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Andreas Hepp, Hartmut Wessler, Politische Diskurskulturen – Überlegungen zur empirischen Erklärung segmentierter europäischer Öffentlichkeit in:

M&K Medien & Kommunikationswissenschaft, page 174 - 197

M&K, Volume 57 (2009), Issue 2, ISSN: 1615-634X, ISSN online: 1615-634X, https://doi.org/10.5771/1615-634x-2009-2-174

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Politische Diskurskulturen Überlegungen zur empirischen Erklärung segmentierter europäischer Öffentlichkeit Andreas Hepp / Hartmut Wessler Der Aufsatz befasst sich mit der Frage, wie wir den „soziokulturellen Unterbau“ von politischer Öffentlichkeit so konzeptionalisieren können, dass eine empirische Forschung zur transnationalen Öffentlichkeit in Europa auf angemessene Weise möglich wird. Hierzu wird ausgehend von der vergleichenden politischen Kulturforschung, der international vergleichenden sowie der transkulturellen Medien- und Kommunikationsforschung das Konzept der politischen Diskurskulturen entwickelt. Politische Diskurskultur bezeichnet dabei das je spezifische Gesamt von kulturellen Mustern der Produktion, Repräsentation und Aneignung politischer Kommunikation wie auch damit zusammenhängende kulturelle Muster der Regulation und Identifikation. Der Artikel zeigt, dass ein solches Konzept geeignet ist, einen der Hauptbefunde erklärend zu erforschen, den wir aktuell im Hinblick auf transnationale politische Öffentlichkeit in Europa haben: Auf der einen Seite stellen wir einen Prozess der Transnationalisierung von Öffentlichkeit in Europa fest, auf der anderen Seite bleiben nationale politische Öffentlichkeiten bestehen bzw. wirken Nationen in unterschiedlichem Maße segmentierend auf die entstehende europäische Öffentlichkeit ein. Schlagwörter: Europäische Öffentlichkeit, Diskurs, Medienkultur, politische Kommunikation, empirische Medien- und Kommunikationsforschung Einleitung Bezogen auf eine Auseinandersetzung mit nationalen wie auch transnationalen politischen Öffentlichkeiten hat Bernhard Peters festgestellt, dass „Öffentlichkeiten […] einen sozialen und kulturellen Unterbau [haben], der nicht allein aus Medienmärkten und Medienorganisationen besteht“ (Peters 2007: 363). Der vorliegende Aufsatz nimmt diese Überlegungen als Ausgangspunkt und fragt, wie man diesen soziokulturellen „Unterbau“ konzeptionalisieren kann. Dabei entwickeln wir zu dessen empirischer Beschreibung das Konzept der politischen Diskurskulturen. Dieses Konzept ist unseres Erachtens geeignet, einen der Hauptbefunde zu erklären, den wir aktuell im Hinblick auf politische Öffentlichkeiten in Europa haben: Auf der einen Seite stellen wir einen Prozess der Transnationalisierung von Öffentlichkeit in Europa fest, auf der anderen Seite bleiben nationale politische Öffentlichkeiten bestehen bzw. wirken Nationen in unterschiedlichem Maße segmentierend auf die entstehende europäische Öffentlichkeit ein. Wir wollen in fünf Argumentationsschritten vorgehen. In einem ersten Schritt geht es uns darum, einen auf empirische Beschreibung orientierten Begriff von (nationaler) Öffentlichkeit und deren Transnationalisierung zu entwickeln. Darauf aufbauend wollen wir den Forschungsstand zum Verhältnis von Öffentlichkeit, politischer Kommunikation und Kultur näher beleuchten. Eine solche Betrachtung gestattet es dann, das Konzept der politischen Diskurskulturen zu entwickeln. Dann gehen wir darauf ein, inwiefern eine Betrachtung politischer Diskurskulturen entlang der Kriterien von Regulation, Produktion, Repräsentation, Aneignung und Identifikation zielführend ist. 1. 174 Wie wir abschließend zeigen wollen, eröffnet das Konzept politischer Diskurskulturen vielfältige Forschungsperspektiven auf die Transnationalisierung von Öffentlichkeit. Transnationale Öffentlichkeit als segmentierter politischer Kommunikationsraum Auch wenn der Begriff der Öffentlichkeit erst im 18. Jahrhundert gebildet (Hölscher 1998) bzw. seit den 1960er Jahren weiter theoretisiert wurde (Habermas 1990 [1962]; Dahrendorf 1969), hat er sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der Schlüsselbegriffe der kommunikations- und medienwissenschaftlichen wie auch der soziologischen und politikwissenschaftlichen Forschung über politische Kommunikation entwickelt. Uns erscheint es zielführend, in einem ersten Schritt Öffentlichkeit deskriptiv als Raum verdichteter politischer Kommunikation zu verstehen. Bereits Bernhard Peters hat in Bezugnahme auf Karl W. Deutsch (1953) Öffentlichkeit als Kommunikationssphäre bezeichnet, die „durch eine hohe Dichte an Kommunikationsflüssen [gekennzeichnet ist], wobei die Dichte im Inneren höher ist als über die Grenzen hinweg“ (Peters 2007: 329). Die allgemeinste deskriptive Bestimmung lautet also: Öffentlichkeiten sind Räume verdichteter politischer Kommunikation, die sich durch die Grenzen dieser Verdichtung sozialräumlich voneinander unterscheiden lassen. Im Fokus von Öffentlichkeit steht damit im Sinne der Kommunikations- und Medienwissenschaft politische Kommunikation als „der zentrale Mechanismus bei der Formulierung, Aggregation, Herstellung und Durchsetzung kollektiv bindender Entscheidungen“ (Jarren/Donges 2002: 22; siehe auch Vowe 2003). Der Begriff der Verdichtung hebt darauf ab, dass diese Kommunikationsräume als Netzwerke unterschiedlicher Arenen und Teilöffentlichkeiten vorstellbar werden (Fraser 1993). Sie sind durch eine Binnenstrukturierung gekennzeichnet, über diese hinweg aber durch geteilte Themen und Ereignisse sowie gegenseitige kommunikative Bezugnahmen integriert (Kleinen-von Königslöw 2008). Gleichzeitig hebt der Begriff des Kommunikationsraums auf den Kommunikationsprozess als solchen ab, bezieht also Medienschaffende ebenso ein wie Medieninhalte und Mediennutzende (Lingenberg 2009). Ein solches Verständnis von Öffentlichkeit als Kommunikationsraum ermöglicht einen breiten Anschluss an die aktuelle, gerade auch kulturtheoretisch orientierte Forschung der Kommunikations- und Medienwissenschaft und hat dabei bestimmte Stärken. So hat bereits 1986 Otfried Jarren einen Entwurf für eine Kommunikationsraumanalyse vorgelegt, in dem er vor allem drei Vorzüge des Kommunikationsraumkonzepts herausstellt (Jarren 1986: 310-312): Erstens ermöglicht es eine integrative Erforschung der Strukturen und Prozesse unterschiedlicher Medien (Kommunikationsräume werden durch verschiedene Medien konstituiert). Zweitens gestattet es die Modellierung unterschiedlicher Ausdehnungen (Kommunikationsräume können ineinander „verschachtelt“ sein, bspw. als regionale, nationale und transnationale Kommunikationsräume). Drittens bietet das Konzept eine interdisziplinäre Anschlussfähigkeit, insbesondere zur Soziologie und Politikwissenschaft (wo es lange Traditionen der Forschung zu sozialen und politischen Räumen gibt). Diese Vorzüge helfen auch zu erklären, warum das Kommunikationsraumkonzept seit den 1990er Jahren breit in einer kulturtheoretisch orientierten Medienforschung aufgegriffen wurden (vgl. Couldry/Mc- Carthy 2004; Hepp 2004: 84-95; Hipfl 2004). Auf allgemeiner Ebene lässt sich dabei „Kommunikationsraum“ als der durch Kommunikationsprozesse geschaffene Raum wechselseitiger Zugehörigkeit („belonging“) verstehen, wobei diese Kommunikationsprozesse auf Makrostrukturen wie Märkte oder politische Systeme verweisen (Morley 2001: 433). Praktisch sind Kommunikationsräume als Verdichtungen von Kommunika- 2. Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 175 tion in einem bestimmbaren Erstreckungsgebiet und damit verbundene Prozesse des Herstellens von Identität beschreibbar, weswegen Elisabeth Klaus et al. von „medialen Identitätsräumen“ (Klaus et al. 2004: 9; siehe auch Winter 1993) sprechen. Das Spezifische von Öffentlichkeit als einem Kommunikationsraum ist nun darin zu sehen, dass ihr demokratietheoretisch eine normative Funktion zukommt, nämlich für eine bestimmte politische Institution (Gemeinde, Bundesland, Staat, Staatenbund) legitimierend zu sein (Habermas 2008: 173). In diesem Sinne ist nicht jeder Kommunikationsraum Öffentlichkeit, aber jede Öffentlichkeit ein in welchen Graden auch immer politisch legitimierender Kommunikationsraum wechselseitiger Zugehörigkeit und Identität.1 Geht man von einem solchen Begriff der Öffentlichkeit aus, sind – darauf hat Peters (2007: 329) zu recht hingewiesen – Öffentlichkeiten historisch durch Nationalstaaten begrenzt, indem nicht nur politische Entscheidungsprozesse, sondern auch der massenmedial vermittelte Raum öffentlicher Kommunikation durch entsprechende Sendebzw. Verbreitungsräume bis in die 1980er Jahre insbesondere national-territorial bezogen war (Morley 2000; Hepp/Couldry 2009). Spätestens seit den 1990er Jahren beobachten wir aber zwei Entwicklungstendenzen: ● Transnationalisierung von Politik: Erstens ist Politik zunehmend nicht mehr nur national-territorial bezogen, sondern auch trans- und supranational, indem beispielsweise mit fortschreitender Globalisierung Institutionen jenseits des Nationalstaats relevanter