konstruieren eine eigene, geschlechtsgebundene Medienrealität (z. B. Röser 2006). Diese Perspektive geht insofern über differenztheoretische Ansätze hinaus, als sie „nicht in ontologisierender Weise nach vermeintlich ‚typisch männlichen‘ und ‚typisch weiblichen‘ Eigenschaften“ sucht oder „reine Unterschiede zwischen Männern und Frauen“ (Maier/Lünenborg 2012: 71) feststellt, sondern die medialen Prozesse der Geschlechterdifferenzierung und deren Wirkungen analysiert. Wir nehmen eine konstruktivistische Sicht ein, wonach die Zuschreibungen zu Politikerinnen und Politikern nicht aus der Widerspiegelung der Realität resultieren, sondern Engelmann/Etzrodt · Mediale Geschlechterkonstruktion online 67 eine medial eigenständige Konstruktion im Journalismus sind. Die Frage ist dann, inwieweit Berichterstattungsmuster wie z. B. thematische Kontextuierungen und Attribuierungen und deren Bewertungen zu diesen Konstruktionsprozessen beitragen. Aus journalismustheoretischer Perspektive stellt sich die Frage, inwieweit das Geschlecht von Politikerinnen und Politikern in der Berichterstattung durch Einflussfaktoren im Journalismus konstruiert wird. Die Ursachen können vielfältig sein und sich wechselseitig bedingen (z. B. Überblick: Shoemaker/Vos 2009). Hier interessieren vor allem das Geschlecht von JournalistInnen und die redaktionelle Linie von Medien als mögliche Einflussfaktoren auf die Konstruktion von PolitikerInnen. In der Literatur wird diskutiert, ob und inwieweit das Geschlecht von JournalistInnen die Berichterstattung über PolitikerInnen beeinflusst. Man könnte annehmen, dass das strukturelle Geschlechterverhältnis in Redaktionen die Berichterstattung beeinflusst (Scholl 2008: 217). Schwenk (2006: 177) nennt einen Frauenanteil von 44 Prozent im Politikjournalismus. Mit dieser nahezu ausgeglichenen Verteilung geht allerdings keine ähnliche Berichterstattung über Politikerinnen und Politiker einher. Insgesamt gibt es nur geringe Korrelationen zwischen dem Geschlecht der JournalistInnen und der Perspektive ihrer Berichterstattung (Scholl 2008: 218; Ausnahme z. B. GMMP Report 2010: ix). Ein Grund dafür ist, „dass das Merkmal Geschlecht eben nur eines von vielen Strukturmerkmalen im Journalismus und den Redaktionen ist, das Einfluss auf die journalistische Berichterstattung hat. Insofern kann sich eine Veränderung der Geschlechterverhältnisse nur indirekt und nur langfristig auf einen Strukturwandel des Journalismus niederschlagen bzw. diesen sogar vorantreiben“ (Scholl 2008: 217). Daran schließt sich die Frage an, ob die Veränderungen in der Struktur des Journalismus eher durch normative Erwartungen in Form des beruflichen Selbstverständnisses von JournalistInnen oder eher durch kognitiv-faktische Erwartungen des Publikums wahrscheinlicher sind. Scholl (ebd.: 218-223) kommt nach eingehender Diskussion zu dem Schluss, dass kurzfristig die Veränderungen in der Berichterstattung durch Publikumserwartungen wahrscheinlicher sind als durch veränderte Berufsnormen der JournalistInnen. Wir kommen im Kap. 1.3 darauf zurück, wenn wir die spezifischen Strukturen im Online-Journalismus diskutieren. Die redaktionelle Linie betrachten wir als ein weiteres Strukturmerkmal, das die journalistische Berichterstattung beeinflussen kann. Inwieweit wird die Geschlechterkonstruktion von PolitikerInnen durch die redaktionelle Linie von Medien beeinflusst bzw. überlagert? Deutsche und europäische Studien bilden ein differenziertes politisches Spektrum von linken bzw. linksliberalen und konservativen Zeitungen ab (z. B. Koch/ Holtz-Bacha 2008; Wilke/Reinemann 2006). Unterschiede beziehen sich primär auf Präsenz sowie Bewertungen einzelner PolitikerInnen. So wird z. B. Gerhard Schröder während des Bundestagswahlkampfs 2005 in linken Zeitungen häufiger als Angela Merkel genannt, während es in konservativen Zeitungen umgekehrt war (z. B. Koch/Holtz- Bacha 2008). Auch Bewertungen politischer Kompetenz fielen in den CDU-nahen Printmedien positiver für Merkel aus als für SPD-Politiker (Wilke/Reinemann 2006). Diese Neigung kann dabei eher auf die Parteizugehörigkeit als das Geschlecht der Politikerin bzw. des Politikers zurückgeführt werden. Entsprechende Annahmen lassen sich mit der Theorie der Instrumentellen Aktualisierung (z. B. Kepplinger et al. 1989; Hagen 1992) erklären, wonach Zeitungen die Äußerungen von solchen PolitikerInnen hochspielen, die der eigenen politisch-redaktionellen Linie nahe stehen. Folgende Defizite sind hinsichtlich dieses Einflussfaktors zu konstatieren: Erstens wurden Unterschiede zwischen Printmedien verschiedener politischer Leitlinien bisher nur selten explizit und unseres Wissens gar nicht systematisch im Vergleich vieler verschiedener Po- M&K 62. Jahrgang 1/2014 68 litikerInnen auf Landes-, Bundes- und Europaebene analysiert. Zweitens liegen bisher keine systematischen Erkenntnisse über den Einfluss redaktionell-politischer Leitlinien auf die Konstruktion des Geschlechts von PolitikerInnen vor. Insbesondere das Zusammenspiel von journalistischem Geschlecht und Zugehörigkeit zu einer redaktionellen Linie wurde bisher nicht untersucht. Online-Journalismus und Geschlechterkonstruktion Offen ist bisher die Frage, inwieweit sich die Geschlechterkonstruktion