werden. ● Transnationalisierung von Kommunikationsräumen: Zweitens „deterritorialisieren“ (García Canclini 1995) sich translokale Kommunikationsräume, d. h. mit Satellitenkommunikation, erweiterten Distributionswegen, Formathandel, Internet usw. löst sich der zuvor dominierende national-territoriale Bezug von Kommunikationsraum zumindest in Teilen auf und es treten an seine Seite vielfältige deterritoriale Kommunikationsräume, Austauschbeziehungen zwischen territorialen Kommunikationsräumen bzw. neue großregionale territoriale Kommunikationsräume. In Bezug auf die empirische Erforschung von Öffentlichkeit werden beide Entwicklungsprozesse im Konzept der transnationalen Öffentlichkeit reflektiert: Öffentlichkeit ist nicht zwangsläufig als national verdichteter Kommunikationsraum zu begreifen, sondern kann auch weitergehende Ausdehnungen annehmen und – unter bestimmten zusätzlichen Bedingungen – auch für supranationale Institutionen politisch legitimierend sein. In diesem Sinne können wir ausgehend von den bisherigen Überlegungen transnationale Öffentlichkeiten als Räume der Verdichtung von Prozessen öffentlicher, medial vermittelter politischer Kommunikation begreifen, die den nationalen Bezugsraum übersteigen. Dies kann in Bezug auf Großregionen der Fall sein („Europa“, „Südamerika“, „arabischer Raum“), in Bezug auf deterritoriale Netzwerke („Migrationsgemeinschaften“ bzw. „Diasporas“), aber auch in Bezug auf die Welt als ganze. Beispielsweise sieht Ingrid Volkmer (2002: 824) zumindest die Möglichkeit einer „globa- 1 Hier operieren wir mit einem engeren Begriff von Öffentlichkeit als andere, kulturtheoretische Konzepte; wie beispielsweise Faulstich (2000), der (europäische) Öffentlichkeit aus „kulturwissenschaftlicher Sicht“ über die Kriterien eines geteilten Raums, geteilter Medien und geteilter Akteure fasst, oder Elisabeth Klaus, die darunter ganz allgemein einen „Selbstverständigungsprozess der Gesellschaft“ (Klaus 2006: 96) versteht. Der Grund für unsere engere Begriffsbildung ist, dass in solchen weiten Konzepten jegliche öffentliche Medienkommunikation zur Öffentlichkeit wird und die spezifische demokratietheoretische Implikation des Konzepts von Öffentlichkeit verloren geht. Gerade auf diese kommt es aber bei Fragen politischer Kommunikation an. M&K 57. Jahrgang 2/2009 176 len Öffentlichkeit“, die allerdings keinen fortlaufenden Bestand hat, sondern sich bei einzelnen herausragenden globalen politischen Medienevents wie dem 11. September 2001 situativ konstituiert. Ein solches Verständnis erlaubt es, nationale Öffentlichkeit und transnationale Öffentlichkeiten nicht im Rahmen einer Entweder/Oder-Argumentation zu fassen, sondern im Rahmen von Sowohl/Als-Auch-Überlegungen (vgl. Neidhardt 2006): Nationale und transnationale Öffentlichkeiten können insofern gleichzeitig Bestand haben, als es sich hierbei um ineinander „verschachtelte“ politische Kommunikationsräume handelt, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. So kann man theoretisch hergeleitet sagen, dass innerhalb von transnationaler Öffentlichkeit nationale Öffentlichkeiten bestehen und gleichwohl als vorrangig erscheinen, indem deren kommunikative Verdichtung größer ist. Dies widerspricht gleichzeitig jedoch nicht dem Bestand einer transnationalen Öffentlichkeit „in schwächerer Ausprägung“. Bezieht man solche Überlegungen auf Europa, so weisen unsere Forschungsergebnisse2 auf den Befund einer segmentierten europäischen Öffentlichkeit hin. Konkret untersucht haben wir als ein Moment europäischer Öffentlichkeit in einer standardisierten Inhaltsanalyse die Meinungsbeiträge (Leitartikel, Kommentare, Kolumnen, Gastbeiträge, Interviews und sonstige Beiträge mit meinungsbezogenem Inhalt) führender Qualitätszeitungen aus den Ländern Deutschland (FAZ), Großbritannien (The Times), Frankreich (Le Monde), Österreich (Die Presse), Dänemark (Politiken) und Polen (Gazeta Wyborcza [ab 1989]).3 Die Inhaltsanalyse umfasst (bislang) den Zeitraum von 1982 bis 2003 (in Polen seit 1989), wobei in Siebenjahresintervallen je zwei künstliche Wochen der Berichterstattung ausgewertet wurden. Eine solche Inhaltsanalyse ausgewählter Zeitungen bildet selbstverständlich nicht politische Öffentlichkeit insgesamt ab. Im Hinblick auf unseren Begriff der Öffentlichkeit müssten für eine umfassende Beschreibung auch andere Medien bzw. Rezeptions- und Aneignungsprozesse solcher Inhalte untersucht werden. Gleichwohl können wir die Ergebnisse der Inhaltsanalyse als zentrale Indikatoren von Prozessen der Transnationalisierung von Öffentlichkeit begreifen: Gestützt auch durch andere Untersuchungen (vgl. etwa Pfetsch 2004) lässt sich zeigen, dass insbesondere Qualitätszeitungen in ihrer Berichterstattung über Ländergrenzen hinaus orientiert sind, d. h. wenn Prozesse von Transnationalisierung greifbar werden, dann bei diesen. Unsere Kodierung erfolgte im Hinblick auf die Auswertungsdimensionen (a) der Thematisierung nationaler, europäischer und darüber hinausgehender inter-/supranationaler Institutionen bzw. der Aufmerksamkeit, die diese genießen, (b) der wechselseitigen Beobachtung der Untersuchungsländer und der Herkunft der Sprecher sowie (c) der Wir-Bezüge als Indikatoren von geteilter kollektiver Identität.4 Von Segmentierung sprechen wir dann, wenn (1.) auf diesen Einzeldimensionen die europäischen Ausprägungen unter dem Niveau der nationalen Ausprägungen bleiben und wenn sich zugleich (2.) Verschiebungen im Zeitverlauf in Richtung auf verstärkte europäische Aus- 2 Zu der bisher in dem Projekt B3 „Die Transnationalisierung von Öffentlichkeit am Beispiel der EU“ geleisteten Forschung siehe insbesondere: Brüggemann et al. 2007; Wessler et al. 2008. 3 Ergänzt wird diese Untersuchung aktuell durch die Erweiterung des Mediensamples auf je eine Boulevard-Zeitung pro Untersuchungsland sowie durch eine weitere Erhebungswelle für das Jahr 2008. 4 Eine vierte Dimension, die inhaltliche Konvergenz nationaler Mediendebatten im Zeitverlauf, wurde zudem an zwei Fallbeispielen (militärische Interventionen und gentechnisch veränderte Lebensmittel) und auf Grundlage von jeweils zwei Qualitätszeitungen pro Land untersucht (vgl. im Einzelnen Wessler et al. 2008, Kapitel 6 und 7). Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 177 prägungen nur bei der Thematisierung und den Wir-Bezügen zeigen, nicht aber bei der wechselseitigen Beobachtung der nationalen Berichterstattung verschiedener Länder. In diesem Fall hält die horizontale Verschränkung der nationalen Mediendebatten mit dem (vermuteten) Bedeutungsgewinn Europas und europäischer Identifikationen nicht Schritt. Im Kern fasst die Formulierung „segmentierte europäische Öffentlichkeit“ damit den Befund, dass sich zwar eine transnationale europäische Öffentlichkeit konstituiert, diese aber gleichwohl in hohem Maße über die kommunikativen Verdichtungen nationaler Öffentlichkeiten segmentiert bleibt. Die Befunde sind in Stichpunkten formuliert: ● EU-Fokussierung (Dimension Beobachtung von Regieren): Für den Untersuchungszeitraum lässt sich zeigen, dass sich über alle Untersuchungsländer hinweg die öffentliche Aufmerksamkeit für EU-Politik von 2 Prozent auf 9 Prozent der meinungshaltigen Artikel vervielfacht. Gleichzeitig bleibt der Fokus auf nationale Politik bei rund 35 Prozent konstant, der Fokus auf weitergehende internationale Politik sinkt leicht von 15 auf gut 10 Prozent. Wenn man weitere Befunde wie die steigende Thematisierung von EU-Politikern als Nebenthematisierung einbezieht, so lässt sich argumentieren, dass sich durch einen „geteilten Blick“ nach Brüssel eine transnationale Öffentlichkeit zu konstituieren beginnt. ● Wechselseitige Fokussierung (Dimension diskursive Integration): Ein anderer Befund ergibt sich, wenn man in den Vordergrund rückt, wie sich in den verschiedenen Zeitungen die wechselseitige Beobachtung der nationalen Öffentlichkeiten artikuliert. Hier zeigt sich in der Inhaltsanalyse, dass bis 2003 keine Zunahme der Diskussion über andere europäische Länder in den meinungshaltigen Artikeln zu verzeichnen war (ca. 20 Prozent gegenüber ca. 50 Prozent Berichterstattung über das eigene Land). Ähnliche Aussagen (auch im Hinblick auf Prozentanteile) können für den Bezug auf Meinungen und Positionen von Sprechern aus anderen europäischen Staaten gemacht werden. Letztlich ist über diesen Befund das Konzept der Segmentierung europäischer Öffentlichkeit hergeleitet: Während der „Blick nach Brüssel“ zunimmt, stagnieren der „Blick auf- und Austausch untereinander“. ● Identität (Dimension kollektive Identifikation): Betrachtet man Wir-Bezüge einerseits im Hinblick auf die eigene Nation, andererseits im Hinblick auf Europa, lassen sich geringfügige Veränderungen im Untersuchungszeitraum ausmachen: mit einer leichten Abnahme von nationalen Wir-Bezügen (von ca. 43 auf 37 Prozent) bei einer gleichzeitigen leichten Zunahme von europäischen Wir-Bezügen (von unter einem auf ca. 5 Prozent). Die Tendenz der Entwicklung einer europäischen Identität ist – zumindest im