von PolitikerInnen unter den Bedingungen des Online-Journalismus verändert bzw. bereits verändert hat. Ein möglicher Wandel der Online-Geschlechterkonstruktion könnte auf ver- änderte Rahmenbedingungen im Online-Journalismus zurückzuführen sein, die zu anderen Publikumserwartungen und/oder zu anderen Berufsnormen von Journalistinnen und Journalisten und damit zu veränderten Berichterstattungsmustern führen können (z. B. Bruns 2005; Neuberger et al. 2009; Neuberger/Quandt 2010; Meier/Reimer 2011). Repräsentative Befragungen von Internet-JournalistInnen in Studien wie „Journalismus in Deutschland II“ (Weischenberg et al. 2006) und „Online-Journalisten in Deutschland“ (Quandt et al. 2006) zeigen, dass zumindest der redaktionell gebundene Internet-Journalismus immer noch ganz klar von den bekannten journalistischen Handlungsmustern geprägt ist (vgl. Neuberger/Quandt 2010: 64f.). Beobachtungsstudien in Online-Redaktionen bestätigen diese Befunde (Quandt 2005). Doch auch wenn sich die journalistischen Handlungsmuster nicht so stark geändert haben, gibt es doch zahlreiche veränderte Rahmenbedingungen im Online-Journalismus, die Berichterstattungsmuster abwandeln können. So spielen beispielsweise neben Partizipation, Interaktivität und der Entgrenzung von Medien (z. B. Neuberger/Quandt 2010) auch die permanente Aktualisierung (vgl. Neuberger 2009) und veränderte Selektionskriterien im Online-Journalismus (z. B. Quandt 2008) bedeutende Rollen. Die Möglichkeit der permanenten Aktualisierung wird einerseits als Vorzug gegenüber den Offline-Tageszeitungen, andererseits als Ursache für mangelnde Qualität angesehen, wenn dadurch Informationen nicht mehr sorgfältig geprüft werden können (vgl. Jarren 2008: 343). Hinsichtlich veränderter Selektionskriterien gibt es nur wenige Studien, die Offline- und Online-Nachrichten inhaltsanalytisch vergleichen (Überblick: Quandt 2008: 134-136). Quandt (2008) kann zeigen, dass Beiträge in journalistischen Online-Ablegern durchschnittlich deutlich länger sind als in Printmedien (ebd.: 138). Er erklärt dies mit dem prinzipiell unbegrenzten Platz in Online-Medien. Andererseits wird online weniger über das Themenfeld Politik und sehr viel weniger über Politiker berichtet als offline (ebd.: 145-148). Solche veränderten Selektionskriterien können darauf zurückgehen, dass die Selektionsentscheidungen des Publikums transparenter werden, z. B. durch die Sichtbarkeit von Klickzahlen. So zeigen die Nutzungszahlen der IVW 01/2013, dass Männer die fünf reichweitenstärksten Online-Zeitungen sehr viel häufiger nutzen als Frauen. Dies führt möglicherweise im Online-Journalismus dazu, dass sich JournalistInnen in ihren Inhalten an die Interessen und Bedürfnisse ihres Publikums anpassen, z. B. um mehr Frauen als Leserinnen zu gewinnen. Es fragt sich nun, inwieweit sich diese veränderten Rahmenbedingungen im Online- Journalismus auf die Konstruktion von PolitikerInnen auswirken bzw. inwieweit sie die Geschlechterkonstruktion verändern. Einerseits könnten vorhandene Geschlechterstereotype, die bei Journalistinnen und Journalisten nach wie vor existieren, durch kürzere Aktualisierungsfrequenzen und damit einhergehendem Zeitdruck dazu führen, dass über berichtete Inhalte kaum reflektiert werden kann. Dies könnte einer zunehmenden Stereotypisierung des Geschlechts von PolitikerInnen Vorschub leisten. Andererseits 1.3 Engelmann/Etzrodt · Mediale Geschlechterkonstruktion online 69 gibt es erstens ein größeres Platzangebot, welches eine differenziertere und weniger stereotype Berichterstattung ermöglichen kann. Zweitens kann der Einfluss des Publikums bzw. der veränderten Publikumserwartungen im Journalismus ebenfalls einer stereotypen Geschlechterkonstruktion entgegenwirken, wenn bestimmte Zielgruppen – wie z. B. weibliche Online-Zeitungsnutzer – stärker angesprochen oder dazugewonnen werden sollen, die man mit kaum zutreffenden Geschlechterstereotypen verprellen würde. Die Auswirkungen veränderter Bedingungen auf die Geschlechterkonstruktion online sind also nicht eindeutig vorherzusagen. Darüber hinaus wurden Fragen zum Einfluss einer redaktionellen Linie online, die in die Geschlechterkonstruktion hineinspielen könnten, unseres Wissens bisher nicht empirisch untersucht. Vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen im Online-Journalismus fragen wir zunächst danach, wie das Geschlecht von Politikerinnen und Politikern hier konstruiert wird. Dies ist insbesondere auch deshalb relevant, weil die Nutzerzahlen von Nachrichtenseiten im Netz teilweise die vergleichbarer Printpublikationen übersteigen (IVW 01/2013). Forschungsfragen Auch wenn die vorgestellten Studien sich teilweise sowohl theoretisch und methodisch als auch in ihren Ergebnissen unterscheiden, lässt sich hinsichtlich der medialen Konstruktion von Politikerinnen und Politikern in der Berichterstattung grundsätzlich feststellen, dass geschlechterstereotype Themen- und Attributzuschreibungen abnehmen bzw. sich verschieben. Bisher jedoch ist unklar, wie sich diese Verschiebungen für eine breitere Gruppe von Politikerinnen und Politikern in den Online-Zeitungen unterschiedlicher redaktioneller Linien im Detail äußern. Daraus leiten wir folgende Forschungsfragen ab: FF1: Unterscheidet sich die Konstruktion des thematischen Kontexts für Politikerinnen und Politiker in Online-Zeitungen? FF2: Unterscheidet sich die Konstruktion von Attributen und Attributbewertungen für Politikerinnen und Politiker in Online-Zeitungen? Auch zur Frage, ob das Geschlecht von JournalistInnen die Berichterstattung über Politikerinnen und Politiker beeinflusst, gibt es nur sehr wenige Befunde. So scheint das Geschlecht von JournalistInnen zwar wenig Einfluss auf die Präsenz von PolitikerInnen zu haben, jedoch durchaus auf inhaltliche Zuschreibungen verschiedener Art. Da die Online-Berichterstattung zu diesem Gegenstand bisher kaum erforscht ist, formulieren wir zwei Fragen: FF3: Unterscheidet sich die Konstruktion des thematischen Kontexts für Politikerinnen und Politiker je nach Geschlecht der JournalistInnen in Online-Zeitungen? FF4: Unterscheidet sich die Konstruktion von Attributen und Attributbewertungen für Politikerinnen und Politiker je nach Geschlecht von JournalistInnen in Online- Zeitungen? Für die Zugehörigkeit von JournalistInnen zu tendenziell eher linken oder konservativen Medien lassen sich ebenfalls keine eindeutigen Annahmen ableiten. Dominiert die redaktionelle Linie mögliche geschlechterspezifische Differenzen oder ist es umgekehrt? Bedingen sich beide Merkmale wechselseitig oder spielt die redaktionelle Linie bei den Online-Ablegern keine Rolle (mehr)? Daraus leiten wir zwei Fragen ab: 2. M&K 62. Jahrgang 1/2014 70 FF5: Unterscheidet sich die Konstruktion des thematischen Kontexts für Politikerinnen und Politiker je nach Geschlecht der JournalistInnen sowie unter Kontrolle der redaktionellen Linie in Online-Zeitungen? FF6: Unterscheidet sich die Konstruktion von Attributen und Attributbewertungen für Politikerinnen und Politiker je nach Geschlecht der JournalistInnen sowie unter Kontrolle der redaktionellen Linie in Online-Zeitungen? Untersuchungsanlage Der Untersuchungszeitraum unserer Inhaltsanalyse umfasst ein Jahr (11. März 2011 bis 10. März 2012), um saisonale Schwankungen in der Berichterstattung auszugleichen. Das Mediensample besteht aus den fünf reichweitenstärksten überregionalen und tagesaktuellen deutschen Nachrichtenwebsites mit einem Printpendant5. Im Einzelnen handelt es sich um die überregionalen Qualitätszeitungen welt.de (WELT) und sueddeutsche.de (SZ), um Spiegel Online (SPIEGEL) und Focus Online (FOCUS) mit einer Wochenzeitung als Printpendant sowie um das Boulevardblatt bild.de (BILD). Die Qualitäts- und Wochenzeitungen decken das Spektrum politisch-redaktioneller Linien und damit verschiedene journalistische Sichtweisen ab. SPIEGEL und SZ gelten eher als linksliberal, WELT, FOCUS und BILD sind dagegen eher als rechtsliberal bzw. konservativ zu verorten. BILD steht außerdem für reichweitenstarken Boulevardjournalismus6, der sich auch an weniger gebildete Rezipienten wendet (vgl. z. B. Semetko/Schoenbach 2003: 55f.; Schirmer 2001). Diese redaktionellen Linien gelten zumindest im Offline-Bereich (Maurer/Reinemann 2006: 130). Für Online-Medien ist die Frage nach einer redaktionellen Linie empirisch weitgehend offen (Ausnahme Spiegel Online, vgl. Reinemann 2013). Das Rubrikensample umfasst jeweils den Politikteil der Online-Ausgaben. Dafür wurden für alle fünf Online-Zeitungen die RSS-Feeds des Politikbereichs abonniert, da hier die umfangreichste Berichterstattung über PolitikerInnen zu erwarten ist. Das Beitragssample berücksichtigt tatsachen- und meinungsbetonte Beiträge. Ein Beitrag wurde aus den abonnierten RSS-Feeds ausgewählt, sobald über eine/n PolitikerIn im Beitrag berichtet wurde. Als PolitikerIn bezeichnen wir eine Person, die im Untersuchungszeitraum ein politisches Amt bzw. Mandat inne hatte (z. B. Minister, Parteivorsitzende) und auf Europa-, Landes- oder Bundesebene politisch tätig war.7 Die so ausgewählten Beiträge wurden pro Monat und Zeitung durchnummeriert. Mit einer reinen Zufallsauswahl wurden 25 Beiträge pro Monat für jede der fünf Zeitungen ausgewählt, die anschließend gleichmäßig auf fünf Codierer verteilt wurden. Insgesamt wurden 1550 relevante Beiträge codiert, in denen mindestens ein/e PolitikerIn vorkam. Auf der Beitragsebene wurden formale Kategorien (z. B. Datum, Geschlecht des Verfassers) erfasst. Die zweite Ebene untersucht den/die einzelne/n PolitikerIn als Bezugsobjekt. Für jede/n PolitikerIn wurden alle Urheber sowie pro Urheber bis zu zwei Themen und zwei Attribute sowie deren Bewertungen erfasst. Neben einem großen Spektrum politischer Sachthemen (angelehnt an das Codebuch von Eilders et al. 2004; 3. 5 http://meedia.de/internet/news-top-50-spon-und-focus-holen-rekorde/2012/12/10.html [2.12.2013]. 6 Möglicherweise wird im Boulevardjournalismus das Geschlecht von PolitikerInnen anders konstruiert. 