Hinblick auf die Wir-Bezüge in der untersuchten Meinungsberichterstattung – also nur gering ausgeprägt. Der beispielsweise von Jürgen Gerhards (2000: 281-286) betonten fortschreitenden Europäisierung von Wirtschaft und Politik entspricht also nicht in gleichem Maße das Entstehen einer transnationalen europäischen Öffentlichkeit. Gleichzeitig werden aber Prozesse der Annäherung greifbar, die sich als Ansätze des Entstehens einer europäischen Öffentlichkeit interpretieren lassen. So zeigt beispielsweise die von uns für Polen durchgeführte Inhaltsanalyse, dass sich die Berichterstattung in der dortigen Qualitätspresse nach Polens Beitritt zur EU schnell an die Strukturen der Berichterstattung in den anderen Ländern annäherte (Kleinen-von Königslöw/Möller 2009). Um das in der Segmentierung von europäischer Öffentlichkeit aufscheinende Beharrungsvermögen nationaler Öffentlichkeiten bei einer gleichzeitigen bedingten Annäherung zu erklären, wird in der Forschung auf soziokulturelle Differenzen verwiesen, eben den von Bernhard Peters (2007: 363) angesprochenen „sozialen und kulturel- M&K 57. Jahrgang 2/2009 178 len Unterbau, der nicht allein aus Medienmärkten und Medienorganisationen besteht“. Zur Beschreibung dieses „Unterbaus“ existieren in der Kommunikations- und Medienwissenschaft bzw. der Politikwissenschaft verschiedene Ansätze, die – so unser Argument – bisher aber keine hinreichende Erklärungsmöglichkeit liefern. Öffentlichkeit, politische Kommunikation und Kultur Im Feld der politischen Kommunikationsforschung bestehen kulturtheoretische Erklärungsansätze spätestens seit den 1950er Jahren. Die wissenschaftliche Diskussion um Öffentlichkeit, politische Kommunikation und Kultur lässt sich dabei in drei Forschungsfeldern systematisieren, erstens dem der politischen Kulturforschung, zweitens dem der international vergleichenden Medien- und Kommunikationsforschung und drittens dem der transkulturellen Medien- und Kommunikationsforschung. Politische Kulturen: Vergleichende politische Kulturforschung Als einer der zentralen Ausgangspunkte für die politische Kulturforschung kann die in den 1960er Jahren entstandene „Civic Culture“-Studie von Gabriel A. Almond und Sidney Verba (1963) gelten. Im Kern geht dieser Ansatz davon aus, dass das politische System eines Landes nicht nur durch seine soziopolitische und institutionelle Struktur erklärbar ist, sondern in dessen Beschreibung auch Grundwerte, Kenntnisse und gefühlte Bindungen einbezogen werden müssen, die die Art und Weise bestimmen, wie Menschen innerhalb politischer Institutionen handeln (vgl. Verba 1965: 514). Dabei konzeptionalisieren Almond und Verba politische Kultur als individuell messbare Orientierungsmuster von Menschen zum politischen System (Almond/Verba 1963: 13). Letztlich ist es in erheblichem Maße – so die Überlegungen – die politische Kultur eines Landes, die auch die Akzeptanz von Institutionen und Verfassung bestimmt und nicht umgekehrt (Verba 1965: 517). Dieses von der Mikro-Ebene (Erfragung individueller Einstellungen) auf die Makroebene (politische Kultur eines Landes) schließende Konzept kann als Ausgangsund bis heute relevanter Referenzpunkt der Forschung zur politischen Kultur gelten. Trotz der Fülle der hiervon ausgehenden Studien bleiben allerdings insbesondere zwei wiederholt diskutierte grundlegende Probleme dieses Ansatzes bestehen. Zuerst einmal sind empirische Kritikpunkte zu nennen, d. h. Kritikpunkte der empirischen Tragfähigkeit des Konzepts der politischen Kultur. Im Kern wird wiederholt darauf verwiesen, dass die Aggregation individueller Einstellungsdaten zu Aussagen über die politische Gesamtkultur eines Landes bzw. einer größeren Gruppe von Menschen einem individualistischen Fehlschluss unterliegt, da aus individuellen Umfragedaten nicht auf ein komplexes soziales Phänomen wie politische Kultur geschlossen werden kann (Scheuch 1968; Lijphart 1980: 45; Kaase 1983; Inglehart 1988; Gabriel 1994). Zweitens werden theoretische Kritikpunkte angebracht. Politische Kultur – so das Argument – umfasst weit mehr als die „patterns of orientation towards political objects” und sollte im Sinne der seit den 1970er Jahren in den Sozialwissenschaften wieder erstarkenden Kulturforschung umfassender als „kognitiv-normative Landkarte“ (Elkins/Simeon 1979: 127) in einem bestimmten politischen Kontext begriffen werden (Rohe 1994; Patzelt 1989). Diese Kritikpunkte dürfen aber nicht über die zentrale Leistung dieses Ansatzes hinwegtäuschen, nämlich dass durch ihn politische Kultur zu einem zentralen, sich ausdifferenzierenden Feld der internationalen Politikforschung wurde (Wilson 2000; Pickel/ Pickel 2006). Die auch für unsere Fragestellung relevante Leistung dieser Forschung 3. 3.1 Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 179 ist darin zu sehen, dass sie mit politischen Kulturen auf ein Muster politischer Differenzen zwischen Staaten hinweist, das gerade nicht institutionell zu fassen ist und gleichwohl eine „impressive stability over time“ (Inglehart 1988: 1215) aufweist. Allerdings ist in diese Forschung eine Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit bzw. (politischer oder auch nicht-politischer) Medienkommunikation kaum einbezogen bzw. falls dies geschieht – wie insbesondere in der interpretativen Tradition (vgl. Dörner 1999, 2006) –, so wiederum kaum in einem länder- oder kulturvergleichenden Rahmen. Entsprechend ist bis heute der bereits aus dem Jahr 1989 stammenden Kritik von Ulrich Sarcinelli zuzustimmen, dass „die politische Kulturforschung im besonderen dem Bereich der Massenkommunikationsforschung bisher zu wenig Interesse geschenkt hat“ (Sarcinelli 1989: 292). Eine Ausnahme bildet hier das an den Ansatz von Almond/Verba anknüpfende Konzept der politischen Kommunikationskultur von Barbara Pfetsch (2003), das wir im nächsten Abschnitt behandeln. Kommunikations- und Journalismuskulturen: International vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung In der international vergleichenden Forschung rücken zunehmend verschiedene Kommunikations- und Journalismuskulturen in den Blickpunkt, die mittels unterschiedlicher Methoden beforscht werden. Während das Konzept der Kommunikationskultur stark in der Forschung zu politischer Kommunikation beheimatet ist,5 entstammt das Konzept der Journalismuskultur dem Strang der Journalismusforschung selbst, wobei beide Stränge an vielen Punkten konvergieren (Mancini 2007: 2). Eine Betrachtung beider Forschungsstränge zeigt, dass – teilweise durchaus in bewusster Abgrenzung zur vergleichenden Politikforschung – Kultur selbst in wesentlich stärkerem Maße medien- und kommunikationstheoretisch reflektiert und auf Fragen von Öffentlichkeit und deren Wandel bezogen wird. In der Forschung zu Kommunikationskulturen wird der bereits diskutierte Ansatz von Almond und Verba aufgegriffen, allerdings kommunikations- und medientheoretisch fortgeführt. Überlegungen insbesondere von Jay G. Blumler und Michael Gurevitch (1995) integrierend hat Barbara Pfetsch (2003) ein Konzept „politischer Kommunikationskultur“ entwickelt. Es dient dazu, „international vergleichende Untersuchungen anzustellen und somit Aufschluss über Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Verhältnisses von Medien und politischen Akteuren in verschiedenen Ländern zu erhalten“ (Pfetsch/Mayerhöffer 2006: 21). Ausgehend von einer Vier-Typen-Systematik politischer Kommunikationskulturen untersucht Pfetsch momentan mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen in dem Projekt „Political Communication Cultures in Western Europe“ vergleichend die politischen Kommunikationskulturen in verschiedenen westeuropäischen Ländern auf Basis einer Befragung politischer Sprecher und Journalisten.6 Vielfältiger noch als im Bereich der politischen Kulturforschung ist die vergleichende Forschung zu Journalismuskulturen, die bis in die Anfänge der Forschung zu internationaler Kommunikation zurückgeht (Siebert et al. 1956; überblickend für die weitere Entwicklung Esser 2002). Solche allgemeinen Arbeiten zu Kultur und Journalismus wurden in den letzten Jahren zunehmend verdichtet zum Konzept der „journalisti- 3.2 5 Vgl. aber Knoblauch 1995. 6 Im Fokus des Projekts stehen die Länder Deutschland, Österreich, Dänemark, Finnland, Spanien, Schweden und Schweiz. Für nähere Informationen siehe www.communication-cul tures.eu. M&K 57. Jahrgang 2/2009 180 schen Kultur“ („journalistic culture“, Hollifield et al. 2001: 112; Kopper 2003: 109; Machill 1997; Waisbord 2000: 93) oder der „Journalismuskultur“ („journalism culture“, Campbell 2004: 80; Gurevitch/Blumler 2004: 337; Mancini 2007: 3; Zelizer 2005; Weaver/ Löffelholz 2008: 8). Paolo Mancini (2007: 1) beschreibt das Ziel dieser Konzepte: „[T]he idea of journalism culture allows us to view journalism not only as a profession, with its own routines, practices, specific ethics, but also to link this profession to the country’s more general culture and especially to its political culture.