7 Nicht als PolitikerInnen gelten beamtete Staatssekretäre, Regierungssprecher sowie Partei- und Pressesprecher. Engelmann/Etzrodt · Mediale Geschlechterkonstruktion online 71 siehe auch Meeks 2012; Jalalzai 2006; Eie 1998; Kahn/Goldenberg 1991) wurden wahlund parteipolitische sowie private Themen erhoben. Zu privaten Themen zählten z. B. private Geschichten, das Eheleben, der Gesundheitszustand, Vorlieben, Interessen, der berufliche Werdegang und die Herkunft. Skandale und Affären von PolitikerInnen wurden separat codiert, sofern nicht ein dazugehöriges politisches Sachthema im Vordergrund stand. Attribute definieren wir als Zuschreibungen von Eigenschaften und Handlungen. Im Detail haben wir folgende Attribute verschiedener Untersuchungen aus der politischen Kommunikation einbezogen, sofern sie sich reliabel codieren ließen: Fach-/Sachkompetenz, Macht, Rationalität, Durchsetzungsvermögen, politischer (Miss-)Erfolg, Aussehen/Erscheinung, Integrität, Emotionen, Persönlichkeit/Auftreten sowie private Merkmale (z. B. Familien-/Beziehungsmerkmal, Alter, Herkunft, Religion, Schulbildung) (vgl. Magin/Stark 2010; Meeks 2012). Alle Informationen zu einer/m PolitikerIn bildeten im Beitrag eine Einheit, unabhängig davon, wie oft sie dort genannt wurden. Über alle 1550 Beiträge hinweg wurden 8703 Informationen zu Politikerinnen und Politikern verschlüsselt. Die durchschnittliche Forscher-Codierer-Reliabilität nach Holsti (rH) für die untersuchten Kategorien ist zufriedenstellend: Geschlecht des Verfassers (rH=.95), Bezugsobjekt PolitikerIn (rH=.91), Urheber (rH=.86), thematischer Kontext (rH=.74), Attribuierungen (rH=.65) und deren Bewertungen (rH=.75). Ergebnisse Die Konstruktion von Politikerinnen und Politikern Zunächst vergleichen wir die Konstruktion von Politikerinnen und Politikern in der Online-Berichterstattung. Die Ergebnisse für Bundeskanzlerin Merkel weisen wir separat aus, weil ihr aufgrund ihrer politischen Rolle ein Sonderstatus in der Berichterstattung zugewiesen wird, und sie deshalb die Befunde über die anderen Politikerinnen verzerren könnte. Tabelle 1 zeigt jeweils in den fett gedruckten Spalten Gesamt, dass Politikerinnen mit ausgewählten Themenbereichen anders verknüpft werden als Politiker (Chi = 832,6 (p < 0.001), Cramers V: 0.22), was auch Kahn & Goldenberg (1991) feststellten. Politiker werden häufiger als Politikerinnen mit Außen- und Europapolitik verknüpft, Politikerinnen dagegen häufiger mit sozialen Themen. Merkel wird abweichend davon am häufigsten mit Außen- und Europapolitik sowie mit Energie und Umwelt thematisiert. Insgesamt zeigen die Befunde, dass Themen nur teilweise geschlechtskongruent zugeschrieben werden (Forschungsfrage 1). Skandale und Affären werden zudem häufiger mit Politikern als mit Politikerinnen verknüpft. Dieser Befund kann u. a. an der Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff liegen, die in den Untersuchungszeitraum fiel. Private Themen werden nicht geschlechtsspezifisch konstruiert und bestätigen damit aktuellere Befunde (vgl. Heldman et al. 2005, Holtz- Bacha/Koch 2008; Leidenberger/Koch 2008). 4. 4.1 M&K 62. Jahrgang 1/2014 72 T ab el le 1 : T h em at is ch er K on te xt n ac h r ed ak ti on el le r L in ie f ü r P ol it ik er u n d P ol it ik er in n en s ow ie M er k el – A n te il e T h em at is ch er K on te xt P ol it ik er P ol it ik er in n en M er ke l L in ke Z ei tu ng en R ec ht e Z ei tu ng en B IL D G es am t L in ke Z ei tu ng en R ec ht e Z ei tu ng en B IL D G es am t L in ke Z ei tu ng en R ec ht e Z ei tu ng en B IL D G es am t % % % % % % % % % % % % In ne np ol it ik 18 15 13 16 18 18 6 16 12 17 7 13 A uß en - & E ur op ap ol it ik 13 9 14 11 4 3 4 4 39 21 43 34 Si ch er he it & V er te id igu ng 4 4 4 4 3 1 2 2 4 5 1 4 F in an ze n & W ir ts ch af t 8 6 7 7 6 5 6 6 7 7 8 8 In fr as tr uk tu r & V er ke hr 1 2 2 2 1 1 1 1 0 1 1 0 E ne rg ie & U m w el t 6 6 4 6 8 4 5 6 13 11 11 12 A rb ei ts po lit ik 1 1 1 1 2 3 2 2 1 3 1 1 So zi al po lit ik 2 2 2 2 8 8 9 8 2 1 1 1 A us lä nd er , B ild un g & K ul tu r 2 3 1 3 3 8 5 5 0 2 2 1 W ah l- & P ar te it he m en 30 34 26 31 40 36 30 37 13 18 10 14 P ri va te T he m en 7 8 18 9 4 9 25 9 9 11 16 11 Sk an da le & A ff är en 6 9 8 8 3 4 5 4 2 3 1 2 G es am t 10 0 (n = 27 01 ) 10 0 (n = 26 44 ) 10 0 (n = 95 5) 10 0 (n = 63 00 ) 10 0 (n = 53 4) 10 0 (n = 44 5) 10 0 (n = 17 1) 10 0 (n = 11 50 ) 10 0 (n = 41 9) 10 0 (n = 33 6) 10 0 (n = 20 3) 10 0 (n = 95 8) B as is : n = 84 08 n eu e T he m en je P ol it ik er In Engelmann/Etzrodt · Mediale Geschlechterkonstruktion online 73 T ab el le 2 : A tt ri b u te u n d A tt ri b u tb ew er tu n ge n n ac h r ed ak ti on el le r L in ie f ü r P ol it ik er u n d P ol it ik er in n en s ow ie M er k el – A n te il ea , M it te lw er te b A tt ri bu te / A tt ri bu tb ew er tu n ge n P ol it ik er P ol it ik er in n en M er ke l L in ke Z ei tu ng en 1 R ec ht e Z ei tu ng en 2 B IL D 3 G es am t4 L in ke Z ei tu ng en 5 R ec ht e Z ei tu ng en 6 B IL D 7 G es am t8 L in ke Z ei tu ng en 9 R ec ht e Z ei tu ng en 10 B IL D 11 G es am t1 2 % M W % M W % M W % M W % M W % M W % M W % M W % M W % M W % M W % M W F ac h- /S ac hk om pe te nz 20 18 14 18 21 21 5 17 19 21 12 18 ,0 1 ,1 0 ,1 3 ,0 6 -, 23 ,0 0 * -, 13 -, 15 -, 10 ,1 7 -, 08 M ac ht 4 2 3 3 3 4 0 3 9 6 12 9 -, 22 3 -, 26 3 ,6 01 ,2 -, 10 -, 80 -, 60 * -, 70 -, 20 -, 63 -, 45 6 -, 38 R at io na lit ät 4 4 2 3 7 4 1 5 3 5 5 4 ,0 0 -, 23 6 -, 50 -, 15 ,0 96 -1 2, 5 * -, 22 -, 40 ,3 3 1, 00 ,3 1 D ur ch se tz un gs ve rm ög en 8 9 9 8 10 4 10 8 19 13 15 16 ,0 6 ,3 4 ,2 8 ,2 1 ,1 8 * ,5 7 ,2 5 ,2 1 ,1 7 ,1 3 ,1 8 P ol it is ch er ( M is s- ) E rf ol g 9 8 7 8 18 15 9 15 9 10 12 10 ,0 5 -, 08 ,2 