“ In dieser Formulierung klingt allerdings eine begriffliche Differenzierung an, die Mancini gegen das Konzept der politischen Kommunikationskultur von Pfetsch, aber auch gegen andere bestehende Ansätze von Journalismuskultur setzt.7 Mancini argumentiert, dass es letztlich notwendig sei, zwei Ebenen von Journalismuskultur im Blick zu haben, nämlich erstens die Ebene eines transkulturell geteilten „professional journalism“ (Mancini 2007: 9), der bereits in seiner und Hallins vergleichenden Studie zu Mediensystemen fokussiert wurde. Hier geht es um Fragen der professionellen Praxis, d. h. von „specialist procedures and practices that are often, but not always, developed out of the national context and then adapted to it“ (Mancini 2007: 9). Dem steht zweitens die Ebene nationalkulturell spezifischer Ausprägungen von Journalismus gegenüber, die letztlich nur dann fassbar werden, wenn man diese im gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet. In einem solchen Rahmen hat Thomas Hanitzsch (2007) einen Entwurf zur vergleichenden Beschreibung von Journalismuskulturen vorgelegt. Er begreift Journalismuskultur als die „im Journalismus spezifischen kognitiven, evaluativen und performativen kulturellen Ordnungen, mit denen sich Journalisten ihre Wirklichkeit als bedeutungsvoll erschaffen und die in Form von kollektiven Wissensordnungen ihr Handeln ermöglichen und einschränken“ (Hanitzsch 2007: 374). Versucht man die bis hierher skizzierten Ansätze systematisch im Hinblick auf ihre Erklärungsleistung für die Segmentierung europäischer Öffentlichkeit zu bewerten, so fällt zuerst einmal im Vergleich zur politischen Kulturforschung die Konkretisierung auf Fragen kommunikativer Vermittlung auf. Gemeinsam ist den Ansätzen, dass sie nicht einfach auf die Beschreibung der kulturellen Differenz von politischen Systemen zielen, sondern letztlich systematisierend (nationale) Differenzen im Bereich der politischen Kommunikation über spezifische Kommunikations- oder Journalismuskulturen zu erklären suchen. Die Forschung bietet damit einen ersten wichtigen Ansatzpunkt zur Erklärung der Segmentierung von europäischer Öffentlichkeit, indem sie auf kulturelle Differenzen der Herstellung von Öffentlichkeit verweist. Gleichzeitig beschränken sich die Beschreibungsansätze von Kommunikationskulturen und Journalismuskulturen im empirischen Zugriff letztlich auf die Akteure in Journalismus und politischer PR sowie auf die Mediensysteme als Kontexte für deren Handeln. Weitergehende Zusammenhänge von Kultur, insbesondere das Wechselverhältnis zwischen Medienprodukten und deren Rezeption und Aneignung, werden in diesen Forschungssträngen nicht in die Betrachtung einbezogen. So bleiben die soziokulturellen Hintergründe und Ursachen für unterschiedliche Ausprägungen in den individuellen Einstellungen und Orientierungen von Journalisten und Politikern/politischen PR-Leuten oftmals unklar. Ihre Aggregation auf Länderebene allein kann nach unserer Überzeugung das komplexe Phänomen einer politischen Diskurskultur noch nicht angemessen rekonstruieren. 7 Vgl. zu ähnlichen Positionen beispielsweise Reese 2001: 178; Zelizer 2005: 211. Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 181 Medienkulturen: Transkulturelle Medien- und Kommunikationsforschung Im Fokus der transkulturellen Medien- und Kommunikationsforschung steht nicht die politische Kommunikation, sondern Medienkultur und deren Wandel im Allgemeinen. Als Medienkulturen werden solche Kulturen begriffen, deren herausragende Ressourcen durch technische Kommunikationsmedien vermittelt sind.8 Trotz dieser unterschiedlichen Orientierung liefert der Forschungsstrang wichtige Erkenntnisse und Überlegungen, die es einzubeziehen gilt, wenn man eine angemessene kulturtheoretische Betrachtung der Segmentierung europäischer Öffentlichkeit entwickeln möchte. Kennzeichnend für diesen Strang ist einerseits das Aufgreifen der neueren Kulturtheorie für ein angemessenes Verständnis der Globalisierung der Medienkommunikation, andererseits eine Auseinandersetzung mit der Deterritorialisierung von medienvermittelten Kommunikationsräumen. Bezogen auf die Globalisierung der Medienkommunikation zeichnet sich der Ansatz der transkulturellen Medien- und Kommunikationsforschung durch einen breiten Anschluss an die Soziologie der Globalisierung aus (Beck 1997; Giddens 1996; Cohen/ Kennedy 2000). Ausgehend von solchen Überlegungen treffen sich die Argumente der verschiedenen Forscherinnen und Forscher darin, dass die Globalisierung der Medienkommunikation im Kern der Prozess einer lang anhaltenden, weltweiten Zunahme von Kommunikationsbeziehungen bzw. Konnektivitäten ist (Tomlinson 1999; Hepp 2004: 125-135). Mit diesem Prozess geht nicht die Schaffung einer einheitlichen (medienvermittelten) „global culture“ (Featherstone 1990) einher. Allerdings werden Kommunikationsräume und damit auch medienvermittelte Kulturen auf komplexe Art und Weise neu konfiguriert. Dabei rückt in dieser Forschung die Auseinandersetzung mit deterritorialen Kommunikationsräumen in den Fokus. Deterritorialisierung fasst die verschiedenen Tendenzen der „Aufweichung“ der Beziehung zwischen Kultur und Territorium (García Canclini 1995: 167). Beschreibbar werden solche Kommunikationsräume zuerst einmal anhand von „geolinguistischen Regionen“, ein Konzept, das auf Sinclair, Jacka und Cunningham (1996) zurückgeht. Unserer Argumentation nach lassen sich – insbesondere im Bereich des Fernsehens und hier populärkultureller Formate – verschiedene staatenübergreifende Großregionen ausmachen, die durch gemeinsame kulturelle, sprachliche und historische Konnektivitäten gekennzeichnet sind und bisweilen eine erstaunliche Kohärenz als Medienlandschaft aufweisen. Geolinguistische Regionen ergeben nicht unbedingt ein geschlossenes Territorium, sondern können durchaus weit auseinander liegende Länder umfassen. Wichtiger als eine geografische Nähe ist also die kulturelle Nähe, die auch durch einen lang anhaltenden transkulturellen Kontakt entstehen kann, selbst wenn er wie im Falle des Kolonialismus erzwungen war. Gegenwärtig wird insbesondere Medienevents eine herausragende Stellung bei der Artikulation deterritorialer Kommunikationsräume zugesprochen (Dayan/Katz 1992; Volkmer 2006; Katz/Liebes 2007; Couldry/Hepp/Krotz 2009). Versucht man diesen Strang der transkulturellen Medien- und Kommunikationsforschung zusammenfassend im Hinblick auf die uns interessierenden Fragen zu bewerten, so fällt auf, dass einerseits differenzierte Konzepte und Begriffe entwickelt wurden, um kulturelle Prozesse zu beschreiben, die sich gerade nicht in den „Container“ (Beck 1997) von Nationalstaaten fügen. Medienkulturen werden in dieser Tradition als spezifische kulturelle Verdichtungen angesehen, die sich auf bestimmte Territorien be- 3.4 8 Dies heißt nicht, dass „alles“ medial vermittelt ist, aber dass technische Medien die zentralen Institutionen bei der Konstruktion des „Zentrums“ dieser Kulturen sind (vgl. Couldry 2003). M&K 57. Jahrgang 2/2009 182 ziehen können, aber – in Zeiten der Globalisierung der Medienkommunikation – nicht müssen. Während in einem solchen Ansatz eine sehr differenzierte Forschung betrieben wurde, beispielsweise zu Populärkulturen, ist der aufgrund des politischen Systems nach wie vor bestehende territoriale Rückbezug politischer Kommunikation (vgl. Hepp/Couldry 2009) bisher nicht hinreichend Gegenstand der Forschung gewesen. Die in diesem Forschungsstrang vor allem im Hinblick auf Fragen der Globalisierung von Medienkommunikation bestehende kulturanalytische Differenziertheit wurde also bisher für die politische Medien- und Kommunikationsforschung nicht hinreichend nutzbar gemacht. Politische Diskurskulturen als Konzept Im Kern zielt unser Konzept der politischen Diskurskulturen auf eine Integration der Ansätze der vergleichenden politischen Kulturforschung, der international vergleichenden Medien- und Kommunikationsforschung und der transkulturellen Medien- und Kommunikationsforschung. Hinter dem Integrationsversuch steht die Überlegung, dass die bisherigen Ansätze für sich genommen nicht hinreichend erscheinen, um einen befriedigenden Erklärungsansatz für Segmentierungen transnationaler Öffentlichkeiten zu entwickeln, zugleich aber insgesamt auf die Relevanz einer kulturtheoretischen Erklärung verweisen. Eine Integration der verschiedenen Forschungsstränge in einem umfassenden Ansatz der Beschreibung politischer Diskurskulturen ist also naheliegend. In seiner Grundanlage verstehen wir das Konzept der politischen Diskurskultur analytisch, d. h. es dient der empirischen Bestimmung und nicht der normativen Bewertung. Dies konkretisiert sich auch in unserem Verständnis der grundlegenden Begriffe, nämlich dem der Kultur und dem des Diskurses. In Anlehnung insbesondere an Arbeiten in der Tradition der transkulturellen Medien- und Kommunikationsforschung wollen wir unter Kultur allgemein das je spezifische Gesamt von bestimmten Mustern (Klassifikationssystemen und diskursiven Formationen) verstehen, auf die Menschen einer bestimmbaren