5 ,0 2 -, 11 -, 47 ,2 5 -, 19 -, 47 -, 43 ,0 0 -, 32 A us se he n/ E rs ch ei nu ng 2 2 6 2 2 3 17 6 4 3 8 5 -, 50 -, 43 -, 21 7 -, 34 8 * * ,8 63 ,4 54 , 1 2 ,0 0 * * -, 36 8 In te gr it ät 17 14 14 15 10 9 10 9 14 16 13 14 -, 38 -, 45 -, 25 -, 38 -, 19 -, 67 ,0 0 -, 31 -, 30 -, 43 -, 33 -, 36 E m ot io ne n 4 4 4 4 6 4 5 5 3 6 1 3 -, 17 ,0 0 ,5 0 ,0 4 ,4 4 * * ,3 5 * * * ,4 4 P er sö nl ic hk ei t/ A uf tr et en 23 29 22 25 16 25 18 20 19 19 13 18 -, 15 -, 07 ,0 3 -, 09 ,0 0 -, 06 ,0 6 -, 01 ,0 6 ,1 5 ,6 7 ,2 0 P ri va te s 10 11 21 12 8 13 26 14 2 1 7 3 ,0 8 -, 11 ,2 9 ,0 5 ,0 0 ,3 8 ,7 5 ,4 4 * * * * G es am t 10 0 (n = 90 5) 10 0 (n = 83 6) 10 0 (n = 35 1) 10 0 (n = 20 92 ) 10 0 (n = 16 6) 10 0 (n = 14 2) 10 0 (n = 89 ) 10 0 (n = 39 7) 10 0 (n = 17 8) 10 0 (n = 14 0) 10 0 (n = 98 ) 10 0 (n = 41 6) -, 12 3 (n = 82 8) -, 08 (n = 76 6) ,0 61 (n = 29 0) -, 08 (n = 18 84 ) -, 10 7 (n = 15 4) -, 21 7 (n = 13 1) ,3 95 ,6 (n = 75 ) -, 04 (n = 36 0) -, 09 (n = 17 2) -, 14 (n = 13 3) ,0 7 (n = 88 ) -, 07 (n = 39 3) a B as is A tt ri bu te : n = 29 05 o ri gi nä re A tt ri bu te p ro P ol it ik er o de r P ol it ik er in b B as is A tt ri bu tb ew er tu ng en : n = 26 37 ( oh ne n eu tr al e B ew er tu ng en ); * n < 5 3st uf ig e Sk al a: - 1= ne ga ti v, 0 = am bi va le nt , + 1= po si ti v (N ic ht be rü ck si ch ti gu ng d er A us pr äg un g: n eu tr al ; T -T es t; P os t- H oc -T es t: D un ne tt -T 3, w en n m in de st en s p< 0. 05 ) 1- 12 K en nz ei ch nu ng s ig ni fi ka nt er U nt er sc hi ed e de s P os t- H oc -T es ts z u de n je w ei ls a nd er en G ru pp en M&K 62. Jahrgang 1/2014 74 Bei den Attributanteilen zeigen die fett gedruckten Spalten Gesamt in Tabelle 2 vereinzelte Unterschiede zwischen Politikerinnen und Politikern (Chi = 135,7 (p < 0.001), Cramers V: 0.15). Politikerinnen werden häufiger Durchsetzungsvermögen, politischer (Miss-)Erfolg und Aspekte des Aussehens bzw. der Erscheinung zugeschrieben, Politikern dagegen häufiger Integrität sowie Attribute zu ihrem Auftreten bzw. ihrer Persönlichkeit. Die häufigere Zuschreibung von Persönlichkeit bzw. Auftreten zu Politikern widerspricht Befunden von Drinkmann & Cabarello (2007). Dagegen entspricht die häufigere Zuschreibung des Aussehens zu Politikerinnen bisherigen Befunden (z. B. Bode/Hennings 2012). Merkel werden am häufigsten Macht, Durchsetzungsvermögen und Integrität zugeschrieben, also klassisch maskulin konnotierte Attribute. Dies entspricht ebenfalls bisherigen Befunden (z. B. Koch/Holtz-Bacha 2008). Die Unterschiede in den zugeschriebenen Attributen gehen jedoch kaum mit unterschiedlichen Bewertungen einher. Politikerinnen werden signifikant positiver mit Aussehen bzw. Erscheinung verknüpft als Merkel und als Politiker. Dieses Attribut scheint nach wie vor geschlechtsstereotypisch konstruiert zu sein (Ausnahme: Merkel), wenngleich zu bedenken ist, dass es auf sehr wenigen Zuschreibungen beruht. Die weniger stark ausgeprägte geschlechtsstereotype Bewertung von Politikerinnen bestätigt bisherige Studien, die einzelne Kandidatinnen für ein politisches Amt untersucht haben (z. B. Westle/Bieber 2009; Rodríguez 2008). Insgesamt werden Attribute in ihrer Häufigkeit eher geschlechtsinkongruent zugeschrieben (vgl. auch Meeks 2012), während Attributbewertungen nur marginal geschlechtsspezifisch konstruiert sind (Forschungsfrage 2). Einflussfaktor: Geschlecht von JournalistInnen online Die thematische Kontextuierung von Politikerinnen und Politikern erfolgt bei Journalisten ähnlich wie bei Journalistinnen (Cramers V: 0.24 und 0.23; vgl. Tab. 3). Unterschiede zeigen sich aber dann, wenn ausschließlich die Konstruktion von Politikerinnen durch Journalistinnen und Journalisten vergleichend betrachtet wird. Politikerinnen werden von Journalistinnen sehr viel häufiger mit klassisch feminin konnotierten Themen wie Soziales, Ausländer, Bildung und Kultur verknüpft als von Journalisten. Für Merkel und Politiker unterscheiden sich die Themenzuschreibungen nicht gravierend zwischen Journalistinnen und Journalisten (Forschungsfrage 3). Ähnlich wie bei der thematischen Kontextuierung zeigen sich auch bei den Attributen starke Einflüsse, wenn man für Journalistinnen und Journalisten separat betrachtet, wie sie Politikerinnen und Politiker vergleichend konstruieren (Journalisten: Chi = 54,5 (p < 0.001), Cramers V 0.20; Journalistinnen: Chi = 47,7 (p < 0.001), Cramers V: 0.23). Zwar zeigt sich, dass Politiker von Journalistinnen nicht anders konstruiert werden als von Journalisten. Für Politikerinnen und Merkel jedoch zeigen sich durchaus unterschiedlich große Attributanteile von Journalistinnen im Vergleich zu Journalisten, aber sie sind nicht statistisch bedeutsam. Grund dafür dürften die marginalen Fallzahlen sein, denn insgesamt werden Politikerinnen und Merkel seltener Attribute zugeschrieben als Politikern. Dies ist auch durch ihre verhältnismäßig geringere Präsenz in den untersuchten Medien bedingt (vgl. Tab. 4). In der Tendenz ist erkennbar, dass Politikerinnen von Journalisten eher anhand ihrer Kompetenz und Rationalität beurteilt werden als von Journalistinnen, dafür weniger anhand privater und persönlicher Attribute. Merkel wird von Journalisten tendenziell häufiger mit Macht und ihrem Auftreten verknüpft. Umgekehrt schreiben ihr Journalistinnen häufiger als Journalisten Attribute zum Aussehen zu (ähnlich für Äußerlichkeiten bei Merkel siehe auch: Koch/Holtz-Bacha 2008). Die Attributbewertungen werden sehr selten und nur schwach durch das Geschlecht von JournalistInnen beeinflusst. Das 5 %-Signifikanzniveau wird für keine der Attri- 4.2 Engelmann/Etzrodt · Mediale Geschlechterkonstruktion online 75 butbewertungen erreicht (vgl. Tab. 4). Dies widerspricht vielen bisherigen Befunden, die eine negativere Konstruktion von Politikerinnen im Vergleich zu ihren Kollegen feststellten (Kahn/Goldenberg 1991; Heldman et al. 2005; Leidenberger/Koch 2008). Es gibt lediglich Tendenzen, die man als geschlechterstereotype Konstruktion von PolitikerInnen interpretieren könnte, die aber nicht sehr stark ins Gewicht fallen: Journalisten verknüpfen Politiker tendenziell mit Erfolg (positive Bewertung), Journalistinnen mit Misserfolg (negative Bewertung). Auch die Integrität von Politikern bewerten Journalisten tendenziell weniger negativ als Journalistinnen. Während es bei Merkels Integrität genau umgekehrt erscheint, da diese bei Journalistinnen positiver ausfällt als bei Journalisten. Dagegen bewerten Journalistinnen private Attribute von Politikerinnen positiver als Journalisten. Insgesamt gibt es wenige tendenziell geschlechtsspezifische Attributzuschreibungen von Journalistinnen und Journalisten, während sich die Attributbewertungen aufgrund des Geschlechts der JournalistInnen nicht unterscheiden (Forschungsfrage 4). Tabelle 3: Themen nach Geschlecht von JournalistInnen für PolitikerInnen und Merkel – Anteile Thematischer Kontext Journalisten Journalistinnen Politiker Politikerinnen Merkel Gesamt Politiker Politikerinnen Merkel Gesamt % % % % % % % % Innenpolitik 15 21 12 15 13 11 12 13 Außen- & Europapolitik 13 4 37 15 10 1 28 11 Sicherheit & Verteidigung 4 2 3 4 3 1 3 3 Finanzen & Wirtschaft 8 6 7 7 7 3 9 6 Infrastruktur & Verkehr 1 0 0 1 2 2 0 2 Energie & Umwelt 7 6 14 7 8 10 12 9 Arbeitspolitik 1 1 1 1 1 2 1 1 Sozialpolitik 1 6 1 2 4 12 1 5 Ausländer, Bildung & Kultur 3 4 0 3 3 10 3 4 Wahl- & Parteithemen 32 39 13 31 36 32 18 33 Private Themen 9 8 11 9 9 13 13 10 Skandale & Affären 7 2 2 6 4 4 0 3 Gesamt 100 (n=2705) 100 (n=506) 100 (n=427) 100 (n=3638) 100 (n=944) 100 (n=189) 100 (n=156) 100 (n=1289) Basis: n=4927 (nur Fälle mit erkennbarem Geschlecht der JournalistInnen) Durch Journalisten Unterschiede PolitikerInnen und Merkel: Chi = 392,9 (p < 0.001), Cramers V: 0.23 Durch Journalistinnen Unterschiede PolitikerInnen und Merkel: Chi = 150,1 (p < 0.001), Cramers V: 0.24 Bei Politikern Unterschiede durch JournalistInnen: Chi = 64,1 (p < 0.001), Cramers V: 0.13 Bei PolitikerInnen Unterschiede durch JournalistInnen: Chi = 46,1 (p < 0.001), Cramers V: 0.26 Bei Merkel Unterschiede durch JournalistInnen: n.s. M&K 62. Jahrgang 1/2014 76 Attribute und Attributbewertungen nach Geschlecht von JournalistInnen und für PolitikerInnen – Anteilea, Mittelwerteb Attribute/ Attributbewertungen Journalisten Journalistinnen Politiker Politikerinnen Merkel Gesamt Politiker Politikerinnen Merkel Gesamt % MW % MW % MW % MW % MW % MW % MW % MW Fach-/Sachkompetenz 19 19 15 18 17 13 19 17 ,09 -,12 ,09 ,06 ,15 -,11 ,31 ,14 Macht 4 3 8 4 2 0 4 2 -,22 -,50 -,19 -,24 -,14 - * -,20 Rationalität 4 7 5 4 2 1 6 3 -,06 -,38 ,00 -,13 -,29 * * ,18 Durchsetzungsvermögen 8 10 17 10 10 6 16 10 -,20 ,00 -,17 ,16 ,22 * ,64 ,36 Politischer (Miss-)Erfolg 9 14 9 10 10 13 10 10 ,24 ,00 -,05 ,15 -,13 ,00 -,57 -,18 Aussehen/Erscheinung 2 3 2 2 2 6 12 4 -,30 ,00 * -,22 * * * ,20 Integrität 16 8 16 15 16 10 16 15 -,35 -,50 -,50 -,39 -,61 -,71 ,10 -,51 Emotionen 4 4 3 4 3 7 3 4 ,04 ,29 * ,16 -,14 ,40 * ,15 Persönlichkeit/Auftreten 25 20 20 23 28 25 13 25 -,09 -,05 ,18 -,05 ,02 ,12 ,25 ,05 Privates 11 13 3 10 10 21 1 11 ,04 ,15 ,00 ,07 ,17 ,83 * ,39 Gesamt 100 (n=992) 100 (n=199) 100 (n=213) 100 (n=1404) 100 (n=327) 100 (n=72) 100 (n=69) 100 (n=468) -,06 (n=908) -,14 (n=185) -,04 (n=205) -,07 (n=1298) -,07 (n=292) ,10 (n=58) ,23 (n=60) ,00 (n=410) a Basis Attributanteile: n=1872 (nur Fälle mit erkennbarem Geschlecht der JournalistInnen) b Basis Attributbewertungen: n=1708 (nur Fälle mit erkennbarem Geschlecht der JournalistInnen; ohne neutrale Bewertungen); * n<5 3-stufige Skala: -1=negativ, 0=ambivalent, +1=positiv (T-Test; teilweise Post-Hoc-Test: Dunnett- T3) Einfluss der redaktionellen Linie online Abschließend geht es um den Stellenwert der redaktionellen Linie für die Geschlechterkonstruktion in Online-Zeitungen. Bei den Themen zeigen sich für Politikerinnen Tabelle 4: 4.3 Engelmann/Etzrodt · Mediale Geschlechterkonstruktion online 77 und Politiker keine markanten Unterschiede zwischen linken und rechten Zeitungen (vgl. Tab. 1). Lediglich Merkel wird in den eher rechtstendenziellen Online-Zeitungen häufiger mit Innenpolitik thematisiert, in den linkstendenziellen Zeitungen und BILD dagegen sehr viel häufiger mit Außen- und Europapolitik. Größere Unterschiede in der thematischen Kontextuierung zeigen sich eher zwischen den Qualitätszeitungen und der Boulevardzeitung BILD. BILD setzt unabhängig vom Geschlecht der PolitikerInnen viel häufiger auf private Themen und viel