Gruppe in ihrer Praxis (Handeln, Kommunikation etc.) Bezug nehmen, um Dingen Bedeutung zu geben (Hall 2002; Hepp 2004; Tomlinson 1999). Bezieht man dieses Verständnis von Kultur auf die gegenwärtige Diskussion um einen praxeologischen Ansatz in der vergleichenden Kulturforschung (vgl. Reckwitz 2005: 96), dann integriert es alle drei etablierten Traditionen des Sozialkonstruktivismus: einen mentalistischen (mit der Betonung der Relevanz von Klassifikationssystemen), einen textuellen (mit der Betonung der Relevanz diskursiver Formationen) und einen praxeologischen (mit der Betonung der Relevanz alltäglicher Bedeutungsproduktion durch Praktiken). Die damit verbundene Idee ist es, die Zentralität alltäglicher Praktiken bei der Artikulation von Kultur zu berücksichtigen, gleichzeitig aber auch einzubeziehen, dass sich Kultur nicht hierauf reduzieren lässt. Kultur ist ebenso präsent in diskursiven Formationen und Klassifikationssystemen, auf die wir in unseren alltäglichen Handlungen Bezug nehmen, in den meisten Fällen ohne ein „diskursives Bewusstsein“ im Sinne von Anthony Giddens (1995) davon zu haben. In diesem Zusammenhang hebt der Ausdruck „Muster“ darauf ab, dass Kulturanalyse nicht einfach das singuläre Denken, den singulären Diskurs oder die singuläre Praxis beschreiben sollte, sondern auf der Basis der Analyse unterschiedlicher singulärer Phänomene die typischen „Arten“ des Denkens, der Diskurse oder der Praktiken in einem bestimmten kulturellen Kontext. Mit anderen Worten ist ein kulturelles Muster ein bestimmter „Typus“, der in der Kulturanalyse herausgearbeitet wird (Hepp 2009). In diesem Sinne verstandene Kulturen können territorial bezogen sein (beispielsweise 4. Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 183 Nationalkulturen) oder auch deterritorial (beispielsweise professionelle Journalismuskulturen). Die Nähe eines solchen Kulturbegriffs zu dem des Diskurses wird bereits daran deutlich, dass diskursive Formationen als ein zentraler Aspekt von Kultur begriffen werden. Der Diskursbegriff selbst hat in den empirisch arbeitenden Sozialwissenschaften in den letzten Jahren eine erstaunliche Karriere erlebt (vgl. Keller 2004: 14-19). Analytisch wollen wir uns mit unserem Diskursbegriff an die „wissenssoziologische Diskursanalyse“ (Keller 2007) anschließen. Der Grund hierfür ist, dass sich die wissenssoziologische Diskursanalyse durch einen Brückenschlag zwischen einer sozialwissenschaftlichen Diskursforschung einerseits und neueren kulturalistischen Ansätzen andererseits auszeichnet und dabei eine empirische Ausrichtung wahrt. Diskurse werden als analytisch abgrenzbare Ensembles von (kommunikativen) Praktiken und Bedeutungszuschreibungen verstanden (Keller 2004: 59). Dabei geht die wissenssoziologische Diskursanalyse in Anlehnung an Giddens Konzept der Dualität von Struktur davon aus, dass sich in einem einzelnen Diskursereignis der Gesamtdiskurs aktualisiert und damit auch reproduziert oder transformiert wird. Diskurse verweisen auf bestimmte „institutionelle Felder“ (ebd.), in unserem Fall das der Politik. Konkret verstehen wir folglich unter politischem Diskurs ein Ensemble von kommunikativen Praktiken und Bedeutungszuschreibungen im Bereich der öffentlichen politischen Kommunikation. Ein einzelner politischer Diskurs kann im demokratietheoretischen Sinne deliberativ bzw. legitimierend sein, muss es aber nicht. Es ist also eine Frage der empirischen Analyse im Hinblick auf bestimmte normative Kriterien, ob bzw. wenn ja in welcher Weise ein bestimmter Diskurs politisch legitimierend ist (vgl. Wessler 2008). Bezieht man diesen Begriff des Diskurses zurück auf unseren bisher formulierten Begriff der Kultur, so ergibt sich folgender Begriff von politischer Diskurskultur: Unter politischer Diskurskultur ist das spezifische Gesamt von Mustern (Klassifikationssystemen, diskursiven Formationen) politischer Kommunikation zu verstehen, auf die Menschen einer bestimmbaren Gruppe Bezug nehmen, um politischem Handeln Bedeutung zu geben. Politische Diskurskulturen sind demnach ein Teilaspekt heutiger (Medien-)Kulturen. Eine Unterscheidung von politischen Diskurskulturen und umfassenderen Medienkulturen ist darüber möglich, dass sich erstere auf ein bestimmtes „institutionelles Feld“ beziehen – nämlich das des politischen Handelns –, das durch spezifische Diskursereignisse und Praktiken abgrenzbar ist, auch wenn es selbstverständlich fließende Übergange zur weiteren (Medien-)Kultur gibt. Wie es Paolo Mancini formuliert: Sie sind „part of the more general culture of the country and cannot be referred to and observed only in relation to the procedures of a specific field of social behaviour“ (Mancini 2007: 10). Um das Konzept der politischen Diskurskultur zu verstehen, ist es entscheidend, seine Beziehung zum Begriff der Öffentlichkeit herauszuarbeiten: Wenn wir Öffentlichkeit als einen Raum verdichteter politischer Kommunikation begreifen (siehe oben), so konstituiert Öffentlichkeit damit den Rahmen für allgemein zugängliche, auf Laienorientierung festgelegte und kompetitive politische Kommunikation (vgl. Ferree et al. 2002; Gerhards/Neidhardt 1991). Wie Bernhard Peters‘ Rede vom „Unterbau“ der Öffentlichkeit deutlich macht, bewegt sich das Konzept der politischen Diskurskultur auf einer anderen Ebene. Politische Diskurskulturen stellen entscheidende strukturierende Voraussetzungen für die Kommunikation in der Öffentlichkeit dar und sie prägen die politische Kommunikation, die im „Rahmen“ von Öffentlichkeiten sichtbar wird, inhaltlich aus. Bei politischen Diskurskulturen geht es um die Analyse grundlegender kultureller Muster, die langfristig das „Bild“ politischer Kommunikation prä- M&K 57. Jahrgang 2/2009 184 gen und die als kulturelle Muster sich zwar einerseits in Praxis artikulieren, aber andererseits ein Eigengewicht und historisch spezifische Trägheitsmomente entwickeln. Entsprechend ist es möglich, durch eine Analyse politischer Diskurskulturen Differenzen bei der Transnationalisierung von Öffentlichkeit zu erklären: Unterschiedliche politische Diskurskulturen tragen dazu bei, dass sich im Bereich der politischen Kommunikation dieselben Momente des Wandels – wie beispielsweise in Europa die Supranationalisierung von Politik und Entscheidungsstrukturen (Gerhards 2000) – auf unterschiedliche Weise in den nationalen Öffentlichkeiten konkretisieren. Umgekehrt ist eine (langfristig zumindest prinzipiell denkbare) Annäherung politischer Diskurskulturen – bspw. durch vergleichbare Professionalisierungen im Journalismus – Basis für eine Stabilisierung einer transnationalen europäischen Öffentlichkeit. Analyseebenen politischer Diskurskulturen Die bisherigen Darlegungen schaffen einen allgemeinen Rahmen für eine Analyse von politischen Diskurskulturen als „Unterbau“ von Öffentlichkeit, den es für eine empirische Forschung allerdings weiter auszuformulieren gilt. Hierfür bietet es sich an, die Cultural Studies als einen etablierten Ansatz der empirischen Medienkulturforschung aufzugreifen und die dort bestehenden Überlegungen auf die Erforschung politischer Diskurskulturen zu übertragen. Wie in der Öffentlichkeitsforschung dabei Öffentlichkeit als Kommunikationsraum und damit unter Einschluss von Fragen der Medienproduktion, -inhalte und -nutzung begriffen wird, haben sich in den Cultural Studies mehrschichtige Vorstellungen von (Medien-)Kultur etabliert, nämlich sogenannte Kreislaufmodelle („circuit of culture“). Das Kreislaufmodell geht in seiner Ursprungsidee auf Stuart Halls (1980) Encoding/ Decoding-Modell zurück, mit dem dieser darauf aufmerksam gemacht hat, dass eine kritische Kulturanalyse des Fernsehens neben dem Fernsehdiskurs auch die Ebenen der Produktion (Encoding) und der Rezeption bzw. Aneignung (Decoding) einschlie- ßen sollte. Weiterentwickelt wurde dieser Gedanke durch Richard Johnson (1986, 1999). Johnson verortet die kulturell orientierte Analyse von Medien in einem Kreislaufschema von Produktion, Texten, deren Interpretation und Aneignung in der Kultur als Lebensweise. Über eine rein heuristische Unterscheidung dieser Analyseebenen hinausgehend hebt er in seiner Systematisierung darauf ab, dass dieser Kreislauf im doppelten Spannungsverhältnis einerseits von öffentlicher Darstellung und Privatleben bzw. andererseits von Abstraktion und Konkretisierung zu sehen ist: Während in der Produktion von Medientexten bzw. in Produkten bestimmte Erfahrungen öffentlich und damit auch abstrahiert werden, werden diese über die Interpretation und Aneignung in der Kultur als Lebensweise von Menschen in das Privatleben integriert und damit konkretisiert. Eine Medienkulturanalyse sollte solche unterschiedlichen Formierungen von Medienkultur berücksichtigen. Aufgegriffen wurde dieser Gedanke wiederum von Paul du Gay et al. (1997), die die Analyseebenen der Regulation, Repräsentation, Identität, Produktion und des Konsums unterscheiden und mit Regulation konkret auch eine Dimension des Politischen einschließen. Wiederum findet sich dabei der Gedanke, dass sich entlang dieser Ebenen jeweils spezifische Prozesse konkretisieren („distinct processes“, ebd.: 3), Kultur oder Medienkultur aber erst in der Gesamtartikulation dieser Ebenen greifbar wird. Es geht also darum, einen linearen Blick auf Medienkommunikation als Prozess des Herstellens, der Darstellung und der Rezeption von Inhalten zu überwinden zugunsten eines Zugangs, der Medien als Teil von Kultur insgesamt analysiert (Grossberg et al. 1998: 18-26). 5. Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 185 In der bisherigen Forschung besteht eine Diskussion darüber, inwieweit dieses Kreislaufmodell geeignet erscheint, auch politische Kommunikation und ihre kulturellen Aspekte zu analysieren. Oliver Marchart (2008: 226-233) sieht beispielsweise in dem Modell die Tendenz, Dimensionen des Politischen auf die Ebene staatlicher Regulation einzuengen und damit „den Bereich der Makropolitik aus dem Blick zu drängen“ (ebd.: 232). Einer solchen Position ist zweierlei zu entgegnen: Erstens ist das Aufgreifen der Ebene der Regulation entgegen einer solchen Kritik gerade für die Analyse politischer Kommunikation ein wichtiger Schritt, weil Medienstudien in der Cultural-Studies-Tradition Fragen staatlicher Einflussnahme und (politischer) regulativer Institutionen lange Zeit nicht im Blick hatten, sondern eher die Politik auf Ebene widerständiger, sozialer Bewegungen (Krönert 2009). Zweitens setzen solche Kreislaufschemata Politik bewusst nicht mit der Ebene der Regulation gleich, sondern behandeln Aspekte des Politischen auf allen Ebenen, bspw. im Hinblick auf Fragen der Repräsentation oder der Identität. Folglich ist eher Einschätzungen wie denen von Grossberg et al. zuzustimmen, die in dem „circuit of culture“ eine allgemeine Grundposition einer auf Fragen der Kultur orientierten Medienanalyse sehen, die sich sehr wohl für politische Kommunikation eignet.9 Diese Argumentation aufgreifend erscheint es zielführend, auch politische Diskurskulturen entlang der Artikulationsebenen von Regulation, Produktion, Repräsentation, Aneignung und Identifikation zu betrachten. Entsprechend lässt sich das Konzept politischer Diskurskultur analytisch dahingehend konkretisieren, dass politische Diskurskultur das je spezifische Gesamt von kulturellen Mustern der Produktion, Repräsentation und Aneignung politischer Kommunikation wie auch der damit verbunden Regulation und Identifikation fasst (vgl. Tabelle 1). Über die heuristische Unterteilung dieser Ebenen hinaus ist damit der Gedanke verbunden, dass eine angemessene Analyse politischer Diskurskulturen über eine verbindende Betrachtung dieser Ebenen erfolgt. Artikulationsebenen politischer Diskurskulturen Regulation Kulturelle Muster der institutionellen bzw. strukturellen Bedingungen politischer Kommunikation Produktion Kulturelle Muster der Hervorbringung politischer Kommunikation Repräsentation Kulturelle Muster der Darstellung und Inhalte von politischer Kommunikation Aneignung Kulturelle Muster der Rezeption, Nutzung und alltäglichen Lokalisierung politischer Kommunikation Identifikation Kulturelle Muster der kollektiven Identifikation in politischer Kommunikation Wie eine ausgewählte Betrachtung der bisherigen Forschungsliteratur zu europäischer Öffentlichkeit zeigt, weisen bestehende Untersuchungen bereits auf deutliche Momente unterschiedlicher nationaler politischer Diskurskulturen in Europa hin, aber auch auf Ansätze europäischer Gemeinsamkeiten. Regulation Die Ebene der Regulation fokussiert mit den kulturellen Mustern der institutionellen bzw. strukturellen Bedingungen politischer Kommunikation den Bereich, der in der Tabelle 1: 5.1 9 Dies zeigt sich in der deutschsprachigen Kommunikations- und Medienwissenschaft in der Konzeptionalisierung der „cultural citizenship“ durch Elisabeth Klaus und Margret Lünenborg (2004: 201), die diese im „Kreislauf kultureller Bedeutungsproduktion“ beschreiben. M&K 57. Jahrgang 2/2009 186 kommunikations- und medienwissenschaftlichen bzw. politikwissenschaftlichen Forschung gemeinhin als Mediensystem bezeichnet wird und bereits bisher im Konzept der politischen Kommunikationskulturen Berücksichtigung findet. Die vergleichende Forschung zu Mediensystemen ist sowohl international als auch national breit und vielfältig und es wurden gerade in jüngster Zeit verschiedenste Systematisierungsansätze vorgelegt, auf die wir zum Teil bereits verwiesen haben (vgl. überblickend Thomaß 2007; Terzis 2008). Uns geht es bei der Erfassung von politischen Diskurskulturen aber nicht einfach um die Beschreibung von Mediensystemen, sondern um die den Mediensystemen zugrunde liegenden kulturellen Muster der Regulation. Eine solche Analyse bewegt sich nicht auf der Ebene der Darstellung von bestehenden Gesetzeslagen und Institutionen des politischen Mediensystems, sondern hebt darauf ab, die diesen Gesetzen und Institutionen zugrunde liegenden regelhaften kulturellen Zusammenhänge herauszuarbeiten. Im Fokus der Analyse stehen also „hinter“ Gesetzen, Institutionen und konkreten Politiken liegende kulturelle Grundmuster des Regulierens von politischer Kommunikation, wie sie Ferree et al. (2002) zumindest teilweise mit dem Begriff der diskursiven Opportunitätsstrukturen thematisieren. Bezogen auf eine Betrachtung politischer Diskurskulturen in Europa finden sich wichtige Hinweise für einen solchen Zugang in den bereits zitierten Arbeiten von Hallin und Mancini (2004). In ihrer Betrachtung von Mediensystemen unterscheiden sie in Bezug auf Europa drei Modelle, nämlich das mediterrane oder polarisiert-pluralistische Modell, das zentral- und nordeuropäische demokratisch-korporatistische Modell und das US-amerikanisch geprägte liberale Modell. Ohne den Ansatz hier umfassend diskutieren zu können (siehe dazu u. a. Hardy 2008), haben die Überlegungen von Hallin und Mancini einen deutlichen kulturellen Aspekt. Ihres Erachtens lassen sich die politischen Mediensysteme in Europa durch grundlegende kulturelle Muster der Haltung zu staatlicher Intervention, der Organisation von Demokratie bzw. des Pluralismus oder der politischen Rolle des Staates beschreiben (ebd.: 67f.). Auch wenn es gilt, solche kulturellen Muster der Regulation differenzierter bzw. unter Einbezug einer gesamteuropäischen sowie osteuropäischen Perspektive zu betrachten, so machen die Studien von Hallin und Mancini deutlich, dass über konkrete Institutionen hinweg kulturell typische Weisen der Regulation bspw. in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien bestehen bzw. die Frage näher zu betrachten ist, wie über verschiedene Länder hinweg sich in Europa kulturelle Muster der Regulation etabliert haben und verbreiten (z. B. Parallelität von öffentlichen und privaten Medien). Produktion Die Artikulationsebene der Produktion von politischen Diskurskulturen schließt an die in der Kommunikations- und Medienwissenschaft etablierte Tradition der Forschung zu politischen Kommunikationskulturen und Journalismuskulturen an, kontextualisiert diese aber weiter im Gesamtzusammenhang der jeweils betrachteten politischen Diskurskultur. Greift man die bereits angeführte Forschung auf (Hanitzsch 2007; Hollifield et al. 2001; Löffelholz/Weaver 2008; Pfetsch 2003; Zelizer 2005) und systematisiert diese, so erscheint es uns zielführend, zumindest drei Aspekte näher zu 5.2 Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 187 betrachten.10 Dazu gehören einerseits kulturelle Muster bei der Akteurskonstellation, d. h. Muster im Hinblick darauf, welche Akteure aus Politik und Medien an der Produktion politischer Kommunikation typischerweise beteiligt sind bzw. wie deren Karrieren typischerweise gestaltet sind. Zweitens betrifft dies kulturelle Muster im Hinblick auf die Produktionsweisen politischer Kommunikation, insbesondere Muster der Auswahl- und Verarbeitungspraxis von Nachrichten usw. Drittens sollten im Fokus ebenfalls die Normen der Medienschaffenden stehen, d. h. kulturelle Muster von Wertorientierung gegenüber politischer Kommunikation bzw. politischen Öffentlichkeiten im Allgemeinen. An dieser Stelle bestehen Rückbezüge auf die Einstellungsforschung, wie sie im Bereich der politischen Kommunikation und der Journalismusforschung – zum Teil wiederum im Rückgriff auf die politische Kulturforschung – etabliert sind. Wiederum gestattet die bisherige Forschung erste Aussagen zu dieser Dimension politischer Diskurskulturen in Europa. So haben existierende Untersuchungen deutlich gemacht, dass sich in doppelter Hinsicht eine transnationale europäische Konstellation entwickelt hat. Erstens hat sich ein wachsendes, stark kooperierendes Journalistennetzwerk in Brüssel etabliert, das zum Teil aus langjährig tätigen Korrespondenten besteht, die über eine gemeinsame, transnationale Arbeitskultur verfügen (Baisnée 2002; Heikkilä/Kunelius 2008). Zweitens hat sich eine bestimmte Form der europäischen Öffentlichkeitsarbeit etabliert. Solche politischen PR- und Korrespondenteninformationen werden jedoch entlang von nationalen Produktionsmustern aufbereitet (AIM