seltener auf Innenpolitik. Dieses Ergebnis überrascht wenig und stützt Befunde für die BILD offline (z. B. Reinemann 2013: 84). Insgesamt trägt die redaktionelle Linie bei thematischen Kontexten kaum etwas zur Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen und Politikern bei (Forschungsfrage 5). Für Attribute zeigen die prozentualen Anteile im Vergleich, dass linkstendenzielle Zeitungen sowohl Politikerinnen als auch Merkel häufiger mit Durchsetzungsvermögen verknüpfen als rechtstendenzielle Zeitungen (vgl. Tab. 2). Das heißt, Journalistinnen schreiben Politikerinnen im Vergleich zu Politikern zwar weniger Durchsetzungsvermögen zu als Journalisten. Allerdings gleichen das linkstendenzielle Zeitungen aus, indem sie Politikerinnen mehr Durchsetzungsvermögen zuschreiben. Umgekehrt schreiben rechtstendenzielle Zeitungen sowohl Politikern als auch Politikerinnen häufiger Attribute zu, die Persönlichkeit und Auftreten betreffen. Demzufolge unterstützen eher konservative Zeitungen die Geschlechterkonstruktion hinsichtlich der Attribute zu Persönlichkeit und Auftreten zugunsten von Politikern, während Journalistinnen und Journalisten dies gleichermaßen häufiger Politikern zuschreiben. Zudem verknüpfen konservative Zeitungen insbesondere Politikerinnen häufiger mit privaten Dingen als linke Zeitungen, während es diese differente Konstruktion bei Politikern nicht gibt. Im Vergleich der Qualitätszeitungen mit BILD zeigt sich, dass letztere sowohl Politiker als auch Politikerinnen bzw. Merkel geschlechtsunabhängig seltener mit Kompetenz verknüpft, dafür sehr viel häufiger mit deren Aussehen bzw. ihrer Erscheinung sowie mit privaten Aspekten. Insgesamt sind die Unterschiede in der redaktionellen Linie bei Politikerinnen (Chi = 69,8 (p < 0.001), Cramers V: 0.30) größer als bei Politikern (Chi = 74,2 (p < 0.001), Cramers V: 0.13) und bei Merkel (Chi = 26,6 (p < 0.10), Cramers V: 0.18), was größtenteils durch den Unterschied von BILD zu den Qualitätszeitungen erklärbar ist. Die Attributbewertungen zeigen, dass Rationalitätszuschreibungen bei Politikerinnen in konservativen Zeitungen negativer, in linken Angeboten positiver bewertet werden als bei Politikern. In der BILD-Zeitung wird die zugeschriebene Macht zu Merkel viel negativer sowie Persönlichkeit und Auftreten bei Politikerinnen positiver beurteilt als bei Politikern. Zusammenfassend sind die Einflüsse der redaktionellen Linie auf Attribute und Attributbewertungen im Sinne einer Geschlechterkonstruktion nur sehr vereinzelt vorhanden (Forschungsfrage 6). Fazit und Diskussion Insgesamt zeigt sich eine nur schwach unterschiedliche Konstruktion von Politikerinnen und Politikern in den untersuchten Online-Zeitungen. Das Geschlecht von Journalistinnen und Journalisten sowie die redaktionelle Linie der Online-Zeitungen tragen kaum dazu bei, Politikerinnen und Politiker in thematisch unterschiedliche Kontexte zu stellen oder sie mit geschlechtsspezifischen Attributen zu verknüpfen. Die Attributbewertungen unterscheiden sich im Gegensatz zu bisherigen Studien aus dem Offline-Bereich nur sehr selten zwischen Politikerinnen und Politikern. Aus sozialpsychologischer Sicht lässt sich das so begründen, dass Journalistinnen und Journalisten, sofern sie (noch) auf geschlechtsspezifische Deutungsmuster zurückgrei- 5. M&K 62. Jahrgang 1/2014 78 fen, dies nicht bewusst intendieren. Dies zeigt sich auch daran, dass Bewertungen überhaupt nicht geschlechtsspezifisch konstruiert sind. Demzufolge wird die professionelle Norm, Fakten und Meinungen in der Berichterstattung zu trennen, in den untersuchten Online-Zeitungen durchaus eingehalten. Dies leitet zur journalismustheoretischen Perspektive über. Aus dieser Sicht lässt sich schlussfolgern, dass die Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen und Politikern in den Online-Zeitungen im Vergleich zu den bisher untersuchten Offline-Medien sehr gering ausfällt. Dies könnte erstens darauf zurückzuführen sein, dass die Rahmenbedingungen des Online-Journalismus erlauben, Sachverhalte umfangreicher und dadurch möglicherweise weniger geschlechtsstereotyp darzustellen. Zweitens wäre aber auch denkbar, dass dem Publikum von Online-Zeitungen durch transparente Klickzahlen oder aufgrund des vorhandenen Kommentarbereichs schneller und häufiger ermöglicht wird, JournalistInnen Feedback auf ihre Beiträge zu geben. Dies könnte dazu führen, dass JournalistInnen sich in ihren Selektionskriterien zunehmend an das Publikum anpassen und möglicherweise auch zunehmend weniger geschlechtsstereotyp berichten. Diese Erklärung steht mit Scholl (2008) im Einklang, der davon ausgeht, dass das Merkmal Geschlecht von vielen anderen Strukturmerkmalen im Journalismus überlagert wird, u. a. den journalistischen Berufsnormen und/oder den (antizipierten) Erwartungen des Publikums. Einschränkend sei angemerkt, dass sich auf Basis der vorliegenden Untersuchung nicht feststellen lässt, inwiefern der Befund tatsächlich einen Unterschied zwischen Offline- und Online-Medien darstellt oder ein Resultat langfristig veränderter Konstruktionsprozesse im Journalismus generell ist. Dafür wären Offline-Online-Vergleiche der Geschlechterkonstruktion über einen längeren Untersuchungszeitraum notwendig. Zudem ist die Studie dahingehend eingeschränkt, dass wir ausschließlich Texte analysiert haben. Denkbar wäre aber gerade im Online-Journalismus, dass durch webspezifische Besonderheiten wie Hyperlinks und audio-visuelle Inhalte das Geschlecht von Politikerinnen und Politikern anders konstruiert wird als in Texten. Darüber hinaus haben Politikerinnen einen geringeren Anteil an der Berichterstattung, woraus für Politikerinnen geringere Fallzahlen resultieren als für Politiker. Aus diesem Grund dürften die Befunde dieser Analysen statistisch weniger belastbar sein als für Politiker. Künftig sollte die Geschlechterkonstruktion von Politikerinnen und Politikern vergleichend zu partizipativ-journalistischen und sozialen Medien in den Blick genommen werden. Insbesondere politische Diskussionsforen sind eher eine Domäne von Männern (van Eimeren/Frees 2011: 336f.), so dass hier vielleicht eher spezifische bzw. einseitige Konstruktionen des Geschlechts identifizierbar sind. Zudem dürften in Foren und Blogs weniger professionell-journalistische Berufsnormen gelten, die geschlechtsstereotype Konstruktionen überlagern können. Schließlich sollte die Geschlechterkonstruktion im Online-Bereich über Politikerinnen und Politiker hinausgehend untersucht werden. Dies gilt sowohl für soziale Medien als auch für die journalistische Online-Berichterstattung. Denn entsprechend der Befunde von Quandt (2008: 147f., 152) kommen in der Online-Berichterstattung am häufigsten Normalbürger vor. Möglicherweise zeigt sich hier eine stärker differente Geschlechterkonstruktion als für Politikerinnen und Politiker, die am häufigsten entlang politisch-professioneller Attribute beurteilt werden. Literatur Bode, Leticia/Hennings, Valerie M. (2012): Mixed Signals? 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Auf 547 Seiten enthält es umfassende Angaben und Texte zur Struktur und wirtschaftlichen Situation der GEMA sowie den neuesten Stand der gesetzlichen und vertraglichen Grundlagen.

Abstract

In this article we examine how the online coverage of female and male politicians is constructed; the focus is on thematic contextualization and attribution. To this end, different determinants of gender construction in media are discussed, integrating the changing circumstances of online journalism. The five German online newspapers with the broadest coverage were analysed for one year and linked to possible determinants of gender construction. The results show that the online newspapers investigated hardly construct the gender of female and male politicians differently in terms of thematic contextualization and attribution. Insofar as such differences were shown to exist, they can tend to be attributed to the journalist’s gender rather than online newspapers’ editorial policy.

Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht, wie Politikerinnen und Politiker in der Online-Berichterstattung konstruiert werden, wobei der Fokus auf thematischer Kontextuierung und Attribuierung liegt. Zu diesem Zweck werden verschiedene Einflussfaktoren auf die mediale Geschlechterkonstruktion diskutiert und veränderte Rahmenbedingungen des Online-Journalismus für die Geschlechterkonstruktion einbezogen. Empirisch wird die Konstruktion von Politikerinnen und Politikern in den fünf reichweitenstärksten deutschen Online-Zeitungen über ein Jahr hinweg vergleichend analysiert und mit möglichen Einflussfaktoren verknüpft. Die Befunde zeigen, dass die untersuchten Online-Zeitungen das Geschlecht von Politikerinnen und Politikern bezüglich der untersuchten Aspekte kaum unterschiedlich konstruieren. Sofern solche Unterschiede existieren, sind sie eher auf das Geschlecht von Journalistinnen und Journalisten zurückzuführen als auf die redaktionelle Linie der Online-Zeitung.

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Abstract

Medien & Kommunikationswissenschaft provides a forum for discussion of media and communications related issues as well as for analyses of current media developments from various perspectives that are directed to all kinds of media. The journal reflects the latest trends in research and public discussion of media. Medien & Kommunikationswissenschaft primarily addresses scholars, journalists, media organisations, the press, radio and tv broadcaster, film, tv, and video production companies, organisations, and teachers. Website: www.m-und-k.nomos.de

Zusammenfassung

Medien & Kommunikationswissenschaft bietet ein Forum zur Diskussion medien- und kommunikationsbezogener Fragen sowie für Analysen der Medienentwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven und für alle Medien. Medien & Kommunikationswissenschaft spiegelt damit die Trends der Forschung und der öffentlichen Diskussion um die Medien wider. Die Zeitschrift hat einen Jahresumfang von ca. 600 Seiten und enthält Aufsätze, Berichte, Dokumente, Diskussionsbeiträge, Rezensionen sowie eine Zeitschriftenlese und eine Literaturübersicht.

Medien & Kommunikationswissenschaft wendet sich an Wissenschaftler, Journalisten, Medien-Organisationen, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Film-, Fernseh-, Videoproduktionsunternehmen, Verbände, Lehrer, Pressewesen, Medienpolitiker.

Homepage: www.m-und-k.nomos.de