Research Consortium 2007; bezogen auf Professionalisierung Offerhaus 2009). Eine weitergehende Analyse politischer Diskurskulturen in Europa müsste auf Produktionsebene im Detail ein solches Ineinandergreifen von nationalen und transnationalen kulturellen Mustern im Hinblick auf Akteurkonstellation, Produktionsweisen und Produktionsnormen untersuchen. Repräsentation Auch im Hinblick auf Repräsentation versteht sich von selbst, dass es nicht generell um die Darstellung von verschiedensten Befunden der Inhalts- und Diskursanalyse gehen kann. Eine Betrachtung politischer Diskurskulturen zielt vielmehr konkreter auf das Herausarbeiten von grundlegenden inhaltlichen kulturellen Mustern, beispielsweise des Argumentierens, Berichtens oder Darstellens ab, ein Feld, für das sich die vergleichende Journalismusforschung seit Langem interessiert (Scholl/Weischenberg 1998; Lünenborg 2000; Wessler 2008). Es geht demnach nicht um die Rekonstruktion von Einzelphänomenen (also um die Berichterstattung zu einem bestimmten politischen Thema oder um einen bestimmten politischen Diskurs), sondern vielmehr um die Frage, ob sich über solche Themen und Einzeldiskurse hinweg stabile kulturelle Repräsentationsmuster ausmachen lassen. Konkretisiert man dies in Bezug auf Europa, so liegen unterschiedliche inhaltsanalytische Befunde vor, sowohl im Hinblick auf alltägliche politische Inhalte als auch im Hinblick auf herausgehobene Medienevents. Fragt man nach den solchen Berichterstattungen zugrunde liegenden kulturellen Mustern, so betrifft dies insbesondere Forschung zur „Differenz“ bzw. „Konvergenz“ von Berichterstattungsweisen, wozu es 5.3 10 Dies schließt nicht aus, dass man – gerade im Bereich der Journalismusforschung, in der auch andere Fragen wie beispielsweise Professionalisierungsprozesse interessieren – weitergehende Aspekte in die Forschung einbezieht. Vielmehr begreifen wir die von uns aufgeführten Aspekte als Kernbereich, den eine Forschung zu politischen Diskurskulturen einbeziehen sollte. M&K 57. Jahrgang 2/2009 188 im Vergleich zu anderen inhaltsanalytischen Untersuchungsfeldern nur wenige Studien gibt. Juan Diez Medrano (2003) weist beispielsweise zwischen 1946 und 1995 eine Konvergenz der Deutungsrahmen und Thematisierungen für die deutsche, französische und spanische Debatte zur europäischen Integration nach. In unserer eigenen Studie untersuchten wir die Konvergenz der Mediendebatten zu zwei sehr unterschiedlichen Themen – die Legitimation militärischer Interventionen und gentechnisch veränderte Lebensmittel – über einen Zeitraum von 12 bzw. 13 Jahren (Wessler et al. 2008). Beim Thema militärische Interventionen, für das die EU bisher nur geringe eigene politische Kompetenzen besitzt, finden sich kaum Anzeichen von Konvergenz. Anders ist dies beim Thema gentechnisch veränderte Lebensmittel, ein Politikbereich, in dem die EU eine zentrale Regulationsinstanz ist. Solche Beispiele verdeutlichen, dass die vorhandenen Inhaltsanalysen zwar Fragen grundlegender kultureller Muster streifen, eine umfassende vergleichende Analyse als Teil der Beschreibung von politischen Diskurskulturen in Europa bisher aber nicht vorliegt. Dabei kann vermutlich davon ausgegangen werden, dass die Art und Weise der Repräsentation politischer Kommunikation in einer bestimmten politischen Diskurskultur dem dort vorherrschenden Normenverständnis von Öffentlichkeit zumindest partiell entspricht (Ferree et al. 2002). Aneignung Im Feld der Journalismusforschung wurde darauf hingewiesen, dass nur dann sinnvoll von einem kulturtheoretischen Zugang gesprochen werden kann, wenn auch der alltägliche Umgang mit den Medienprodukten bzw. der Berichterstattung betrachtet wird (Klaus/Lünenborg 2004; Renger 2000). In diesem Sinne wollen wir mit dieser Ebene der politischen Diskurskulturen die Beschreibung von grundlegenden Mustern des alltäglichen Sich-zu-Eigen-Machens im Sinne der Nutzung bzw. alltagsweltlichen Lokalisierung politischer Kommunikation fassen. Es geht folglich nicht nur um die Aufbereitung von vergleichenden Mediennutzungsdaten, so zentral diese als Hintergrundinformation auch sind (vgl. Hasebrink/Herzog 2009). Im Zentrum stehen – neben allgemeinen Fragen der Differenz von genutzten Medienangeboten und Arrangements der Mediennutzung – erstens kulturelle Muster der Bedeutungszuweisung zu Medieninhalten, zweitens Differenzen der weiteren Umgangsweisen mit diesen Inhalten (Hepp 2006: 261-262). Grundlegende kulturelle Unterschiede in der Aneignung helfen zu fassen, wie sich politische Diskurskulturen im Alltag der Menschen konkretisieren, inwiefern sie beispielsweise Legitimität und „cultural citizenship“ herstellen (Couldry 2006; Dahlgren 2006; Klaus/Lünenborg 2004). Konkretisiert man dies für Europa, so fällt auf, dass insbesondere eine Beschäftigung mit Aneignungsprozessen bisher einen sehr untergeordneten Stellenwert hatte. Aus einer öffentlichkeitstheoretischen Perspektive ist es sinnvoll, zwischen Medienpublika („audiences“) und Bürgerpublika („publics“) zu unterscheiden (Lingenberg 2009). Medienpublika setzen sich aus den Rezipienten einzelner Medienangebote zusammen. Demgegenüber werden Bürgerpublika nicht durch die Nutzung bestimmter Medienangebote konstituiert, sondern dadurch, dass Individuen oder Gruppen sich als durch „Europa“ und europapolitische Entscheidung Betroffene wahrnehmen sowie Meinungen, Einstellungen und Anschlusshandlungen dazu entwickeln. Im Hinblick auf europäisierte Medienpublika fällt ins Gewicht, dass die Sprachenvielfalt in Europa die Nutzung ausländischer Medien für breite Publika generell schwierig macht, insbesondere im Bereich der politischen Kommunikation. Von einem allgemeinen europäischen Informations-Publikum kann man kaum und wenn, dann allenfalls in Bezug auf Eliten sprechen (Chalaby 2002). Im Hinblick auf medieninduzierte europäisierte Bür- 5.4 Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 189 gerpublika fällt auf, dass das Ausmaß der Mediennutzung und die Aufmerksamkeit des Publikums für die EU einen positiven Einfluss auf die Zustimmung zur EU-Osterweiterung hat – allerdings nur dort, wo die Medienberichterstattung nicht zu schwach und in der Tendenz relativ eindeutig ist (de Vreese/Boomgaarden 2006). Gleichzeitig hat die breite Berichterstattung über das Scheitern der Referenden in Frankreich und den Niederlanden im Jahre 2005 auch für Nichtbetroffene etwa in Deutschland und Italien die wechselseitige Interdependenz im Prozess der europäischen Integration sehr greifbar werden lassen und so auch in den Ländern, in denen kein Referendum stattfand, zu Betroffenheitswahrnehmungen geführt (Lingenberg 2009). Allerdings wurde das Thema von den Befragten in Italien mit deutlich anderen thematischen Bezügen diskutiert als in Frankreich und Deutschland, die sich diesbezüglich recht ähnlich waren. Gerade solche ersten Ergebnisse weisen darauf hin, welchen Stellenwert Erkenntnisse über kulturelle Muster der Medienaneignung haben, wenn man die Nachhaltigkeit der Transnationalisierung von Öffentlichkeit in Europa abschätzen möchte, weswegen deren Betrachtung als Teil von politischen Diskurskulturen wichtig ist. Identifikation Dass politische Kommunikation nicht sinnvoll jenseits von Fragen (politischer) Identität behandelt werden kann, zeigt eine Vielzahl von Studien, die gerade auch historisch Nationalstaatlichkeit, Kommunikation und nationale Identität in eine enge Beziehung zueinander setzen (Anderson 1983; Billig 1995; Schlesinger 1991). Vor diesem Hintergrund erscheint es uns angebracht, den Aspekt der Identifikation in unsere Betrachtung von politischen Diskurskulturen zu integrieren. Wiederum interessieren uns hierbei kulturell spezifische Grundmuster der Identitätsbildung selbst und zwar sowohl im Hinblick auf die Darstellung kollektiver Identitätsangebote als auch im Hinblick auf gelebte, im Falle politischer Diskurskulturen politische Identitäten. Es geht also nicht einfach nur um die Frage der jeweiligen politischen Wir-Zuordnung, sondern differenzierter darum, was sowohl im Hinblick auf deren Darstellung als auch im Hinblick auf den jeweils gelebten Alltag grundlegend als Teil von politischer Identität begriffen wird. Differenzen können beispielsweise darin bestehen, wo Grenzziehungen politischer Identität ausgemacht werden (beispielsweise im Hinblick auf Staatsbürgerlichkeit oder zivilgesellschaftliches Engagement) bzw. wie politische Identität gegen- über anderen Arten und Quellen von Zugehörigkeit (beispielsweise vermittelt durch Konsum) abgegrenzt wird (vgl. García Canclini 2001). Im Kern geht es bei einer Analyse politischer Diskurskulturen also um kulturspezifische Grundmuster der Artikulation politischer Identität als Teil eines weiter gefassten Prozesses politischer Kommunikation. Bezogen auf Europa werden Fragen der kommunikativen Vermittlung von europäischer Identität zwar immer wieder breit diskutiert, nicht zuletzt als ein erklärtes Ziel europäischer Kommunikationspolitik: die Herstellung einer geteilten Identität durch eine geteilte politische Öffentlichkeit (u. a. Morley/Robins 2002; Oddvar Eriksen 2005). Hierbei wird eine durchaus enge Beziehung hergestellt zwischen im Vergleich zu Nationalstaaten bestehenden möglichen „Defiziten“ europäischer Öffentlichkeit einerseits und ebenfalls gesehenen „Defiziten“ einer Identifikation mit Europa andererseits, wie sie regelmäßig von den Eurobarometer-Daten belegt werden (aktuell Eurobarometer 2008). Fundierte Kenntnisse darüber, wie bestimmte kulturelle Muster nationaler und europäischer Identität sich überlagern und nicht „Wirkung“, sondern „Unterbau“ von Öffentlichkeit sind, liegen aber nicht vor. Gleichwohl erscheint auch dies ein zentraler Aspekt der Betrachtung politischer Diskurskulturen in Europa. 5.5 M&K 57. Jahrgang 2/2009 190 Perspektiven: Politische Diskurskulturen in der empirischen Forschung Die entlang der Artikulationsebenen politischer Diskurskulturen betrachteten Beispielstudien machen nochmals deutlich, welches Potenzial dieses Konzept für eine Erklärung von Segmentierungs- aber auch Transnationalisierungsprozessen politischer Öffentlichkeit in Europa hat: Einerseits macht eine Analyse kultureller Muster deutlich, in welchem Maße nach wie vor nationale Stabilitäten bestehen. Andererseits wird deutlich, dass verschiedene Prozesse kultureller Annäherung auszumachen sind. Dem entspricht, dass wir in Bezug auf das Entstehen einer transnationalen europäischen Öffentlichkeit mit zwei Explananda konfrontiert sind. Dies ist erstens der Prozess der Europäisierung von Öffentlichkeit selbst, d. h. ein länderübergreifender, gleichzeitiger Anstieg von vertikaler Europäisierung. Dies betrifft einerseits die von uns eingangs dargelegten Befunde unserer ländervergleichenden Inhaltsanalyse im Hinblick auf die Dimension der Beobachtung von Regieren. Über die verschiedenen von uns untersuchten europäischen Länder hinweg finden wir andererseits eine Zunahme europäischer Wir-Bezüge, wenn auch auf niedrigem Niveau. Beides zusammen lässt sich nicht über die vergleichsweise unterentwickelte politische PR der EU allein (Brüggemann 2008) oder den politischen Relevanzgewinn der EU erklären. Gleichzeitig liegt zweitens, wie unsere inhaltsanalytische Untersuchung gezeigt hat, eine Segmentierung dieser Europäisierung vor. Es bestehen bei der Dimension der Beobachtung von Regieren relativ stabile länderspezifische Besonderheiten der Berichterstattung über Europa. Zusätzlich ist die Dimension der diskursiven Integration – der wechselseitigen Berichterstattung übereinander und damit der horizontalen Europäisierung – langfristig von Stagnation geprägt. Die Europäisierung von Öffentlichkeit bleibt also national segmentiert und zwar auch dort, wo sich dies nicht mit einem einfachen Verweis auf nationale politische Interessen erklären lässt. Im Hinblick auf diese von uns eingangs dargelegten Befunde bietet die Untersuchung politischer Diskurskulturen einen relevanten Erklärungsansatz: Bezogen auf die Europäisierung von Öffentlichkeit können – so zumindest die Hypothese – vermittelt über einen politischen Relevanzgewinn der EU Ansätze einer europäischen politischen Diskurskultur ausgemacht werden (greifbar beispielsweise auf Ebene der Produktion in bestimmten Mustern der Akteurskonstellation von Brüssel-Korrespondenten). In diese fügen sich auch neu hinzukommende EU-Mitglieder wie Polen ein, was die vergleichsweise schnelle Anpassung der dortigen Berichterstattung an die in Westeuropa bestehenden Muster einer vertikalen Europäisierung erklärt. Gleichzeitig überlagert eine solche europäische politische Diskurskultur nur die mit langen historischen Traditionen existierenden nationalen politischen Diskurskulturen. Hierüber erklärt sich der Befund einer Segmentierung europäischer Öffentlichkeit. Über die relative Stabilität bestehender kultureller Muster und den Wandel bzw. das Entstehen neuer kultureller Muster der politischen Kommunikation wird also ein komplexer Befund zur europäischen Öffentlichkeit verständlich. Für eine vertiefende empirische Forschung dazu hat das Konzept des Kreislaufs der Kultur eine zumindest doppelte methodische Implikation. Einerseits ist – wie mehrfach betont – die Analyse politischer Diskurskulturen eine Mehrebenenanalyse. Andererseits verlangt dies eine Triangulation unterschiedlicher Erhebungsmethoden und Auswertungsverfahren. Hierauf haben auch Johnson et al. (2004) bei einer methodischen Reflexion des „circuit of culture“ hingewiesen. Die methodischen Implikationen des ursprünglichen Modells des Kreislaufs der Kultur aufgreifend weisen sie darauf hin, dass dessen unterschiedliche Ebenen verschiedene Formen des methodischen Vorgehens voraussetzen. Die in der Medienkulturforschung bestehende „Vielfalt von Me- 6. Hepp/Wessler · Politische Diskurskulturen 191 thoden wird auch produziert durch die Formen und Komplexität von kulturellen Kreisläufen“ (Johnson et al. 2004: 40). Entsprechend ist eine empirische Auseinandersetzung mit politischen Diskurskulturen immer ein „triangulatives Vorgehen“ (Flick 2004). Ganz konkret heißt dies in Bezug auf politische Diskurskulturen, dass kulturelle Muster der Regulation beispielsweise über die Kombination einer systematisierenden Dokumentenanalyse und Experteninterviews zugänglich sind. Die Analyse kultureller Muster der Produktionspraxis bedarf neben Befragungen einer Beobachtung, insbesondere um Zugang zu nicht diskursiv bewussten Aspekten der Berufspraxis zu gewinnen. Kulturelle Muster der Repräsentation sind über eine Kombination standardisierter und nicht-standardisierter Inhaltsanalysen zugänglich. Aneignungs- wie auch Identifikationsprozesse erschließen sich wiederum insbesondere über standardisierte und nicht-standardisierte Befragungen. Die Besonderheit bei der Anwendung dieser in der Kommunikations- und Medienwissenschaft etablierten Erhebungsmethoden und Auswertungsverfahren ist darin zu sehen, dass diese auf eine Bestimmung kultureller Muster (der Produktion, Repräsentation, Aneignung, Regulation und Identifikation) zielt, die als charakteristisch für politische Diskurskulturen angesehen werden können. Wie wir bei der Darlegung unseres Begriffs der politischen Diskurskultur deutlich gemacht haben, sollte eine Forschung zu politischen Diskurskulturen in dreifacher Hinsicht kulturelle Muster herausarbeiten, nämlich „Muster des Denkens“, „Muster des Diskurses“ und „Muster der Praxis“ bzw. des „Handelns“ in politischer Kommunikation. Dabei gilt es, deren Wechselbeziehung und Prozesshaftigkeit zu reflektieren. Insgesamt hebt der Ausdruck „Muster“ also darauf ab, dass Forschung zu politischen Diskurskulturen nicht einfach das singuläre Denken, den singulären Diskurs oder die singuläre Praxis beschreiben sollte. Es geht darum, auf der Basis der Analyse unterschiedlicher singulärer Phänomene die typischen „Arten“ des Denkens, der Diskurse und der Praktiken in einem bestimmten kulturellen Kontext mittels empirischer Methoden der Medien- und Kommunikationsforschung herauszuarbeiten. Hierin liegt – über eine triangulative Orientierung hinaus – der Kern der methodischen Implikationen des Konzepts der politischen Diskurskultur. Zentral bleibt bei einer solchen Untersuchung politischer Diskurskulturen allerdings, dass die Typisierung von kulturellen Mustern über die verschiedenen Artikulationsebenen hinweg erfolgt bzw. nicht von vornherein auf die Ebene des Nationalkulturellen heruntergebrochen wird. Vielmehr gilt es kritisch zu prüfen, welche Momente politischer Diskurskulturen national sind bzw. verbleiben und wo Momente von Europäisierung auszumachen sind. 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Abstract

Medien & Kommunikationswissenschaft provides a forum for discussion of media and communications related issues as well as for analyses of current media developments from various perspectives that are directed to all kinds of media. The journal reflects the latest trends in research and public discussion of media. Medien & Kommunikationswissenschaft primarily addresses scholars, journalists, media organisations, the press, radio and tv broadcaster, film, tv, and video production companies, organisations, and teachers. Website: www.m-und-k.nomos.de

Zusammenfassung

Medien & Kommunikationswissenschaft bietet ein Forum zur Diskussion medien- und kommunikationsbezogener Fragen sowie für Analysen der Medienentwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven und für alle Medien. Medien & Kommunikationswissenschaft spiegelt damit die Trends der Forschung und der öffentlichen Diskussion um die Medien wider. Die Zeitschrift hat einen Jahresumfang von ca. 600 Seiten und enthält Aufsätze, Berichte, Dokumente, Diskussionsbeiträge, Rezensionen sowie eine Zeitschriftenlese und eine Literaturübersicht.

Medien & Kommunikationswissenschaft wendet sich an Wissenschaftler, Journalisten, Medien-Organisationen, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Film-, Fernseh-, Videoproduktionsunternehmen, Verbände, Lehrer, Pressewesen, Medienpolitiker.

Homepage: www.m-und-k.nomos.de